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Aus vollem Herzen Feministin

Das Logo der Gruppe "Feminismus im Pott"

Das Logo der Gruppe „Feminismus im Pott“

Vor kurzem ist auf unserem Blog der Artikel „Keine Widerrede“ von Saskia Albarus erschienen. Die Autorin setzt sich darin kritisch mit dem Feminismus auseinander. Gestern erschien bereits eine Antwort darauf. Das neue feministische Blogger*innenkollektiv der Seite „Feminismus im Pott“ hat nun eine weitere Erwiderung verfasst, die wir an dieser Stelle dokumentieren. 

Warum stoßen sich so viele Menschen an dem Begriff Feminismus? Warum kann die bloße Erwähnung direkt zu empörten, abwehrenden Reaktionen führen? Wer fühlt sich angegriffen und aus welchem Grund? Die immer noch ablehnenden und oft auch aggressiven Reaktionen halten mir vor Augen, wie wichtig feministische Inhalte auch heute in dieser vermeintlich fortschrittlichen Gesellschaft sind. Denn wie schrecklich sind die Kommentare, die Anita Sarkeesian über sich ergehen lassen muss, weil sie vorhandene Rollenmodelle in Videospielen genau unter die Lupe nimmt und kritisiert, die ein einfältiges und sexistisches Bild von Frauen konstruieren und vermitteln! Warum lebe ich in einer Kultur (‚rape culture‘), die Frauen vermittelt eine Ware zu sein, die zu schützen gilt so gut es geht, was bedeutet, dass sie Nachts nicht allein, wenn doch nur mit Pfefferspray bewaffnet und in keinem Fall im Minirock unterwegs sein dürfen!

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Feministin zu sein und sich auch so zu nennen, tut nicht weh. Ich habe auch nicht das Gefühl mich selber in eine Schublade zu stecken. Ich weiß, dass ich nicht nur diese eine Rolle bin – ich bin vielfältig. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass ich auf diese Rolle reduziert werde. Die Feministin vom Dienst. Die potenzielle Nachfolge Alice Schwarzers. Nein liebe Leute, auch ich bin mit Alice Schwarzers wilden und falschen Behauptungen nicht d’accord. Und ja, trotzdem sind wir beide Feministinnen, denn es gibt nicht nur einen Feminismus. Denn das macht Feminismen aus – Widersprüche, Konflikte, Fortschritte!

Mein Feminismus bedeutet für mich in einer Tradition von Menschen zu stehen, die ich für ihren Einsatz und Mut bewundere. Mit dem Begehren bestehende Machtverhältnisse zu verändern, haben sie für sich, mich und andere Menschen neue Freiheiten und Handlungsräumen geschaffen. Ihre unterschiedlichen Motivationen sich zusammenzuschließen, haben dazu geführt, dass auf Missstände aufmerksam gemacht wurde – und das auch innerhalb der Bewegung. Ich bin froh über die unzähligen Strömungen, die unter dem Begriff Feminismus zu finden sind. Immer wieder entdecke ich neue, spannende Facetten, die ich adaptieren kann, aber wenn ich das nicht tue, werde ich sie wenigstens tolerieren, was auch bedeuten kann sie zu kritisieren. Meine Absicht ist es in einen Dialog zu treten und im besten Fall wird gemeinsam etwas Neues entstehen. Oder wir gehen auseinander und haben wenigstens miteinander gesprochen.

„Immer wieder, immer wieder…“

Die Beschäftigung mit feministischen Inhalten hat mich selbstbewusster gemacht und ich kann heute klarer meine Meinung äußern und was ganz wichtig ist – ich habe gelernt Nein zu sagen. Und das durch den Gedanken- und Gefühlsaustausch mit anderen Menschen innerhalb dieser heterogenen Bewegung, vorrangig mit Frauen. Ich frage mich, wie kommt ihr zu euren positiven Eigenschaften, wie Toleranz, Diskussionsbereitschaft, Kreativität und gesellschaftliches Engagement? Ich verdanke es einer politischen Strömung, die immer noch so viel Unmut hervorruft – zu Unrecht, behaupte ich!

