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Demokratischer Feudalismus : Wie die Welt von heute funktioniert

Darstellung der mittelalterlichen drei Ständeordnung Lizenz: Gemeinfrei


Die Macht von Gottes Gnaden ist in den heutigen westlichen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften begrenzt. Die Macht durch ererbte Vermögen hat dagegen ungeahnte Ausmaße erreicht. Einzelne Familien und ihre in der Regel männlichen Oberhäupter verfügen über mehr Macht und Geld als die früheren Königshäuser, obwohl wir in einer Demokratie leben. Einzelne Menschen können per Medieneinfluss und -besitz die Meinung von Millionen in ihrem Sinne beeinflussen, ohne die Demokratie selbst abschaffen zu müssen.

Diese Kombination aus ungehinderter Machtausübung und Demokratie nenne ich des Weiteren Demokratischen Feudalismus. Im Kern hat dabei der Feudalismus, jenseits dessen, dass er in großen Teilen der Welt nie abgeschafft wurde, auch im Westen nie gänzlich aufgehört. Schon allein durch die Weitergabe feudaler Vermögen, die im aufkommenden Kapitalismus ein großer Startvorteil waren.

In den letzten 30 Jahren sind aber die feudalen Elemente in den westlichen Gesellschaften erneut gewachsen. Ich nenne das Refeudalisierung und die hängt unmittelbar mit der erneuten Globalisierungswelle nach dem 2ten Weltkrieg zusammen. Nicht, dass ich missverstanden werde. Ich bin grundsätzliche für die Globalisierung und für den sie antreibenden Kapitalismus.

Beide zusammen haben erst die Produktivität geschaffen, die uns erlaubt, auch massenhaft die Menschen zu ernähren, zu kleiden und mit einer Behausung zu versorgen, die selbst nicht arbeiten können oder deren Produktivität dazu nicht ausreicht. Umverteilen kann nur der, der was zum umverteilen hat. Gerade der Sozialstaat verlangt eine dynamische Volkswirtschaft und globalen Handel.

Geld, Macht, Manipulation und Gewalt

Wer jedoch der damit einhergehenden Refeudalisierung keine Grenzen setzt, der gefährdet sowohl die Demokratie als auch die freie Art des Lebens und des Wirtschaftens die unsere politischen Vorfahren gegen den alten Feudalismus erkämpft haben. Menschen mit unbegrenzter Macht sind nämlich in der Regel nicht an der Freiheit der anderen interessiert, sondern an ihrer Manipulation für ihre eigenen Vermögens- und Machtinteressen.

Dass sie dabei im Ernstfall nicht auf Gewalt verzichten, kann man überall auf der Welt studieren. Die neuen westlichen Feudalherren und -frauen ziehen dabei jedoch, wenn es geht, die gewaltfreie Einflussnahme vor und sie haben – wie bei der Vermehrung ihres Reichtums – dafür ein Heer von hoch bezahlten Experten angeheuert. Spezialisten die es auch schon im alten Feudalismus gab, die aber heute über ein vielfaches, viel sublimeres und deswegen auch wesentlich wirksames Mittelarsenal verfügen.

Da wo Gewalt legal ist, wie in vielen diktatorischen und autokratischen Ländern, greifen dieselben Leute aber immer noch ohne mit der Wimper zu zucken zur massiven Erpressung und wenn es sein muss zu bezahlten Todesschwadronen, um die Interessen ihrer Herren durchzusetzen. Das bei dieser Art von Beeinflussung natürlich auch das Leben der neuen Feudalfürsten selbst gefährdet sein kann, ist auch das Aufstellen einer eigenen Schutztruppe mit entsprechendem Waffenarsenal nicht unüblich.

