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Die Grüne Partei will Blogger kaufen

OK. Die Überschrift ist hart. Sie ist reißerisch. Aber sie ist nichts weiter als zugespitzt. Und irgendwie wahr. Es geht um ein ethisches Problem. Wie weit dürfen Parteien gehen, um in relevanten Blogs aufzutauchen? Dürfen Sie sich Raum im geschriebenen Teil von Blogs kaufen? Ist das Schleichwerbung?

Seit gut fünf Jahren gibt es im professionellen Journalismus eine Debatte darüber, wie Journalisten in eigenen Reihen mit Korruption umgehen sollen. In Konsequenz der Debatte haben Verlage wie die WAZ oder Springer eigene Ehren-Codexe beschlossen. So dürfen keine Umsonst-Reisen mehr angenommen werden. Etwa wenn der Bundesminister für Verteidigung nach Afghanistan fährt. Denn, so die Befürchtung, die Unabhängigkeit der Gedanken könnte  zugunsten eines netten Trips in netter Gesellschaft flöten gehen. Doch die Grünen wollen dieses Denken offenbar durchbrechen und zumindest unter Bloggern wildern.

OK. Die Überschrift ist hart. Sie ist reißerisch. Aber sie ist nichts weiter als zugespitzt. Und irgendwie wahr. Es geht um ein ethisches Problem. Wie weit dürfen Parteien gehen, um in relevanten Blogs aufzutauchen? Dürfen Sie sich Raum im geschriebenen Teil von Blogs kaufen? Ist das Schleichwerbung?

Seit gut fünf Jahren gibt es im professionellen Journalismus eine Debatte darüber, wie Journalisten in eigenen Reihen mit Korruption umgehen sollen. In Konsequenz der Debatte haben Verlage wie die WAZ oder Springer eigene Ehren-Codexe beschlossen. So dürfen keine Umsonst-Reisen mehr angenommen werden. Etwa wenn der Bundesminister für Verteidigung nach Afghanistan fährt. Denn, so die Befürchtung, die Unabhängigkeit der Gedanken könnte  zugunsten eines netten Trips in netter Gesellschaft flöten gehen. Doch die Grünen wollen dieses Denken offenbar durchbrechen und zumindest unter Bloggern wildern.

In der ethischen Debatte wird heute schon über die bevorzugte Nähe zu Gesprächs- und Interviewpartnern diskutiert. Ob auch das als Bestechung ausgelegt werden kann. Soweit würde ich nicht gehen. Aber es ist sicher richtig, dass ein Journalist nicht fahren darf, wenn sich ein Verlag eine Reise nicht leisten kann. Sonst wird es kompliziert mit der Unabhängigkeit. Diese Erkenntnis muss man lernen. Auch als Reporter. Früher wurde das anders gesehen. Auch ich war da vor ein paar Jahren nicht so strikt drauf. Ich glaube, ich bin mal vor ein paar Jahren nach München zur Expo Real gefahren und der RVR hat bezahlt. Aber in der Debatte habe ich gelernt. Heute würde ich das nicht mehr tun. 

Ich will jetzt aber nicht die Diskussion aufreißen, ob Blogger Journalisten sind und sich an die gleichen ethischen Grundsätze halten sollten. Also an die Grundsätze der Meinungsunabhängigkeit und Unbestechlichkeit. Ich weiß auch, dass es viele Graubereiche gibt. Und die Grenze zwischen gut und böse nicht immer scharf zu sehen ist.

Aber eines gilt es fest zu halten: Blogger schaffen Öffentlichkeit in einem modernen Medium. Sie gelten als ehrlich und unbestechlich, da sie von unten kommen, nicht aus einer wie auch immer verbrämten Journalistenclique, sondern aus der Gruppe der freien Bürger, die ihre eigene Gegenöffentlichkeit schaffen.

Etliche Blogger teilen hart aus, wenn es um Fehler geht und Schleichwerbung. Zum Beispiel auf Bildblog.de

Das ist gut. Und ich will das nicht angreifen. Aber ich will etwas anderes angreifen.

Und zwar hat die Grüne Partei für ihren Bundesparteitag fünf Blogger eingeshoppt. Diese bekommen:

Anfahrtskosten (per Bahn) und Übernachtungskosten, Internetzugang während der Veranstaltung und den Zugang zum Pressezentrum sowie der Eröffnungspressekonferenz. Auf Wunsch wird versucht Hintergrundgespräche mit GRÜNEN Spitzenpolitiker/innen zu organisieren. Außerdem gibt es eine inhaltliche Betreuung durch Bundesvorstandsmitglied Malte Spitz

Dafür sollen die Blogger als Gegenleistung auf ihrer eigenen Seite und auf der Seite der Bundesgrünen über den Parteitag berichten.

Die Grünen wollten für diese Propagandaaufgabe nicht irgendwelche Blogger. Sie wollten gute Blogger. Blogger, die was drauf haben, die relevant sind. Die Grünen wollten keine Spinner.

Deswegen sollten sich die Blogger um die Anfahrtskosten, die Übernachtungskosten, den Internetzugang, den Zugang zum Pressezentrum, die Eröffnungspressekonferenz, die Hintergrundgespräche und die INHALTLICHE BETREUUNG durch Malte Spitz bewerben. Es heißt auf der Seite:

Bewerben können sich alle politisch Interessierten mit einem eigenen Weblog. Bekanntheitsgrad und politische Couleur spielen keine Rolle. Ausgewählt werden die interessantesten Bewerber/innen. Die Bewerbung sollte mit einem kurzen Motivationsschreiben begründet werden.

Ausgewählt wurden unter anderem zwei der Blogs, die ich sehr gut finde:  Der Pottblog und Coffee and TV.

Die beiden gehen offen mit ihrem Engagement für die Grünen um. Das finde ich gut. Ich glaube auch nicht, dass sie sich inhaltlich was vorschreiben lassen.

Aber geht es darum? Geht es darum, Ihnen etwas inhaltlich vorzuschreiben? Ich denke nein. Die Grünen wollen ihre Partei modern darstellen. Deswegen wollen sie in diese verdammten Blogs rein, die Obama so erfolgreich gemacht haben. Sie wollen ihren Staublangweiligen Parteitag in angesagten, ehrlichen und deswegen relevanten  Blogs platzieren. Mehr noch, sie wollen die Nummer inhaltlich betreuen und zielgruppengerecht in den für sie wichtigen Regionen platzieren. Oder warum werden zwei Leute aus NRW ausgewählt?

Die Grünen wollen ihre Mantra in der Blogger-Welt viral einspritzen. Diskussionen anregen und dazu noch die Blogger auf die eigene Seite lotsen, damit sie ihr Publikum auch dorthin mitbringen. So wird Parteiwerbung maximal im Netz gestreut. Und gleichzeitig die Grüne Partei als fortschrittlich, internetaffin, modern gelabelt.

Das ist in meinen Augen der Versuch der Grünen Schleichwerbung zu platzieren. Und für was? Für ein Bett, ein Butterbrot und ne Fahrt 2. Klasse.

Ich frage mich, ob hier von PR-Profis im Dienst der Grünen die Naivität von Blogger ausgenutzt werden soll, die nicht im Kurs der ethischen Debatte stehen. Die ihren Wert nicht kennen. Die sich auch noch freuen, wenn sie billig eingeshoppt wurden.

Natürlich kann sich ein Blogger eine Reise nach Erfurt nicht wie ein Verlag einfach so erlauben. Aber wenn er sich das nicht leisten kann, muss er sich dann den Trip ausgerechnet von den Leuten bezahlen lassen, die ihn inhaltlich betreuen wollen und über die er kritisch schreiben will?

Ich finde eine Diskussion über ethische Grundsätze unter Bloggern wichtig. ich weiß, es gibt sie schon ein paar Tage. Aber es kann nicht alles OK sein. Und wir müssen die Diskussion weiter führen. Ich weiß, es ist schwierig, mit bloggen Geld zu verdienen. Aber es gibt so viel schlimmes. Pro-Blogger, die für Geld für Coca Cola bloggen. Und so Sachen.

Leute, denkt doch nochmal drüber nach.

Denn sonst könnte es sein, dass der WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach recht hat, wenn er sagt, anders als in der Anarchie des Internets unterlägen klassische Medien einer gewissen Kontrolle und fühlten sich moralischen Kriterien verpflichtet. Die wichtigste Funktion der Medien bleibe auch in Zukunft "die Schaffung von Transparenz und dadurch die Kontrolle der Macht und der Mächtigen".

