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Dortmunder Nordstadt: „Männer spuckten vor mir auf die Straße“

 

Bornstraße Blickrichtung Dortmund Innenstadt Foto: Lucas Kaufmann Lizenz: CC BY-SA 4.0

Am Samstag von 16:30 Uhr bis 20:00 Uhr findet in der Speicherstraße 100 am Dortmunder Hafen ein Workshop über Sexismus statt. Im Vorfeld der Veranstaltung veröffentlichen wir einen Erfahrungsbericht eine jungen Frau, die im Sommer in die Nordstadt zog. Und sich bei ihren Problemen nicht auf die Hilfe der Stadt verlassen konnte.

Von der Dortmunder Nordstadt sagt man, sie sei bunt und vielfältig. Damit wirbt das Viertel. Zwar ist es noch immer arm, doch hier und da tut sich etwas. Immer mehr Häuser werden renoviert und die ganz Bettelarmen, die in heruntergekommenen Häusern auf Matratzenlagern lebten, können sich die Nordstadt kaum mehr leisten. Es gibt ein paar besuchenswerte Kneipen und Clubs und Schorsch Kamerun machte hier im Rahmen der Ruhrtriennale Theater – über einen Zwischenfall bei einer Aufführung, in dessen Rahmen Frauen belästigt wurden, berichtete nur dieses Blog. Leider sind diese Art von Zwischenfällen nicht unüblich.

Wer als junge Frau, in der Nordstadt lebt, hat leider nicht viel von der gepriesenen Buntheit. Eigentlich meint „bunt“ ja Vielfalt und Freiheit. Doch gerade frei sind viele Frauen hier nicht. Nicht die muslimischen Frauen, die oft in reaktionäre Hierarchien eingebunden sind und auch nicht junge Frauen, die im Sommer bei 36 Grad ein Kleid oder einen kurzen Rock tragen möchten.

Die Erlebnisse steuerte eine Frau bei, die in der Nordstadt wohnt und deren Erfahrungen sich mit anderen Frauen aus unserem Bekanntenkreis decken. Mit unseren eigenen Erfahrungen decken sie sich nicht. Wir hatten in der Nordstadt zu keiner Uhrzeit ein Problem – weder alleine, noch in Begleitung von Frauen. Aber für Frauen, die ohne Mann unterwegs sind, kann es unangenehmen werden. Und darüber muss geredet werden.

Die Frau, von der wir sprechen, nennen wir sie Julia, war von den Verhältnissen in der Nordstadt unangenehm überrascht und nein, sie war kein Landei, sie zog aus einer der größten Städte Deutschlands nach Dortmund.

Ihre ersten Eindrücke bei einem Rundgang durch das Quartier: „Männer spuckten vor mir auf die Straße. Ich hatte das Gefühl: Die verachten mich, obwohl ich mir natürlich nicht 100-prozentig sicher sein konnte, ob das überhaupt etwas mit mir zu tun hat.“ Aber allein das Gefühl sei interessant und vielleicht bezeichnend für das Leben in der Nordstadt als emanzipierte Frau.

Julia ist so eine emanzipierte Frau. Sie lässt sich nichts gefallen. Und sie sah nicht ein, dass sie sich nicht unbehelligt in der Nordstadt auf der Straße zeigen kann. Sie wandte sich über den Bürgerservice an die Frauenbeauftragte der Stadt. Eine Beschwerde über sexuelle Belästigungen wurde aufgenommen. Julia bat um Rückruf. „Außerdem bat ich um Informationen, inwieweit das Thema der Stadt bekannt ist und ob es Initiativen gibt.“
Wenn es um Sexismus geht, sieht sich die Stadt Dortmund gerne engagiert. Auf ihrer Homepage zeigt sie unter der Rubrik Frauen & Gleichstellung klare Kante: „Wir sind unvoreingenommen, offen und überparteilich; tolerieren weder körperliche und sexuelle Übergriffe noch ethnische oder berufliche Diskriminierung.“

Julia erhielt keine Rückmeldung. Nach drei Wochen rief sie selbst an. Der Rat: Wenn etwas passiert, solle sie Polizei oder Ordnungsamt kontaktieren. Ansonsten könne man nicht viel tun. Nach Initiativen solle sie selbst schauen. Immerhin: Das Ordnungsamt sei wohl über solche Dinge informiert. Die Personen, die beim Ordnungsamt arbeiten, sind allerdings meist AGH-Kräfte, ehemals nannte man sie „Ein-Euro-Jobber“.