Und was springt mir heute Morgen ins Auge? Saskia Albarus Versuch deutlich zu machen, warum wir Feminismus nicht mehr brauchen. Nervig. Ihre Argumente sind nicht neu. Aber sie gibt sich sichtlich Mühe mit ihrer eigenen Biographie, ihren Vorlieben und Auszügen aus ihrer Partnerschaft aufzuzeigen, warum sie so eigenständig ist und dem Feminismus so abtrünnig. Dabei vergisst sie auch nicht nochmal kurz den Feministinnen der Vergangenheit dafür zu danken, warum sie Disneyfilme lieben und gleichzeitig Feminsmus-Bashing betreiben kann. Eins vergisst sie leider – es gibt nicht den einen Feminismus.

(Lilli Boheme)

Und das sagen meine Feministinnen-Freundinnen:

Wenn von Vielfalt unter Feminist*innen gesprochen wird, dann gilt es auch alle Feminist*innen egal welcher Herkunft oder Religion zu berücksichtigen. Daher lasse ich mir als Muslimin und Feministin nicht absprechen genauso ein Sprachrohr für diejenigen zu sein, über die leider zu oft gesprochen, die aber nicht in die Diskussion einbezogen werden. Mein Rat an dich und alle anderen: Bilde dir nicht eine Meinung über Muslim*innen bevor Du nicht selbst gehört und gesehen hast, was sie für die Feminismus-Community leisten (und das geht auch mit Kopftuch)! (Fatima)

Saskia Albarus du schreibst, dass du dich mit dem Thema Feminismus beschäftigt hast, aber ich kann es leider in diesem Text nicht erkennen. Du fängst an davon zu schreiben, dass du dich gerne für alle Menschen dieser Welt einsetzen würdest, aber es leider nicht darfst weil der böse Feminismus bzw. die bösen Feministinnen dir das verbieten. Du scheinst nicht zu verstehen, dass sich die meisten Gesellschaften und Institutionen ständig nur für die Rechte der weißen, heterosexuellen Männer einsetzen! Aber in deinen Augen ist die Welt perfekt und die letzte Gruppe, die noch leidet sind weiße, heterosexuelle Männer. Deswegen kämpfst du für sie. Du schreibst davon, dass du ein Papa Kind bist und dass du dich gerne schminkst, außerdem erzählst du von deinen Lieblingsfilmen. Das ist ja alles sehr interessant (nicht), aber was hat das alles mit Feminismus zu tun? Guck doch was du willst und sei doch gern auf deinen Papa und deine Brüder und sonst wen stolz. Genauso ist es mit schminken, schmink dich, oder lass es sein. Und Glückwunsch, dass dein Freund dich trotzdem toll findet. Was du am Feminismus scheinbar nicht verstehst ist, dass es (meiner Meinung nach) genau darum geht: Selbstbestimmt über sein Leben zu entscheiden! Du schreibst, dass längst nicht alle Frauen lieblich, schwach und nett sind. Wer hat das denn jemals behauptet? Beim Feminismus geht es überhaupt nicht darum, Frauen als die besseren Menschen hinzustellen. Natürlich gibt es auch gemeine und gewalttätige Frauen, aber das bezweifelt niemand! An dieser Stelle ein sehr wichtiges Zitat, welches dir bestimmt schon mal über den Weg gelaufen wäre, wenn du dich mit Feminismus beschäftigt hättest: “Feminism is the radical notion that women are human beings.” ― Cheris Kramarae

Zum Schluss das Absurdeste: du sagst, dass du keinen menschenverachtenden Feminismus brauchst und da es nur „einen wahren Feminismus“ gibt, lehnt du ihn ab. Hier der finale Beweis, dass du nicht verstehst worum es geht! Meiner Meinung nach muss jede Person für sich selbst definieren, was Feminismus ist. Ich verstehe darunter ein Instrument, um mich mit anderen zu vernetzen, für Dinge zu kämpfen, die ich als wichtig ansehe und mich zu empowern! Feminismus (Rosine Wagemut)

Saskia Albarus, werd‘ Feministin!

