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Corona und Katastrophenschutz: “Die Pandemie wird in den Großstädten entschieden.”

Magnus Memmeler mit Maske Foto: Privat

Seit dem 15. März 2020 unterhalten sich die Ruhrbarone mit Magnus Memmeler.  Bis heute sind 26 Interviews entstanden, die den Katastrophenschutz ins Visier nehmen und auch die Corona-Krise nachzeichnen. Im 27. Interview geht es u.a. um die Kanzlerin, die hohe Zahl an Neuinfektionen, Christstollen im sächsischen Innenministerium und wiedermal um den Katastrophenschutz.

Ruhrbarone: CoVid-19 hält Europa in Atem. Die Kanzlerin diskutiert scheinbar lieber mit den Bürgermeistern als mit den Länderministerpräsidenten. Also wie stellt sich in dieser Woche die Lage dar?

Memmeler: Über 4.700 Neuinfektionen, die am Samstag durch das RKI (Robert Koch Institut) gemeldet wurden, machen aktuell nicht zuversichtlich, dass die Appelle an die Vernunft der Bevölkerung ankommen, die Virologen, Politik und Medien in den letzten Tagen immer eindringlicher formulieren. Diejenigen, die vor wenigen Tagen noch lächelten, als die Kanzlerin nicht ausschloss, dass wir zu Weihnachten eventuell bis zu 19.500 Neuinfektionen pro Tag beklagen müssten, wenn wir nicht einlenken, werden plötzlich stiller.

Die Ruhrbarone haben in dieser Woche unter dem Titel „Wie die Unvernunft einiger uns allen den Alltag komplett zu ruinieren droht“ Alltagseindrücke beschrieben, die sicherlich viele von uns sofort bestätigen würden. Schutzreflexe, die im Frühjahr für viele normal waren, sind inzwischen bei vielen fast völlig zu Alibihandlungen verkommen. Wie oft treffen wir im Supermarkt auf Mitmenschen, die keinen Abstand mehr halten und die Maske unter der Nase hängen haben? Hygienemaßnahmen reduzieren sich leider vielerorts auf Aushänge, deren Aufforderung nicht mehr eingehalten werden und auf deren Einhaltung niemand mehr hinweist, obwohl die Situation immer kritischer wird.

Schauen Sie beim nächsten Einkauf mal auf den Boden, wenn Sie den Kassenbereich erreichen. Die zunächst eiligst aufgeklebten Abstandshinweise sind vielerorts nicht mehr erkennbar. Angestellte weisen Kunden nicht mehr auf den Korrekten Maskensitz, Abstand oder das Mitführen eines Einkaufswagens hin, da sie zu häufig dafür angefeindet wurden und einfach müde sind. Jeder Brötchenkauf wird inzwischen zu einer unangenehmen Aufgabe, da die Mitbürger einem auf die Pelle rücken und den zum Ausdruck gebrachten Wunsch nach körperlicher Distanz sofort mit Aggressivität oder strunz dummen Kommentaren goutieren.


Magnus Memmeler (nun 53 Jahre) lebt in Kamen. Seit über 31 Jahren arbeitet er im Rettungsdienst und Katastrophenschutz. 25 Jahre davon hat er diverse Leitungsfunktionen eingenommen. Er war beauftragt zur Organisation des Sanitätsdienstes beim DEKT in Dortmund und Verantwortlicher einer großen Hilfsorganisation bei der Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten in den Jahren 2013 – 2018. Er war zudem Mitglied bei der Stabsarbeit von Bezirksregierungen und in Arbeitskreisen des Innenministeriums bei der Konzeption von Katastrophenschutzkonzepten.


