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BUND-Geschäftsführer will weiter Kraftwerks-Projeke stilllegen

Dirk Jansen ist der Geschäftsführer des BUND in NRW. Er hat eine klare Meinung zu neuen Kohlekraftwerken in Deutschland. Man sollte auf sie verzichten, sagt Jansen. Hier lesen wir im Interview mit den Ruhrbaronen, wieso er so denkt:

Ruhrbarone: Kam die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster gegen das Kohlekraftwerk Datteln für Sie so überraschend, wie für den Rest des Landes?

Dirk Jansen: Wir haben seit drei Jahren immer wieder in allen parallelen Verfahren auf die Rechtswidrigkeit des Bauvorhabens in Datteln hingewiesen. Sei es im Bereich des Immissionsschutzrechtes, im Bereich des Naturschutzrechtes, im Bereich der Störfallverordnung oder im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Jetzt haben wir folgerichtig endlich auch mal vor einem Gericht Recht bekommen. Das freut uns.

Wird durch die Gerichtsentscheidung der Industriestandort NRW gefährdet?

Das ist absurd. Ohne das Kraftwerk geht das Abendland nicht unter. Das Gegenteil ist richtig. Wer jetzt noch Kohlekraftwerke baut, verhindert den Aufbau einer klimafreundlichen Industrie und damit zukunftsfähige Arbeitsplätze im Land. Das Wohl einer ganzen Region wird bedroht. Wir müssen die Blockade der Energiewende endlich auflösen und zu Erneuerbaren Energien sowie effizienten Techniken umschwenken. Das ist der Markt der Zukunft.

Bis die Erneuerbaren Energien Strom für Industrieproduktionen bereitstellen können, vergeht noch viel Zeit. Gleichzeitig sollen Atomreaktoren abgeschaltet werden und keine neuen Kohlekraftwerke entstehen. Gefährdet Sie nicht Industriearbeitsplätze?

Ein Kohlekraftwerk, das heute ans Netz geht, läuft 40 Jahre. Das ist unumkehrbar. Wir haben aber aus Klimaschutzgründen keine Zeit mehr, um den Temperaturanstieg wie international beschlossen auf zwei Grad zu begrenzen. Wir müssen jetzt umschwenken. Es darf kein neues Kohlekraftwerk mehr ans Netz gehen. Es gibt auch keine Stromlücke, wie die Energiekonzerne behaupten. Wir können die Altanlagen durch Energiespartechnologien ersetzen und durch erneuerbare Energieträger. Für die Übergangszeit können wir zudem hocheffiziente Gaskraftwerke nutzen, die elektrische Energie und Wärme erzeugen. Davon profitiert der Industriestandort NRW ebenso wie die Umwelt.

Wenn man weiter mit den alten ineffizienten Kohlekraftwerken Strom produziert, pustet man doch viel mehr Kohlendioxid in die Luft als mit den neuen Anlagen. Warum sollen die alten Mühlen weiter betrieben werden?

Die alten Mühlen besitzen unbefristete Betriebsgenehmigungen und werden nur ersetzt,

Dirk Jansen ist der Geschäftsführer des BUND in NRW. Er hat eine klare Meinung zu neuen Kohlekraftwerken in Deutschland. Man sollte auf sie verzichten, sagt Jansen. Hier lesen wir im Interview mit den Ruhrbaronen, wieso er so denkt:

Ruhrbarone: Kam die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster gegen das Kohlekraftwerk Datteln für Sie so überraschend, wie für den Rest des Landes?

Dirk Jansen: Wir haben seit drei Jahren immer wieder in allen parallelen Verfahren auf die Rechtswidrigkeit des Bauvorhabens in Datteln hingewiesen. Sei es im Bereich des Immissionsschutzrechtes, im Bereich des Naturschutzrechtes, im Bereich der Störfallverordnung oder im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Jetzt haben wir folgerichtig endlich auch mal vor einem Gericht Recht bekommen. Das freut uns.

Wird durch die Gerichtsentscheidung der Industriestandort NRW gefährdet?

Das ist absurd. Ohne das Kraftwerk geht das Abendland nicht unter. Das Gegenteil ist richtig. Wer jetzt noch Kohlekraftwerke baut, verhindert den Aufbau einer klimafreundlichen Industrie und damit zukunftsfähige Arbeitsplätze im Land. Das Wohl einer ganzen Region wird bedroht. Wir müssen die Blockade der Energiewende endlich auflösen und zu Erneuerbaren Energien sowie effizienten Techniken umschwenken. Das ist der Markt der Zukunft.

