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Drei ziemlich kleinlaute Herren warfen zahlreiche Nebelkerzen auf Schalke

Wohin geht die Reise des FC Schalke 04? Foto: Michael Kamps

Schalke 04 und kein Ende. Nach den Gerüchten um eine womöglich angedachte Landesbürgschaft am Montag und dem vieldiskutierten Rücktritt vom bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies am Dienstag, stellten sich heute Trainer David Wagner sowie die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst auf einer Mammut-Pressekonferenz ausgewählten Medienvertretern in der Veltins-Arena.

Über eine Stunde lang wurde viel geredet und erklärt. Der finale Eindruck beim interessierten Zuhörer: Viele Gerede von Fehlern und einer neuen Demut, aber nur wenig bis keine Aufbruchsstimmung!

Die Erwartungshaltung im Vorfeld der PK war groß. Gerüchte von möglichen Personalentscheidungen und viele offene Fragen rund um die Zukunft des Klubs waberten durch die Fanszene. Doch die Ernüchterung erfolgte auf dem Fuße.

Alle drei Verantwortlichen auf dem Podium redeten zwar erfreulich viel von Fehlern der Vergangenheit, gaben sich dabei auch ungewöhnlich kleinlaut und demütig. Einen konkreten Weg aus der Krise konnten sie jedoch nicht aufzeigen.

Etwas Demut war wohl auch dringend geboten, forderten viele Fans in den vergangenen Tagen doch den totalen Neuanfang, der dann womöglich auch die Positionen der drei Anwesenden betroffen hätte.

Also ging es den Verantwortlichen erst einmal darum die Entwicklungen der vergangenen Monate zu erklären, ohne den eigenen Anteil daran überzubetonen. Die Rede war dementsprechend viel von Pech und anderen nicht zu beeinflussenden äußeren Umständen, die das Schicksal des Vereins nachteilig beeinflusst hätten.

Verletzungspech, Corona und ein paar leider nur sehr schlecht kommunizierte Entscheidungen (Stichworte: Erstattungen von Eintrittspreisen und Entlassung von Fahrern der Knappenschmiede) wurden thematisiert, ohne das einer der Herren dafür wirklich die Verantwortung übernehmen wollte oder musste.

Die Protagonisten waren auffällig darum bemüht das Kollektiv zu betonen. Die Namen Peter Peters (ehemaliger Finanzvorstand) und Clemens Tönnies (ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender) kamen einem als Zuhörer direkt in den Sinn, ohne dass ihnen von den Anwesenden die Schuld am Niedergang direkt zugeschoben wurde.

Das wäre auch nur schwer zu vermitteln gewesen, denn schließlich wurde zuvor von Klubseite aus ja noch öffentlich bedauert, dass Tönnies zurückgetreten sei. Alles in allem also eine Veranstaltung mit viel ‚heißer Luft‘ und wenig Transparenz. Keine konkreten Aussagen zur Landesbürgschaft, keine konkreten Zahlen in Sachen Finanznot und Kaderplanung. Reine Gesichtswahrung war bei allen Beteiligten erst einmal angesagt.

Wagner, Jobst und Schneider betonten lediglich unisono, dass der Verein zukünftig kleinere Brötchen backen müsse. Einen konkreten Weg aus der Krise wollten oder konnten sie nicht beschreiben.

Es wurde nicht einmal ausgeschlossen, dass Schalke schon ein ähnliches Schicksal wie Werder Bremen drohen könnte. Die Hanseaten spielen in diesem Jahr bekanntlich in den Relegationsspielen gegen den 1. FC Heidenheim gegen den Abstieg aus der Bundesliga.

Die ‚Wette auf den Sportlichen Erfolg‘, sprich Europapokalqualifikation, sei in Gelsenkirchen in den vergangenen Jahren zu häufig verloren worden. Fragt sich natürlich, warum dieses Risiko offenkundig zu große Risiko überhaupt eingegangen wurde. Eine Frage, die an diesem Mittwoch in Gelsenkirchen nur offen im Raum stand, aber von den anwesenden Journalisten leider auch nicht gestellt wurde.

So gab es bis zum Ende einer extrem langen Pressekonferenz ungewöhnlich wenig an neuen Erkenntnissen. Auch gelang es den Anwesenden nicht Aufbruchsstimmung oder gar neuen Optimismus zu erzeugen.

Die einzige Nachricht, die heute aus Gelsenkirchen um die Welt gehen ging: Schalke wird sich zukünftig auf allen Ebenen bescheiden müssen. Aber das wussten wir ja eigentlich auch schon vorher.

Aufklärung über die wirklichen Hintergründe und Details dieses selten erlebten Absturzes eines großen Traditionsvereins lieferte diese Pressekonferenz leider nicht. Zu befürchten ist, dass sich außer einiger gravierender Etatkürzungen zunächst gar nicht so viel ändern wird auf Schalke…

 

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6 Kommentare zu “Drei ziemlich kleinlaute Herren warfen zahlreiche Nebelkerzen auf Schalke

  • #1
    Bochumer

    und… bürgen nun die Steuerzahler für die Machenschaften dieses schlecht geführten Vereins oder nicht…

