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Weltgeist in Wattenscheid: Ein Gespräch über Gerechtigkeit und Fanatismus

Foto: Inkyhack

Seit Jahrzehnten tritt Shirin Ebadi aus dem Iran als Rechtsanwältin für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Nun war sie im Ruhrgebiet. Im Rahmen des Projekts "Herausforderung Zukunft" besuchte Shirin Ebadi am Freitag die Pestalozzi-Realschule in Bochum-Wattenscheid. Hier unterhielt sich die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003 mit Schülern der Klassen 9 und 10 über Freiheit, Unterdrückung und ihre schwierige Arbeit in Iran.

Während ihres Besuchs in Bochum-Wattenscheid wird Shirin Ebadi von mehreren schrankbreiten Sicherheitsleuten bewacht. Kurz bevor sie in die von einer Polizeieskorte begleitete Limousine einsteigt, lächelt sie und sagt: „Am wichtigsten ist nicht, welche Religion, Sprache oder Kultur man hat, sondern dass man an die Menschenrechte glaubt.“

Frau Ebadi, was ist Ihr Antrieb, sich unter Einsatz des eigenen Lebens für die Menschenrechte in Iran einzusetzen?

Jeder Mensch kommt mit besonderen Eigenschaften auf die Welt. Als ich klein war, mochte ich etwas, von dem ich nicht wusste wie es heißt: Gerechtigkeit. Ich beobachtete, dass sich Kinder stritten und ergriff Partei für die Schwächeren. In diesem Zusammenhang kam es vor, dass ich auch selber Prügel bezog. Dieser Umstand führte dazu, dass ich Rechtswissenschaften studierte und Richterin wurde. Als mir dann 1979 unmittelbar nach der islamischen Revolution gesagt wurde, dass ich nicht mehr das Richteramt bekleiden darf, dachte ich, dass ich mich als Rechtsanwalt für diejenigen Menschen einsetzen möchte, deren Menschenrechte verletzt werden. Dazu folgende Geschichte: Wenn Sie sich auf dem Feld der Menschenrechte engagieren möchten, müssen sie aber nicht unbedingt Jurist werden. Jeder Mensch und jeder Schüler hat besondere Neigungen und Fähigkeiten. Der eine mag Mathematik, der andere Literatur. Jeder sollte seine eigene berufliche Ausbildung so gestalten, wie es ihm zusagt. Das heißt aber nicht, dass man sich um die Situation anderer nicht mehr kümmert. Beispielsweise kann ein Fotograph mit einem gelungenen Foto, das Wesen des Hungers viel besser verdeutlichen als es ein Jurist oder ein Arzt vermag. Mit literarischen Mitteln, mit einer Geschichte kann man die Unterdrückung viel besser darstellen und auch bekämpfen als ein Jurist. Ich will sagen, der Einsatz für die Menschenrechte ist nicht beschränkt auf Juristen. Das kann jeder tun.

Wie war Ihre erste Reaktion als das Menschenrechtsbüro in Iran geschlossen wurde?

Wenn alle Voraussetzungen wegfallen, die einem helfen, wird es schwer. Der Einsatz für die Menschenrechte ist aber per se immer mit schwierigen Bedingungen verknüpft. Die iranische Regierung hat dieses Büro geschlossen. Aber das ist nicht wichtig. Zwar ist unsere Arbeit dadurch schwieriger geworden. Lassen sie mich aber sagen, dass die Kunst darin besteht, dass man die Schwierigkeiten bewältigt und sich seiner Arbeit widmet. Darauf kommt es an. Ein Beispiel: Wenn einem Schüler hier an der Schule erschwert wird, seine Ausbildung fortzusetzen, kommt es darauf an, sich dafür einzusetzen, dass dieser Schüler seine Ausbildung fortsetzen kann.

Wie hat es sich 1969 angefühlt, in Iran als erste Richterin tätig zu sein?

Ich war sehr stolz. Es war eine sehr große Ehre, einen Wunsch umgesetzt zu haben. Lassen sie mich aber gestehen, dass ich eine schlechte Eigenschaft habe. Jedes Mal, wenn ein Wunsch von mir in Erfüllung geht, möchte ich sofort, dass ein weiterer, größerer Wunsch in Erfüllung geht. (Shirin Ebadi überlegt) Ich frage mich manchmal, wo das alles enden soll.

Was verstehen Sie unter Gerechtigkeit und wann ist dieses Ziel in einem Staat erreicht?

Ich darf Ihnen empfehlen, sich jeden Tag diese Frage zu stellen. Das Stellen dieser Frage gibt ihrem Leben eine neue Richtung. Wir leben in einer Welt voller Ungerechtigkeit. Schauen Sie, nach Angaben der Vereinten Nationen kann man mit der Menge an Lebensmitteln, die in Europas Restaurants weggeworfen wird, den gesamten Hunger auf dem afrikanischen Kontinent stillen. Sie und ich, wir leben in Gesellschaften, wo es normal ist, dass zu Hause zu jeder Zeit kaltes und warmes Wasser aus dem Wasserhahn läuft. Sie wissen sicherlich, dass viele Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Trinkwasser haben. Die Armut auf der Welt breitet sich täglich weiter aus. Wir alle leben auf einer Erdkugel, aber es ist so, dass eine Minderheit durch Ihren großen Konsum erheblich zur Weltverschmutzung beiträt. All das sind Fragen, die man sich im Rahmen der Frage nach Gerechtigkeit stellen muss. Es ist, so denke ich, die Pflicht eines jeden Menschen gegen diese Ungerechtigkeit anzukämpfen.

