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Antisemitismusdebatte: Linkspartei Bundestagsabgeordnete aus NRW stellen sich vor Linksjugend und Landesvorstand

Davidsternhakenkreuz Foto: Antifa Z

Davidsternhakenkreuz Foto: Antifa Z

Ungeachtet der zahlreichen Proteste aus der eigenen Partei gegen die antisemitischen Auswüchse auf Veranstaltungen der NRW-Linkspartei und ihres Jugendverbandes hat sich die NRW-Landesgruppe der Linkspartei hinter den Jugendverband Solid und den Landesvorstand gestellt.  

In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die Abgeordneten hinter die NRW-Partei gestellt – und gegen die zahlreichen Kritiker aus den eigenen Reihen. In der wirren Welt der Dagdelens, Movassats, Wagenknechts und Jelpkes sind das wohl die Abweichler:

Zu den Vorwürfen gegenüber der LINKEN und Linksjugend NRW in Zusammenhang mit der Kundgebung am vorigen Freitag erklärt die Landesgruppe der LINKEN NRW im Bundestag:

NRW-LINKEN-Landesgruppe solidarisch mit Nahost-Position des NRW-Landesvorstandes

Die Friedenskundgebungen in Essen und Köln waren mit insgesamt über 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die größten Veranstaltungen, die von der LINKEN in NRW seit langem durchgeführt worden sind. Auch die Polizei bestätigt, dass sie einen friedlichen und nicht-„extremistischen“ Verlauf hatten. Wir halten es für unerträglich, dass nun ausgerechnet aus der eigenen Partei völlig verzerrte, ehrenrührige Vorwürfe kommen, die nicht nur den Erfolg der NRW-Genossinnen und Genossen schlecht machen, sondern sie gar in die Nähe von AntisemitInnen rücken. Wir stellen uns ausdrücklich vor die NRW-Linksjugend und den Landesvorstand der LINKEN in NRW.

Besonders bedauerlich ist die Einmischung von LINKEN-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn, der in einer Pressemitteilung suggerierte, auf der LINKEN-Kundgebung in Essen habe es „beschämenden Antisemitismus“ gegeben. Höhn hat seine Informationen ganz offenbar ausschließlich aus der Presse, er hat sich aber nicht mit der Linksjugend oder dem LINKEN-Landesvorstand in Verbindung gesetzt, um zu klären, ob diese Vorwürfe überhaupt zutreffen.

Nicht nachvollziehbar für uns ist auch die Teilnahme des Bundestagsabgeordneten Harald Petzold auf der antideutschen Gegenkundgebung.

Unseres Wissens hat es das bisher nicht gegeben, dass prominente Mitglieder unserer Partei direkt daran mitwirken, eine Aktion einer Landesgliederung zu diskreditieren. Das war ein offener Affront gegen die Landespartei.

Angesichts von jetzt schon mehreren hundert getöteten ZivilistInnen im Gazastreifen kann es keine linke Solidarität mit der Politik der rechten israelischen Regierung Netanjahu geben. Unsere  ungeteilte Solidarität gehört vielmehr jenen Menschen in Israel und Palästina, die für ein sofortiges Ende der Gewalt und für eine gemeinsame Friedenslösung eintreten, welche von einer großen Mehrheit sowohl der PalästinenserInnen als auch der Israelis als gerecht empfunden wird und die jeweiligen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung und Sicherheit berücksichtigt. Wir appellieren an alle Genossinnen und Genossen, jede einseitige Parteinahme für eine der kämpfenden Parteien zu vermeiden, die Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand und die Suche nach tragfähigen Konfliktlösungen in den Mittelpunkt unserer Politik zu stellen. Nur so werden wir unserer historischen Verantwortung gerecht – nicht indem wir jetzt Stellvertreterauseinandersetzungen in den eigenen Reihen führen.

Diejenigen, die jetzt die NRW-LINKE als AntisemitInnen diffamieren, leisten dem Kampf gegen Antisemitismus einen Bärendienst. Denn sie missbrauchen den notwendigen Kampf gegen realen Antisemitismus für ihren innerparteilichen Machtkampf.

