Nicht jeder Krieg ist gleich

Russische Soldaten im Dezember 2016 in Aleppo Foto: Mil.ru Lizenz: CC-BY 4.0


Ein immer wiederkehrendes Argument der Putinistas ist „Wieso durften die USA Irak, Afghanistan, Libyen, etc. bombardieren und bekamen keine Sanktionen, aber Russland bombardiert die Ukraine und wird sofort sanktioniert?“ Natürlich werden nur die Kriege der USA angeführt. Die Tatsache, dass Russland zuvor unter Putin mehrere Kriege geführt hat – Tschetschenien, Georgien, Syrien – und nicht sanktioniert wurde, wird nicht erwähnt. Aber gerade diese Beispiele zeigen, dass es keine Doppelmoral gegen Russland gibt. Von unserem Gastautor Jorge Arprin.

Ich bin nicht der Meinung, dass der Krieg gegen Tschetschenien oder die Intervention in Syrien „besser“ oder „humanitärer“ waren als der Krieg gegen die Ukraine. Aber trotzdem ist nicht jeder Krieg gleich. Der Krieg gegen Tschetschenien war ein Bürgerkrieg gegen eine abtrünnige Provinz. Die Intervention in Syrien war eine Parteinahme in einem bereits ausgebrochenen Bürgerkrieg zwischen zwei sehr schlechten Seiten. Beide waren grausam. Aber es hat eben nicht wie in der Ukraine all diese 3 Dinge erfüllt: 1.) Ein fremdes Land angegriffen 2.) mit einer demokratisch gewählten Regierung 3.) mit dem Ziel, das Land komplett oder Teile davon zu annektieren. Folglich war die internationale Reaktion bei all diesen Kriegen eine andere als bei der Ukraine.

Die Kriege der USA, die man alle kritisch sehen kann, waren meistens Interventionen in bereits ausgebrochene Bürgerkriege wie Russlands Intervention in Syrien (nur weniger grausam). Eine bekannte Ausnahme war der Irak 2003. Aber auch kein Vergleich zur Ukraine, denn Saddam war ein brutaler Diktator und die USA wollten nicht den Irak annektieren. Ein Äquivalent zu diesem Krieg wäre es, wenn Russland unter falschem Vorwand Nordkorea angreift um Kim Jong-Un zu stürzen. Die Welt würde wohl dagegen sein, aber keiner würde „Solidarität mit Nordkorea“ zeigen, eben weil Kim ein brutaler Diktator ist und es keine Annektion Nordkoreas gäbe.

Ein passender Vergleich zum Krieg gegen die Ukraine wäre es, wenn die USA Kanada oder Schweden überfallen würden, mit dem Ziel, es komplett oder teilweise zu annektieren. Und wenn das passieren würde, würde Europa sicher anders reagieren als auf Irak 2003. Der Backlash gegen die USA wäre unvorstellbar. Man würde Sanktionen erlassen, sich aus Organisationen mit den USA zurückziehen oder die USA rauswerfen, europäische Konzerne würden sich aus den USA zurückziehen, Europa würde Kanada (oder Schweden) bewaffnen damit sie Widerstand gegen die USA leisten und der herrschende US-Präsident wäre als neuer Hitler gebrandmarkt.

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12 Kommentare

  1. #1 | Reginald sagt am 23. Mai 2022 um 21:28 Uhr

    İch finde es einfach skandalös wenn es hier in Europa noch irgendwelche Putin Versteher gibt.Der Westen,also gleich USA hat nie irgendeinen Krieg geführt wo das Auslöschen der Zivilbevölkerung das Hauptkriegsziel war.Genau das tut Putin aber.Egal ob in Tschetschenien,Syrien oder die Ukraine oder sonstwo Putin Krieg führt.Darum fordere ich die sofortige Abschottung Russlands.Russland ist wie das COVID Virus zu behandeln.İch habe die Hoffnung aufgeben dass es eine friedliche Welt gibt.Rusdland gehört überall außerhalb seiner Staatsgrenzen bekämpft.Die anderen Länder haben ein Recht auf Demokratie.

  2. #2 | Arnold Voss sagt am 24. Mai 2022 um 13:16 Uhr

    @ Thomas Schweighäuser # 2

    Was genau waren denn bisher die Verbrechen der NATO? Und welche davon wurden von wem begeistert beklatscht? Informieren sie mich!

  3. #3 | Paulinchen sagt am 24. Mai 2022 um 17:44 Uhr

    @ Arnold Voss

    wie könnte eine humanitäre Organisation wie die NATO Verbrechen begehen?!

  4. #4 | nussknacker56 sagt am 24. Mai 2022 um 19:30 Uhr

    Paulinchen, die NATO ist keine humanitäre Organisation sondern ein Verteidigungsbündnis. Wenn Sie etwas über Verbrechen wissen sollten Sie Klartext reden, statt wie Thomas Schweighäuser herum zu unken. Zum Beispiel: was wissen Sie über den Angriffskrieg der NATO in der Ukraine?

    Apropos, wohin ist denn der Kommentar #2 verschwunden?

