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Corona-Pandemie: Wie die Unvernunft einiger uns allen den Alltag komplett zu ruinieren droht

3D-Grafik des SARS-CoV-2-Virions Bild: CDC/ Alissa Eckert, MS; Dan Higgins, MAM – This media comes from the Centers for Disease Control and Prevention’s Public Health Image Library (PHIL), with identification number #23312 Lizenz: Gemeinfrei

Viele haben es ja schon länger geahnt. Jetzt, wo es tatsächlich langsam so kommt, ist es trotzdem irgendwie überraschend und vor allem auch ärgerlich. Zum zweiten Mal in Folge meldete das RKI heute über 4000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland an einem einzigen Tag. Nun droht uns allen viel Ungemach. Und das macht einen wütend.

Logisch war, dass die Anzahl der COVID-19-Erkrankungen nach einem relativ günstig verlaufenden Sommer in den Herbstmonaten wieder ansteigen würde, wenn die Menschen in diesem Lande wetterbedingt wieder vermehrt in den Häusern bleiben, wenn die Enge im Alltag dadurch zwangsläufig wieder zunehmen würde.

Völlig unnötig hingegen ist die Tatsache, dass viele Zeitgenossen sich aktuell nicht mehr an Abstände, Masken und an die Hygieneregeln halten mögen. Und um das zu erkennen, braucht man auch keine Fachleute und keine aufwändigen Studien. Das zeigt sich schon im Alltag.

Kein Wunder also, dass auch hier bei uns im Ruhrgebiet immer mehr Städte und Kreise die kritischen Schwellenwerte in Sachen Neuinfektionen reißen. Teilweise sogar mit enormer Geschwindigkeit.

So nahm die Zahl der akut infizierten an meinem Wohnort Waltrop innerhalb weniger Tage von null bzw. eins auf jetzt über 20 zu. Wenig überraschend also, dass in einer 30.000-Einwohner-Stadt der 7-Tage-Inzidenzwert damit auf über 63 angestiegen ist. Plötzlich wandelte sich der eigene Wohnort von der beschaulichen Corona-Provinz zum Hotspot.

Und wer in einer solchen Phase mit offenen Augen durch den Alltag geht, der sieht die Gründe für die Entwicklungen mit bloßem Auge. Wenn er denn will.

Da läuft der Schulbetrieb offenkundig weitestgehend unbeeinflusst von Corona-Maßnahmen. Erst am gestrigen Donnerstag sah ich an meiner alten Grundschule hier um die Ecke eine ganze Schulklasse eng beieinanderstehend um die Lehrerin auf dem Schulhof wartend. Warum die Lehrerin ihre Schüler nicht einfach darum bat sich doch bitteschön aus gegebenem Grunde etwas weiter auseinanderzustellen war mir ein völliges Rätsel.

Da sieht man in immer mehr Cafes die Leute ohne irgendwelche Extra-Abstände in Gruppen auffällig eng beieinandersitzen, ohne dass irgendjemand eingreifen würde.

Und auch in den Supermärkten geht es zunehmend unbesorgter zu, haben längst nicht mehr alle Kunden und Mitarbeiter eine Maske im Einsatz.

So kommt eines zum anderen und die Zahl der Infektionen steigt mit fortschreiten des Herbstes. Eigentlich ein Wunder, dass das mit den zahlreichen Lockerungen seit dem Sommer noch so lange gut gegangen ist. Jetzt kippt die Lage und alle tun ganz erschrocken.

Es ist ärgerlich, dass das unvernünftige Verhalten vieler Zeitgenossen den Vorsichtigen und Vernünftigen, die sich die ganzen Monate hinüber brav an alle Regeln und Einschränkungen den Alltag unnötig zu verderben droht.

Nicht mehr weit entfernt scheint dieser Tage eine Art zweiter Lockdown. Und das auch völlig zurecht. Die meisten von uns wollen den Frühling 2021 ja wohl noch erleben.