Julia erlebt verschiedene Formen der sexuellen Belästigung. Meistens sind es aufdringliche Blicke oder herabwürdigende Sprüche, Gezische, Geschnalze, fragwürdige Komplimente wie „Ohlala“ oder „Mmhh schöne Frau“. Die Blicke sind auf Julias Körper fixiert, lassen nicht von ihr ab. Oft drehen sich Männer um oder bleiben extra stehen, um sie zu begutachten. Oft grinsen sie unverschämt und geben Julia ein Gefühl der Erniedrigung.

„Nach sexueller Belästigung an der Bornstraße durch eine richtig üble Anmache gehe ich eine Ecke weiter zur Außenstelle des Ordnungsamtes. Dort stehen fünf Männer. Einer sehr wahrscheinlich mit Migrationshintergrund. Er ist später der Einzige, der Verständnis für meine Aufgebrachtheit zeigt. Er trägt im Gegensatz zu den anderen so etwas wie eine Uniform. Ich habe erst die Sorge, dass ich übertreibe wegen so einer Sache zum Ordnungsamt zu gehen. Er verneint das deutlich und sagt ‘Das ist alles sehr wichtig!’. Die anderen sind geschätzt über 50 und weiß. Die gucken mich verdutzt an, als ich ihnen die Situation schildere und sagte, ich wünsche mir, dass da jetzt jemand hingeht und den Männern, die mich angemacht haben, sagt, dass das sexuelle Belästigung ist und dass dies nicht geduldet wird.“ Julia hat die jungen Männer nach der Anmache zwar beschimpft, aber die haben nur gelacht. Das kommt oft vor, wenn Julia den Mund aufmacht.

Julia will, dass die Männer vom Ordnungsamt den Tätern klarmachen, dass so ein Verhalten kein Spaß ist. Dass es nicht hingenommen wird. Nur einer der Ordnungshüter versteht, was sie will, und erklärt es den anderen. Ob sie denn Zeugen hätte, fragt er Julia. „Ich bin entsetzt über die Frage und weiß nur zu antworten: ‘Was heißt hier Zeugen – das ist mir eben gerade da drüben passiert.’ Ich wurde dann reingeschickt zu der ‘Chefin’. Die ist nicht zuständig und sagt, sexuelle Belästigung sei eine Straftat und ich solle in solchen Fällen die Polizei rufen.“

Die Frauenbeauftragte der Stadt Dortmund, die Julia geraten hatte, zum Ordnungsamt zu gehen, wusste offenbar nicht, dass das Ordnungsamt in solchen Fällen gar nicht der richtige Ansprechpartner ist.

„Während die Frau im Ordnungsamt mir zusichert, dass ich mich zu Recht aufrege, hatte ich das Gefühl die Männer vom Ordnungsamt sind mit der Situation überfordert. Ich frage mich, ob es an der Thematik liegt, an deren Inkompetenz oder daran, dass ich als junge Frau mit diesem Thema auf sie als Männer zukomme? Einen kompetenten Eindruck hinterlassen sie bei mir jedenfalls nicht.“

Dass in der Nordstadt viel Polizei auf der Straße ist, begrüßt Julia. Sie fühlt sich durch ihre Anwesenheit sicherer. Julia erzählt uns weitere Vorfälle. Zum Beispiel davon, wie sie nachts mit dem Rad nach Hause fährt. Eine junge Männergruppe überquert vor ihr die Straße. Plötzlich springt einer der Männer auf sie zu, um sie zu erschrecken. Das gelingt ihm auch. Julia schimpft und die Reaktion ist typisch für Situationen, in denen sie sich wehrt: Die Männer lachen sie aus.

