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Bettina Wulff, PR und die Ehre

Der Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina Wulff auf dem Pariser Platz in Berlin Foto: Franz Richter (User:FRZ) Lizenz: CC

Auch wir bekamen auf dem Höhepunkt der Affäre um den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff Fotos zugeschickt, auf  denen angeblich seine Frau als Prostituierte zu sehen war.  Wir haben die Bilder nicht verwendet. Ob Bettina Wulff anschaffen gegangen ist oder nicht war mir egal, Prostitution ist in Deutschland legal und was legal ist kann man niemanden vorwerfen. Davon ab hatte Bettina Wulff keine offizielle Funktion – sie war prominent, aber nicht wichtig. Und die Quellen von denen wir das Material bekamen – katholische Spinner – waren auch nicht gerade glaubwürdig.

Das andere Medien diese Geschichte aufgegriffen haben, fand ich geschmacklos, aber so ist die Welt nun einmal. Wer sich in das Licht der Öffentlichkeit begibt und bewusst sein Privatleben zu seinem Vorteil versucht zu vermarkten, muss mit so etwas rechnen: Bettina Wulff war PR-Frau, sie kennt das Geschäft.

Nun klagt sie. Die Süddeutsche dazu:

Am Freitag hat die 38-Jährige Klagen beim Hamburger Landgericht gegen den Fernsehmoderator Günther Jauchund gegen den Google-Konzern eingereicht.

Es geht um Berichte um ihre angebliche Tätigkeit als Prostituierte, sie hat schon früher geklagt und mittlerweile eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass sie nie als Prostituierte gearbeitet hat.  Ihr Anwalt  ist Gernot Lehr, der bereits ihren Mann vertrat und von dem wir auch schon im Auftrag von Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) Post bekamen.  Aber das Jauch und Google nun verklagt werden, weil Jauch einen Artikel zitiert hat, in dem über die angebliche Vergangenheit von Wulff berichtet wurde und Google dafür sorgen soll, das durch die Autocomplete-Funktion keine Begriffe wie „Rotlicht“ mehr auftauchen, ist peinlich. Die Geschichte ist in der Welt, sie wurde diskutiert und ist Teil der Pressegeschichte Deutschlands. Bettina Wulff ist eine Person des öffentlichen Interesses und auch unwahre Geschichten kursieren über solche Menschen. Im besten Fall ist es harmloser Quatsch, manchmal auch nicht. Es ist in Ordnung Medien zu verklagen, die behaupten, Wulff wäre Prostituierte gewesen und es dann nicht beweisen können. So etwas macht man nicht und wenn man dann Ärger bekommt, bekommt man ihn zu Recht. Aber wenn solche Gerüchte kursieren, muss es möglich sein darüber zu berichten – natürlich müssen die Betroffenen die Gelegenheit bekommen, sich zu äussern, aber das war es dann auch schon.

Die Klage von Wulff  geht zu weit. Sie könnte dazu führen, das Berichterstattung künftig massiv eingeschränkt wird und das mit Google eine Informationsmöglichkeit künftig nicht mehr nutzbar sein wird.

Der Spiegel berichtet,  es geht Bettina Wulff um die Wiederherstellung ihrer Reputation. Mag sein.

In diesem Monat kommt auch ihr Buch heraus. Bettina Wulff war PR-Frau. Ich bin der Meinung, dass die Klage zum jetzigen Zeitpunkt kein Zufall ist, sondern zumindest zum großen Teil mit der Vermarktung des Buches zu tun hat.

 

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13 Kommentare zu “Bettina Wulff, PR und die Ehre

  • #1
    Norbert

    und was legal ist kann man niemanden vorwerfen.
    In der NPD-Mitglied sein ist auch legal und das würde der Ruhrbaron doch Leuten auch – zu Recht – vorwerfen. Oder? ^^

    Und das Ganze zeigt doch auch, dass Prostitution bei weitem kein normaler Beruf ist. Wenn jemand behauptet hätte, sie hätte früher als Bäckerin gearbeitet, würde sie nicht so ein Bohai darum machen (müssen).