Totale Sicherheit, totaler Luxus und totale Macht gehören zusammen

Dass dabei die eigenen Häuser zu Burgen werden, die die Annehmlichkeiten von Luxusschlössern mit der Sicherung durch Hightech-Abwehr verbinden, ist dabei kein zufälliges Nebenprodukt sondern der Job von weltweit darauf spezialisierten Architekten, Bauingenieuren und Bewachungstechnikern. Dass die neuen Feudalisten, wenn sie nicht absolut anonym unterwegs sind, von mehreren vollbesetzten Schwarz-Scheiben-Limousinen begleiten lassen ist Teil desselben Systems.

Die beste Sicherung ist allerdings das private Flugzeug, das auf privaten Flughäfen landet oder startet in Kombination mit einer Hochseejacht, auf der zumindest ein Helikopter sein Platz hat. Sie erlaubt außerhalb der nationalen Meereszonen monatelange Autonomie und Unangreifbarkeit ohne jeden Verzicht auf den gewohnten Luxus, sofern die Yacht groß und sicher genug ist und man nicht von bewaffneten Schiffen und Flugzeugen verfolgt wird.

Dafür, dass letzteres die absolute Ausnahme bleibt, sorgt ein Heer hoch spezialisierter Rechtsanwälte und internationaler Rechtsberater, die auch das noch legal machen, was nach gängigen Vorstellungen von Durchschnittsexperten eigentlich illegal ist. Da, wo das nicht hilft, hilft die sogenannte politische Landschaftspflege durch Wahlkampfspenden in Kombination mit massiver Lobbyarbeit. Denn am besten sind die Gesetze die man selber geschrieben hat.

Neofeudale Wissenschaft und Gerichtsbarkeit

Um Wissenschaftler zu beeinflussen gründet man dagegen wissenschaftliche Stiftungen und/oder Universitäten oder man fördert sie so, dass sie zu den Erkenntnissen kommen, denen zwar von anderen Wissenschaftlern widersprochen wird, die aber, das sie selbst von solchen stammen, trotzdem als wissenschaftlich gelten. Dazu noch eine Prise monetären Einfluss auf Wissenschaftsjournale und -journalisten und einen Wissenschaftspreis und fertig ist die Wissenschaft a la carte. Wer braucht da noch ein Inquisitionsgericht.

Da es aber immer noch unabhängige Gerichte in verschiedenen Ländern dieser Erde gibt, weil dort immer noch freie Wahlen und Gewaltenteilung stattfinden, wurde für viele internationale Handelsverträge eine Gerichtsbarkeit erfunden, auf die die Bevölkerung der entsprechenden Länder keinen Einfluss hat. Wo die neuen Feudalherren dieser Welt über sich selbst entscheiden, während der Rest sich diesen Entscheidungen zu fügen hat.

Als dann dagegen weltweit demokratische Bevölkerungsproteste erfolgten, zeigte der demokratische Feudalismus dann doch noch das einzige, was ihn vom hergebrachten unterscheidet. In den demokratischen Protestländern marschierte kein Heer ein, geschweige denn wurden die Protestler verhaftet. Nein, sie leben, im Gegensatz zu vielen, die in nicht demokratischen Ländern protestierten, alle heute noch.

Neofeudale Leibeigenschaft  als weltweites Ausbeutungssystem

Dafür hat aber eine neue Form der Leibeigenschaft in Form der modernen Sklavenarbeit massiv zugenommen: die weltweite Ausbeutung Wehrloser. Menschen also, die z.B. als illegal betrachtet werden, oder keine Organisation haben, die sie schützt, oder keine Eltern die sie ernähren können, kein Schulsystem und keine Ausbildung kennen, oder die einfach zu schwach sind um sich zu verteidigen. Menschen, die denen unausweichlich ausgeliefert sind, denen  Menschenrechte und -würde egal sind.