In Bielefeld unterstützt die Bundeswehr die Stadt bei der Nachverfolgung von Infektionsketten, weil ein positiv getesteter Ignorant zwei Hochzeitsfeiern besucht hat, obwohl er sein positives Testergebnis kannte. In Dortmund wird eine Hochzeitsfeier mit mehreren hundert Gästen aufgelöst. Solche und ähnliche Meldungen, erreichen uns nahezu täglich und verursachen bei verantwortungsvoll handelnden Mitmenschen mehr als nur Kopfschütteln. In einer Onlinemeldung zum Vorfall in Bielefeld begann die Titelzeile mit „gibt es doch gar nicht“. Der Autor wollte auf den gelebten Wahnsinn hinweisen. Die Reaktionen auf den Beitrag spielten jedoch vorwiegend auf die bekannte Bielefeld Verschwörung an und verharmlosten den Vorfall, da es Bielefeld nicht gibt.

Wenn es nicht so bitter wäre, könnten wir nun herzlich lachen

Die Bevölkerung spaltet sich immer mehr in drei Lager. Die einen, die verantwortungsvoll handeln und sich und andere schützen wollen und deshalb fragen, ob der Herr in Bielefeld nicht ähnlich bestraft werden sollte, wie Raser, die Menschen töten oder verletzen. Die zweite Gruppe, die die Risiken dieser Pandemie nicht mehr ernst nimmt, weil man ja bisher glimpflich davon gekommen ist und niemand aus dem direkten Umfeld zu den Betroffenen zählt. Und schließlich die Gruppe derer, die alles leugnen und die Maskenpflicht als Einschränkung ihrer Grundrechte begreifen. Die letzte Gruppe wird Alufolie im Herbst eventuell zu einer Mangelware machen, wie dies im Frühjahr beim Toilettenpapier der Fall war.

Die Tatsache, dass die Intelligenz von Herrn Wendler noch unterirdischer ausgeprägt ist, als sein Talent als Sänger, muss uns wach rütteln, da immer mehr Verwirrte diesen Z-Promis nacheifern, wenn diese sich in ihren Verschwörungstheorien suhlen. Wenn es nicht so bitter wäre, könnten wir nun herzlich lachen.

Besonders deutlich wird die Brisanz der derzeit sehr geteilten Wahrnehmung, wenn wir uns vor Augen führen, dass der Chef der Charité in Berlin davor warnt, dass er nicht mehr lange für die Intensivversorgung in seiner Klinik garantieren kann und in Berlin Neuköln aus ideologischen Gründen Heizpilze verboten bleiben, die Gastronomie im Freien ermöglichen würden. Wenn eine Schwerpunktklinik mit allen Möglichkeiten der Maximalversorgung davor warnt, dass reguläre Intensivplätze gen Null tendieren und für zusätzliche Plätze zwar Maschinen aber kein Personal zur Verfügung steht, sollte uns allen gewahr werden, das die Lage nicht mehr so komfortabel ist, wie es im Juli noch der Fall war. Auch in Dortmund sind die Ampeln für die zur Verfügung stehenden Kapazitäten in der Intensivversorgung in vielen Kliniken auf ein dunkles Gelb gesprungen, da die „neue Normalität“ mit klinischem Regelbetrieb nun auf rasch ansteigende Infektionszahlen trifft, die auch zunehmend die Erfordernisse einer klinischen Versorgung von an Corona erkrankten Menschen mit sich bringt.

In der Berliner Charité werden deshalb inzwischen wieder planbare Eingriffe verschoben, wie wir es bereits aus dem Frühjahr kennen. Selbstverständlich weist Prof. Dr. med. Uwe Janssens als DIVI Präsident ( Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin ) zu Recht darauf hin, dass uns in der BRD sehr viele Intensivversorgungsplätze in Kliniken zur Verfügung stehen. Aber was hat die Seniorin aus Berlin Kreuzberg davon, wenn die 8.000 freien Intensivplätze zum Beispiel eine Versorgung in Trier ermöglichen würden?

