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Der neue Populismus von unten

Sonnenaufgang in der Dortmunder Nordstadt
Sonnenaufgang in der Dortmunder Nordstadt

Sonnenaufgang in der Dortmunder Nordstadt


Nein, Leute, es wird keinen US-Präsidenten namens Donald Trump geben. Auch keine deutsche Bundeskanzlerin namens Frauke Petri und keine französische Staatspräsidentin namens Marie Le Pen. Populisten sind dazu da, den Teil der Bevölkerung demokratisch widerzuspiegeln, den es ohne sie und ohne die Demokratie nicht in den Parlamenten gäbe. Die, die sie nicht aus Überzeugung, sondern aus Protest wählen, und das ist die Mehrheit ihrer Wähler und Wählerinnen, wollen sie im Parlament, aber nicht an der Regierung, denn:

Globalisierung löst nicht nur Probleme, sie schafft auch welche.

Die Masse der Wähler ist nicht so blöd, wie es sich die Medien- und Politelite, und die, die sich dafür halten, vorstellt oder – als indirektes Eigenlob – sogar wünscht. Dafür ist ihr Sicherheitsbedürfnis einfach zu groß. Sie mögen zu den Ängstlicheren unter den Wahlbürgern gehören, zu den Dummen zählen sie nicht. Sie wissen deswegen sehr wohl, dass Populisten eher Probleme benennen, ja bewusst dramatisieren, als dass sie in der Lage wären, sie zu lösen. Aber sie wissen eben auch, dass es in bestimmten Fällen ohne diese Problemdramatisierer überhaupt keine Problembearbeitung gäbe.

Globalisierung, Einwanderung und Multikulti sind nämlich nicht nur Vor- sondern auch Nachteilsbringer. Sie lösen nicht nur Probleme sondern sie schaffen auch welche, und das nicht zu knapp. Vor allem für die, die darauf nicht vorbereitet sind, geschweige denn über die sozialen, ökonomischen und kulturellen Ressourcen verfügen, um sie für sich selbst zum Vorteil zu machen. Alles andere ist das Geschwätz von Leuten, die auf Grund ihrer bevorzugten Lebenslage und/oder Geburt gar nicht erst damit konfrontiert werden und das auch noch für normal halten.

Wer Multikulti lebt, tut das nicht nur aus Freude an der Sache

Es ist schier unglaublich was zum Beispiel über Einwandererviertel für einen Stuss, im Positiven wie im Negativen, von Leuten verbreitet wird, die dort nicht leben und denen auch im Traum nicht einfallen würde, dort hinzuziehen. Geschweige denn, dass sie es je müssten, weil es ihre immer schlechter werdende Lebenslage erzwingt, oder die aus eben diesem Grund dort nicht wegkönnen. Außer ein paar Forschern, die in der Regel auch nicht dort wohnen, interessiert Niemanden ernsthaft wie die Menschen dort leben und was sie wirklich denken.

Die durch keine Mietgesetzgebung bislang ernsthaft veränderte Tatsache, dass Arme leben wo sie müssen, und Reiche wo sie wollen, wird von der Mehrzahl der politischen und ökonomischen Elite, und die sich dafür halten, außer wenn gerade ein ausgewiesener Armutsforscher anwesend ist, komplett ignoriert. Auch und gerade von Sozialdemokraten, denen bei armen Stadtteilen ihre Kindheit und Jugend sowie der Mythos von der großen Solidarität der Ausgebeuteten einfällt, die es schon nicht wirklich gab, als es sie noch offiziell zu geben hatte.

Die politische Repräsentanz der Armen ist auch in einer Demokratie desolat

Die politische Repräsentanz derer, denen es wirklich Scheiße geht, war immer schon ein Problem. Auch und gerade in der Demokratie. Ohne die Fürsprache eines Teils der Eliten hat das eigentlich nie richtig geklappt. Was den Vorteil hatte, dass Leute mit unbedingtem Aufstiegswillen sich auch nie darauf verlassen, sondern sich selbst und andere organisiert haben, um nicht mehr arm zu sein. Spätestens wenn dieser Zustand endlich erreicht war, ging und geht es diesen Menschen aus nachvollziehbaren Gründen darum, ihn zu erhalten und nicht ihn durch übertriebenes Teilen zu gefährden.

Nur Leute, die noch nie wussten, was ganz unten wirklich bedeutet, wollen außer sich selbst auch noch ganz viele andere retten. Die, die es wissen, oder zumindest noch eine Ahnung davon haben, helfen nur denen, die selber an ihrer Rettung mitarbeiten. Selbst die katholische Kirche würde nicht ihre ökonomische Existenz opfern um die Armut endgültig aus der Welt zu schaffen. Wie alle professionellen Armutsbekämpfer dieser Erde sorgt auch sie dafür, dass sie und ihre entsprechenden Organisation auf jeden Fall von diesem Fight profitieren, ja wenn möglich sogar mehr als die Armen selbst.

