Bochum: Arzt vergleicht Situation heute mit 1933

Bochumer Internist und Diabetologe als Redner auf der Querdenken Demo am 21.11.2020 in Bochum. Quelle: youtube screenshot des Kanals „Eventdemostream 2020“

„Gern hätte ich auf dem Dr. Ruer Platz gesprochen. Dort hatte ich über zwei Jahrzehnte meine ärztliche Praxis. Dr. Otto Ruer stammte aus einer jüdischen Arztfamilie und war Oberbürgermeister von Bochum. 1933 vertrieben ihn die Nazis aus seinem Amt. Das ich einmal daran erinnern würde, habe ich mir nie vorgestellt. Nur wenige zweifeln jetzt nach der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes, dass wir wieder eine Situation wie 1933 erleben.“ Das sagte der Bochumer Internist und Diabetologe Dr. Andreas Triebel am Samstag auf der Querdenken Demonstration in Bochum. Widerlich und geschichtsvergessen, wie sich die Protagonisten der sogenannten Querdenker mit Opfern der Nationalsozialisten vergleichen und diese für ihre Zwecke instrumentalisieren. Zur Erinnerung: Der damalige Bochumer Oberbürgermeister Dr. Otto Ruer wurde von den Nationalsozialisten 1933 durch Diffamierung und Lügen in den Selbstmord getrieben.

Das Dr. Triebel, im weiteren Verlauf der Rede, die längst widerlegte Propagandalüge der drei Kinder, die angeblich an den Folgen des Tragens einer Maske gestorben sein sollen, weiterhin verbreitet, könnte man da schon beinahe vernachlässigen, würde es nicht in das geschmacklose Schema der Querdenker Szene passen, wehrlose Opfer für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Nach Angaben der WAZ ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Triebel, weil er im Verdacht steht, Atteste gegen die Maskenpflicht ohne medizinische Notwendigkeit ausgestellt zu haben.

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20 Kommentare

  1. #1 | thomas weigle sagt am 23. November 2020 um 13:42 Uhr

    Moralisch völlig verwahrloster Arzt. Hoffentlich bringt ihn die Staatsanwaltschaft wegen der Atteste ordentlich in die Bredouille.

  2. #2 | Angelika, die usw. sagt am 23. November 2020 um 13:50 Uhr

    Siehe google-Rezensionen zu seiner Praxis. Da reisen welche von weit her an, da erhalten welche Atteste (keinen MNS tragen müssen). Gehäuft in letzter Zeit positive Kommentare.

  3. #3 | Susanne Scheidle sagt am 23. November 2020 um 15:46 Uhr

    Sieht so aus, als ob diese Verstrahlten inzwischen jedes Maß verloren haben. Da werden Kinder in Stellung gebracht, um die Polizei davon abzuhalten, bei der Durchsetzung der Hygiene-Regeln angemessen vorzugehen. Ein kleines Mädchen liest eine vorbereitete Rede vor, dass sie sich beim letzten "heimlichen Kindergeburtstag" gefühlt hätten "wie Anne Frank" (das Kind weiß vermutlich noch nicht, wer Anne Frank überhaupt war). In Hannover vergleicht sich eine Rednerin mit Sophie Scholl, weil sie "seit Monaten im Wiederstand ist" und "Flugblätter verteilt"… und jetzt dieser Arzt aus Bochum.
    Diese "Querdenker" steigern sich in einen Wahn, der langsam nur noch mit medizinischen Begriffen beschrieben werden kann.

  4. #4 | thomas weigle sagt am 23. November 2020 um 18:19 Uhr

    @ Susanne Scheidle Sie beschreiben diese "Verstrahlten" noch sehr zurückhaltend. Die sind schlicht und ergreifend moralisch-politisch völlig verwahrlost.

  5. #5 | Emscher-Lippizianer sagt am 23. November 2020 um 20:46 Uhr

    Ich hoffe sehr, daß diese "Verstrahlten" auch alle brav eine Patientenverfügung um den Hals hängen haben, in der sie für den Infektionsfall festgelegt haben, daß sie jede medizinische Behandlung ablehnen. Im Zweifel sollte die Behandlung auch verweigert werden. Aus der Schweiz kommen dazu ein paar Gedanken:

    https://www.derbund.ch/auch-corona-leugner-haben-anrecht-auf-ein-intensivbett-685175147150

    Klingt ein wenig nihilistisch, aber ist im Augenblick meine Stimmungslage.