Wir bleiben dabei: Wir sind gegen alle Kriege, und wir sind solidarisch mit den Opfern militärischer Gewalt. In Palästina wie in Israel.

Gegen Antisemitismus und Rassismus müssen wir als LINKE gemeinsam aufstehen und auch in unseren eigenen Reihen stets das Bewusstsein dafür wach halten. Dafür setzen wir uns auch gemeinsam mit unserem Landesverband und dem Jugendverband in NRW ein.

Ulla Jelpke, Sevim Dağdelen, Inge Höger, Andrej Hunko, Niema Movassat, Alexander Neu, Kathrin Vogler, Sahra Wagenknecht, Hubertus Zdebel

Die antisemitischen Plakate und Sprüche, der Essener Mob – das stört die Unterzeichner ebenso wenig wie die Teilnahme von NRW-Landeschef Michalowsky an einer Demonstration in Dortmund, auf der auch Neonazis mitmarschierten. Ist diese Erklärung eine Überraschung? Nein – der Landesverband NRW galt immer als ein Hort des Wahnsinns – und diese Erklärung zeigt, dass sich daran auch in absehbarer Zeit nichts ändern wird.

Die Linke hat ein Problem und es heißt Nordrhein-Westfalen. Alle Beteuerungen gegen Antisemitismus wenig glaubhaft, wenn Kritik an antisemitischen Exzessen nicht als berechtig, sondern als „diskreditierend“  aufgefasst wird und gemeinsame Aufmärsche mit Nazis und Islamisten ohne Konsequenzen bleiben.

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31 Kommentare zu “Antisemitismusdebatte: Linkspartei Bundestagsabgeordnete aus NRW stellen sich vor Linksjugend und Landesvorstand

  • #1
    Thomas Weigle

    Innerparteilichen Machtkampf einer Partei, die sich für den Nabel der Welt hält, aber doch nur die Resterampe der murxistisch-leninistischen Weltanschauung ist.

  • #2
    Herr Karl

    Und sowas haben Ulla Jelpke, Sevim Dağdelen, Inge Höger, Andrej Hunko, Niema Movassat, Alexander Neu, Kathrin Vogler, Sahra Wagenknecht und Hubertus Zdebel unterzeichnet…
    Klar, dass Ralf Michalowsky jetzt triumphiert: „Während manche Linken der Meinung sind sie müssten sich distanzieren, stellen sich die Bundestagsabgeordneten aus NRW klar hinter unsere Kundgebung und die Zusammenarbeit mit der palästinensischen Gemeinde, sowie gegen den Krieg und die Gewalt! Danke dafür, so sieht Solidarität aus!“ (FB-Seite von R. M.)

  • #3
    Arnold Voss

    „Höhn hat seine Informationen ganz offenbar ausschließlich aus der Presse, er hat sich aber nicht mit der Linksjugend oder dem LINKEN-Landesvorstand in Verbindung gesetzt, um zu klären, ob diese Vorwürfe überhaupt zutreffen.“

    Dieser Satz sagt eigentlich alles. Nur wenn die zuständigen Parteigremien bestätigen das die Presse recht hat, hat sie recht.

  • #4
    Ricardo

    Einfache Frage: mal angenommen, es hätte keine antisemitischen Äusserungen auf der Kundgebung gegeben. Ist es völlig egal, wenn sich mehrere Hundert Kundgebungsteilnehmer/innen in einen antisemitisch motivierten Mob verwandeln, wenn sie die Kundgebung verlassen? Was ist das für ein Begriff von Verantwortung.

    „Wir appellieren an alle Genossinnen und Genossen, jede einseitige Parteinahme für eine der kämpfenden Parteien zu vermeiden“

    Erinnert sei auch, dass es sich um einen einseitigen Aufruf für die Essener Kundgebung gehandelt hat, der zu den merkwürdigen Allianzen geführt hat. Also doch was gelernt?

  • #5
    Southside Slugger

    Ja, Thomas Weigle hat ja besonders viel zum Thema beizutragen, hoffentlich beläßt er es dabei.

    Ich würde es begrüßen wenn der LV NRW sich selbstständig macht, samt den Dehms oder Gehrckes die da noch so rumschwirren, dann hat sich das erledigt.