Warum sich dann trotzdem so viele völlig verantwortungslos zeigen, es war und ist mir ein völliges Rätsel. Ich begreife einfach nicht, warum die sich nicht halbwegs zusammenreißen können bzw. wollen. Deren Verhalten ist so dermaßen überflüssig und dämlich… Diese egoistischen Zeitgenossen ruinieren uns allen den Alltag, wenn denen jetzt nicht sehr rasch Einhalt geboten wird.

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25 Kommentare zu “Corona-Pandemie: Wie die Unvernunft einiger uns allen den Alltag komplett zu ruinieren droht

  • #1
    Robert Müser

    Interessante Gedankengänge, die ich teile.

    Wenn man mal etwas tiefer in den amtlichen Daten gräbt, dann findet man solche interessante Aufstellungen:

    Aktuell bekannte Fälle / Genesene / Todesfälle // 7-Tages-Inzidenz pro Stadt (Stand: 09.10.2020)
    Castrop-Rauxel 273 / 230 / 5 // 32,7
    Datteln 101 / 88 / 1 // 17,3
    Dorsten 253 / 226 / 7 // 18,7
    Gladbeck 549 / 420 / 23 // 91,3
    Haltern am See 134 / 112 / 0 // 15,9
    Herten 197 / 161 / 1 // 48,5
    Marl 295 / 256 / 1 // 28,5
    Oer-Erkenschwick 234 / 223 / 3 // 15,9
    Recklinghausen 446 / 347 / 5 // 63,7
    Waltrop 109 / 82 / 1 // 75,0

    Quelle:
    https://www.kreis-re.de/Inhalte/Buergerservice/Gesundheit_und_Ernaehrung/Infektionsschutz/Coronavirus.asp

    Im Kreis Recklinghausen ist z.B. die Verbreitung des Corona-Infektionen also schon weiter gediehen, als der offizielle (kreisweite) Wert von 44,1 dies einem vorgaukelt.
    Es stellt sich die Frage, woher diese Explosion der Zahlen nun herkommt …

    Was sagt der ortskundige Autor dazu?

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Robert Müser: Ich schaue ja der Entwicklung nur als interessierter Laie zu. Soweit ich das mitbekomme, sind in erster Linie Schulen betroffen hier in Waltrop. An mindestens dreien gibt es akkute Fälle. Wie im Text beschrieben, erkenne ich da auch keine echten Konzepte. Als ich die Lehrerin mit der eng um sie herum stehenden Schulklasse (siehe Text oben) gesehen habe, habe ich mich echt sofort erschrocken. Da fehlt es offenbar an Einsicht. Im benachbarten Selm sind aber auch Altenheime akut betroffen. Ich fürchte, das wird diesmal eine Art Flächenbrand….

  • #3
    Susanne Scheidle

    Es ist so ungefähr 4 Wochen her, da lag die 7-Tage-Inzidenz in Gelsenkirchen so bei 12 oder 15 – alles safe.
    Seit Ende September ist sie explodiert auf jetzt 47, ohne dass ein spezielles Infektionsereignis herausragt, was die Sache um so unheimlicher macht.
    Die Rede ist von "mehreren Familienfeiern".
    Es war m. E. ein großer Fehler, Familienfeiern mit 150 Personen zu erlauben, was sendet das denn für ein Signal? Ich rede erst gar nicht von Leuten, die sowieso jede Vorschrift missachten. Aber auch Leute, die im Prinzip einsichtig sind dürften vielfach solche Limits eher als ungefährer Wert begreifen: na gut, sind jetzt 170 Leute, ooops, 5 haben noch jemanden mit gebracht, na gut, 175… und zählen die Kinder eigentlich mit?… egal, kontrolliert ja keiner…

    Ist so ähnlich wie mit Geschwindigkeitsbegrenzungen: Gut, sind nur 50 erlaubt, aber fahrn wa mal 65, 10% werden beim Blitzen eh abgezogen, da passiert nix. Es sei denn, es läuft ein Kind über die Straße – bei 65 ist der Bremsweg (incl. Reaktionszeit) nämlich ca. 50% länger.
    Exponentielles Wachstum eben…

