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Die letzte Kraft-Party

Hannelore Kraft - tanzend.  Foto: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen / Foto: Ralph Sondermann

Hannelore Kraft – tanzend.
Foto: Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen / Foto: Ralph Sondermann

Mit 95,2 Prozent wurde NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gestern auf dem Landesparteitag der Sozialdemokraten mit einem hervorragenden Ergebnis erneut zur SPD-Landesvorsitzenden gewählt. Mit ihrer Rede begeisterte sie die Delegierten. . Die SPD feierte gestern ein großes Fest – es könnte die letzte Party gewesen sein. Politisch ist Kraft schon jetzt gescheitert. In der Bundespartei hat sie seit der Großen-Koalition an Einfluss verloren. Mit ihrem Konzept, dass der Bund und die anderen Länder ihre Politik finanzieren,  konnte sie sich nicht durchsetzen. NRW ist heillos überschuldet. Immer mehr Städte geraten in schwere Haushaltsnotlagen. Es gibt keine Wirtschaftspolitik und keine Idee,wie das Ruhrgebiet, dessen Krise ganz NRW belastet, sich wirtschaftlich erneuern soll. Nach den Oberbürgermeisterwahlen im kommenden Jahr, wenn in Städten wie Köln oder Bochum gewählt wird, wird die Land sparen müssen. Weil das in den vergangenen Jahren nicht geschehen ist, wird dies nun um so heftiger geschehen müssen, um bis 2020 keine neuen Schulden mehr zu machen, wie es die Schuldenbremse  vorsieht. Wenn das Land mit dem Sparen beginnt, wenn die Bürger die Einschnitte zu spüren bekommen, wird das einzige politische Kapital von Kraft, ihre Fähigkeit zur glaubwürdigen Simulation einer Landesmutter in der Tradition von Johannes Rau, nicht mehr tragen.

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18 Kommentare zu “Die letzte Kraft-Party

  • #1
    Frank

    Dieses Wahlergebnis kann man sich als Ex-Pöttler überhaupt nicht erklären. Sind die SPD-Delegierten so entrückt von der Wirklichkeit? Ein Bundesland mit x DAX-Konzernen, mit Rekordsteuereinnahmen usw. und die Ruhrgebietsstädte sehen tlw. aus wie Eisenhüttenstadt. Die wachsenden sozialen Brennpunkte kommen ja von nix anderem als dieser weltfremden Politik.

    @Stefan, ja, dass das dicke Ende noch kommt, müsste klar sein. Die SPD wird dann aber andere Schuldige finden und auf „Wir in NRW“ machen. Wer dann die SPD kritisiert, kritisiert „dieses Land“ und „die Menschen“.

    Der Strukturwandel begann vor 40 Jahren und die SPD hat nie aufgehört, den veränderungsunwilligen Bürgermeistern und Bezirksvorsitzenden Hoffnung auf Subventionen zu machen. Städte die früh genug anfingen, das Unrettbare loszulassen und auf Neues zu setzen wurden dafür stets angefeindet.

    Man geht lieber zusammen unter und singt Bergmannslieder als Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Und die SPD lebt seit Jahrzehnten davon, dieser Haltung Nahrung zu geben.

  • #2
    Emscher-Lippizianer

    Frau Kraft hat halt nicht nur die Zenit, sondern auch den Zenit hinter sich.
    Demnächst kann sie sich dauernd in brandenburgischen Funklöchern aufhalten; Sie fehlt in NRW nicht. Ministerpräsident Remmel zeigt den SPD´isten doch jetzt schon, wie Politik gemacht wird. Ob die SPD das demnächst mit Bergmannsschnaps und 24/7 Steigerliedbeschallung auszuhalten versucht?

  • #3
    Jochen Hoff

    Ach ja. Ich mag es wieder mal ein echter Laurin. Natürlich wäre alles besser unter einer CDU Regierung mit starker FDP. Ach an der desolaten Situation des Ruhrgebietes hat die CDU auch kräftig mitgewirkt. Das lässt er gerne aus. Nokia und Opel sind ohne jeden Zweifel ein Problem der SPD und die Kohle- und Stahlkrise auch.

    Ein echter Laurin eben. Aber man fühlt sich gleich besser bei solch profunder Kritik und Zukunftseinschätzung. Vielen Dank!