Wir uns einem gefährlichem Kipppunkt

Das wir uns einem gefährlichem Kipppunkt nähern, an dem Infektionsketten nicht mehr nachverfolgbar sein werden und behördliche Handlungsfähigkeit an seine Grenzen kommt, ist auch an einem Beispiel aus meinem Heimatkreis erkennbar, auch wenn die hiesigen Behörden vorbildlich handelten. Der Kreis Unna hat sich in dieser Woche quasi selbst zunächst die Vorwarnstufe und die damit verbundenen Einschränkungen auferlegt, weil ein Inzidenzwert von über 35 erreicht wurde, um dann am Donnerstag die Selbstdiagnose vorzunehmen, dass die Ampel im Kreisgebiet inzwischen rot ist, da der selbst errechnete Inzidenzwert nun auf über 50 gestiegen ist.

Im Regelfall erfolgt der Hinweis, ob eine Stadt oder ein Kreis eine der vordefinierten Risikostufen überschritten hat, durch das RKI. Offensichtlich stimmten in dieser Kalenderwoche die vom RKI verwalteten Werte jedoch nicht mehr mit denen überein, die der Kreis Unna zunächst ermittelt und dann auch an das RKI übermittelt hat. Zeitgleich betont der amtierende Landrat, dass das Gesundheitsamt des Kreises allmählich an seine Grenzen stößt, wenn es um die Nachverfolgung von Infektionsketten geht, weshalb er zu Recht zusätzliches Personal einfordert, um für die Herausforderungen in Herbst und Winter gewappnet zu sein. In einer ähnlich angespannten Situation befinden sich derzeit zahlreiche Städte und Kreise in der gesamten Bundesrepublik.

Zusammenfassend muss man wohl sagen, dass die Kanzlerin wohl zu Recht lieber mit betroffenen Großstädten Maßnahmenpläne vereinbart, um konkrete Handlungskonzepte zu vereinbaren und wir es sehr ernst nehmen sollten, wenn eine Klinikärztin aus der Klinik Bremen Mitte ihre Ängste vor südeuropäischen Zuständen in deutschen Kliniken äußert. Der Wunsch der Kanzlerin, lieber mit betroffenen Städten zu sprechen, als sich mit zum Teil konkurrierenden Länderchefs auseinandersetzen zu müssen, wird auch an den unterschiedlichen Bewertungen der Länder im Bereich der Rolle des Katastrophenschutzes deutlich, die zeigen, wie schwierig die Beherrschung einer Pandemie im Föderalismus sein kann.

Ruhrbarone: Wie unterscheiden sich die Bewertungen in den Ländern, wenn es um die Rolle des Katastrophenschutzes bei der Bewältigung der geht? Wir dachten doch, der Höhepunkt der Uneinigkeit sei durch die Diskussion um den BBK erreicht worden.

Memmeler: Schlimmer geht derzeit offensichtlich immer. Der Katastrophenschutz und dessen Helfer-innen sind bundesweit zwar häufig gefordert, die politische Wahrnehmung und die strategische Neuausrichtung in den Bundesländern fallen jedoch höchst unterschiedlich aus. Sehr deutlich wird dies eventuell am Vergleich der Bundesländer Sachsen und Niedersachsen.
Prof. Dr. Roland Wöller fasst für die sächsische Landesregierung die Bewertung der Lagebewältigung in Sachsen in einer Antwort auf den Antrag der Fraktionen CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD Drs.-Nr.: 7/3309 wie folgt zusammen:

„Im Übrigen ergibt sich keine Notwendigkeit einer Überprüfung der Katastrophenschutzstrukturen, da die Corona-Pandemie nicht das Ausmaß einer Katastrophe im Sinne des Sächsischen Katastrophenschutzgesetzes angenommen hat.“

Vor dieser finalen Erkenntnis in seiner Antwort, die sicherlich nicht alle teilen werden, feierte sich Herr Wöller und die sächsische Landesregierung dafür ab, dass man durch Lunchpakete die Versorgung in Mensen der Polizeischulen großartig den neuen Hygieneanforderungen angepasst hätte und die Ermöglichung von Homeoffice zu einer Entlastung in den Landesbehörden beigetragen hat, um Abstandsregelungen einhalten zu können. Ansonsten verwies die Antwort der sächsischen Landesregierung sehr gerne auf die kommunale Verantwortung, wie dies zum Beispiel auch beim Rettungsdienst der Fall ist.