Alles sträubt sich in mir, wenn ich lese, was du unter Feminismus verstehst. Du scheinst dich mit drei Errungenschaften der ersten und zweiten Welle der Frauenbewegung zu begnügen. Ehrlich gesagt reicht es mir nicht studieren, Hosen tragen und mein Kreuzchen machen zu dürfen, wenn ich auf der anderen Seite für die gleiche Arbeit 20 Prozent weniger verdiene, aufgrund einer möglichen Schwangerschaft in Einstellungsverfahren diskriminiert werde oder mich in einer Kultur bewege, in der Frauen als frei verfügbare Sexobjekte dargestellt werden, um nur ein paar Beispiele zu nennen, für die ich mich auch noch in Zukunft einsetzten möchte. Ich danke den vergangenen Frauenbewegungen auch dafür, dass ich ohne die Erlaubnis meines Mannes eine Wohnung mieten, ein Arbeitsverhältnis antreten und unverheiratet mit einem Mann ein Hotelzimmer mieten darf. Und außerdem habe ich noch die Wahl eine ungewollte Schwangerschaft abbrechen zu können. Ziemliche viele Fortschritte für Frauen, aber auch für Männer, das stimmt. Weiße heterosexuelle Männer gehören übrigens auch für mich zur Kategorie Mensch, Muggel (siehe Harry Potter) sind es jedenfalls nicht. Da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Kategorien (nicht Muggel). Über die Bildung bzw. Abschaffung von Kategorien herrscht im Feminismus keineswegs Einigkeit. Entgegen Vertreter*innen der dekonstruktivistischen Strömung im Feminismus, glaube ich nicht an die Bewältigung von Geschlechterungleichheiten oder -ungerechtigkeiten durch die Aufhebung von Kategorien. „Den“ Feminismus gibt es auch nicht, du schreibst es ja selbst am Ende deines Artikels. Die vielen Strömungen verfolgen zum Teil konträre Ansätze und sorgen so für eine Vielfalt an feministischen Perspektiven. Spannende Entwicklungen gibt es gerade in der dritten Welle der Frauenbewegung, der ich auch angehöre. Im Netzfeminismus engagiere ich mich mit einer Reihe von Netzaktiv*istinnen auf unserer Facebook Seite „Feminismus im Pott“ und ab dem 14.09 auf unserem Blog. Wir sind ein Kollektiv von Blogger*innen (ja auch Männer), die rundum das Thema Feminismus schreiben. Hier wird es um Alltagsfeminismen und Alltagssexismus gehen. Außerdem stellen wir in unseren Pottraits spannende Personen aus der Region vor. Wir freuen uns über deinen Besuch! (Anne Laine)

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12 Kommentare zu “Aus vollem Herzen Feministin

  • #1
  • #2
    Janine

    Boah nee, schlecht geschrieben… Inhaltlich fad. Du/Ihr versucht, den Beitrag von Saskia Albarus „auseinanderzunehmen“ und das teils auf einer persönlichen Ebene. Das möchte man weder lesen noch teilen.
    Der Beitrag von Saskia Albarus ist toll geschrieben, inhaltlich und formal. Das kann man von dem hier nicht sagen.
    Ich habe mich selbst sehr lange als Feministin definiert, war in autonomen Frauengruppen organisiert etc. Es ist richtig, dass es nicht „den“ Feminismus gibt, sondern viele, teils sehr unterschiedliche Strömungen. Doch es ist leider so, dass ein Großteil der öffentlich agierenden sogenannten Feministinnen verbittert sind sowie eine Art fanatisches Engagement gegen „den“ Mann an den Tag legen, gegen Huren, gegen Kachelmann, gegen den bösen Freier an sich, gegen dieses, gegen jenes. Boah nee, man kann es nicht mehr hören. Dann gibt es sogenannte Feministinnen, die Transexuellen das Recht absprechen, sich Frau zu nennen. Als wäre „Frau“ eine Kategorie oder eine Identität, die man nur haben darf, wenn man mit einer niedlichen Pussy geboren wurde. Ich kann den ganzen Mist ebenfalls nicht mehr hören und verstehe Saskia Albarus nur zu gut.
    Kritik, zumal wenn so sachlich und ansprechend geschrieben wie in dem Beitrag von Albarus, sollte man sportlich nehmen und vielleicht als Anlass nehmen, einmal darüber nachzudenken, wie ein Teil des Feminismus öffentlich wahrgenommen wird und wie man als wirklich progressiver Teil positiv auftreten kann.