Mit Macht und Mächtigen sind auch die Grünen gemeint.

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57 Kommentare zu “Die Grüne Partei will Blogger kaufen

  • #1
    Jens Kobler

    Wie wollen die Kollegen denn weitermachen? Ein Banner der Partei auf die Seite? Oder der Ausgeglichenheit halber jetzt auch von jedem anderen Parteitag berichten? Diese Diskussionen kennen wir seit vielen Jahren. Die jüngeren müssen da jetzt durch. Gut wenn sie Unterstützung erhalten beim „growing up in public“. Also los:
    Dass B90/G eine andere Einkaufspolitik hat als andere (die zu ihren sonstigen Rekrutierungsmethoden passt), täuscht uns ja auch nicht über die handelsüblichen Mechanismen hinweg. Man kennt ja die „alternative Prostitution“. Dass und wie die Grünen aber immer wieder einfach mit Schokolade für die lieben Kinder werben,… „Wir sind doch alle gegen Atomtod, für die Umwelt und für Emanzipation und äh Sonnenblumen!“ „Die Grünen sind anders als die anderen,…“ Ich kann’s nicht mehr hören.
    Im Grunde ist das eine Ausschreibung die überschrieben sein könnte mit „Unbezahlte Kinderarbeit im Angebot! – Braucht jemand etwas Politglam?“. So interpretiert man so etwas doch als politisch Interessierter, oder? Aber die bewusste Konsequenz zu ziehen dass einem das egal ist, das ist ja durchaus erlaubt in der freien (Internet-)Wirtschaft und unter mündigen Bürgern. Also: Viel Spaß in Erfurt!

  • #2
    Elmar Kok

    Hmm. Ich würde die Geschichte nicht so hoch hängen. Wenn jemand meint, für ’ne geschenkte Fahrkarte in die Zone inkl. dortiger Übernachtungsmöglichkeit von so etwas Langweiligem wie einem Grünen-Parteitag bloggen zu müssen, soll er das tun.

    Ob es dem Blog denn dann hilft, halte ich auch für fraglich. Solange keine Zensur stattfindet, ist mir das echt egal. Ist ja schließlich deren Freizeit, sind ja nicht für ihr Blog noch irgendwo anders angestellt.
    Und ob es den Grünen hilft? Naja, ich halte Blogs über Parteitage für ungefähr so interessant und relevant, wie die neue „Einkauf aktuell“, die mir die Post jeden Samstag in Klarsichthülle inkl. Fernsehprogramm in den Kasten wirft. Will sagen: Als SPAM jederzeit leicht erkennbar.
    Grüße, Elmar

    P.S.: Hat eigentlich irgendjemand die Seite www.parteitagsblog.de schon gesichert? Könnten zukünftig ein paar Zugfahrkarten dranhängen…

  • #3
    Stefan Laurin

    Ich bin mir sicher, dass die Texte von Jens und Lukas äusserst lesenswert und lustig sein werden. Vielleicht gibt es ja auch ein Video.

  • #4
    David

    Ich bin mir nicht sicher, ob die Texte besonders wertvoll sind, wenn ich bei jedem Satz denken muss: „Und jetzt reibt sich der Malte mal wieder die Finger.“

    In meinen Augen ist das ganze Ding ganz, ganz schwierig.

  • #5
    Jens Kobler

    Also, ich gehe davon aus, dass in beiden Publikationen dasselbe steht. Macht man offiziell das eine und im eigenen Blog das andere, dann ist das natürlich … nicht ganz so problematisch.

  • #6
    Ponk

    Ist der Unterschied hier nicht, dass ein Jounralist in seinem Artikel nicht erwähnen würde, wer ihm die Reise bezahlt hat? Ein Blogger dagegen geht damit offen um und kann somit seinem Leser überlassen zu entscheiden, wie kritisch er den Aussagen des Textes gegenübersteht.

  • #7
    Der Brüsseler

    Wenn ich an den Aufschrei der Empörung denke den es zur WM damals gab als einige Blogger in die Coca-Cola-WG zogen, dann hat sich in den letzten Jahren sich viel verändert. Inzwischen ist „gesponsertes“ Bloggen nicht mehr verrufen, also warum sollten die Grünen nicht auch diesen Weg gehen? Hauptsache ist doch, dass diese Blogger neutral und objektiv bloggen (und twittern). Davon kann man zumindest beim pottblog und C&T ausgehen 😉

  • #8
    Jens König

    „Die Grünen wollten keine Spinner.“ Is klar. Haben sie ja schon genug von.

    Spass beiseite, Ehren-Codexe (Codices??? ich weiss es nich) sind so was von fürn Arsch. Um beim Beispiel von ganz oben (BuMi in Afghanistan) zu bleiben: Die Jungs dürfen den Trip vielleicht noch selber bezahlen bzw. der Verlag, aber wenn sie nichts Genehmes schreiben werden sie doch beim Nächstenmal nicht mehr eingeladen, oder? Zum zweiten kenne ich grosse Unternehmen und ihre Codices. Das sind Deckmäntelchen. Nicht mehr und manchmal weniger.

    Desweiteren kann der Schuss für die Grünen auch nach hinten losgehen (Dein Bericht ist Indiz dafür). Sieht halt scheisse aus, was sie da versuchen. Allein die Formulierung „Außerdem gibt es eine inhaltliche Betreuung durch Bundesvorstandsmitglied Malte Spitz“ ist feinster Neusprech Orwellscher Manier. Da kann einem ja kotzübel werden. Inhaltliche Betreuung??? Hääää? Sind die iree geworden?
    Die cooleren unter den Bloggern -wenn nicht vorher ausgesiebt- schreiben womöglich noch, was sie wirklich denken. Ätsch Malte.

    Der Blogger selber kann seine Reputation bei den Lesern verlieren, denn sowas kommt raus, da werden Leser hellhörig und kritisch, dem werden dann die Kommentare um die Ohren fliegen. Der Blogger ist nichts ohne seine Leser.

    Bodo Hombach hat vermutlich Recht: Klassische Medien unterliegen einer gewissen Kontrolle
    Ich meine: Internet-Blogs unterliegen eine demokratischen Kontrolle.

    Von daher begrüsse ich die Anarchie des Internets.

  • #9
    Jens Kobler

    @ Jens König:
    Ich stimme im Prinzip zu, aber die bisherige Geschichte des Internets (und die Gepflogenheiten der aktiven Teilnehmer) machen doch ziemlich klar, dass immer ganz viel „ehrenamtlich“ und „demokratisch“ und „auf eigene Kappe“ gemacht wird, bis dann irgendwann der Laden so oder so verkauft wird.
    Und dann haben wir die übliche Nischenbildung und Spezialisierung (auch auf Zielgruppen hin), und die Kontrolle unter z.B. grün-affinen Lesern/Mitgestaltern etc. (und/oder einfach Nicht-Denkern) wird dann doch recht bescheiden ausfallen. Also: Aus den Sex Pistols wird Green Day, aus gerüchteweise herrschaftsfrei operierenden Bloggern ganz normale Kaufleute, die ihre Kunden bedienen – nach oben wie nach unten. (gääähn)
    Insofern sind irgendwie breit aufgestellte Medien potentiell resistenter als bloggende Ich-AGen, aber auch da wird im (wirtschaftlichen) Zweifel gerne mal irgendwann „krankes Gewebe abgestoßen“, um die Kommerzialisierbarkeit zu sichern. (Vergleiche auch diverse Szenepostillen im Print.) Womit Hänschen noch übt, damit muss der Hans später die Ernte dringend reinholen – ein typisch kapitalistisches Adoleszenzdrama quasi, s.a. „Eigenblutdoping“ von D. Diedrichsen, Kapitel 3. 🙂 Und: Was nicht transparent ist, muss im Zweifel die Konkurrenz transparent machen. Und ein letztes: Der (Hobby-)Anarchist kann ja auch einfach tagsüber bei Rank Xerox arbeiten gehen und dann über alles bloggen, nur nicht über Rank Xerox.