„Der bodengebundene Rettungsdienst ist eine weisungsfreie Pflichtaufgabe der Kommunen (Landkreise, Kreisfreie Städte, Rettungszweckverbände). Diese sind sachlich zuständig für die Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung mit Leistungen der Notfallrettung und des Krankentransportes; die Sicherstellung der notärztlichen Versorgung obliegt den Krankenkassen und ihren Verbänden sowie den Verbänden der Ersatzkassen; vgl. §§ 7 Abs. 3 Nr. 1, § 28 Abs. 2 Satz 1 Sächsisches Gesetz über den Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz (SächsBRKG).“

Wie viel Christstollen muss erforderlich sein, um die Gefäße, die das Hirn mit Blut versorgen, derart zu verstopfen, dass man zu der Bewertung kommt, dass der Wortlaut des sächsischen Katastrophenschutzgesetzes nicht zu den täglichen Nachrichtenmeldungen und Herausforderungen an Mitarbeitende im Katastrophenschutz passt und deshalb keine Neubewertung der Rolle des Katastrophenschutzes erforderlich sei, weil eine Pandemie dummerweise keinerlei Merkmale einer Hochwasserlage aufweist. Beim Leser der Stellungnahme macht sich spontane Fassungslosigkeit breit.

Die Unterstützer der Helferinitiative in Sachsen dürften angesichts dieser Aussagen von Herrn Wöller wohl nur noch neidisch nach Niedersachsen schauen, wo Niedersachsens Innenminister Pistorius die Behörden und Einrichtungen im Bevölkerungsschutz völlig neu aufstellen will, um Kompetenzen zu bündeln. Das bisherige Kompetenzzentrum für Großschadenslagen solle zu einem Landeskatastrophenschutzstab für “überörtliche Lagen” im Innenministerium weiterentwickelt werden. Damit soll es gelingen, die zunehmende Zahl an Großschadenslagen besser zu bewältigen. Neben der Brandschutzgesetzesnovelle soll auch das Katastrophenschutzgesetz modernisiert werden, kündigte Pistorius in dieser Woche in Hannover an. Größer können die Unterschiede in der Wahrnehmung der zukünftigen Herausforderungen an den Katastrophenschutz wohl kaum noch sein.

künftige Herausforderungen an den Katastrophenschutz

Am 07.10.2020 fragte der BR in einer sehenswerten Dokumentation zu Recht „Corona und Co – wie gut ist unser Katastrophenschutz?“. Diese Frage sollte sich offensichtlich auch der sächsische Landtag zeitnah stellen.

Zu Beginn unserer Interviews im März hätte ich nicht gedacht, wie viele Themen aus dem Bereich des Katastrophenschutzes wir hier behandeln können und müssen, weil diese Pandemie mit einem Brennglas offenbart, wo die Schwächen in vielen Bereichen liegen und bisher lediglich gut kaschiert werden konnten, weil die Katastrophen angenehm überschaubar blieben.

Neben der Bearbeitung der nun offensichtlichen Baustellen im Katastrophenschutz, gilt es aktuell mehr auf Menschen wie Herrn Tschentscher (Erster Bürgermeister in Hamburg) zu hören und die Mahnungen von Virologen und Klinikärzten ernst zu nehmen, da der Impfstoff noch nicht da ist und Lüftungseinrichtungen zu spät als Unterstützung für die kalte Jahreszeit identifiziert wurden.

