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Corona: Macht die Freikirchen dicht!

Pfingstgemeinde in Brasilien. Foto: Rayttc CC BY-SA 3.0

Kirchen, Clubs und bei Karnevalsfeiern waren die Orte, an denen in Europa die Corona-Pandemie ihren Ausgang nahm. Während Clubs geschlossen und große Partys verboten sind, haben die Kirchen wieder geöffnet. Ein Fehler, der schnell korrigiert werden muss.

Wie fing es an? In Ischgl, dem Skifahrerort im österreichischen Tirol, steckten sich viele an, die später Corona nach Deutschland trugen. In Berlin waren die ersten Hotspots der Clubs Trompete und Kater Blau. In Nordrhein-Westfalen brach Corona zuerst bei einer Karnevalsfeier in Gangelt aus. Und in Frankreich war eine Freikirche in Mülhausen.

In den vergangenen Tagen gab es in Deutschland zwei große Corona-Ausbrüche: Einen mit bislang über 200 Infizierten in Baptistengemeinde in Frankfurt und nun einen weiteren mit jetzt schon über 20 Infizierten in einer Freikirche in Bremerhaven. Während sich Katholiken, Protestanten, Muslime und Juden an die Regeln halten, scheinen sie Freikirchen nicht so wichtig zu sein. Zwei große Ausbrüche innerhalb weniger Tage müssen Konsequenzen haben: Die Freikirchen, egal ob Pfingstler, Baptisten oder all die anderen Richtungen,  müssen geschlossen werden. Ihre oftmals von Extase  geprägten Gottesdienste passen nicht in die Zeit der Pandemie. Und dass  viele der Gläubigen in diesen Kreisen die Apokalypse herbei sehnen, ist auch nicht beruhigend.  Das ist eine Zumutung? Das alle Clubs geschlossen sind, ist auch eine Zumutung. So sind die Zeiten nun einmal.

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17 Kommentare zu “Corona: Macht die Freikirchen dicht!

  • #1
    Ke

    Wenn in kleinen , geschlossenen Räumen viele Menschen sind, gibt es Probleme.
    Hier gilt es diese Problem zu lösen, wer auch immer sich so verhält.
    Das Gemeinschaftserlebnis ist aktuell einfach risikoreich. Unter welchem Stichwort es auch immer ausgerichtet wird.

  • #2
    Simone Pöpl

    Die Liste der Superspreader Events ist sehr einseitig. Von überragender Bedeutung war das Fußballspiel von Bergamo gegen Valencia, welches eine große Rolle für die verheerenden Verhältnisse in Italien und Spanien spielt, sowie die von der spanischen Regierung nicht nur zugelassenen sondern aktiv unterstützten Demonstrationen zum Weltfrauentag am 8. März.
    Was ist mit den Ausbrüchen in den SchlChthöfen, deren Beschäftigte zusammengepfercht wohnen , doch wohl mit Wissen der Verwaltung?
    Der Frage wir wenig nachgegangen: welche Rolle spielten chinesische Wanderarbeiter, die für kurze Zeitkontrakte nach Norditalien für Arbeiten in der Textilindustrie eingeflogen wurden?
    Übrigens fand das Freikirchentreffen im Elsass Mitte Februar statt, also noch vor allen behördlichen Warnungen.
    Ich bin etwas schockiert über diesen Artikel, der einer kleinen Gruppe Zuviel Verantwortung zuschiebt.

  • #3
    Lukas K.

    Ich schreibe eigentlich keine Kommentare, aber bei diesem Artikel fehlt mir jedes Verständnis.

    Wie kann man bitte eine Freikirche mit einem Club oder irgendwelchen Karnevalsveranstaltungen vergleichen?!

    In Kirchen, sei es eine Freikirche oder Landeskirche, können notwendige Vorkehrungen getroffen werden, wie zum Beispiel der Mindestabstand, Desinfektionsmittel am Eingang, kontrollierter Einlass usw..

    So etwas kann man kaum oder garnicht in Clubs oder auf Karnevalsveranstaltungen umsetzen. Man weiß ja ungefähr, wie es in einem Club, auf einer Party oder sonst einer ähnlichen Veranstaltung zugeht. Wie sollen dort bitte die Hygiene-Vorkehrungen umgesetzt werden oder wie soll der Mindestabstand gewahrt werden?

    Dieser Artikel ist meiner Meinung nach unsachlich.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Lukas K.: Und wie kam es zu den Ausbrüchen in Frankfurt und Bremen? Offenbar wurde sich da nicht an die Regeln gehalten.

