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Die Vielehe ist kein hipper Modequatsch wie Polyamorie

Katarina Barley Foto: Götz Schleser/SPD


Justizministerin Katarina Barley (SPD) will, das Ausländer, die in Vielehe leben, deutsche Staatsbürger werden können. Dabei gibt es viele gute Gründe gegen die Vielehe.

Klar ist, das die Vielehe Frauen diskriminiert. Ein Mann, mehrere Frauen – in Gesellschaften, in denen solche Ehen möglich sind, zählt die Frau ganz offensichtlich weniger als der Mann, denn Ehen in denen eine Frau mehrere Männer hat sind in den Staaten, die Vielehe zulassen, nicht möglich. Mit der hippen Polyamorie hat das alles nichts zu tun – Vielehe ist kein Modequatsch, sondern massive Unterdrückung.

Aber Folgen der  Vielehe gehen weiter. Sie zerstört, und das beschreibt ein Artikel aus dem Economist, ganze Gesellschaften:

Wenn ein reicher Mann einen Lamborghini hat, heißt das nicht, dass ein armer Mann laufen muss, denn die Versorgung mit Autos ist nicht begrenzt. Im Gegensatz dazu muss jedes Mal, wenn ein reicher Mann eine zusätzliche Frau nimmt, ein anderer armer Mann Single bleiben. Wenn die reichsten und mächtigsten 10% der Männer, sagen wir, je vier Frauen haben, können die unteren 30% der Männer nicht heiraten. Junge Männer werden verzweifelte Maßnahmen ergreifen, um diesen Zustand zu vermeiden.

Dies ist einer der Gründe, warum der arabische Frühling ausbrach, warum die Dschihadisten von Boko Haram und dem islamischen Staat in der Lage waren, weite Teile Nigerias, Iraks und Syriens zu erobern, und warum die polygamen Teile Indonesiens und Haitis so turbulent sind. Polygame Gesellschaften sind blutiger, überfallen eher ihre Nachbarn und sind anfälliger für Zusammenbrüche als andere. Das Nehmen mehrerer Ehefrauen ist ein Merkmal des Lebens in allen 20 instabilsten Ländern des Fragile States Index, der vom Fund for Peace, einer NGO, erstellt wurde.

Die Vielehe, im Koran ausdrücklich erlaubt, ist übrigens kein Problem, das es nur in islamisch geprägten Gesellschaften gibt. Auch in Haiti oder im christlichen Teil Nigerias kommen Vielehen vor. Sie sind ein Zeichen heruntergekommener und zurückgebliebener Gesellschaften.

Die Bundesregierung sollte Lösungen für die betroffenen Frauen und Kinder finden, nicht für die Männer, die mehrere Frauen als ihren Besitz ansehen. Das Argument Barleys, dazu stünde nichts im Koalitionsvertrag, ist peinlich.

Den ganzen Artikel aus dem Economist findet ihr in deutscher Übersetzung hier.

 

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7 Kommentare zu “Die Vielehe ist kein hipper Modequatsch wie Polyamorie

  • #1
    Nina

    Falsch. Vielehe diskriminiert beide Geschlechter. Frauen und Kinder müssen sich einen Ehemann und Vater teilen, Männer müssen für mehrere Familien aufkommen. Das ist für beide belastend. Die Tradition knechtet sowohl die Frauen als auch die Männer.
    Polyamorie ist kein hipper Modequatsch meiner Meinung nach, das Phänomen gab es schon immer. Im Artikel müsste man aber richtigerweise von Polygamie sprechen.
    Die Polygamie für Boko Haram verantwortlich machen? Das scheint mir sehr abstrus. In der christlichen, nigerianischen Gesellschaft ist Vielehe nicht unüblich. Der Grund für Boko Haram ist ein anderer, weitaus komplexer. Dass Islamisten und Terroristen sich zusammenrotten hat weltweit die gleichen Motive-diese Deppen ersehnen totalitäre Regime, autoritäre Hierarchien, eine strenge Morallehre, Abwendung von Wissenschaft und Lehre, Hinwendung zu naiven Vorstellungen.
    Das Männerbild, das im Artikel im Economist geschaffen wird, ist übrigens sehr gruselig. Männer, die keine Frau abkriegen, werden Islamisten und Idioten und ergreifen "verzweifelte Maßnahmen"? Come on. Der Mann das Monster, er fällt über Frauen her, er kann sich nicht beherrschen, die Triebe machen ihn zu einer Bestie?
    Ich wünschte es gäbe das Amt einer Männerbeauftragten, um sich schützend vor sie zu stellen, um Männer-Diskriminierung aufzudecken.

  • #2
    Gerd

    "Männer müssen für mehrere Familien aufkommen."

    Leider stimmt das in Deutschland nicht. Hier muss der Sozialstaat, also die Allgemeinheit für die zusätzlichen Frauen zahlen, nicht der Pascha.

    https://www.achgut.com/artikel/gebrauchsanleitung_fuer_die_vielhehe

    Mich wundert nur, dass die etablierten Parteien sowas vor einer Wahl machen, statt danach.

  • #3
    FrankN.Stein

    Polyamorie ist kein hipper Modequatsch sondern eine bewusste Entscheidung eines Lebensstils, der auch nicht erst vor ein paar Jahren erfunden wurde. Legitime Alternative sowohl zur Monogamie als auch selbstverständlich zum Zwangsharem.
    Könnte man als solchen auch mit ein bisschen mehr Respekt behandeln als mit einem lässig hingerotzen Nebensatz am Anfang um zu zeigen, dass man das Wort schon mal gehört hat.