Ruhrbarone: Lassen Sie uns die von Ihnen erwähnten Mahnungen noch einmal kurz aufgreifen. Was sind die Ratschläge von Herrn Tschentscher und den Virologen, die sich bemühen, uns informiert zu halten? Und wie können Lüftungssysteme und Co uns schützen?

Memmeler: Herr Tschentscher wirkt in seinen Stellungnahmen angenehm unaufgeregt, ohne die erforderliche Ernsthaftigkeit vermissen zu lassen. Aktuell hat Hamburgs Bürgermeister zum Beispiel auf den Aktionismus rund um die Beherbergungsverbote reagiert, die derzeit zur maximalen Irritation der Bevölkerung beitragen und die Gesundheitsbehörden wegen der bevorstehenden Herbstferien zusätzlich belasten. Abertausende Bürger versuchen derzeit die erforderlichen Tests vornehmen zu lassen, um zum Beispiel von Frankfurt an die Ostsee reisen zu können oder von Berlin aus das malerische Castrop-Rauxel besuchen zu dürfen. Zu Recht weist der Hamburger Bürgermeister darauf hin, dass diese zusätzlichen Tests unser ohnehin sehr angespanntes Gesundheitssystem zusätzlich belastet und die Akzeptanz von Abstandsregelungen, Hygienemaßnahmen und Maskenpflicht wesentlich effektiver zur Bewältigung der Pandemie beitragen, als Tests, die lediglich zu dem Zweck gemacht werden, um für einige Tage der Heimat zu entkommen.

Tschentscher betont, es nütze nichts, wenn Menschen aus Hotspots nicht in Flächenländer reisen dürften, umgekehrt aber die Menschen aus den Randgebieten zum Arbeiten oder Ausgehen in die Großstädte fahren. “Wir müssen Maßnahmen ergreifen, damit die Zahlen runtergehen”, betonte Tschentscher. Tschentscher mahnt zugleich: “Die Pandemie wird in den Großstädten entschieden.” Wenn die Menschen in den Ballungsräumen die Pandemie in den Griff bekämen, dann “haben wir das auch für ganz Deutschland erreicht”. Auch wegen solcher Aussagen, sucht die Kanzlerin aktuell lieber den Dialog mit den Oberbürgermeistern der Großstädte, als den bisher eher nicht zielführenden Dialog mit den Länderchefs. Nahezu identische Aussagen hören wir aktuell auch von Virologen.

Zusätzlich sollen uns Lüften und Antikörpertests ermöglichen, das Pandemiegeschehen besser zu beherrschen. CO2 Ampeln, Schnelltests und Lüftungssysteme werden derzeit vielerorts im Netz recherchiert. RLT Anlagen (raumlufttechnische Anlage ) sollen unter anderem den Schulbetrieb sicherer machen, können aber nicht in ausreichender Menge nachgerüstet werden, weshalb viele Schulen, Seniorenheime, Tagespflegen und Arbeitgeber sich mit CO2 Ampeln behelfen wollen, um einen möglichst effektiven Luftaustausch in Räumen zu ermöglichen. Diese CO2 Ampeln sollen signalisieren, wann es wieder erforderlich wird, zum Beispiel Klassenräume zu lüften. Verlässliche und geeignete Geräte kosten ab ca. 200,00 € je Stück. Findige Geschäftsleute, die zu den Krisengewinnern zählen wollen, bieten derzeit Geräte ab 45,00 € an, die jedoch keine zuverlässige Entscheidungshilfe zum Lüften bieten, da diese Geräte sehr träge reagieren oder die programmierten Warnschwellen deutlich zu hoch sind, um die Aerosolbelastung möglichst gering zu halten. Parallel zu diesen wenig vertrauenserweckenden CO2 Ampeln, die im Netz angeboten werden, finden wir Kaufempfehlungen für Luftfilter, die den Namen nicht verdienen.