    Ganz zu schweigen von der Situation an Schulen. 6 Wochen hatte man Zeit, ein Konzept zu erarbeiten für Belüftung der Klassenräume, Schichtunterricht, Unterricht im Freien – und als Notfalllösung eben Fernunterricht, diesmal aber vielleicht mit Tablet für jedes Kind und Lehrern die sich mit der Technik auskennen.
    Aber da war der Urlaub ja erstmal wichtiger.

  • #4
    Ke

    Wo kommen die Fälle her?
    Es ging nach dem Ende der Maskenpflicht in Schulen los.
    Die Infizierten sind aktiven Alter, sicherlich oft Eltern.
    Der Öpnv ist voll.

    Die Gesundheitsämter sollten doch ein paar Zusammenhänge erkennen.

    Warum geben sie sich ahnungslos.
    Ein Lockdown wäre die Bankrotterklärung kommunaler Gesundheitsstrukturen mit Akteuren, die eher verwalten als bekämpfen.

    Wir werden sehen, ob wir es wie Bayern schaffen , die Zahlen zu senken.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ein weiteres Problem hatte Stefan Laurin die Tage ja schon einmal bei Gladbeck angesprochen: Die Stadt darf nichts machen, solange der Wert für den gesamten Kreis nicht über dem Grenzwert ist. Waltrop liegt ja auch im Kreis Recklinghausen. Von der hiesigen Verwaltung im Rathaus hört man folglich bisher nichts dazu. Ausser dass ein paar Schulklassen aus dem Verkehr gezogen wurden, läuft alles weiter so. Bin mal gespannt, wie lange noch….

  • #6
    Robert Müser

    @ Robin Patzwaldt:

    Die Geschichte "mit der Untersagung von Maßnahmen" wg. Kreisangehörigkeit ist m.E.n. ein wirklicher Skandal und gehört dem Prinz Karneval und seiner schwarz-liberalen Truppe in Düsseldorf auch von der Presse dauerhaft links und rechts um die Ohren gehauen. Dies versteht kein klar denkender Mensch mehr, warum wg. eines Zahlenwertes auf Kreisebene lokal nicht gehandelt werden kann, nur weil die Landesregierung hier keinen Änderungsbedarf in ihren Vorschriften sieht.

    So wird dies nichts im Pandemiebekämpfung vor Ort.

  • #7
    ke

    Die Kommunen können aber ihre Kontrollen deutlich verstärken, Hygienepläne strenger kontrollieren etc. Das würden schon zeigen, dass der Staat sich kümmert und nicht alles EGAL ist. Hier müssen auch die Kräfte auf die jetzt wichtigen Aufgaben konzentriert werden.

    Die Kommunen haben natürlich viele Möglichkeiten. Der Gesundheitsschutz ist doch extra deshalb dort aufgestellt.
    Ist final nicht die Verantwortung bei den Kommunen? Jena hatte doch früh eine Maskenpflicht und Dortmund hatte den Lockdown etwas früher.

  • #8
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Robert Müser: Den Sinn dahinter verstehe ich grundsätzlich schon. Je kleinteiliger das wird, je weniger Aussagekraft. In Waltrop sind es aktuell ja ‘nur’ 26 akut Infizierte. Da die aber alle innerhalb weniger Tage auftraten und die Stadt nur 30.000 Einwohner hat, geht das relativ schnell mit dem hohen Wert. Aber der Kreis RE ist eben sehr groß, und gerade hier wirkt das unnötig bremsend…. Insofern ist das sehr ärgerlich. Ja!

