Die 9-Euro-Show

Hauptbahnhof Wanne-Eickel


Ab heute beginnen die Deutsche Bahn und die meisten Verkehrsverbünde mit dem Verkauf des Neun-Euro-Tickets. Es ist nicht mehr als eine Show.

Ja, viele werden in den kommenden drei Monaten viel Spaß mit dem Neun-Euro-Ticket haben, das sich die Bundesregierung mehr als zwei Milliarden Euro kosten lässt. Wir werden in den sozialen Medien feiernde Punks auf Sylt sehen, Berichte über mehr als zehnstündige Zugfahrten und überfüllte Bahnen lesen. Aber mehr als eine Show ist es nicht. Ob Menschen im Alltag auf Busse und Bahnen umsteigen, hat vor allem etwas mit der Qualität des Angebots und dem Preis zu tun.  Bahntickets im Nahverkehr, meldet das statistische Bundesamt, sind gegenüber 2015 um 19 Prozent teurer geworden. Die Preissteigerung im Nahverkehr lag damit über der allgemeinen Steigerung der Verbraucherpreise von 16,2 Prozent. Und die Qualität, die den Bürgern vor allem im Ruhrgebiet geboten wird, ist nach wie vor miserabel: Ausgefallene Züge, ein mieses Netz, schlechte Takte verdreckte Wagen und Verspätungen gehören zum Alltag. Ganze Städte im Ruhrgebiet wie Waltrop und Datteln sind überhaupt nicht ans Bahnnetz angeschlossen. Bei anderen wie Gladbeck und Bottrop liegt der Bahnhof am Rand der Innenstadt und muss mit dem Bus angesteuert werden. Im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr liegen die Preise um ein Mehrfaches höher als zum Beispiel in Berlin oder im Großraum Stuttgart. Die zahlreichen Verkehrsunternehmen im Ruhrgebiet dienen vor allem als Sozialstationen, in denen Minderbegabte in Vorständen ein warmes Büro und ein regelmässiges Einkommen erhalten. Will man den Nahverkehr nach vorne bringen, muss man diese Probleme lösen. Aber das ist schwieriger, als Steuermilliarden zu verbrennen.

 

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12 Kommentare

  1. #1 | Wilhelm Lohmar sagt am 23. Mai 2022 um 10:18 Uhr

    Ich werde mir die Situation ab dem ersten Juni erst einmal ansehen. Bisher habe ich in den Nahverkehrszügen sehr oft das Fahrrad mitgenommen. Ob das dann tatsächlich noch möglich sein wird möchte ich bezweifeln. Noch schlimmer wird es wohl für Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen werden.

  2. #2 | Suwarin sagt am 23. Mai 2022 um 10:25 Uhr

    Joa, ziemlich genau so. Das Ticket fällt mit meinem Urlaub zusammen und dann werde ich es ganz gut nutzen können. Zum Umstieg wird es mich nicht bewegen können, weil es einen ÖPNV, den ich im Alltag nutzen könnte, gar nicht gibt.

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 23. Mai 2022 um 10:59 Uhr

    Nachdem es gerade an der hiesigen Vorverkaufsstelle überraschend leer war, habe ich mir direkt ein Ticket für Juni gekauft. Ich habe vor, ein paar Großstädte in NRW anzufahren, die ich alle zeitnah erreichen kann. Da lohnt sich das mit dem 9-Euro-Ticket in jedem Fall, da mich selbst eine Fahrt zum Düsseldorfer Flughafen Hin und Zurück sonst schon über 20 Euro kostet. Und die Parkgebühren für das Auto entfallen auch, da ich dieses an der S-Bahn-Haltestelle in Dortmund kostenlos parken kann. Dauerhaft nutzen werde ich den ÖPNV aber nicht, da die Anbindungen hier im Ruhrgebiet schlicht eine Katastrophe sind, wenn man nicht direkt von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof reisen möchte. Aber für ein paar Ausflüge im Sommer ist dieses Ticket prima. Da stört es mich auch nicht, wenn die Züge voll sind. Ich kann auch mal ein Stündchen stehen.