Sie sind zwar immer schon eine wichtige Quelle des in dieser Welt versammelten Reichtums gewesen.  Heute hat dies jedoch ein Ausmaß angenommen, dass die Ausbeutung der Leibeigenen im alten Feudalismus bei weitem in den Schatten stellt, ja deren Behandlung noch als geradezu menschenfreundlich erscheinen lässt. Und das liegt eben nicht nur an bewusstlosen Konsumenten, sondern am System der Ausbeutung selbst.

Sie sucht sich genau die Länder und Regionen in denen es besonders viele Wehrlose gibt, und sie kann das auf Grund des heutigen Transport- und Handelssystems auch viel besser als im alten Feudalismus. Der Niedrigstlohn ersetzt dabei die alte Peitsche geradezu perfekt, denn er ist für die Betroffenen nicht nur schmerzfreier sondern vor allem viel besser als das Verhungern. Der Ausbeuter selbst kann sich dabei auch noch als sogenannter Investor auf die Schulter klopfen, und die Politik huldigt ihm dabei sogar ohne Korruptionszahlungen.

Aber viel lieber noch mit. Und nicht nur das. Die politischen Eliten dieser Länder machen auch gerne selbst bei der Ausbeutung mit. Sie sind die neuen Vasallen der neuen Feudalherren und sie lassen sich ebenso fürstlich dafür belohnen, dass sie ihre eigene Bevölkerung massenhaft zur „bezahlten“ Sklavenarbeit bereitstellen. Ja sie werden von diesen, sofern es sich um Demokratien handelt, sogar noch gewählt, weil sie für „Arbeitsplätze“ sorgen.

Neofeudale Ökonomie und totale Deregulierung gehören zusammen

Alle zusammen werden von einer Gruppe von Weltökonomen gefeiert, die zwar gegen Korruption und für Demokratie sind, aber kein Problem haben, wenn die Löhne der Menschen gegen Null gehen, weil es keine Gewerkschaften und zu viele Arme gibt, die zu jeder Bedingung arbeiten müssen. Ganz im Gegenteil, halten sie das für die beste Regelung, weil so der wirkliche „Marktpreis“ der Arbeit gezahlt wird.

Als wenn es in diesen Ländern auch nur irgendeine Bedingungen gäbe, die irgendetwas mit einem freien Markt zu tun hat. Einem Markt der übrigens nur in der Theorie ohne Schiedsrichter funktioniert. In dem sich in der Realität ohne eine regulierenden Staat nach kürzester Zeit der Stärkere durchsetzt, weil er die Regeln des Marktes nach seine Interessen verändert. In dem der sogenannte freie Markt zur massenhaften Unfreiheit führt.

Die neuen Feudalherren machen das im Ernstfall mit links, weil ihre Vermögen das Bruttosozialprodukt der meisten armen Länder um ein vielfaches übersteigen. Weil ihre internationalen Rechtsanwälte den ärmeren Staatlenkern sehr schnell beibringen, wie begrenzt ihre juristischen Möglichkeiten sind. Und natürlich vermittels der Korruption, die sie in diesen Ländern massive betreiben.

So werden auch diese Ökonomen zum Teil des demokratischen Feudalismus. Sie liefern die Ideologie für ein Ausbeutungssystem das sich als Weltenrettung verkauft, aber in Wirklichkeit zu nichts anderem geworden ist, als zu einer unendlichen Bereicherungsmaschine für wenige. Das weder mit einer freien, geschweige denn mit einer sozialen Marktwirtschaft noch mit echter Demokratie zu tun hat. Der demokratische Feudalismus ist vielmehr das genaue Gegenteil, und je mehr er sich durchsetzt, desto gefährlicher wird er auch für die mehr oder weniger aufgeklärten westlichen Gesellschaften.