  • #9
    ccarlton

    Der Inzidenzwert von 50 stammt aus einer Zeit als weniger als ein Drittel so oft getestet wurde wie heute.

    https://postimg.cc/mtfhfBzD

    Ein weiteres Problem sind wohl sog. Familienfeiern, bei denen zu viele Personen eingeladen werden, kein Abstand gehalten wird und keine Kontaktlisten geführt werden. Da sollte gezielt angesetzt werden, statt neue Verbote für die Allgemeinheit einzuführen.

  • #10
    Robert Müser

    @ Robin Patzwaldt/#8:

    Die Grundlage für diese Kreisregelung verstehe ich schon, wenn man von einem lädlichen Kreis mit klar getrennten kleinen Gemeinden ausgeht.

    Nur macht sie im Ruhrgebiet und speziell im Kreis Recklinghausen so gut wie überhaupt keinen Sinn. So kann man im Grenzbereichen des Kreises Recklinghausen in gewissen Straßen nicht erkennen ob man nun in Gelsenkirchen-Horst oder z.B. in Gladbeck ist.
    Der Siedlungsbrei geht nahtlos von einer Stadt in die nächste Stadt über, gleiches gilt für den Übergang von Herne nach Recklinghausen usw. – dementsprechend sind auch die Verknüpfungen eng über die Stadtgrenzen hinweg.
    Die Pandemiebekämpfung müsste hier angepasst werden …

  • #11
    ke

    Schon Gütersloh hat gezeigt, dass Maßnahmen eben gezielt sein müssen, damit sie nicht von den Gerichten einkassiert werden. Hier dreht sich dann alles im Kreis.

  • #12
    Susanne Scheidle

    @ ccarlton #9

    Dann wird es Sie ja bestimmt freuen, dass gerade genau bei den Familienfeiern angesetzt wird anstatt neue Verbote für die Allgemeinheit einzuführen. Zumindest verstehe ich die sog. "verschärften Maßnahmen" so.
    Mal abgesehen von Vorschriften über das Tragen von Gesichtsmasken in belebten Fußgängerzonen etc., aber darüber ist inzwischen alles gesagt und bedarf keiner weiteren Diskussion.

  • #13
    Yilmaz

    Statt sich auf Relationen (wie viele Kranke in Relation der positiv Getesteten, wie viele Tote in Relation zu den positiv Getesteten und zu den wirklich Erkrankten) zu fokussieren, wird am Dogma der reinen Infektionszahlen festgehalten.

  • #14
    Helmut Junge

    @ccarlton (9), Ihr link zeigt eine veraltete Grafik, die nur bis zum 30.9.20 reicht. Danach stieg die Zahl der Infizierten rasend, obwohl die Zahl der Test vermutlich seit Wochen unverändert geblieben ist.
    Bei Ihrer Bewertung der Familienfeiern gebe ich Ihnen Recht.
    Aber auch Sie selber haben die Gefährlichkeit der Pandemie bisher immer heruntergespielt und so eine Mißachtung der Grundregeln bei Pandemien bei vielen Zeitgenossen unterstützt. Jetzt müssen wir alle die Strafe zahlen. Wer nicht hören will,….gilt ja gar nicht.
    Bei Pandemien gilt "Wenn einige nicht hören wollen, müssen alle zahlen".

  • #15
    Guenter Rense

    @ccarlton: Auch wenn in Ihrer Grafik "Tests auf COVID-19" und was von "Quelle: RKI" steht: "COVID-19-Tests", also "Tests" auf einen SARS-CoV-2-bezogenen Krankheitsverlauf gibt es m.W.n. nicht, es gibt Tests auf SARS-CoV-2-Infektionen. Und was das RKI als Zahlen für solche Labor-Tests (PCR-Tests) sammelt und in Wochenabständen veröffentlicht, steht auf https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Testzahl.html. Diese Zahlen decken sich aber nicht mit Ihrer Grafik. Woher stammt das also bzw. wer hat diese "Grafik" mit welcher Intention erstellt?