Bis die Erneuerbaren Energien Strom für Industrieproduktionen bereitstellen können, vergeht noch viel Zeit. Gleichzeitig sollen Atomreaktoren abgeschaltet werden und keine neuen Kohlekraftwerke entstehen. Gefährdet Sie nicht Industriearbeitsplätze?

Ein Kohlekraftwerk, das heute ans Netz geht, läuft 40 Jahre. Das ist unumkehrbar. Wir haben aber aus Klimaschutzgründen keine Zeit mehr, um den Temperaturanstieg wie international beschlossen auf zwei Grad zu begrenzen. Wir müssen jetzt umschwenken. Es darf kein neues Kohlekraftwerk mehr ans Netz gehen. Es gibt auch keine Stromlücke, wie die Energiekonzerne behaupten. Wir können die Altanlagen durch Energiespartechnologien ersetzen und durch erneuerbare Energieträger. Für die Übergangszeit können wir zudem hocheffiziente Gaskraftwerke nutzen, die elektrische Energie und Wärme erzeugen. Davon profitiert der Industriestandort NRW ebenso wie die Umwelt.

Wenn man weiter mit den alten ineffizienten Kohlekraftwerken Strom produziert, pustet man doch viel mehr Kohlendioxid in die Luft als mit den neuen Anlagen. Warum sollen die alten Mühlen weiter betrieben werden?

Die alten Mühlen besitzen unbefristete Betriebsgenehmigungen und werden nur ersetzt, wenn im Zuge der Fortentwicklung des Emissionshandelssystem endlich strikte CO2-Obergrenzen festgelegt und die Verschmutzungsrechte zu 100 Prozent von den Kraftwerksbetreibern erworben werden müssen. Erst dann steigt der Druck, alte und ineffiziente Kraftwerke abzuschalten. Bislang hat der Emissionshandel kläglich versagt. Wird das Kohlekraftwerksneubauprogramm wie geplant realisiert, steigen allein in NRW die Kohlendioxidemissionen um jährlich 40 Mio. Tonnen.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Strompreise bei so einer Politik durch die Decke geschossen werden?

Die ökologischen und gesellschaftlichen Folgekosten der Kohleverstromung und der Atomenergie sind wesentlich höher. Nehmen wir allein die Subventionen für diese Energieformen. Diese gehen in den dreistelligen Milliardenbereich.

Ein Industriebetrieb wie eine Aluminiumhütte kann sich aber jetzt schon höhere Strompreise kaum leisten. NorskHydro in Neuss musste schon wegen hoher Energiekosten dichtmachen. Anderen Unternehmen droht womöglich das gleiche Schicksal. Streben sie die Deindustrialisierung unseres Landes an?

Wer das meint, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. In NRW wurden über 20.000 Arbeitsplätze im Bereich der Erneuerbaren Energien geschaffen und es können wesentlich mehr werden. Sei es beim Bau von Windkraftanlagen, oder im Bereich der Solar-, Biomasse- oder Erdwärmenutzung. Das ist unser Arbeitsmarkt der Zukunft. Anstatt an überholten Strukturen festzuhalten, sollten wir die Chancen der Energiewende nutzen. Wenn das nicht erkannt wird, werden wir alle dafür teuer zahlen.

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4 Kommentare zu “BUND-Geschäftsführer will weiter Kraftwerks-Projeke stilllegen

  • #1
    Borkinho

    „Ohne das Kraftwerk geht das Abendland nicht unter“
    Wenn so argumentiert wird, muss man sagen, ohne das Kraftwerk ist die Welt auch nicht gerettet. Vielleicht solltet ihr mal lieber in China oder Russland protestieren, wo etwas weniger Wert auf Umweltschutz gelegt wird als Hierzulande. Hier wird so getan, ob an diesem hochmodernen Kraftwerk die Welt abhängt. Außerdem wurden/werden dafür alte Kraftwerke stillgelegt.
    Und deshalb frage ich mich auch, warum denn plötzlich das Wohl einer Region bedroht ist??? Das Gegenteil ist der Fall, Arbeitsplätze im Ruhrgebiet werden gesichert und insgesamt wird neue gegen alte Technik getauscht.