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19 Kommentare zu “Demokratischer Feudalismus : Wie die Welt von heute funktioniert

  • #1
    Werntreu Golmeran

    Herr Voss,

    das klingt ja fast nach einer Verschwörung internationaler Rechtsanwaltskanzleien =;-)

  • #2
    Arnold Voss Beitragsautor

    Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, Herr Golmeran. Macht braucht keine Verschwörung um sich durchzusetzen. Die Eroberung der Macht ist dagegen ein Kampf, der in der Regel mit allen Mitteln geführt wird. Die Beschränkung der Manipulationsmacht von Einzelnen wie von Gruppen ist deswegen die vorderste Aufgabe jeder Demokratie.

  • #3
    Werntreu Golmeran

    Es ist grundsätzlich richtig, dass man nicht "conditio sine qua non" eine Verschwörung benötigt, um sich durchzusetzen. In vielen Bereichen ist es aber sehr hilfreich, wenn es ein geheimgehaltenes gemeinsames Vorgehen gibt. Schauen Sie sich die Cum-Cum- und Cum-Ex-Geschäfte an, die Offshore-Aktivitäten, die Diesel-Affären. Ich bin mir sicher, dass es auch abgestimmte Kursmanipulationen, gerade auch im Hinblick auf Währungskurse gibt. Das sind aus meiner Sicht Verschwörungen. Und wenn man darüber spricht, ist man von mir aus auch Verschwörungstheoretiker. Aber das heisst dann nicht, dass man spinnt.

    Wie anders als eine Verschwörung würden Sie die Aktivitäten diverser Banken beim Libor-Skandal oder anderen Manipulationen nennen?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Libor-Skandal

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/verdacht-auf-marktmanipulationen-bafin-ermittlungen-betreffen-bis-zu-150-deutsche-bank-mitarbeiter-12753678.html

  • #4
    Arnold Voss Beitragsautor

    Geheime Absprachen zum eigenen Vorteil sind keine Verschwörungen sondern ein illegitimer, manchmal sogar illegaler Weg, zur Durchsetzung eigener Interessen. Das gleiche gilt für die Aushebelung des Marktmechanismus oder der Demokratie, in dem die Spielregeln des freien Wettbewerbs und/oder der freien Meinungsäußerung unterlaufen, bzw. nach eigenen Interessen verändert werden. Je mächtiger Jemand ist, desto eher ist der dazu in der Lage. Macht und Manipulation müssen deswegen nicht Geschwister sein, sind es aber häufig.

  • #5
    ke

    Mir fehlen hier Konkretisierungen. Viele der reichsten Menschen haben ihre Vermögen selber geschaffen, oft in kurzer Zeit. Fast alle privaten Vermögen wurden von Personen geschaffen, die im richtigen Moment einen Trend erkannt hatten. Oft hatten sie natürlich gute Voraussetzungen, was die Bildung bzw. familiäre Grundabsicherung betrifft.

    Final müssen wir unseren Staat so schaffen, dass er sinnvolle Regeln aufstellt und diese mit unserer Hilfe auch durchsetzt.

    Dass Spezialisten in nachgefragten Berufen mehr verdienen, wird auch kaum zu verhindern sein. Es wäre auch nicht sinnvoll.

    Aktuell haben wir den Vorteil, dass bspw. das Internet ein Medien ist, um Meinungen auch jenseits der Oligopole schnell zu verbreiten.

    Dass Menschen andere unterdrücken kam vor und kommt vor. Hier muss man sich im Extremfall selber helfen bzw. in Gruppen leben. Dies ist aber auch Standard. Früher haben sich Familien, Dörfer etc. als Gemeinschaften gewehrt, wenn sie bedroht wurden bzw. etwas erreichen wollten. Das ist auch heute noch so.

    Jenseits von Utopia fehlen mir die konkreten Lösungsmöglichkeiten. Die Verbreitung der christlichen Botschaft ist so ein Grundgesetz. Aber auch sie wurde schon missbraucht bzw. als Gruppenbildungsinstrument benutzt.

  • #6
    Thorsten Stumm

    @Arnold Voss
    Verschwörungstheorien lösen sich fast alle auf wenn man anfängt Inkompetenz, Dummheit und Egoismus als Erklärung zuzulassen….