In Iran sind Frauen und Mädchen stark benachteiligt, wie gehen Sie und andere Frauen in Iran mit dieser Benachteiligung um?

Über 65 Prozent der Studenten in Iran sind weiblich. In einigen Fachrichtungen wie Literatur und Jura ist der Prozentsatz noch höher. Das heißt: Was Ausbildung und Studium betrifft, gibt es keine Probleme für Mädchen und Frauen in Iran. Auch was die berufliche Tätigkeit betrifft gibt es keine Probleme. Schauen Sie: Nach dem Abschluss des Jura-Studiums war ich Dozentin an der Universität, Rechtsanwältin und Richterin. Auf allen diesen Feldern hatte ich keine Probleme als Frau. Die Probleme beginnen dann, wenn man sich für Menschenrechte und Gerechtigkeit einsetzt. Aber die Probleme haben auch meine männlichen Kollegen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Ich werde ein Beispiel geben, um zu verdeutlichen, worum es sich handelt: Jede Frau in Iran, ob Muslima oder nicht Muslima, ob Iranerin oder nicht Iranerin, jede Frau muss die islamische Kleiderordnung einhalten. Tut sie das nicht, gibt es eine entsprechende Strafe. Beispielsweise kann ich so, wie ich hier vor Ihnen stehe, in Iran nicht auf die Straße treten. Ich müsste etwas auf dem Kopf tragen und meine Haut bedecken. Diese gesetzlichen Vorschriften schränken unsere Freiheit ein. Dagegen protestieren in Iran aber nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Wenn ich zum Gericht gehe, muss ich natürlich die Kleiderordnung einhalten. Vor Gericht aber rede ich genauso wie meine männlichen Kollegen. Diese Vorschriften wurden den Frauen nach der islamischen Revolution aufgezwungen. Die Frauen sind eindeutig dagegen. In Iran gibt es eine sehr starke Bewegung gegen diese diskriminierenden gesetzlichen Vorschriften.

Was meinen Sie, wie sollte der Westen dem Iran begegnen?

Das Wichtigste ist, dass wir den Iran gut kennen lernen. In Iran lebt nicht nur Herr Ahmadinedschad, es leben dort auch andere Menschen. Deswegen sollte man, wenn man etwas aus dem Iran hört, was verwundert - beispielsweise das, was er über den Holocaust gesagt hat - beachten, dass es auch andere Stimmen gibt. Wenn man die iranische Geschichte eingehend studiert, wird man feststellen, dass der Iran immer ein sicherer Ort für die Juden gewesen ist, die dort ohne Probleme ihre heiligen Stätten gehabt haben. Man muss wissen, dass eine Vielzahl von Juden dort leben und es hat niemals Probleme zwischen Iranern und den dort lebenden Juden gegeben. Das ist heute nicht anders. Wenn Sie beispielsweise Sachen hören, dass in Iran Gliedmaßen abgehackt werden, müssen Sie wissen, dass das gesamte iranische Volk gegen diese Strafen ist und sich dagegen einsetzt. Meine Bitte an Sie ist, wenn Sie sich ein Bild von Iran machen wollen, nehmen Sie nicht das als Grundlage, was der Präsident des Iran sagt, sondern studieren Sie die iranische Literatur und Geschichte. Das sollte Ihr Maßstab für die Beurteilung sein.

Was glauben Sie, ist der Hauptgrund der Schwierigkeiten zwischen Iran und Israel?

Das Hauptproblem ist auf den Streit zwischen Israel und den Palästinenser zurückzuführen. Es gab vor Jahren in Oslo Friedensgespräche zwischen beiden Parteien. Wenn man diese Gespräche auf eine Formel bringen wollte, könnte man sagen: Land gegen Friede. Beide Seiten hatten akzeptiert, dass es zwei Staaten geben muss, die in Frieden nebeneinander leben sollen. Es wurde vereinbart, dass bis zum Erreichen dieses Ziels beide Seiten Frieden einhalten. Leider wurde dieser Prozess des Friedens unterbrochen und die Auseinandersetzungen wieder aufgenommen. Der Grund waren - auf beiden Seiten - extremistische Kräfte. Diese Stimmen wollten alles auf einmal. Die einzige Lösung für diese Problematik ist, dass der Vertrag von Oslo umgesetzt wird. Ich hoffe, dass die Extremisten auf beiden Seiten begreifen, dass es nun reicht mit Krieg und Blutvergießen. Die Problematik zwischen beiden Ländern wird auch von einigen Staaten missbraucht. Iran ist ein Land, dass keine gemeinsame Grenze zu Israel hat. Die jüdische Religion ist in Iran als offizielle Religion anerkannt. Ich hoffe, das beide Seiten zu einer friedlichen Lösung kommen. Dann hat man Extremisten auf beiden Seiten jeden Vorwand genommen. Warum ist der Iran nicht bereit, Religion und Staat voneinander zu trennen? Die Gesellschaft in Iran ist dazu ganz und gar bereit. Wer nicht bereit ist, ist die Regierung. (Shirin Ebadi lacht) Wir sind Muslime, genau so wie die meisten Schüler hier wohl Christen sind. Die Religion ist eine persönliche Angelegenheit, die Gesellschaft sollte durch demokratische Regeln geregelt werden. Das heißt, die Regierung muss fern jeder Religion und Ideologie sein.

Sie sind selbst praktizierende Musima. Welche Bedeutung hat der Islam für Sie persönlich?