  • #4
    WALTER Stach

    Stefan,

    Kritik an „meiner“ SPD ist selbstverständlich. Kritik an der Parteivorsitzenden in NRW gehört dazu.
    Dass Du dabei oftmals -regelmäßig?- kein Bemühen um Objektivität erkennen läßt, ist mittlerweile ebenso selbstverständlich; das gilt auch für diesbezüglich sattsam bekannte Mitstreiter von Dir hier bei den Ruhrbaronen.So jedenfalls meine Wahrnehmung.

    Soweit so gut oder so schlecht. „Es ist wie es ist“ -und nicht zu ändern, jedenfalls nicht von mir.

    Wie wäre es, wenn Du -und Deine einschlägigen Mitstreitern- ‚mal auflisten, aufzählen würdet, was die anderen Parteien in NRW -allesamt- g a n z k o n k r e t machen würden, wenn sie dazu die Macht hätten, wenn sie diese Macht demnächst bekommen würden, um

    zu einem ausgeglichen Haushalt ohne neue Kredit zu kommen,

    um die Arbeitslosenquote in absehbarer Zeit z.B. um 2 % zu reduzieren,

    um mehr Geld für mehr Kindertagestätten und für deren kostenlosen Besuch bereitstellen zu können,

    und für den mehr als überfälligen Ausbau der Ganztagsbetreuung an den Schulen zu sorgen,

    um mehr als bisher den Wunsch der Menschen im Lande „nach mehr Sicherheit“ zu befriedigen

    oder um mit völlig anderen Maßnahmen – k o n k r e t z u b e n n e n d en -das Land NRW auf den aus ihrer Sicht „richtigen Weg“ zu bringen?

    Darauf gestützt ließe sich dann trefflich darüber diskutieren, ob ROT-GRÜN in NRW ein „überholtes Modell“ ist, ob die SPD „zu lange in NRW“ an der Macht war, ob es Spitzenpolitiker anderer Parteien gibt, die glaubwürdig dafür stehen, eine alternative Politik zu ROT-GRÜN, zur SPD, zu Frau Kraft umzusetzen.

    Ich muß zu alldem „Fehlanzeige“ vermelden; auch bei Dir Stefan und einigen Mitstreitern hier bei den Ruhrbaronen, wenn es gegen ROT_GRÜN, gegen die SPD, gegen Frau Kraft geht.

    (Ich sage das alles als Mitglied der SPD, der bekanntlich -nicht nur hier bei den Ruhrbaronen-

    nicht zu denjenigen in der SPD zu zählen ist, die zu allem, was “ meine Partei“ macht oder eben nicht macht, „Ja und Amen sagen“,
    die oftmals ihrer Personalentscheidungen „im großen wie im kleinen“ kritisieren,

    die nicht in Vasallentreue kritiklos der Ministerpräsidentin begegenen.

    Ich sage das alles aber eben auch in der Hoffnung, offenkundig einer aussichtslosen, mich mit konkreten Inhalten einer alternativen Politik auseinandersetzen zu können und mit Personal aus anderen Parteien, die ich ob ihrer Führungsqualitäten mit Frau Kraft vergleichen, „an ihre messen“ kann.)

  • #5
    Erdgeruch

    Die CDU hat doch mal 1999 im Ruhrgebiet die Kommunalwahlen gewonnen. Hat ja lange gehalten oder schon Wittke, Sauerland, Zowislo und so vergessen? Schon vergessen, wie Rüttgers es geschafft hat, historisch einmalig, die Staatskanzlei nach nur einer Periode zu verlieren? Oder die Performance von Muttis Liebling? 😉

    Also die CDU kann man in NRW doch nicht für voll nehmen. Deshalb wird Frau Kraft auch 2017 die Wahlen gewinnen – auch weil die FDP sterben und die CDU massiv an die AfD verlieren wird – ist ja noch vor der Bundestagswahl.

    Danach wird man sehen, was passiert. Aber ich muss auch sagen, der Artikel ist mir zu springeresk, mehr Botschaft als Inhalt. Da fehlt eine Betrachtung der gesamten Situation und aller Parteien.

    Und ach ja, von Haushaltspolitik immer noch wenig Plan 😉

  • #6
    Frank

    @Walter und Erdgeruch:

    Ihr werdet die Lage von NRW kaum der CDU anlasten können. Es sehnt sich sicher auch niemand nach Wittke und Rüttgers zurück.

