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Update: Dortmund, Sierau und das Antifacamp: Wünsch Dir was!

Die Stadt Dortmund veröffentlichte auf ihrer Internetseite dortmund.de einen langen Text von Dr. Dierk Borstel, Mitarbeiter am renommierten Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld, in dem er sich gegen das Antifacamp in Dortmund wendet. In wessen Auftrag er das tat, wird allerdings verschieden dargestellt.

Fakt ist jedenfalls, dass am 31. August  Dierk Borstel auf der Seite der Stadt Dortmund den Text “Braucht es ein Antifacamp in Dorstfeld?” veröffentlichte. Borstel führte in dem Text aus, warum er eine Antifacamp für nicht notwendig hält. Eingeführt wurde der Text mit den Worten:

„Der auf Wunsch des Dortmunder Oberbürgermeisters Ullrich Sierau verfasste Artikel ist nachfolgend in vollem Wortlaut wiedergegeben.“

Gestern äußerte sich die Grüne Ratsfrau Ulrike Märkel in einem Gastkommentar zu Borstels Text und bezog sich auch auf das von der Stadt Dortmund formulierte Intro mit den Worten: “Dr. Dierk Borstel schreibt auf Wunsch des Dortmunder Oberbürgermeisters Sierau eine Stellungnahme, denn der hatte da mal eine Frage: „Braucht es ein Antifacamp in Dorstfeld?“”

Das setzte die Stadt in Bewegung. Der Text auf der Webseite der Kommune wurde heute geändert und eine Pressemitteilung verfasst. Nun ist alles anders und es steht vor Borstels Text:

„Entgegen anders lautenden Hinweisen verfasste der Autor den Beitrag aus eigenem Antrieb – und nicht auf Veranlassung der Stadt Dortmund oder auf Wunsch des Dortmunder Oberbürgermeisters. Das kann man getrost aus den beiden ersten Worten des Textes ableiten.“

Was also stimmt? Hat Oberbürgermeister Sierau den Herrn Dr.Borstel als Experten um eine Stellungnahme gebeten oder bot sich Dr. Borstel aus eigenem Antrieb dem Oberbürgermeister als Stellungnahmenverfasser an?

Wir haben bei der Pressestelle der Stadt Dortmund und bei Dierk Borstel  nachgefragt, wer sich wann was von wem gewünscht hat und wünschen selber allen schon einmal fröhliche Weihnachten, einen guten Rutsch und natürlich Weltfrieden!

Update:

Dierk Borstel hat sich gerade telefonisch gemeldet: Er habe den Text nicht auf Wunsch von Ullrich Sierau geschrieben sondern aus freien Stücken – veröffentlich werden sollte er ursprünglich auf einer Site, die sich mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt. Er kenne weder den alten noch den neuen Vorspann und habe keine Änderung veranlasst.

 

Update II:

Auch die Stadt Dortmund hat mittlerweile auf unsere Anfrage reagiert:

Die Ursache war ein Missverständnis in der stadtinternen Kommunikation. Nicht der Text wurde auf Wunsch des Oberbürgermeisters von Herrn Borstel verfasst, sondern der Text sollte auf Wunsch des Oberbürgermeisters auf der Internetseite der Stadt Dortmund veröffentlicht werden.

 

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15 Kommentare zu “Update: Dortmund, Sierau und das Antifacamp: Wünsch Dir was!

  • #1
    Arnold Voss

    Ein Wissenschaftler schreibt schon mal gerne einen Aufsatz in einer Fachzeitung aus eigenem Antrieb, eine Lageeinschätzung für eine ganze Stadt oder einen Stadtteil dagegen weniger. Wissenschaftler mischen sich nach meiner Erfahrung nicht gerne ohne Auftrag/Legitimation ein, erst Recht nicht wenn sie ansonsten für ein renommiertes Institut arbeiten.

