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Dortmund: Blockaden zwangen Nazis zur Routenänderung

Mehrere tausend Menschen protestierten gestern in Dortmund gegen einen Aufmarsch von Nazis aus ganz Europa. Blockaden hielten den braunen Demonstrationszug auf und zwangen die Rechten zur Änderung ihrer Route.

Nein, es war kein Gewaltexzess, was  gestern in Dortmund stattfand. Ja, es gab vereinzelt Randale, es gab Verletzte auf beiden Seiten und Verhaftungen, aber das waren Randerscheinungen. Mehrere Demonstrantengruppen waren bei dem Versuch, in  die von der Polizei gesperrte „Rote Zone“ in die Nordstadt zu kommen, mit der Polizei aneinandergeraten. Die setzte Pfefferspray ein, beschlagnahmte ein Transparent und kesselte immer wieder Demonstrantengruppen zum Teil stundenlang ein. Das die Dortmunder Polizei in den vergangenen Wochen und Monaten nicht immer den Eindruck vermittelte, bei der Aufklärung der zahlreichen Überfälle und Anschläge der Nazi besonders engagiert zu sein, dürfte auch zu der schlechten Stimmung beigetragen habe. 

Der Protest verlief weitgehend friedlich. Auf über 20 Demonstrationen, Festen und Kundgebungen in ganz Dortmund wurde gegen die Nazis demonstriert. Während die Zahl der Nazis von Jahr zu Jahr in Dortmund stagnierend bis leicht zurückgehend ist, gestern waren nach Polizeiangaben gut 700  von ihnen unterwegs, wächst der Widerstand jedes Jahr, nimmt die Zahl der Demonstranten und auch ihre Entschlossenheit ständig zu.

Sicher, es gelang den Demonstranten nicht, wie geplant, von aussen in die Rote Zone einzudringen, aber dort wurde trotzdem protestiert und blockiert: Von den Anwohnern und von Demonstranten, die dort die Nacht verbracht hatten. Und sie waren es, die erfolgreich die Schützenstraße blockierten, die Nazidemo verzögerten und dazu zwang, von der geplanten Route abzuweichen. Mit dabei: Politiker und Mitglieder der verschiedensten Parteien. Nicht dabei war Dortmund OB Ulrich Sierau (SPD). Schade, seine Teilnahme an einer Blockade wäre ein starkes Zeichen gewesen. Er war allerdings bei mehreren Protestaktionen dabei.

Doch so wichtig Demonstrationen und Blockaden an dem Tag der großen, jährlichen Nazidemo auch sind – Dortmund hätte auch ein Nazi-Problem, wenn es diese Demonstration nicht gäbe. Und hier stehen Polizei und Stadt in der Verantwortung:

Zahlreiche Überfälle und Anschläge über das ganze Jahr zeigen, dass die militante Dortmunder Naziszene  Polizei, Staatsanwaltschaft und Stadtverwaltung nicht sonderlich ernst nimmt. Warum auch? Der VW-Bus, der vor ein paar Wochen bei einem Überfall auf Jugendliche Nazigegner im Einsatz war, stand gestern an der Kundgebung der NPD auf der Uhlandstraße rum. Naziaussteiger berichten, dass sie sich immer gewundert hätten,  wie lässig die Dortmunder Polizei mit ihnen umgegangen ist und was alles in Dortmund möglich war.  Als „friedliche Koexistenz“   beschreiben die Nazis selbst  ihr Verhältnis zur Polizei.

Solange diese „friedliche Koexistenz“ von den Behörden nicht gekündigt wird, wird sich an dem Nazi-Problem in Dortmund nichts ändern.

 

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