  • #5
    Jupp Schmitz

    Mein Neffe ist auch Pflingstler. Der ist tatsächlich der Meinung, dass er sich die Hände nicht waschen muss oder Abstand halten. Gott schütze ihn, und wer trotzdem krank wird, zweifelt im Glauben.

    Um hier mal konkret zu werden!

  • #6
    paule t.

    Ja, offenbar hat man sich in Frankfurt und Bremen nicht ausreichend an die Regeln gehalten.
    Trotzdem ist es ohne weiteres möglich, sich an die Regeln zu halten (wie Sie selbst schreiben), und deswegen ist es keineswegs zwingend, die Kirchen geschloseen zu halten. Anders als bei Clubs – die sind ohne Bewegung, Kontakt usw. gar nicht denkbar und entsprechende Regeln gar nicht umsetzbar.

    Und aus Gründen von Rechtsstaatlichkeit, Gleichbehandlung usw., die Sie theoretisch eigentlich kennen sollten, kann man keine Regeln für Freikirchen treffen, sondern entweder für alle Religionsgemeinschaften oder für eine ganz bestimmte Organisation, die sich nicht an Regeln hält. Ihre Idee ist also mit Rechtsstaatlichkeit in gar keiner Weise vereinbar.

    Die Idee ist auch von keinerlei Sachkenntnis getrübt. "Freikirche" heißt erst mal nichts, außer dass es sich um eine Kirche im protestantischen Bereich abseits der Landeskirchen handelt. Da gibt es, ja, charismatisch geprägte Kirchen, bei denen "Lobpreis" mit Rockmusik, Tanzen usw. bis hin zu ekstatischen Formen vorkommen, aber umgekehrt auch welche, deren Versammlungen trockener sind als ein landeskirchengottesdienst mit Pfarrer und zwei 80jährigen Omas. Pauschalisierung ist da gerade in dieser Hinsicht also völliger Humbug.

  • #7
    Susanne Scheidle

    @ Lukas K. #3

    Zumindest für den Gottesdienst in Frankfurt ist bekannt, dass die Empfehlungen eben nicht eingehalten wurden, obwohl das anfangs vom Gemeindevorstand behauptet wurde. Es wurden keine Masken getragen und es wurde gesungen (vielleicht "Näher mein Gott zu dir…"?) und ob tatsächlich der Mindestabstand eingehalten wurde kann man schlecht nachprüfen, weil "nicht bekannt ist, wie viele Gemeindemitglieder anwesend waren". Gästelisten wurden nämlich auch nicht angelegt, weshalb jetzt die entsprechenden Gesundheitsämter viel Vergnügen haben dürften beim Aufspüren der Infektionsketten.
    Ich würde nicht so weit gehen wie Stefan und pauschal ein Verbot aller Gottesdienste in Freikirchen fordern, aber anscheinend ist es doch nötig, einigen Leuten unmissverständlich klar zu machen, dass Gottvertrauen eine feine Sache ist, aber unbedingt Rücksichtnahme angebracht ist auf Leute, denen letzteres abgeht und sich lieber auf die Empfehlungen von Virologen verlassen.

  • #8
    Thomas Wessel

    Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 in der ab dem 30. Mai 2020 gültigen Fassung, hier "§ 3 GOTTESDIENSTE Versammlungen zur Religionsausübung finden unter den von den Kirchen und Religionsgemeinschaften aufgestellten Beschränkungen zur Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln statt, die vorsehen, dass geeignete Vorkehrungen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts, zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern (auch in Warteschlangen) zwischen Personen, die nicht zu den in § 1 Absatz 2 genannten Gruppen gehören, und zur Rückverfolgbarkeit nach § 2a Absatz 1 sicherzustellen sind. "

  • #9
    Angelika

    Irgendwo in der weiteren Nachbarschaft (von meinem Küchenfenster aus nicht zu orten) gestern Nacht eine Party, Stimmengewirr in irgendeinem Garten oder auf einem großen Balkon, laute Musik. Ob nun religiöse Ekstase und Sehnsucht nach Apokalypse (s. Text) oder Rock-Musik und Alkohol, das Virus interessiert das doch gar nicht. Da sind welche!!!!!! Und jetzt geht meine Party los, so die Message des Plagegeistes. Wo waren die alle vorher, diese Partygäste. Die leben doch nicht in einem Haushalt. Sind sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, hatten sie auf der Arbeitsstelle viele Kontakte (z.B. in einem Postverteilungszentrum, in einem Krankenhaus, in einer Schule, in einer Bank, in einem Supermarkt)?