    Ich kann mir auch keinen Institutschef vorstellen der es gut finden würde, wenn Mitarbeiter für die gleiche Stadt für die das Institut arbeitet unaufgefordert weitere eigene fachliche Einschätzungen in eigenen autonomer Verantwortung vornehmen und das noch von dieser politischen Brisanz.

    Mit einem Satz: Ich halte die Aussage, dass Dr. Dierk Borstel seine Lageeinschätzung nur aus eigenem Antrieb verfasst hat, für nicht sehr überzeugend. Ich gehe allerdings davon aus, dass er sie nach bestem Wissen und Gewissen gegeben hat.

    Ach ja, ich halte den Wunsch des Oberbürgermeisters von Dortmund, ja jeder Stadt, nach einer fachlich versierten Lageeinschätzung in einer schwierigen Entscheidungslage für legitim. Was er daraus politisch und strategisch macht, ist allerdings eine ganz andere Frage.

  • #2
    Georg Wicker

    was hat das noch mit Journalismus zu tun… ewig diese weltverbesserer hauptsache gegen alles ..ein antifacamp brauch wirklich niemand

  • #3
    Murphy42

    Verschwörung, Verschwörung und noch lauter VERSCHWÖRUNG. Ruhrbarone wittern Verschwörung.
    Stefan, geh doch einfach zur Bildzeitung, da kannst du dann deine Vermutungen in ganz großen Buchstaben drucken lassen.

  • #4
  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @All: Es ist doch ganz einfach: Gestern änderte die Stadt Dortmund den Einführungstext zu dem Beitrag von Dierk Borstel. Es wurde nicht erwähnt, dass auf ihrer Seite etwas falsch gelaufen war. Dafür wurde von “anders lautenden Hinweisen” geschrieben. Hier tauchten dann die ersten Kommentare auf, die an unserer Gastkommentatorin zweifelten – also haben wir nachgeschaut und nachgefragt.
    @Murphy24: Vermutung trifft es ja nicht: Alles ist dokumentiert und belegt – und damit ist auch klar, das auf unserer Seite kein Fehler gemacht wurde. Von Verschwörung war nie die Rede.

  • #6
    Arnold Voss

    @ Murphy42 #3

    Nein, es geht mitnichten um Verschwörung. Es geht um politische Strategie und Taktik. Ulrich Sierau wollte den harten Kämpfer gegen Rechts- u n d Linksaußen spielen und dabei der Welt gleichzeitig zurufen, dass Dortmund dafür keine Unterstützung von außen braucht. Da passte die Lageeinschätzung von Dierk Borstel ganz prima rein.

    Ich kann mir bei einem so klugen Kopf wie Dr. Borstel auch nicht vorstellen, dass er das nicht wusste. Genauso wenig kam sein Aufsatz nicht von ungefähr auf die Website der Stadt. Taktisch unklug war es allerdings von der Presseabteilung, den Einleitungssatz wieder verschwinden respektive verändern zu lassen und zu denken, dass das keinem auffällt.

    Oberbügermeister, erst recht wenn sie einer politischen Partei angehören, dürfen und sollen Strategen und Taktiker sein und können in diesem Zusammenhang auch den Wunsch nach einer Lageeinschätzung durch eine Experten äußern. Wenn das dann öffentlich debattiert wird, ist das Demokratie und nicht Verschwörungstheorie.

  • #7
    Sören

    Danke Herr Laurin für ihre Recherche.
    Frau Märkel hat bereits sehr gut dargestellt warum der Text von Herrn Borstel sehr fragwürdig ist. Er nutzt seine wissenschaftliche Reputation für eine Stellungnahme die keineswegs wissenschaftlich ist und dem OB nur allzu offensichtlich nach dem Mund redet.

    Das auf der Seite der Stadt dann noch völlig eindeutig der Text als Auftragsarbeit des OB zu erkennen war setzte der Geschichte natürlich die unseriöse Krone auf.