Amazon will Euch nicht retten, sondern nur an Eure Kohle

Liebe Leute, Amazon will Euch nicht retten, sondern nur an Eure Kohle. Die gängigen Antikörpertests, die mit Serum- oder Vollblutproben arbeiten, liefern lediglich einen Hinweis auf eine bereits seit einigen Tagen bestehende Infektion, weshalb diese nur eine bedingte Hilfe darstellen, wenn es darum geht, Infektionseinschleppungen in Kliniken oder Seniorenheime zu vermeiden. Dennoch werden diese Tests derzeit wie wild im Internet für Endverbraucher, auch im privaten Bereich, angeboten, um Sicherheit zu garantieren. Im Kleingedruckten findet sich dann stets der Hinweis, dass diese Tests keine fundierte Diagnose ersetzen können. Dennoch boomt der Vertrieb von Testsets an Privatpersonen, die diese zu Preisen zwischen 50,00 € und 200,00 € erstehen wollen.

Den laut Wissenschaftsberichten zuverlässigsten Schnelltest liefert derzeit wohl unter anderem der NADAL® Covid-19-Antigentest, bei dem ein Abstrich aus dem Mund- oder Nasenrachenraum durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt wird. Dieser wird in einer Pufferlösung angereichert und dann auf die Testkassette pipettiert und dort auf ähnliche Art abgelesen, wie es bei Schwangerschaftstests der Fall ist. Die Ergebnisse sollen bei diesen Tests innerhalb von nur 15 Minuten vorliegen. Aufgrund seiner Kompatibilität mit gängigen Labortests (VTM-Kits) können die NADAL® Covid-19-Antigentests auch in die nationale Teststrategie miteingebunden werden.

Das bedeutet konkret: Das Probenmaterial des neuen Antigen-Schnelltests kann anschließend zur Bestätigungsanalyse zusätzlich noch in ein Labor weitergeleitet werden. So hat man ein erstes vorläufiges Ergebnis nach nur 15 Minuten und eine überprüfte Bestätigung nach ein bis zwei Tagen.

Es gilt also: Auch wenn Virologen stets betonen, dass Antikörpertests (Schnelltests) eine sehr große Unterstützung sind, um Fachlabore zu entlasten und Infektionsquellen schneller zu identifizieren, sind diese Tests ungeeignet für heimische Doktorspiele. Last die Finger davon, damit ausreichende Mengen für Fachpersonal zur Verfügung stehen, um schnelle Reihentests zu ermöglichen und um Kliniken und Senioreneinrichtungen angemessen zu schützen.

Haltet einfach Abstand beim Bäcker und im Supermarkt, bleibt größeren Festivitäten fern, tragt Euren Mund-Nasen-Schutz – gerne auch im öffentlichen Raum, wascht regelmäßig Eure Hände und lüftet regelmäßig. Meine Lehre dieser Woche lautet, es fühlt sich einfach nicht gut an, wenn man in einem Risikogebiet lebt. Sorgt also dafür, dass Eure Heimatstadt kein Risikogebiet wird.

Ruhrbarone: Herzlichen Dank, halten sie Abstand und bleiben Sie gesund.

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5 Kommentare zu “Corona und Katastrophenschutz: “Die Pandemie wird in den Großstädten entschieden.”

  • #1
    Hatem

    Der guten Ordnung halber: Heizpilze sind in Berlin-Neukölln (regiert von SPD/CDU) erlaubt, verboten sind sie in Berlin-Friedrichshain/Kreuzberg (regiert von Grünen/Linkspartei).

  • #2
  • #3
    Magnus Memmeler

    @ Hatem: Stimmt, das ist der mangelnden Ortskenntnis geschuldet und war genau so gemeint.
    M. Memmeler

  • #4
  • #5
    Robert Müser

    @ Magnus Memmeler

    Auch von mir an dieser Stelle ein großes Dankeschön für diese fundierte Informationen und den spannenden Blick hinter die Kulissen.

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