  • #16
    Robert Müser

    Sarkusmus-Modus:

    "Dankeswerterweise " ist im Kreis Recklinghausen der Wert von 50 (genau 56,7) am 10.10.2020 endlich gerissen worden, so dass nun endlich kreisweit agiert werden kann:

    Aktuell bekannte Fälle / Genesene / Todesfälle // 7-Tages-Inzidenz pro Stadt
    Castrop-Rauxel 281 / 230 / 5 // 43,6
    Datteln 103 / 88 / 1 // 23,1
    Dorsten 261 / 226 / 7 // 29,4
    Gladbeck 556 / 429 / 23 // 100,5
    Haltern am See 137 / 118 / 0 // 23,8
    Herten 204 / 161 / 1 // 59,9
    Marl 308 / 257 / 1 // 44,0
    Oer-Erkenschwick 236 / 224 / 3 // 22,3
    Recklinghausen 460 / 350 / 5 // 76,3
    Waltrop 114 / 83 / 1 // 92,1

    Quelle wie in #1:
    https://www.kreis-re.de/Inhalte/Buergerservice/Gesundheit_und_Ernaehrung/Infektionsschutz/Coronavirus.asp

    By the way:
    Der Kreis Recklinghausen wie der Kreis Unna hatten in dieser Woche das Land NRW aufgefordert bereits bei kritischen Werten in einzelnen Teilen des Kreises agieren zu können, dies ist vom NRW-Minister Laumann abgelehnt worden (lt. Artikel der WAZ) – hat sich ja jetzt erledigt …

    🙁

  • #17
    ccarlton

    #12: Susanne Scheidle

    Sie scheinen sich zu irren und das gleich mehrfach. Als Reaktion auf die Nichteinhaltung der bestehenden Regeln werden in Köln schärfere Regeln eingeführt, wie Alkoholverbote, Zugangsbeschränkungen für Geschäfte oder Versammlungsbeschränkungen im Freien.

    #14: Helmut Junge

    Ich bemerke, daß hier der eine oder andere große Angst hat, weil wie das Kaninchen auf die Schlange auf eine Zahl gestarrt wird. Und was meinen Einfluß auf andere angeht, den überschätzen Sie noch mehr als, einige die Gefährlichkeit von Corona überschätzen.

    #15: Guenter Rense

    Die ist von der Corona-Seite des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

  • #18
    Helmut Junge

    @ccarlton , es geht nicht um Mut oder Angst, sondern um die Bewertung eines Risikos und der Abwägung, ob sich eine überhöhte Risikobereitschaft gegenüber den Folgen rechnet. Als Jugendlicher hatte ich manch ein Risiko als Herausforderung angenommen. Das legt sich mit den Jahren.
    Wir haben keine Medikamente gegen diese Seuche, also müssen wir leider andere Methoden einsetzen. Erfolgreich war der Lockdown in Deutschland schon. Das kann man am Beispiel aller(!) Nachbarländer sehen. Über einzelne Maßnahmen kann man allerdings durchaus streiten. Ich halte das Abwarten auf bundeseinheitliche Maßnahmen für falsch, weil dadurch zuletzt das gesamte Land zum Seuchengebiet wird und wurde. Es ist ja so leicht für die jeweiligen Ministerpräsidenten sich hinter die Bundeskanzlerin, die gar nicht zuständig ist, zu verkriechen. Wie Küken hinter der Glucke sieht das für mich aus. Und die Frau Kanzlerin nimmt diese Aufgabe auch dankbar an.
    In der Zwischenzeit gehen kostbar Tage verloren, in denen man lokal hätte handeln müssen.
    Aber wenn dann endlich ein Beschluß zustande kommt, ist das Gesetz, und daran halte ich mich trotz meiner Kritik. Meine Risikoabwägung sagt mir, daß mehr Tote gibt, wenn man nicht handelt, und daß sogar der wirtschaftliche Schaden größer ist, wenn man abwartet, wer alles erkrankt. In Deutschland hat es wegen des Lockdowns breiter Wirtschaftszweige trotzdem nur wenig Ausfälle in wichtigen Industriezweigen gegeben. Und das ist ein Bereich, der uns alle am Leben läßt. In den USA sieht es ganz anders aus. Da werden auch Leistungsträger der Industrie krank, was zu katastrophalen Produktionsausfällen führt. Wie schlimm das ist, wird sich noch zeigen.

