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Die Posse um sogenanntes „Heilwissen“

Magnet Heiler Bild: Wellcome Collection gallery (2018-03-22) Lizenz: CC BY 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani 

Geehrte Leserinnen und Leser!

Zuallererst: Ja, ich bin keine Ärztin, aber ich höre auf tatsächliche medizinische Experten wie Ärzte, Physiotherapeuten und Krankenschwestern wie zum Beispiel Dr. Edzard Ernst. Das unterscheidet mich dann doch von Leuten, die auf Quacksalber hören, die ihnen nutzlose oder gar gefährliche «Behandlungen» und dergleichen andrehen wollen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema von heute: Der Posse um sogenanntes «Heilwissen» wie Ayurveda oder TCM, sprich traditionelle chinesisische Medizin, bei der man Ihnen wortwörtlich einen Bären aufbindet, indem man Ihnen Bärengalle als fiebersenkendes Mittel verkauft. Oder russisches Heilwissen. Ich binde Ihnen hier keinen Bären auf, denn zum heutigen Text wurde ich durch das Buch «Russisches Heilwissen» von Tamara Lebedwa inspiriert, das im «Kopp Verlag» erschienen ist, der in meinen Augen mehr als dubios ist.

Was Heilwissen wie Ayurveda, TCM oder eben russisches Heilwissen angeht: All dieses Heilwissen kann in den Ursprungsländern ganz offensichtlich nicht zu einer längeren Lebenserwartung und zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen, wie dies in zivilisierten Staaten mit moderner, richtiger Medizin geschieht. Stattdessen sind Ayurveda, die Behandlung mit TCM oder mit russischer «Heilkunde» gar gefährlich, nämlich dann, wenn dies anstelle von richtiger Medizin bei einer ernsthaften Erkrankung erfolgt. Dies kann schwerwiegende Folgen haben, von unnötigen Schmerzen bis hin zum Tod.

Es ist für mich deshalb bizarr, wenn sich Menschen in zivilisierten Staaten auf vermeintliche «Heilkunde» aus Entwicklungs- und Schwellenländern einlassen, die ganz offensichtlich nicht zur Verbesserung der Gesundheit in den Ursprungsländern beiträgt. Stattdessen ist es so, dass die gebildete Mittel- und Oberschicht in diesen Staaten sich auf richtige Medizin verlässt und nicht auf geklärte Butter mit Kurkuma, Pflanzenmischungen denen Blei beigemischt wurde, oder Schröpfen.

Noch bizarrer wird es für mich, wenn die Menschen in zivilisierten Staaten, die sich auf diese Quacksalberei einlassen, meine Kritik daran, mit einem Rassismus-Vorwurf beiseite zu wischen versuchen. Rassismus oder Xenophobie wäre es, wenn ich den Menschen aufgrund ihrer Herkunft die Früchte der Aufklärung und Zivilisation vorenthalten wollte. Ich will aber, dass alle Menschen von richtiger Medizin profitieren und es keinen «Exoten-Rabatt» für Quacksalberei gibt, wie dies derzeit mit Quacksalberei aus Ländern wie Indien, China und nun auch noch zu allem Übel Russland geschieht. Russland ist ein besonders, nun ja, interessanter Kandidat, ein Land, das zwar eine Atommacht ist, dass die Territorien von zwei Nachbarländern okkupiert, aber dessen Kliniken in der Provinz immer noch aussehen, als wäre die Sowjetunion erst gestern zusammengebrochen. Sprich, ein Staat dessen Gesundheitswesen eine Tragödie ist, und ich es deshalb verstehen kann, wenn einfache Bürger aus lauter Verzweiflung zu verschiedenen Hausmittelchen greifen in der Hoffnung dass das helfen möge. Für was ich Null Toleranz aufbringen kann und stattdessen mit beissendem Spott darauf reagiere, ist, wenn diese sogenannten Hausmittelchen von vermeintlich gebildeten Menschen in Mittel- und Westeuropa als tatsächliche Heilmittel angesehen und statt richtiger Medizin verwendet werden.

