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Der neue Prinz

Stadtmagazinen geht es nicht gut: Das Verbot der Zigarettenwerbung hat diese Zeitschriftengattung schwer getroffen. Trotzdem: Prinz wagt den Neustart.

Und besonders schwer haben es die Verkaufstitel. In beinahe jeder Stadt müssen sie sich gegen Gratistitel behaupten. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet: Der Klein- und Kontaktanzeigenmarkt war früher einmal ein wichtiger Umsatzträger – und ist heute fast komplett ins Internet abgewandert. Auch die Kalender, traditionell das Herzstück der Stadtmagazine, finden sich längst online und sind dort sogar noch aktueller. Man muss sie noch nicht einmal mehr selbst erstellen: Einen passablen Kalender kann man für 400 Euro im Monat von entsprechenden Dienstleistern kaufen. Und in so einer Situation hat der Jahreszeiten Verlag dem Prinz eine Frischzellenkur verabreicht. Das wäre eigentlich…

Stadtmagazinen geht es nicht gut: Das Verbot der Zigarettenwerbung hat diese Zeitschriftengattung schwer getroffen. Trotzdem: Prinz wagt den Neustart.

Und besonders schwer haben es die Verkaufstitel. In beinahe jeder Stadt müssen sie sich gegen Gratistitel behaupten. Dazu kommt die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet: Der Klein- und Kontaktanzeigenmarkt war früher einmal ein wichtiger Umsatzträger – und ist heute fast komplett ins Internet abgewandert.
Auch die Kalender, traditionell das Herzstück der Stadtmagazine, finden sich längst online und sind dort sogar noch aktueller. Man muss sie noch nicht einmal mehr selbst erstellen: Einen passablen Kalender kann man für 400 Euro im Monat von entsprechenden Dienstleistern kaufen.
Und in so einer Situation hat der Jahreszeiten Verlag dem Prinz eine Frischzellenkur verabreicht.
Das wäre eigentlich kein Thema für uns, denn der Prinz ist nicht das dominierende Stadtmagazin des Ruhrgebiets. Diese Rolle hat seit langem das Coolibri inne.  Also warum doch ein Artikel über Prinz? Weil das Magazin ursprünglich aus dem Ruhrgebiet kommt. 1978 wurde es als Guckloch von zwei Brüdern in Herne gegründet. Jahrelang lieferten sich in der Folgezeit Guckloch und Marabo einen Wettbewerb, wer die besten Geschichten im Heft hat. Tja, so etwas gab es mal im Ruhrgebiet. Dann wurde Guckloch in Prinz umbenannt und es wurden deutschlandweit Lokalredaktionen gegründet. Der Jahreszeitenverlag übernahm das Heft. Als der Mitte der 90er Jahre vor der Wahl stand, Prinz oder Tempo zu schließen, entschied man sich für das Tempo Aus. 1999 gab es dann den letzten großen Relaunch. Prinz wurde sehr kleinteilig, sehr modeorientiert und fuhr die regionale Berichterstattung zurück. Und Prinz senkte den Preis um über die Hälfte auf nur noch zwei Mark.
Das sorgte damals für eine steigende Auflage – im Ruhrgebiet sollen zeitweise über 20.000 Exemplare verkauft worden sein – nutze aber langfristig nicht viel: Heute verkaufen alle dreizehn Prinz-Ausgaben laut IVW noch 211.000 Exemplare. Dass darunter fast 50.000 Hefte für Lesezirkel sind, aber nur gut 69.000 Magazine am Kiosk verkauft werden zeigt, dass es dem Prinz nicht gut geht. Zahlen zu den einzelnen Städten gibt der Verlag nicht heraus.

