Applaus für den Populisten: Warum Zohran Mamdani für manche unwiderstehlich klingt

Zohran Mamdani Foto: Metropolitan Transportation Authority Lizenz: CC BY 4.0

In der 231. Folge des „Und dann kam Punk“-Podcasts, in dem es rudimentär um Punk Rock und Protagonisten der Subkultur gehen soll, sprechen die beiden Hosts mit Jonas Engelmann, seines Zeichens Verleger, Autor und Teil des Ventil Verlags sowie bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung tätig. Von unserem Gastautor Andreas Wolf.

Nachdem Engelmann darauf angesprochen wird, dass er sich bereits während seiner Studienzeit mit jüdischer Kultur beschäftigt habe, erklärt er, dass er dies als Teil seiner Punk-Sozialisation verstehe und politische Slogans wie zum Beispiel Slimes „Nazis raus“ als historische Verantwortung gedeutet habe. Er sagt, dass er sich demzufolge mit jüdischer Literatur auseinandergesetzt habe, und spricht das Buch „The Heebie-Jeebies at CBGB’s“ von Stephen Beeber an, in dem es um jüdische Protagonisten in der ersten New Yorker Punkrock-Welle geht und den Einfluss, den sie in der Punk-Subkultur hinterlassen haben. Danach merkt Engelmann an, dass in seinem Verlag bald ein Buch erscheint, das jüdische Identität und Antisemitismus im Punk zum Thema hat.

All das kann nicht verhindern, dass sich wenige Minuten später einer der Moderatoren dazu erdreistet, eine Lobrede auf den seit Januar 2026 im Amt befindlichen Bürgermeister New Yorks, Zohran Mamdani, zu halten.

Als das Gespräch auf Engelmanns Tätigkeit bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung kommt, meint er, dass der demokratische Sozialismus sich gerade im Aufschwung befinde, was dadurch manifest werde, dass in Deutschland die Partei „Die Linke“ immer beliebter werde, aber vor allen Dingen durch das, was „gerade in New York passiert ist“.

Engelmann, der im vorherigen Gespräch bereits angemerkt hat, dass es innerhalb der Rosa-Luxemburg-Stiftung Positionen gebe, mit denen er nicht d’accord gehe, und dass es immer wieder zu Streitfragen komme, versucht, das Gespräch zu entschärfen, indem er verdeutlicht, dass er klar zwischen den Entwicklungen in den USA und denen hierzulande unterscheide und klar sage, dass er kein Parteimitglied bei „Die Linke“ sei. Es lässt sich nur mutmaßen, dass er hier die dominanten antizionistischen und antisemitischen Strömungen innerhalb der Partei meint.

Daraufhin fragt der Podcast-Host, warum es denn so schwer sei, linke Positionen zu vermitteln, denn „gerade bei Zohran Mamdani, wenn man den reden hört, der ja rhetorisch wahnsinnig stark ist, da denkt man ja, es kann gar nicht anders sein, also man kann quasi keine andere politische Meinung haben“.

Darauf geht Engelmann ein und sagt, dass es ja nicht verwunderlich sei, dass die Leute zustimmen, wenn man sich wie Mamdani zu Mietfragen oder Gesundheits- und Pflegeaspekten äußere. Aber sobald es um weltpolitische und außenpolitische Fragen gehe, gebe es sehr unterschiedliche Positionen, von denen er einige selbst sehr schwierig finde. Punk habe ihm die nötige Streitlust und gleichzeitig Abstand mitgegeben, um vieles einfach an sich abprallen zu lassen und sein Ding trotz Widerstands durchzuziehen.

Als hätte der Host gar nicht verstanden, was Engelmann eben gesagt hat, antwortet er, dass es ja dann gut sei, dass Engelmann neben dem Beruf Punk als „Kuschel-Auffangbecken“ noch habe, um dann das Gesprächsthema auf etwas anderes zu lenken.

Man kann sich fragen, welche Positionen Mamdanis so stark sein sollen, dass man gar keine andere Meinung haben könne. Mamdani war vor seiner politischen Karriere bereits antisemitisch aufgefallen. In der Vergangenheit war er als Rapper aktiv und hat unter dem Künstlernamen „Young Cardamom“ und später als „Mr. Cardamom“ Songs veröffentlicht, unter anderem „Salaam“, in dem es heißt:

„My love to the Holy Land Five. You better look them up.“

Bei den „Holy Land Five“ handelt es sich um die Führungskräfte der inzwischen aufgelösten Wohltätigkeitsorganisation „Holy Land Foundation for Relief and Development“, die 2008 von einem Bundesgericht für schuldig befunden wurde, mehr als 12 Millionen US-Dollar an die antisemitische Terrorgruppe Hamas weitergeleitet zu haben.