    Es reicht auch irgendwann.

  • #6
    Dion

    Woah, NRW ist das größte Scheißloch geworden. Schlimmer als Baden Württemberg – und die müssen dafür nicht mal was machen. Außerdem kann irgendwie keiner mehr richtig Religionen kritisieren. Alle sind extrem vorsichtig bei dem Thema.

    Wir sollten eigentlich alle wissen, dass der Islamismus in dieser Region das eigentliche Problem ist.

  • #7
    Tobias

    Zum Glück sind das nicht die einzigen, die sich in der Linkspartei zu diesem Thema äußern. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Vernünftigen Menschen in der Linkspartei, die ein differenziertes Verständnis von Antisemitismus und sinnvollen Allianzen an den Tag legen, endlich mal gegen diese Leute durchsetzen, denen gegen Israel noch jedes Bündnis recht ist, sei es noch so widerlich.

  • #8
  • #9
  • #10
    Jörn Vanselow

    @ Thomas Weigle: Eine reflektierte, kritische Lektüre von Marx, Engels oder Lenin dürfte ca. 90% der Unterzeichnenden intellektuell überfordern. I know what I am talkin‘ ‚bout… Dieses Faktum spricht jedoch nicht generell gegen die genannten drei Autoren und die von ihnen entwickelten Ideen. Oder die Ideen, die andere drauf aufbauend (zum Beispiel Adorno und Horkheimer) entwickelten.

    Die Erklärung der NRW-MdBs der Linken zeigt zunächst nur eines: den intellektuellen, politischen und moralischen Bankrott der NRW-Landesgruppe der Linken im Bundestag. Dass sich nun aber auch eine Sahra Wagenknecht, die seit geraumer Zeit aktiv daran arbeitet, den linken Flügel ihrer Partei in eine Koalition mit der Sozialdemokratie zu führen (und dafür haufenweise linke Positionen geräumt hat, bis hin zum Lobgesang auf die soziale Marktwirtschaft), sich vor den Karren von Jelpke, Höger, Movassat & Co. spannen läßt, zeigt, dass man auf Bundesebene meint zumindest kurz- und mittelfristig nicht auf den Landesverband NRW der Linken in seiner jetzigen Zusammensetzung verzichten zu können.

    Angesichts des vollkommen einseitigen Demo-Aufrufs und des hier an anderer Stelle zitierten Rundschreibens aus den Reihen des Landesvorstands ist die nun nachgereichte Erklärung der blanke Hohn und an Selbstgerechtigkeit kaum zu überbieten. Kritikerinnen und Kritikern pauschal zu unterstellen, dass sie den Kampf gegen den Antisemitismus lediglich für innerparteiliche Machtkämpfe missbrauchen ist infam und blendet jede Kritik von außen (wie zum Beispiel vom Zentralrat der Juden in Deutschland) konsequent aus. Was sich hier vorallem offenbart ist eine schon paranoide Wagenburgmentalität, die auf jeden Einwand, jede Kritik, jede von der eigenen abweichende Sichtweise nur noch mit Beißreflexen reagieren kann. Also so ziemlich das Gegenteil dessen, was Marx und Engels als „wissenschaftlichen Sozialismus“ beschrieben haben. Aber das kommt halt dabei heraus, wenn Leute aus einem Werkzeug(!) zum Verständnis der Welt, eine Ersatzreligion machen: Dummheit, Dogmatismus und Ressentiment. Kurz: DDR. 😉

  • #11
    Irene

    Die Friedenskundgebungen in Essen und Köln waren mit insgesamt über 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die größten Veranstaltungen, die von der LINKEN in NRW seit langem durchgeführt worden sind.

    Aha. Und wann ist die Demo mit 50.000 Leuten gegen die Geldgeber der ISIS und deren Geschäftspartner?

