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Das Jüdische Museum Berlin wieder auf Abwegen

Das Jüdische Museum mit dem Libeskind-Bau rechts, 2017 Foto: Marek Śliwecki Lizenz: CC BY-SA 4.0


Das Jüdische Museum zu Berlin hat wieder einmal den Vogel abgeschossen. Dieses Mal in dem man durch die Blume Werbung für BDS macht, und zwar indem man den dazugehörigen Beschluss des deutschen Bundestags auf dem Twitter-Account des Jüdischen Museums kritisierte und dann zurückkrebste, in dem behauptet hat, auf einen Diskussionsbeitrag hinweisen zu wollen. Von unserer Gastautorin  Anastasia Iosseliani.

Dies ist nicht das erste Mal, dass sich das Jüdische Museum Berlin, als bundesunmittelbare Stiftung eine eigenständige juristische Person des öffentlichen Rechts und Bestandteil der mittelbaren Staatsverwaltung des Bundes, solch einen Ausrutscher leistet. Erst kürzlich, nämlich am 8. März 2019, empfing der Direktor des Museums, Peter Schäfer, einen der Repräsentanten des Henkerregimes, Seyed Ali Moujani, zum Tee. Zum Dank hatte Moujani die Unverschämtheit Israel, dem Juden unter den Staaten, mit dem Kalifat des Islamischen Staates gleichzusetzen und somit, unteranderem, den Terrorismus und Genozid an den Jesiden des IS zu relativieren. Übrigens haben die Verantwortlichen des Jüdischen Museums Berlin dieser Ungeheuerlichkeit nicht widersprochen, weder an Ort und Stelle, noch im Nachhinein.

Dies kümmerte die Verantwortlichen im Jüdischen Museum Berlin deshalb überhaupt nicht, weil eine Ausstellung mit Judaica aus dem Iran zu organisieren gilt. Da 90% der Juden nach der Revolution von 1979 aus dem Iran geflohen sind., primär nach Israel und in die USA, schrumpfte die einst stolze Gemeinde von 100 000 Nasen auf knapp 10 000 Mitglieder. Übrigens sehe ich den Relativismus kritisch, wonach der Iran immer noch die zweigrösste jüdische Gemeinde im Nahen- und Mittleren Osten hat, nach Israel, denn die Juden, die immer noch im Iran leben, sind Geiseln des Regimes. Was viel über den Nahen- und Mittleren Osten aussagt. Demzufolge wäre es interessant zu wissen, woher Moujani und seine Freunde, die nun einmal selber keine Juden, sondern schiitische Muslime sind, diese Judaica herhaben. Zumal gerade deutsche Museen sich jetzt darum bemühen sollten, KEINE Raubkunst auszustellen. Es wäre doch eine Tragödie sondergleichen, wenn man nach der Ausstellungseröffnung eine solche Schlagzeile lesen müsste: «Jüdisches Museum in Berlin stellt Raubkunst aus dem Iran aus» .

Wäre ich Verantwortliche im Jüdischen Museum Berlin, würde ich jetzt sicherstellen, dass die Ausstellungsstücke wirklich «koscher» sind. Eine eidesstattliche Erklärung des Regimes und seiner Repräsentanten in Berlin ist meines Erachtens nicht ausreichend, da gerade dieses Regime dafür verantwortlich ist, dass die Mehrheit der iranischen Juden nach der unsäglichen Revolution von 1979 aus dem Land geflüchtet ist. Deshalb würde ich es begrüssen, wenn das Jüdische Museum Berlin eigene Nachforschungen, unabhängig von Teheran, anstellen würde, um sich zu vergewissern, dass es sich bei den Judaica aus dem Iran nicht um Kunst- und Kultusgegenstände handelt, die vom Regime aus den Haushalten der geflüchteten Juden beschlagnahmt wurden. Denn bei einem Regime, dass Minderjährige am helllichten Tag an Baukränen aufhängt und Frauen auspeitschen lässt, weil diese kein Kopftuch tragen wollen, wäre es nicht weiter überraschend, wenn es mit geraubten Kunst- und Kultusgegenständen hausieren geht. Seine Unverschämtheit und Arroganz gegenüber uns Juden hat der Repräsentant des Regimes, Moujani, ja schon eindrücklich bewiesen, in dem er Israel mit dem IS gleichgesetzt hat.