Ein anderes Beispiel: Sie geht an einem jungen Mann vorbei, der an der Ampel steht. Er schaut sie unverschämt und erniedrigend an. Sie fragt ihn „Was glotzt du so?“. Daraufhin rastet er aus, kommt aggressiv auf sie zu und beschimpft sie laut. Zwei junge Männer, die vor ihr gingen, drehen sich um. Sie geht weiter, erschrocken von der Aggressivität des Mannes. Als sie sich noch einmal umdreht, sieht sie den Täter, wie er sich bei den beiden jungen Männern über Julia empört. „Ich hatte den Eindruck, als wenn ihm überhaupt nicht bewusst gewesen wäre, dass er mich mit seinem an mir haftendem Blick belästigt.“

In einem anderen Fall kommt Julia ein älterer Mann entgegen. Er grinst unverschämt, sagt „Hallo“ und lässt den Blick starr auf ihr ruhen. „Nun könnte man meinen“, sagt Julia, „das ist nicht so schlimm. Ist es aber doch. Ich werde von allen durchweg auf Anfang 20 geschätzt und bin mit meinen Anfang 30 immer noch mit Abstand nicht in seiner Altersklasse.“ Oft ergibt sich die Belästigung aus dem Kontext oder steckt im Unterton oder in der Art und Penetranz der Blicke.

Julia erklärt den Unterschied zwischen einem freundlichen Hallo, weil jemand an ihr Interesse hat und einem Hallo, welches in Verbindung mit anhaltenden körperorientierten Blicken auf sie sexuell belästigend wirkt. „Jeder anständige junge Mann“ so Julia „der ebenso wie ich sozialisiert wurde, würde ein Hallo anders aussprechen, der würde mich nicht so geil ansehen, sondern vorsichtiger sein, der würde mich nicht so süffisant angrinsen. So ein Hallo geben meiner Meinung nach nur Männer von sich, die denken, sie könnten die Frau beherrschen, die die Frau für ein reines Sexobjekt halten, die mehr als das nicht wert ist und die vielleicht eine Frau wie mich ohne Kopftuch, in enger Jeans ansehen als Frau, die das will, die das provoziert, oder die das verdient. Ich wurde von genug Männern, mit und ohne Migrationshintergrund, anständig und respektvoll angesprochen. Das, und es sind in der Nordstadt vorwiegend Männer mit Migrationshintergrund, ist erniedrigend!“

Wir kommen zum Ende. Julia hat viele solche Situationen erlebt wie die, die wir hier geschildert haben. Wir haben nicht alle aufgezeichnet, von denen sie berichtete. Aber alles geschah innerhalb weniger Monate, sie lebt seit Mitte Juni in der Nordstadt. Immerhin wurde sie bislang noch nicht an gegrapscht. Das geschah jedoch einer Freundin, die sie besuchte. Der Kommentar der Freundin, die aus Dortmund kommt aber heute in Berlin lebt: „Ein Tag Nordstadt und schon wirste angegrabscht.“

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37 Kommentare zu “Dortmunder Nordstadt: „Männer spuckten vor mir auf die Straße“

  • #1
    Thomas Weigle

    Bevor die üblichen verdächtigen Bedenkenträger sich artikulieren, greife ich schon mal vor: MAN KANN DAS DOCH NICHT VERALLGEMEINERN und HABEN WIR NICHT GERADE GELERNT; DASS ES IN DEUTSCHEN EHEN GEWALTSAM ZUGEHT.

  • #2
  • #3
    ke

    Das sieht neben dem engagierten "Kampf gegen Rechts" nach einem weiteren Bereich aus, in dem es viele plakative Slogans gibt, aber die Realität verdrängt wird.