  • #10
    David

    @ Brüsseler,

    Ich denke es ist extrem schwierig, dass Du wirklich objektiv bloggen kannst, wenn der Typ, der neben Dir die ganze Zeit mit dem Geld in der Tasche klimpert, Dich aushält. Schlimmer noch: Der Malte kontrolliert ja auch was Du schreibst, liest mit. Löschen wird er nicht aber das muss er auch nicht in der richtigen Umgebung.

    Aus diesem Grund finde ich gesponsortes Bloggen im Grundsatz verwerflich, wenn der Blog als unabhängiges Medium auftritt. Sei es als Medium, das von Journalisten publiziert wird, oder als Medium, das von Freidenkern herausgegeben wird. Gesponsertes Bloggen ist PR. Wenn man PR machen will ist das OK. Das kann man kennzeichnen und sich dann als Werbeplattform verkaufen. Warum nicht?

    Gesponsertes Bloggen für eine Partei ist Polit-PR. Aber nehmen wir dafür ruhig den alten, guten, passenden Namen Propaganda. Will ich Propaganda lesen? Naja…..

    Aber immerhin wird die Propaganda als solche kenntlich gemacht. Das ist ja auch schon mal was.

    @ Jens König

    Wenn einer gegen den Verteidigungsminister böse schreibt hat das keine Auswirkungen. Denn üblicherweise wird nicht der Reporter eingeladen, sondern der Verlag und der schickt dann den zuständigen Reporter.

    Es kommt vor, dass der Verlag nicht mehr eingeladen wird. Aber das ist auch egal. Dann schickt der Verlag halt den Reporter im nächsten Flieger hinterher.

    Es kommt auch vor, dass Unternehmen versuchen, sich ihre Interviewer auszusuchen. Da hilft dann die Absprache innerhalb eines Verlages weiter. Oder das bad Cop Good Cop Spiel. Hauptsache intern läuft alles grade.

    Aber eines ist klar: Bezahlt wird selber.

    Sicher gibt es Ausnahmen und Grauzonen. Aber im Fall der Grünen Kauf-Bloggerei sehe ich die Grenze überschritten.

  • #11
    Malte

    dann mische ich mich auch einmal in die Debatte ein. Zu Beginn einmal zur „inhaltlichen Betreuung“: wer glaubt ich würde dort neben den Fünfen sitzen und über die Schulter schauen, irrt. Die Idee ist, daher gibt es nächste Woche auch eine Telefonkonferenz zur Vorbereitung, einfach praktische Fragen zu klären und wenn man vor Ort vielleicht sich einmal mit jemanden unterhalten möchte, einen Kontakt zu vermitteln. Auf so einem Parteitag schwirren weit über 1000 Menschen herum, das ist nicht immer übersichtlich.

    Nun aber zum Vorwurf man würde sich dort gute PR einkaufen. Fakt ist das die Zahl der Blogger die frei von Verlagen in Deutschland arbeiten und zu Veranstaltungen auf eigene Kosten reisen können mehr als begrenzt ist. Es gibt noch nicht massig Blogger die hauptberuflich arbeiten. Zudem wollten wir nicht einfach nur die Blog-Charts durchgehen und nach Namen einladen. Deshalb die Idee mit dem Stipendium für das man sich bewerben konnte. Wir wollten wissen wieso Leute zu unserem Parteitag fahren wollen und wie gut oder auch unterschiedlich ihre Blogs sind. Da wird dann natürlich ausgewählt und man bewertet nach eigenen Kriterien, das ist aber bei allen Dingen wo man auswählt so.

    Das die Leute die sich für so etwas bewerben sich kaufen lassen, finde ich etwas unverschämt. Wir als auch die fünf Blogger werden glaube ich sehr transparent mit dem Thema umgehen, sonst würden wir ja nicht alles öffentlich machen, Lukas und Jens haben ja schon jeweils über ihre Auswahl geschrieben. Würde man wirklich sich ein paar nette Blogbeiträge einkaufen wollen, würde man mit Sicherheit ganz anders an die Sache herangehen, andere Parteien machen ja sowas angeblich, nette Schnittchen Platten etc.

    Ich finde es aber gut das es schon im Vorfeld eine Diskussion über das Thema gibt, dann wird man anschließend sehen und gemeinsam, vermutlich unterschiedlich, bewerten wie erfolgreich die ganze Sache war. Ich freue mich zumindest das es ein solches Interesse an der ganzen Sache gibt und Leute es spannend finden zu einem grünen Parteitag zu kommen.

  • #12
    David Schraven Beitragsautor

    Malte schrieb: >>>Ich freue mich zumindest das es ein solches Interesse an der ganzen Sache gibt und Leute es spannend finden zu einem grünen Parteitag zu kommen.<<<< Und sich dafür die Reise, Verpflegung, Unterkunft und Tralala bezahlen lassen. Malte tut mir leid. Ich halte da wenig von. Wie viel zahlt ihr Reportern? Vermutlich nix. Warum müsst Ihr Blogger bezahlen? Es hört sich nach Propaganda an. Und der Ton macht die Musik. Du schreibst, auch bei anderen Parteien soll es sowas geben. Laß uns nicht von Schnittchen reden und so ein Kleingebimmel. Hier geht es um Fahrtkosten und Hotels. Wer macht das und wo? Oder kauft da wer sogar direkt Beiträge. Würde mich interessieren. Gerne auch privat per Email an: david.schraven@ruhrbarone.de Und die Namen der anderen drei bezahlten Blogger würden mich natürlich auch interessieren. Im Sinne der Transparenz. Nix für ungut. Es geht um Moral. Und die ist manchmal sauer.

  • #13
    Thomas

    David:
    > Aber im Fall der Grünen Kauf-Bloggerei sehe ich die Grenze überschritten.

    Ich sehe das deutlich nicht so; ich finde auch, daß das als von Dir idealtypisch vorgetragene Argument von der Nichtkäuflichkeit des Journalisten nicht zutrifft.

    Wenn ich eine gute Zeitung, sagen die NYT, Haaretz oder die Volkskrant weglese, weiß ich, daß generell keiner der Schreiber sich kaufen läßt.

    Wenn ich gekoberte Blogs über Parteitage über diese weglese, die Nummer haben übrigens die Amis erfunden, genauer ist sie in der Propagandaschule Karl Roves entwickelt worden, weiß ich – das ist ein anderes Medium.

    Ich weiß: Das ist ein Blog. Und der Schreiber darin wird mir seine Verflechtungen transparent machen. Er wird mir schreiben, daß er eingeladen wurde. Und daß die Partei, die Firma Coca Cola, der Sponsor whatever seine Spesen trägt.

    Ich finde das Konzept innovativ für Konstituierung von Öffentlichkeit: Idealtypisch wird der Schreiber schon schreiben, was er im Rahmen dieser Einladung so zum Eigentlichen meint.

    Es liegt an mir, das einzunorden. An mir als Leser.

    Insoweit ist hier auch eine neue Art der Medienkompetenz berührt.

    Und ich finde Parteien, die die Traute haben, sich Leute, unabhängige Leute zur Berichterstattung einzuladen, in der Sache sehr gut.

    Daß die sich davon Propaganda erhoffen, geschenkt. Sie kriegen die ja nur im Rahmen des Konzeptes der repressiven Toleranz.

    http://www.infopartisan.net/archive/1967/2667108.html

    Aber – in dem Rahmen schreiben wir alle. Damit ist immerhin weit mehr zugelassen, ja gerade erstritten worden als mit dem Konzept des demokratischen Zentralismus.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratischer_Zentralismus

    Ich persönlich bin natürlich für ein Hotelzimmer nicht käuflich. In Belarus haben es so Stadtschranzen mal mit einem Callgirl drin versucht. No way! Not my way.

  • #14
    Thomas

    David, Malte hat völlig recht mit der Bestrebung, Blogger zu seinem Parteitag einzuladen. Und denen die Tour zu sponsern. Das ist ja schließlich die Partei der Grünen, und die sind die Rechneraffinsten und Vernetztesten immer gewesen. Seit in der Düsseldorfer Volksgartenstraße in der LGS im Versammlungsraum ein gebrauchter Telexapparat stand.

    Ich denke, keiner der erkorenen Blogger wird sich schwer beindrucken lassen von den Showelementen des Parteitages. Schon gar nicht Jens vom Pottblog, nach allem was man weiß, ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat aus Olfen. Hey, Olfen!

    Ich gestehe aber zu, daß die Sache riecht.