Umso beeindruckender, dass der Jahreszeiten Verlag Prinz nicht einfach dicht gemacht hat, sondern umgebaut. Das Ergebnis kann man seit Donnerstag am Kiosk kaufen und ich habe es getan. (Naja fast, ehrlich gesagt habe ich die Ausgabe an der Tankstelle gekauft).
Zufällig hatte ich auch die Dezember-Ausgabe im Haus. Die lag bei einem der klassischen Senioren-Konditoren aus und ich konnte sie kostenlos mitnehmen. Ein glücklicher Zufalle: So konnte ich beide vergleichen. Eine Erkenntnis: Prinz ist älter geworden.

Das Layout
Das Prinz Layout hat mir schon immer gut gefallen. OK, zeitweise war es sehr hektisch, aber es machte immer einen frischen Eindruck mit viel Liebe zum Detail. Das trifft auch auf das neue Layout zu. Es macht ein paar Retro-Anleihen in den 70er und 80er Jahren und die Schriften erinnern mich zum Teil an den stern der frühen 70er Jahre. Aber das alles wirkt modern und nicht altbacken.  Neuer Art Direktor ist Gunter Schwarzmaier – früher für Neon und Spex tätig.

Der Inhalt
Der Prinz kehrt zurück zu seinen Wurzeln. Aus mageren Acht Seiten „Ruhrgebiet Live“ nun 13 Seiten „Stadt geworden.“ Und auch die Themen haben sich verändert: Die „Stadt Ruhr“ kommt drin vor, es gibt ein paar Interviews und fünf Bochumer mit einer Papiertüte auf dem Kopf erklären, warum sie sich nicht auf die neue Symphonie freuen. Portraits über den Essener Norden und den Autor und Regisseur Kristo Sager runden den Lokalteil ab. Das alles kann man noch lange nicht mit Tipp, dem Journal Frankfurt oder der Köln Stadtrevue vergleichen, ist aber mehr als alle anderen Titel bieten – denn regionale Infos zu Bands, Theater oder Restaurants kommen im hinteren Teil des Heftes noch hinzu – noch einmal ganze 18 Seiten. Über 30 Seiten Redaktion über das Ruhrgebiet – ohne Kalender und Kleinanzeigen – können sich sehen lasse. Vor allem weil zahlreiche Themen abgedeckt werden und die Artikel nicht nur weitere Infos zum Kalender sind.
Dafür wurde der Kalender etwas eingedampft: 1.500 Termine sind nicht wirklich viel, aber sie reichen. Nein: es sind zu viele. Der Gesamtüberblick gehört heute ins Internet. In das Heft gehören die Termine, die wirklich empfehlenswert sind. Prinz geht hier zumindest Schritte in die richtige Richtung.

Fazit
Weniger Hypekram, längere Texte – der Prinz ist älter geworden. Das ist gut und vernünftig, denn die Leser unter 30, die klassische Zielgruppe der Stadtmagazine, sind im Netz und nur noch selten am Kiosk. Und der Prinz ist lesbarer geworden und kein Magazin mehr für Leute, die keine Magazine mögen. Der neue Prinz ist ein erwachsenes Lifestylemagazin mit starken regionalen Wurzeln. Es macht Spaß ihn zu lesen.

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2 Kommentare zu “Der neue Prinz

  • #1
    revier-magazin

    Inhaltlich wirklich (wieder) besser, zwingt das Layout zur erhöhten Aufmerksamkeit. Nur durchblättern und querlesen ist beim „neuen Prinz“ ziemlich schwierig. Die Artikel sind durch hauchdünne horizontale Striche voneinander oder von Kritiken an den Seitenrändern getrennt, verschiedene Schriftgrößen verstärken den (ersten) unruhigen Eindruck, ebenso die Farbverläufe bei einigen Artikeln („Musik“).
    Ich dachte beim ersten Durchblättern sowohl im Hinblick auf den Inhalt als auch auf das Erscheinungsbild an den „Heinz“, noch so ein Stadtmagazin, das man allerdings in den vielen kleineren Revierstädten gar nicht kennt.
    Der Clou sind aber tatsächlich die „Bekenntnisse“ von vier Bochumern, die sich so gar nicht auf die Symphonie freuen: Mut zur Kritik (könnte es mehr geben)!

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