    Was sind die Ergebnisse von Hannelore Kraft? Ich zitiere mal aus der aktuellen Finanzplanung:
    (Quelle: http://www.fm.nrw.de/haushalt_und_finanzplatz/haushalt/06_finanzplanung/27_MFP_2014_2018_mit_FB_2015_web.pdf)
    „In den letzten zehn Jahren lag das realisierte, reale Wirtschaftswachstum in Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt um 0,3 v. H. unterhalb der gesamtdeutschen Wachstumsrate. … Während im Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleister, Er- ziehung und Gesundheit“ das Wirtschaftswachstum mit real + 0,3 v. H. über dem bundesdeutschen Durchschnitt lag, entwickelte sich das Verarbeitende Gewerbe mit real – 0,7 v. H. und vor allem das Baugewerbe mit – 4,7 v. H. nur unterdurchschnittlich.“
    => Hieraus kann man eine ÖffDi orientierte Politik ablesen. Die SPD schafft offenbar Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst während die private Wirtschaft sinkt. Das hat sie mit der SPB Berlin gemeinsam. Das Bekenntnis zum Arbeiter ist nur noch Folklore – man findet aktive SPDler am häufigsten in Stadtverwaltungen.

    Dazu kommt ein zu langes Festhalten an alten Industrien im Ruhrgebiet – das sagt sogar die Landesregierung:
    „Lag die Arbeitslosenquote in 2004 in Nord- rhein-Westfalen noch unterhalb der Deutschlands, änderte sich das Bild ab 2005. Seither liegt die Arbeitslosenquote in Nordrhein-Westfalen über der Deutschlands. Während der Abstand in 2005 mit 0,3 Prozentpunkten noch recht gering war, ist er im Juni 2014 auf 1,7 Prozentpunkte angestiegen. Ein gewichtiger Grund hierfür liegt in der strukturell verfestigten Arbeitslosigkeit des Ruhrgebiets, das derzeit eine Arbeitslosenquote von 11,3 v. H. aufweist und damit 3 Prozentpunkte über der Gesamtquote Nordrhein-Westfalens liegt.“

    Und das geht seit Jahrzehnten so. Wer sich in den 90ern gegen Kohle und für Windkraft aussprache wurde von der Ruhr SPD abgewatscht.

    Ein weiterer Fehler: Die Flächenaltlasten. Wieso ließ /lässt man den Altindustrien durchgehen, dass sie Flächen in Bestlagen einfach brach liegen lassen und sie im Glauben, dass sie mit der Aufbereitung nichts zu tun hätten? So war das meines Wissens mindestens bis vor einigen Jahren im Ruhrgebiet, z. B. in GE.

    Ein Wahnsinn ist die Entwicklung des Schuldenstandes von NRW:
    „Mit rd. 3,94 Mrd. EUR lagen die Zinsausgaben in 2013 auf dem niedrigsten Stand seit 1996, obwohl sich die Kreditmarktverschuldung des Kernhaushaltes im gleichen Zeitraum von 65,2 Mrd. EUR auf 135,2 Mrd. EUR mehr als verdoppelt hat.“
    Nur die niedrigen Zinsen wirken etwas dämpfend. Aber: Jeder Prozentpunkt steigende Zinsen bedeutet künftig eine Mehrbelastung von 1 Mrd EUR.

    Wie es ein Industrieland auch machen kann, kann man hier lesen:
    https://www.lpb-bw.de/publikationen/politischelandeskunde/wirtschaft.pdf

  • #7
    Klaus Lohmann

    @#6 Frank: Flächenaltlasten, gutes bzw. dringendes Thema. Es ist schlichte Erpressung der Industrie, die über Drohungen der Kommunen, man würde sie verklagen, wenn sie nicht gesetzeskonform ihre Altlasten auf ihre Kosten entsorgt, nur schenkelklopfend übern Teppich rollt. Und dann die letzten Arbeitsplätze z.B. in den noch verbliebenen Verwaltungszentren auch noch abzieht.