  • #3
    schwarzbart

    Es gibt übrigenns die Physik oder auch die Biologie. Sogar Philosophen können ihre Unterabteilungen präzise benennen, z. B. den Radikalen Konstruktivismus. Aber den Feminismus – so schallts von allen Dächern – gibt es nicht.

    Auflösung in Beliebigkeit…

  • #4
    Heute Nicht

    Ich möchte einen Satz aus dem Artikel herausgreifen und herausstellen, was meiner Meinung nach viele am momentanen Diskurs nervt: Der absolute Unwille, auf sachliche Argumente der Gegenseite einzugehen und stattdessen die Torpfosten zu verschieben.

    Es geht um folgenden Satz:

    „Denn wie schrecklich sind die Kommentare, die Anita Sarkeesian über sich ergehen lassen muss, weil sie vorhandene Rollenmodelle in Videospielen genau unter die Lupe nimmt und kritisiert, die ein einfältiges und sexistisches Bild von Frauen konstruieren und vermitteln!“

    Es steht außer Frage, dass sie Zielscheibe menschenverachtender Kommentare ist und war, die durch nichts zu rechtfertigen sind.

    Aber was ist mit der (zahlreichen!) sachlichen Kritik an ihr? Sie gibt selbst zu, eigentlich nie gezockt zu haben. Sie klaut Material aus Videos von LetsPlay-Spielern und tut so, als hätte sie selbst gespielt. Natürlich werden die YouTuber nicht finanziell entschädigt, obwohl Frau Sarkeesian 150.000 $ an Spenden eingesammelt hat. Und dann das unerträgliche Rosinenpicken: Ihre Kritik an „Hitman 2“ war, dass es möglich ist, Stripperinnen umzubringen. Dass dies für das Vorankommen im Spiel kontraproduktiv ist und sogar bestraft wird, erwähnt sie nicht. Im Gegenteil, sie stellt es sogar so dar, als sei es Ziel des Spiels. DAS sind die Punkte, wegen der sie kritisiert wird. Ich habe allerdings noch keinerlei Auseinandersetzung mit dieser Kritik gelesen, sondern lediglich Beleidigende und unsachliche Repliken. Oder aber Aussagen nach dem Motto „an den Beleidigungen gegen sie erkennt man ja, dass sie Recht hat“, was das Pferd ziemlich von hinten aufzäumt.

    Anita Sarkeesian ist meiner Meinung nach schlichtweg eine unaufrichtige, unsachliche und kritikunfähigemPerson, deren eigentliches Ziel keine Verbesserung der Spielelandschaft ist, sondern der es lediglich um Aufmerksamkeit, Empörung und letztendlich Spenden geht.

  • #5
    Matze

    Es sind Artikel wie dieser hier oder auch dieser Artikel von heute in der Zeit:

    http://www.zeit.de/2014/38/online-kommentare-digitale-oeffentlichkeit

    Geschrieben von einer der #Aufschrei-Initiatorinnen. Weißen Männer werden als die Wurzel allen Übels dagestellt. Es wird sich, mal wieder, kein Stück mit der Kritik auseinandergesetzt und alle die kritisieren werden dem rechten Rand zugeordnet. Es ist einfach nur lächerlich. Männer müssen sich am laufenden Band von Feministinnen beschuldigen lassen und wenn die Männer (und andere) dann mal antworten, springen die Feministinnen gleich wieder in den Armes-Opfer-Modus und sind empört über den ganzen Hass der ihnen entgegen schlägt. Und hasserfüllt sind dabei alle, welche nicht ihrer Meinung sind.

