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Atomausstieg wird für die Städte teuer

Wenn Politiker Unternehmer spielen geht das meistens schief. Und so wird der Atomausstieg für viele Städte teuer werden. Ihre Einnahmen durch RWE-Beteiligungen werden sinken.

Es ist für viele Städte das gehütete Tafelsilber: Die Aktienpakete, die viele Städte aus dem Ruhrgebiet am Stromversorger RWE halten. Sie sichern in guten Zeiten ordentliche Dividenden und versorgen Gleichzeitig viele Oberbürgermeister mit attraktiven Mitgliedschaften in den diversen Gremien im Umfeld des Energiekonzerns.  Mit dem Geld aus den RWE-Beteiligungen werden Kultur- und Sozialausgaben ebenso finanziert wie Straßenerneuerung.

Immer wieder hatten Kritiker in der Vergangenheit gefordert die Aktienpakete zu verkaufen um Schulden zu tilgen. Das wurde zumeist brüsk abgelehnt. Begründung: Die Einnahmen aus den Dividendenzahlungen seien höher als die Zinsersparniss, die man durch Schuldentilgung erzielen könne – was allerdings nur für Zeiten galt, in denen die RWE-Aktie schlecht stcand. Einige Städte wie Dortmund haben über ihre Stadttöchter sogar noch in den vergangenen Jahren neue Aktienpakete erworben. Die Dortmunder DEW21 hat dieses Geschäft über Kredite finanziert.

Durch das Atom-Moratorium ist die RWE-Aktie unter Druck geraten. Sollten die Reaktoren zum Teil  dauerhaft abgeschaltet bleiben, drohen dem Konzern Gewinneinbrüche. Die Dividendenzahlungen werden zurück gehen, die Aktien an Wert verlieren. Dadurch sinken die Einnahmen der Städte mit RWE-Beteiligungen. Die Möglichkeit, RWE-Aktien zu einem guten Kurs zu verkaufen und Schulden zu tilgen, wurde vertan. Politiker haben sich verspekuliert. Die Kosten dürfen  wir alle tragen. Vielen Dank.

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17 Kommentare zu “Atomausstieg wird für die Städte teuer

  • #1
    Höddeldipöpp

    Man kann doch hoffentlich davon ausgehen, dass Städte ihre Portfolios in Aktien nach Risiko-Gesichtspunkten mischen. Dann müssten jetzt die RWE-Verluste duch Solar- und Windkraft-Titel ausgeglichen werden. Kann man darüber was erfahren?

    Ohne, dass man das ganze Portfolio der Städte kennt, kann man gar keine Aussagen machen, ob jetzt Kultur- und Sozialausgaben leiden müssen. Wir wäre es, wenn Städte ihre Portfolios einfach mal im Zusammenhang ins Internet stellen. Dann kann sich der Bürger ein Bild davon machen, ob da verantwortungsvoll gehandelt wird oder nicht und welche Risiken auf ihn zukommen.

  • #2
    Thorsten

    Ich hatte mich beim Artikel zur Klage gestern schon gewundert warum die RWE vorprescht. Zum einen sollten doch die kommunalen Anteilseigner – immerhin laut Wikipedia noch gut 30 % der Aktienbesitzes (RW Energie-Beteiligungsgesellschaft + Kommunale Anteilseigener) – doch hier mässigend einwirken und zum anderen betreibt die RWE mit Bilblis, Emsland und Grundremmingen doch „nur“ 2,75 AKWs. Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/RWE#Stromkennzeichnung

    In diesen Zusammenhang jetzt aber das Hohelied auf den Verkauf der kommunalen Anteile zu singen, finde ich aus der Luft gegriffen. Die Kommunen sollten ihre Aktienmacht sinnvoll nutzen und die RWE auffordern die Klage zurückzunehmen.

  • #3
  • #4
    FS

    „Die Einnahmen aus den Dividendenzahlungen seien höher als die Zinsersparniss – was allerdings nur für Zeiten galt, in denen die RWE-Aktie schlecht stand.“

    Irre ich mich, oder stimmt da was nicht mit diesem Satz?

  • #5
  • #6
    Thorsten

    @Georg K. Quellen? Nachtrag: Am Sonntag, den 3. April 2011 um 14 Uhr, gibt es eine Anti-Atom-Veranstaltung in Bochum, Kulturzentrum Bahnhof Langendreer http://rweabschalten.blogsport.de/

  • #7
    Marioc

    @Georg K. Woher stammt deine Quelle, dass die Beteiligung unter 25 Prozent liegt? Und was bedeutet dass für die einzelnen Regionen? Ich meine 24 Prozent sind sehr viel.

    http://www.purenature.de/blog/gesund-leben/atomausstieg-jetzt-stromkunden-handeln/

  • #8
    Frank (frontmotor)

    Ich stimme @Thorsten zu: Nach außen verkaufen die Kommunen ihre RWE Beteiligungen immer als Einflussnahme bzw. Möglichkeit zur Umsetzung von Energiepolitik. Aber intern wird dann doch eher gerechnet und auf die Dividende und Pöstchen (man schaue sich mal die unendliche Liste der „Beiräte“ an) geachtet. Das diskreditiert eigentlich den Ansatz der Rekommunalisierung von Energie- und Wasserversorgung.