    Die Menschen sind unvorsichtig geworden und das sind die Politiker mit den viel zu frühen Lockerungen (privater Bereich, Restaurants, Religion usw.) schuld.

  • #10
    Birgit Ingenhoven

    Hallo Herr Laurin,

    ich finde, Ihr Beitrag zeichnet sich nicht durch Kenntnis, sondern durch ein vorurteilsbehaftetes Denken gegenüber Freikirchen aus, und das ist doch eigentlich schade, meinen Sie nicht? Woher wollen Sie wissen, was den Mitgliedern von Freikirchen wichtig ist und was nicht? Ich beispielsweise kenne eine Freikirche, in der großen Wert darauf gelegt wird, alle Corona-Regeln akribisch einzuhalten – natürlich, denn Gott will ja, dass man für andere Menschen Verantwortung übernimmt – und ich bin sicher, dass sich darum auch die Freikirchen, in denen das Corona-Virus ausgebrochen ist, zumindest bemüht haben; allerdings kann man eine Ansteckung auch bei größter Vorsicht nicht hundertprozentig verhindern – wir haben es nicht in der Hand! Die Lösung ist Gebet, nicht totale Abgrenzung aller gegen alle und Panikmache; es ist an der Zeit für eine schrittweise Lockerung und dies gilt auch für Kirchen und Freikirchen – unter Beachtung aller vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen.

    Übrigens: Haben Sie überhaupt schon einmal den Gottesdienst einer Freikirche besucht? Und wenn – vielleicht beginnt bei Ihnen „Ektase“ ja schon damit, dass jemand mal zur Musik klatscht oder die Hände hebt, während er Gott anbetet? Die Prägung der Gottesdienste – von nüchtern bis lebhaft – hängt von den Menschen ab, die sich dort treffen – genauso wie bei allen anderen Zusammentreffen, seien es Fußballfans, Katholiken oder Partygäste. Und auch Freikirchen zeichnen sich nicht zuerst durch ihre Ektase aus – auch nicht „oftmals“ -, sondern durch ihre Ausrichtung auf Jesus Christus. Wie sich diese Ausrichtung konkret ausgestaltet, ist – wie gesagt – von Gruppe zu Gruppe verschieden; manche sind lebendiger, andere nüchterner.
    Was aber die Apokalypse anbetrifft, die Sie erwähnen – Sie beziehen sich ja sicher auf die Offenbarung des Johannes, die in der Bibel nachzulesen ist: Es stimmt, Jesus Christus kommt bald wieder. Aber das sollte Sie doch eigentlich zum Nachdenken über Ihr Leben bringen und nicht zu solch pauschalisierenden und irgendwie auch verächtlichen Äußerungen gegen bestimmte christliche Gruppen wie in obigem Artikel? Denn solange Sie in Ihrer vermutlich ablehnenden Haltung gegenüber Gott bzw. Jesus Christus verharren – und den Eindruck macht der Artikel auf mich – solange ist es wirklich beunruhigend für Sie, dass Jesus bald wiederkommt, der es wert ist, dass Sie über sein Handeln für Sie einmal genauer nachdenken.

    Mit freundlichen Grüßen, Birgit Ingenhoven

  • #11
    Tilo Linthe

    Ich bin Pastor einer Freikirche, die sich akribisch an die Regeln gegen Corona hält. Schade, dass solche Tatsachen in diesem "Bericht" nicht auftauchen dürfen. Objektive und ausgewogene Berichterstattung sieht anders aus.

  • #12
    Robert Herr

    @Tilo Linthe Mazel tov! Das ist kein Bericht und auch keine Bericherstattung, sondern ein Meinungsbeitrag. Die müssen weder objektiv noch ausgewogen sein.

  • #13
    paule t.

    @ Robert Herr #12:

    Also wenn in einem Meinungsbeitrag Tatsachenbehauptungen vorkommen – wie hier: "scheinen sie [sc. die Regeln] Freikirchen nicht so wichtig zu sein" – hätte ich schon den Anspruch, das sie stimmen sollten und es sich nicht um aus dem BBauchgefühl blubbernde Vorurteile handeln sollte.

  • #14
    Helmut Junge

    @Paule t. "scheinen sie (denen) nicht so wichtig zu sein" verstehe ich als Verdacht, der in eine polemische Hülle verpackt wurde. Als "Tatsachenbehauptung" hatte ich es nicht verstanden.
    Für manch einen religiösen Menschen wäre es vieleicht schlimmer, würde er keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen machen.
    Wer sich nicht an die Vorsichtsmaßnahmen hält, wird sowieso mit Krankheit bestraft, oder mit Quarantäne. Man mußschon auf sich selber achten. Hilfe von ganz Oben ist jedenfals ausgeblieben.
    Das werden andere religiöse Menschen sicher für sich selbst anders sehen, und das Ergebnis werden wir dann sehen.