  • #12
    Helmut Junge

    Im Falle von Israel schreiben die Herrschaften, „kann es keine linke Solidarität mit der Politik der rechten israelischen Regierung Netanjahu geben.“
    Aber dafür wird die Regierung in Gaza, nämlich die Hamas, gar nicht erwähnt. Die wird dadurch ausgeklammert, daß man jetzt den großen Schwenk macht und erklärt, wem die Solidarität gehört.
    „Unsere ungeteilte Solidarität gehört vielmehr jenen Menschen in Israel und Palästina, die für ein sofortiges Ende der Gewalt und für eine gemeinsame Friedenslösung eintreten, welche von einer großen Mehrheit sowohl der PalästinenserInnen als auch der Israelis als gerecht empfunden wird und die jeweiligen Bedürfnisse nach Selbstbestimmung und Sicherheit berücksichtigt.“
    Es geht weiter mit einer Forderung an alle Genossen nicht einseitig zu sein und nach Kompromißlösungen zu suchen.
    „Wir appellieren an alle Genossinnen und Genossen, jede einseitige Parteinahme für eine der kämpfenden Parteien zu vermeiden, die Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand und die Suche nach tragfähigen Konfliktlösungen in den Mittelpunkt unserer Politik zu stellen.“
    Die im aktuellen Konflikt getöteten Palästinenser haben sie eingangs bereits erwähnt. Das ist ja der Grund, warum sie mit der „rechten israelischen Regierung“ eben keine Solidarität üben wollen. Aber wenn man nicht einseitig sein möchte, sollte man doch auch die toten Israelis erwähnen.
    Sie sagen, sie wollen nach einer „Kompromißlösung“ suchen. Allerdings haben sie die Hamas gar nicht erwähnt.
    Wie ehrlich ist dann die Suche nach einer Kompromißlösung, wenn einer der zwei erforderlichen Partner im Appell gar nicht erwähnt wird, der andere aber deutlich negativ herausgestellt wird.
    Langer Rede kurzer Sinn: Diese Gruppe fordert im Sinne der Palästinenser und derjenigen unter den Israelis, die auch in ihrem Sinne denken, aber nicht unter Einschluß der israelischen Regierung, „ein sofortiges Ende der Gewalt“.
    Naja, welche Gewalt meinen sie eigentlich? Sie sprechen beispielsweise nicht von der Gewalt durch die Hamas und ihren Raketen und den Kämpferndie durch Tunnel nach Israel kommen um dort zu töten, sondern nur von der Gewalt durch Israel. Die Hamas kommt überhaupt nicht vor im Text.
    Es ist deutlich, daß der Adressat dieses Aufrufs allein die israelische Regierung ist.
    Und das soll dann der Beweis sein, daß die Autoren nicht antisemitisch sind?
    Mir reicht dieser extrem einseitige Appell eher als Beweis dafür, daß sie voll hinter der Politik der Hamas stehen. Und die Autoren sind nicht mal in der Lage, diese Schwäche im Text so zu verschleiern, daß sie nicht sofort ins Auge fällt.
    Intellektuell schwache Leistung.
    Andererseits müssen sie sich „den Genossinnen und Genossen“ gegenüber offensichtlich verteidigen, wenn sie dabei auch die alten Worthülsen verwenden, die die Einseitigkeit ihrer Parteinahme nicht verbergen kann.

  • #13
    Klaus Lohmann

    @#9 | jake: Die Polizei ist nicht die letztgültige Instanz im Bereich Rechtssprechung, gelle?

  • #14
    Stogumber

    Arnold Voss #3 ist ein interessantes Beispiel für den Zusammenbruch kritischen Denkens in propagandistisch aufgeregten Zeiten.
    Sogar ein klassischer bürgerlicher Journalist würde, ehe er den Vorgang öffentlich kommentiert, erst mal die Stellungnahme der Linksjugend oder des Landesvorstands einholen, weil sie nämlich die Veranstalterseite vertreten.

    Im Krieg ist man freilich moralisch verpflichtet, den „Leitmedien“ unbesehen zu folgen – und schon verdächtig, wenn man Informationen jenseits der „Leitmedien“ sucht – und verwerflich, wenn man gar noch die Ansicht der Gegenpartei zur Kenntnis nimmt. So ist das im Krieg. Aber müssen wir uns wirklich benehmen wie im Krieg?