Der Islam ist für mich etwas, woran ich glaube. Ich praktiziere den Islam. Aber zugleich bin ich der Überzeugung, dass es jedem Menschen möglich sein muss, selbst zu entscheiden, welcher Religion er angehören will. Im Moment ist der am meisten diskutierte Gegenstand in Iran das Verfahren gegen die Bahai-Religionsgemeinschaft, die nicht als solche anerkannt ist. Sieben ihrer höchsten Vertreter sind in Haft und ich bin ihre Verteidigerin. Wenn sie ein Mädchen oder eine Frau sehen, sollte man dieses Mädchen nicht ausstoßen. Alle Menschen sind gleich und haben dieselben Rechte - ungeachtet der Religion. Die Frage nach der Religion des anderen sollte irrelevant sein. Religion ist eine Herzensangelegenheit, man sollte die Frage nach der Religion des anderen erst gar nicht stellen.

Auf der Internetseite www.muslima.com waren Sie sowohl mit als auch ohne Kopftuch zu sehen. Es wurde gesagt, Sie seien deshalb eine verkommene Person. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube, eine der schlechtesten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann, ist, dass er fanatisch ist. Fanatismus bedeutet, dass man den Kopf zumauert und keinen neuen Gedanken reinlässt. Ich möchte sagen, dass das Phänomen des Fanatismus nicht ein spezifisch islamisches Phänomen ist. Das gibt es auch im Christentum. Sie erinnern sich vielleicht, dass Bush vor einigen Jahren gesagt hat, er habe von Gott den Auftrag erhalten, die Demokratie in den Nahen Osten zu bringen. Der Fanatismus war auch die Ursache für den Holocaust. Der Fanatismus hat bewirkt, dass das Leid über die Juden gebracht wurde. Fanatismus gibt es aber auch bei Juden. Wir haben gerade über die Verhandlungen von Oslo gesprochen. Der israelische Ministerpräsident, der diese Verträge unterschrieben hat, wurde leider von einem Fundamentalisten umgebracht. Man kann auch in Indien beobachten, wie fundamentalistische Hindus andere Religionen unterdrücken. Für den Fundamentalismus gibt es verschiedene Definitionen. Aber auf einen Nenner gebracht sagt der Fundamentalist: Jeder Mensch, der anders denkt als ich, ist irregeleitet. Es gibt viele muslimische Frauen auf der Welt, die die islamische Kleiderordnung einhalten - aber eben auch viele, die sie nicht einhalten. Das heißt: Diejenige Person, die mich als verkommen bezeichnet, muss eine fundamentalistische Person sein.

Gibt es so etwas wie einen Alltag für Sie? Wenn ja, wie sieht dieser aus?

Bei mir ist es so, dass ich in einem Jahr vorausplane. Die meiste Zeit aber bin ich in Iran. Ein normaler Tag dort sieht für mich folgendermaßen aus: Um 6:30 Uhr beginnt mein Tag - viermal die Woche - mit einer Sitzung mit anderen Rechtsanwälten. Sie stellen sich vermutlich die Frage, warum wir uns so früh treffen. Der Grund dafür liegt darin, dass die Gerichtsverhandlungen um neun Uhr beginnen. Deshalb müssen wir die Vorarbeit auf eine so frühe Uhrzeit legen. Um neun Uhr gehe ich dann zur Gerichtsverhandlung. Steht keine Gerichtsverhandlung an, widme ich mich meinen anderen Aufgaben. In der Regel ist es so, dass ich mich dann nach einem kleinen Mittagessen bis zu eine Stunde ausruhe. Dann gehe ich in meine Kanzlei. Dort arbeite ich bis ca. 20:30 Uhr. In dieser Zeit bis halb neun kommen meine Mandanten, oder auch Journalisten zu Besuch. Wenn ich dann zuhause bin, kappe ich alle Leitungen zur Außenwelt und koche. Dann werde ich zur Mutter und Hausfrau. Ich habe zwei Töchter, die erwachsen sind und nicht mehr zu Hause leben. Die eine promoviert in den Vereinigten Staaten, die andere ist Juristin und macht ein Praktikum am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Das heißt, wenn ich koche, koche ich für meinen Mann und mich. Dann, um 23 Uhr etwa, fange ich mit dem Schreiben an. Ich habe bisher 14 Bücher geschrieben. Sie denken jetzt vielleicht, ich schreibe alle meine Bücher nach 23 Uhr. Das stimmt nur zu einem Teil. Der andere Teil wurde auf Flughäfen geschrieben. Wenn sie also irgendwo eine Verrückte sehen, die am Flughaffen schreibt - das bin ich!

Haben Ihre Töchter Nachteile durch Ihr Engagement in Iran?

Als ich Kinder bekam, habe ich meine Kanzlei in die Wohnung verlegt. Dadurch konnte ich zwischendurch zu meinen Kindern gehen, wenn sich kurz die Gelegenheit ergab. Glücklicherweise war ich so in der Lage, meiner Rolle als Mutter gerecht zu werden. Ich hatte das Glück, dass auch meine Eltern in diesem Haus lebten. Mittags war es so, dass nie abzusehen war, wann ich Pause hatte, so dass meine Kinder nach der Schule zu den Großeltern kamen und gegessen haben. Die Gefahren, denen ich ausgesetzt war, haben meine Familie nicht berührt - bis zum letzten Jahr. Da bekam meine jüngere Tochter nach und nach die Macht des Regimes zu spüren. An dem Tag als in den Zeitungen iranischer Regierungskreise meine Tochter als schlechte Musima beschimpft wurde, habe ich zur ihr gesagt: Willkommen in der Welt der Menschenrechte.

