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Dortmund: Polizeichef Lange sucht das Gespräch – zu spät

Gregor Lange

Gregor Lange

Dortmunds Polizeichef Gregor Lange sucht das Gespräch mit den Nazi-Gegnern und setzt auf einen Neuanfang. Dem steht er allerdings selbst im Weg.

Dortmunds Polizeichef Gregor Lange will alle Nazi-Gegner zum Gespräch laden. In einer Pressemitteilung der Polizei wird er zitiert: „Mir ist jetzt wichtig, dass wir gemeinsam nach vorne schauen! Nur gemeinsam wird es uns gelingen, menschenverachtende, verfassungsfeindliche Rechtsextremisten, die nach dem Wahlabend am 25.05.2014 „Oberwasser“ bekommen haben, in ihre Schranken zu weisen.“ Mag sein, das ihm das wichtig ist, aber ein Neuanfang ist mit Lange nicht mehr möglich. Der Bericht seiner Behörde über den Nazi-Angriff auf das Rathaus war ein Schlag ins Gesicht der Dortmunder Zivilgesellschaft. Lange, der bei vielen Gelegenheiten betonte, wie wichtig ihm genau diese Zivilgesellschaft ist, fiel ihr damit in den Rücken, sorgte bei den Neonazis für Jubelstürme und stellte die Nazi-Gegner als Haufen besoffener Krawalleros hin. Der Bericht war der dritte Fehler Langes innerhalb weniger Wochen: Am 1. Mai konnte er nicht verhindern, das Neonazis Dortmunder Bürge attackierten und beschimpften. Sein Versprechen, den Nazis „keinen Millimeter“ mehr zuzugestehen, als es die Gericht vorschreiben, war nicht mehr als leere Worte. Am Wahlabend des 25. Mai schätzte der die Lage falsch ein.  Nicht einmal einen Zug Bereitschaftspolizei war abgestellt worden, um das Rathaus zu schützen. Die Polizei hatte sich auf die Aussagen eines Die Rechte-Funktionärs und der noch unerfahrenen Dortmunder Ordnungsdezernentin verlassen.

Der dritte Fehler war der Bericht seiner Behörde an das Innenministerium, der nicht nur schlampig recherchiert war und offenbar voller Fehler ist sonder auch eine Beleidigung der Nazi-Gegner war. Spätestens nach diesem Bericht kann Lange nicht mehr der Ansprechpartner der Zivilgesellschaft sein, der er gerne wäre. Ein Neuanfang ist nötig, aber er wird nur ohne Lange gehen.

Gregor Lange ist der falsche Mann für den Posten des Polizeipräsidenten. Im Regierungsbezirk Münster war er unter anderem für Denkmalschutz zuständig, als Leiter der Weiterbildungsstätte Mont Cenis in Herne überforderte ihn schon die Lösung der Park-Probleme und in seiner Zeit beim Verfassungsschutz war der Herr der bunten Broschüren, mit dem der Dienst um Verständnis bei den Bürger wirbt. Lange ist vielleicht ein guter Verwaltungsbeamter, der Chef einer Polizeibehörde einer Stadt wie Dortmund, die neben dem Nazi-Problem mit der höchsten Kriminalitätsrate im Ruhrgebiet zu kämpfen hat, ist er nicht. Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat mit seinem Parteifreund Lange den falschen Mann für den Posten ausgewählt. Er sollte jetzt schnell die Konsequenzen ziehen. Ein andere Posten für Lange wird sich finden. Und auch ein Mann oder eine Frau mit besseren Fähigkeiten für den Posten des Dortmund Polizeipräsidenten.

 

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11 Kommentare zu “Dortmund: Polizeichef Lange sucht das Gespräch – zu spät

  • #1
  • #2
    Mir

    Nach all den peinlichen und vor allem fatalen (Fehl)Entscheidungen der Polizei Dortmund während des Wahlabends, kann auch ich nur Kopfschütteln und die Bewertung ‚inkompetent‘ aussprechen. Die Folgen daraus sind ein Disaster für die Stadt Dortmund, das immer im Gedächtnis haften bleibt.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thorsten Bachner „Ich denke nicht eine Sekunde darüber nach, den Bericht politisch zu korrigieren!“ sagte Jäger im Innenausschuss.
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/innenminister-ralf-jaeger-will-bericht-zu-rathaussturm-nicht-korrigieren-id9520538.html#plx321598667
    Ich glaube, das Lange im Amt bleibt – erst einmal. Jäger muss ihm den Rücke frei halten und sich vor die Polizei stellen – sonst ist er bei den eigenen Leuten durch. Was ich aber auch glaube ist, das Lange nicht sehr lange Polizeichef in Dortmund bleibt. In ein paar Monaten wird man eine gesichtswahrende Lösung finden. Er bekommt dann einen neuen Job und Dortmund eine fähige Polizeiführung.