  4. #4 | Angelika, die usw. sagt am 23. Mai 2022 um 14:45 Uhr

    #3
    @Robin Patzwaldt

    „…die Züge voll…“

    Neben den Unannehmlichkeiten für Rolli-Fahrer und Kinderwagen-Eltern (#1 wies darauf hin) sollte man sich wegen dieser voraussehbaren Enge in den Zügen auch wegen der allgemeinen Gesundheit Sorgen machen (Corona u.a.).

    Der nächste Herbst kommt.

    Dann eben keine vollen Züge mehr, dann eben wieder home-office usw..

  5. #5 | ZeroZero sagt am 23. Mai 2022 um 15:55 Uhr

    Das Ticket war gedacht als Entlastung für Abokunden in Hinsicht auf die Heizkosten, parallel zu dem Tankrabatt für Autofahrer. Für mich heißt das konkret 180€ Erparnis.

  6. #6 | SvG sagt am 23. Mai 2022 um 18:27 Uhr

    @1; Wilhelm Lohmar: Und die Väter sind Ihnen wohl egal?

  7. #7 | Angelika, die usw. sagt am 24. Mai 2022 um 10:00 Uhr

    #6
    @SvG

    ElterInnen

    PapaMamas

    MamaPapas

    oder so …

  8. #8 | Dirk Schmidt sagt am 25. Mai 2022 um 09:31 Uhr

    Mehr als 2 Mrd € kostet das Experiment. Kostensteigerung durch höheren Dieselpreis (trotz meist langfristiger Verträge), allgemeiner Preissteigerung, Mehrbelastungen wegen Corona und auch den erwünschten Ausbau des Angebots sind politisch von der Bundesebene für mindestens das laufende Jahr jedoch nicht bearbeitet.

    Ich halte es für wahrscheinlich, dass nach dem 9-Euro-Experiment viele Tickets teurer werden müssen als vorher. Die 2 Mrd hätten da geholfen, auch nachhaltiger. Angesichts der vielen Probleme im System wundere ich mich über das Experiment.

    Gleichwohl werde ich es mir holen. In den letzten zwei Tagen habe ich drei VRR-Fahrkaten für 15.70 € gekauft. Selbst ein Vierfahrtenschein lohnt sich nicht, da ich erst ab 1.6. wieder Bus&Bahn nutze. Dann für 9 Euro den ganzen Monat.

    Dafür nehme ich eine 75 Minuten länger dauernde Fahrt im Vergleich zum Auto öfter in Kauf. Aber was nützt mir der 9-Euro-Fahrschein, wenn kein Bus fährt? Umsteigen und der Weg zum Bahnhof sind für mich oft das Problem. Manchmal gibt es nicht mal Taxis.

  9. #10 | Emscher-Lippizianer sagt am 26. Mai 2022 um 07:38 Uhr

    Es ist ja nicht so, als ob die Deutsche Bummelbahn AG nicht noch ein paar Regelungen für Kursbuchliebhaber aus Absurdistan hätte:

    https://www.stern.de/reise/9-euro-ticket-nicht-in-allen-regionalzuegen-gueltig—vor-reise-informieren-31896004.html

    Gute Reise!

  10. #11 | Lehmbruck sagt am 27. Mai 2022 um 11:13 Uhr

    Abwarten. Positiv ist, dass besagte Sesselpupser, die freiwillig nichts für einen attraktiven Nahverkehr tun, nun gezwungen werden, diese Aktion umzusetzen, ohne dass es ein großes Chaos gibt. Ich kenne durchaus ein paar eingefleischte Autofahrer, die trotz verbleibender Skepsis so neugierig sind, dieses Ticket für die Fahrt zur Arbeit und für Tagesausflüge nutzen zu wollen. Und wer weiß, vielleicht kommen ja einige auf den Geschmack. Bahnfahren in Deutschland erfordert immer etwas Leidensfähigkeit und Improvisation – aber dafür spart man sich den Stress am Steuer (Staus, Parkplatznot, Rücksichtslosigkeit) und kann sich ein lecker Weinchen oder Bierchen gönnen.

  11. #12 | thomas weigle sagt am 27. Mai 2022 um 13:30 Uhr

    Ich gönn mir ein paar Nebenstrecken,die ich schon immer mal fahren wollte. Bspw HW-BI-MS-Enschede.

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