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Dortmunder OB-Wahl: Die SPD muss seit 21 Jahren zittern

Das Rathaus in Dortmund.

Da die Grünen für den Sonntag zur Wahl des CDU-OB-Kandidaten Andreas Hollstein aufgerufen haben, wird die Stichwahl so spannend wie nie. Doch eine sichere Bank ist die Stadt für SPD-Kandidaten schon lange nicht mehr.

Im September 1999 war ich mit dem leider im vergangenen Jahr verstorbenen Thorsten Stumm am Abend der Kommunalwahl im Dortmunder Rathaus. Nicht nur, dass die SPD an diesem Tag ihre absolute Mehrheit verlor, auch ihr Oberbürgermeisterkandidat Gerhard Langemeyer lag nach Auszählung der Stimmen hinter seinem CDU-Konkurrenten Volker Geers. Die Stimmung bei den Genossen war angespannt,. Als Thorsten und ich über das Ergebnis witzelten, ernteten wir böse Blicke und ein paar Sprüche. Erst in der Stichwahl setzte sich Langemeyer durch.

Nach fünf Jahren Arbeit, und Langemeyer war erfolgreich,  baute die Wirtschaftsförderung um und brachte Projekte wie den Phoenix-See auf den Weg, setzte sich der SPD-Kandidat erneut erst in der Stichwahl durch.

Auch Langemeyers Nachfolger Ullrich Sierau (SPD) erging es nicht besser: 2009 erreichte er bei der Wahl keine Mehrheit, holte aber die meisten Stimmen. Da es damals keine Stichwahl gab, war Sierau gewählt. Bei der Wiederholung der OB-Wahl 2012 hatte  Sierau wieder keine Mehrheit, wurde jedoch gewählt, weil er die meisten Stimmen hatte. Eine Stichwahl gab es auch damals nicht.

Als die Stichwahl bei der OB-Wahl 2014 wieder eingeführt war, musste Sierau sofort in einen zweiten Wahlgang gegen die CDU-Kandidatin Annette Littmann antreten.

Überraschend war es also nicht, dass der SPD-OB-Kandidat Thomas Westphal am 13. September nicht gewann und am Sonntag gegen Andreas Hollstein antreten muss. Und auch das Votum der Grünen für Hollstein war keine echte Überraschung. Schon 1999 unterstützten die Grünen die CDU, obwohl Volker Geers damals mit Sprüchen zu punkten versuchte, die man heute von der AfD hört. Hollstein ist da ganz anders, AfD-Sprüche gibt es bei ihm nicht. Grünen können ihn ohne Bauchschmerzen unterstützen.

Das Verhältnis zwischen Grünen und SPD in Dortmund war schon immer angespannt, die SPD hat sich nie, wie in anderen Städten, zum Anhängsel der Grünen machen lassen. Es kann sein, dass sie am Sonntag dafür den Preis zahlen muss.  Aber zittern müssen die Sozialdemokraten in Dortmund schon seit 21 Jahren. Einen hohen Symbolwert hat die Wahl allerdings, galt Dortmund doch lange als Herzkammer der Sozialdemokratie. Scheitert Westphal, wird das als ein weiteres Zeichen des Niedergangs der SPD wahrgenommen werden. Und trotz der Vorgeschichte wäre es das auch, denn es wäre die erste Stichwahl, bei der ein SPD-Kandidat unterliegen würde. Dortmund bekäme zum ersten Mal seit 1946 ein Stadtoberhaupt ohne SPD-Parteibuch.  Essen, Gelsenkirchen, Hamm, Recklinghausen, Duisburg, Oberhausen, Dorsten, Marl, Gladbeck haben solche Wechsel schon erlebt, für Dortmund wäre es eine neue Erfahrung.

Andreas Hollstein ist ohne Frage ein guter Kandidat. Westphal allerdings auch. Die Dortmunder haben eine echte Wahl. Da steht am Sonntag keine Null auf dem Stimmzettel. Das ist in anderes Städten nicht der Fall.

Mehr zu dem Thema:

Ruhrbarone: Andreas Hollstein: Vom Sauerland ins Ruhrgebiet
Cicero: Herzflimmern der Sozialdemokratie

 

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7 Kommentare zu “Dortmunder OB-Wahl: Die SPD muss seit 21 Jahren zittern

  • #1
    Renate

    Wer sich ein Bild der Kandidaten machen möchte, das nicht ganz so glatt geschliffen ist wie üblich, sollte sich die Aufzeichnung des OB-Kandidaten-Panels bei den Parents for Future im Depot ansehen. Da sieht man auch die menschlichen Qualitäten der Wettbewerber.