    Es ist gut, dass dieses Verhalten auch in den Medien kommuniziert wird. Offen bleibt natürlich, was insbesondere bei älteren Personen dagegen gemacht werden kann. Wenn betroffene es direkt ansprechen, ist das mutig. Es bleibt aber offen, ob dies eine Verhaltensänderung bewirkt.

    Ich sehe die einzige Chance darin, eine Null-Toleranz Strategie in allen Bereichen zu fahren, da offensichtlich nur durch direkt Reaktion der Gesellschaft Werte vermittelt werden können.

    In der Nordstadt fängt die Polizei damit an. Wenn es dann aber in vielen Bereichen um Konsequenzen geht, zeigt sich unsere Gesellschaft mit der Justiz überfordert und praktiziert Laissez-faire bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.

    Die Verhaltensweisen von vielen jungen Männern wurden in letzter Zeit oft beschrieben. Wenn dies selbst bei älteren Männern der Fall ist, haben wir ein massives lokales Problem.

    Im Artikel wird auch Berlin erwähnt. Ist es dort in den verdächtigen Stadtteilen anders? Hierbei meine STadtteile, in denen auffallend viele junge Männer in kleinen Gruppen an den Strassenecken/Bänken stehen.

  • #4
    ke

    @1 T Weigle:
    Bei der Zusammenfassung musste ich zuerst an Herrn Kretschmann und die Pampa denken. Das war aber natürlich ein anderer Zusammenhang und eben eine Verallgemeinerung.

    Hier geht es um viele einzelne Effekte, die nach meiner Interpretation viele Altersgruppen und sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen betreffen.

  • #5
    Thomas Weigle

    Wer da immer noch meint von Einzelfällen reden zu müssen, schaue mal in
    IHR SCHEINHEILIGEN von TUBA SARICA, Untertitel "Doppelmoral und falsche Toleranz, die Parallelwelt der Deutschtürken und die Deutschen."
    Was mich sehr verblüfft hat, ist ihre Feststellung, dass es in einigen Gebieten der Türkei westlicher und freizügiger zugeht als in der Welt der Deutschtürken. Doppelstaun!!

  • #6
    Ein Mensch

    Ich kann das alles aus meiner eigenen Erfahrung heraus ganz genau so bestätigen. Ich wohne seit Jahren in der Dortmunder Nordstadt (bin auch eine Frau). Ich habe es unzählige Male erlebt und auch schon tätliche Auseinandersetzungen gehabt. Aus meiner Erfahrung heraus waren es ebenfalls zu 98 % Männer mit Migrationshintergrund, meistens Araber und Türken. Rühmliche Ausnahmen sind aus meiner Erfahrung heraus Griechen, Bosnier und Polen. Das sind wirklich sehr angenehme Männer.
    Es gibt in der Nordstadt einen "Männerüberschuss" an Arabern und Türken sowie die meisten Single-Haushalte im Vergleich Dortmunder Stadtteile. Beides zusammen keine gute Mischung für ein Viertel.
    Was soll man nun persönlich tun? Gute Frage. Bürgerliche Initiativen habe ich nie in Betracht gezogen, noch weniger separatistische/autoritäre Gruppierungen der radikalen Linken, die einen Lattenschuss haben ("Frauen immer Opfer, Männer immer böse").
    Die Stadtteilpolitik, Wohnungspolitik hat definitiv einen Anteil an der Misere. Alles was kein Geld hat, alles was in anderen Vierteln auf Widerstand stoßen würde, landet zwangsweise im Norden. Wäre es nicht geil, bei Vermietungen eine Migranten-Quote einzuführen? Wäre für alle besser, wenn jeder Mensch die Chance hätte, sich seinen Stadtteil auszusuchen. Hat jemand schonmal Araber im Kreuzviertel gesehen oder Kaiserstraßen-Viertel? Am Phönix-See?
    Neben Frauen, die betroffen sind, trifft dieses asoziale Verhalten auch manche Männer, die sich feminin kleiden, und auch transexuelle Frauen. Alles schon erlebt im Freundeskreis.
    Ich glaube es ist auch wichtig, zu betonen, dass das eine Minderheit ist und dass man nicht pauschalisieren darf, was letztendlich Männer und Frauen trennen würde. Häufig fühlen sich Männer in solchen Beiträgen angegriffen oder abgewertet, daher finde ich es wichtig, immer wieder zu betonen, dass es eine Minderheit ist über die wir hier sprechen und dass die meisten Männer ziemlich nette und spannende Menschen sind und dass sie durch diese oben beschriebenen Belästigungen ebenfalls leiden (weil manch einer alle über einen Kamm schert).