  • #7
    Werntreu Golmeran

    Da der Terminus aus dem Amerikanischen kommt (conspiracy) erfüllen die von mir genannten Beispiele den Tatbestand einer conspiracy:

    https://en.m.wikipedia.org/wiki/Conspiracy_(criminal)

  • #8
    Arnold Voss

    @ Ke

    Die meisten Menschen haben ihr Vermögen nicht selbst geschaffen, zumindest nicht komplett. Sie sind in ein Vermögen durch Erbschaft eingestiegen. Aber darum geht es mir nicht. Es geht um Macht die aus Vermögen entsteht und was das für Folgen für eine dmokratische Gesellschaft hat, und das ganz unabhängig davon, welche speziellen Eigenschaften und Vorlieben vermögende Menschen haben. Es geht um die Logig des immer größer werdenen privaten Reichtums bei gleichzeitiger Verringerung des öffentlichen Vermögens.

    Es geht genauer gesagt um den nahtlosen Übergang vom Reichtum zur Oligarchie und zu mafiösen Strukturen, die aus sich selbst heraus kein Interesse an einer freien Marktwirtschaft und an einer gefestigter Demokratie (mehr) haben sondern sie im Gegenteil torpedieren und unterminieren. Die sich sogar des Staatsapparates systemstisch bemächtigen, wenn es möglich ist, bzw. ihn regelrecht finanziell ausbeuten. Die Gesellschaften so beeinflussen, dass sich nur die Interessen der Vermögenden durchsetzen.

    Es geht um den Punkt in dem die Dynamik des privaten Eigentums jede soziale und gemeinschaftsorientierte Produktivität des unternehnmerischen Handelns verliert und in reine Bereicherung umschlägt, die vor keiner Manipulation zurückschreckt, um das Vermögen zu vemehren. Die sich notfalls auch ins Kriminelle wendet um die daraus entstehende private Macht zu sichern. Die von der kapitalistischen in die feudale Struktur um- bzw. zurückschlägt, weil sie keine Macht außerhalb sich selbst und den eigenen Clan mehr akzeptiert und auch entsprechen agiert.

    Teile der superreichen Republikaner sind da auf dem gleichen Weg wie Putin und seine Oligarchen oder die neuen eng mit der kommunistischen Partei verbundenen Multimilliadäre in China. Die wenigsten Supervermögenden sind als Mäzene unterwegs. Ein gehöriger Teil ist auch heute wieder bereit, selbst faschistische Regime zu stützen um die eigenen Reichtum zu sichern und zu mehren. Der zahlenmäßg größte Teil ist jedoch in jeder Weise unproduktiv während er gewaltige und leistungslose Einkommen aus Kapitalbesitz kassiert.

  • #9
    Michael

    Selten einen so sozialdemokratischen Mist gelesen.

    "… soziale und gemeinschaftsorientierte Produktivität des unternehnmerischen Handelns …"

    Gibt es im Kapitalismus einfach nicht. Unternehmen beruhen auf Ausbeutung. Soziales Gedöns leistet sich der Kapitalist nur als Camouflage & Werbestrategie.

    Wenn Sie die Missstände des Kapitalismus abschaffen wollen, dann müssen Sie den Kapitalismus abschaffen. Alles andere ist sozialdemokratisches herumdoktern an den Symptomen. Mit der Folge, dass die Krankheit nicht auskuriert wird.

  • #10
    Thomas Weigle

    #9 Im Augenblick sieht es aber nach einem glatten Dreisatzsieg des Kapitalismus aus, wo doch selbst die Marxisten-Leninisten in der chinesischen Volksrepublik mehr an Börsennotierungen interessiert sind als an der, wie hieß das früher so schön, " schöpferischen Weiterentwicklung der revolutionären Ideen von Marx-Engels-Lenin-Stalin."

  • #11
    paule t.