  • #4
    ke

    Es wird spannend, wie unser Sozialsystem mit Unterhaltspflichten etc. für immer mehr versch. Lebensmodellen aufgebaut wird.
    Hier müssen wohl bald komplett neue Ansätze gefunden werden, damit man nicht mal eben adoptiert und Familienverhältnisse anpasst, wenn es Vorteile bringt. Mehrere Frauen, kein Problem. Was ist mit den vielen Möglichkeit des Elternseins bei künstlicher Befruchtung etc.? Wer haftet für wen und wann ist er raus und der Steuerzahler zahlt?

    Irgendwie passt die Aussage zum Bild, dass ich von Frau Barley gewinne.
    Wenn es um einen modernen demokratischen Staat im Bereich Meinungsfreihe (Artikel 13) und Aufklärung (Whistleblower) geht, unterstützt sie bei Abstimmungen Kräfte, die eine offene Gesellschaft mit Meinungsfreiheit einschränken wollen.
    Wenn es um Verbraucherrechte wie im Dieselskandal geht, hört man von ihrem Ministerium nicht.

    Wenn es aber darum geht bspw. Vielehen zu unterstützen, ist sie aktiv. Falsche Angaben im Asylverfahren sind für sie bzw. ihr Ministerium kein Grund für eine Strafbarkeit.

    Welche Gesellschafts-Modell unterstützt Frau Barley mit ihrem Ministerium eigentlich?
    Gibt es bei den Anhänger der SPD jenseits der Rotwein-Freunde in den Szene-Vierteln für diese Politik Unterstützung?
    Ich habe schon öfter geschrieben, dass ich ihre Politik nicht mag. Dieser Eindruck verstärkt sich von Monat zu Monat.

    Als historischen Grund für Vielehen hätte ich auch noch erwartet, dass eine höhere Sterblichkeit von Männern (Jagd, Krieg etc.) einfach zu einem Frauenüberschuss führte, die dann versorgt werden mussten.

  • #5
    Nina

    @Frank: Sehe ich anders. Ich glaube nicht, dass man sich entscheidet, sondern dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben. So entscheidet man sich auch nicht für Homosexualität sondern wird so geboren. Da gibt es weder besser oder schlechter, das sind gleichwertige Bedürfnisse.
    Von daher kann man hier meiner Meinung nach auch nicht von einer Alternative sprechen. Der eine mag es so, der andere mag es so. Und im Idealfall findet man Menschen, die die eigenen Bedürfnisse teilen.

    @Gerd: Gibt es denn keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob eine Frau oder ein Mann eine Imam-Ehe geschlossen hat? Wenn Christen heiraten, kann man das doch auch abrufen oder nicht? Oder erfährt man das nur über das Standesamt?

  • #6
    Siegfried Hölzner

    Wer jetzt noch SPD wählen will kann auch zum Islam übertreten

  • #7
    Sabine

    In der Schweiz sind Imam-Ehen ebenso wie Ehen mit Minderjährigen und Vielehen zur Anerkennung von irgendeinem Ehestatus, zB. Nachzug von Ehepartnern und Kindern eines anerkannten Migranten ungültig. Imam-Ehen werden zudem häufig ebenso schnell geschieden wie sie abgeschlossen werden. Nur der standesamtliche Eintrag einer Ehe, fussend auf einer Geburtsurkunde des Heimatlandes, ist demnach massgebend für eine Eheanerkennung in der Schweiz, der aber häufig bei Flüchtlingen fehlt. Bei Vielehen kann nur eine Ehefrau in die Schweiz nachgezogen werden, jedoch alle minderjährigen, nachweislichen Kinder, ob nun eheliche oder uneheliche, des entsprechenden Vaters. Auch Europäer können viele verschiedene Ehen, jedoch nacheinander und daraus auch viele verschiedene Kinder haben. Bekommen sie Sozialhilfe, dann für alle unterhaltspflichtigen, minderjährigen,nachgewiesenen Kinder. Für die minderjährigen, nachweislichen Kinder ist der Vater indes ebenso unterhaltspflichtig wie die Mutter und, sofern er nicht zahlungsfähig ist, eben das Sozialamt. Dies gilt auch für in der Schweiz wohnhafte Ausländer und deren Kinder, nicht aber für mehrere Ehefrauen aus Imam- und Vielehen , weil diese als Ehefrauen in der Schweiz nicht anerkannt werden. Der Ausländer in Vielehe muss sich demnach entscheiden, welche Ehefrau er nachziehen will und muss deren Geburtsurkunde ihres Heimatlandes und standesamtliche Eheurkunde seines und ihres Heimatlandes beibringen können, sonst können wir Schweizer den Ehestatus der beiden Eheleute nicht anerkennen.
    Eigentlich ist das alles seitens Schweizerischer Gesetzgebung gar nicht so kompliziert zu handhaben, aber häufig können entsprechende Unterlagen von Migranten nicht beigebracht werden, weil sie schlicht nicht oder noch nicht existieren. Warum aber könnt Ihr das in Deutschland nicht ebenso einfach tun mittels entsprechender Gesetzgebungen? Menschen, anerkannte Einwohner, sollten doch im gleichen Land vor dem Gesetz alle gleich sein! Wo Ehen mit nur einem Ehepartner gleichzeitig gesetzlich anerkannt werden, gilt dieser Grundsatz doch für alle, nicht bloss für diese oder jene… Und wo leibliche, minderjährige Kinder vorhanden sind eben für alle Kinder gleichermassen, nicht bloss für die ehelichen oder jene aus einer einzigen Ehe,ob nun gleichzeitig oder nacheinander…

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