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Eine NRW-Landesbürgschaft für den FC Schalke 04 wäre eine gute Sache!

Wenn es eng wird muss man zusammenstehen. Archiv-Foto: Franz-Christian Müller

Da denkt man mit dem offiziellen Saisonende der Fußball-Bundesliga kehrt in die Debatten rund um die Vereine mal wieder etwas Ruhe ein, und dann passiert das genaue Gegenteil. Mehr als das sportliche Geschehen auf den Plätzen emotionalisiert viele Fans in diesen Tagen das Geschehen im Umfeld diverser Klubs.

Besonders auch die beiden großen Ruhrgebietsvereine sind davon aktuell stark betroffen, wie es scheint. Da meldet am Montag zunächst der BVB coronabedingt einen zu erwartenden Verlust von 45 Millionen Euro für das Geschäftsjahr. Vereinsvertreter betonen hier, dass der Klub das gigantische Minus zum Glück verkraften kann, die Borussia ausreichend Rücklagen aufgebaut hat um damit umzugehen.

Wenig später kursieren dann in diversen Medien Meldungen, wonach der FC Schalke 04 in Kürze offenbar in den Genuss einer millionenschweren Landesbürgschaft kommen soll. Die Rede ist hier von Summen zwischen 30 und 40 Millionen Euro.

Viel Wasser auf die Mühlen all derer, die den Profifußball in den vergangenen Wochen reformiert gesehen hätten, die, wie man so schön sagt, Fußballromantiker sind.

Zu diesen zähle ich mich grundsätzlich auch. Und trotzdem muss ich sagen: Ich hätte gar kein Problem mit einer Millionenbürgschaft des Landes NRW für die Gelsenkirchener Profikicker.

Dass Profifußball in diesem Lande eine immense Bedeutung für Millionen von Menschen hat, das ist soweit völlig unstrittig, denke ich. Dementsprechend ist sein Wert für die Gesellschaft insgesamt groß.

Unterhaltung für einen großen Teil der Bevölkerung zu liefern, das ist grundsätzlich eine wichtige Sache. Gerade auch in Pandemie-Zeiten kommt dem Fußball aktuell eine bedeutende Rolle zu, ist das Angebot an Zerstreuung und Entertainment in diesen Wochen doch so gering wie wohl schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Klar ist aber auch, dass es gute Gründe gibt die Entwicklung bei den großen Klubs zu kritisieren. Immer mehr Kommerz, immer weniger Nahbarkeit, immer mehr instinktlose Spieler. All das muss man nicht gut finden, kann man sogar bekämpfen und zu früheren Ausmaßen zurückführen wollen.

Und doch ist die kolportierte Landesbürgschaft für die finanziell aufgrund diverser ‚Fehler‘ des Vereins in den vergangenen Jahren extrem angeschlagenen Schalker etwas, was man am Ende nur befürworten kann.

Denn was wäre die Alternative?

Gingen die Schalker in dieser kritischen Phase ‚kaputt‘, würde der Verein in die Insolvenz schlittern, was wäre gewonnen? Ein traditionsreiches Unternehmen mit hunderten Angestellten und Millionen von Kunden wäre erst einmal vom Markt verschwunden. Das kann niemand ernsthaft wollen. Schon gar kein Fußballfreund.

Sicher, die Schalker Vereinsführung hat massive Fehler gemacht. Der ganze Klub steht sportlich und finanziell ohnehin derzeit am Scheideweg. Doch jetzt, in der kritischen Phase, die niemand so vorhersehen konnte, hat der Klub eine helfende Hand nicht nur verdient, es ist auch klug den Knappen neuen finanziellen Spielraum, der zudem kein bedingungsloses Geschenk sondern ‚nur‘ eine Bürgschaft wäre, einzuräumen.

Nähme der Verein das Geld des Steuerzahlers in Anspruch, er könnte beweisen, dass er dessen würdig ist. Schalke könnte sich ändern und es in Zukunft besser machen. Ginge der Verein in Kürze pleite, all dies wäre nicht mehr möglich. Wem würde das helfen? Niemandem!