Das Flüchtlingsproblem ist Teil einer Globalisierung ohne globale Verantwortung

Das gleiche gilt auf globaler Ebene. Das immer gewaltiger werdende Flüchtlingsproblem gibt es zu seinem größten Teil nur, weil die faktische Globalisierung nicht mit einer globalen Verantwortung für ihre Folgen einhergeht. Weder für ihre positiven noch für ihre negativen. Weder die von der Globalisierung am meisten profitierenden imperialen Großmächte dieser Welt noch die UNO haben es auch nur in Ansätzen vermocht, die globalen Krisenherde einzudämmen, geschweige denn zu befrieden. Im Gegenteil, sie haben durch ihre Aktion die Lage vor Ort eher verschärft und verschlimmert.

Warum sollten also die, denen es auf nationaler Ebene schon schlecht geht, glauben, dass die stärkere Ausweitung und Ermächtigung der übernationalen Ebenen ihre Problem besser zu lösen in der Lage ist. Es gibt selbst für weltgewandte und weltoffene Experten dafür zu Zeit kaum ein ernst zu nehmenden Anlass. Die einzige Parole auf die sich diesbezüglich alle einigen können, ist die fast schon wie ein Mantra vorgetragene Forderung nach mehr Geduld. Vor allen bei den Armen und Beladenen.

Das Problem ist nur, dass die nicht über die Reserven verfügen, die man für Geduld, erst rechte für eine von mehreren Jahrzehnten, braucht. Das gleiche gilt für die, die Angst haben, ihren Status jenseits der Armut zu verlieren. Ihre Abstiegssorgen sind, im Gegensatz zu dem, was man immer wieder aus den satten und mit blendenden Zähnen versehen Medien- und Politmündern vernimmt, nicht eingebildet sondern real. Genau mit diesem Teil der gesellschaftlichen Realität auch des Westens haben dessen führenden Medienleute genauso wenig zu tun – geschweige denn wollen sie damit überhaupt zu tun haben – wie dessen politischen Eliten.

Der neue Populismus von unten ist weder verwunderlich noch unbegründet

Es war also, egal wie man das persönlich bewertet, Zeit für eine neue Welle des Populismus in den USA und in Europa. Es war sogar höchste Zeit, dass sich die dahinter stehende Realität wieder stärker in den dortigen Parlamenten zu Wort meldet, bzw. in naher Zukunft zu Wort melden wird. Es war höchste Zeit, dass die keineswegs nur platten Parolen der Populisten die Wahlen wieder zu Wahlen machen und damit auch die wieder zu Wählern, die die Demokratie aufgegeben haben, weil sie ihnen nichts nützt, ja nicht mal ihre Probleme thematisiert.

Darüber den Kopf schütteln, ja ein quasi unvermeidbares neofaschistisches Menetekel an die Wand des Westens zu malen, können nur die, die diese Probleme nicht am Hacken haben. Die in der einzigen wirkliche bedrohlichen Parallelgesellschaft des Westens leben: Die des allseits abgesicherten, gebildeten und finanziell gut ausgestatteten Lebens in großen, möglichst zentral gelegenen, hellen Wohnungen mit Garten und/oder Dachterrasse, ergänzt durch regelmäßige und jeden problematischen Bevölkerungskontakt vermeidende interkontinentalen Reisen, nach denen man sich bei einem ausgesuchten Wein tiefe Sorge über die schreckliche Welt da draußen macht.

Wählerschelte hilft nicht

Die Wählerschelte ist der dümmste Ausdruck dieser Entwicklung, unterstellt sie doch, dass die Mehrzahl der AFD, Front National oder Trump-Wähler Wähler nicht wüsste, das auch diese Parteien, respektive ihre Führerinnen und Führer keine überzeugenden Lösungen bieten, bzw. ihre einfachen nicht so einfach funktionieren werden, wie sie aussehen. Es geht ihnen auch gar nicht darum. Sie wünschen sich vielmehr ein Stoppzeichen, um eine Auszeit in Sachen Globalisierung, Einwanderung und Multikulti, weil sie nicht mehr mitkommen.

Bis auf die dumpfen Nationalisten und Rassisten, die es unbedingt zu bekämpfen gilt, wissen auch diese Wahlbürger, dass es diesbezüglich kein Zurück gibt. In Zeiten, in denen selbst der Papst die Rolle der Frau in der Kirche stärken will und Weltkonzerne sich in den USA mit ihren ganzen ökonomischen Macht für die Rechte Homosexueller und gegen die Todesstrafe einsetzen, gibt es auch keine gesetzliche Wiederkehr patriarchaler Familienverhältnisse. Nicht einmal die Islamisten werden die Emanzipation der Musliminnen dauerhaft aufhalten, und sie wissen das. Sonst wären sie nicht so aggressiv.

Renationalisierung und Reethnisierung sind die Kehrseite der Globalisierung ohne globale Verantwortung

Genauso wenig werden in den USA oder in Deutschland oder in Frankreich Einwanderer massenhaft in ihre Herkunftsländer zurückdeportiert. Nicht nur dass das praktisch unmöglich wäre. Die Mehrheit der Bevölkerung dieser Länder will das nicht, geschweige denn würde sie die damit verbunden Konflikte und Leiden ertragen wollen oder den damit verbunden wirtschaftlichen Nachteil verkraften können. Aber auch die Mehrheit der Protestwähler will keine ethnisch reine Nation, weil sie weiß, dass ein solches Ansinnen einem Bürgerkrieg gleich käme. Da es ihnen aber in der Mehrzahl um Sicherheit geht, werden sie auch Niemanden an die Regierung lassen, der das ernsthaft vorhat.

