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“Die 56 Vereine in den ersten drei Ligen sind infrastrukturell kaum vergleichbar.”

Flutlich im Stadion vom VfL Bochum an der Castroper Straße | Foto: Peter Hesse

Flutlich im Stadion vom VfL Bochum an der Castroper Straße | Foto: Peter Hesse

Was macht der Ruhrgebietsfußball? Dortmund okay, Bochum o weh und Schalke einigermaßen gefestigt in Liga 2. Diese und andere Themen diskutieren Thommy Junga und Peter Hesse wieder in ihrer Fußball-Rubrik. You’ll Never Talk Alone – diesmal ist gegen Ende hin sogar Phantasie gefordert…

Peter Hesse: Hallo Thommy! Das Champions League Spiel gegen Sporting Lissabon gewann Borussia Dortmund zwar mit 1:0 – doch es war gestern auch mal wieder sehr auffällig wie sehr Erling Haaland als offensive Maschine dem BVB-Spiel fehlt. Beim Gladbach-Spiel war es noch augenfälliger – und das haben die Dortmunder ja auch nicht umsonst verloren. Wie soll es erstmal sein, wenn der Top-Scorer in die britische Premier League abwandert? Ich glaube das wird auch nicht mehr lange dauern, oder?

Thommy Junga
: Es scheint tatsächlich so, dass der norwegische Angreifer wöchentlich der Liga mehr und mehr entwächst und der anstehende nächste Schritt in der Karriere des Ausnahmetalents fast zwangsläufig droht. Berater Raiola sieht seinen Schützling sicher schon in einer der großen Metropolen, auch er wird einen Transfer forcieren, denn wer weiß wie viele Saisons der Markt noch so überhitzt sein wird und auch bei 100-Millionen-Klauseln nicht mit der Wimper zuckt. Borussia Dortmund steht dann vor der Aufgabe sich wieder von der Spielidee her neu zu erfinden, einen gleichwertigen Ersatz für einen solchen Spieler zu verpflichten ist für einen Bundesligaklub eh quasi unmöglich. Giovanni Trapattoni hat mal in seiner ersten Juventus-Phase gesagt, es hätte auch Vorteile die besten Spieler zyklisch abzugeben, denn dies wäre eine natürlich Quelle der Motivation für alle im Verein.

Dem VfL Bochum gelang vergangenen Sonntag nur ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart | Foto: Peter Hesse

Peter Hesse: Ja, aber wenn du ans Fundament gehst – dann musst du auch immer wieder einen Mammut-Quader ersetzen. Denn es gibt ja Spieler, die ein ganzes Spiel besser machen können – die im richtigen Moment über Sieg und Niederlage entscheiden. Und beim Wort Niederlage fällt mir die 0:7-Klatsche vom VfL Bochum gegen die Bayern ein. Ich bin froh, dass Trainer Reis sein Team für die Partie gegen den VfB Stuttgart am Sonntag wieder einigermaßen motivieren konnte. Die Mannschaft von der Castroper erkämpfte sich mit abgesichertem Ballbesitz-Fußball ein paar Spielanteile, doch am Ende reichte es gegen das Team aus dem Schwabenland nur ein 0:0. Das ist (mit Verlaub) zu wenig, wenn man in der ersten Bundesliga nicht direkt absaufen möchte. Wie siehst du das?

Thommy Junga: Im Grunde muss sich auch Bochum nach dem Aufstieg noch neu erfinden. In vielen Phasen spielt der VfL den Fußball der vergangenen Zweitligasaison: früher Druck im Spiel gegen den Ball, Zirkulation mit schnellem vertikalen Spiel in den Umschaltmomenten. Das ist oft ansehnlich, das direkte und risikofreudige Spiel verleiht der Mannschaft von Thomas Reis viel Anerkennung – es findet aber auf Kosten der Stabilität statt. Eine Spielidee, bei der sechs Leute stürmen, die muss man sich qualitativ leisten können. Im Übergang zum letzten Drittel werden da aber noch zu oft mit Ball die falschen Entscheidungen getroffen.