    Und zwar riecht sie nach früher:

    Nach den Zeiten, wo die deutsche Jugendpresse mal eine PK mit Dregger gemacht hatte. Damals CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender. Die CDU bzw. Adenauerstifung, legt mich nicht fest, trug die Anreisen von über hundert Kindern, die sich im großen Saal der Bonner Bundesgeschäftsstelle schwer kritisch hinterfragend einen Showdown mit dem Bösen gaben.

    Frag mal Dr. Leif, den Ranzengardisten von Eurem Netzwerk Recherche. Der hat das damals gefingert. Und frag auch Ralf. Der war damals Co-Dramaturg oder so.

    Der CDU ging es um eines: Propaganda wollten sie für sich gemacht wissen.

    Soweit ich mich als unmaßgeblicher Teilnehmer der Veranstaltung erinnere, ist aber keiner der anreisenden Schülerzeitungsredakteure darauf eingestiegen.

    Aber – die Größe zu haben, irgendwelchen Multiplikatoren im Klein-Klein irgendein Freispiel zu finanzieren und damit auch Ablehnung in Kauf zu nehmen, das ist das Mindeste, was ich von meiner Expartei erwarten kann.

    Malte, ich freu mich, daß Ihr von Karl Rove gelernt habt. Aus dessen Spindoktor-Schule der zweiten Generation ja die Blogger-zum-Parteitag-Einladen-Nummer kommt.

  • #15
    David Schraven Beitragsautor

    @ Thomas,

    >>>> Ich finde Parteien, die die Traute haben, sich Leute, unabhängige Leute zur Berichterstattung einzuladen, in der Sache sehr gut.<<<<< Einladen - Ja. Aber bezahlen - Nein. Was Coca Cola unter dem Banner Coca Cola macht, ist die eine Sache. Auch schlecht in mienen Augen, aber da weiß ich, das ist PR. Und die dortigen Schreiber sind PR-Indianer. Das muss ich als Reporter nicht ernst nehmen. Und als Leser auch nicht. Spesen bezahlen? Es ist mehr. Das wird definiert. Da wird mit Zugang bezahlt. Mit Intimität bezahlt, mit inhaltlicher Betreunung bezahlt und Bahnticket, Hotel und Butterbrot. Das sind ein paar hundert Euro. Von einer Partei. An ein sich selbst unabhängig verstehendes Medium. Das ist Rove - Ja. Aber ehrlich. Ich will Rove nicht. Keinen Fußbreit will ich den. Wenn man den Blogs als Leser nicht trauen kann, dann wird es eng mit dem Konzept der unverfälschten, direkten Kommunikation via Internet von User zu User. Dann entstehen aus den freien Medien nicht anderes als wilde Spielwiesen für Propagandisten. Ach, das war zu weit. Ich will es auf Blogs beziehen, die sich der Medienaufklärung und der Politik verschrieben haben. Wenn die eh in Deutschland unterentwickelten politischen Blogs ihre Unabhängigkeit verlieren, werden sie unterentwickelt bleiben. Weil dann halt Hombach Recht hat, wenn er sagt, nur die entwickelten, traditionellen Medien die notwendige Transparenz gewährleisten können, die Mächtigen zu kontrollieren. Dass der eine Tech-Blog oder der andere Musik-Blog nur dafür da ist, Spiele oder CDs abzurippen, ist klar. Das will ich nicht kritisieren. So ist das Leben und es gibt eben Grautöne. Aber gerade deswegen finde ich es wichtig, möglichst sauber als ernstes Blog zu bleiben. Ist das Romantik? Ja. Aber dafür leben wir doch, oder? Dafür schreiben wir. Nur deswegen. Wenn ich mir vorstelle, ein Politfuzzi spamt meinen Blog voll, indem er mich einlädt, mich bezahlt, sich neben mich setzt und mich mit Müll füttert. Mann, dann sind die Grenzen überschritten, dann sind wir hinter dem grauen Nebel. Dann sind wir da, wo man wieder weiß von schwarz scheiden kann. Wie gesagt, es geht natürlich darum, dass die Grünen möglichst lebendig und spannend und gut dargestellt werden. Aber auch wenn sie so dargestellt werden, wie sie sind, ist das noch gut für die Grünen aus Maltes Sicht. Dann finden sie wenigstens statt in der virtuellen Welt. Und es gibt ein paar Kontakte. Die man dann ja mal nutzen kann. Später. Und wenn ich mir das vorstelle. Im Pressezentrum. Die bezahlten Blogger neben den Reportern. Kannst Du die Gespräche hören? Kannst Du die Gesichter sehen? Im Hotel. Die Bar, die Pressesprecher und die Blogger. Kannst Du Dir das Bild vorstellen? Das ist dann die Realität, die Dir über die Blogs gespiegelt wird. Die Blogger werden über dieses Bild schreiben. Genau über dieses. Und das ist im Interesse der Propaganda.

  • #16
    zoom

    Also vielleicht mal so:

    Nehmen wir mal an, du bist Lokaljournalist. Nun gut – SchülerIn oder StudentIn. Du bist von der Lokalredaktion zur Ratsveranstaltung geschickt worden. Hinterher gibt es gut zu Essen, Sekt und Bier und der Bürgermeister reißt sogar Witzchen mit dir. Prima Abend. Gibt sowieso nur 0,10? pro Zeile, da ist es ja nicht so schlimm den Hohen Herren was wegzufuttern.

    Verschärfung: Die Redaktion schickt dich gar nicht. Der Pessesprecher des Rates ruft dich an, sagt dir, wie gut dein letzter Artikel gewesen sei. Dem Bürgermeister hätte es gut gefallen. Auch, dass du mal kritisch berichtet hättest. Nicht so, wie dieser Rentner, der schon seit 50 Jahren Gefälligkeitsberichte schreibt. Frisches Blut. Ob du nicht Lust hättest, für den „Dorfheimer Boten“ von xy zu berichten. Du bist geschmeichelt und rufst in der Redaktion an: „Soll ich für … schreiben, muss nicht, aber ok, wenn ihr keinen anderen habt… mach ich dann mal.“ Ja, ja und so schreibst du dann deine unbestechlichen Artikel.

    Ok – die Witze bei den Grünen sind vielleicht besser als bei der CDU in „Dorfheim“, aber es bleibt: Prostitution!

  • #17
    Robert Heinrich

    Ich finde die hier geäußerten Vorwürfe an die GRÜNEN einigermaßen absurd. Blogs zu sponsern um sich dafür geneigte Berichterstattung zu kaufen, wäre nicht nur politisch blöd, sondern auch betriebswirtschaftlich (so doll sind die Kontaktzahlen dann doch nicht :-)). Jeder der Blogstipendiaten kann schreiben, was er will. Wir haben diese Ausschreibung gestartet, weil wir Blogger ernst nehmen und diesem publizistischen Format unsere Wertschätzung zeigen wollen. Insofern handelt sich hierbei um eine durchaus symbolische Geste – nicht mehr und nicht weniger.
    Robert Heinrich (Leiter Öffentlichkeitsarbeit, GRÜNE)

  • #18
    Elmar Kok

    Wer böse ist kann hier schon mal einen Link anbringen und sagen: „Huch geht es schon so los?“:

    http://twitter.com/pottblog/status/993440622

    Zum Kaufen selbst könnte man sich nach folgenden Definitionen richten:

    http://de.wiktionary.org/wiki/kaufen

    Letztlich wird wohl eine Leistung eingekauft, die die Grünen ohne das Sponsoring nicht bekommen hätten.

    Da die Grünen und die Blogs, die ich bisher dazu gelesen habe, sich aber transparent zeigen, habe ICH mit der Praxis wenig Probleme. Zumal ICH mir durchaus anmaße, erkennen zu können, was da abläuft.

    @Robert: >>>betriebswirtschaftlich (so doll sind die Kontaktzahlen dann doch nicht :-))>>>

    >>>weil wir Blogger ernst nehmen und diesem publizistischen Format unsere Wertschätzung zeigen wollen.>>>

    Da könnt Ihr dann nach dem Parteitag (und werdet es wohl auch) evaluieren, ob die Aktion denn was gebracht hat. Und ich glaube kaum, dass sich PR (was es unzweifelhaft ist – egal wie hoch die Kontaktzahlen sind) für eine Partei betriebswirtschaftlich messen lässt. Und womöglich geht es darum ja auch gar nicht.