Frau Ebadi, was glauben Sie, wie sieht die Zukunft des Iran aus?

In Iran gib es viel Potential für Veränderung. Die iranische Bevölkerung ist sehr jung. Etwa 70 Prozent ist jünger als 30 Jahre alt. Das ist ein gutes Potential für Veränderung. Ich bin mir sicher, dass es Veränderung in Iran geben wird. Diese Veränderung wird eine Veränderung der Jugend sein. Es wird eine Gesellschaft sein, in der jeder frei ist, in der die Religionszugehörigkeit keine Rolle spielt. In der sich jeder anziehen darf wie er möchte. In der es keine Diskriminierung gibt. Es wird eine Gesellschaft sein, die demokratisch regiert ist. Eine Gesellschaft, in der der Abstand zwischen Arm und Reich klein ist. Gegenwärtig ist der Abstand sehr groß. 5 Prozent in Iran sind überaus reich, die anderen 95 Prozent werden Tag um Tag ärmer. Die Kluft darf nicht groß sein, alle Menschen sollen in relativem Wohlstand leben.

Foto: Inkyhack

Seit Jahrzehnten tritt Shirin Ebadi aus dem Iran als Rechtsanwältin für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Nun war sie im Ruhrgebiet. Im Rahmen des Projekts "Herausforderung Zukunft" besuchte Shirin Ebadi am Freitag die Pestalozzi-Realschule in Bochum-Wattenscheid. Hier unterhielt sich die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2003 mit Schülern der Klassen 9 und 10 über Freiheit, Unterdrückung und ihre schwierige Arbeit in Iran.

Während ihres Besuchs in Bochum-Wattenscheid wird Shirin Ebadi von mehreren schrankbreiten Sicherheitsleuten bewacht. Kurz bevor sie in die von einer Polizeieskorte begleitete Limousine einsteigt, lächelt sie und sagt: „Am wichtigsten ist nicht, welche Religion, Sprache oder Kultur man hat, sondern dass man an die Menschenrechte glaubt.“

Frau Ebadi, was ist Ihr Antrieb, sich unter Einsatz des eigenen Lebens für die Menschenrechte in Iran einzusetzen?

Jeder Mensch kommt mit besonderen Eigenschaften auf die Welt. Als ich klein war, mochte ich etwas, von dem ich nicht wusste wie es heißt: Gerechtigkeit. Ich beobachtete, dass sich Kinder stritten und ergriff Partei für die Schwächeren. In diesem Zusammenhang kam es vor, dass ich auch selber Prügel bezog. Dieser Umstand führte dazu, dass ich Rechtswissenschaften studierte und Richterin wurde. Als mir dann 1979 unmittelbar nach der islamischen Revolution gesagt wurde, dass ich nicht mehr das Richteramt bekleiden darf, dachte ich, dass ich mich als Rechtsanwalt für diejenigen Menschen einsetzen möchte, deren Menschenrechte verletzt werden. Dazu folgende Geschichte: Wenn Sie sich auf dem Feld der Menschenrechte engagieren möchten, müssen sie aber nicht unbedingt Jurist werden. Jeder Mensch und jeder Schüler hat besondere Neigungen und Fähigkeiten. Der eine mag Mathematik, der andere Literatur. Jeder sollte seine eigene berufliche Ausbildung so gestalten, wie es ihm zusagt. Das heißt aber nicht, dass man sich um die Situation anderer nicht mehr kümmert. Beispielsweise kann ein Fotograph mit einem gelungenen Foto, das Wesen des Hungers viel besser verdeutlichen als es ein Jurist oder ein Arzt vermag. Mit literarischen Mitteln, mit einer Geschichte kann man die Unterdrückung viel besser darstellen und auch bekämpfen als ein Jurist. Ich will sagen, der Einsatz für die Menschenrechte ist nicht beschränkt auf Juristen. Das kann jeder tun.

Wie war Ihre erste Reaktion als das Menschenrechtsbüro in Iran geschlossen wurde?

Wenn alle Voraussetzungen wegfallen, die einem helfen, wird es schwer. Der Einsatz für die Menschenrechte ist aber per se immer mit schwierigen Bedingungen verknüpft. Die iranische Regierung hat dieses Büro geschlossen. Aber das ist nicht wichtig. Zwar ist unsere Arbeit dadurch schwieriger geworden. Lassen sie mich aber sagen, dass die Kunst darin besteht, dass man die Schwierigkeiten bewältigt und sich seiner Arbeit widmet. Darauf kommt es an. Ein Beispiel: Wenn einem Schüler hier an der Schule erschwert wird, seine Ausbildung fortzusetzen, kommt es darauf an, sich dafür einzusetzen, dass dieser Schüler seine Ausbildung fortsetzen kann.

Wie hat es sich 1969 angefühlt, in Iran als erste Richterin tätig zu sein?

Ich war sehr stolz. Es war eine sehr große Ehre, einen Wunsch umgesetzt zu haben. Lassen Sie mich aber gestehen, dass ich eine schlechte Eigenschaft habe. Jedes Mal, wenn ein Wunsch von mir in Erfüllung geht, möchte ich sofort, dass ein weiterer, größerer Wunsch in Erfüllung geht. (Shirin Ebadi überlegt) Ich frage mich manchmal, wo das alles enden soll.

Was verstehen Sie unter Gerechtigkeit und wann ist dieses Ziel in einem Staat erreicht?