  • #2
    Robert Müser

    Wenn die SPD ihre "Herz"kammer verlieren sollte, so kommt es nach den diversen Wahl-Ergebnissen in der Vergangenheit nicht so ganz überraschend. Auch in fast allen Stadtbezirken hat Schwarz/Grün eine Mehrheit errungen.

    Außerhalb der immer weniger werdenden SPD-Anhänger stelle ich bei meinen Verwandten und Bekannten in Dortmund eine Art Überdruss mit der langjährigen SPD-Kommunalregierung fest. Dies könnte aber auch daran liegen, dass nach über 70 Jahren die kommunale Dortmunder SPD personell und inhaltlich ausgelaugt ist und ein Teil der Funktionärsebene irgendwie den Anschluss an ihr Wahlvolk verlassen hat. Ob eine derart lange Ausübung der Macht für die Demokratie gesund ist, steht auf einem anderen Blatt.

    Ein Bekannter meinte mit Blick auf die Kommunalwahlen in anderen Städten des Ruhrgebietes in den letzten Jahren, dass die Abwahl der SPD-Bürgermeister den jeweiligen Städten in der Vergangenheit nicht unbedingt geschadet hätte. Auch habe die dortige SPD die ungewohnte Oppositionsrolle für einen strukturellen Neuanfang genutzt.

    Die Dortmunder CDU scheint in dieser Runde ernsthaft an einem Machtwechsel interessiert zu sein. Deren Kandidat hat diesmal Format, was von diversen CDU-Kandidaten in der Vergangenheit nicht behauptet werden konnte.

    Ich bin auf den Ausgang in Dortmund gespannt, einen Wechsel halte ich für möglich. Zumal sich bei den Dortmunder Grünen viel Frust angehäuft hat, der vom Umgang der Dortmunder SPD mit den Grünen herrührt.

  • #3
    Ke

    Dortmund bleibt SPD Land.
    Ich kann mir aktuell nicht vorstellen, dass Herr Hollstein den Rückstand aufholt. Die Empfehlung der Grünen mit vielen grünen Spielwiesen, die aber in den substanziellen Bereichen der Vereinbarung Dortmund schaden werden (OW Verlängerung, Flughafen), werden CDU Wähler abschrecken

    Popup Spielplätze als Beispiel sind doch an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
    Gut, dass ich grüne Politik nicht mag, lässt sich nicht verbergen.

    Es bleibt zu hoffen, dass die Selbstherrlichkeit der Verwaltung in Dortmund unabhängig vom Ausgang beendet wird. Der Führungsstil der Stadtspitze passt einfach nicht mehr zu einer modernen Stadt und wirkt oft zum Fremdschämen.

    Herr Hollstein ist ein interessanter Kandidat, der mit viel Unterstützung der Gesamt Partei einen bemerkenswerten Wahlkampf geliefert hat. Die Dortmunder CDU sollte sich unabhängig vom Ausgang neu aufstellen. Sie war bisher einfach nicht sichtbar.

    Ich kann mir auch vorstellen, dass sich die Spd unter neuer Führung erneuert. Nur zerbröseln deren Netzwerke im Revier.

    Mal sehen, wer seine Wähler mobilisiert.

  • #4
    Volker Geers

    Liebe Ruhrbarone, Ihr schreibt:
    „ Schon 1999 unterstützten die Grünen die CDU, obwohl Volker Geers damals mit Sprüchen zu punkten versuchte, die man heute von der AfD hört.“
    Es wäre fair, wenn Ihr diese „Sprüche“ konkret benennen könntet.
    Ich bin von der AfD mindestens so weit entfernt wie die Ruhrbarone.
    Macht so erfrischend weiter.
    Volker Geers

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Volker Geers: Für Geers waren zum Beispiel türkische Geschäfte in der Dortmunder Innenstadt ein Zeichen des Niedergangs. Weil er der Stadtverwaltung nicht traute, wollte er eine zweite parallel aufbauen.

  • #6
  • #7
    ke

    Mein Tipp passt. (#3)

    Die Videos der SPD mit xyz21 Betriebsräten waren zum Fremdschämen.

    Ich bin auf die Analysen gespannt. Die Vereinbarungen bzgl. Flughafen und OW gingen dann wohl doch auch vielen CDU Wählern zu weit.
    Kann es sein, dass die Grünen einfach überschätzt werden. Kretschmann agiert in BW zurzeit auch eher als Auto-Lobbyist. Der Unfall in der S-Klasse zeigte jetzt auch, wie Grün dann real regiert.

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