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Corona: Seuchen sind Gamechanger

Jens Spahn Foto: Stephan Baumann Lizenz: CC BY-SA 3.0

Seuchen sind, wie Kriege und Klimaveränderungen, Gamechanger. Hätte die Pest nicht Byzanz und Persien geschwächt, hätten die arabischen Muslime in der Spätantike kaum die beiden Großreiche in die Knie zwingen können und Seuchen halfen den spanischen Konquistadoren bei der Eroberung Südamerikas. Nun stehen die Regime im Iran und China unter Druck. Auf die aktuelle Corona-Epidemie sind nach einer Studie der John-Hopkins-Universität in Baltimore nicht autoritäre Regime am besten vorbereitet, sondern Demokratien. Versagen in solchen Stresssituationen Diktaturen mit ihrer Allmacht, können sie den letzten Rückhalt in der Bevölkerung verlieren.  Ein Virus könnte, um den Preis viele Menschenleben, schaffen, woran Demonstranten scheiterten.

Aber auch für die Bundesrepublik beginnen nun Wochen oder Monate der Wahrheit. Deutschland zählt nach der Johns-Hopkins-Studie nur zu den mittelmäßig auf Gesundheitskrisen vorbereiteten Ländern und liegt deutlich hinter den USA, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz. Viele Menschen hier jedoch sind davon überzeugt, dass unser Gesundheitssystem und der Staat auf Krisen wie die nun beginnende gut vorbereitet sind. Das Grundvertrauen ist hoch. Sollte es enttäuscht werden, steht in Deutschland sicher nicht die Demokratie in Frage, aber für Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Bundesregierung und alle, die in Ländern und Kommunen Verantwortung tragen, beginnen nun die Stunden der Wahrheit. Ist unser Gesundheitssystem gut genug, um mit der Herausforderung klar zu kommen? Ist die Versorgung mit Medikamenten, Krankenhausbetten und Schutzkleidung gesichert? Machen die Krisenstäbe einen guten Job? Reichten die bislang ergriffenen Maßnahmen aus? Wer handelte richtig und wer falsch? Heute wissen wir all das noch nicht. Die Wissenschaft ist immer noch dabei, das Virus zu analysieren. jeden Tag lernen die Forscher dazu und es ist ein großes Glück, dass die Welt heute über eine leistungsfähigere Wissenschaft verfügt, als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Aber wenn die Corona-Pandemie irgendwann hinter uns liegt, werden wir uns damit beschäftigen müssen, was falsch lief, wer für Fehler verantwortlich war aber auch, wer Menschenleben rettete und welche Maßnahmen halfen. Eine Zeit der Bewährung hat begonnen.

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16 Kommentare zu “Corona: Seuchen sind Gamechanger

  • #1
    Jürgen

    Aus meiner Sicht ist es nur Gerede, Deutschland sei gut auf eine solche Situation vorbereitet. Das fängt schon bei Geschichten an, wie sie dieser Herr vom RBB erfahren musste: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2020/02/italien-
    rueckkehrer-corona-verdacht-berlin.html.
    All zu vieles wird in Deutschland zu sehr unter monetären Aspekten gesehen. Da hat man ja mit Herrn Spahn als ausgebildeten Bankkaufmann den richtigen Mann an der Spitze des Gesundheitswesen in Deutschland. Ein ganz einfaches Beispiel, das mich in meiner beruflichen Tätigkeit bereits mehrmals verwundert hat ist der Umgang mit offiziellen Reisewarnungen. Da wird ganz selten mal klar gesagt, unterlassen sie bitte das Reisen in ein Region X, ein Land Y.
    Momentan bin ich etwas verwirrt ob der Gefährlichkeit der Erkrankung, die eine Infektion mit diesem Virus nach sich zieht. Wenn die Infektionen mit Grippeviren tatsächlich wesentlich gefährlicher ist als mit diesem nun auftretenden Virus, weshalb laufen dann jetzt Gesundheitspolitiker und Medien im Panikmodus?

  • #2
    Klaus Lohmann

    Gesundheitspolitiker und – vor allem – Medien verfallen *immer* in den "kontrollierten Panikmodus", sobald die Story wegen noch zu vieler Unwägbarkeiten und ungeklärter Fakten zuwenig "Fleisch" hat. Es ist wie bei der Wettervorhersage – wenn man nix genaues weiß, sagen DWD und Kachelmanns Exfirma regelmäßig den Weltuntergang voraus, um hinterher nicht als naiv, dumm und verharmlosend zu gelten (kostet nämlich richtig Geld für deren Firmenkunden).

    Ich finde die "Sparkassen-Schalterkraft" Spahn im Moment gar nicht mal so übel, weil er ja offen die Probleme in der Bewältigung von Epidemien anspricht: es gibt reichlich Theorie und viele Pläne, aber viel zu wenig Übung, Koordination und Praxis. Und PS: dieser Herr vom RBB war zwar in Italien, aber noch nicht einmal in der Nähe der Gebiete, in denen die Infektionen auftraten.