    #5 ke
    "Viele der reichsten Menschen haben ihre Vermögen selber geschaffen, oft in kurzer Zeit."

    Der ist nicht schlecht. Ein Klassiker, aber immer wieder lustig.

  • #12
    ke

    https://de.wikipedia.org/wiki/The_World%E2%80%99s_Billionaires

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jeff_Bezos
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Gates
    https://de.wikipedia.org/wiki/Warren_Buffett

  • #13
    ke

    Ja, der Reichtum aus Kapitalbesitz.
    In den letzten 12 Monaten ist der Dax um >>10 Prozent gefallen.
    Wie geht man mit den vielen Verlierern bei den Investitionen um?

    Sollen wir ohne externe Investitionen auskommen, d.h. ohne Menschen, die ein Risiko eingehen? Das sind ja alles böse Kapitalisten.
    Sollen wir alle nur noch in Windanlagen etc. investieren, die lange Zeit so hoch subventioniert und abgesichert waren, dass sie fast gar nicht zu Verlusten führen können? Ist das dann der gute grüne Kapitalismus auf Kosten der sozial schwachen Menschen?

    Soll nur noch der Staat investieren? Wir können dann ja den Steinkohlebergbau weiter aufbauen und 5h Tage fordern.

  • #14
    Arnold Voss

    Ke,
    die langfristige Tendenz am Aktienmarkt ist steigend und nicht fallend. Von kurz- bis mittelfristigen Einbrüchen wird ebenfalls profitiert, weil das Kaufen sich nur in der Baisse lohnt. Das Geld, das am Aktienmarkt von einzelnen verloren wird, verschwindet nicht. Es landet nur bei anderen. Die großen Vermögen sind deswegen relativ resistent gegen Kurseinbrüche. Die meisten Verluste sind auf eigene Fehlentscheidungen zurückzuführen. Das Risiko tragen vor allem die Kleinleger.

    Ansonsten halte ich das unternehmerische Risiko für einen wichtigen Teil des Kapitalismus und schätze die Menschen die es eingehen. Das ist allerdings mit hohen Reserven wesentlich einfach als mit niedrigen. Deswegen sind auch hier große Vermögen bevorteilt. Das diese Vermögen bei großen gesellschaftlichen Umbruch- und Innovationsperioden von Pionieren schneller verdient werden können ist normal. Erst recht wenn diese im globalen Maßstab passieren und die Gewinne weltweit realisiert werden können.

  • #15
    Ke

    #14 A Voss
    Kaufen in der Baisse klingt gut. Nur wann ist sie?
    Aktienfonds schlagen selten den Index. Warum soll also das Spekulieren bei Reichen sicherer sein? Das funktioniert nur, wenn Insiderwissen genutzt wird bzw wenn durch kurzfristigs (Sekunden) Handeln Vorteile genutzt würden.

    Sonst würden doch alle Spekulanten reich sein, und die Banken in D nicht solche Probleme haben. Die Ursachen liegen u.a. im Investmentbanking.

  • #16
    walter stach

    Oligarchien……

    Arnold,

    da ich im wesentlichen Deine Analyse "dessen was ist " und Deine Schlußfolgerungen daraus teile,äußere ich mich dazu nicht weiter und erst recht nicht zudem, was dazu hier ergänzend beigetragen wurde bzw. dazu beigetragen versucht wurde.

    Arnold,
    ich hätte es allerdings bevorzugt, wenn Du anstelle der Begrifflichkeit (Neu-/Neo) Feudalismus von Oligarchien (von oligarchischen Herrschaftsformen) geprochen hättest.
    Warum?
    Zum einen deshalb, weil mit dieser Begrifflichkeit seit den Anfängen der antiken/griechischen Verfassungslehre das beschrieben, das bezeichnet wird, was die von Dir mit (Neu-) Feudalismus erfaßte/umfaßte Herrschafrtsform ausmacht.