  • #19
    Psychologe

    "Erfolgreich war der Lockdown in Deutschland schon."

    Was ist das ein Erfolg, der so viel kostet und solche Kollateralschäden bringt und dennoch so wenig nachhaltig ist? Auf WDR2 kommt immer "Laschi und Lauti" und Lauti sagt immer "nach locker kommt Lockdown". Das soll eine Satire sein, ist aber bitterer Ernst. Wie viele Lockdowns können oder müssen wir uns denn leisten? Ich sehe da vor allem keine Perspektive. Wir haben uns durch einen gewaltigen Kraftakt wie viele Monate reduzierter Normalität erkauft? Vier Monate? Fünf?

    "Ich halte das Abwarten auf bundeseinheitliche Maßnahmen für falsch, weil dadurch zuletzt das gesamte Land zum Seuchengebiet wird und wurde."

    Haben wir die Kontrolle nicht längst verloren? Die Vermutung, dass es Ende nächster Woche 5.000-6.000 täglich Neuinfizierte geben könnte, scheint derzeit ja alles andere als weit hergeholt. Dagegen stemmen tun wir uns mit immer aussichtslos scheinenden Gegenmaßnahmen (Kontaktverfolgung) (Und die Corona-App ist der Rohrkrepierer des Jahres). Der Kapitän der Titanic verteilt Tassen zum Wasser schöpfen. Ich sehe die gesamtgesellschaftliche Lösung nur noch darin, möglichst beschleunigt einen Impfstoff zuzulassen.

  • #20
    Walter Stach

    -19-
    "Erfolgreich war…" -sh. Helmut Junge -18-; ich stimme dem zu.

    Bei mir haben die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung und der Landesregierung zur Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen im großen und im ganzen meine Zustimmung gefunden.

    "Zornig gemacht" hat mich nicht das staatliche Tun, sondern die permanente Mißachtung staatlicher Ge- bzw. staatlicher Verbote im Alltagsleben durch deutschlandweit Millionen Bürger, die bewußte Außerachtlassung simpler Umgangsregeln zu Zeiten einer Virus-Pandemie -ganz unabhängig von staatlichen Ge-/verboten-. Ich lasse dabei außen vor die vielen, vielen Idioten (!!), die sich zu tausenden ohne Masken, ohne Abstand zu "Massenprotesten" gegen die staatlichen Ge-/Verbote zusammengefunden haben.

    Für mich ist es jedenfalls irre, daß jetzt versucht wird, den Staat für die wieder rasant steigenden Zahl an Corona-Kranken verantwortlich zu machen, nachdem es "die" Menschen waren und die Menschen weiterhin zu sein scheinen, jedenfalls sehr, sehr viele von ihnen, deren Tun/Nichttun durch Mißachtung, durch Außerachtlassung aller staatlichen Ge-/Verbote jenseits jeglicher Vernunft primär verantwortlich dafür ist, daß die staatlichen Ge-/Verbote nicht den angestrebten Erfolg gehabt haben, ja gar nicht haben konnten. Das zu bedenken gehört m.E. zumindest dazu, wenn "man" über Verantwortung, Veantwortlichkeiten, über Erfolge/Mißerfolge im Kampf gegen die Pandemie diskutiert.

