7

Das schwere Erbe des Joachim Löw

Ex-Bundestrainer Joachim Löw im Einsatz. Quelle: Wikipedia, Foto: Danilo Borges/copa2014.gov.br, Lizenz: CC BY 3.0

Die Erwartungen im Vorfeld waren riesig. Die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Herren sollte, nach den zuletzt bitter enttäuschenden Jahren unter Trainer Joachim ‘Jogi’ Löw, durch einen in den Augen vieler längst überfälligen Trainerwechsel einen neuen Impuls erhalten. Die Erwartungen an Löws Nachfolger Hansi Flick waren vor dem Länderspiel am Donnerstag gegen Liechtenstein entsprechend.

Am Morgen danach könnte die Ernüchterung quer durch die Republik jedoch größer kaum sein. Zu Unrecht!

Nein, das war (noch) nichts. Lediglich mit 2:0 bezwang die DFB-Auswahl den Fußballzwerg Liechtenstein am 4. Spieltag der WM-Qualifikation. Nicht nur das Ergebnis war dabei eine große Enttäuschung, nachdem im Vorfeld viele Beobachter noch mit einem zweistelligen Sieg gerechnet hatten, auch die Art und Weise war über weite Phasen der Begegnung erschreckend. Viel Langeweile, sehr wenig frischer Wind auf dem Platz und im Umfeld des Teams, so lässt sich der Kick vom Donnerstag in wenigen Worten rasch zusammenfassen.

Wie konnte das passieren, nachdem mit Neu-Trainer Flick in diesem Frühjahr doch endlich der von vielen geforderte Trainerwechsel durchgeführt, mit dem Ex-Bayern-Coach zudem die vermeintliche Ideallösung gefunden und realisiert werden konnte?

Nun, um auch das kurz mit einer Phase auf den Punkt zu bringen: Flick ist halt auch nur ein normaler Trainer und kein Zauberer. Was Löw in den vergangenen Jahren immer mehr vernachlässigte, das kann halt auch ein Trainerwechsel nicht binnen weniger Trainingseinheiten reparieren.

Wirkte die deutsche Auswahl schon beim WM-Turnieren 2018 und zuletzt bei der EM 2021 uninspiriert und wenig überzeugend auf- und eingestellt, war dies auch bei der Flick-Premiere nicht anders.

Ein paar Tage des Einspielens und, sofern nötig, Kennenlernens in Stuttgart reichten nicht, um eine jahrelange Fehlentwicklung auszugleichen. Zumal dieser überfällige Schnitt beim DFB ja auch nur wieder halbherzig ausfiel, viele für die Mannschaft verantwortlichen Köpfe, darunter streng genommen auch Flick, der jahrelang als Löws Assistent diente, nicht wirklich neu im ‚inneren Zirkel‘ sind.

Woher hätte der große Wandel bzw. der frische Wind also kommen sollen? Alleine von der Tatsache, dass Löw jetzt nicht mehr da ist? Nun, offenkundig war das so noch deutlich zu wenig Aufbruchsstimmung.

Klar ist, es wird ein längerer Weg werden, den die Auswahl gehen muss, um auch den Fans wieder mehr Freude und Unterhaltung zu vermitteln. Dementsprechend wäre es jetzt auch unfair allzu rasch schon wieder an Flicks Truppe ernsthaft herumzumäkeln. Ein paar Monate sollte man dem neuen Cheftrainer des DFB schon zugestehen, um seine Vorstellungen gemeinsam mit den von ihm nominierten Spielern umzusetzen. Erst dann muss er sich einer kritischen Bewertung stellen.

Mit einem allzu großen Spaßfaktor sollte man vor diesem Hintergrund besser aber auch in den anderen beiden Länderspielen gegen die relativen Fußballzwerge Armenien und Island, die in den kommenden Tagen der Bundesligapause noch anstehen, nicht rechnen. So ehrlich muss man sein!

 

RuhrBarone-Logo

7 Kommentare zu “Das schwere Erbe des Joachim Löw

  • #1
    Walter Stach

    Robin,
    dass Du Besseres erhofft hattest, verstehe ich. Nicht verstehen kann ich, wenn Du Besseres erwartest hast.

    Ich habe mir bewußt das Spiel nicht angesehen.
    Die zu erwartende (!!) "Gurkerei" gegen Lichtenstein wollte ich mir nicht antun.

    Und nun?
    Ich erkenne kelnerlei Anzeichen, die darauf hindeuten könnten, , daß die DFB-Auswahl in absehbarer Zeit wieder zu den Spitzenteams in Eurpa (in der Welt?) zählen wird -auch nicht mit Flick!

  • #2
    Helmut Junge

    Ich habe das ganze Spiel gesehen.. Es war so , als würde Löw dort stehen. Mehr ist halt nicht drin.
    Dieser Fußball ist der Blick in unsere Seele. Unser Spiegelbild. Das sind wir.

  • #3
  • #4
    Walter Stach

    Helmut Junge,
    -2-
    "mehr ist halt nicht drin"; ja, so sieht es aus.
    Das führt bei mir jedoch – seit Längerem, so auch nach dem Lichtenstein-Spiel- zu keinerlei Gemütswallungen. Das war ‘mal anders. Das ist auch weiterhin noch anders, wenn es um "meinen" BVB geht.

    Dir und Robin ein schönes, sonniges (!!) Wochenende -mit oder ohne DFB-Auswahl?

  • #5
  • #6
    Helmut Junge

    Wie stark muß das Interesse an Fußball eigentlich gesunken sein, wenn ich jetzt die Uefa-Spiele ungefragt plötzlich kostenlos bei einem Versandhandel als Zusatz zu einem bestehenden Vertrag kriege?

  • #7
    thomas weigle

    Jetzt hört mal auf zu moppern-6:0 gegen den bisherigen Tabellenführer. Das ist doch was. Hat das übrigens wer gesehen? War es wirklich so gut,wie zu lesen war? Es soll sogar gelaolart worden sein im Stadion. Nun ja,Schwaben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.