  5. #5 | Arnold Voss sagt am 24. Mai 2022 um 20:06 Uhr

    @ Paulinchen # 3

    Das kann Thomas schon selbst beantworten. Und was sie betrifft: Ich beantworte keine rhetorschen Fragen. Aber, by the way, wo haben sie gelesen, dass die NATO eine humanitäre Organisation ist?

  6. #6 | Bülent Zünbüldere sagt am 24. Mai 2022 um 20:56 Uhr

    Wir stehen vor einem Scherbenhaufen der es in sich hat.Ich habe mir schon in den 90er Jahren gedacht;der russische Bär ist schwer verletzt,entweder wird Er endgültig zerlegt oder Er wird vollständig auf unsere Seite gezogen.Leider,leider hat man die letzten 20 Jahre nur zugeschaut wie der russische Bär sich erholt und zum Gegenschlag ausholt.Als wenn man unbedingt einen militärischen Gegner bräuchte um seine eigene Existenz (NATO) zu rechtfertigen.Ich kann beim besten Willen nicht erkennen warum man Russland keine Mitgliedschaft in der NATO angeboten hat.Ich kann beim besten Willen nicht erkennen warum man das Sicherheitsbedürfnis Russlands so wenig wertgeschätzt hat und den Russen immer mehr auf die Pelle gerückt ist.So wird das nichts werden.Der maximale Schaden ist entstanden und ich persönlich sehe keine Möglichkeit mehr einer Rückkehr zur friedlichen Koexistenz.Die nächsten 20 Jahre sind verloren,so wie die letzten 20 Jahre vergeudet worden sind.Wirklich traurig.Die Unfähigkeit der Politiker hier in Europa ist wirklich mittlerweile zum Haare raufen.Vor allem der Deutschen Politiker die hier anscheinend nur noch das Wohl der Autoindustrie vor Augen haben und sonst gar nichts.

  7. #7 | Paulinchen sagt am 24. Mai 2022 um 22:38 Uhr

    @ Arnold Voss und nussknacker56

    ich freue mich über eure Unterstützung der NATO! Kann ich spenden, wie für „Brot für die Welt“? Ich möchte das natürlich nicht vergleichen, die NATO tut viel mehr für die Menschen!

    Wer ist „Thomas“ / „Thomas Schweighäuser“? Ich sehe hier keinen „Thomas Schweighäuser“: hat jemand Probleme? Visionen?

  8. #8 | Arnold Voss sagt am 25. Mai 2022 um 08:59 Uhr

    @ Paulinchen # 7

    Ich mache Menschen gerne eine Freude. 🙂

  9. #9 | Don Giovanni sagt am 25. Mai 2022 um 09:13 Uhr

    Liebes Paulinchen!
    Niemand hat Probleme, denn Thomas Schweighäuser hatte unter #2 veröffentlicht.
    Ansonsten, liebes Paulinchen, sind Sie sicher einer der Fahnenhalter der alten DKP-nahen Agitatoren (Sie haben sicher den Blog „Paulinchen“ betrieben), die die NATO – wie einst die Propaganda in der DDR, insbesondere in den Gazetten der NVA (bis Ende 1989) – als aggressives Bündnis betrachten, die nur die Errungenschaften des Sozialismus an sich reißen wollen, weil es mit dem Kapitalismus immer schneller bergab geht.

  10. #10 | Paulinchen sagt am 25. Mai 2022 um 10:03 Uhr

    @ Don Giovanni

    Ich liebe die Westlichen Werte und die NATO! Und natürlich den so charmanten Arnold Voss! Kann ich nach seiner Telefonnummer fragen? Er ist so zum Knutschen!

    Mit einem zufällig namensgleichen Blog, mit DKP, DDR und NVA habe ich nichts zu tun:
    Sind das schon wieder Visionen wie „Thomas Schweighäuser“?

  11. #11 | Don Giovanni sagt am 25. Mai 2022 um 12:05 Uhr

    Liebes Paulinchen,
    Sie meinen es also ernst mit Ihrer Liebe zur NATO und den westlichen Werten. Dann war meine Interpretation ihrer Auslassungen falsch, denn ich hatte beißende Ironie vermutet..
    Dann also nichts für ungut, ebenso hinsichtlich des “ zufällig namensgleichen Blog[s]“.
    Allerdings: Alles als „Visionen“ abzutun, was nicht zutreffend sein könnte (ich gehe einmal davon aus, das Ihre Information zu dem Blog „Paulinchen“ stimmt) erinnert dann doch ein wenig an das religiös überhöhte Selbstbewusstsein der Anhänger des DIAMAT und des HISTOMAT, die ja alles Andere als bürgerlich-halluzinatorische Ideologie abtaten – allerdings seinerzeit (in den Siebziger und Achtziger Jahren d. 20. JH) mit der Autorität des RGW und des WP im Rücken.

  12. #12 | Thomas Schweighäuser sagt am 26. Mai 2022 um 17:17 Uhr

    Damit hier nicht nur über mich, sondern, wenn es die Liberalität dieses Blogs erlaubt, auch mit mir geredet werden kann, so erlaube ich mir den Hinweis, dass ich lediglich darauf hinwies, dass nicht jeder, der auf Angriffskriege von Nato oder Nato-Ländern hinzuweisen sich erdreistet, automatisch ein „Putinista“ genannt werden sollte.

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