    /Ironie an/ Schön aber, dass ihr als Grüne hier mit dem betriebswirtschaftlichen Argument kommt, wenn hier alle nur über die Problematik der Publizistik streiten/Ironie aus/

    Schöne Grüße, Elmar Kok

  • #19
    David

    @ Robert

    Sorry, aber kann man nicht „unsere Wertschätzung zeigen“ auch mit „bezahlen“ übersetzen? Und symbolisch sieht anders aus. Da gibt es mal ein Abendessen oder so.

    Schauen wir uns nach einer Richtschnur Eures Handels um. Nach einem Vergleich, wie Euer Bloggerkauf zu bewerten ist.

    Schauen wir mal in die Korruptionsparagraphen. Was darf ein städtischer Beamter annehmen. Ab wann muss er mit einer Anzeige rechnen. Nur damit man einen Größenordnung hat.

    Nehmen wir Euer Rundumpaket. Nur das Geld – nicht die „inhaltliche Betreuung“ und das bloggen auf Eurer Seite:

    Fahrt nach Erfurt Bahn 2. Klasse: 166 Euro
    2 Übernachtungen mittlere Holzklasse: rund 160 Euro
    Sonstige Spesen: rund 20 Euro

    Das Essen und so Gedöns lassen wir mal weg. Wollen ja nicht knickerig werden und das Catering habt ihr ja sowieso bestellt. Das wäre unfair.

    Macht pro Blogger etwa 350 Euro. (Das ist billig für die Propaganda)

    Was darf ein Beamter annehmen, ohne mit einer Verfolgung nach dem Korruptionsparagraphen rechnen zu müssen?

    Schauen wir hier rein, in die Richtlinien zur Korruptionsbekämpfung im Saarland:

    http://www.vorschriften.saarland.de/verwaltungsvorschriften/vorschriften/korrili_text.pdf

    Unter A römisch III auf Seite 3 Punkt 1 wird definiert, dass der Beamte keine Reisen und keine Übernachtungen annehmen darf. Auf Seite 5 werden unter Punkt 5 die Ausnahmen definiert. Erlaubt sind Kugelschreiber und so Sachen sowie eine angemessene und übliche Bewirtung im Rahmen der Höflichkeit.

    Klar sind Blogger keine Beamten. Aber wir haben eine Richtschnur – nach der man sich richten kann oder auch nicht.

  • #20
    David

    @ Malte und Robert,

    wer sind eigentlich die anderen drei eingekauften Blogger? Nur so zur Transparenz.

  • #21
    David

    @ Grüne,

    sorry hab die Namen der anderen gerade erst gefunden. Nix für ungut:

    Die anderen drei Blogger sind

    Regine Heidorn www.regine-heidorn.de

    Teresa Bücker flannelapparel.blogspot.com

    Ekrem Senol www.jurblog.de

  • #22
    Stefan Laurin

    Mir gefällt hier der Zungenschlag nicht. Jens und Lukas sind keine „gekauften“ Blogger. Wer so etwas behauptet, kann die beiden nicht kennen – ich kenne hingegen kenne sie und lese ihre Blogs seit langer Zeit. Sie machen eine verdammt gute Arbeit. Ihnen so etwas zu unterstellen ist eine Frechheit. Ich glaub zwar auch, dass die Grünen die Sache als PR-Aktion nutzen wollen, aber Jens vom Pottblog und Lukas von Coffeeandtv sind absolut integer. Daran besteht für mich kein Zweifel und ich lege meine Hand für sie ins Feuer.

  • #23
    David

    @ Stefan,

    das bestreitet auch keiner. Denn gerade deswegen sind sie so wertvoll für die Grünen. So dass sie ihre ?Wertschätzung zeigen? wollen.

  • #24
    Arnold Voß

    Objektivität, Neutralität und Unabhängigkeit lässt sich durch keine Korruptionsverordnung, keinen Ehrenkodex und kein Kontrollverfahren wirklich sichern. JournalistInnen und alle andere Menschen die diese Problematik betrifft müssen diese Eigenschaften haben bzw. haben wollen. Unbestechlich ist man oder ist man nicht. Egal ob man für einen Auftrag bezahlt wird oder nicht. Man kann es ganz einfach am Ergebnis sehn. An dem was am Ende produziert wird. Wenn man Ahnung vom Thema hat bzw. Zeit das Ergebnis zu prüfen. Wer das nicht kann oder kann Bestechlichkeit, wenn sie nicht auf die ganz plumpe Tour verläuft, sowieso nicht checken.

  • #25
    Jens Kobler

    @ Stefan: Man kann aber auch nicht einfach B90/G die Blogger in Geiselhaft nehmen lassen, so dass die Partei nicht kritisierbar ist, weil man die Blogger nicht kritisieren will. (Natürlich bestünde bei manchen Kollegen die Gefahr, dass sie die Stoßrichtung der Kritik verwechseln. Zum Glück merkt man ja an den Rückmeldungen wer sich wie angesprochen fühlt – hoffe ich.)

  • #26
    Jens

    @Elmar:
    Sinnentstellend zu zitieren bzw. ohne den Zusammenhang zu erwähnen – ist das nun Blogger- oder Journalistenpraxis? Ich fand gut an dem Text von Malte Spitz, dass er die hier geäußerte – und meiner Meinung nach absolut übertriebene – Kritik aufgegriffen hat. Das sollte man dann vielleicht noch dazu schreiben.
    Zu dem ganzen Kontext werde ich mich noch ausführlicher äußern – an anderer Stelle.

  • #27
    Stefan Laurin

    @Jens Kobler: Natürlich kann man sowohl die Blogger als auch die Grünen kritisieren. Man kann aber Jens und Lukas nicht unterstellen, dass sie „gekaufte“ Blogger sind. Zwischen Kritik und Unterstellung gibt es einen gewaltigen Unterschied.

  • #28
    Julius

    Ich würde mein Blog lieber dicht machen, als Werbung zu schalten oder mich für Beiträge bezahlen lassen. Auch die ‚Bahnfahrt+Butterbrot‘ sehe ich durchaus kritisch, habe mich nicht beworben (und wäre eh nie genommen worden). Mit fällt aber auf, daß ich statt eines Artikels in der „Neuen Westfälischen“ über den SPD-Parteitag dann vielleicht doch lieber in einem Blog lese, daß dieses Jahr in Erfurt bei den Grünen weniger gestrickt wird.

  • #29
    Elmar Kok

    @pottblog:

    Soweit ich weiß, habe ich nur einen Link gesetzt. Und habe sogar noch vorweg formuliert, wie so etwas sich deuten ließe.
    Dass ich das nicht sonderlich überbewerte, kannst Du aus meinen 2 anderen Kommentaren lesen.
    Allerdings tu ich mich sehr schwer damit, mir von jemandem, der das Internet und somit auch twitter semiprofessionell nutzt, vorwerfen zu lassen, dadurch, dass ich einen link setze, „sinnentstellend bzw. ohne den Zusammenhang zu erwähnen“ zu zitieren. Dass liegt wohl eher in der Konzeption des Twitter-Dienstes und deren Nutzer.
    Und ob das hier nun „Journalisten- oder Bloggerpraxis ist“: Das hier ist eine Kommentarfunktion zu einem Blog. Hier scheint gerade eine sehr amüsante Diskussion über die Ethik von Blogs und ihren Bloggern stattzufinden. Dazu habe ich eine Meinung (die auch gerne auf Twitter-Nachrichten beruhen mag).
    Mir wegen dieser (unterschwellig) eine bestimmte „Journalisten- und Bloggerpraxis“ zu unterstellen, nur weil ich mir nicht nur den Verlauf dieser Diskussion, sondern auch andere Nachrichten dazu angesehen habe, halte ich allerdings für etwas überzogen.

    Grüße, Elmar

    (der immer noch nichts dagegen hat, dass manche sich für ein Blog aus Erfurt eine Fahrkarte zahlen lassen. Sofern ich die Sponsorerei denn irgendwo sehen kann)

  • #30
    mic

    Hallo! Hm, fragwürdig ist für mich erstmal das Verhalten von B90/Grüne, die sich für ihre PR anerkannte und geschätzte Blogger anwerben, statt selbst ihren Weg zu gehen und anzufangen von sich aus einen Blog aufzubauen, der, wie sie selbst sagen, seine „Wertschätzung“ verdient. Ob und wie es funktioniert, werden sie dann schon selbst sehen. Dabei dann mehr beratend zur Seite zu stehen, wäre auch keine so verfängliche Situation für (jene 5) Blogger. Mal so als Alternativvorschlag.