    Oder nehmen wir mal Jezebel, eine der größten feministischen Website im englischsprachigen Raum.

    http://jezebel.com/294383/have-you-ever-beat-up-a-boyfriend-cause-uh-we-have

    Wenn dort solche Artikel veröffentlicht werden, wie sollen man dann nich zu dem Schluss kommen, dass es einem großen Teil der Feministinnen darum geht auf Männer einzukloppen (wehren sollen die sich aber nicht). Und eine Theorie, die besagt das ich schon von Geburt an zu den Bösen gehöre, weil weiß, hetero und männlich, ist rassistisch und sexistisch. Oder wie kann man das anders sehen?

  • #6
    Hamster

    Ich bin mir recht sicher, dass ich diesen Beitrag, wenigstens zu einem Teil, schon mal vor einigen Tagen auf einem anderen „Blog“ gelesen habe. S. Kamuffel war wohl der/die/das Autor*in. Vielleicht gehen da aber auch nur die Hamster*innen mit mir durch. Vielleicht kann der Anonyme „Autor“ einmal kurz dazu Stellung beziehen.

  • #7
    Janine

    @Matze: Gebe Dir vollkommen Recht. Auch mich nervt es ungemein, die ewig gleiche, diffamierende Leier zu hören-dass der weisse, heterosexuelle Mann an sich ein Monster sei. Ich bin eine Frau, habe mich lange als Feministin definiert, aber so platt und autoritär habe ich nie gedacht, dass ich in jedem Mann eine lauernde Gefahr sehe.
    Und es stimmt- die „Feministen/Feministinnen“, die das so sehen, sind autoritär und sexistisch.

  • #8
    HolleSonnenberg

    Ich hinke zwar ein wenig hinter her, aber auf die ersten Fragen deines Textes ist ja in den Kommentaren niemand eingegangen. Die Fragen lauteten:

    Warum stoßen sich so viele Menschen an dem Begriff Feminismus? Warum kann die bloße Erwähnung direkt zu empörten, abwehrenden Reaktionen führen? Wer fühlt sich angegriffen und aus welchem Grund?

    Nun ja, von den vielen Gründen die ich eigentlich am liebsten alle aufschreiben würde, gibt es einen der mir am wichtigsten erscheint. Eure Gruppe war auch auf der libertären Medien Messe, ihr habt den Vortrag von Manuela Schon und Mira Sigel:
    „Gekauft! Benutzt! Hauptsache „selbstbestimmt“? – Sexuelle Ausbeutung unter dem Deckmantel individueller Freiheit“ angehört.
    Aber ihr habt keine Diskussion angestrebt. Da konnte der größte Unfug verbreitet werden, von euch kam gar nichts. Wer Pornos schaut beteiligt sich an einer Vergewaltigung. So genannte „feministische Pornos“, oder „Soft-Pornos“ gibt es eigentlich nur damit die Männer den Frauen Pornographie schmackhaft machen können.
    Oder das „Opfer“ aus dem Stern-TV Bericht. Kommt aus Osteuropa, sieben Geschwister, Vater schwer krank, prostituiert sich hier, um die Familie zu unterstützen. Nicht ein einziges mal, wurde auf die Frage eingegangen, wie man der Frau helfen kann. Das hat überhaupt nicht interessiert. Und ich habe echt Zweifel daran, dass dieser Frau geholfen wird, indem man Sie in die Kriminalität drängt.
    Aber hey, was sagt Fatima?