    … wenn ja, sollte der Länderfinanzausgleich abgeschafft werden …

  • #2
    Helmut Junge

    Schalke verliert mit Tönnies, den womöglich einzigen Menschen, der etwas von Geschäften und gleichzeitig von Politik versteht. Tönnies ist doch trotz der niedrigen Fleischpreise Milliardär geworden. Als einziger! Niemand sonst hat das geschafft. Im Gegenteil, etliche seiner Leute sind sogar verarmt. Und niemand in der Politik regt sich darüber auf, sondern alle sagen, daß die Fleischpreise zu niedrig seien, und beschließen diese Preise zu erhöhen. Jetzt, nachdem Tönnies sich als Aufsichtsratvorsitzender zurückzieht, stellen die verbliebenen Vereinsspitzen fest, daß der Verein eigentlich schon lange massive Geldprobleme hat. Aber niemand von denen kommt auf die Idee, daß ihr langjähriger Aufsichtsratvorsitzender irgend etwas mit diesem finanzielllen Problem zu tun haben könnte. Wieder fragen sie die Politik um Hilfe in Geldform. Das zeigt doch nur, wie genial dieser Tönnies eigentlich ist. Zweimal die gleiche Nummer richtig an den Mann gebracht. Und die, die jetzt das Sagen haben, sind ohne ihren Meister einfach ratlos. Diese Leute sind offenbar ungeeignet, um den Verein wieder auf die Beine zu stellen. Da hätte ich als Vereinsmitglied sehr wenig Vertrauen, daß die das schaffen könnten. Aber die Politiker sagen nicht "selber schuld, seht zu, wie ihr aus dem Schlamassel wieder rauskommt, den ihr selber angerichtet habt, sondern überlegt ob sie helfen dürfen. Wenn Tönnies da auch noch hinkriegt, daß wir alle zahlen, wie beim Fleischpreis, ziehe ich meinen Hut vor ihm,denn das würde meine Ansicht bestätigen, daß diejenigen, die überall ganz oben sitzen, nimals Schuld haben, wenn es schiefgeht. Bei Erfolgen sieht das natürlich anders aus.

  • #3
    Robert Müser

    Wenn über die Jahre die Fußball-Realität nicht mit den hochfliegenden Träumen in Deckung gebracht werden kann und dann auch noch der Sponsor keine Lust mehr hat oder ausfällt, dann kann es schnell in den Keller gehen und irgendwie führt der Weg nicht mehr aus dem Keller heraus:

    Manche Vereine in Wattenscheid, Essen oder Oberhausen könnten da tolle Geschichten erzählen, die in Gelsenkirchen wahrscheinlich keiner hören will.

  • #4
    der, der auszog

    @Helmut

    Schalke ist ein Traditionsverein, was man unter anderem daran erkennen kann, dass es zur Tradition gehört, mit vollen Händen ins Steuersäckel zu greifen, sobald man finanziell ins Straucheln gerät.
    Das war vor Tönnies schon so, als der Verein in den 1960er Jahren wegen finanzieller Probleme seine Glück Auf Kampfbahn an die Stadt Gelsenkirchen verkaufte. Geholfen hat es nichts. In den 1970er Jahren hat man beim Bundesligaskandal ganz vorne mitgemischt und in den 1980er Jahren folgte die wohl verdiente Zweitklassigkeit.
    Vor 10 Jahren hatte die Quersubventionierung durch den Steuerzahler dann ihren Höhepunkt, als die Stadtwerke in Gelsenkirchen (GEW) mit einer Finanzspritze von 25 Millionen Euro dem von dem Arenabau gebeutelten Verein neue Spielerkäufe ermöglichte. Möglich machte dies Peter Paul Paziorek, seinerzeit Ehrenrat (davor Aufsichtsrat) beim S04 und Regierungspräsident in Münster. Wenige Tage nach diesem Deal wurde die Stadt Gelsenkirchen wegen ihres zu hohen Schuldenbergs von eben diesem Regierungspräsidenten in das Haushaltskonsolidierungskonzept gezwungen und an die Leine gelegt. Ein Schelm wer böses dabei denkt…

  • #5
    Helmut Junge

    Johannes, ich hatte als Begeleitung eines Sportjournalisten zur Zeit von Schalkes 2-Ligazeit sogar mal auf dem Platz von RWO, an einem 3er-Gespräch mit Assauer teilgenommen. Der war so selbstbewußt wie sonst jemand in der ersten Liga. Es muß Anfang der Achtziger gewesen sein (Lieder der deutsche Welle dröhnten über die Lautsprecher -irgentwas mit Der Haß)
    Selbstbewußtsein geht auch in Liga 2.

    Ob du es glaubst oder nicht. Ich war von ihm beeindruckt. Selbstbewußtsein pur. Vom Spiel hab ich vermutlich nicht viel kapiert. Gesagt habe ich bei diesem Gespräch kein einziges Wort. aber das glaubt mir vermutlich keiner.
    Durch die Coronakrise aber ist jetzt Cirque du Soleil , ein weltberühmter Zirkus in Insolvenz. Der kann nicht ersetzt werden. Bei Fußballvereinen ist Abstieg immer mal vorgesehen. Dann steigen andere Vereine auf. Das ist ja so im Spielsystem vorgesehen. Darum kämpfen sie ja. Ohne Abstiegsgefahr würde sich doch niemand für Fußball interessieren.

  • #6
    thomas weigle

    @Helmut Junge "Ohne Abstiegsgefahr…" Die DEL hat auch ohne Abstiegsgefahr geboomt. Auch wenn sie das jetzt ändern, zeigen auch die USA,dass es ganz ohne Abstieg glänzende Zuschauerzahlen in den wichtigsten Mannschaftssportarten Jahr für Jahr gibt.
    Was die DEL angeht, hat diese auf Druck der DEL2 reagiert, dort werden zukünftige Aufstiege sicher für mehr Zuschauer sorgen. Aber ein geschlossenes System braucht keine Abstiege. wenn die Leistung stimmt, kommen die Zuschauer.

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