    Das die Stadt darauf reagiert und nun einfach den Text ändert ist nur die weiterführung der peinlichen Provinzposse der Stadtverwaltung.
    Die Distanzierungen von Stadtverwaltung und Borstel sind keine überraschung. Schwerlich können sie jetzt nach der änderung des Textes noch zugeben das sie gerade lediglich Schadensbegrenzung einer völlig unseriösen Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

    Ich würde mich da auch dem Kommentar von Herrn Voss anschliessen und halte es für unwahrscheinlich das sich ein Wissenschaftlicher spontan aus freien Stücken in dieser Form zu Wort meldet. Warum sollte er. Er hatte keinerlei Erhebungen oder Untersuchungen zum Camp gemacht, das lag auch nicht in seinem Aufgabenbereich. Er gefährdet nur seinen Ruf und den seines Instituts.

  • #8
    Martin Böttger

    Als Herkunfts-Essener gibt es für mich Dortmund eigentlich gar nicht und hat mich also auch das Thema wenig interessiert. Aber jetzt bin ich doch drauf aufmerksam geworden. Danke Herr Sierau, sie habens geschafft. Jetzt habe selbst ich erfahren, wie schlimm es bei Ihnen in Dortmund steht. Sind einfach superintelligente PR-Arbeiter in Ihrer Verwaltung.

  • #9
    Arnold Voß

    @ Zum Update

    Was sollte Herr Borstel jetzt auch anderes mitteilen, als dass er den Artikel natürlich nicht in Irgendjemandes Auftrag verfasst hat.

  • #10
    Herbert Surmann

    Wir brauchen in Deutschland keine Rechten, kein Antifacamp keine Allertas und vor allem kein STEFAN LAURIN. Gottseidank lesen den Mist nur 0,0001 % der NRWler. Da wird die WAZ ja noch öfter gelesen…

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Hergert Surmann: Sie ahnen gar nicht wie egal mir ist was Sie glauben was NRW braucht. Und ja: Die WAZ hat mehr Leser als die Ruhrbarone. Sie sind ein Pfiffikus 🙂

  • Pingback: Pottblog

  • #13
    Arnold Voß

    @ Herbert Surmann # 10

    Aber Deutschland und die Deutschen brauchen sie, Herbert Suremann. Einen der weiß wo es lang geht, der uns sagt was für uns richtig ist, der weiß wer hier weg muss und wer zu uns gehört. Da warten wir schon so lange drauf, auf einen, dem wir wieder folgen können. Ans Werk Suremann! Noch wissen nur 0,0001 % der Bevölkerung von ihrem Führungstalent. Das müssen und das können mehr werden.

  • #14
    Aus Maus

    ich halte die Aussage der Stadt für recht glaubwürdig, auch wenn alles Andere natürlich viel spannender klingt. Nicht, dass ich viel mit dem SPD-Klüngel zu tun hätte, aber dass es in den Strukturen der dörflichen Macht einfach etwas chaotisch zugeht und die Ausführenden in der IT dann eine Weisung über 10 Ecken falsch ins Ohr bekommen, halte ich nicht für unwahrscheinlich.

  • #15
    Arnold Voß

    @ Aus Maus # 14

    In einer Bürokratie weiß oft nicht die eine Hand was die andere tut. Aber in diesem Fall, den OB betreffend, halte ich das für unwahrscheinlich. Und die Korrektur kam erst, nach dem Frau Märkel hier ihren kritischen Artikel verfasst hatte.

    Aber wie gesagt, ich bin der Meinung, dass ein OB sehr wohl den Wunsch nach einer Lageeinschätzung in Form eines Fachartikels äußern und diesen dann auch nach Lieferung auf die Website der Stadt setzen darf. Daran ist nichts Unseriöses.

    Die Verantwortlichen dürfen sich dann allerdings nicht wundern, dass der Artikel öffentlich debattiert und die begründete Feststellung getroffen wird, dass der Artikel genau zur Strategie des Obs gegenüber dem Antifa-Camp passt.

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