Weitere Ausrutscher dieser Art sollte das Jüdische Museum Berlin in Zukunft vermeiden, um nicht seinen Ruf als seriöse Institution, die die Essenz des Judentums in Deutschland abbildet, zu riskieren. Jetzt wäre die Zeit gekommen, um dafür zu sorgen dass ein solches Bewusstsein entsteht und dass man sich nicht Antisemiten anbiedert, selbst wenn sie Imperialisten in der Maske von Revolutionären sind. Dieses Bewusstsein hat offenbar, nicht nur in diesem Fall, gefehlt. Damit künftige Ausrutscher solcher Manier verhindert werden können. Denn es gibt schon genug Ungemach für uns Juden weltweit, da brauchen wir nicht noch ein Jüdisches Museum in Deutschland, dass uns nicht korrekt abbildet, sondern Antisemiten, wie BDS und Regimevertreter des Hemkerregimes zu Teheran, wie Moujani zu hofieren, während die Sicherheitslage sich für uns Juden Tag für Tag verschlechtert. Davon zeugt die Tatsache, dass alleine in Deutschland im letzten Jahr, statistisch 19,6 % mehr antisemitische Straftaten begangen wurden als im Jahr 2017 und dass Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der deutschen Regierung, nun so ehrlich ist zu sagen, dass das Tragen der Kippa an gewissen Orten gefährlich werden könnte. Etwas, dass wir Juden, mehrheitlich, seit Jahren wissen und uns dementsprechend verhalten. Auch deshalb würde ich es mir wünschen, wenn das Jüdische Museum Berlin mit einem anderen Bewusstsein agieren würde und damit aufhört solche Ausrutscher zu begehen, die absolut nicht mehr zu entschuldigen sind.

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3 Kommentare zu “Das Jüdische Museum Berlin wieder auf Abwegen

  • #1
    Paul Möllers

    Mein Eindruck nach dem Besuch der Eröffnung von "This Place", der aktuellen Ausstellung: zwiespältig.

    Koudelka z.B. brachte die schiefe "Mauer"-Analogie "I grew up behind a wall!" und steigerte sich noch: "Wo Mauern sind, werden Verbrechen an der Menschheit begangen – und an der Landschaft! Mir ist egal, wodurch sie gerechtfertigt werden!"

    Er beklagte auch noch, "wie schnell Unterdrückte zu Unterdrückern werden". Sollte es Erwähnungen gegeben haben von palästinensischem Terror irgendwo in der Ausstellung, dann habe ich sie wohl übersehen.

    Die Bildunterschriften unter den Bildern von Koudelkas "Wall"-Projekt sind übrigens m.E. tendenziös. Der Vorwurf, dass der mögliche ökologische Schaden durch den Mauerbau nicht thematisiert werde, ist da noch harmlos. Unter dem Foto jedoch, das ein Graffiti der Terroristin Leila Khaled zeigt, ist tatsächlich die Rede von "mural artists..", die Terrorverherrlichung wird beschwiegen.
    Da das Jüdische Museum einen Ruf wiederherzustellen hat nach "Living with Islamophobia"-Konferenz oder Besuch aus Iran, ist es besonders schade, wieder enttäuscht zu werden.

  • #2
    Gerd

    Das kann man aber auch positiv sehen. Wenn die dabei erwischt werden, dass sie Raubkunst ausstellen, könnte das der Tropfen sein, der das Fass zu überlaufen bringt.

  • #3
    thomad weigle

    Das "staatliche" Berlin war und ist kein guter Ort für Juden und ihre Geschichte. Da scheint das Jüdische Museum keine Ausnahme sein zu wollen.

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