  • #4
    Klaus Lohmann

    Falls noch nicht bekannt: http://www.bodoev.de/artikel/bei-anruf-noetigung.html

    Unglaublich, was Menschen in Dortmund nun passiert, wenn sie wegen gewalttätiger Nazihorden den Notruf wählen…

    Und im Landtag rudert man anscheinend wieder einmal häppchenweise zurück: „Das Thema Alkohol sei deshalb im Bericht hervorgehoben worden, weil alkoholisierte Personen den Polizeieinsatz erschwert hätten. Wehe: „Das waren einzelne, eine Hand voll. Nicht die Masse.“
    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/innenminister-ralf-jaeger-will-bericht-zu-rathaussturm-nicht-korrigieren-id9520538.html#plx2020457897

    Also maximal 5, einer davon Drabig (wie immer, wenn’s Pils gibt:-)). Maximal 5 Personen behindern 118 Polizisten derart, dass man es im Landtag „hervorheben“ muss…

    Lange hat nun ein wirklich echtes Problem mit seinem Amt und seinem Arbeitsort.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus Lohmann: Und Drabig hatte Recht, mit dem was er sagte: Der Einsatz war „Scheiße“.

  • #6
    Klaus Lohmann

    @

    #3 | Stefan: „…und Dortmund eine fähige Polizeiführung.“ Dein Wort in Gottes Gehörgang, aber ich glaube fast, dass Dortmund als fast hoffnungslose Nazihochburg eher eingemauert als mit fähigem Personal versehen wird.

    PS: Natürlich hat Drabig recht. Besoffene und kleine Kinder sagen immer die Wahrheit;-)

  • #7
    Hans

    Guter Bulle, schlechter Bulle

    Stimmt, weg muss der Polizeipräsident, der beweist, dass es keine „Zivilgesellschaft“ mit den Repressionsorganen des Staats geben kann. Die dafür sorgen, dass man im Kapitalismus zwar gegen Nazis das Wort, aber niemals aktiv werden darf.
    So ein Paradebeispiel staatlicher Willkür und Kumpanei mit Rechts. Igitt, pfui. Der neue Polizeipräsident reicht ja nicht mal als Feigenblatt. Völlig untauglich. Sieht man doch an seiner Vita. Guter Amtsschimmel, schlechter Auskehrer.

    Jetzt muss ein „guter Bulle“ (progressiv und emanzipatorisch gegendert auch eine „Bullin“) her, der/die den Job richtig macht und uns vorgaukelt, dass der bürgerliche Staat im Kapitalismus antifaschistisch gesinnt ist. Antifaschistische Hoffnung in den Staat. Juchhe.
    Dafür sorgt jetzt die 4. Macht im Staat. Das Korrektiv, die Medien. Die Autoren der Ruhrbarone, beweisen uns, dass es „gute Bullen“ und „schlechte Bullen“ gibt und das ein „guter Bulle“ der Ruf der Stunde ist. Das nennt man staatstragend. Kaum kommt den Menschen der Verdacht, dass da strukturell etwas schief geht, dass mit diesem System etwas nicht stimmt, da heißt es „Kosmetik“.
    Jetzt, wo die Bemühungen der staatsloyalen Grünen, der SPD und des DGB mit ihrem „Arbeitskreis gegen Rechts“ von ehedem dem staatlichen Organ so sichtbar, so hautnah gegen die Wand gefahren wird, was sie die ganze Zeit so umworben haben. Dass ihr Modell der Integration der Polizei, des Staatsschutz und des Verfassungsschutz in die „Zivilgesellschaft“ sich als böses Märchen erweist. Der Skandal hat noch nicht mal seinen Höhepunkt erreicht, da kommt der Gesellschaftkitt von der sich hier als ach so kritisch gerierenden Presse.

  • #8
    keineEigenverantwortung

    War es in Dortmund vorher besser?
    Was kann man in wenigen Tagen ändern?
    Ist es in anderen NRW-Städten besser?

    Für eine bessere Arbeit in den Bereichen Justiz und Inneres müssen aus meiner Sicht andere Signale aus Düsseldorf kommen. NRW belegt in zu vielen Statistiken hintere Plätze und das seit Jahren.

  • #9
    Ulrich

    Franz-Josef Drabig mag eventuell am Wahlabend angetrunken gewesen sein, aber er war vermutlich am Morgen danach wieder nüchtern.

    Eine mutmaßlich inkompetente und völlig überforderte Dortmunder Polizeiführung hingegen ist vermutlich auch heute noch genau so wenig kompetent wie am Abend der Auseinandersetzung.

    Aber ob angetrunken oder nüchtern – auch bei mir wären die Emotionen hoch gekocht wenn ich miterlebt hätte dass eine Horde volksverhetzende Parolen grölender und größtenteils mit T-Shirts auf denen für eine verbotene Gruppierung geworben wurde bekleidete, teilweise wegen Körperverletzungsdelikten oder sogar wegen Totschlags vorbestrafter Neonazis auf das Dortmunder Rathaus los stürmt ohne dass auch nur eine einzige Polizeikraft anwesend war. Drabigs Worte waren der Situation durchaus angemessen. Ich sehe nichts wofür er sich entschuldigen oder gar schämen müsste. Vor Scham im Boden versinken sollten hingegen die Führungskräfte der Dortmunder Polizei wegen ihres Totalversagens.

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