Die Geschäftsstelle von Schalke 04 | Foto: Peter Hesse

Peter Hesse: Ball ist ein gutes Stichwort. Denn zehn Tore in acht Spielen sind Schalkes Stürmer Simon Terodde bislang in dieser Saison gelungen. Das ist um noch so beachtlicher, dass Schalke zehn von insgesamt 13 Treffern sind, die sein neuer Klub Schalke 04 bisher erzielt hat.In der „Ewigen Torschützenliste“ der 2. Liga liegt Terodde mit 152 Treffern nur noch einen Treffer hinter Dieter Schatzschneider, der Legende von Hannover 96. So rangiert Schalke nun nach acht Spielen auf dem 8. Platz der zweiten Liga. Kommenden Sonntag treffen sie daheim auf den FC Ingolstadt – das müssten eigentlich klare drei Punkte sein, oder?

Thommy Junga: Ja, Simon Terodde ist entgegen seines Ex-Klubs VfL Bochum ja die personifizierte Effizienz. Bei dem gebürtigen Bocholter muss ich immer an einen alten Tom Liwa-Song denken: „Für die linke Spur zu langsam, für die rechte Spur zu schnell“. In der Bundesliga allenfalls Mitläufer, in der 2. Klasse ein Garant für Tore. Sicher können wir jetzt über Tempo, Zweikampfführung und Räume reden. Mir gefällt es aber besser in Terodde einfach einen klassischen Zweitligatorjäger zu sehen. Wie schon bei Schatzschneider ist so etwas nämlich etwas Wertvolles und Geerdetes. Momentan brauchen sie ihn auf Schalke noch als Alleinunterhalter, aber ich finde den Kader, den Rouwen Schröder in recht kurzer Zeit zusammengestellt hat, zumindest mittelfristig hochinteressant. Es ist sicherlich eine gute Idee, Spieler wie Latze oder Bülter mit regionaler Identität zu holen. Mannschaftlich muss man sich sicher noch stabilisieren, aber ich gebe Dir Recht, es muss nicht zuletzt wegen Terodde Anspruch dieses Vereins sein, nicht über Ingolstadt zu stolpern.

Teambus der SpVgg Unterhaching | Foto: Waldburger8 / wikipedia / CC BY-SA 3.0

Peter Hesse: Gehen wir mal tief in den Süden des Landes. Ex-Bayern Spieler Manni Schwabl ist derzeit Trainer bei der SpVgg Unterhaching – einem Team aus dere Regionalliga Bayern. Diese Woche gab sich Schwabl sehr ratlos, denn zwölf seiner Spieler haben sich mit Corona angesteckt. Gegenüber dem Münchener Merkur sagt er: „Von den zwölf positiv Getesteten sind zehn doppelt geimpft, einer ist genesen, nur einer war nicht geimpft – kurioserweise ist das derjenige, der den geringsten Wert aufweist.“ Das Risiko, das das Virus unbemerkt auch vollständig Geimpfte ansteckt, ist nach wie vor da. Sind die Infektionsschutzmaßnahmen für Fußballer zu kurz gedacht?

Thommy Junga: Was mich immer wundert: die 56 Vereine in den ersten drei Ligen sind infrastrukturell kaum vergleichbar. Da liegen ja gleich mehrere Welten dazwischen. Und Unterhaching ist dies bezüglich ein ideales Beispiel für das – sagen wir mal – beschauliche Extrem. Es geht in meinem Kopf nur so aus: entweder das Konzept muss sich an den Gegebenheiten am Ende der Nahrungskette orientieren – oder die allgemein gültigen Vorgaben können von einem solchen Verein gar nicht dauerhaft geleistet werden. Was da jetzt besser ist, das überlasse ich deiner Phantasie.

 

 

 

 

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