  • #31
    Tim

    Also ich kann die ganzen Reaktionen nur schwer nachvollziehen.

    Spielt da vielleicht persönliche Antipathie gegen die Grünen mit, oder will man sich selbst zum besseren Blogger erklären, da man das Angebot nicht angekommen hat?

    Was genau passiert denn andauernd bei Pressekonferenzen, Sportevents oder sonst was?
    Die Pressevertreter werden schön vom Einladendem verwöhnt. In der Bundesliga geht es in die VIP Räumlichkeiten und man sitzt auf der teuren Tribüne, bei Firmen gibt es lecker Essen und vielleicht noch ein Präsent, in der Politik gibt es selbst auf einer popeligen Mitgliederversammlung Kuchen und Getränke. Alles auf lau. Das ist doch Realität in Deutschland. Wer will das über seine Veranstaltung berichtet wird, lädt die Presse ein und kümmert sich um sie. Hat schon mal jemand ausgerechnet, was eine VIP Dauerkarte beim FC Bayern kostet und dann einem Kickerredakteur Bestechlichkeit vorgeworfen?

    So, was machen die Grünen jetzt? Sie sagen: Wir wollen, dass unser Parteitag in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Und die Grünen erkennen, dass die Öffentlichkeit heute auch aus Blogs besteht, und das die Blogschreiber leider nicht die Mittel zur Verfügung haben mal eben ein Wochenende nach Erfurt zu fahren.

    Also sagen sie: OK, wer FREIWILLIG zu unserem Parteitag möchte, der soll dann nicht auch noch draufzahlen, daher bezahlen wir ihm die Kosten – Und behandeln ihn dann wie einen Journalisten, beantworten ihm Fragen, kümmern uns um die Verpflegung. Das ganze machen sie mit einer öffentlichen Ausschreibung. Das nenne ich fair und transparent.

    Ich denke mal, das jeder der Blogger auch so ein Interesse an dem Parteitag hatte, oder glaubt echt wer, dass jemand da jetzt nur wegen einer Freifahrt nach Erfurt und einer Hotelübernachtung hinfährt? Ich erkenne also keine wirkliche „Bezahlung“. Zu sagen, die Blogger haben sich kaufen lassen halte ich für unfair den Leuten gegenüber.

    Jeder Blog wird (wahrscheinlich) in seinen Beiträgen auf die Kostenübernahme hinweisen, jeder Leser kann sich seine Meinung selbst bilden, jeder Blogger, der eh nie nach Erfurt wollte wird dort nicht hinfahren… Und die Grünen haben natürlich ihren Parteitag in den Blogs, so wie auch der FC Bayern Spielberichte in der Zeitung findet, die er auf seine Tribüne einlädt.

    Gut, wenn jetzt alle Blogger plötzlich komplett positiv und abweichend vom normalen Stil berichten würden, dann müßte man aufhorchen, aber das erwarte ich nicht. Ach, und das oben steht, dass der Pottblog ? offen mit [seinem] Engagement für die Grünen um[geht]? ist doch auch Unsinn ? Jens ist doch bei der SPD, oder nicht?

  • #32
    schuri

    @tim: kicker- und andere sportjournalisten sitzen bei fußballspielen nicht in logen, sondern auf schlichten presseplätzen mit tischchen. sie haben zutritt zum medienzentrum, es gibt dort brühwurst ode gulaschsuppe und kaffee. verwöhnt werden sieht anders aus. wenn die kollegen aktuell produzieren für online oder knapp vorm andruck, dann ist das purer stress.
    @all: ansonsten halte ich viel von selbstverständlichen diskussionen, was berichterstatter annehmen dürfen, was nicht. an pressereisen teilzunehmen, geht, wenn klar wird, wer die reise organisiert und bezahlt. wichtig ist transparenz. wichtig ist, dass sich der publizist keine privaten Vorteile verschafft, die entweder den Blick trüben und/ oder ihn bestechlich werden lassen. eine pressereise nach erfurt erzielt kaum diese wirkungen. mir ist die grüne einkaufe der blogosphere eher bieder, warum verfolgt die partei nicht einfach selbst eine anspruchsvolle, aufwändige webstrategie? dann kommt es auf das bisschen geblogge der erfurt-five nicht weiter an.

  • #33
    Jens

    Leider kam ich noch nicht (wie eigentlich geplant) etwas ausführlicher zu dem Thema schreiben, so dass ich jetzt nur kurz auf Elmar reagieren bzw. ihn mit „halte ich allerdings für etwas überzogen.“ zitieren möchte.

    Das trifft nämlich relativ gut meine Meinung zu dem Beitrag hier und zu einem Großteil der Kommentare.

  • #34
    tessa

    die deutsche blogosphäre zeichnet sich doch eigentlich dadurch aus, dass sie sehr kritisch ist, und zudem sehr wenig interesse daran besitzt, mit ihren aktivitäten geld zu verdienen. da viele blogger dies als hobby und aus leidenschaft betreiben und sie finanziell nicht abhängig von anzeigenkunden sind, haben sie in ihrer berichterstattung sogar größeren freiraum als viele magazine. was mittlerweile an advertorials umgesetzt wird, wie luxuriös die trips von lifestyle und autojournalisten sind, und wie viele redaktionellen beiträge irgendwie erkauft sind, halte ich für erheblich bedenklicher, als eine einladung von bloggern zum parteitag.
    die journalisten zahlen nicht alles selbst, und in der presselounge gibt es auch kein gulasch – wenn ich mich an den fdp-bundesparteitag erinnere, war die presselounge von bmw gesponsert, es gab feinstes catering und die atmosphäre kam eher einer münchner schickeriaparty gleich.
    die blogger hätten sich wohl kaum beworben, hätten sie kein ehrliches interesse am parteitag. und parteitage sind auch kein spaß, sondern größenteils staubtrocken. ich finde es legitim, dass blogs auch von parteien berücksichtigt werden. es gibt in deutschland keine einflussreiche politische blogszene, und das ist schade. blogger nun einzuladen und die kosten zu tragen, signlisiert eher offenheit und interesse an einem sich wandelnden mediensystem und gesellschaftlichen diskurs. es ist keine bestechung. angenommen der parteitag hätte in berlin stattgefunden und blogger wären schlicht eingeladen worden, hätten sich dort sicherlich mehr als fünf eingefunden, da die blogosphäre dort, nicht nur allein aufgrund der größe der stadt, groß und aktiv ist. kann man so etwas für erfurt behaupten?

  • #35
    Elmar Kok

    @pottblog: „nur kurz auf Elmar reagieren bzw. ihn mit ?halte ich allerdings für etwas überzogen.? zitieren möchte.
    Das trifft nämlich relativ gut meine Meinung zu dem Beitrag hier und zu einem Großteil der Kommentare.“

    Ich möchte dieses Zitat nicht in diesem Zusammenhang verstanden wissen.

    Schöne Grüße, Elmar

    So einfach kann man das schreiben, wenn es einem nicht passt.

    Dann noch etwas zu Journalismus/Bloggen, was mir gerade so durch den Kopf geht, bzw. welche Fragen ich an die teilnehmenden Akteure habe:

    Wenn ich es richtig verstanden habe, soll (auch) auf den Seiten der Grünen von euch gebloggt werden. Ist das richtig?

    Wenn ich es weiter richtig verstanden habe, wäre niemand auf die Idee gekommen, zu diesem Parteitag zu fahren, wenn es das Kost und Logis – Programm nicht gegeben hätte – auch richtig?

    Dann bitte Butter bei die Fische: Wenn denn (von allen) an das Bloggen gleiche ethische Ansprüche wie an den Journalismus erhoben werden, warum fahrt IHR DANN DAHIN? Wer von euren regelmäßigen Lesern will plötzlich etwas aus Erfurt hören?Dazu habe ich selbst bei Twitter noch nichts herausgefunden…

    Ich habe diese ethischen Ansprüche an Blogs nicht, und zwar aus folgenden Gründen:

    Es gibt kein Leser-Verleger-Anzeigen-Kunden-Arbeitsverhältnis. D.h. es gibt keine Regelungen, wie man seine Google Adwords füttert. Ich will das nicht werten. Zudem gibt es normalerweise in jeder Redaktion ein Redaktionsstatut. Dort steht drin, was sein darf und was nicht. Jeder kann es lesen.