Zudem erhalten auch andere bedeutende Wirtschaftsunternehmen und zahlreiche Kulturbetriebe in diesen Tagen immense Hilfen. Warum sollte ein mehrere hundert Millionen Euro umsetzender Mittelständler aus der Unterhaltungsbranche diese Hilfe nicht bekommen? Ich sehe da echt keinen nachvollziehbaren Grund zu.

All die Aufregung, die ich aktuell auch in meinem privaten Umfeld wahrnehme, erscheint mir deutlich zu emotional gesteuert, von Egoismen und Neid dominiert.

Ist Schalke tatsächlich in so großer finanzieller Not, dass es ohne Millionen vom Land nicht länger überleben könnte, hat es zweifellos Hilfen verdient. Nur so kann der Verein nämlich dann noch beweisen, dass er die jüngste Kritik seiner Anhänger verstanden hat und es in Zukunft deutlich besser machen kann als zuletzt!

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17 Kommentare zu “Eine NRW-Landesbürgschaft für den FC Schalke 04 wäre eine gute Sache!

  • #1
    DocRock

    Genau meine Art von Humor: Immer mehr die Fernsehrechte stückeln und ganze Serien wie die Relegation im reinen Pay-TV zeigen und dann auch noch für einzelne Vereine bürgen.

  • #2
    Günter Rense

    Laschet weiß nix von ’ner Bürgschaft, siehe seine PK von heute Mittag. Schlacke hat noch Anfang April von weit weniger prognostizierten Einnahmeverlusten durch Corona und von "ansonsten guter Finanzlage" getönt und solche katastrophalen Fehleinschätzungen dürfen nicht auch noch durch eindeutige Wettbewerbsverzerrungen mittels Steuergeldern belohnt werden. Die Blauen haben viele, viele Jahre Zeit gehabt, die Miesen durch den Arena-Neubau und die plan- und erfolglose Transferpolitik zu korrigieren, aber Tönnies & Co. ätzten lieber permanent in Richtung historischer BVB-Krise und ergingen sich satt und selbstgefällig im Wald-Pfeifen und Schönlabern.

    Es würde mich übrigens auch nicht wundern, wenn das gesamte Fleischimperium in Rheda (und in der nach dänischem Recht gegründeten Holding) auf sehr wackeligen Füßlein rumwackelt und nun gleich mehrere marode Baustellen wegen Corona endgültig schließen müssen.

  • #3
    DocRock

    Dann doch wie bei der Lufthansa Zugeständnisse aushandeln. Wenn schon Steuergelder, dann den Sport wieder volksnäher machen und 3 Spiele im Nicht-Pay-TV und wenn das die DFL nicht mitmacht, dann wäre das auch ein klares Zeichen….

  • #4
    Emscher-Lippizianer

    Wenn der Laden pleite ist, dann soll er auch pleite gehen. Selten habe ich solch einen "Brot und Spiele"-Nonsens gelesen. Und dann noch der hochgradig infantile Gedanke, daß ja man dort verstanden habe und nun alles besser würde. Das ist genau so spleenig, als wenn man den Ruhrgebietsstädten die Schulden erlassen würde, weil man es dort ja jetzt besser macht.
    Ich meine mich erinnern zu können, daß ich mal etwas von einer großen Solidarität und Verbundenheit in der gesamten Liga gehört zu haben. Soll doch der Hoeneß seinem Kumpel Tönnies das Geld für den Verein geben. Auf welcher Basis auch immer.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Da bin ja selbst ich als BVB-Anhänger nicht so bösartig gegenüber den Schalkern. 😉 Seid ihr in Sachen Lufthansa und Kulturbetrieb auch so hart drauf? 😉

  • #6
    Emscher-Lippizianer

    In Sachen Lufthansa auf alle Fälle. Steuern über Schachtelfirmen in Malta zahlen, Kunden für ausgefallene Flüge nicht entschädigen und ein Gebahren gegenüber den Geschädigten von Germanwings 9525 an den Tag legen, daß Fremdschämen einsetzt. Danke, nein.

  • #7
    Günter Rense

    Wenn z.B. die Lufthansa im letzten Halbjahr 16 ihrer Maschinen in Reihe und ohne Not zu Schrott gefahren hätte – ja!