    Beispiel Phoenixsee in Dortmund: Statt ThyssenKrupp deutlich zu machen, dass Phoenix nur dekontaminiert übergeben werden kann, löhnt die Stadt für ein komplett und hochgiftig verseuchtes Areal als Seebasis auch noch 5 Mio. € an TK. Abnicker dieser unglaublichen Transaktion: die Dortmunder SPD-Granden, damit TK die grandiosen Draufzahl- und Wählerlockprojekte Phoenix-West/-Ost nicht platzen lässt.

  • #8
    Erdgeruch

    @frank

    Wo habe ich der CDU was angelastet? Ich laste ihr und auch Frau Kraft nichts an, was Leute gemacht haben bei SPD und CDU (waren ja beide in Eintracht), die schon längst tot sind. Schließlich haben diese Parteien für diese Politik jeweils die Wahlen gewonnen – oder will das jemand bestreiten? Das sagt gar nichts über die Wertung deren Politik im Nachhinein.

    Ich sagte nur voraus, dass die ganze Journalistenschelte, die gerade das Modeopfer Kraft hat, so wenig nutzen wird, wie bei weiland in Berlin bei Wowereit, da in NRW keine Alternativen zu Kraft rumlaufen (kann man eben auch gerade in Berlin sehen) 😉

    Ich habe also lediglich dem Autor kommentiert, dass sich manche Journalisten merklich warm schreiben, aber sie sich ziemlich irren. Genauso übrigens die Meinung, dass Haushaltspoltik Wähler überbordend interessiert.

  • #9
    WALTER Stach

    Frank,
    ich habe nichts zu kritisieren, wenn wie von Dir geschehen, Mängel in der Sache aufgezeigt und Lösungen vorgeschlagen werden, und zwar unabhängig davon, ob ich dem, wie in Deinem Falle, weitgehend zustimmen kann -sh.zulanges Festhalten an der sog.Schwerindustrie; sh.Probleme der Ausweisung, Entwicklung von Gewerbeflächen auf altindustriellen Standorte; sh. die dazu notwendige Konzentration auf Schwerpunkte -jetzt z.B. auf die Opel-Fäche und die m.E. unbedingt notwendige Bündelung aller öffentlichen und privaten Ressoursen auf die Ausweisung/Entwicklung dieser Fläche für ihre alsbaldige (!!) gewerblich-indsutrielle Nutzung-.

    Mit „politischen Rundumschlägen“, wie ich si in dem Beitgrag von Stefan wahrnehme, gegen ROT-Grün, gegen die SPD, gegen Frau Kraft wird der Sache nicht gedient, allerdings werden vermutlich die bedient, die schon immer wußten, daß ROT-Grün, daß die SPD, daß Frau Kraft a priori unfähig sind, Probleme in öffentlichen Angelegenheiten zu lösen, ob in der EU, im Bund, im Land, im Ruhrgebiet, in dessen Kommunen.

    Frank,
    unbestritten hat NRW ein gravierendes Finanzproblem. Du hast dazu einige Details gennannt. Nur sehe ich weder bei der Regierung von SPD und Grünen noch bei den Oppositionsparteien kurzfristig wirksame Lösungsvorschläge! Es ist z.B. in der Opposition einfach, „strenges Sparen“ einzufordern, z.B. bei den Personlaufwendungen, nur wenn es dann an die in diesem Bereich relevantes Sektoren herangeht -Lehrer, Polizei-, dann…….?!
    Hilfreich wäre es unbestritten, wenn das Finanzaufkommen aus dem sog. SOLI, unter welcher zukünftgen Bezeichnung auch immer, nicht mehr nur den östlichen Bundesländern (Kommunen) zufließen würde, sondern wenn das Aufkommen nach Bedarf, den zu ermitteln und zu definieren selbstverständlich problematisch und strittig sein wird, verteilt würde; dann könnte NRW, konkret das Ruhrgebiet, in jedem Falle finanziell davon profitieren.

    Ansonsten……..?
    – Langfristige Haushaltskonsolidierung bis ………???
    Und bis dahin?
    Viele,viele kleine und trotzdem für die Bürgerschaft schmerzhafte Einsparungen im Landeshaushalt?
    Und trotzdem prioritäre Aufgaben finanziell weiterhin seitens des Landes -noch mehr als bisher- fördern;vor allem im Bildungsbereich?