    Es gibt in Blogs keine redaktionelle Kontrolle. Jeder bloggt, was er will. Ein großer Unterschied zum guten Journalismus, wo Du dich erstmal durch eine Redaktionskonferenz kämpfen musst, bist Du Deiner (hoffentlich kritischen) Redaktion einen Artikel verkauft hast. Und den dann hinterher noch vor dem CvD und dem Chef verteidigen musst.

    Insofern mag hier jeder nach Erfurt fahren, wie er will. Mit Journalismus hat das jedoch nichts zu tun. Nur: Ich habe keinen journalistischen Anspruch an ein Blog.

    Was mich allerdings immer noch interessiert, weil der Aufschrei hier so groß ist: Hätte man sich den journalistischen Anspruch und damit die ganze Debatte nicht schon nach diesen Sätzen (und vergib mir Jens, ich hoffe ich zitiere richtig):

    „PS: 1:0 für die Grünen – damit zeigen sie sich im Internet wirklich als innovativ. Natürlich bieten und boten auch andere Parteien schon Bloggern an von dort zu berichten – dass dies dann aber direkt quasi vor der eigenen virtuellen Haustür geschieht ist schon was neues.“ geschrieben ebendort:

    http://www.pottblog.de/2008/11/05/ich-gehe-zu-den-gruenen/

    schenken können?

    Grüße, Elmar

  • #36
    50hz

    Meine Überlegungen hierzu sind etwas länglich. Daher mal ein Trackback: http://www.50hz.de/kaufen-gruene-blogger-zur-kritik-von-david-schraven/

  • #37
    Fred

    Zitat:
    „Aber eines gilt es fest zu halten: Blogger schaffen Öffentlichkeit in einem modernen Medium. Sie gelten als ehrlich und unbestechlich, da sie von unten kommen, nicht aus einer wie auch immer verbrämten Journalistenclique, sondern aus der Gruppe der freien Bürger, die ihre eigene Gegenöffentlichkeit schaffen.“

    Dass ich nicht lache. Jeder Blogger hat persönliche Interessen. Und den wenigsten gelingt es, die aus ihrem Blog rauszuhalten. Und mit Interessen meine ich nicht Reiten, Schwimmen, Lesen, Nasebohren und Schlafen, sondern Interessen, die auf den persönlichen Vorteil zielen. Klar, da gibt es dann noch hehre Ziele (deren Verfolgung ein persönliches Interesse ist), aber kein Blogger ist unabhängig. Nicht mehr und nicht weniger als jeder Journalist oder jedes Medienhaus. Und mal ehrlich, wer lässt sich denn mit einer Bahnfahrt ins Ossiland schmieren?

  • #38
    zoom

    @fred
    „Dass ich nicht lache. Jeder Blogger hat persönliche Interessen. Und den wenigsten gelingt es, die aus ihrem Blog rauszuhalten.“

    Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Ich dachte, aus eben diesem Grund(persönlichen Interessen) bloggen die meisten Blogger. Zum Verhältnis Blogger vs. Journalisten: Es gibt Journalisten, die bloggen, aber die meisten Blogger sind keine Journalisten.

    Allerhöchstend im ursprünglichen Sinn des Wortes „Journalist“ ;->

  • #39
    flokane

    die hitzkoepfigkeit der diskussion scheint mir arg aufgeregt. wie ein wuetender mob hausfrauen, der vor dem markt ueber 3cent preiserhoehung fuer milch vagaabundiert stuermt ein teil der blogosphaere mit speeren und farnfaren nach absurdistan, um die babylonisierung des mediums zu verteidigen.
    allein die spitzen, die hier geworfen werden erscheinen mir spießbuergerlicher als jeder vorgartenzwerg.

    ist die angelegenheit problematisch? eindeutig ja.
    ist die angelegenheit dermaßen rigoros zu verurteilen? eindeutig nein.

    natuerlich handelt es sich hier um sponsoring und natuerlich ist es wichtig, dass wir als potenzielle rezipienten dieser so genannten propaganda mit argusaugen darauf achten, was im rahmen der gesponsorten berichterstattung letztendlich herauskommen wird. es mag wortklauberei sein, doch von propaganda zu sprechen finde ich arg ueberzogen. propaganda lebt doch davon, durch die hintertuer in die koepfe zu schleichen und eine diskussion ueber diese 5 bezahlten blogger pulverisiert dem doch jedes fundament.
    zugegeben, die rede von der „inhaltlichen betreuung“ hat mich anfangs auch sehr stutzig gemacht und in der tat an orwelsches neusprech erinnert, doch ganz offenbar ist hier schlichtweg ungluecklich formuliert worden und maltes rolle ist eher die – no offense – eines concierge, der inhaltliche fragen zu klaeren hilft. natuerlich wird diese klaerung nachher einen gruenstich haben.

    doch es liegt an den 5 prostituierten (und wir alle, zumindest die meisten, sind in dieser welt prostituierte auf die eine oder andere weise moechte ich annehmen) und insbesondere uns, den lesern, diesen gruenstich zu erkennen, darauf hinzuweisen und gegebenfalls zu neutralisieren.

    freilich, wie jedes sponsoring ist auch diese aktion darauf ausgelegt, einen mehrwert fuer allte beteiligten zu schaffen. hier geht es doch nicht um objektivitaet, sondern um muendigkeit.
    objektivitaet ist ein mythos, den es zu entzaubern gilt und ich glaube, dass wir uns auf einem ganz passablen weg befinden. der aufschrei mag uebertrieben sein, er zeigt jedoch wie sensibel, sprich wie muendig, so mancher in dieser hinsicht zu sein scheint. wenn dies ein massenphaenomen waere, wuerde ich mich um einiges wohler fuehlen dieser tage…
    wir alle werden diese geschichte erst im nachhinein beurteilen koennen. meine einschaetzung bis dato ist: 1) grandiose, aber riskante aktion der gruenen. wenn es tatsaechlich so sein wird wie es mir bisher erscheint, dann koennte dies ein interessantes pfund auf der zwischen buergerlichkeit und gruenem avantgardismus pendelnden waage sein. 2) fuer die blogger entspricht die aktion ungefaehr den 36 kammern der shaolin und es wird nur so hageln. lackmustest.

    ich persoenlich erhoffe mir feinsten gonzo. nicht mehr. nicht weniger. denn ich werden – schließlich – selbst beurteilen, was mir gefaellt, was ich glaube, was ich weitertrage und vor allem: was ich von der kampagne halte.

    grueße

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  • #41
    50hz

    @fred, @zoom, @david:

    ?… [Blogger] gelten als ehrlich und unbestechlich, da sie von unten kommen, nicht aus einer wie auch immer verbrämten Journalistenclique, sondern aus der Gruppe der freien Bürger, die ihre eigene Gegenöffentlichkeit schaffen.?

    Die Frage ist doch, WEM gelten sie als ehrlich und unbestechlich. Ich kann die Blogger, die ich regelmäßig lese aufgrund meiner Erfahrungen mit ihnen, aufgrund meines Wissens um sie gut einschätzen. Jemand, der just by chance mal bei Jens oder Lukas vorbeischneit, wird sie eher für Freaks halten.
    Ob sie ehrlich und unbestechlich sind, kann er überhaupt nicht beurteilen. Er kann und sollte das, was er bei Ihnen erfährt, nicht einfach so zu seiner Wahrheit machen.

    Wer predigt, Zeitungslektüre ließe sich einfach so durch Bloglektüre ersetzen, ist auf dem Holzweg. Da braucht es schon ein bisschen mehr.
    Vor allem allgemeine Medienkompetenz, die befähigt, zu erkennen, mit welcher Art Medium ich es zu tun habe. Und ein wenig Mühe, sich die Medien (Blogs?!) herauszusuchen, denen man Vertrauen kann und will.

    Wer sich diese Mühe nicht machen will, sollte sich an eingeführte Medienmarken halten. Dort gelten Statute, die sogar meistens eingehalten werden. Das führt nicht zu Spitzenklasse und schon gar nicht zu dem „besonderen“ Eindruck, den man in Blogs bekommt. Aber zu ordentlicher Mittelklasse.