  • #9
    marpet

    Der Artikel nimmt es leider mit der Logik nicht wirklich genau. Die Begründung für den Nichtverkauf der RWE-Aktien wird ja nicht falsch, wenn die Dividenden geringer ausfallen. Es ist ja auch gleichzeitig mit einem Sinken der Aktienkurse zu rechnen. Wichtig ist nur die Differenz zwischen erzielter Dividende und ersparten Zinsen durch Schuldenabbau. Das ist leider kein Zusammenhang, der mal eben auszurechnen ist. Da ist es halt einfacher zu behaupten, das Politiker sich verspekuliert haben.
    Wichtiger ist eine andere Schlussfolgerung: Der Atomausstieg hat auch für die Städte finanzielle Folgen. Ich persönlich nehme das gerne in Kauf.

    Wer sich für die Beteiligungen der Städte interessiert, kann diese in den Beteiligungsberichten der Städte nachlesen. Beispielsweise für Bochum: http://www.bochum.de/C12571A3001D56CE/vwContentByKey/W28CTJQR066BOLDDE/$FILE/Beteiligungsbericht_09_10_klein.pdf
    (Beteiligung an RWE: 1,18%)

  • #10
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Marpet: Du hast vollkommen Recht. Die Berechnung solcher Risiken ist nicht einfach. Deswegen sollten das nur Leute mit ihrem eigenen Geld tun und nicht irgendwelche Hobbypolitiker mit meinem und deinem.

  • #11
    Rudi Gems

    Die Klage von RWE, wird den Bach runter gehen. Die Bundesregierung, braucht dem RWE, nur nachzuweisen, das seine Notkühleinrichtungen, im Falle eines Falles, wie bei Japan, genauso versagen würden, wie eben in Japan. Und dann kommt die Regierung, ganz schnell damit durch, das sie einen Notstand ausrufen darf. Im übrigen haben die Gerichte, schlechte Karten. Als nach Harriesburg, schonmal in der BRD, die Diskussion aufflammte, das Notkühlsysteme, bei AKW, nicht ausreichend wären, bekamen die Betreiber, Schützenhilfe von den Gerichten. Dessen wird man sich sicher erinnern müssen.

    Grüße, Rudi Gems

  • #12
    marpet

    @Stefan Laurin: Die Berechnung wird nicht von Hobbypolitikern vorgenommen. Dafür gibts die Stadtkämmerei. Den Hobbypolitikern obliegt die Kontrolle. Das die diese Kontrolle nicht immer ausreichend wahrnehmen sehe ich auch so.
    Spekulation ist es, wenn Aktien auf Kredit gekauft werden. Das sollten die Städte besser lassen (in diesem Fall Dortmund). Die weitaus meisten vorhandenen Aktien sind jedoch seit Beginn des letzten Jahrhunderts in kommunalem Besitz. Hier müssen die Hobbypolitiker die Entscheidung treffen, ob diese Aktien verkauft werden. Das sollten sie genau dann tun, wenn die eingesparten Zinsen aus dem Schuldenabbau die Einnahmen durch Dividenden übertreffen.

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Marpet: Die Städte haben erst vor ein paar Monaten auf Kredit die Steag erworben. Pfiffig war das nicht.

  • #14
    marpet

    Ja, bei dem STEAG-Kauf habe ich auch meine Zweifel. Das untermauert jedoch nicht Deine Behauptungen bezüglich der RWE – Aktien. Der Artikel erreicht einfach nicht das übliche Niveau der ruhrbarone.

  • Pingback: Pottblog

  • #16
    Jan

    Vorher hieß es immer, die Laufzeitverlängerung wird für die Kommunen teuer, weil die Stadtwerke so sehr auf erneuerbare Energien gesetzt haben und dort stark investiert sind.
    Was stimmt denn nun unterm Strich!?

  • #17
    amo

    Die Diskussion um die RWE-Aktien der Städte wird wieder einmal mit viel Unsinn geführt.

    Erst einmal ist festzuhalten, dass eine ex post-Analyse die Situation aus der Vergangenheit aus betrachtet und die Übertragbarkeit auf die Zukunft ungewiss (um nicht zu sagen spekulativ) ist.
    Wer mit diesem Risiko nicht leben kann, sollte die Finger von Aktien lassen, es sei denn, man hat ein strategisches Interesse an dem AKtienpaket. Dies kann bei einem gesellschaftlichen Interesse wie der Energieversorgung der Fall sein.

    Komme ich zurück zu der ex post-Analyse ist die Rechung einfach. Zu einem Zeitpunkt (heute) führt der Erlös durch den Aktienverkauf zur Tilgung von Schulden mit einer geringeren Zinsbelastung durch die Kredite. Dies ist zu vergleichen mit entgangenen Dividenden in der Zukunft.

    Eine Dividende von 3,50€ bei einem Aktienkurs von 46,24 € bedeutet ca. 8%, das ist höher als als der Kreditzins der Stadt.

    Die Frage ist, wie werden sich die Dividenden/Kreditzinsen in den nächsten Jahren entwickeln?

    Mit Daten aus der Vergangenheit zu argumentieren ist Unsinn.
    Die Frage ist, wie verlässlich ist eine Prognose und welche Risiken will man eingehen.
    Wenn manche im übertragenem Sinne einem Lottospieler nach der Ziehung der Lottozahlen erklären, man hätte auf andere Zahlen setzen sollen, ist das auch Unsinn. Besser sind da die Argumente über Wahrscheinlichkeiten.

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