Während seiner Studienzeit am Bowdoin College im Bundesstaat Maine, wo er „Africana Studies“ studierte, engagierte Mamdani sich bereits politisch und gehörte zu den Mitbegründern der lokalen Hochschulgruppe „Students for Justice in Palestine“ und unterstützte die antisemitische Boykottkampagne „BDS“ (Boycott, Divestment and Sanctions), was er bis heute tut (warum die BDS-Bewegung als antisemitisch einzustufen ist, kann man hier nachlesen.

Es verwundert nicht, dass Engelmann richtig lag, als er die sozialpolitischen Versprechen Mamdanis indirekt als populistischen Trick bezeichnete, denn dessen erste Amtshandlung am ersten Tag als Bürgermeister New Yorks war es nicht etwa, die komplett unbezahlbaren Mieten in der Stadt in Angriff zu nehmen und das Leben im Big Apple für Normal- und Geringverdiener wieder erschwinglich zu machen. Stattdessen hat er die bis dato in der Stadt gültige Antisemitismusdefinition „IHRA“ (International Holocaust Remembrance Alliance) für ungültig erklärt. Außerdem wurde, wenig verwunderlich, die Anti-BDS-Executive-Order der Stadt außer Kraft gesetzt. In Summe wurde die jahrelange Arbeit des Bürgermeisters Eric Adams, die jüdische Bevölkerung New Yorks zu schützen, ausgelöscht.

Die IHRA-Definition wurde nicht zufällig aus den Institutionen New Yorks verbannt. Sie besagt, dass Antizionismus, also gegen den jüdischen Staat Israel gerichtete Diskriminierung, ebenfalls unter den Schirmbegriff des Antisemitismus fällt. Dass das einem notorischen Antizionisten wie Mamdani nicht gefällt, dürfte klar sein. Nun ist es seit dessen Amtsantritt so, dass zum Beispiel antizionistische Straftaten nicht mehr von der Polizei als antisemitisch eingestuft werden. Trotzdem stiegen die antisemitischen Straftaten (Hate Crimes) in New York um 182 %, seit Mamdani Bürgermeister ist. Die Dunkelziffer dürfte also um ein Vielfaches höher sein, was die Lebensrealität für die in New York lebenden Juden gut beschreiben sollte.

Das Simon Wiesenthal Center machte auf eine Situation aufmerksam, bei der eine Synagoge in Manhattans Upper East Side bei einem Event, bei dem es um die Alija, also die Migration von Juden aus der Diaspora nach Israel, ging, von Demonstranten belagert wurde, die Slogans wie „Globalize the Intifada“ oder „Death to the IDF“ skandierten. Mamdanis Reaktion darauf war es, zu mutmaßen, dass die Synagoge „heiligen Boden“ für ihre Veranstaltung missbraucht hätte.

Bereits vor Amtsantritt ließ sich Mamdani bei einem Treffen mit dem Imam Siraj Wahhaj ablichten. Wahhaj hat sich in der Vergangenheit des Öfteren homophob geäußert und bezeichnete schwule Männer als „Disease of the Society“. Außerdem gilt Wahhaj als einer der Planer und Strippenzieher des Terroranschlags 1993 auf das World Trade Center . Die Anschläge waren antisemitisch motiviert und sollten Vergeltung für die US-amerikanische Unterstützung Israels und für die generelle US-amerikanische Außenpolitik im Nahen Osten sein.

Des Weiteren veröffentlichte Mamdani im Dezember 2024 zu Chanukka ein Video, in dem sich über jüdische Traditionen und Stereotype lustig gemacht wird. Hier kann er sich nicht einmal mit der „Antizionismus-ist-kein-Antisemitismus“-Ausrede reinwaschen.

Natürlich ist es nicht überraschend, dass sich Mamdanis Personal aus politischen Verbündeten zusammensetzt. Ein Beispiel hierfür ist die neue Antisemitismusbeauftragte der Stadt, Phylisa Wisdom, die fassungslos gewesen sei, als sie Social-Media-Beiträge gelesen habe, die Hamas-Terroristen dafür verurteilt haben, Hunderte Raketen auf israelische Zivilisten gefeuert zu haben. Unter anderem griff sie Äußerungen des damaligen Bürgermeisters Andrew Yang auf, in denen er die Angriffe der antisemitischen Terrorgruppe verurteilt hatte. Stattdessen verdiene New York, so Wisdom, einen Bürgermeister, der an der Seite der Palästinenser stehe.

Der versprochene Rent-Freeze-Plan Mamdanis hat bis dato noch keine Veränderungen bewirkt. Ob sich das ändert, wird die Zukunft zeigen. Das Wahlversprechen, er wolle die öffentlichen Verkehrsmittel komplett kostenfrei für die Bevölkerung machen, ging aber jedenfalls nach hinten los. Die New Yorker fahren nun nicht gratis durch ihre Stadt, sondern noch teurer als zuvor.

Man könnte die Liste von Mamdanis antisemitischen Ausfällen ewig weiterführen. Da kann man sich durchaus die Frage stellen, welche Positionen denn so klar sein sollen, dass man gar nicht widersprechen könne.

 

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