    „Daher lasse ich mir als Muslimin und Feministin nicht absprechen genauso ein Sprachrohr für diejenigen zu sein, über die leider zu oft gesprochen, die aber nicht in die Diskussion einbezogen werden. “

    Keine fünf Kilometer vom Veranstaltungsort befindet sich der Straßenstrich. Auch für die Referentin der nachfolgenden Veranstaltung von Melanie von Voices4sexworkers: „Prostitution- der moralische Rollback und seine Auswirkungen auf Sexarbeiter“ gab es keine aufmunternden Worte. Ok, nun habt ihr euch ja nicht direkt in dieser Art und Weise geäußert.
    Ich wollte damit auch nur eure Konfliktbereitschaft in Frage stellen. Aber man kann euch auch gerne an dem messen was ihr selber sagt:

    „Du scheinst nicht zu verstehen, dass sich die meisten Gesellschaften und Institutionen ständig nur für die Rechte der weißen, heterosexuellen Männer einsetzen! “

    Klar, „ständig“ ist das so. Deshalb profitiert diese Gruppe auch so sehr von der Hatz IV Gesetzgebung, von der Verschärfung des Asylrechts, von Auslandseinsätzen der Bundeswehr. (ja klar weiß ich das Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund bei diesen Sachen noch mehr die Verlierer sind als Männer, aber in einer Gesellschaft in der immer mehr auf Entsolidarisierung und Konkurrenz setzt, bleiben die mit der schlechteren Startposition oder mit der höheren Verantwortung und/oder Belastung halt als erste auf der Strecke.)
    Und nur mit solch einer Polemik lassen sich dann Sätze bilden wie:

    “ Aber in deinen Augen ist die Welt perfekt und die letzte Gruppe, die noch leidet sind weiße, heterosexuelle Männer. Deswegen kämpfst du für sie. “

    Das hat Saskia nie geschrieben.
    Und wenn ich so eine Polemik lesen muss, jemanden gegenüber, der sich die Mühe gibt, sich damit auseinander setzt, denn ich kenne ganz viele die so etwas einfach nicht mehr machen, triggern bei mir, wenn ich ganz ehrlich bin, Stereotype.
    Wer ohne Akademikerelternhintergrund kann denn schon so lebensfern sein, dass er solche Konstruktionen mit Polemik verteidigen muss? Ich weiß schon das dies nur ein Vorurteil ist und ich hoffe, dass es keinen Einfluss auf mein Verhalten im Alltag hat. Aber dieses Bild wurde mir nicht gerade über die Medien vermittelt, sondern entstand aus Erfahrungswerten.
    Eine Gruppe privilegierter Menschen zieht eine Linie zwischen sich, den Opfern und den anderen, den Tätern.
    Keiner aus meiner Peergroup befindet sich auch nur im Anfang eines Stadiums, in dem er aufhören würde, sich oder sein Verhalten zu hinterfragen.
    Und klar werden wir nach wie vor versuchen jeden Ansatz zu diskutieren, der die gesellschaftlichen Verhältnisse in Frage stellt. Aber ernsthaft, eine schwarz-weiß Sicht? Eine Einteilung in Gut und Böse, anhand der Frage von hetero, oder nicht? Von Penis oder nicht? Wenn da nicht mehr kommt wird das wohl nichts mehr. Schade für euch das wir 2014 haben…

    (P.S. Jetzt mal ehrlich, ich habe in eurem Blog den original Artikel gelesen. Wirklich? Ihr schließt den mit einem Erich Honecker Zitat???)

  • #9
    Jens

    Der weiße, heterosexuelle Mann der an allem Schuld ist (und das ist er ;)) ist übrigens, Matze, Kurt oder Kai von nebenan, sondern eine Rolle.. ich glaub‘ das checken die meisten nicht oder identifizieren sich einfach mit allen ihres Geschlechte. Es gibt auch nicht „den einen Mann“ (außer bei den Christen), also nehmts nicht immer so persönlich.
    Ich bleib Feminist.

