Dortmund: Die Tierschutzorganisation ‚Peta‘ pfeifft auf alte Ruhrpotttradition

Eine Stadttaube. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Tiere emotionalisieren die Menschen immer. Kürzlich haben wir das auch hier bei uns im Blog der Ruhrbarone wieder festgestellt, als ich in einem Beitrag die meiner Meinung nach völlig aus dem Ruder gelaufene Trauer um die in der Silvesternacht verbrannten Affen im Krefelder Zoo thematisiert und zur Diskussion habe, der Beitrag überdurchschnittlich häufig in den verschiedenen Netzwerken leidenschaftlich diskutiert wurde.

Diese Tatsache ist auch der Tierschutzorganisation ‚Peta‘ seit Jahren wohl bekannt. Genauer gesagt setzt diese durch umstrittene Aktionen bekannt gewordene Gruppe genau auf diesen Effekt. Auch heute wieder, wo die Deutsche Brieftaubenausstellung tausende Züchter und Taubenfreunde nach Dortmund lockt.

In den Westfalenhallen begann um 8.30 Uhr die Brieftaubenausstellung des Verbands Deutscher Brieftaubenzüchter. Und die Tierschützer von PETA rufen zum Protest dagegen auf.

Protest gegen eine alte Ruhrgebietstradition, die über Jahrzehnte ein gutes Stück Revier ausgemacht hat und bis heute noch immer ausmacht. Da sind Debatten natürlich einmal mehr vorprogrammiert.

Wer, wie ich, im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, für den gehören die ‚Taubenkasper‘ einfach mit dazu. Alleine in meiner Straße gab es in den 1980er-Jahren noch vier Taubenzüchter. Als Kind habe ich die Herrschaften immer gerne besucht, die Tauben beobachtet und sogar hin und wieder gefüttert.

Die über den Häusern der Siedlung kreisenden Tauben gehören bis in die Gegenwart hinein mit zum Erscheinungsbild vieler Siedlungen im Ruhrgebiet. Selbst heute noch hat ein Nachbar von mir eine kleine Brieftaubenzucht. Der Mann ist inzwischen deutlich über 80 und in meiner Nachbarschaft der letzte Vertreter seiner Zunft.

Die drei Häuser in meiner Straße, in denen bis vor einigen Jahren auch noch Tauben gehalten wurden, die haben das klassische Hobby der Bergleute in dieser Region inzwischen aufgegeben. Kein Wunder, ist doch auch der Bergbau inzwischen längst Geschichte. Die stetig kleiner werdende Schar von Taubenzüchtern hat große Nachwuchssorgen. Das Hobby, welches in der Mitte des vorigen Jahrhunderts seinen Höhepunkt hatte, stirbt aus.

Wie kommt man also bitteschön auf die Idee im Jahre 2020 ausgerechnet auf die angebliche Tierquälerei im Bereich der Taubenzucht aufmerksam machen zu wollen?

Alles was ich über Taubenzüchter weiß ist, dass diese ihre Tiere lieben und wertschätzen. Da mag es, wie immer im Leben, unrühmliche Ausnahmen geben, die es zu bekämpfen gilt, aber grundsätzlich gegen die Zucht und Haltung von Brieftauben zu protestieren, das erscheint völlig abwegig.

Ganz im Gegenteil! Die ‚Taubenkasper‘ sind in der Vergangenheit vielfach als sehr aufmerksame Tierfreunde aufgefallen. Die Hege und Pflege ihrer Tiere wird zu einem Teil aus großer Tierliebe gespeist, zu einem Teil aber sicherlich auch aus einer Portion Eigeninteresse, denn schließlich kostet der Betrieb eines solchen Taubenschlags nicht nur viel Geld, es ist auch eine nicht unerhebliche Geldanlage.

Brieftauben sind teuer und wertvoll. Meiner Beobachtung nach werden sie auch so behandelt. Dass Tierzüchter mit kranken und verletzten Tieren für Außenstehende teilweise recht rüde und herzlos umzugehen scheinen, früher in den Familien der Züchter sogar, wie ich es selber miterlebt habe, gerne Taubensuppe gegessen wurde, das sei dabei unbenommen.

Doch Tiere unnötig gequält und misshandelt hat in all den Jahren in denen ich zu Taubenzüchtern direkten Kontakt hatte und bis heute habe (auch mein Urgroßvater und mein Urgroßonkel hatten früher selber Tauben) wäre mir nicht bekannt.

Man fragt sich also als Beobachter daher schon, ob Peta nicht andere Themen wesentlich nötiger zu bearbeiten hätte, wo tatsächlich Tierquälerei oder andere Probleme bei der Tierhaltung zu beklagen wären? Ausgerechnet eine ohnehin im Aussterben befindliche, harmlose Ruhrgebietstradition zu ‚bekämpfen‘, das erscheint in diesen Zeiten, in denen Massentierhaltung Millionen von Tieren tatsächlich quält, in jedem Falle völlig überzogen.

 

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2 Kommentare

  1. #1 | ke sagt am 4. Januar 2020 um 12:20 Uhr

    Wenn es richtig verstanden habe, geht es PETA um die angeblich hohen Verlustraten bei Wettflügen und irgendwie generell um die Einstellung zum Tier.

    Dass Tiere in der Wildbahn vielen Gefahren ausgesetzt sind, wissen alle Katzenhalter, wenn diese mal wieder ihre Opfer mitbringen, aber auch viele Autofahrer, die die toten Tiere am Straßenrand sehen. Das Leben ist kein Ponyhof.

    Dass dann immer mehr Greifvögel in der Stadt zu beobachten sind, ist ein weiteres Thema und sicherlich auch eine Gefahr für die Stalltiere.

    Wenn es konkrete Tierschutzprobleme gibt, müssen diese bekämpft werden.

    Ich habe selber keinen besonderen emotionalen Bezug zur Haustierhaltung und bin eher der Meinung, dass Tiere in die Natur gehören. Natürlich werden sie im Garten unterstützt, wenn es um Blütenpflanzen, Verstecke, Winterfutter etc. geht.

    Ebenso ist es auch immer wieder zu beobachten, wie bspw. Vögel von Restaurant-Gästen gefüttert werden, während sie sich gleichzeitig aufregen, dass die Umgebung durch Vogelhinterlassenschaften versaut wird. Was soll das?

    Ich gehe davon aus, dass Katzen als nächstes auf die "Wir retten die Welt durch Verbote"-Liste kommen. Danach die überzüchteten Hunderassen und dann die restlichen (Haus-)Tiere.

  2. #2 | Bettina sagt am 5. Januar 2020 um 15:30 Uhr

    Peta lebt, wie einige dieser Organisationen, von der Aufregung. Ob das sinnvoll ist, ist ihnen vermutlich herzlich egal. Und viele Leute, die sich schnell aufregen, springen dann sofort auf den Zug auf.

    Diese ganze Aufgeregtheit geht mir eigentlich nur noch auf den Keks.

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