    Zum anderem deshalb, weil mit der Begrifflichkeit der Oligarchie neuerdings auch in der politischen Wissenschaft vermehrt gearbeitet wird, wenn es um die von Dir beschriebene "de facto" Herrschaftsform geht, die elementar dem widerspricht was die Demokratie ausmacht:, nämlich "Herrschaft Aller zum Wohle Aller". Dazu verweise ich beispielsweise auf eine bereits 2o15 erschiene Studie der Princeton Universität die zu dem Ergebnis kommt: "Die USA sind keine Demokratie, weil politische Entscheidungen nicht mehr den Wünschen der Bürger, sondern den Interessen einiger Weniger dienen".

    Dazu nur die folgenden Gedanken/Fragen meinerseits:

    1.
    Warum stellt "man" sich in Deutschland, in Europa -in der politischen Wissenschaft ,in den politischen Medien- nicht ebenfalls die Frage, ob der stets behauptete Zustand einer demokratischen Herrschaftsform nicht mittlerweile unzutreffend und der eine Oligarchie der zutreffendere sein könnte ?
    Arnold,
    mit Deinem Kommentar trägst Du jedenfalls dazu bei, daß darüber (m kleinen) nachgedacht und es möglicherweise darüber zu einem Diskurs kommt, der als solcher über die politische Wissenschaft hinaus mehr und mehr ein öffentliches Interesse findet.

    2.
    Nachdenkenswert und erinnerungswürdig erscheint mir zudem, was antike Philosophen/Staatsrechtslehrer über Oligarchien gesagt haben, weil es zeigt, daß das Neue gar nicht "so neu ist".
    Platon
    -z.B:
    " Eine Oligarchie ist die Herrschaft der Reichen, die nur ihren Interessen dient."
    Polybius
    -z.B.:
    "Oligarchie ist die Herrschaft Weniger ausschließlich zu ihrem eigenen Vorteil".

    (Letzterer hat die Oligarchie als Entartung der Aristokratie verstanden, die von ihm als die Herrschaft "der Besten zum Wohle Aller" verstanden wurde.)

    PS
    Da ich u.a. den antiken Philosophen/Staatsrechtslerher Polybius bemüht habe, komme ich neuerdings -mit zunehmender Tendenz- dazu, dessen Auffassung zu bedenken, wonach jede Demokratie -zwangsläufig- in eine Ochlokratie ausartet. Ochlokratie definiert als "Herrschaft des Pöbels".
    Was mich wiederum darüber nachdenken läßt, ob eine angenommene Oligarchie die Frage nach einer zugleich bestehenden Ochlokratie ausschließt oder ob dieserhalb "Zusammenhängendes" bzw, sich "Ergänzendes" ausmachen läßt, einschließlich der Frage "nach dem größeren Übel" -Oligarchie oder Ochlokratie-? Ich meine, das zu fragen könnte jeden umtreiben, für den die Demokratie als Herrschaft des Volkes durch das Volk und für das Volk nach wie vor als die Beste ( oder dal die am wenigsten Schlechte) unter allen denkbaren Staats -/ Herrschaftsformen gilt -nicht im Sinne einer willkürlichen, totalitären Herrschaft, sondern eingehegt durch die Prinzipien eines Rechtstaates (Menschenrechte, Gewaltenteilung, unabhängige Richter und Gerichte pp.).
    Also
    Arnold,
    dankenswert, daß Du mit Deinem Kommentar etwas thematisiert, etwas problematisiert hast, was es wert ist, bedacht und diskutiert zu werden.
    Ich werde mich allerdings jetzt und hier über diese meine an Dich gerichtete Wortmeldung hinaus r zur Sache jetzt und hier nicht weiter einbringen.