  • #7
    Hermine G.

    In bestimmten Kulturkreisen trägt die Frau Kopftuch um sich vor solchen Situationen zu schützen, vielleicht wäre das ja was für Julia?

  • #8
  • #9
    Klaus Lohmann

    Kleine Nordstadt-Anekdoten aus der "Zeit" (03/17) und durch die hemmungslos beschlagenen Nullcheck-Brillen der SPD-Stadtführung und Ordnungsvertreter: https://www.zeit.de/2017/19/no-go-areas-nrw-dortmund-nordstadt/komplettansicht

    Die im Artikel aufgeworfenen und belegten Thesen, dass nach dem Verbot und der Verdrängung des Straßenstrichs bis heute eine Art "Freiwild-Jagd" auf Frauen existiert, dass die für den Norden der Stadt katastrophale Lokalpolitik von Nulpen ala OB Sierau eine direkte Folge der in der Nordstadt gegen Null tendierenden Wahlbeteiligung (Kommunalwahl 2014: 25,3%) ist und dass die bisherige Fördermittel-Verteilungsstrategie für die Ausbildung junger Menschen nur dafür sorgt, dass diese nach "Genuss" der Förderung möglichst schnell wegziehen und das ausblutende Viertel damit permanent sich selbst überlassen bleibt, sind nicht von der Hand zu weisen.

  • #10
    Thommy

    @eine Menschin

    Sowohl im Kteutzviertel als auch Ion Kaiserstraßenviertel wohnen Araber.Wo soll das Problem sein?

  • #11
    Ke

    #10 Thommy
    Kreuzviertel und Nordstadt sjnd nicht unbedingt von aussen am Strassenbild zu unterscheiden. Die Bevölkerungsstruktur ist aber sehr unterschiedlich.
    Sie mögen beide bunt sein, aber bunt hat viele Schattierungen.

    Eine interessante Grösse wäre der Frauenanteil abends auf der Strasse.

  • #12
    Jana

    Die Dame aus dem Artikel spricht mir aus der Seele. Ich wohne seit 1 1/2 Jahren nähe Borsigplatz . In den ersten Monaten wurde ich fast täglich angemacht und das fast ausschließlich von Afrikanern. "Do you wanne go to the beach?, Sexy, Hure, I’m bettter than your boyfriend…" Mich machte das aggressiv und ich habe mit Sprüchen gekontert. Da ich wie die Dame im Bericht nur ausgelacht wurde (im besten Fall) und auch schonmal verfolgt wurde und beschimpft werde, wie respektlos ich doch sei, versuche ich Anmachen komplett zu ignorieren. Mittlerweile laufe ich mit Tunnelblick durch die Straßen, vermeide Blickkontakt, "überhöre" Anmachsprüche von Akrikanern, Arabern und Türken und bilde mir ein, dass nur zufällig gespuckt wird, wenn ich an den Herren vorbeilaufe. Lächeln habe ich mir auch abgewöhnt, denn das wird hier falsch verstanden.
    Hier herrscht ein großer Männerüberschuss und emanzipierte Frauen gibt es hier viel zu wenig! Ich kann hier als Frau nicht frei leben! Ich gehe hier aus Sicherheitsgründen nicht joggen, fühle mich tagsüber und abends unwohl auf dem Weg zu Supermarkt…

  • #13
    Jana

    Würde ich (weiblich, blonde Haare) nicht selber in der Nordstadt leben, hätte den Bericht als überzogen empfunden, das ist er aber leider nicht.

