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Der Vfl und ich – eine Hassliebe.

Peter Neururer. Quelle: Wikipedia, Foto: xtranews.de, Lizenz: CC

Peter Neururer. Quelle: Wikipedia, Foto: xtranews.de, Lizenz: CC

„Vfl-Fan zu sein ist wie wenn dich jeden Tag deine Frau verlässt.“, der Satz schoss mir wieder durch den Kopf, als ich in der Bochumer Innenstadt das Endergbnis von 1:4 beim Provinzklub aus Paderborn erfuhr, nachdem ich beim Stand von 1:0 meine Wohnung verlassen hatte.
Was soll ich sagen? Als Vfl Fan ist man einiges gewohnt. Ich habe damals mit ansehen müssen, wie der Spieler, der auf meinem Trikot geflockt war, in der allerletzten Minute des entscheidensten Spiels der Saison, dem Uefa Cup Rückrundenspiel gegen Standard Lüttich, über den Ball trat und so ein Gegentor ermöglichte, das uns das Aus im Europa Pokal bescherte.
Ich habe die Relegation gegen Gladbach miterlebt, in der wir ebenso unglücklich ausschieden.
In meiner Zeit als Fan gab es nur einen Trainer, den ich als integer und sympathisch empfand: Peter Neururer.
Und ja, wahrscheinlich ist das albern. So wie Leute, die immer noch sagen, dass Schallplatten die einzige wahre Art sind Musik zu hören ist oder die sich weigern Hip Hop als Musikform zu akzeptieren.
Aber ich kann nicht anders. Wenn Peter Neururer über seine Ziele mit dem Vfl schwadroniert, fange ich an zu lächeln. Ich glaube ihm jedes Wort. Wenn er den Aufstieg als langfristiges Ziel ausgibt, dann ist das für mich keine Utopie, sondern das, was passieren wird.
Peter Neururer war der Trainer der besten Mannschaft, die Bochum je hatte. Und auch wenn er in der Saison danach viele Fehler gemacht hat, wie z.B. auf einen Stürmer zu bauen, der das ganze Offensivspiel kaputtmachte (Vratislav Lokvenc), kann ich nicht ernsthaft wütend sein.
Wütend bin ich auf Trainer, die sich keinerlei Mühe geben, dem Publikum im Ruhrstadion eine Mannschaft zu präsentieren, die nach vorne spielt. Die kein Interesse daran haben zu erklären, warum sie welchen Spieler wo aufstellen. Warum sie Spieler verkaufen, die in Bochum Fußballlegenden sind. Ohne Not.
Doch Peter Neururer gehört zu Bochum wie Fiege und das Rottstraßentheater. Wie Currywurst und die SPD. Man muss ihn nicht lieben, aber er ist ein Bochumer Junge.
Selbst wenn wir mit Peter Neururer in die 3. Liga absteigen würden, wäre ich wahrscheinlich nicht dafür, ihn zu entlassen. Das mag aus sportlicher Sicht dumm sein, aber ich bin davon überzeugt, dass wir ohne Peter den Großen in vielerlei Hinsicht schlechter darstehen würden. Er ist nicht nur Publikumsmagnet, er ist jemand, der die Medien für seine Zwecke und d.h. auch die des Vereins benutzt. Das macht er ziemlich clever und für einen Club, der zwischen Schalke und Dortmund verortet ist und sich durch Sympathiewerte seine Fans erkaufen muss, ist das Gold wert.

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6 Kommentare zu “Der Vfl und ich – eine Hassliebe.

  • #1
    Robin Patzwaldt

    @Hannah: Ich bin fest davon überzeugt, dass, sollte auch in den nächsten Wochen kein Ende der derzeitigen Ergebniskrise erfolgen, ein Trainerwechsel erfolgen wird. Das hat dann auch nichts mit Peter Neururer persönlich zu tun, das wäre einfach ein logischer Schritt, ein letzter Versuch von Vereinsseite das Blatt zu wenden. Denn ein Abstieg in die dritte Liga hätte wirtschaftlich so große Konsequenzen, dass der Verein die Option des Trainerwechsels sicherlich nicht ungenutzt lassen würde.
    Die Beispiele wo ein Verein diese Option im Zweifelsfall kurz vor Saisonende dann nicht gezogen hätte, die muss man mit der sprichwörtlichen Lupe suchen. Ob der VfL das Risiko des Abstiegs dann ohne Trainerwechsel in Kauf nehmen würde, das bezweifle ich jedenfalls sehr stark. Und Peter Neururer ist in einer vergleichbaren Situation im Frühjahr 2013 ja auch selbst ins Amt gekommen…

  • #2
    Hannah Bruns

    Ich wette, dass Peter Neururer diese Saison nicht gehen muss. Er wird sagen, dass wenn Bochum absteigt, er freiwillig geht. Aber das wird nicht passieren. Bochum landet im unteren Mittelfeld.

  • #3
    Sancho Pansen

    Das 1:4 im dörflichen Paderborn war sehr unglücklich. Der VfL hat überraschend gut gespielt und nach der ersten Halbzeit auch zu recht geführt. Aber nach den zwei Freistoßgegentoren haben sie sich zu schnell aufgegeben. Problematisch ist auch der Sturm, der einfach keine Chancen verwerten kann. Wenn sich das und die blöde Heimschwäche nicht bessert sehe ich schwarz.

  • #4
    hop

    Vielleicht sollte man für Neururer einen Posten erfinden, vergleichbar etwa dem Bundestagspräsidenten, der keinen direkten Einfluss auf sportliche Belange hat und der nur der Belustigung des Umfeld und dem Ablenken der Medien von den wesentlichen Dingen dient; dann kann er gerne auch über das Saisonende hinaus bleiben. Ansonsten würde ich sagen, auch im Falle des Klassenerhalts (den ich überhaupt noch nicht gesichert sehe): Pedda, tu dir und uns den Gefallen und tritt zurück! Dann bleibt auch dein Denkmal stehen und landet nicht auf der Müllhalde der Bochumer Fußballgeschichte.

    PS. Der Trainer der besten Bochumer Mannschaft hieß übrigens Klaus Toppmöller 😉 Zumindest wurde damals erfolgreich UND schön gespielt.

  • #5
    Friddi

    Definitiv der Kommentar der Unkenntnis des Jahres, auch wenn man ernsthaft erwähnen muss, dass Paderborn definitiv besser war, auch wenn der Sieg um mindestens ein Tor zu hoch ausfiel.
    Sollte Peter nicht den 12. Rang holen und die hausgemachte Sturmmisere nicht beenden können (Skuta-Pasu ist kein Mittelstürmer, wenn überhaupt Flügelspieler), dann wird er spätestens zum Saisonende gegangen werden müssen, auch weil taktisch null passt.

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