  • #17
    Ke

    Viele Statistiken und gut nachvollziehbare Einschätzungen:

    SWar2 Aula:Warum Eliten für Ungerechtigkeit sorgen

    https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/eliten-ungerechtigkeit/-/id=660374/did=22553862/nid=660374/1kkhi3a/index.html

  • #18
    Helmut Junge

    Was wäre denn der Unterschied zwischen einem "demokratischen Feudalismus" und einer "Oligarchie"?
    Wenn ich die Frage nach der Form der Machtausübung stelle, scheint sie, die Macht, in den mir bekannten Oligarchien, mehr oder weniger direkt ausgeübt worden zu sein, bzw. wird sie direkt ausgeübt. Der Vorgang ist leicht zu durchschauen.
    Arnold beschreibt aber andere Mechanismen. Er beschreibt kompliziertere Vorgänge, wie z.B. die Fördermittelvergabe, die indirekt als Machtausübung gelten kann. Die Gruppe die dieses Spielchen im Sinne von Arnolds Gedankengänge betreibt, muß nicht sichtbar sein. Sie muß aber Einfluß auf die in demokratischen Wahlen gewählten Politiker nehmen können. Für den normalen Bürger ist eine solche Gruppe, die hinter den Kulissen Einfluß nimmt, nicht so direkt zu erkennen, wie ein Oligarch, der direkt in erscheinung tritt, und durchsetzt, was er durchsetzen möchte.
    Die Art der Machtausübung ist indirekter.
    Arnolds Gedanke unterscheidet sich vom oligarchischem Konzept dadurch, daß es Wahlen gibt, aber die Machtausübung durch die Feudalherren indirekt über die gewählten Vertreter des Volkes abläuft.
    Daß Deutschland eine Oligarchie und damit keine Demokratie ist, hat übrigens bereits Oskar Lafontaine gesagt und begründet

  • #19
    Arnold Voss Beitragsautor

    Helmut, du hast recht, Oligarchie und demokatischer Feudalismus ist für mich nicht das gleiche. Der demokratische Feudalismus ist die Voraussetzung der Oligarchie, bzw. bedarf es zuerst feudaldemokatischer Strukturen um eine offen sichtbare Oligarchie zu errichten, bzw. im großen Ganzen ungestört walten zu lassen. Erst wenn die Demokratie als Demokratie noch funktioniert (freie Wahlen, Gewaltenteilung usw) und trotzdem die Mächtigen die demokratischen Prozesse so beeinflussen können, dass im wesentlichen ihre Interessen gewahrt bleiben, ist es überhaupt erst möglich den nächsten Schritt in die offene Oligarchie zu gehen.

    Die geht dann auch, wenn einer ihrer Interessenvetreter die Wahlen gewinnt, wenn sie es für nötig hält, auch gegen die Demokratie selbst vor, wie es jetzt sehr wahrscheinlich in Brasilien geschehen wird. In Russland hat es die Oligarchie zu offenen Macht gebracht, ohne die Wahlen selbst abzuschaffen, weil sie in Putin einen Interessenvetreter gefunden hat, der auch politisch geschickt die Demokratie nur da einzuschränkt, wo der Oligarchie unmittelbare Gefahr droht. (Einzelne Oppsitionelle ausschalten, auf Zeit ins Gefängnis bringen, im Ernstfall auch umbringen lassen, ohne dafür selbst die Verantwortung zu übernehmen).

    Der demokratische Feudalismus kann aber auch gut ohne eine offene Oligarchie existieren, reicht doch heute der permanente und direkte Einfluss auf die sozialen und öffentlichen Medien aus, um einen Teil der Wähler selbst so zu beeinflussen, dass sie gegen ihre eigenen Interessen stimmen, wie man in der heutigen USA unter Trump gut studieren kann. Kommt eine unbegrenzten und zugleich völlig intransparente Wahlkampfspendenpraxis dazu, die mit konsequentem und hoch bezahltem Lobbyismus gekoppelt ist, kann die Demokratie selbst fast völlig unangetastet bleiben.

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