  • #14
    Thomas

    Klingt ein wenig wie der Bericht einer Person, die Schlimmes erleben will, und sich Tag für Tag bestätigt sieht. Na ja, muss man nicht verstehen.

    Allerdings möchte ich anmerken, dass der Satz "Die Personen, die beim Ordnungsamt arbeiten, sind allerdings meist AGH-Kräfte, ehemals nannte man sie „Ein-Euro-Jobber“." doch schon ziemlich herabwürdigend klingt (außerdem ist es eine unsubstantiierte Unterstellung). Den könnte man ersatzlos streichen und nichts wäre verloren.

  • #15
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Thomas: Das sehe ich anders – wer eine gute Leistung will, muss die Leute auch anständig bezahlen. Und bei Ein-Euro-Jobbern ist das nicht der Fall.

  • #16
    Klaus Lohmann

    @Ke #11: "Kreuzviertel und Nordstadt sjnd nicht unbedingt von aussen am Strassenbild zu unterscheiden." Ich bin immer wieder verblüfft, wie wenig Sie von unserer Stadt kennen. Allein schon der Einzelhandel und die sehr präsente Gastronomie im Kreuzviertel unterscheiden sich von der Nordstadt um Lichtjahre.

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus Lohmann: Mit seinen vielen Gründerzeithäusern ist die Nordstadt aber eigentlich das schönere Viertel.

  • #18
    Klaus Lohmann

    @Stefan Laurin #15: "Bezahlt werden die Rotkäppchen schon lange nicht mehr als Ein-Euro-Jobber, sondern nach dem Tarifvertrag des Bewachungsgewerbes."
    https://www.nordstadtblogger.de/sicherheitsluecke-dienst-fuer-100-rotkaeppchen-der-service-und-praesenzdienste-beendet-nachfolger-kommen-erst-ab-april/

  • #19
    Helmut Junge

    Daß Behörden nicht reagieren, woran liegt es? Hat es was mit den örtlichen Politikern zu tun? Ist ein reagieren in solchen Fällen ein nicht opportun?
    Zweitens: wo bleibt in solchen Fällen eigentlich #MeToo?
    Ist das Viertel für diese feine Gesellschaft zu arm?

  • #20
    Klaus Lohmann

    @#17 Stefan Laurin: Und die Häuser im Kreuzviertel um Arnecke- und Liebigstr., zwischen S-Bahn und Kreuzstr. sind Plattenbau???

  • #21
    Klaus Lohmann

    @#19 Helmut Junge: Ich dachte, ich hätte es deutlich genug in #9 geschrieben: bei einer kommunalen Wahlbeteiligung von gerade mal 25% und den geringsten Mieten in Dortmund macht sich kaum ein Lokalpolitiker richtig grade.

  • #22
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus Lohmann: Nein, aber die Nordstadt ist das Quartier im Ruhrgebiet mit den meisten Gründerzeithäusern.

  • #23
    Klaus Lohmann

    @#22: …von denen anders als im Kreuzviertel jede Menge von Miethaien und Spekulanten (meistens "einheimisch") sowie Ex-Kommunalpolitikern kaputt"saniert" und durch Geiz und Faulheit fast unbewohnbar gemacht wurden. Die Gründerzeit interessiert die Bewohner, die für schweineviel "Miete" mit 15 Leuten in 4 Zimmer einer 70-qm-Wohnung gequetscht werden, herzlichst wenig.

  • #24
    cat

    Ein Sammelsurium an rechten Spinnern hier. Wie zu erwarten.

    leider kein schönes Thema, mit dem ich mich auch sehr gut auskenne. Dies ist aber kein Nordtstadt Problem. Mir ist sowas auch schon in großen deutschen Städten passiert, ja auch in Kreuzberg und Moabit, auf dem Land und sogar im europäischen Ausland. Und nicht nur von Ausländern, vor allem auch von alten weißen Männern, die denken Sie hätten das Sagen.
    Viele Männer sind einfach erbärmlich und werden es nicht mehr lernen.