  6. #6 | DAVBUB sagt am 23. November 2020 um 22:17 Uhr

    @3, Susanne Scheidle
    "Da werden Kinder in Stellung gebracht," …"Ein kleines Mädchen liest eine vorbereitete Rede vor,"
    Die übernehmen halt die erfolgreichen Taktiken und Strategien der Friedensbewegten, Ökolinxen und Hambi-und Danniretter. Ich kann mich noch sehr gut an die angsterfüllten Gesichter der kleinen Scheißer erinnern, die in den achtziger Jahren nicht genau wußten, ob sie mehr Angst vor dem Atomtod oder dem Waldsterben haben sollten. Die Themen sind andere, die Nutzung von Kindern als politische Werkzeuge die gleiche.

  7. #7 | Jürgen M sagt am 24. November 2020 um 09:13 Uhr

    Top Arzt. Kannte Ihn persönlich und er war ein wunderbarer Mann mit menschlichen Werten. Was ich von den restlichen Kommentaren hier sehe, wie man über Menschen herzieht den man nicht kennt, ist eine pure Enttäuschung für die Menschheit. Zeigt nur eure verdorbenen Charakter. Wiederlich.

  8. #8 | Angelika, die usw. sagt am 24. November 2020 um 10:05 Uhr

    #7 "…Kannte Ihn persönlich und er war…"

    Er weilt unter uns. Es ist nicht nötig, dass Sie einen Nachruf verfassen, Jürgen M .
    Und er weilt nicht nur, das was er (Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft d.Red) tut (unnötige Atteste ausstellen) ist kontraproduktiv in Zeiten einer Pandemie.

  9. #9 | Herbert H. sagt am 24. November 2020 um 22:16 Uhr

    Und so einer führt eine Lehrpraxis der Ruhr-Universität Bochum und bildet unsere zukünftigen Ärzte aus?

    https://www.aerztegemeinschaft-dorstenerstrasse.de/hausarzt-bochum-triebel-leistungen/

  10. #10 | Mel B. sagt am 26. November 2020 um 22:25 Uhr

    Ich bin seit 20 Jahren eine Patientin von Dr. Triebel und kenne ihn daher auch. Jürgen M. hat es auf den Punkt gebracht. Dr. Triebel ist ein sehr netter und warmherzige Arzt, der sich Zeit für seine Patienten nimmt und er interessiert sich auch für den Menschen hinter dem Patienten. Ich kann sogar soweit gehen und sagen, dass Dr. Triebel mein Leben gerettet hat. Außerdem finde ich es gut, dass wegen der ganzen Corona Pandemie, es Menschen gibt, die das ganz anders sehen und auch mal einen anderen Blickwinkel aufzeigen UND es auch laut aussprechen. Aber sobald man eine andere Sichtweise zu etwas hat, darf man sie nicht laut aussprechen, da man ja Angst haben muss, auf übelste Art und Weise beleidigt zu werden, z.B. von dem Verfasser diesen Artikels Michael Kolb. Sie, Herr Kolb, haben Ihre eigene Meinung hier als Artikel verfasst, sie hätte aber in meinen Augen neutral sein müssen. Widerlich und geschichtsvergessen ist der Dr. Triebel ganz und gar nicht aber scheinbar Sie, als Dr. Triebel die jetzige Situation mit der von 1933 verglichen hat. Dr. Otto Ruer wurde von der damaligen "Politik " wegen unkorrekter Amtsführung und von Verschwendung öffentlicher Steuergelder am 11.03.1933 aus dem Amt VERTRIEBEN und am 29.07.1933 hat Dr. Ruer Selbstmord durch Gift begangen. Da liegen mehr als 4 Monate dazwischen.
    Wenn Sie, Herr Kolb, irgendwelche Angaben widerlegen möchten, dann aber auch richtig und nicht nur mit den Angaben, die Ihnen in den Kram passen.
    MfG aus Bochum

  11. #11 | Pion Blanc sagt am 27. November 2020 um 08:57 Uhr

    Wer behauptet, wir hätten eine Situation wie 1933, redet Unsinn. Wir leben in einer Demokratie und in einem Rechtstaat. Man darf natürlich Kritik äußern an "der" Politik. Aber wenn man so polemisch austeilt (und diese Polemik auch völlig ungestraft vortragen darf), muss man auch zugespitzte Antworten ertragen können. Das ist keine Beleidigung, nicht einmal für jemanden, der sonst freundlich und warmherzig ist (wenn er nicht gerade gefährlichen Unsinn redet).