    Auch gut. Aber mir reicht das nicht mehr.

  • #42
    50hz

    Und noch ein Wort zum Vorwurf der „Schleichwerbung“:

    Das was die Grünen da machen als Schleichwerbung zu bezeichnen ist Humbug. Zunächst mal ist es keine „Werbung“, aber das ist zugegeben Wortklauberei.

    Schleichwerbung ist es jedoch ganz sicher nicht, denn die macht man heimlich. Davon kann hier in keiner Weise die Rede sein. Der Prozess ist von der Ausschreibung über die Bedingungen bis zu der Positionierung der Blogger vollkommen transparent.

    Nennen wir es eine spezielle Form von Public Relations. Den Grünen vorzuwerfen, dass sie ein wenig auf der Klaviatur der Public Relations zu spielen, finde ich mehr als merkwürdig.

    Was bitteschön sollen sie denn sonst tun?

    Politik (die, die im Englischen politics heißt) ist nichts weiter, als ein anderes Wort für Public Relations. Die eigenen Überzeugungen mit denen einer mehr oder weniger großen Gruppe in Einklang bringen und dann möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, einem die Machtmittel zu verleihen, die Überzeugungen in Politik (policy) umzusetzen. Das ist Politik.

    Man kann doch einer Partei nicht vorwerfen, Politik zu machen.

  • #43
    Elmar Kok

    @50hz:

    „Man kann doch einer Partei nicht vorwerfen, Politik zu machen.“

    Das tut niemand. Es geht um den Stil, Politik zu machen. Und darum, dass es einige verwundert, dass hier – ich nenne es mal: „embedded blogging“ versucht wird.

    Bin gespannt, was denn dann von den Bloggern auf den Websites der Grünen landet und was eben nicht. Schließlich soll wohl ein Teil von dem, was gebloggt wird, auf deren Seiten laufen. Und wer dann wohl die Finger auf eben diesen Inhalten hat.

    Und genau das finde ich an der Sache interessant.

    Grüße, Elmar

  • #44
    50hz

    @Elmar: Ja. Das finde ich auch interessant. Ich habe mich dazu drüben bei mir ja auch kritisch geäußert. Ich rate dringend davon ab, eine Auswahl zu treffen. Wäre es mein Projekt, würde ich lediglich alle Headlines übernehmen und in einem eigenen redaktionellen Teil interessante Inhalte hervorheben.

  • #45
    David Schraven Beitragsautor

    Am Ende geht es darum, Qualität zu definieren.

    Und das ist ein Anspruch, den man an sich selber stellen muss. Was will ich sein?

    Daran schließt sich die Frage an: Würde ich mir den Trip zu den Grünen von den Grünen bezahlen lassen, um über die Grünen zu bloggen?

    Jeder muss die Frage für sich beantworten. Ich würde das nicht tun. Ich würde meine Qualität bedroht sehen.

    Wie gesagt, ich bin zu dieser Position gelangt, indem ich über die Qualitätsdiskussion etwa in der WAZ nachgedacht habe. Und ich muss feststellen, das Hombach vielleicht recht hat. Solange ernsthafte Blogger nicht bereit sind, Qualitätsmaßstäbe an ihre eigene Arbeit anzulegen, sind sie für grüne und andere Partei- und PR-Strategen ausnutzbar.

    Aber bitte, wer das will, kann es ja machen.

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  • #49
    zoom

    Die Tage sind ins Land gegangen. Wäre es jetzt nicht an der Zeit ein Fazit zu ziehen? Meine 5 Cent: Es war ganz nett, aber meine politischen Einschätzungen der Grünen und des Grünen Parteitags habe ich dann doch durch das Lesen meiner Tageszeitung(Print) und meiner Zeitungen(Online) gewonnen.

    Noch eine Bemerkung: der „Stundenlohn“ der Blogger ist doch geringer als das Zeilengeld für 5 Stunden Generalversammlung Heimat-und Verkehrsverein + Rüstzeiten und Artikel schreiben 😉

  • #50
    Jens Kobler

    Ich hab mal reingeschaut in die Blogs und fand die Debatte vorher interessanter als den ganzen B90/DG-Tinnef (der in den Blogs auch so hemdärmelig rüberkam, dass man sich stattdessen fast einen Kommentar von irgendeinem „total lockeren“ TV-Hansel gewünscht hätte. Bestimmt bewerten die Parteimenschen das als Erfolg. (Und mir wird grad komisch, ich muss mal schnell wieder an etwas anderes denken.))

  • #51
    geby

    Auch wenn ich mir jetzt aus Bequemlichkeit nicht alle Kommentare durchgelesen habe will ich dazu mal eines sagen.

    Solange die Grüne Partei nur die Berichterstattung kauft und nicht die Meinung der Blogger, ist doch alles okay.

    Bezahltes bloggen ist doch vollkommen verbreitet und legitim. Das Thema, worüber Blogger bloggen ist vielleicht käuflich, die Meinung jedoch nicht.

  • #52
    Kunar

    Da ich durch einen Kommentar an anderer Stelle noch einmal für etwas Wirbel gesorgt habe, möchte ich noch als „normalsterblicher Leser“ auf diesen Eintrag eingehen. Was es mir so unheimlich schwer gemacht, auf den Denkanstoß hier anzuspringen, ist das Missverhältnis zwischen Überschrift und erstem Absatz. Hätte im ersten Absatz gestanden: „Die Blogger sind gekauft, da gibt’s kein Wenn und Aber“, hätte ich diese Meinung zwar nicht geteilt, sie aber unter „hart, deutlich, muss man akzeptieren“ eingeordnet. Würde die Überschrift in etwa „Grüne finanzieren Blogger – eine moralische Grauzone“ geheißen, auch gut. Ich finde es jedoch grauenvoll, wenn eine Überschrift da steht, die auf einen Skandal hindeutet, und dann im ersten Absatz gleich beschwichtigend zurückgerudert wird. Da fühle ich mich als Leser nicht ernst genommen. Für mich sieht das so aus, als ob man mir nicht zutrauen würde, dass ich auf einen weniger schrillen, abwägenden Artikel genauso (oder zumindest fast so gut) anspringen würde und dass mir das dumme, unreflektierte Extrem im Zweifelsfall lieber ist als die kluge Mäßigung. Ich möchte gerne, dass eine Überschrift hält, was sie verspricht, und nicht nur „irgendwie wahr“ ist.

  • #53
    David

    Hi Kunar,

    ich habe die Überschrift so gewählt, damit jeder sehen kann, wie man das, was die Grünen machen, interpretieren kann. Die Überschrift ist so gesehen ein Kommentar. Aber Sie ist mehr. Sie ist eine Konsequenz aus dem, was ich im Text beschreibe. In sofern rudere ich im Text inhaltlich nicht zurück, sondern versuche nur eine gemäßigtere Sprache zu finden, die es den Grünen leichter macht, meine Argumente zu begreifen.

    Du schreibst, die Überschrift ?Grüne finanzieren Blogger – eine moralische Grauzone? hätte Dir gepasst. Wenn der Text so bei Dir angekommen ist, dann habe ich meine Worte nicht mit bedacht gewählt.

    Ich meine, die Grauzone ist verlassen, die Grenzen sind überschritten, man kann in diesem Fall wieder schwarz von weiß trennen.

    Das Bloggerkaufen ist schwarz.

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  • #55
    Kunar

    Da das Thema wieder auftaucht, nutze ich die Gelegenheit, um auf David Schravens letzten Kommentar zu antworten: Wenn die Überschrift bewusst so gewählt ist, dann finde ich es umgekehrt falsch, im ersten Absatz darunter bestimmte Positionen als Fragen zu formulieren. Wenn man der Meinung ist, dass hier eine Grenze überschritten wurde, dann sollte es so lauten:

    „So weit dürfen Parteien nicht gehen, um in relevanten Blogs aufzutauchen. Sie dürfen sich nicht Raum im geschriebenen Teil von Blogs kaufen, denn das ist Schleichwerbung.“

    Diese Stringenz hätte mir das Lesen deutlich erleichtert. Vielleicht ist das nur Geschmackssache – bei mir kam der Text nicht gut an, weil er mir so hin und her erschien, obwohl den erklärenden Kommentaren nach doch eine eindeutige Position ausgedrückt werden sollte.

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