  • #25
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann (21), stimmt, aber Mandate gibt es auch in diesen Bezirken zu gewinnen.
    Wenn die mal schwieriger zu erobern sein werden, müssen sich die Politiker auch dort "gerade" machen.
    Jedenfalls nach meiner Theorie.

  • #26
    Jana

    Ja, das passiert auch in anderen großen Städten. Und auch bei deutschen weißen Männer kann man dieses Verhalten beobachten. Aber doch nicht in diesem Ausmaß! Und bei dem Frauenbild, dass in einigen Kulturen vorherrscht, ist das auch kein Wunder. Das ist doch keine rechte Hetze oder habe ich in irgendeinem Kommentar etwas überlesen?

  • #27
    Klaus Lohmann

    @#25 Helmut Junge: Bislang hatte die SPD in Dortmund noch nicht so richtig Not zum "grade machen". Aber das wird sich im Herbst 2020 hoffentlich fundamental ändern.

  • #28
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @: Klaus Lohmann Gerade Sierau hat viel für die Nordstadt getan. Sicherheitspartnerschaft, städtebauliche Umgestaltungen, soziale Initiativen – das nichts passiert, kann man wirklich nicht sagen. Aber man kann auch noch einiges verbessern.

  • #29
    Helmut Junge

    @Jana, die Kommentatorin @cat hält es aber für Rechts, wenn Frauen davon sprechen, daß sie von Gruppen junger ausländischer Männer sexuell belästigt werden. Ihr selber passiert das ständig von jungen und alten deutschen Männergruppen. Sie sieht aus ihrer persönlichen Erfahrung keinen Unterschied, der durch die Herkunft zu erklären wäre. Links wäre es vermutlich, auch die Anmache durch ältere, biodeutsche Männergruppen zu erwähnen, die sie überall erlebt.

  • #30
    Thomas Weigle

    Bei dem Frauenbild, welches in der muslimischen Kultur noch immer größtenteils vermittelt wird, ist die Frau auf ihre Rolle als gehorsam-züchtige Tochter und Ehefrau/Mutter festgelegt, die im Hause ihr Lebensumfeld hat und dieses oft nur in Begleitung eines männlichen Familienmitgliedes verlassen darf.Alle anderen Frauen sind Schlampen und Huren, die man entsprechend behandeln kann.
    Ein Teil der hiesigen guten Menschen will das nicht wahrhaben und kräht sofort bei entsprechenden Äußerungen los: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit uswusf, spricht gerne auch von kulturellen Traditionen, die zu respektieren sind. Einfach ignorieren.
    Wobei der harte und konservative Muslime eher noch seine Gegner ernst nimmt, die nützlichen Idioten aus dem Lager der guten Menschen verachtet er nur, nutzt sie aus.

  • #31
    ke

    #16 K Lohmann:
    Wir haben einfach eine andere Wahrnehmung der Wirklichkeit.
    Alternativ könnten wir auch in Parallelwelten Parallelwelten leben.

    Selbstverständlich kenne ich die von Ihnen angesprochenen Highlights des Kreuzviertels um die Arneckestrasse und Liebigstrasse. Schön ist die Bausubstanz dort nicht.

    Es ist bspw. immer wieder spannend zu spüren, wie die Kälte der alten Gebäude von den Wänden/Fenstern der Gebäude in die Lokale zieht.

    Die in #10 angesprochenen Araber sehe ich dort auch eher sehr selten im Vergleich zur Nordstadt.

    Für mich das eine ähnliche Bausubstanz, aber eine andere Beverölkungsstruktur mit anderen Problemen. Nur das Parkproblem eint beide Viertel.