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  • #22
    Helmut Junge

    @Psychologe, die Maßnahmen gehen zu Lasten derjenigen, die mit Publikum arbeiten und beim Lockdown nicht dürfen, trotzdem aber Unkosten haben. Diejenigen, die nichts anderes tun, als zu vermieten, dürfen trotzdem die Mieten kassieren, obwohl ihre Mieter keine Einkommen haben. Auch wenn ich selber nicht betroffen bin, empfinde ich da eine extreme Ungerechtigkeit. Nur geht keine mir bisher bekannte Kritik in diese Richtung. Warum sind diejenigen, die keine anderen Sorgen haben als ihr entgangenes Vergnügen soviel lauter als diejenigen, die finanziell ausbluten? Würden Letztere gegen die Maßnahmen des Lockdown laut protestieren, könnte ich das nachvollziehen. Aber entgangenes Vergnügen alleine, reicht nicht aus, mein Mitgefühl wirksam werden zu lassen.
    Soviel zu den Kollateralschäden.

  • #23
    ke

    @22 H Junge:
    Dass Mietverhältnisse einseitig für die Mieter nachteilig sind, wurde schon öfter thematisiert. Es ist auch nachvollziehbar.
    Andererseits werden insbesondere in Verträgen Risiken aufgeteilt. Dass bspw. Publikum für ein Geschäft da ist, kann sich schnell ändern (Baustelle, neues Zentrum, neue Straßenführung etc.). Deshalb muss auch geklärt werden, wer dieses Risiko übernimmt. Ebenso trägt der Vermieter auch das Konkurs-Risiko, das uns jetzt bald erreichen wird.
    Aktuell bin ich der Meinung, dass die Situation OK ist.

    Mir schreien auch zu viele nach staatlicher Hilfe . Schon nach ein paar Tagen waren angeblich die Reserven vieler Selbständiger aufgezerrt. Das sind aber Menschen, die mir immer wieder erklären, wie dumm doch Arbeitnehmer sind, die so große Summen in Sozialsysteme einzahlen.
    Bei der aktuellen Reaktion, die dann sogar von protzigen Stars und Sternchen kommt, hört bei mir ein Gerechtigkeitsempfinden auf.

  • #24
    Psychologe

    ke, niemand hat jetzt etwas davon, mit Selbstständigen zu argumentieren. Zur Wahrheit gehört auch, dass es ein harter Wettbewerb teilweise sehr schwer macht, ein finanzielles Polster anzulegen.
    Davon ab: Was Helmut Junge da beschreibt, ist natürlich eine Situation, die kein Selbstständiger lange tragen kann. Wenn Du im Unterhaltungsgeschäfft bist und mehrere Veranstaltungstechniker hast, wie lange kannst Du die wohl bezahlen?!? Anders betrachtet: Was können die Veranstaltungstechniker für die finanzielle Situation ihrer Chefs? Die Kreditwürdigkeit mancher Branchen dürfte mangels Perspektive auch gerade ins Bodenlose fallen.
    Ich finde die Situation alles andere als "OK". Und da alles miteinander in Verbindung steht, dürften auch deutlich mehr direkt oder indirekt von den Auswirkungen betroffen sein, als es zunächst den Anschein hat. Ich denke zudem, dass diejenigen, die jetzt nach staatlicher Hilfe "schreien", einfach lieber wieder ihren Job machen würden, denn das ist immer noch einträglicher als Sofortprogramme, Notkredite und Kurzarbeitergeld.

  • #25
    Guenter Rense

    @24: Wenn es eine staatliche Förderung auf Antrag für Eventindustrie-Mitarbeiter und -Auftragnehmer im Selbstständigen- und meinswegen auch im Scheinselbstständigen-Sektor gäbe (der leider – und das kenne ich aus eigener Erfahrung – mindestens so groß wie der "normale" Arbeitsmarkt ist), die als Grundvoraussetzung entweder eine mind. 5%ige Abgabe an Krankenhäuser, Intensivmedizintechnik-Hersteller, Pflegepersonalvermittler und die Gesundheitsämter von Kreisen/Städten ODER ersatzweise eine Verpflichtung zur Mithilfe auf Pflege-/Intensivstationen nach Überschreiten der Inzidenz-Grenzwerte beinhaltet – können wir drüber reden.

    Alles andere ist Verlagerung der sozialen Last einer Pandemie auf "bloß nicht die eigenen"-Schultern.

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