  • #15
    Arnold Voss

    Stogumer, sie Schlauberger, wo haben sie bei mir was von Leitmedien gelesen? Wo haben sie was davon gelesen, dass ich Jemandem verbieten wollte, jenseits dieser ominösen Leitmedien zu suchen? Ein Journalist, egal ob klassisch bürgerlich oder nicht, holt zwar die Stellungname der Veranstalter ein, aber er schreibt was wirklich geschehen ist, und das war genau das, was in diesem Fall der Veranstalter nicht sehen wollte.

    Wozu sollte also ein Politiker, selbst wenn die Veranstalter der gleichen Partei angehören, eine Blindentruppe um ihre Stellungnahme bitten, wenn die journalistischen Beweise überzeugend vor ihm liegen? Um von ihr gesagt zu bekommen, dass das alles nicht stimmt? Politiker sind eben keine Journalisten, Stogumer, und deswegen sollten sie beide Gruppen nicht in einen Topf werfen.

  • #16
    Helmut Junge

    Arnold, die Stellungnahme der entsprechnden Partei-Gruppe kann auch ausbleiben, oder wie die von Michalowsky, die ich vorgestern noch online gelesen habe, einfach verschwinden. So einfach weg, daß man an seinem Verstand zweifelt. Darauf muß man dann nicht mehr warten, wenn es denen peinlich ist.
    Hätte ich die mal rechtzeitig verlinkt.

  • #17
    Udo Schwarz

    Die Linke vor 80 Jahren:

    Angesichts von jetzt schon mehreren hundertausend getöteten ZivilistInnen in Deutschland kann es keine linke Solidarität mit der Politik der rechten Amerikanischen und Britischen Regierung geben.

  • #18
    Arnold Voss

    @ Helmut Junge # 16

    Früher haben solche Leute komplette Menschen verschwinden lassen und ihr Foto aus allen Dokumenten entfernt, bzw. aus Gruppenfotos ihr Gesicht und was man sonst noch von ihnen sehen konnte herausretuschiert. Also kann man, trotz deiner verständlichen Verzweifelung, diesbezüglich von einem historischen Fortschritt sprechen. 🙂

  • #19
    Irene

    Es ist deutlich, daß der Adressat dieses Aufrufs allein die israelische Regierung ist.
    Und das soll dann der Beweis sein, daß die Autoren nicht antisemitisch sind?

    Andere oder zusätzliche Interpretationsmöglichkeiten: Man hält die israelische Regierung zwar politisch-moralisch für böse, aber im Gegensatz zur Hamas für einigermaßen rational und damit für potenziell zugänglich für den eigenen mentalen Output.

    Die Hamas erwähnt man nicht, weil man sich dann positionieren müsste, aber nicht recht weiß, wie man mit dem islamistischen Dingens umgehen soll. Also redet man einfach von Palästina und zieht dieselben Rituale durch wie früher, als noch Arafat aus dem Fernseher sprach.

  • #20
    Erdgeruch

    Bezeichnend ist doch, dass die Demonstrationen als „Erfolg“ gewertet werden…

  • #21
    Jörn Vanselow

    @ Helmut Junge: Es sind Worthülsen, die vor allem deutlich machen, dass man nicht im geringsten bereit ist sich

    a) konstruktiv mit der geäußerten Kritik zu beschäftigen und
    b) im Kern auch nur einen Millimeter von den eigenen Überzeugungen abzuweichen, diese zu hinterfragen

    Wenn eine maßgebliche jüdische Organisation wie der Zentralrat der Juden in Deutschland sich entsetzt zeigt über die Geschehnisse in Essen (und anderswo) muss ich, so ist es jedenfalls mein Selbstverständnis als Linker, mich damit auseinandersetzen. Als Person und Organisation. Spätestens dann! Entsetzt müsste ich allerdings schon viel früher sein. Nämlich dann, wenn mir ernsthaft und seriös (also ohne diffamierende Absicht) Antisemitismus vorgeworfen wird. Doch eine Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in der eigenen Geschichte und sein Fortwirken bis heute innerhalb der Linken (womit ich jetzt nicht nur die Partei gleichen Namens meine), hat es kaum, und wenn dann meistens nur halherzig, gegeben. Dass Personen aus dem Landesvorstand in einem Rundschreiben (vermutlich sogar ohne es besser zu wissen), Geschichtsfälschungen weiterverbreiten, die in ihrer Qualität durchaus an die „Protokolle der Weisen von Zion“ heranreichen, ist zum Beispiel völlig unfassbar. Als Linker entsetzt es mich. Es entsetzt mich was für antisemitische Klischees sich hier schon offenbar tradiert haben.