  • #2
  • #3
    Norbert

    Man sollte seine Leser nie überschätzen *G*

    Ich persönlich würde es genau so sehen: Es ist völlig egal für die breite Öffentlichkeit, ob sie früher ihr Geld mit 08-15-Studenten-Jobs oder Blowjobs verdient hat. Das ist höchstens für den Gatten relevant. Eine NPD-Mitgliedschaft ist auch für andere relevant.

  • #4
    Egidius Dunkelbeige

    Mich würde interessieren, wie sich die rechtliche Auseinandersetzung zeitlich entwickelt hat. Eine Geldentschädigung käme nach meiner Einschätzung nur dann in Betracht, wenn sich Frau Wulff gegen die Berichte unverzüglich rechtlich gewehrt und alle ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel zuvor ausgenutzt hätte. Nach dem sog. Ultima-Ratio-Prinzip gewähren die deutschlen Gerichte nur dann Entschädigungen, wenn man sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wehrt. Von frühzeitigen Anträgen auf einstweilige Verfügungen oder Strafanzeigen gegen Ulfkotte, die Berliner Zeitung oder Titanic ist mir bisher nichts bekannt. Die unsägliche „Satire“ bei der Titanic war vor einigen Tagen immer noch online.

  • #5
  • #6
    TuxDerPinguin

    Ich habe davon noch nie was gehört.
    Durch die Klagen wird das vielleicht zum Meme.

    ich verstehe sowas nicht. Der Streisand-Effekt sollte doch reichlich bekannt sein.
    zudem sind meiner Erfahrung nach Gerüchte, gegen die geklagt wird, oft nicht aus der Luft gegriffen.

    Ihre Reputation wird durch eine solche Aktion jedenfalls sinken, zumindest bei mir. Als hätten unsere Gerichte nichts besseres zu tun als mit sowas vollgespamt zu werden.

  • #7
    obelrehrer

    Aber dass(!) Jauch und Google…
    , dass(!) durch die Autocomplete…
    … führen, dass Berichterstattung…
    …und dass mit Google…

  • #8
    Sigmund

    Was sagt denn ihr Arbeitgeber, die Drogerie Rossmann dazu, nachdem sie dort wiedereingestellt worden ist?

  • #9
  • #10
    Venus

    Ein lächerliches Drama!
    Würden wir über alle Freier diskutieren wollen, die prominent oder semi-prominent sind, bliebe kein Platz mehr für andere Nachrichten.
    Selbst wenn sie im Milieu gearbeitet hätte, geht das nur sie und ihren Mann etwas an.
    Allerdings ist es schon merkwürdig, dass sie das jetzt stört – nachdem die meisten das Gerücht längst vergessen hatten und bevor ihr Buch erscheint…

  • #11
    Nansy

    So einfach kann man es sich nicht machen. Politiker (auch durch das Verhalten ihrer Angehörigen) werden nun einmal erpressbar, wenn man solche Informationen hat. Davon abgesehen, wenn Wulff noch Präsident wäre, würde das Ansehen seines Amtes auch im Ausland schaden nehmen (egal was man hier darüber denkt).

  • #12
    Danielle Durand

    Am Höhepunkt der Medienhetze (auch gegen sie) hat man IHR noch vorgeworfen, dass sie niemanden deswegen klagt – und es als „Beweis“ hingestellt, dass doch etwas dran sein muss. Die Google-Nutzer wurden sogar von Stinke-MEDIEN zu den Schmuddel-Blogs direkt hin verlinkt. Einmal Anklicken unter dem Text – und man war dort, wo sie einen haben wollten.
    Im Internet schossen die Klickzahlen für Bettina-Wulff-Storys einmal mehr in die Höhe, schreibt die „Welt“.
    na no na net

    Und jetzt wird schon wieder ein Vorwurf daraus konstruiert, dass sie ihre Rufmörder doch geklagt hat? Darüber haben die verurteilten Dreckszeitungen nix berichtet, da waren sie plötzlich sehr schweigsam.
    Und sie selber soll sich dazu nicht äußern dürfen?

    ha ha ha

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @ChrisK: Wir haben keine Lust abgemahnt zu werden. So etwas bitte mit einer Quelle und zumindest uns gegenüber mit Deinem richtigen Namen.

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