Allen bisherigen Wellen der Globalisierung folgte bisher in der Regel einer Welle der Renationalisierung, ohne das die Gesamttendenz bislang aufgehalten wurde. Diese ging fast immer einher mit einer zunehmenden Gefahr ethnischer Ausgrenzung, wenn die ethnischen Minderheiten klein genug waren. Das allerdings gilt heute weder für die USA noch für Europe. Es geht hier alles in allem um eine neue vorsichtigere und nachdenklichere Epoche von Globalisierung und Multikulti.

Die Gefahren des Populismus weder unterschätzen noch übertreiben

Die Populisten haben sie eingeläutet und werden sie auch für einige Zeit mitbestimmen. Aber sie werden dabei Nirgendwo die staatliche Macht in einer Weise erobern, dass sie das Rad zurück drehen können. Weder nach Außen noch nach Innen. Die Forderungen die sie stellen, und die Debatten die sie lostreten, werden jedoch nach außen zu einer Erneuerung des Verhältnisses von Nationen und globalen Instanzen und nach innen zu neuen Regeln, ja überhaupt erst zu von allen anerkannten Regeln der multikulturellen Zusammenlebens führen.

Dass damit auch die alten Gespenster des nationalen Chauvinismus, des Fremdenhasses und des Rassismus auftauchen oder wieder erstarken, ist die dunkle Seite derselben Medaille. Sie verlangt deswegen auch höchste Wachsamkeit und im Ernstfall auch radikalen Einsatz zu ihrer Bekämpfung. Sie verlangt aber vor allem eine neue Wertedebatte mit den Populisten und Populistenwählern, die zur ernsthaften Diskussion bereit sind.

Politische Debatte und politischer Kampf dürfen einander nicht ausschließen.

Wird diese nicht oder nur von oben herab geführt, könnte der aktuelle Backlash uns doch noch in eine gesellschaftliche Lage führen, die jeden global- und freiheitsgesinnten Menschen das Gruseln lehren und Leute in politische Führungsetagen spülen wird, die mit der Demokratie so wenig am Hut haben, wie alle anderen Diktatoren und autoritären Herrscher dieser Welt. Die jetzt noch demokratische Kreide fressen, um uns an der Macht zu zeigen, wo der faschistoide Hammer hängt.

Aus zeitweisen Grenzschließungen zur Reorganisation der eigenen Aufnahmefähigkeit werden dann dauerhafte Mauern nach außen, die nach Innen durch ethnische Diskriminierung und Ausländerhass gestützt werden. Ergänzt durch ein für sakrosankt erklärtes Familienmodell, das alle die in ihrer Gleichberechtigung und Freiheit einschränkt, die das Vater-Mutter-Kind(er) Konzept weder leben können noch wollen. Überdacht von einem Ordnungs- und Kontrollwahn, der den öffentlichen Raum kulturell und soziale so homo- und hegemoniesiert, dass jede Multikulturalität im Keim erstickt oder ausgemerzt wird.

Wer das will, hat auch mich zum politischen Gegner, wer das mit aller Macht, also mit undemokratischen Mitteln durchsetzen will, hat mich sogar als politischen Feind. Ich habe mich nicht Jahrzehnte meines Lebens zusammen mit vielen anderen für mehr Freiheit und mehr Vielfalt in diesem unserem Lande eingesetzt, als dass ich mir das von verängstigten und zugleich bestens versorgten Polbürgern oder von abstiegsgefährdeten Malochern oder von hoffnungslosen Empfängern staatlicher Transferleistungen oder von religiösen Fanatikern aller Gaubensrichtungen und erst recht nicht von Alt- oder Neofaschisten einfach wieder nehmen lasse. Auf jeden Fall nicht, so lange ich noch lebe und meine Beine mich zum Tangotanzen tragen.

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31 Kommentare zu “Der neue Populismus von unten

  • #1
    kE

    Im Privaten, im Verein, bei Nationen etc. Es gibt immer Phasen der Ausdehnung. Dann gibt es wieder Phasen, wo man sich auf den Kern verlässt. Im Katastrophenfall helfen nur die engsten Angehörigen und eine keine Organisation. Im Vereinsleben erfolgt auch oft ein Neuaufbau mit einem Kern von Stammmitgliedern, nachdem die Ausdehnung mit vielen neuen Charakteren nicht geklappt hat.

    Bei Staaten und Staatengemeinschaften ist es ähnlich. Aktuell kommt das Gefühl auf, dass die EU nicht in der Lage ist, die Verantwortung, die sie einforderte und die begeisterte Europäer ihr zugestehen wollten, übernehmen kann. Sie ist schlicht nicht flexibel genug, um auf schnelle Prozesse zu reagieren. Ähnlich verhält es sich in Deutschland, wo viele Gesetze, insbesondere Sozialgesetze, und Strukturen nicht auf eine globalisierte Welt ausgerichtet wurden, obwohl seit dem Fall des eisernen Vorhangs genug Zeit war.

    Vielleicht merkt man irgendwann doch, dass viele Politiker einfach nur Parteisoldaten sind und nicht über die notwendigen Qualifikationen verfügen. Viele Minister sind fachfremd und haben bspw. keinen Hochschulabschluss.