    Als Linker ist für mich das Existenzrecht Israels ein „Essential“. Es ist der einzige Staat auf der Welt und in der Geschichte, in dem Juden sicher vor der Verfolgung durch eine Mehrheitsgesellschaft leben können. Hier kann ich als Linker und hier darf ich insbesondere als deutscher Linker nicht „unparteiisch“ sein. Unparteisch heißt in diesem Fall, dass ich mich zumindest nicht denen entgegenstelle, die dieses Existenzrecht Israels in Frage stellen. Oder schlimmer diese – wie in Essen – rufe und ihnen eine Plattform gebe.

    Solidarisch mit dem Staat Isael zu sein, heißt aber auch nicht, dass man bedingunslos solidarisch mit der Politik der jeweiligen israelischen Regierung ist, wie von den Verfasser/innen indirekt behauptet wird. Dem Staat Israel das Recht zuzugestehen sich und seine Bürger/innen zu verteidigen heißt ebenso wenig, jedes hierfür gewählte Mittel gut zu heißen, wie es aus den Kreisen der Unterzeichner/innen zumindest implizit immer wieder behauptet wird.

    „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“ soll Adorno gesagt haben. Es wäre eigentlich Aufgabe einer Linken in Deuschland Adorno an diesem Punkt zu widerlegen. Zumindest punktuell. Das Gegenteil ist der Fall.

  • #22
    Jörn Vanselow

    @16: „Deine Spuren im Sand“…heute vormittag sah da einiges auf der Homepage der Linken NRW noch etwas anders aus. Irgendwo war auch ein Link zu einer Stellungnahme von Niema Movassat, der aber schon da nicht mehr funktionierte. Man bemüht sich nun wohl , auf die eigene ungeschickte Art um „Schadensbegrenzung“ bzw. das, was man darunter versteht: Retusche. – Herrje, ist das alles…hm…ärmlich?

  • #23
    Helmut Junge

    @Jörn Vanselow, ob das ärmlich ist?
    Aber mindestens. Es gäbe noch andere Ausdrücke dafür, aber ärmlich ist für politische Zwecke eine ausreichende Watschen.
    Daß der Text intellektuell schwach ist, habe ich in (12) schon geschrieben.
    @Irene (19) hat auch eine gut passende Erklärung, warum manches so da steht, wie es da steht.

  • #24
    Frank

    Nicht nur der Linkspartei verrutscht in diesen Tagen die Maske. Auch die SPD weiß nicht so recht, wie mit der Zwickmühle zwischen historischem Anspruch und Wählerkalkül umzugehen. Insbesondere in der SPD Berlin:

    Die türkischstämmige „Integrations“senatorin Dilek Kolat: schweigt.
    Der palästinensische Fraktionsführer Raed Saleh: scjweigt.
    Die NSU Aufklärerin Eva Hoegl: schweigt.
    Die Berliner MdB Cansel Kiziltepe: löscht ihre Tweets zur Hasspredigt in der Neuköllner Moschee („warte noch auf die Übersetzung“).

    An der Linkspartei erkennt man derzeit ihre wahren ideologischen Linien.
    An der SPD erkennt man ihren Opportunismus. Antifaschismus, „es darf nie wieder passieren“ usw., alles nur Gerede, das sofort dem Wahlurnenkalkül geopfert wird, falls opportun.

  • #25
    Stefan Reichert

    Die gesamte Linke hat nur letzlich nur ein Problem…und dies Problem nennt man Antideutsche. Ist einer der wesentlichen Gründe, warum die Linke nicht mehr wählbar ist.

  • #26
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Stefan Reichert: Was meinen Sie mit Linke? Die Partei, das, was man politisch darunter subsumiert? Und wer sind denn diese ominösen Antideutschen von denen man auf den Internetseiten der Antisemiten und roten Nazi-Kameraden so viel liest?