    Ich gehe davon aus, daß es so oder so ähnlich in NRW weitergehen wird, weitergehen muß, und zwar unabhängig davon, ob ROT-GRÜN mit Frau Kraft regiert oder die CDU mit…….; da mag es dann graduelle Unterschiede geben, aber keine substantiellen.-

    Frank,
    wenn Du einleitend von der „Lage in NRW“ sprichst, dann bedenke bitte, daß der „Kern aller NRW-Probleme“ das Ruhrgebiet ist! Wenn dessen Problem gelöst würden, hätte NRW zwar weiterhin alle möglichen Sorgen eines Landes/eines Staates mit rd. 18 Mio Einwohnern, aber in Quantität und Qualität deutich geringere.

  • #10
    der, der auszog

    Meine politische und vor allem persönliche Meinung: Hannelore Kraft mochte ich noch nie und der Kurs, den die NRW-SPD unter Kraft eingeschlagen hat, ist für mich Grund genug, die SPD auch in naher Zukunft nicht zu wählen. Hintergrund ist die katastrophale Finanzpolitik, die sich jedes Jahr aufs neue als verfassungswidrig entpuppt und an Dreistigkeit, mit der man trotz alledem an ihr fest hält, nicht zu überbieten ist.
    Man braucht noch nicht einmal Volksschule Sauerland (um mit Müntefering zu sprechen), sondern lediglich einen Taschenrechner, um festzustellen, dass die Rechnungen Krafts nicht aufgehen und natürlich vorausgesetzt, dass der Taschenrechner über soviele Stellen verfügt, dass er in der Lage ist. die Zahl 186.550.000.000,00 abzubilden. In sofern wundert es mich nicht, wenn die Haushaltspolitik Hannelore Kraft politisch das Genick brechen würde.

    Kurioserweise tut sie das aber nicht. Das Thema, mit dem die Opposition derzeit punktet und bei dem die Medien die Ministerpräsidentin auflaufen lassen, hat nur bedingt mit NRW zu tun. Tatort ist die brandenburgische Fluss- und Seenlandschaft mit ihren Auen, Sümpfen und Kanälen, ihrer schlechten Mobilfunkverbindung und ihren hervorragenden Spreewaldgurken. Ein Thema, das eigentlich nur für Omis altes Einmachkochbuch taugt.
    Natürlich erzeugt es eine gewisse Schadenfreude, wenn das Image von Hannelore Kraft, die sich selber gerne als eine Art Mutter Beimer produzierte, nur halt nicht nur für Lindenstraße, sondern gleich für ein ganzes Bundesland, Kratzer bekommt. Aber viel mehr als die Kümmerin in NRW wollte Kraft auch nie sein. Zur Mutter der Nation, zur potenziellen Kanzlerkandidatin oder gar zur Anwärterin auf das Amt des Bundespräsidenten, haben die Medien sie gemacht, angestachelt von einigen Politikern aus den eigenen Reihen, aber zu guter letzt vor allem durch die Opposition in NRW.

    Es wirkt recht komisch, fast schon lächerlich, wenn derzeit vom Fall der NRW-Ministerpräsidentin geredet und darauf verwiesen wird, dass sie ja als Gegenkandidatin zu Merkel gehandelt worden und sogar als Nochfolger für Gauck in Frage gekommen ist, denn diesbezüglichen Fragen hat sich Kraft immer mit einem eindeutigen ‚Nein‘ geäußert. Trotzdem werden diese alten Kamellen derzeit von Laschet und Co. aus der Hosentasche gekramt und von den Medien in der Form aufgenommen, um die dramatische Fallhöhe der Ministerpräsidentin anschaulich zu beschreiben. Nüchtern betrachtet ist Kraft aber lediglich gestolpert und ihre Politik ins Straucheln geraten.

