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Bochum: Antisemitische Vorfälle im Rahmen der Corona-Pandemie


Im Rahmen der Proteste rund um die Corona-Pandemie kommt es immer wieder zu
antisemitischen Zwischenfällen. Nun sind auch für Bochum zwei solcher Fälle bekannt.
Am Samstag, den 27. März 2021 bezeichnete ein Teilnehmer der örtlichen Querdenken-
Proteste einen der eingesetzten Polizeibeamten als „KZ Wächter“. Durch diese direkte
Bezugnahme auf die Shoah handelt es sich um eine direkte Täter-Opfer-Umkehr: Ein
Teilnehmer einer verschwörungsideologischen und somit strukturell antisemitischen
Kundgebung vergleicht sich mit den Opfern der Shoah, indem die Polizei als Teil der
demokratischen Exekutive mit den Wachmannschaften nationalsozialistischer
Konzentrations- und Vernichtungslager dargestellt wird.
Der entsprechende Vorfall wurde in der öffentlichen Telegram-Gruppe der Initiative
„Querdenken 234“ publik gemacht und von einem Nutzer auf Twitter weiter verbreitet:

Der zweite Vorfall ereignete sich ebenfalls am Wochenende vom 26.
auf den 28. März 2021: Im Bereich der Erzbahntrasse vom Westpark bis Bochum Hordel sowie
an der Graffiti-Wand im Westpark wurden zahlreiche verschwörungsideologische Graffiti
angebracht. Unter anderem war dort zu lesen: „No Media No Virus“ und
„BRD AG = KZ“.

Bei beiden Inhalten handelt es sich um Verschwörungsmythen, hinter denen antisemitische Topoi zu erkennen sind.
Die Corona-Pandemie wird als eine Erfindung der Medien dargestellt, vornehmlich, um die Gesellschaft zu unterdrücken und die Bundesrepublik Deutschland wird als eine von
Mächten im Hintergrund fremdbestimmte Firma bezeichnet, die darüber hinaus noch mit einem Konzentrationslager verglichen wird.

Während erstere Aussage erst auf den zweiten Blick dem strukturellen Antisemitismus
zuzuordnen ist, handelt es sich bei der zweiten Behauptung um einen Inhalt der so
genannten Reichsbürgerbewegung, die die Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennt und
wahlweise glaubt, noch immer im so genannten „Dritten Reich“ oder in einer von den
Siegermächten fremdbestimmten GmbH zu leben.

„All diese Verschwörungserzählungen gehen von mehr oder minder geheimen Mächten im
Hintergrund aus, die Deutschland fremdbestimmen würden“, erläutert Justin Mantoan,
Mitarbeiter der Integrationsagentur ZIVA – Zusammen für Vielfalt und Integration, gegen
Antisemitismus der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen und fährt fort:

„Verschwörungsmythen sind stets strukturell antisemitisch, wenn sie eine solche geheime
Macht herbeiphantasieren, die im Dunkeln arbeite und von dort aus die Macht übernehmen
wolle oder schon übernommen habe. Zahlreiche dieser Mythen haben ihren Ursprung in
antisemitischen Erzählungen des Mittelalters oder, seit Beginn des 20. Jahrhunderts, in den
so genannten Protokollen der Weisen von Zion.“

Wenn diese strukturell antisemitischen Erzählungen darüber hinaus noch mit direkten
Bezügen zur Zeit des Nationalsozialismus und zur Shoah versehen seien, so Mantoan, habe
man es zu allem Überfluss noch mit Formen des strukturellen Antisemitismus zu tun. „Dies
ist keine Kritik an den Corona-Maßnahmen, sondern ein direkter Angriff gegen das Judentum
mitten in Bochum.“

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Ein Kommentar zu “Bochum: Antisemitische Vorfälle im Rahmen der Corona-Pandemie

  • #1
    ccarlton

    Die Behauptung, der entsprechende Vorfall wäre in der öffentlichen Telegram-Gruppe der Initiative
    „Querdenken 234“ publik gemacht und von einem Nutzer auf Twitter weiter verbreitet worden ist irreführend.

    Die Macher der Gruppe haben sich distanziert, was aus dem sehr unvollständigen Screenshot nicht klar ersichtlich ist. Zum Glück ist die Gruppe öffentlich, sodass jeder den Rest der Stellungnahme finden kann.

    "…solche Aussage ist komplett unangemessen, und wir möchten euch wirklich bitten, jegliche Vergleiche mit der NS-Zeit zu unterlassen."

    Werden hier bewusst Informationen unterschlagen, um den politischen Gegner in ein schlechtes Licht zu rücken?

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