    Ich gehe davon aus, dass es zum Brexit kommt. Die weiteren Entwicklungen sind schwer einschätzbar. Ein Attentat, ein Funkloch, eine Flut etc. können große Auswirkungen haben.

    Trump als Präsident? Ein Schauspieler hat den Job den auch schon gemacht und war dabei sogar in der Lage den kalten Krieg kurzfristig zu beenden. Ein smarter Nachfolger wurde hoch gehandelt, hat aber fast gar nichts erreicht. Aktuell wird keine Krise beendet.

    Es gibt zu viele offensichtliche Probleme, die von der Politik ignoriert werden. NRW ist ein gutes Beispiel mit dem Gespann Jäger, Löhrmann und Kraft.

  • #2
    bob hope

    Gibt es diesen Herrn Datko wirklich oder ist das nur ein automatisch generierter Foren-Troll, der Beiträge über die AfD mit Platitüden zumüllt?

  • #3
    Arnold Voss Beitragsautor

    Ich denke sie haben recht, bob hope. Ich habe deswegen den Kommentar wieder gelöscht.

  • #4
    Joachim Datko

    Zu Arnold Voss Artikelautor 18. Juni 2016 um 09:14 "[…] Ich habe deswegen den Kommentar wieder gelöscht."
    Hier ist die Sicherungskopie des Kommentars zu finden:
    http://www.monopole.de/parteien/ruhrbarone-de-der-neue-populismus-von-unten

  • #5
    Arnold Voss Beitragsautor

    Da habe ich kein Problem mit, Herr Datko. Und das wars jetzt endgültig hier für sie.

  • #6
    Arnold Voss Beitragsautor

    @ Bob Hope

    Ob Roboter oder Mensch, gestanzte Platitüde bleibt gestanzte Platitüde. 🙂

  • #7
    Walter Stach

    Arnold,
    abgesehen vom Tangotanzen und davon, daß ich noch "ein wenig älter bin als Du", teile ich Deine Grundeinstellung gegenüber Allen, was tatsächlich oder vorgeblich die Gesellschaft -von "Oben bis Unten" und aus unterschiedlichen Gründen in allen gesellschaftlichen Schichten- besorgt und was sie veranlaßt, an Grundwerten (!!) unseres Zusammenlebens zu rütteln, dazu gehören u.a. Freiheit, Gerechtigkeit, Toleranz und in deren Folgen eine sich daraus ergebende und drauf fußende vielfältige, "bunte" Gesellschaft

    -mit Alten und Jungen, im Reichen und Armen, mit Gesunden und Kranken, mit Schwulen und Lesben, mit Heterosexuellen, mit Gebildeten und Ungebildeten, mit Arbeitern, Arbeitslosen, mit Selbständigen, mit Unternehmern, mit Wissenschaftlern, , mit "Deutschstämmigen", mit Zu- und Eingewanderten, mit Flüchtlingen, mit Religiösen, mit Atheisten, mit Agnostikern, mit……..-

    Da ich der Meinung bin, daß ein friedliches, ein gewaltfreise Miteinander in einer solchen freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft gewährleistet wird durch unsere Verfassung, vor allem durch die Unantastbarkeit ihrer Grundsätze nach Art. 1 und Art. 2o, bin ich ein engagierter, ja radikaler politischer Gegner all derjenigen, die dagegen aktiv kämpferisch vorgehen -verbal und für mich ganz selbstverständlich dann erstrecht , wenn das mit Gewalt oder Gewaltandrohung geschieht.

    Arnold,
    insofern teile ich Deine Position "ohne Wenn und Aber".

    Dass Deine und meine – diesbezüglich übereinstimmenden- Positionierung – ohne die Fähigkeit und ohne den Wille zum permanenten politischen Diskurs undenkbar sind, ja, daß sie diesen Willen und dieser Fähigkeit bedürfen -alltäglich!!-, will ich nicht unerwähnt lassen, u.a. deshalb nicht, weil dieser Wille und diese Fähigkeit derzeit mehr und mehr zu verkümmern scheinen oder sogar als störend, als unerwünscht in Teilen der Gesellschaft zu gelten scheinen -bei Pegida und AFD-Anhängern, aber auch in der "großen Politik".
    Arnold,
    wie Dir bekannt, bin ich nicht nur aus Gründen der Vernunft jemand, der diesen Diskurs tagtäglich sucht und praktiziert, sondern zudem jemand, der ihn emotional zu schätzen weiß, u.a. im Meinungsstreit mit Dir.

    Deshalb besorgt es mich, daß statt des politischen Diskurses die Rechthaberei , das rigorose Wir gegen Die, das "alternativlose Diktat", "das Denken in der Kategorie eines bedingungslosen Richtig oder Falsch zunehmend die gesellschaftliche Auseinandersetzung zu dominieren scheinen.

    Arnold,
    das zu beklagen und sich dagegen zu positionieren -z.B. jetzt und hier bei den Ruhrbaronen-, ist das Eine. Das Andere ist, für diese Position dauerhaft in einer demokratisch verfaßten Gesellchafts- und Staatsordnung Mehrheiten zu finden!