  • #3
    Thomas Weigle

    Sehe ich ähnlich,@Klaus. Auf Grund der weltweiten Vernetzung sehe ich auch nicht wirklich eine Möglichkeit, eine Verbreitung des Virus von jetzt auf gleich zu unterbinden. Was anderes zu behaupten, scheint mir fahrlässig. Die Nagelprobe kommt doch erst, wenn es eine größere Verbreitung hat. Erst dann wird sich zeigen, wie gut oder schlecht die Bundesrepublik vorbereitet ist.

  • #4
    Jürgen

    #3 Bezüglich des Kameramanns des RBB, Antholz liegt tatsächlich einige Kilometer von den Gemeinden entfernt, die jetzt zum Sperrgebiet erklärt wurden. Wie jetzt in den Medien mitgeteilt wurde, können auch Personen, die sich den Virus eingefangen haben, aber nicht offensichtlich erkrankt sind, diesen weitergeben.
    Abgesehen davon, die Art und Weise, wie der man letztlich von Hinz zu Kunz weitergeschickt wurde, spricht schon Bände. Insbesondere die Aussage er könne sich testen lassen, wenn er 300 EUR auf den Tisch blättert zeigt wieder die aus meiner Sicht zu starke Berücksichtigung monetärer Aspekte in dieser Situation.

  • #5
    Werntreu Golmeran

    Lieber Herr Laurin,

    ich habe nicht groß geprüft, ob Ihre Behauptung, die Studie sei zum Cornavirus gemacht, stimmt, auf den ersten Blick habe ich da meine Zweifel. Das Krisenmanagement in China scheint nach dem, was ich so an Zahlen mir anschauen konnte, relativ gut geklappt. Wenn Sie sich die "Kurve" von China anschauen, nimmt die Steigung nach einem Monat kontrolliert ab, wohingegen die weltweiten Zahlen nach einem Monat – explizit in den letzen Tagen – rasant ansteigen.

    Dass es im Iran, in Venezuela so katastophal ist bzw. kommen werden kann, liegt dabei wohl auch an den amerikanischen Embargos und nicht an einer totalitären Regierung.

    Die Zeit wird zeigen, welche Gesellschafts- und Gesundheitssysteme am besten mit der Krise umgehen. Ich tippe, in England und Skandinavien wird man da vorne liegen, in Kuba und im autoritären China. Die Länder mit privatisierten Gesundheitssystemen und der Angst davor, die Wirtschaft mit Ausgangssperren, Verboten von Großveranstalungen etc. zu schwächen, werden sehen, wie der "Markt" das nicht regeln wird.

    Eigentlich hätte man den Mut haben müssen, den gesamten Karnevalsquatsch, alle anderen Großveranstalungen, wie Fussballspiele etc. abzusagen und für 3 Wochen den Internationalen Flugverkehtr auf da Notwendigste zu beschränken und an allen Flughäfen Gesundheitskontrollen konsequent durchzuführen. Das wäre zwar erst einmal ziemlich teuer geworden, damit hätte man aber viel Zeit gewonnen. Jetzt hat die Ausbreitung hier begonnen und erst wenn überall flächendeckend die Verbreitung stattgefunden hat, wird man die von mir vorher genannten Maßnahmen dann doch ergreifen. Das ist so, als würde die Feuerwehr im Hochsommer nach 4 Wochen Trockenheit beobachten, wie eine Gruppe von Feuerspuckern zum Proben in einen Wald gehen und sagen: Ach warten wir erst einmal ab, ob es da wirklich jemand etwas in Brand setzt, dann können wir immer noch eingreifen. Das ist so etwas von dämlich. Und das kostet so viel mehr Geld und es werden viel mehr Menschen sterben.

    Insofern war es ein sehr großes Risiko von Armin Laschet, sich ausgerechnet Jens Spahn als Compagnon für den CDU-Parteivorsitz zu suchen. Von den nächsten Wochen wird es daher abhängen, ob Laschet Kanzler wird oder nicht. Schafft es Spahn, die Sache noch in den Griff zu bekommen, ist alles OK. Wenn nicht, wird auch Laschet mit ihm untergehen.