    2020 sollen 30% aus regenerativen Energien kommen?
    Woher kommt der Rest?
    Ein kompletter Ausbau von Blockheizkraftwerken ist doch gar nicht möglich!
    Wie ich schon zu anderen Beiträgen geschrieben habe: Selbst unabhängige Experten fordern einen Energiemix! Eine Deckung durch Blockheizkraftwerke und regenerativen Energie ist schon rein technisch gar nicht möglich und bezahlbar!

    Und es ist doch gut, dass 20.000 Arbeitsplätze durch regenerativen Energien entstanden sind. Aber wieviele Arbeitsplätze gibt es denn ansonsten im Energiesektor? Ich denke ein wenig mehr!
    Die Rechung geht einfach nicht auf.

    Eher bedroht die weitere Deindustrialisierung das Wohl des Ruhrgebiets!

  • #2
    Till E.

    Gefunden:Deutschland exportiert immer mehr Strom
    Wirtschaft und Technologie/Antwort – 19.01.2009
    http://www.bundestag.de/presse/hib/2009_01/2009_011/09.html

    Berlin: (hib/HLE) Deutsche Energiekonzerne haben in den vergangenen Jahren in immer größerem Umfang Strom ins Ausland exportiert. Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort (16/11538) http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/115/1611538.pdf auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (16/11162) http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/111/1611162.pdf mitteilt, wurde 2007 beim Stromexport ein Überschuss von 19,1 Terrawattstunden erzielt. Eine Terrawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. 2003 hatte der Exportüberschuss noch bei 8 Terrawattstunden gelegen.

    Ausländische Versorgungsunternehmen würden Strom an der Leipziger Strombörse kaufen, wenn die Preise dort günstiger seien als im übrigen Europa. An der Leipziger Strombörse wurden 2007 124 Terrawattstunden Strom auf dem Spotmarkt und 1.150 Terrawattstunden auf dem Terminmarkt gehandelt. Der Handel auf dem Terminmarkt entspreche der doppelten Menge des im Jahr 2007 in Deutschland verbrauchten Stroms. Dabei sei allerdings zu berücksichtigen, dass am Terminmarkt erworbene Strommengen oft mehrmals weitergehandelt würden. In Deutschland seien derzeit 7 Kohlekraftwerksprojekte im Bau. Die Gesamtleistung wird mit 8.500 Megawatt angegeben. Die Kapazitätserweiterung entspreche etwa 7 Prozent der insgesamt installierten Kraftwerkskapazität. Den Anteil der Energieversorgungsunternehmen Eon und RWE an der Nettostromerzeugung beziffert die Regierung für die Jahre 2003 und 2004 auf 57 bis 59 Prozent. Vattenfall und EnBW hätten in diesen beiden Jahren 29 Prozent des Stroms erzeugt. Der Anteil der vier Versorgungsunternehmen an der deutschen Nettostromerzeugung habe 2004 bei 89 Prozent gelegen.

    Deutschland ist seit Jahren Stromexportland, mit steigender Tendenz, und das obwohl etwa 2007 bis zu sieben Atomkraftwerke über Monate stillstanden. Das zeigt deutlich: Die angebliche „Stromlücke“ ist nichts als eine Angstkampagne der Kohle- und Atomlobby, um damit neue Kohlekraftwerke und Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke zu rechtfertigen.

    Derzeitige Situation als Collage hier: http://www.pro-herten.de/images/Wertigkeit.jpg

  • #3
    Borkinho

    Ich erkenne nichts Negatives daran, dass wir Strom exportieren.
    Der Umweltschutz endet ja bekannterweise nicht an den Grenzen und somit ist dies für wirtschaftliche Bilanz von Deutschland nur vorteilhaft!

  • #4
    hermann Josef Kettler

    Die neue Wegwerfgesellschaft.
    Du hattest ein schlechtes Gewissen, weil du den Müll nicht korrekt getrennt hast? Eine Plastiktüte statt Jutetasche verwendet hast? Weil du ein altes Auto fährst?
    Vergiss es!
    Im Glaubenskrieg um die bessere Energieversorgung werden ganze neue Kraftwerke weggeworfen. Stündlich werden zusätzliche LKW-ladungen an Kohle in technisch veralteten Anlagen verheizt. Montagefirmen wissen nicht wo sie ihre Arbeiter beim Baustopp hinschicken sollen. Nur eins ist sicher: Der Strom wird teurer!

    Das sind die Kolateralschäden für eine bessere Welt.

    PS: Auch die Frontleute der Ökokampfes sind gut im Vergessen. Joscka Fischer kassiert heute RWE Beraterhonorare!

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