  • #15
    Walter Stach

    Einverstanden
    -Angelika 9 -.

    Im letzten Absatz fehlt nach meiner Meinung eine erweiternde Anmerkung:…..und ein Teil der Medien!

    In den Medien -vor allem in den sog. sozialen Netzwerken- wurde und wird -auch in den Meinungsbeiträgen hier bei den Ruhrbaronen- "Stimmung gemacht" gegen beinahe jede seitens der Bundesregierung/der Landesregierungen verfügte Einschränkung des alltäglichen Lebens.

    Wenn "die Zahlen" in Deutschland anzeigen, daß es derzeit(!) einen Rückgang an Erkrankungen gibt, damit aber keineswegs die Garantie einhergeht, daß es "demnächst" dieserhalb keinen Rückschlag geben könnte ( z.B. wegen der Aufhebung oder vorsätzlichen (!) Mißachtung aller Vorsichtsmaßnahmen), sollte doch zumindest jedermann die nach wie vor existierende außerordentliche Gefahr für das menschliche Leben schlechthin, auch für das eigene, permanent bewußt sein mit Blick auf die weltweit weiterhin wachsende Zahl an "Corona-Erkrankungen" und an dadurch verursachten Todesfälle.
    Wir -alle Menschen, auch in Deutschland- sitzen weiterhin auf einem Pulverfass.
    Sich dessen bewußt zu sein, heißt nicht, sich emotional "einzumauern", heißt nicht, depressiv werden zu müssen, heißt nicht, selbstverständliche Sachdiskussion über die "Verhältnismäßigkeit" staatlicher Reglementierungen auszuschließen/zu vermeiden, heißt aber für mich weiterhin sehr wohl, alltäglich nicht jegliche Vernunft im Umgang miteinander außeracht zu lassen – in Kirchen, am Strand, auf privaten Feiern, in Restaurants, am Arbeitsplatz, auf dem Fußballplatz (oder in den Schlachthöfen).

    PS
    Ähnlich wie zuletzt im Zusammenhang mit der "Massen-" flucht von Menschen nach Deutschland muß ich auch jetzt -wieder einmal- registrieren, daß sehr viele Menschen in solchen "Krisen-Situationen" mehr denn je ihre offenkundig latente Unfähigkeit offenbaren, zivilisiert miteinander zu kommunizieren, dh. vor allem mit dem gebührenden Respekt vor der Meinung "Andersdenkender" – auch hier bei den Ruhrbaronen.
    (Im übrigen ein Grund, mich eigener Meinungsäußerungen hier bei den Ruhrbaronen -anders als in früheren Zeiten – weitestgehend enthalten.

  • #16
    paule t.

    @ #14 Helmut Junge, Zitat: " @Paule t. "scheinen sie (denen) nicht so wichtig zu sein" verstehe ich als Verdacht, der in eine polemische Hülle verpackt wurde. Als "Tatsachenbehauptung" hatte ich es nicht verstanden."

    Nun, ob "Verdacht" oder Tatsachenbehauptung – darauf ist eine recht weitreichende Forderung gestützt, nämlich dass man alle Freikirchen wieder schließen sollte, weil es in einzelnen zu Covid-Ansteckungen gekommen ist. (Eine vergleichbare Forderung für Gaststätten, obwohl da in einzelnen ähnliches passiert ist, erhebt der Autor merkwürdigerweise nicht.)

    Wenn ich dann sehe, dass die Forderung auf wenig mehr gestützt ist als pauschale Vorurteile, die zT schlicht falsch sind, ist mir das eben zu dünn. Ob es als Tatsachenbehauptung zu dünn ist, weil zu wenig begründet, oder als "Verdacht", der gar nicht erst begründen will, ist mir dabei eher wurst.

  • #17
    thomas weigle

    @ Walter Stach #15 Der Tanz auf dem Vulkan hatte schon immer einen gewissen Reiz für recht einfache Gemüter. Ich denke,viele von denen, die jetzt so ungeniert ihre fehlende Kinderstube rauskotzen, hätten das auch getan, hätten die staatlichen Behörden nicht so relativ entschlossen gehandelt. Dann wäre Frau Merkel eine "Mörderin," weil sie nicht oder eben zu spät gehandelt hätte.

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