  • #6
    Helmut Junge

    Der Artikel ist gut.
    Zu einem Punkt habe ich aber noch eine Anmerkung. Ein Gedanke, den ich früher nie hatte.
    Laurin schreibt:
    "Viele Menschen hier jedoch sind davon überzeugt, dass unser Gesundheitssystem und der Staat auf Krisen wie die nun beginnende gut vorbereitet sind."
    Das stimmt mit meiner Beobachtung überein.
    Mir ist aber auch aufgefallen, daß in den mir persönlich bekannten Kreisen, vor allem Menschen aus dem linken politischem Spektrum ein offenbar grenzenloses Vertrauen in den deutschen Staat und seine Behörden haben. Kann das sein, daß Linke innerlich überzeugt sind, daß "hier bei uns" alles klappt, wenn es auch woanders nicht zu klappen scheint?
    Ein "wir werden es schon richten" hätte ich eher bei Konservativen oder Nationalisten erwartet. Aber ich als Skeptiker finde mich in meinen linken Kreisen mit meiner Skepsis meist allein.
    Das gilt schon länger bei der Einschätzung der Bundeswehr, die nach linker Denkart jederzeit wieder einen Weltbrand erzeugen könnte, bis zu der jetzigen Coronabekämpfung, die "wir" voll im Griff haben. Gibt es so etwas wie linken Nationalismus? Wenn es so etwas gäbe, müßte er an diesem "wir haben es im Griff" zu erkennen sein.

  • #7
    Arnold Voss

    @ Helmut Junge # 6

    Die deutsche Linke ist zu einem guten Teil staatlich alimentiert und entsprechend sozial gesichert. Da misstraut man zwar – aus gutem Grunde – dem Verfassungschutz und ist als Pazifist auch ein Gegner der Bundeswehr, aber was die eigene soziale, gesundheitliche und ökonomische Absicherung betrifft, ist man staatsbeflissen bis -begeistert. Das ist natürlich die deutsche Gesundheitsversorgung die beste der Welt, was für viele Beamte und Mitglieder des öffentlichen Dienstes ja auch der Wahrheit entspricht. Nur, dass das Corona Virus, wie jede neue und gefährliche Krankheit, dem etablierte System wesentlich mehr abverlangt, als nur nach Vorschrift zu funktionieren.

  • #8
    Helmut Junge

    Arnold, wenn das so ist, wie du sagst, sind diese Typen, die mich jetzt noch wegen meiner Vorsicht auslachen, bald ängstlich, sehr ängstlich sogar. Ängstlicher als alle anderen Menschen auf der Welt.
    Das sind doch die Gesundheitsapostel unserer Zeit. Das kann ich abwarten. Haha.

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  • #10
    Thomas

    @Werntreu Golmeran

    "Ich tippe, in England und Skandinavien wird man da vorne liegen, in Kuba und im autoritären China. "

    In Kuba (u.a. Region Camagüey) hat man doch schon jetzt keine Betten für normale Operationen. Ibuprofen ist nur schwer zu bekommen. Dann ein Mangel an Seife, Schampoo und Waschmittel.

    Und wenn es dort zu kaufen ist nur zu hohen Preisen welche normale Kubaner nicht bezahlen können weil sie keind CUC haben.

    Kuba wäre wohl kaum gut auf Corona vorbereitet.

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  • #16
    Helmut Junge

    @arnold Voß, die Erde dreht sich schneller als bisher. vor drei Wochen haben wir uns noch ganz anders über diese Krankheit unterhalten. Mittlerweile verdoppeln sich alle 2,9 Tage die Zahlen der Coronainfizierten. Ausgangssperren sind in einigen Bundesländern im Gespräch. Dabei habe ich vor 3 oder 4 Tagen das deutsche Gesundheitssystem noch gelobt. vor drei bis vier Tagen noch! Dabei habe ich nicht geglaubt, daß die Krankheit uns (!) aus dem Ruder laufen könnte. Das glaube ich aber jetzt. Und das kann dann sein, wenn die letzten Maßnahmen, die vor ein paar Tagen beschlossen wurden, nicht greifen sollten. Das werden wir am Dienstag spätestens sehen. Bei der Zahl der Infektionen könnten wir aus durchaus unterschiedlichen Gründen neben den USA ganz vorne stehen. Wir haben nämlich die beinahe größte Bettenkapazität in den Kliniken und die entsprechenden Pflegekräfte, aber keine Heilmittel. Anderswo aber gibt es Heilmiitel, die hierzulande solange nicht als Heilmittel gelten, bis sie zugelassen sind. Die Chinesen haben sie in ihrer Not ausprobiert und Erfolge damit erzielt. Chloroquin soll nach ihren Angaben helfen. Französische und Italienische Ärzte haben es bestätigt und angewendet. Deutschland bisher nicht, jedenfalls nicht am Menschen. Aber im Labor wirkt es auch in Deutschland. Chloroquin ist in Deutschland auch zugelassen, aber nicht gegen Corona. So ist es. In Frankreich und Italien und nderswo schert man sich in diesem Krisenfall nicht um solche Vorgaben. Hier schon.Einige Mitarbeiter des RKI, die zu Helden der Krise wurden, erwarten eine Studie. Mir dauert das angesichts der Fallzahlen zu lange. Ich hoffe, daß etliche Ärzte in Deutschland ihrem Gewisen folgen und dieses edikamentihren Patienten verabreichen. Wenn ich betroffen seinsollte, würde ich es nehmen, bevor ich ….

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