  • #27
    Hank

    Die Antideutschen sind eine Strömung innerhalb der linken Bewegung die sich mit den USA und Israel solidarisieren weil sie diese als Flagschiff im Kampf gegen den Faschismus ausmachen. Die Antideutschen haben ihren Zenit aber schon lange überschritten.
    Nun ist alles was der herkömmlichen Linken nicht in den Kram passt also Antideutsch. So ist das wenn man nicht mehr differenzieren kann weil einem die eigene Ideologie die Sicht versperrt.
    Israel und die USA dürften wohl die Länder sein über die man sich in Deutschland am häufigsten Gedanken macht.
    Sobald etwas in Israel passiert ist alles andere vergessen.
    Ukraine? Da war doch mal was, wir haben uns sogar positionier und heftig gestritten. Egal- jetzt kann man wieder Israel kritisieren. Wozu sich weiter um einen Bürgerkrieg in Europa kümmern.

  • #28
    Thomas Weigle

    @ 10 Jörn Vanselow Für Marx und Engels lasse ich ihren Einwand gelten, bei Lenin habe ich meine Zweifel. Ein kluger Mensch meinte mal, Lenin liebe die Befreiung, aber nicht die Befreiten!! Ich habe mit jedem Satz von Lenin meine Probleme, hat er doch sich doch als Herrscher aller Reußen aufgeführt wie alle Blutsäufer vor und nach ihm. Und manchmal frage ich mich, wie die Praxis der Herren M&E ausgesehen hätte, wenn…
    Dass der Kleinadlige Lenin glaubte, dass er allein wisse, was und wie die Interessen des Proletariats seien und wie sie gegen jegliche innerparteiliche und sonstige Opposition durchzusetzen seien, befeuert natürlich sich revolutionär gebende Kleinintellektuelle, für die die Oktoberrevolution das ist, was für andere die Kreuzigung eines Herrn Jesus ist. Beide Ereignisse haben ziemlich viel Leid generiert, von Erlösung,welcher Art auch immer, keine Spur.

  • #29
    Helmut Junge

    @Thomas Weigle, da, wo @Jörn Vanselow den Namen Lenin eingefügt hat, ging es darum, daß 90% der von ihm genannten Personengruppe zu einer kritischen Lektüre auch dessen Schriften seiner Meinung nach nicht fähig, bzw. überfordert wären.
    Diese Vermutung ist ja sicher nicht unbegründet, aber auch Andere, die das könnten, haben sich seit November 1918, also seit der in Rußland siegreiche Revolutionsführer Lenin den damaligen deutschen Sozialisten Karl Kautzky zum Abweichler erklärt hat, nicht mehr kritisch mit der Lektüre auseinandergesetzt. M.E. müssen marxistische Linke an diesem Punkt, der damals verschämt ausgeklammert wurde, neu ansetzen. Das setzt aber auf jeden Fall schon die Fähigkeit voraus, sich kritisch mit solchen Texten auseinanderzusetzen zu können. Als das Projekt „Sozialismus in einem nichtkapitalistischen Land dann, wie die deutschen Theoretiker vorausgesagt haben, zusammenbrach, haben alle einfach so weitergemacht, als wäre nichts geschehen. Keine neue Analyse, keine Diskussionen, kein nichts. Und die, die in den Funktionen sitzen, könnten das auch nicht einmal. Stattdessen Wortblasen und immer wieder der Versuch aufkommende Diskussionen zu verhindern, wie es bei einer Religion eben so ist.

  • #30
    abraxasrgb

    Wer parteiprinzipiell ganz links steht, bewegt sich anscheinend stramm auf den rechten Rand zu. Die Truppe sollte ihren Claim ändern: „Totalitäre aller Länder vereinigt Euch!“

    Frei nach Ernst Mach: Der Horizont mancher Menschen ist ein Kreis, dessen Radius gegen Null konvergiert. Das nennen die dann ihren Standpunkt.

    2014 Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Antisemitimus … wobei es könnte statt Gespenst auch „Hirngespinnst“ heissen …

    PS: Murxisten ist in mein Vokabular aufgenommen 😉

  • #31

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