  12. #12 | Berthold Grabe sagt am 27. November 2020 um 16:43 Uhr

    #11
    Wer nur schwarz weiss sieht bei solchen Vergleichen kann natürlich keine Ähnlichkeiten entdecken.
    Zusätzlich lässt die Dämonisierung der damaligen Zeit jedne vergleich unsinnig erscheinen.
    Doch ist weit weniger weit hergeholt, als man von dieser Warte aus wahrhaben will.
    Entscheidend sind nicht die guten Absichten der Regierung, sondern das sie glaubt sich selbst ermächtigen zu dürfen und somit sich im Grunde einen Freifahrtschein ausstellt.
    Hier heisst es wehret den Anfängen, denn irgendwann wird jemand dieses Recht deutlich übergriffiger missbrauchen als jetzt zu befürchten steht, wei les lange praktiziertes Recht darstellt.
    Deshalb gibt es schon Ähnlichkeiten mit 33, die Anmaßung ist ähnlich auch wenn sich die Akteure anders als damals noch keinerlei "böse"Hintergedanken haben.
    auch aus Leichtsinn kann man seine Freiheit verlieren, ebenso wie aus Vertrauen, wo es keine Vertrauen geben darf..

  13. #13 | thomas weigle sagt am 27. November 2020 um 21:39 Uhr

    Ist schon lustig, wenn ein Rechter wie @Grabe u.a. Vergleiche zu 33 halluziniert. Wir haben jetzt November, die ganze Scheiße fing im Februar an. Ist wer abgeholt worden? Gab es politisch-religiös motivierte Morde, außer durch Rechte und Islamisten natürlich? Ist irgendwer wegen Kritik an den Maßnahmen eingesperrt und gefoltert worden? Nein!! Also ist jeder Vergleich einfach nur dummes Zeug!!

  14. #14 | Emscher-Lippizianer sagt am 27. November 2020 um 22:06 Uhr

    #12
    Bei der scheinbaren Notwendigkeit in der Zeit von 1933 an irgendetwas Weißes zu sehen brauche ich eine ziemlich kräftige Sehhilfe. Ich rede nicht darüber, daß mir die Maßnahmen unserer gewählten (sic!) Vertreter manchmal gelinde gesagt etwas planlos vorkommen, aber es sind die Maßnahmen unserer gewählten Vertreter. Es hat in dieser Republik noch kein Ermächtigungsgesetz oder die Niederschlagung eines vermeintlichen Röhmputsches gegeben. Hier ist meines Wissens nach auch noch niemand in zwölfjährige "Schutzhaft" wegen seiner Meinung/Gesinnung/Religion/Sexuellen Orientierung gekommen. Diese Liste ließe sich durchaus fortführen, so daß ich sagen muß: Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

  15. #15 | Susanne Scheidle sagt am 27. November 2020 um 23:01 Uhr

    @ Mel B. #10,

    Es gibt ein paar wenige Dinge, die man nicht einfach "mal anders sehen kann". Da stehen leider Tatsachen im Wege, die unstrittig sind. Wenn man trotzdem darauf besteht, diese Dinge "mal anders zu sehen" – also z. B. behauptet, die Erde ist eine Scheibe, oder falls sie doch eine Kugel ist leben wir nicht auf der Außenseite sondern auf der Innenseite, weshalb die Sonne nur ungefähr so groß sein kann wie eine Pampelmuse weil sie sonst ja nicht ins Erdinnere reinpassen würde – dann
    muss man damit rechnen, dass jemand darauf aufmerksam macht, dass man Stuss redet. Das ist keine Diffamierung, sondern lediglich eine Klarstellung von Tatsachen.
    So verhält es sich z. B. auch, wenn man die heutige Situation mit 1933 vergleicht.