Ich darf Ihnen empfehlen, sich jeden Tag diese Frage zu stellen. Das Stellen dieser Frage gibt ihrem Leben eine neue Richtung. Wir leben in einer Welt voller Ungerechtigkeit. Schauen Sie, nach Angaben der Vereinten Nationen kann man mit der Menge an Lebensmitteln, die in Europas Restaurants weggeworfen wird, den gesamten Hunger auf dem afrikanischen Kontinent stillen. Sie und ich, wir leben in Gesellschaften, wo es normal ist, dass zu Hause zu jeder Zeit kaltes und warmes Wasser aus dem Wasserhahn läuft. Sie wissen sicherlich, dass viele Menschen auf der Welt keinen Zugang zu Trinkwasser haben. Die Armut auf der Welt breitet sich täglich weiter aus. Wir alle leben auf einer Erdkugel, aber es ist so, dass eine Minderheit durch Ihren großen Konsum erheblich zur Weltverschmutzung beiträt. All das sind Fragen, die man sich im Rahmen der Frage nach Gerechtigkeit stellen muss. Es ist, so denke ich, die Pflicht eines jeden Menschen gegen diese Ungerechtigkeit anzukämpfen.

In Iran sind Frauen und Mädchen stark benachteiligt, wie gehen Sie und andere Frauen in Iran mit dieser Benachteiligung um?

Über 65 Prozent der Studenten in Iran sind weiblich. In einigen Fachrichtungen wie Literatur und Jura ist der Prozentsatz noch höher. Das heißt: Was Ausbildung und Studium betrifft, gibt es keine Probleme für Mädchen und Frauen in Iran. Auch was die berufliche Tätigkeit betrifft gibt es keine Probleme. Schauen Sie: Nach dem Abschluss des Jura-Studiums war ich Dozentin an der Universität, Rechtsanwältin und Richterin. Auf allen diesen Feldern hatte ich keine Probleme als Frau. Die Probleme beginnen dann, wenn man sich für Menschenrechte und Gerechtigkeit einsetzt. Aber die Probleme haben auch meine männlichen Kollegen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Ich werde ein Beispiel geben, um zu verdeutlichen, worum es sich handelt: Jede Frau in Iran, ob Muslima oder nicht Muslima, ob Iranerin oder nicht Iranerin, jede Frau muss die islamische Kleiderordnung einhalten. Tut sie das nicht, gibt es eine entsprechende Strafe. Beispielsweise kann ich so, wie ich hier vor Ihnen stehe, in Iran nicht auf die Straße treten. Ich müsste etwas auf dem Kopf tragen und meine Haut bedecken. Diese gesetzlichen Vorschriften schränken unsere Freiheit ein. Dagegen protestieren in Iran aber nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Wenn ich zum Gericht gehe, muss ich natürlich die Kleiderordnung einhalten. Vor Gericht aber rede ich genauso wie meine männlichen Kollegen. Diese Vorschriften wurden den Frauen nach der islamischen Revolution aufgezwungen. Die Frauen sind eindeutig dagegen. In Iran gibt es eine sehr starke Bewegung gegen diese diskriminierenden gesetzlichen Vorschriften.

Was meinen Sie, wie sollte der Westen dem Iran begegnen?

Das Wichtigste ist, dass wir den Iran gut kennen lernen. In Iran lebt nicht nur Herr Ahmadinedschad, es leben dort auch andere Menschen. Deswegen sollte man, wenn man etwas aus dem Iran hört, was verwundert – beispielsweise das, was er über den Holocaust gesagt hat – beachten, dass es auch andere Stimmen gibt. Wenn man die iranische Geschichte eingehend studiert, wird man feststellen, dass der Iran immer ein sicherer Ort für die Juden gewesen ist, die dort ohne Probleme ihre heiligen Stätten gehabt haben. Man muss wissen, dass eine Vielzahl von Juden dort leben und es hat niemals Probleme zwischen Iranern und den dort lebenden Juden gegeben. Das ist heute nicht anders. Wenn Sie beispielsweise Sachen hören, dass in Iran Gliedmaßen abgehackt werden, müssen Sie wissen, dass das gesamte iranische Volk gegen diese Strafen ist und sich dagegen einsetzt. Meine Bitte an Sie ist, wenn Sie sich ein Bild von Iran machen wollen, nehmen Sie nicht das als Grundlage, was der Präsident des Iran sagt, sondern studieren Sie die iranische Literatur und Geschichte. Das sollte Ihr Maßstab für die Beurteilung sein.

Was glauben Sie, ist der Hauptgrund der Schwierigkeiten zwischen Iran und Israel?

Das Hauptproblem ist auf den Streit zwischen Israel und den Palästinenser zurückzuführen. Es gab vor Jahren in Oslo Friedensgespräche zwischen beiden Parteien. Wenn man diese Gespräche auf eine Formel bringen wollte, könnte man sagen: Land gegen Friede. Beide Seiten hatten akzeptiert, dass es zwei Staaten geben muss, die in Frieden nebeneinander leben sollen. Es wurde vereinbart, dass bis zum Erreichen dieses Ziels beide Seiten Frieden einhalten. Leider wurde dieser Prozess des Friedens unterbrochen und die Auseinandersetzungen wieder aufgenommen. Der Grund waren – auf beiden Seiten – extremistische Kräfte. Diese Stimmen wollten alles auf einmal. Die einzige Lösung für diese Problematik ist, dass der Vertrag von Oslo umgesetzt wird. Ich hoffe, dass die Extremisten auf beiden Seiten begreifen, dass es nun reicht mit Krieg und Blutvergießen. Die Problematik zwischen beiden Ländern wird auch von einigen Staaten missbraucht. Iran ist ein Land, dass keine gemeinsame Grenze zu Israel hat. Die jüdische Religion ist in Iran als offizielle Religion anerkannt. Ich hoffe, das beide Seiten zu einer friedlichen Lösung kommen. Dann hat man Extremisten auf beiden Seiten jeden Vorwand genommen. Warum ist der Iran nicht bereit, Religion und Staat voneinander zu trennen? Die Gesellschaft in Iran ist dazu ganz und gar bereit. Wer nicht bereit ist, ist die Regierung. (Shirin Ebadi lacht) Wir sind Muslime, genau so wie die meisten Schüler hier wohl Christen sind. Die Religion ist eine persönliche Angelegenheit, die Gesellschaft sollte durch demokratische Regeln geregelt werden. Das heißt, die Regierung muss fern jeder Religion und Ideologie sein.