  • #8
    Thorsten Stumm

    Danke Arnold,
    als Nordstadtbewohner kenne ich das alles….zwei Dinge fallen mir dazu ein. Genscher hat in einem seiner letzten Interviews gesagt, sinngemäss, Problem suchen sich in der Demokratie ihre Mehrheiten…das Jammern über AFD und Co. ist deshalb unangebracht. Es gilt reale Problem zu lösen.

    Und: Die Grünen wollen den H4-Satz erhöhen, damit Arme sich Biofleisch leisten können.
    Mehr Unterschichtsverachtung geht nicht….

  • #9
    FrankN.Stein

    Und österreichischen Präsidenten Hofer gibt’s auch nicht. 50,3 Prozent Gegenstimmen haben dort erdrutschartig beweisen, dass es nie, nie dazu kommen wird dass in einem westlichen Land ein Populist an die Macht kommt.

  • #10
    Andreas Säger

    Dass ausgerechnet AfDler den Grünen Unterschichtsverachtung vorwerfen gehört zur täglichen Mainstream-Propaganda. Dass aber Ausgerechnet der Vorschlag, die Hartz4-Sätze zu erhöhen als Indiz für diese Verachtung herhalten muss ist sowas von bescheuert, dass er nur von einem F.D.P.-Ideologen kommen kann.

  • #11
    KE

    #10
    Naja, es ist doch mein Geheimnis, dass man von Öko Subventionen bestens leben kann.
    Wer zahlt denn die Gelddruckmaschinen Windrad und Solardach mit garantierten Einnahmen?
    Das ist doch die Unterschicht, die keine Stromsparer finanzieren kann, vom Solardach wollen wir erst gar nicht reden. Die Energiesparlampenpflich war doch auch so eine Spitzenidee.

    Die Landwirtschaft – bspw jetzt die Milchbauern sollen doch auch weiter mit Subventionen über Wasser gehalten werden, während der Lagerarbeiter jeden Tag damit rechnen muss , dass eine Gruppe Selbständiger seinen Job übernimmt.

    Es ist erstaunlich, wie immer über die Lobby Einflüsse bei der FDP geredet wird, während bei den Ökos mit Subventionen die Welt gerettet wird.

    Das gilt natürlich auch für die vielen Hilfsangebote, die irgendwie finanziert werden müssen. Vor ein paar Jahren wurde die Eigenverantwortung noch stärker betont.

    Btw hier ist noch ein Buchtipp.
    http://deanbaker.net/books/the-conservative-nanny-state.htm

  • #12
    Andreas Säger

    Ach komm. Spar Dir den Sophismus. Meinen Schopenhauer habe ich auch gelesen. Dass eine Erhöhung von Hartz4 ein Ausdruck von Niedertracht gegen die Armen ist, ist einfach nur Bullshit, und was Du sonst absonderst hat mit dem Thema noch weniger zu tun. Ihr habt von Wirtschaft keinen blassen Schimmer. Daher müsst Ihr Euch hinter Whataboutism verschanzen. "Liberal" pffffft.

  • #13
    Davbub

    #7:"Deshalb besorgt es mich, daß statt des politischen Diskurses die Rechthaberei , das rigorose Wir gegen Die, das "alternativlose Diktat", "das Denken in der Kategorie eines bedingungslosen Richtig oder Falsch zunehmend die gesellschaftliche Auseinandersetzung zu dominieren scheinen."

    #10: "Dass ausgerechnet AfDler den Grünen Unterschichtsverachtung vorwerfen gehört zur täglichen Mainstream-Propaganda. Dass aber Ausgerechnet der Vorschlag, die Hartz4-Sätze zu erhöhen als Indiz für diese Verachtung herhalten muss ist sowas von bescheuert, dass er nur von einem F.D.P.-Ideologen kommen kann."
    Paßt doch.

  • #14
    Davbub

    @ Autor:
    "Nein, Leute, es wird keinen US-Präsidenten namens Donald Trump geben."
    Da wäre ich mir nicht so sicher. "Unterschichtsverachtung" ist ja mittlerweile ausgeweitet worden auf weite Teile der Gesellschaft. Sowohl in den USA als auch in Europa. Wer nicht mitschwimmt auf der Multi-Kulti-ist Supi-Welle; wer die Begeisterung über die unkontrollierte und ungesteuerte Einwanderung nicht teilt, wer womöglich kritisch einer wachsenden Zahl der Moslems gegenübersteht, wird verächtlich gemacht, als dumm, zurückgeblieben, ja psychisch krank ("islamophob") bezeichnet. Den Menschen wird keine eigene Meinung zugetraut, sollten sie diese dennoch äußern, wird von den "Demokratieverteidigern" alles, was nicht "links" ist, als rechtsextrem diffamiert.
    Aber die Menschen sind nicht dumm, nur weil sie es nicht gelernt haben, ihre Ansichten und Meinungen so gut zu artikulieren, wie es z.B. die wohlhabende grüne Veggie-Schickeria oder das linke Bildungsbürgertum in ihren sorgfältig von denen der "Unterschicht" separierten Bildungsräumen konnte.
    Sie merken, wenn sie immer weiter für dumm gehalten werden, das Bauchgefühl der Wählerschaft sollte nicht unterschätzt werden. Und es ist ja nicht nur die Unterschicht: Ich kenne Menschen, die als digitale Elite sehr weit gereist und mehrsprachig sind, in derem Bekanntenkreis und unter den Kollegen sich Vertreter fast aller Kontinente befinden und die aller Wahrscheinlichkeit AfD wählen. Zumindest wenn sie ihre in Worten geäußerten Ansichten Wahlentscheidungen folgen lassen.
    In meinem Bekanntenkreis gibt es sehr viele Menschen "mit ausländischen Wurzeln" (5 Euro in Phrasenschwein), die angesichts des deutschen Umgangs mit Einwanderung, Asylrecht und kriminellen Ausländern nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (z.B. vor Moslems geflüchtete Aramäer & Assyrer, die jetzt fassungslos erleben müssen, wie den Muslimen bei uns Sonderrechte gewährt werden). Auch dort vermute ich sehr viele AfD-Wähler.
    In den USA wird die Situation ähnlich sein. Rechnet man dann noch die Erscheinung von H. Clinton, die so authentisch rüberkommt wie ein drei-Dollar-Schein, evtl. noch ein zeitlich gut angelegtes Attentat, halte ich eine Wahlsieg von Trump nicht für ausgeschlossen.