    Mal ganz davon abgesehen, dass Ihre Ausführungen auch nicht so ganz in sich schlüssig sind. Finden Sie es jetzt korrekt, dass sich Dr. Triebel – zumindest indirekt, und sozusagen in putativer Notwehr (schließlich hat ihn ja noch niemand aus dem Amt gejagt) – mit Dr. Ruer vergleicht oder sind Sie der Meinung, dass Dr. Ruer völlig zurecht aus dem Amt vertrieben wurde (wegen angeblich inkorrekter Amtsführung und Verschwendung öffentlicher Gelder), weil er sich ja erst 4 Monate nach dem Rauswurf vergiftet hat und nicht gleich am 12. März 1933?

  16. #16 | Susanne Scheidle sagt am 27. November 2020 um 23:40 Uhr

    @ Berthold Grave #11

    Was bitte meinen Sie genau mit "Dämonisierung der damaligen Zeit"?
    Ich frage das deshalb, weil das Ihre nachfolgenden leidenschaftlichen Apelle der Geschmacksrichtung "Wehret den Anfängen" etwas schräg aussehen lässt.

    Wenn ich da mal zwei Gedanken anfügen dürfte:

    Das Ermächtigungsgesetz 1933 diente einer verantwortungslosen und verbrecherischen Partei, das Parlament auszuhebeln. Das neue Gesetz dient dazu, das Parlament in Entscheidungen einzubinden.

    Das Ermächtigungsgesetz 1933 diente einer verantwortungslosen und verbrecherischen Partei, das Parlament auszuhebeln, indem das Parlament übertölpelt wurde mit der Imagination einer frei erfundenen Bedrohung (Kommunisten, Juden). Die Bedrohung heute ist sehr real, wie selbst ein flüchtiger Blick auf die Infektionszahlen zeigt, in D, in den Nachbarländern und von den Zahlen in GB und den USA will ich gar nicht reden.

    Das wirft die Frage auf: Welchen "Anfängen" wollen Sie denn da genau "wehren"?
    Jedenfalls wenn man im Hinterkopf behält, dass Sie die "damalige Zeit" nicht "dämonisieren" wollen.

  17. #17 | Eberhard K. sagt am 28. November 2020 um 09:38 Uhr

    @ Pion Blanc Sie haben recht. Nicht deutet seit Begin der Pandemie auf irgendwelche Paralelen zu 1933 und die folgenden jahre hin. Hier wird Polemik in schwarzer absicht gemacht, die Regierung schlecht zu machen. Dass ist sehr durchsichtig.

  18. #18 | thomas weigle sagt am 28. November 2020 um 12:12 Uhr

    Immerhin haben die Nazis die Autobahn erfun…Quatsch, aber bezahlten Urlaub in Deutschland eingeführt. Immerhin. Und einen Mietenstop verhängt. Das kann man anführen, nur fällt dies in Anbetracht all ihrer Untaten, ihrer Massenmorde etc nun wirklich nicht ins Gewicht. Es ist wie eine Feder im Vergleich zu einer Tonne. Oder um im Sprachgebrauch des Abfalls für Doitschland zu bleiben: "ein Vogelschiss."

  19. #19 | Petra42 sagt am 29. November 2020 um 08:40 Uhr

    Es ist m.E. nicht angebracht, dieses Gesetz mit dem Ermächtigungsgesetz der Nazis zu vergleichen.

    Aber ich habe den Originaltext des Gesetzes einmal einfach mittels Suchfunktion auf das Wort "Ermächtigung" geprüft. Ergebnis: 13 Mal kommt dieser Begriff vor!

    Wer in einer solchen Situation so ungeschickt einen Entwurf einbringt, darf sich nicht wundern, wenn Gegner das als Steilvorlage nehmen.

  20. #20 | eike hovermann sagt am 23. Dezember 2020 um 16:12 Uhr

    Ich kenne den heutigen Dr. med.Triebel bereits als Schüler und Conabiturient in Warburg -Westfalen, wo er an der Schule schon "sehr eigenwillige Thesen" vertrat. Seine Entwicklung bis heute überrascht mich nicht, zumal er in Treffen von Ehemaligen auch schon auffiel.
    Ich selbst schließe mich der Meinung mancher Mitbürger an, die denn Entzug der Approbation verlangen für solche Ärzte.
    Eike HGovermann

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