    Ein Grund, wieso Hannelore Kraft bislang mit relativ schlechter Politik trotzdem relativ gut bei den Bürgern punkten konnte, liegt sicherlich daran, dass es um die Opposition in NRW wenigstens genauso schlecht bestellt ist, wie um sie. Die letzte Landtagswahl, die ja gerade einmal zwei Jahre her ist und bei der es sich darüber hinaus auch noch um eine Neuwahl handelte, die von der Opposition herbei geführt wurde, hat recht deutlich gezeigt, wie es um die CDU in NRW bestellt ist. Ein Verlust von über 8% innerhalb von zwei Jahren auf magere 26% ist sicherlich nicht nur mit einem ‚falschen‘ MP-Kandidaten zu erklären. Nicht einmal die anschließende Führungsfrage konnte die CDU in NRW aus sich heraus und von alleine lösen. Armin Laschet ist nur deshalb Vorsitzender, Fraktionschef und potenzieller Gegenkandidat zu Kraft, weil Merkel Karl-Josef Laumann zum Pop-Beauftragten für Krankenhäuser machte und nach Berlin holte. Das personelle Aufstellung der CDU in NRW ist dem Proporz geschuldet und hat weniger was mit der Qualität ihrer Akteure zu tun. Wenn ich mir darüber hinaus anschaue, in welchen Parteipolitischen Positionen all diejenigen, die das Desaster der CDU von 2012 zu verantworten haben, heutzutage immer noch sitzen, dann kann ich nicht automatisch davon ausgehen, dass sich die Politik der CDU in Zukunft entscheidend verändern wird.

    Aufgrund der politischen Farbenlehre kann ich für NRW weder rot noch schwarz sehen. Ich habe allerdings den Eindruck, dass es um die politischen Vertreter unseres Landes noch nie so schlecht bestellt war im Moment. Egal welche Partei ich mir anschaue, ich sehe nur Graupen und potenzielle Selbstversorger.

  • #11
    WALTER Stach

    Der,Der…..
    -10- letzte Satz

    Wenn dort das „nur“ nicht stehen würde, sondern “ etwas Relativierendes“, dürftest Du mit Deiner Ansicht noch mehr Zustimmung erhalten als ansonsten ohnehin.

  • #12
    Frank

    @ #2 Emscher-Lippizianer:
    „Zenit überschritten“ – wird ein guter Wahlkampfspruch 🙂

    @ #7 Klaus Lohmann:
    Wie, die haben einfach Wasser auf die Hoesch-Brache laufen lassen?

    @ #8 Erdgeruch:
    Wenn es so wäre, dass im Ruhrgebiet nur SPD-Wähler bekommen haben, was sie gewählt hatten, ginge es ja noch… Und das Desinteresse an Haushaltspolitik schlägt immer dann um, wenn es in Kita oder Schule von der Decke tropft.

    @ #9 Walter:
    „Rundumschläge“ bringen ja oft die pure Verzweiflung zum Ausdruck. Man glaubt, dass man (gegen die NRW SPD und ihre Wähler) sowieso keine Chance hat und dreht die Lautstärke hoch. Aber die Tänzerin auf dem Foto ist eindeutig Hannelore K. 😉
    Ja, das Ruhrgebiet zieht NRW runter. Aber Rau und Co. haben NRW ja auch so regiert, dass das Ruhrgebiet nie seine Kräfte bündeln durfte. Wenn ein OB auf einer Ruhr-OB Runde zur Einigkeit aufrief, wurde er von seinen Obergenossen in Düsseldorf zurückgepfiffen.

    @ #10 DDA:
    Das Personal, das sich seit Jahren in Parteien aller Farben nach oben intrigiert und dort angekommen, keinen Plan hat, ist in der Tat unter aller Kanone.
    Erkennt man auch daran, dass man kaum noch die Ministerpräsidenten aller BLs auswendig aufsagen kann. Gilt aber auch für neue Parteien wie die Piraten.

  • #13
    Klaus Lohmann

    @Frank:
    „Wie, die haben einfach Wasser auf die Hoesch-Brache laufen lassen?“

    Die haben nicht nur, das läuft da auch heute noch an den Hängen, hinter verschalten Neubauten, mit Schmackes und Schlamm bei Starkregen runter, konnte ich kürzlich noch selbst begucken. Dass die kontaminierten Erdmassen, die zur Landschaftsmodellierung angehäuft wurden, demnächst Keller unter- oder durchspülen, scheint keine Fiktion zu sein.

    Aber im Gegensatz zum Benzolskandal in Dorstfeld vor ein paar Jahrzehnten können die Neusiedler wenigstens heute nicht sagen, sie hätten von nix gewusst….

  • #14
    WALTER Stach

    -12-Frank
    „Angst“ um politsche Macht der im Lande NRW Regierenden,wenn es zu einer Metrol-stadt/zu einer Metropolregion Ruhrgebiet kommt; sh.Dein Hinweis auf Rau?