  • #15
  • #16
    Walter Stach

    Wenn ich ergänzend zum Beitrag von Arnold Voss unter -7- meine diesbezügliche Positionierung umschrieben habe, dann habe ich mit Blick auf CDU/CSU/SPD/GRÜNE/LINKE/FDP keinen Anlaß zur Besorgnis, daß das, was Gesellschaft und Staat in ihrem Innersten zusammenhält und was meinen Vorstellungen von einer freiheitlich-pluralistichen Gesellschaft und meine individuelle Lebensgestaltung in einer solchen Gesellschaft möglich macht, durch die Genannten vorsätzlich und gezielt bedroht wird. Und das gilt ohne Abstriche auch für die Grünen – im Gegensatz zur Meinungsäußerung unter -8-.

    Das gilt allerdings ganz und gar nicht für AFD und deren Bündnispartner Pegida nebst Gesinnungsgenossen.
    Würden diese über politische Macht in Deutschland verfügen, dann wäre das das Ende all dessen, was z.B. Arnold Voss in seinem Beitrag als substantielle Bestandteile einer freiheitlich-pluralistischen Gesellschaft umschreibt, in der er -und in der ich- nicht trotz, sondern wegen ihrer Vielfalt, wegen ihrer Probleme, wegen ihrer Unterschiedlichkeiten in der Lebensgestaltung eines jeden Einzelnen , wegen der Meinungsvielfalt, wegen des alltäglich möglich und notwendigen politischen Diskurses über die kleinen und die großen Probleme dieser Welt und über die kleinen und die großen Sorgen der Menschen -weiterhin- zu leben wünscht.

    Auch deshalb sind AFD und Pegida nebst Gesinnungsgenossen für mich nicht nur politische Gegner, sondern sie sind meine politischen Feinde!
    Das festzustellen hat nichts mit Jammern über AFD und Pegida und Gesinnungsgenossen tun -sh.8-; ganz im Gegenteil. Über politische Feinde jammert man nicht, man bekämpft sie mit allen Mitteln und Möglichkeiten, die der demokratische Rechtstaat erlaubt.

  • #17
    Andreas Säger

    #16: Vergiß mir nicht die F.D.P. Das ist die organisierte Niedertracht von ganz weit rechts oben. In jugendlicher Naivität war ich mal Mitglied bei denen. Der Berliner Jugendverband war so weit rechts wie die die heutige AfD noch gar nicht gucken kann. Meine Mitgliedschaft endete in der Notaufname eines Krankenhauses. Diese Leute verabscheuen abgrundtief jeden, der Lohnarbeit leistet. Mittlerweile vergessen die Wähler schon wieder, was diese sich Staatskneteabzocker im Kabinett Merkel 1 geleistet haben, ganz zu schweigen von den Bangemanns, Rexrodts, Lambsdorffs der ehemaligen BRD. Genscher war ein lupenreiner Faschist im demokratischen Tütü.

  • #18
    Kalk77

    Ich finde vieles sehr nachvollziebar was du schreibst. Die Situation in prekären Vierteln ist nicht ohne. Kein klassisches Multi-Kulti, aber eine unglaubliche Kraft, Menschen aufzunehmen, Solidarität sind aber auch große Stärken. Klar sind viele Türken hier AKP, Italiener gerne mal Berlusconi, das ist scheiße aber ein Abbild der Realität und das alles nervt. Hier ist aber auch sehr viel Kraft, Power… ganz vorbei an jeder pädagogischen Attitüde. KölnKalk kann man aushalten…

  • #19
    Thorsten Stumm

    So weit sind Arnold Voss und Broder nicht ausseinander….

    http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article156254456/Politik-und-Medien-leben-in-ihrer-eigenen-Welt.html

  • #20
    Arnold Voss Beitragsautor

    Die politische Grundposition ist bei Broder eine andere, aber ansonsten hast du recht Thorsten. Danke für den Link.