  • #32
    Ein Mensch

    @24
    Es geht nicht darum, zu verschweigen, dass solche Grenzüberschreitungen nicht auch von deutschen Männern oder "weissen" Männern begangen werden. Es geht darum, die verschiedenen "Qualitäten" zu benennen und nichts gegeneinander "aufzurechnen". Und dass in der Dortmunder Nordstadt ein sehr hoher Anteil an arabischen Migranten lebt, ist ein Fakt. Es ist eine Beleidigung, hier von Rassismus zu sprechen, und es lenkt vom eigentlichen Thema ab.
    Übrigens sind auch Frauen Täterinnen und belästigen andere Frauen und Männer, grapschen auch. In der Dortmunder Nordstadt ist dies nicht so häufig, denke ich, aber in anderen Kontexten.
    Wie erkläre ich mir das Verhalten der Migranten? Da hat der Kommentar 30 nicht Unrecht.
    @14 kann ich nur sagen: Mit Sicherheit hat Jana (#12 & 13) kein Interesse, Schlimmes zu erleben. Klingt ja fast so, als sei es selbstverschuldet. Da ist das Bild mit dem Minirock nicht weit-will ich meine Ruhe haben, dann zieh ich den besser nicht an? Wenn man den Bogen so weit spannt, dann machen Kleidungsvorschriften plötzlich Sinn. 😉

  • #33
    Klaus Lohmann

    @#31: Sowohl Vermieter als auch Makler schätzen Ihre angeblich "unschöne" Bausubstanz mit einem recht erklecklichen Mietzins und entsprechender Courtage und Rendite. Das mit der Kälte ist mir allerdings in 40 Jahren regelmäßigen Besuchs der Viertelgastronomie noch nie aufgefallen – es sei denn, Paul Schulz oder Bernd Altemeier hatten mal wieder tagelang ihre Kneipentüren offen.

  • #34
    nussknacker56

    #24
    Hallo cat, in welcher europäischen Stadt ist es Ihnen passiert, dass vor Ihnen ausgespuckt wurde, „vor allem auch von alten weißen Männern“, wie Sie betonen. Ich möchte da nicht versehentlich Urlaub machen – können Sie ein paar Beispiele aufführen?

  • #35
    Ke

    #33 K Lohmann
    "Die Wohnungen sind bezahlbar, denn ich kann sie bezahlen."
    Ja, die berühmten DINK Paare, die sich an den Laternen für eine Wohnung im Viertel bewerben. DINK ist wichtig, natürlich mit öffentlichen Dienst als Arbeitgeber. Eine Enklave, aber mir gefällt sie nicht.

    Einfach mal in die Nordstadt gehen und Häuser beschauen. Die Investitionen haben sich gelohnt, nur sind alle Bekannten die dort aufgewachsen sind, weggezogen, obwohl sie eigentlich genau solche Gesellschaften toll finden.
    Übrigens gilt das auch für einige Bekannte aus Berlin.
    Im Süden verdient man besser, und die Kids haben bessere Chancen auf eine gute Ausbildung.

  • #36
    Helmut Junge

    @cat (24) schreibt wörtlich "vor allem auch von alten weißen Männern"
    dieses "vor allem" bedeutet aber, daß sie sehr oft von alten weißen Männern sexuell belästigt werden muß. Und sie vergleicht das mit der Anmache von Gruppen junger Männer, wie sie im Artikel beschrieben wird.

  • #37
    Nina

    Heute habe ich den Dortmunder Hauptbahnhof auf der Nordseite verlassen. Gerade eben den Bahnhof verlassen, auf Höhe der Steinwache die erste Belästigung, ein Mann quatscht mich unter einem Vorwand an. Ich gehe einfach weiter. Die Sonne scheint, ein netter Tag. Kaum über die Ampel der Nächste. Ein schleimig grinsendes Hallo und Mustern von Kopf bis Fuß. Mir rutscht reflexhaft "Fick Dich." heraus, was ihn nicht zu stören scheint, vielleicht ist er es gewohnt. Beide Männer waren nicht deutsch, der eine irgendwo aus Nordafrika, der andere irgendwo aus dem Balkan her.
    Ich muss dazu sagen, dass ich nicht mal besonders hübsch im objektiven Sinne aussehe. Bin eine durchschnittliche Frau mit Übergewicht, bei den Temperaturen dick eingepackt.

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