Sie sind selbst praktizierende Musima. Welche Bedeutung hat der Islam für Sie persönlich?

Der Islam ist für mich etwas, woran ich glaube. Ich praktiziere den Islam. Aber zugleich bin ich der Überzeugung, dass es jedem Menschen möglich sein muss, selbst zu entscheiden, welcher Religion er angehören will. Im Moment ist der am meisten diskutierte Gegenstand in Iran das Verfahren gegen die Bahai-Religionsgemeinschaft, die nicht als solche anerkannt ist. Sieben ihrer höchsten Vertreter sind in Haft und ich bin ihre Verteidigerin. Wenn sie ein Mädchen oder eine Frau sehen, sollte man dieses Mädchen nicht ausstoßen. Alle Menschen sind gleich und haben dieselben Rechte – ungeachtet der Religion. Die Frage nach der Religion des anderen sollte irrelevant sein. Religion ist eine Herzensangelegenheit, man sollte die Frage nach der Religion des anderen erst gar nicht stellen.

Auf der Internetseite www.muslima.com waren Sie sowohl mit als auch ohne Kopftuch zu sehen. Es wurde gesagt, Sie seien deshalb eine verkommene Person. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube, eine der schlechtesten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann, ist, dass er fanatisch ist. Fanatismus bedeutet, dass man den Kopf zumauert und keinen neuen Gedanken reinlässt. Ich möchte sagen, dass das Phänomen des Fanatismus nicht ein spezifisch islamisches Phänomen ist. Das gibt es auch im Christentum. Sie erinnern sich vielleicht, dass Bush vor einigen Jahren gesagt hat, er habe von Gott den Auftrag erhalten, die Demokratie in den Nahen Osten zu bringen. Der Fanatismus war auch die Ursache für den Holocaust. Der Fanatismus hat bewirkt, dass das Leid über die Juden gebracht wurde. Fanatismus gibt es aber auch bei Juden. Wir haben gerade über die Verhandlungen von Oslo gesprochen. Der israelische Ministerpräsident, der diese Verträge unterschrieben hat, wurde leider von einem Fundamentalisten umgebracht. Man kann auch in Indien beobachten, wie fundamentalistische Hindus andere Religionen unterdrücken. Für den Fundamentalismus gibt es verschiedene Definitionen. Aber auf einen Nenner gebracht sagt der Fundamentalist: Jeder Mensch, der anders denkt als ich, ist irregeleitet. Es gibt viele muslimische Frauen auf der Welt, die die islamische Kleiderordnung einhalten – aber eben auch viele, die sie nicht einhalten. Das heißt: Diejenige Person, die mich als verkommen bezeichnet, muss eine fundamentalistische Person sein.

Gibt es so etwas wie einen Alltag für Sie? Wenn ja, wie sieht dieser aus?

Bei mir ist es so, dass ich in einem Jahr vorausplane. Die meiste Zeit aber bin ich in Iran. Ein normaler Tag dort sieht für mich folgendermaßen aus: Um 6:30 Uhr beginnt mein Tag – viermal die Woche – mit einer Sitzung mit anderen Rechtsanwälten. Sie stellen sich vermutlich die Frage, warum wir uns so früh treffen. Der Grund dafür liegt darin, dass die Gerichtsverhandlungen um neun Uhr beginnen. Deshalb müssen wir die Vorarbeit auf eine so frühe Uhrzeit legen. Um neun Uhr gehe ich dann zur Gerichtsverhandlung. Steht keine Gerichtsverhandlung an, widme ich mich meinen anderen Aufgaben. In der Regel ist es so, dass ich mich dann nach einem kleinen Mittagessen bis zu eine Stunde ausruhe. Dann gehe ich in meine Kanzlei. Dort arbeite ich bis ca. 20:30 Uhr. In dieser Zeit bis halb neun kommen meine Mandanten, oder auch Journalisten zu Besuch. Wenn ich dann zuhause bin, kappe ich alle Leitungen zur Außenwelt und koche. Dann werde ich zur Mutter und Hausfrau. Ich habe zwei Töchter, die erwachsen sind und nicht mehr zu Hause leben. Die eine promoviert in den Vereinigten Staaten, die andere ist Juristin und macht ein Praktikum am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Das heißt, wenn ich koche, koche ich für meinen Mann und mich. Dann, um 23 Uhr etwa, fange ich mit dem Schreiben an. Ich habe bisher 14 Bücher geschrieben. Sie denken jetzt vielleicht, ich schreibe alle meine Bücher nach 23 Uhr. Das stimmt nur zu einem Teil. Der andere Teil wurde auf Flughäfen geschrieben. Wenn sie also irgendwo eine Verrückte sehen, die am Flughaffen schreibt – das bin ich!