  • #21
    Arnold Voss Beitragsautor

    @ kalk77

    Multikulti hat ohne Zweifel Stärken, wie man an der Geschichte der großen Einwanderungsländer gut studieren kann. Aber diese kommen nicht zum tragen, wenn sie idealisiert und romantisiert werden und vor allem, wenn sich nicht alle an bestimmte Grundregeln des Zusammenlebens halten, die die jeweiligen Verfassung des E i n w a n d e r u n g s landes vorgibt. Sich an diese ohne Wenn und Aber zu halten ist deswegen auch die unabdingbare Bringe p f l i c h t der Einwandernden, während das Einwanderungsland alle Vorausetzungen schaffen sollte, dass sie diese Pflicht auch erfüllen können.

    Ansonsten siehe zum Thema ausführlicher meinen folgenden Artikel:

    http://www.ruhrbarone.de/fluechtlinge-willkommen-ist-nur-wer-etwas-mitbringt/114632

  • #22
    thomas weigle

    #17 "Genscher war ein lupenreiner Faschist…" Klar, und die Mauer war ein "antifaschistischer Schutzwall" damit der "Faschist" Genscher nicht mit seiner Westberliner FDP das Politbüro ausräucherte. Oder wie? Kopfschüttel!!!

  • #23
    Thorsten Stumm

    @Arnold
    Es gilt reale Problem zu lösen. Und dazu gehört, die Analyse was ist. Und nicht mit Paternalismus und Infantilsierung sich die Welt so zu malen wie es gefällt.

    Sonst überlässt an das Feld denen, die aus den realen Problemen, ohne wirkliche eigne Lösungen, eine nationalistische Suppe kochen.

    Das wäre fatal…..

  • #24
    Thorsten Stumm

    hier noch ein sehr nett zu lesende Artikel…

    https://aktionzaungast.wordpress.com/2016/06/18/kulturrelativismus-als-deutsche-plumbomantie/

  • #25
    Arnold Voss Beitragsautor

    Danke auch für diesen Link Thorsten. Schwer adornesk, aber sehr interessant.

  • #26
    Walter Stach

    Arnold,
    ein konkreter Anlaß bringt mich dazu, einen anderen, aber bei mir seit langem existentem Gedanken in die Diskussion einzubringen, und zwar bezogen auf Deine Aussage:"……………..zusammen mit vielen anderen für mehr Freiheit und Vielfalt……..".
    Ich ergänze das um " .. mehr Toleranz und mehr Respekt……".

    Ist es primär, ist es ursächlich der Staat, ist es nur der Staat, sind es primär und ursächlich (nur)
    politische Parteien, die direkt oder indirekt über unmittelbar bzw. mittelbar durch die Staatsgewalt gesetzte Normen die alltägliche Freiheit und die Vielfalt im alltäglichen menschlichen Dasein, in der
    alltäglichen menschlichen Lebensgestalltung zunehmend bedrohen und das Verschwinden von Toleranz und Respekt im Umgang miteinander direkt oder indirekt befördern?

    Jeder von uns erfährt doch tagtäglich -aktiv oder passiv-Verachtung, Mißachtung, Geringschätzung, Überheblichkeit, Arroganz, Demütigung, Respektlosigkeit, Intoleranz durch Andere bzw. gegenüber Anderen:
    -"Der Reiche" gegenüber "dem Armen"-
    -"Der Wohlhabende gegenüber "dem Bedürftigen"-"
    -"Der Arbeitende" gegenüber dem "Arbeitslosen"-
    "Der Gesunde" gegenüber "dem Kranken"-
    "Der Nichtbehinderte gegenüber dem Behinderten"-
    "Der Weiße" gegenüber dem "Nichtweißen"
    "Der Gebildete" gegenüber dem "Ungebildeten"
    "Der Christ" gegenüber "dem Muslim"-
    "Der Nichtalkoholiker" gegenüber dem "Alkoholiker"-
    "Der Heterosexuelle" gegenüber allen"Nicht-heterosexuellen"-
    "Der Deutsche" gegenüber allen "Nicht-Deutschen"-
    und, und, und………
    -Ich denke, daß in einigen der genannten Beispielsfällen auch in umgekehrter Folge hätte formuliert werden können!

    Und das alles, nicht weil staatliche Normen dieses Verhalten aufzwingen bzw. dazu nötigen, sondern weil jedermann nach dem Motto zu handeln scheint: "Ich bin so frei"!

    Arnold,
    ein wünschenswertes Leben in Freiheit und Vielfalt, getragen und bestimmt von Toleranz und Respekt…….
    Was ist in unserer Gesellschaft, was ist bei den einzelnen Menschen derzeit los, wenn z.B. das Tun/Unterlassen in den Beispielsfällen " an der Tagesordnung" ist, wenn das und so einiges mehr
    "als normal" gilt , ja offenkundig mehr und mehr von der und in der Gesellschaft gewünscht zu werden scheint?

    Ich weiß sehr wohl,

    daß

    a.) gesellschaftliche Prozesse und gesellschaftliche Zustände nicht losgelöst von staatlichem Tun oder Unterlassen -und umgekehrt-betrachtet werden können

    und ich weiß sehr wohl,

    daß

    b.) Freiheit in einer pluralistischen Gesellschaft , daß Toleranz und Respekt in der Realität menschlichen Miteinanders nie problemlos, nie kritikfrei, nie tadellos existieren haben, nie tadellos werden können.