  • #8
    Meinrad Bechmann

    Fußball ist hier Kultur, ob es einem passt oder nicht. Arbeiterverein ist allerdings nur noch ein nostalgisches Ettiket. Die Misswirtschaft muss ein Ende haben und die Marke "Schalke" muss erhalten bleiben. Unter bestimmten Voraussetzungen natürlich.
    Ich mag, vornehm ausgedrückt keine Oper, Operetten, Musicals und so was, aberich bin für den Erhalt der großen Kulturbetriebe, unter bestimmten Voraussetzungen.
    Aber wichtig ist auff’m Platz, dazu muss es einen Platz geben.

  • #9
    Michael Voregger

    Ich bin gegen eine Absicherung von Schalke 04 durch die Steuerzahler/innen. Dabei wird nur die verfehlte und unfähige Politik der Führungsetage in den letzten Jahren gestützt. Das schreibe ich als Fan und Besitzer einer Dauerkarte. Damit wird ein "weiter so" möglich gemacht und das darf es nicht sein. Damit Schalke entsprechend dem eigenen Leitbild überlebt, sind radikale Änderungen nötig und das betrifft vor allem die Strukturen des "System Tönnies".

  • #10
    thomas weigle

    @DocRock Guter Vorschlag!! Das wären echte Blockbuster. Pro öffentlicher Million ein Spiel im Free TV. Auch die Werbekunden im TV und im Stadion profitieren davon und können selbstverständlich auch zu höheren Entgelten verpflichtet werden.

  • #11
    Bochumer

    Sollten die Pläne Wirklichkeit werden, wäre das ein schlechter Witz. Warum soll der Steuerzahler die Misswirtschaft bezahlen?
    Schlacke ist nicht systemrelevant. Kein Verein ist das.
    Mal sehen, was die Laschet-Lusche so macht. Sollte der Kredit kommen, wäre seine Kanzler-Kandidatur makulatur.
    Unternehmen, die schlecht wirtschaften, verschwinden vom Markt. Das ist halt so. Das ist auch nicht schlimm. Den es entsteht Platz für etwas Neues. Das nennt man Kapitalismus. Den fand der Autor bei Galaria-Kaufhof vor ein paar Tagen noch OK.

  • #12
    Günter Rense

    Und BUMM: Tönnies ist raus aus Schalke!!! https://www.bild.de/bild-plus/sport/fussball/fussball/schalke-04-clemens-toennies-tritt-zurueck-71599654,view=conversionToLogin.bild.html

  • #13
    Robert Müser

    Sorry,
    keinen Cent für die Fußballbundesliga, die in den letzten Jahren immer mehr zu einer perversen Geld-Durchreichmaschine an irgendwelche Fußball-Söldner und deren seltsamen Umfeld (Spielervermittlern) entwickelt hat.

    Eine Branche, die alle Gewinne für sich abschöpft und die unangenehmen Dinge finanziell vom Steuerzahler bezahlen lässt, braucht keine Aufpäppelung durch den Steuerzahler. Besonders Schalke, was vor ein paar Tagen mit der Kündigung der altgedienten Fahrer oder dem Bettelbrief an die Fans unangenehm auffiel, sollte sich erst mal mit sich selber ins Reine kommen. Vielleicht wäre ein längerer Ausflug in die zweite oder dritte Liga ganz heilsam, um den Verein wieder zu sicher selber kommen zu lassen.

  • Pingback: Tönnies wirft auf Schalke hin - Doch warum formte sich der Widerstand gegen ihn erst so spät? | Ruhrbarone

  • #15
    GMS

    Wenn Schlacke pleite geht dann spielen sie danach in der Regionalliga West und ein anderer Verein rückt nach. So ist da nun mal. Warum man deswegen heulend zu Onkel Laschet rennen sollte erschliesst sich niemanden (außer Herrn Patzwaldt).

  • #16
    DAVBUB

    @ 8: Kopfgeldjäger sind auch eine Kultur (gewesen). Nicht alles, was sich "Kultur" nennt, ist auch förderungswürdig. Zudem dürfte es schwer zu vermitteln sein, daß eine Branche, die ohnedies üppig durch Gebührengelder sowie indirekte Förderung der jeweiligen Kommunen gepampert wurde und sich dabei gerne die Einmischung der Politik oder des Staates verbat, nun Steuermittel erhält. Falls Schalke pleite ginge, rückte der HSV nach. Da werden faule Äpfel durch faule Birnen ersetzt, na und?

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