Haben Ihre Töchter Nachteile durch Ihr Engagement in Iran?

Als ich Kinder bekam, habe ich meine Kanzlei in die Wohnung verlegt. Dadurch konnte ich zwischendurch zu meinen Kindern gehen, wenn sich kurz die Gelegenheit ergab. Glücklicherweise war ich so in der Lage, meiner Rolle als Mutter gerecht zu werden. Ich hatte das Glück, dass auch meine Eltern in diesem Haus lebten. Mittags war es so, dass nie abzusehen war, wann ich Pause hatte, so dass meine Kinder nach der Schule zu den Großeltern kamen und gegessen haben. Die Gefahren, denen ich ausgesetzt war, haben meine Familie nicht berührt – bis zum letzten Jahr. Da bekam meine jüngere Tochter nach und nach die Macht des Regimes zu spüren. An dem Tag als in den Zeitungen iranischer Regierungskreise meine Tochter als schlechte Musima beschimpft wurde, habe ich zur ihr gesagt: Willkommen in der Welt der Menschenrechte.

Frau Ebadi, was glauben Sie, wie sieht die Zukunft des Iran aus?

In Iran gib es viel Potential für Veränderung. Die iranische Bevölkerung ist sehr jung. Etwa 70 Prozent ist jünger als 30 Jahre alt. Das ist ein gutes Potential für Veränderung. Ich bin mir sicher, dass es Veränderung in Iran geben wird. Diese Veränderung wird eine Veränderung der Jugend sein. Es wird eine Gesellschaft sein, in der jeder frei ist, in der die Religionszugehörigkeit keine Rolle spielt. In der sich jeder anziehen darf wie er möchte. In der es keine Diskriminierung gibt. Es wird eine Gesellschaft sein, die demokratisch regiert ist. Eine Gesellschaft, in der der Abstand zwischen Arm und Reich klein ist. Gegenwärtig ist der Abstand sehr groß. 5 Prozent in Iran sind überaus reich, die anderen 95 Prozent werden Tag um Tag ärmer. Die Kluft darf nicht groß sein, alle Menschen sollen in relativem Wohlstand leben.

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22 Kommentare zu “Weltgeist in Wattenscheid: Ein Gespräch über Gerechtigkeit und Fanatismus

  • #1
    messi

    Ansichten einer seit Jahren in der BRD lebenden iranischen Exillantin

    Shirin Ebadi ist eine Art iranische Dalai Lama,
    eine sehr starke Persönlichkeit und Ausnahmefrau.
    Iranische Frauen sind tough, für Shirin Ebadi gilt das in besonders hohem Maße. Sie ist der Stachel im Fleisch der Mullahs.
    Eine islamische Frau und Juristin “kastriert” die Mullahs mit der Forderung der Einhaltung der Menschenrechte.

    Sie verteidigt Bahais in Iran, weil sie das Regime zwingen will,
    die Menschenrechte einzuhalten – dafür gebührt ihr Respekt!
    Weiter kann man nicht in Iran gehen. Auch wenn die Bahai-Religion in der Tendenz eine faschistoide und nicht
    so harmlos und friedliche Sekte ist, wie sie stets vorgibt zu sein.

    Leider kann sie aber trotz ihrer Größe und ihres Intellekts nicht über ihren Schatten springen. Vielleicht sind Shirin Ebadis optimistischen Aussagen Ausdruck ihres positiven
    Naturells, vielleicht sind sie taktisch strategisch, vielleicht
    auch weil sie trotz ihres Universalismus eine iranische
    Nationalistin ist wie meisten Iraner. Nationalisten gibt es sogar unter
    iranischen Juden. Ebadi macht sich in diesem Punkt etwas vor, sie glorifiziert das iranische Volk, das ist eine
    Krankheit und Ersatzreligion in Iran bei der
    Intelligenzija und den Intellektuellen.
    Die Linken lieben das Volk, aber das Volk liebt nicht seine
    Intellektuellen.
    Das ist eine Liebe, die nicht erwidert wird.
    So ähnlich wie die Juden alles Deutsche geliebt haben. Aber die
    Deutschen haben die Juden nicht geliebt.
    Die Heilsversprechungen der Mullahs und die Verflechtungen mit
    dem Regime haben mehr Konjunktur und Bedeutung als wir glauben.

    Ich habe so viel gefolterte Menschen getroffen. Wer hat sie
    gefoltert und foltert sie noch?

    Doch nicht Du und ich, das ist das unwissende, ungebildete und
    nach Rache und Genugtuung durstende unterdrücke iranische Volk.
    Obendrein ist das iranische Volk jeder Zeit von auf den Boden hockenden Idolen antisemitisch
    aufhetzbar.

    Es gibt viele Archetypen wie Ahmadinedschad. Ein “Lat, from the
    corner of the block. Mafiös veranlagte und organisierte
    Halbstarke, die ganze Viertel kontrollieren, tyrannisieren und
    beglücken.
    So ähnlich wie Blockwarte, die SA und andere ?ehrenwerte? Organisationen.
    Ich kenne solche Typen zu genau, meine Familie hat in einem entsprechenden Viertel in Iran gewohnt. Da haben viele junge Männer mit gleichen oder ähnlichen Charakterzügen ihr Unwesen getrieben.