Diese Wissenschaftsfeindlichkeit in Kombination mit der Verklärung von nicht-westlichen Staaten und deren vermeintlicher Heilkunde ist lächerlich und führt schliesslich weder zu Fortschritt in jenen Staaten, noch heilt es irgendjemanden in der zivilisierten Welt von einer ernsthaften Krankheit, die einer richtigen medizinischen Behandlung bedarf.

Und zu guter Letzt regt mich die Geldmacherei mit dieser Quacksalberei auf. Denn sie ist nicht nur in höchstem Masse unmoralisch, sie ist, wie gesagt, auch gefährlich. Dass man so Geld machen, erschliesst sich mir nicht. Und keiner soll mir damit kommen, dass jeder doch mit seinem Körper machen könne, was er wolle, denn vielfach werden Schutzbefohlene wie Kinder, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen etc. so behandelt und so trifft das eben nicht nur einen selber, sondern auch Menschen, die sich nicht wehren können. Das ist die Tragödie und das ist es auch, was mich so aufregt.

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3 Kommentare zu “Die Posse um sogenanntes „Heilwissen“

  • #1
    GMS

    Es ist ein weiterer Beweis, dass Geld und/oder akademische Titel nicht mit Bildung, Intelligenz und Weisheit einhergehen müssen.
    Abgesehen von dem Schaden die sie bei Unbeteiligten anrichten diese Eso-Freaks aber nur Lachnummern. Und sie regen sich so unterhaltsam auf, wenn man die Dualität von "Alternativen Fakten" und "Alternativer Medizin" herausstellt.

  • #2
    Helmut Junge

    Meine beste Freundin glaubt an solche "Medizin" , und schluckt alles seit 30 Jahren, aber lebt immer noch. Homäopathische Mittel sind halt sauberer als Trinkwasser. Manchmal hat sie sich nach dem Schlucken sogar besser gefühlt! Richtig krank war sie nach meiner Auffassung alllerdings nie. Jedenfalls nicht im medizinischen Sinne. Weil aber richtige Ärzte bei ihr auch nie atwas gefunden haben, obwohl sie sich krank gefühlt hat, ist sie solange suchend umhergezogen, bis sie jemanden gefunden hat, der sagte,"ja, da spüre ich was". Bei dem ist sie dann auch geblieben. Logisch.
    Solche Menschen gab es schon lange, bevor es Rußland gab. Deshalb meine Frage, was das mit Rußland zutun haben könnte, außer daß diese Gastautorin ohne Rußlandbezug diesen Artikel vermutlich nicht geschrieben hätte. Allerdings hatte die Menschheit vor den akademischen Medizinern seit der Altssteinzeit medizinische Verfahren angewandt, die die akademische Medizin, wie am Beispiel der Schadeltrepanationen bis vor 2 oder 3 Jahrzehnten nicht beherrscht hat. Das wird die junge Frau vermutlich nicht wissen, daß es solche Sachen gibt, die ich auf Grund meines höheren Alters mit großem Erstaunen miterlebt habe.
    Gut, ihr Thema ist Rußland. Aber wenn sie über Rußland schreibt, und gleichzeitig über "Heilwissen", sollte sie daran denken, daß der Zrewitsch nicht an den Folgen der unqulifizierten Behandlung eines Mönches gestorben ist, sondern an den Folgen von Erschießungen, die vielleicht ein Landsmann von ihr anteilig mit angeordnet hat.
    Wenn es einzig nur am Heilwissen gelegen hätte, wäre Rußland möglicherweise nach ein Zarenreich. Wer weiß?
    Ok, die Gastautorin geht zum ARzt, genauso wie ich und gut ist. Obwohl ich ihr Bücher von akademischen Medizienrn nennen könnte, die voller Achtung über das Heilwissen indigener ölker geschrieben haben. Keine Russen natürlich. Die nicht.

  • #3
    thomas weigle

    Richtig ist auch,dass richtige(!!!) Mediziner im Amazonas noch viele unentdeckte Heilpflanzen vermuten. Man kann pflanzliche Heilmittel nicht unter Generalverdacht stellen. Aber haben die hiesigen "Heilpraktiker" überhaupt das nötige Wissen, um unwirksame von wirksamen Heilmitteln zu unterscheiden?

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