    Aber derzeit ,
    so scheint mir,
    gibt es diesbezüglich jenseits von "Gut und Böse staatlichen Tuns oder Unterlassen"
    besonderen Anlass zur Nachdenklichkeit in Deutschland, in Europa, in den USA bei jedem einzelnen und in einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs darüber, was bei jedem einzelnen, was in der Gesellschaft insgesamt "schief läuft", jedenfalls schiefläuft aus der Sicht derjenigen, für die Freiheit immer einhergeht mit Verantwortung und für die Vielfalt immer einhergeht mit Respekt und Toleranz,

    Gedanken, die ich in die Diskussion einbringe, weil sie mich umtreiben.

  • #27
    abraxasrgb

    Analytisch zutreffend, in der Bewertung ebenso 😉
    Ich meine es in diesem Blog schon einmal selbstkrtisch angemerkt haben, wie locker sich, vor dem offenen Kamin (und eben nicht dem Lagerfeuer) die eigene Meinung zur Weltpolitik in die mit dem MacBook vernetzte vermeintliche "Öffentlichkeit "( = Wirksamkeit = Trugschlußss), zu tippen 😉

    Erst wenn alles (l)egalisiert ist, werden die " prinzipiellen Universalisten" verstehen, dass sich auch das Recht auf Asyl marktförmig auf die soziale Wirklichkeit auswirkt. Makrosoziologie am lebenden Objekt 😉

    Hat ein bisschen den Beigeschmack der Zauberlehrling-"Strategien" der Bundespolitik 😉

    Die, wie ich ebenfalls finde, demokratisch wichtige Frage lautet deshalb eigentlich, wie legitim finden wir den Wunsch nach einer, wie auch immer, von wem auch immer gelebt werden wollenden, eigenen Identität? Wa geht und was geht nicht? WIe groß ist der Spielraum?

    Wer einzelne Fragen zu "Gretchenfragen" des Systems macht, darf sich in einer dynamischen Demokratie nicht wundern, wenn er sich plötzlich von einer andersmeinigen Mehrheit umgeben sieht. Frage ist, was sind für uns legale und was sind legitime "Gruppen" oder "Identitäten" und "Meinungen"?

    Ehrliche Frage: Wer kennt Länder in denen die politische Öffentlichkeit über die Bedeutung von Natioanlfalggen bei einer interNATIONALEN Massensportveranstaltung diskutiert? Selbstwidersprüchlicher geht es meiner Meinung nach kaum (und lächerlicher auch nicht, sorry!).

    Wenn alle gleich um alle Ressourcen kämpfen ist das Zivilisation rückwärts und wir kommen wieder bei Hobbes an, genau demjenigen, den alle theoretisch abgelehnt haben 😉

    Lauter solipsistische Monaden …

    Wie viel über soziale Millieus von Parteien und Bewegungen spekuliert wird. Die einfache Beobachtung des Vergleichs der politischen Bandbreite des journalistischen Millieus mit der politischen Bandbreite der "Bevölkerung" dürfte signifikante Diskrepanzen aufweisen 😉

    Das unsere "neudeutschen" Länder etwas schlechtere Erfahrungen mit "linken Parolen" gemacht haben, kann ich denen ehrlich gesagt auch nicht wirklich übel nehmen. Viele werden doppelplusungute Erinnerungen an die "vorgeschriebene" Meinung in der DDR haben.
    Andersherum passt es doch auch, viele Anhänger der Linken, weil sich die Tradition der hohen Staatsquote gut erhalten hat 😉 Sowohl personell als auch strukturell.

  • #28
    Davbub

    #8: Habe gerade für eine Verwandte im Bioladen eingekauft: neun handtellergroße Schiben Käse sowie ein Stück Ziegenrolle -424g Gesamtgewicht- für €11,83. Rechen ich jetzt noch ein Brot, drei Tomaten, evtl. eine Gurke sowie die Butter dazu, bin ich bei über € 20.- für ein bescheidenes Abendessen ohne Getränke. Um wieviel Prozent wollen die Grüne denn den Hartz-IV-Satz erhöhen? 300 Prozent müßten es dann aber schon sein, damit man sich jeden Tag dreimal Bio leisten kann.

  • #29
    Robin Patzwaldt

    @Davbub: Die Grünen die ich hier am Ort früher mal näher kennenlernen durfte, die können sich das so vermutlich auch ohne Hartz4 so gar nicht leisten. 😉 Habe ich mich schon immer drüber gewundert. Da gab es immer schon einen gewissen Widerspruch zwischen der Forderung nach Bio-/Öko-Fleisch und den Möglichkeiten des eigenen Geldbeutels. Und geraucht haben da auch fast alle. 😀

  • #30
    Davbub

    ‚ Autor:
    Ich würde auch gerne in die Kühl- & Vorratsschränke so mancher Grüner schauen…

  • #31
    Davbub

    #@ Autor: Aber im Ernst, das ist doch die übliche Vorgehensweise der grünen Populisten: Eine -scheinbar oder tatsächlich menschenfreundliche – Forderung in denn politischen Diskurs zu stellen, ohne die Folgen zu benennen. Entweder, weil unbekannt da nicht durchdacht; oder in dem Bewußtsein, daß in Wer-hat-die-meisten-Klicks-Zeiten da eh‘ niemand so genau nachrechnet, aber ein positiver Nachhall für die Partei erzeugt wird.

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