  • #10
    Social Justice Warrior

    @ heute nicht und alle Kritiker von Anita Sarkeesian:

    Die gleichen abgenudelten Vorwürfe ständig zu wiederholen, macht die Kritik an Sarkeesian nicht valider – vor allem wenn diese nicht inhaltlich ansetzen, sondern ad hominem Vorwürfe sind (Keine Gamerin, Abzockerin, bla). Sarkeesian ist Kritikerin, die nun mal einen feministischen Background hat. So mit Kritikern umzugehen und dann -wie #gamergate- ‚besseren‘ Games Journalismus zu fordern, das ist doch blanke Heuchelei.
    Wir sind nicht mehr in den 80ern, wir leben in der Blütezeit der Gamesindustrie und an Games werden langsam aber sicher ähnliche Standards angelegt wie an Filme, Bücher usw. Games Kritik wird mit dem Medium erwachsen.
    Man stelle sich nur mal vor Mike Stoklasa von Redletter Media wäre ähnlichem Hass für seine Dekonstruktion der Star Wars Prequels ausgesetzt… Man diese ganze Geschichte ist so ein Armutszeugnis für alle Videospielliebhaber.

    Hier werden noch mal alle Vorwürfe adressiert: http://www.bustle.com/articles/39702-criticism-of-anita-sarkeesian-women-vs-tropes-comes-in-4-groundless-forms

    David Hill adressiert Gamergate, Ethik im Games Journalism und Sarkessian:

    „Anita Sarkeesian? […] Here’s why: She’s not trying to enact and force change. She’s pointing out trends, the way an art critic does. Some people might look to what she’s saying, and ask for more exceptions from that trend. Some developers might see those trends in their work, and shift away. But she’s never once said that games featuring sexist tropes should not be made. She even makes explicitly clear in every one of her videos that playing games with sexist tropes is okay, it’s not wrong to have fun with those games. But, certain trends do influence attitudes, according to numerous scientific studies. She doesn’t say these games will make you sexist.[…]

    Do you know what else this focus on Anita’s doing? It’s making your games worse. And I’m not saying, „Oh, if you leave Anita alone, she’ll make games better“. No. But right now, AAA game executives see people like Anita calling for diversity in games, and they’re seeing people like Gamergate attacking them vehemently. […] This tells them to double down on boring, scruffy 30-something male protagonist with a dark past, blah, blah. When we look at games like Watch Dogs, and we think they could have done better if they were a little more ambitious, understand that people shitting on „SJWs“ causes that risk averse, milquetoast game design.“

    You can have discussions about Anita’s points. But understand that she’s making critique. A lot of it is subjective. A lot of it relies on specific definitions that she gives. For example, it’s popular to attack her use of Hitman as an example of Women as Background Decoration. However, the only way it’s not a valid example is if you’re not actually using her definition. Essentially, you’re throwing out her thesis and applying a different thesis to her examples. That’s not fair, and it’s not academically sound.“

    https://plus.google.com/app/basic/stream/z13fftyjopfahdvz504cdldh0zr1j52o12w

  • #11
    HolleSonnenberg

    @ Jens
    Das würde ich ehrlich gesagt so nicht stehen lassen. Der Begriff „Rolle“ kann in diesem Zusammenhang ja nur aus soziologischer oder sozialpsychologischer Sicht heraus interpretiert werden. Das würde implizieren das es ein konkretes Bündel von Erwartungshaltungen und Handlungsmustern gibt die das soziale System explizit an diese Rolle richtet. Ich würde jedoch erstmal behaupten das es Unterschiede gibt zu den, mhh sagen wir vielleicht „klassischen“ Rollen gibt wie zum Bespiel: Lehrer, Busfahrer, Vater usw.).

    Aber vermutlich wäre dies hier falsche Ort um sich darüber ausführlich zu unterhalten. Und natürlich ist wirklich dumm wenn man sich davon persönlich angegriffen fühlt. Aber diese Konstruktion der „Rolle“ des weißen, heterosexuellen Mannes ist letztendlich Notwendig um Argumentationen aufzubauen die enden in: Wer Pornos schaut beteiligt sich an einer Vergewaltigung.

