
Das Ruhrpott Rodeo in Hünxe gehört zu den größten Punkfestivals Deutschlands und findet auf dem Flugplatz Schwarze Heide statt. Besonders ist vor allem die familiäre und unkomplizierte Atmosphäre: Statt Hochglanz-Festival steht hier der typische Ruhrpott-Charme mit DIY-Gefühl, direkter Art und echter Punkkultur im Mittelpunkt. Vom 24. – 26. Juli zeigen sich in diesem Sommer über 40 Bands auf den beiden Festival-Bühnen.
Jedes Jahr kommen die Besucher aus nah und fern zusammen, um internationale Punk-, Hardcore- und Ska-Bands zu sehen und gemeinsam zu feiern. Viele Fans schätzen das Festival außerdem als festen Treffpunkt der Szene, bei dem Gemeinschaft, Musik und eine offene, antifaschistische Haltung wichtiger sind als die große kommerzielle Inszenierung. Zwischen Wohlfühl-Kulisse, schwarzem Humor und ehrlicher Punkromantik bereitet sich das Ruhrpott Rodeo in Hünxe auf die nächste Ausgabe vor. Während auf dem Gelände noch geplant wird, steht das Motto längst fest: „Was letztes Jahr die Dinosaurier waren, sind dieses Jahr spacige Weltraumschiffe“, erklärt Festivalmacher Alex Schwers. Die neue Dekoration soll das Festivalgelände prägen – groß, sichtbar und mit einer ordentlichen Portion Sci-Fi-Wahnsinn, die perfekt zum eigenwilligen Charakter des Rodeos passt.
Doch hinter der gewohnt lockeren Fassade steckt jede Menge Organisation. Anfang des Jahres musste das Festival seinen Termin um eine Woche verschieben, weil zeitgleich ein Konzert von Die Toten Hosen angesetzt wurde. In sozialen Netzwerken wurde sofort spekuliert, das Rodeo würde vor den Düsseldorfern „einknicken“. Tatsächlich ging es um etwas ganz anderes: Fachkräfte für Sicherheit, Technik und Produktion sind rar in Nordrhein-Westfalen – und zwei Großveranstaltungen in unmittelbarer Nähe hätten sich gegenseitig massiv geschadet. „Wenn an zwei Tagen fast 100.000 Leute nur 30 Kilometer weiter im Stadion stehen, dann merkt man das eben auch bei uns“, erklärt Alex Schwers. Hinter den Kulissen lief die Abstimmung jedoch entspannt und freundschaftlich ab – ohne Konkurrenzdenken oder schlechte Stimmung. „Letztes Jahr zählten Hosen-Bassmann Andy und Drummer Vom zu unseren Besuchern – und ich glaube die hatten eine gute Zeit auf dem Festival“, ergänzt Schwers.

Auch musikalisch bleibt das Rodeo seiner Mischung aus Szenegröße und Überraschung treu. Noch immer wird am Line-up gearbeitet, denn leider haben die Gorilla Biscuits abgesagt. Doch mit Dropkick Murphys, Feine Sahne Fischfilet, Turbonegro, Sondaschule, New Model Army, Hot Water Music, Biohazard, Madball oder Napalm Death ist das Festival bestens besetzt. „Uns fehlen jetzt noch zwei Acts, die werden wir noch im Laufe des Sommers bekannt geben“, sagt Schwers, der auch mit seiner Band Universum 25 am Festival-Sonntag hinter dem Drumkit sitzen wird. Daneben spielt Schwers in nächster Zeit mit Slime auf dem Rock Hard Festival in Gelsenkirchen (23. Mai) und mit Verstörte Becker im Juni im Kölner Club Sonic Ballroom (12. Juni).
Desweiteren hat Alex Schwers mit The Limit noch eine weitere Allstar-Band zusammen. Angeführt von Sonny Vincent (Testors) und Frontmann Bobby Liebling (Pentagram) sind The Limit eine Band, die vor jener kinetischen Energie nur so strotzt, die nur von lebenslangen Rockern kommen kann. Vincents Songwriting trägt die DNA der gefährlichsten Ecken des Rock in sich, während Liebling eine Performance abliefert, die von Charakter und Überzeugung durchdrungen ist. Neben Schwers komplettieren die Gitarristen Hugo Conim und Dee Dammers, sowie Alex Farrar am Bass, die Band. „Ich freue mich darauf, dass wir unsere erste Deutschland-Show am 1. August auf dem Wacken Festival spielen können.“

Doch eine Woche vor der Wacken-Show steht für den vielbeschäftigten Drummer erst das Ruhrpott Rodeo auf dem Programm. Für viele ist diese Sause mehr als nur ein Festival. Es ist Treffpunkt, Klassentreffen und Freiraum zugleich. Dieses Jahr mit mehr Schattenplätzen, zusätzlichen Trinkwasserstellen, überarbeiteter Logistik und einer neuen Weltraumkulisse. Das Riesenrad verschwindet zwar, dafür soll das Gelände noch mehr Atmosphäre bekommen. Und genau das macht die besondere Stärke des Festivals aus: Das Ruhrpott Rodeo bewahrt seinen rauen Punk und DIY-Geist, ohne sich jemals auf ihm auszuruhen.