    Ja, das war zur Zeit des Ministerpäsidenten Rau so. Und das ist heute noch ganau so, und zwar bei allen(!!) Parteien in NRW; sh.die Widerstände gegen die sehr bescheidenen Versuche auf Landesebene, dem RVR im Vergleich zu anderen regionalen Einrichtungen mehr Befugnisse zukommen zu lassen.

    In innerparteilichen Diskussionen in der SPD während Rau-Ära habe ich mehrfach provozierend erklärt, daß ich die Sorgen der Landespartei, des Landesvorsitzenden und MP Rau durchaus nachvollziehen könne, wenn er es denn demnächst ‚mal zu tun haben könnte mit ener politischen Führungspersönlichkeit , die nicht nur Vorsitzender der SPD-Ruhrgebiet wäre, sondern zugleich politischer „Präsident“ -oder wie auch immer tituliert- einer 5 Mio-Einwohner Metropole; ohne die oder gar gegen die könnte dann weder der Landesvorsitzender der SPD agieren noch der Ministerpräsident des Landes NRWregieren. Das ist auch heute noch den „Landesfürsten“ in allen Parteien klar. Das ist aber auch den politischen Akteuren in allen Landesteilen bewußt, die nicht zum Ruhrebiet gehören.

    Diese Zustandsbeschreibung sollt uns Ruhrgebietler, parteiübergreifend, nicht davon abhalten, das zu fordern, das durchzusetzen versuchen, was nach unserer Meinung notwendig ist, damit das Ruhrgebiet leben/überleben kann; auch um seine Verkehrsprobleme, den ÖPNV, eingeschlossen, lösen zu können.

  • #15
  • #16
    WALTER Stach

    Frank,
    „,,,ob sich jemals was tut“
    Wenn man dazu nicht feststellen will, daß sich -nach menschlichem Maß-nie etwas tut, muß man den Mut zu einer Vision haben. Oder muß man sogar den Mut haben zu bekennen, einer Utopie nachzujagen?

    Die Realität und eine realistische Einschätzung dessen, was die Politik, zu was die Politiker im Ruhrgebiet in absehbarer Zukunft bereit sein könnte, widerlegen jede Erwartung, daß eine solche Vision Teil der Lebenswirklichkeit im Revier werden könnte; also doch nur eine Utopie? =-ein wirklichkeitsfremder/realitätsferner Traum?

    Wenn das so sein sollte, wäre es angebracht, die Lösung aller Probleme des Reviers jetzt, heute und morgen „ohne Wenn und Aber“ auf der Basis dessen anzugehen, was derzeit kommunale, regionale Wirklichkeit ist -organisatorisch, personell

  • #17
    Frank

    @Walter und Klaus Lohmann:

    Das SZ-Magazin berichtet über eine Lösung für die Sanierung der belasteten Industrieflächen, die auch an der Ruhruni Bochum erforscht wird. Pflanzen, die sich von Nickel, Cadmium usw. ernähren und es aus dem Boden nach oben befördern.
    http://www.ruhr-uni-bochum.de/pflaphy/Seiten_dt/index_d.html

    Das US-Patent findet sich bei Google:
    https://www.google.com/patents/US5711784?dq=5711784&hl=de&sa=X&ei=kWkuVNnPJITlywPxuoCgCw&ved=0CCAQ6AEwAA

    Das europäische beim EPA:
    http://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/originalDocument?FT=D&date=20091223&DB=worldwide.espacenet.com&locale=en_EP&CC=EP&NR=1133576B1&KC=B1&ND=5

    Das Patent wird von einem Investor gehalten aber nicht verwertet. Nächstes Jahr läuft es ab, dann kann es losgehen: Brachen zu

  • #18
    Klaus Lohmann

    @Frank, danke für den Hinweis , allerdings ist der ehemalige Phoenix(Stahlwerks-)-Boden auch mehrere Kellerstockwerke tief mit extrem giftigen Chemikalien (wie z.B. Benzol) verseucht und müsste per se abgetragen werden. Und die Uferareale rund um den Phoenix-See wurden schon größtenteils bebaut; die neuen Anrainer haben richtig Schotter für ihr klein Häusken hingelegt.

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