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Coronavirus-Debatten überstrahlen verbliebenen ‚Datteln 4‘-Protest

Das Kraftwerk in Datteln zeigt seit Monaten Lebenszeichen. Foto: Jürgen Steinfelder

Es ist ein altbekanntes Thema, das uns auch hier im Blog inzwischen schon seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt. Und selbst wenn es in Zeiten der Corona-Pandemie schwer ist damit überhaupt noch Aufmerksamkeit zu gewinnen, heute fand in Düsseldorf ein weiterer Versuch in diese Richtung statt.

Anlässlich der Uniper-Hauptversammlung protestierten in der Landeshauptstadt ein paar Unentwegte aus den Reihen des BUND gegen die Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln 4. Kürzlich gesammelte 3.340 persönliche Botschaften von Bürgerinnen und Bürgern wurden dabei an die Uniper-Konzernzentrale projiziert. Die Protestler forderten: Datteln 4 darf nicht ans Netz! Wirklich interessiert hat das allerdings kaum noch jemanden.

Die juristisch seit Jahren höchst umstrittene Meiler im Kreis Recklinghausen, der seit Monaten im Probebetrieb ist und nahezu täglich seine Dampfschwaden deutlich sichtbar in den Himmel zeichnet, soll laut dem Kohlegesetzentwurf der Bundesregierung allerdings erst in 18 Jahren vom Netz gehen.

Dirk Jansen, Geschäftsleiter des BUND-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen erinnerte in Düsseldorf deshalb noch einmal frisch an die Kritikpunkte, die das Kraftwerk einst, weit vor jeder öffentlichen Klimadebatte, in die Schlagzeilen brachte, die inzwischen aber vollends in Vergessenheit zu geraten drohen: „Datteln 4 ist eine einzige Provokation für die Anwohnerinnen und Anwohner und all die engagierten Menschen, die sich für den Klimaschutz und die Energiewende einsetzen. Die Inbetriebnahme muss gestoppt werden. Das Kraftwerk schädigt mit seinen Schadstoffen ein Naturschutzgebiet, es befindet sich weniger als 450 Meter entfernt von einem reinen Wohngebiet und innerhalb eines 1.000-Meter-Radius zu einem Kinderkrankenhaus. Mehrere gewonnene Prozesse zeigen, dass das Kraftwerk dort nie hätte gebaut werden dürfen. Und mit drei noch anhängigen Prozessen schwebt das Damoklesschwert des Abrisses und Rückbaus über dem Kraftwerk. Uniper wäre gut beraten, das Vorhaben jetzt zu beerdigen.“

Ob es den verbliebenen Demonstranten in Corona-Zeiten allerdings so tatsächlich noch einmal gelingen kann die Debatte wieder mehr in die Öffentlichkeit zu befördern, ist trotz allem Durchhaltevermögen der Protagonisten wohl eher zu bezweifeln. Aus der Riege der großen Themen des Landes NRW und in der Region vor Ort ist ‚Datteln 4‘ jedenfalls schon seit Jahren nahezu vollständig verschwunden.

Die offensichtliche Taktik der Vorhabenträger, hier die Zeit für sich arbeiten zu lassen, scheint am Ende somit tatsächlich  aufzugehen. Und auch das Auftreten des Coronavirus spielte Uniper & Co. zuletzt perfekt in die Hände, zieht es doch fast alle Aufmerksamkeit in diesen Wochen auf sich.

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