    Oder, um weniger theoretisch zu sein: Saskia schrieb das sie einen ganz bestimmten Typus Mann in ihrer sozialen Umgebung hat den Saskia unterstützen möchte.
    Daraus wird dann in dem oben von Rosine Wagemut: „Aber in deinen Augen ist die Welt perfekt und die letzte Gruppe, die noch leidet sind weiße, heterosexuelle Männer. Deswegen kämpfst du für sie.“. Cool, oder? Es geht also nicht darum wie man seine „Rolle“ ausfüllt, nicht darum was man für ein Mensch ist, auch nicht darum wie man sein Geschlecht definiert und auslebt.
    Es geht halt nur um die drei „bösen“ Zuweisungen, dann fällt man offensichtlich aus dem Kreis der unterstützenswerten Menschen heraus.
    Offensichtlich ist die Idee einen solchen Menschen zu unterstützen so abwegig das gar nicht konkret gefragt wird: Hey, warum glaubst du denn diesen Menschen unterstützen zu müssen? Nein, Rosine scheint für eine solche Handlungsweise nur Polemik als Replik für angemessen zu halten.

    Und da wird es persönlich. Für mich jedenfalls. Mein Netzwerk ist voll von Menschen die „schwach“ sind. Die Unterstützung brauchen weil sie sich nie auf bestimmte Arten von Machtfickereien eingelassen haben. Die Idee diese Menschen nach Geschlecht zu sortieren empfinde ich als total abwegig.

    Ganz davon abgesehen finde ich immer cool Menschen zu haben die sich trauen was zu sagen. Nur wenn du das Wort „Feminist“ für dich anwendest sei bitte nicht sauer wenn die Menschen mit gewissen Vorurteilen an dich herantreten. Ich würde mich sehr freuen wenn die Deutungshoheit von reflektierten Menschen zurück erobert werden würde.

    Bis dahin bleibst du Feminist und ich reflektiert.

    (Ich entschuldige mich sehr für das pubertäre Wortspiel am Ende welches ich mir aus mir noch nicht vollständig klaren Gründen nicht verkneifen konnte, vermutlich Schlafmangel. Spiegelt echt nicht meine Meinung wieder und ich hoffe das verzerrt den Rest des Textes nicht.)

  • #12
    Matze

    @Jens von nebenan

    Das ist aber genauso schlecht, wie zu sagen allen Juden oder Schwarzen sind Schuld an allem, aber habt euch nicht so, das ist nur eine Rolle. Es sind alles Gruppen die eindeutig identifiziertbar sind.

    Wenn der Feminismus so essentiell auf ein Feinbild angewiesen und die ihrer M.n. alles durchdringende Frauenunterdrückung zu belegen, da kausale Zusammenhänge zu erkennen so anstrengend ist, wäre es nicht schlauer die Bösen als „Machtmenschen“ oder sowas zu bezeichnen. Dieser Gruppe läßt sich niemand nur anhand von Geburtmerkmalen zuordnen.

    Und wenn das nun nur eine Rolle ist und die meisten das einfach nicht checken, wie du sagst, wäre es dann nicht sinnvoll das Konzept mal zu überdenken, sich ein besseres und für die Leute annehmbareres Konzept zu auszudenken?

    Und noch eine Frage: Wenn man nun von Geburt an, ohne Chance darauf etwas an seiner Hautfarbe, seiner Sexualität oder seinem Geschlecht zu ändern, sich zu einem weißen, heterosexuellen Mann entwickelt und sich mit den typischen Rollenbilder des Feminismus für den WHM (Vergewaltiger, Frauenunterdrücker, Kriegstreiber, Pädophiler, Frauenschläger, Triebgesteuerer, Nazi, Wutbürger, Hater, usw.) nicht identifizieren kann, welche positiven Rollenbilder hat der Feminismus dann für solche Männer im Angebot?

    Ein Ally werden? Klingt für mich nach Sklaverei:

    http://geschlechterallerlei.wordpress.com/2014/09/15/feminismus-und-die-unfahigkeit-fur-allianzen/

    Also welche positiven Rollenbilder hat der Feminismus, welcher sich zum Ziel gesetzt hat „Männlichkeit“ zu zerstören, welcher Männlichkeit als toxisch ansieht, welcher alle männlichen Eigenschaften (bei Männern) abwertet, parat?

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