    Hochaggressiv, unberechenbar, volksnah, immer bereit ihrer eigenen Clique einen “Gefallen” zu tun.
    Von sich überzeugt ein Heiliger zu sein und die Moral auf alle
    Zeiten für sich gepachtet zu haben.
    Selbst wenn sie ihnen nicht genehme, unangepasste oder für sie
    unerreichbare Frauen vergewaltigen, quälen und ermorden, tun sie es in dem Gefühl für ihre Ehre, Familie und für Gott einen wertvollen Beitrag geleistet zu haben.
    Die persische Version von Coppolas ?Der Pate?.
    Ich muss Frau Ebadi leider enttäuschen. Die iranische
    Mullahkroatie ist eine ähnlich kriminelle Bande,
    die nicht reformierbar ist.
    Die Regierung in Iran beschäftigt und ernährt
    in ihren Organisationen (Basigh, Märtyrerstiftungen, etc.)
    tausende und abertausende solcher Menschen und Familien.
    Diese Menschen haben in der freien Wirtschaft aufgrund ihrer
    fehlenden Bildung und Rückschrittlichkeit keine Chance, sich über Wasser zu halten. Sie werden von der Regierung substituiert,
    volkswirtschaftlich zwar völlig uneffektiv. So lange die Ölgeschäfte gut laufen, kann die Rechnung evtl. aufgehen. Im Gegenzug sind diese Menschen gegenüber ihrem Ernährer loyal,
    devot und zu allem bereit. Ihr eigenes Leben zu opfern – selbst dazu sind sie bereit.
    Die Europäer haben gerne den gebildeten, aufgeklärten, eloquenten Iraner vor Augen, aber das ist eine absolute Minderheit. Die Mehrheit der Iraner
    sind entweder ungebildet oder schlecht gebildet, arm, unterdrückt,
    abergläubig, religiös mit einem Gefühl von Unzufriedenheit,
    arm zu sein in einem reichen Ölland und einer diffusen Ahnung
    um ihre Rechte betrogen zu sein.

    Die Geschichte Irans ist immer auf der Strasse entschieden worden und nicht im Parlament. Alle Putschs und Kudetas sind mit Hilfe
    von Menschen aus solchensozialen Schichten zur Stande gekommen.

    Es gibt kein Verbrechen, was diese Regierung nicht veranstaltet
    hat.
    Eine Reform oder Demokratisierung mit diesen Herrschern wird es
    entgegen Ebadis Hoffnung leider nicht geben.
    Keine Regierung auf der Welt hätte ohne die Unterstützung des Volkes eine Halbwertzeit von 30 Jahren gehabt. Viele Iraner warten darauf, dass jemand kommt und sie befreit, Keiner wird kommen.

    Shirin Ebadi behauptet, das iranische Volk wolle die Trennung
    zwischen Staat und Religion. Das ist Bullshit, das iranische Volk ist in
    der Mehrheit gläubig, tief religiös und hat als Kollektiv ein hohes Suchtpotenzial.
    Heute noch sind die meisten Iraner nicht bereit,
    Verantwortung für die Revolution zu übernehmen.
    “Amerika war es, die Juden waren es”, der Mossad war es usw. heißt es. So lange ein Volk nicht in der Lage ist, Verantwortung für ihre
    Geschichte wahrzunehmen, ist es nicht erwachsen.
    So lange kann von einer wirklichen Veränderung keine Rede sein.
    Lenin soll angeblich gesagt haben, eine Revolution ist wenn die da oben nicht mehr so leben können wie bisher und die da unten nicht mehr so leben wollen wie bisher.

    Die Mullahs gehörten zu einer Schicht, die bei den Intellektuellen und aufgeklärten Menschen ein denkbar schlechtes Image hatten.
    Sie galten als geil, gierig, abergläubig, faul, ungebildet, engstirnig, rückschrittlich hinterhältig und verschlagen. Zahlreiche Mullahwitze belegen dieses Image.
    Einige Klischees haben sich bewahrheitet, einige nicht. Die Geächteten von gestern sind heute die Herren des Landes.
    Dass ihnen mal so ein reiches Land gehören würde, hatten sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht gewagt zu träumen.

    Die Mullahs sind mit dem Banner des Islams und mit Hilfe der Strasse an die Macht gesurft. Die Strasse wird sie auch wegfegen.
    Das wissen die Mullahs und genau davor fürchten sie sich. Ihre Schläue wird ihnen Aufschub gewähren.

    Bis dahin baden sich die Mullahs und ihre Handlanger in Größenwahn und in dem Blut ihrer gequälten Opfer, Frauen, Männer, Homosexuelle, Bahais, Oppositionelle, Kinder, Jugendliche und womöglich Tiere.

    Der Westen feiert solche Kräfte wie Shirin Ebadi, da er sich dabei gut fühlen kann. Das gehört zum Selbstbild. Sie unternimmt aber keine wirklichen Anstrengungen. Vielleicht zu Recht, eine nachhaltige Veränderung kann nur von innen kommen, siehe Afghanistan und Irak.

    Last but not least: Die iranischen Männer profitieren von der
    Unterdrückung der iranischen Frauen, ähnlich wie die deutsche
    Bevölkerung von der Verfolgung ihrer jüdischen Landsleute (Vgl. Götz Alys ?Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus?). Die Männer könnten/sollten an einem bestimmten Tag mit Kopftüchern
    auf die Straße gehen und damit demonstrieren, dass auch sie für die Rechte der Frau eintreten, statt zu lamentieren,
    sie seien unterdrückt und politisch korrekte Männer.
    Erst wenn sie auf ihre Vorteile der Frauen-Unterdrückung verzichten,
    sind sie glaubhaft.

  • #2
    Peter Held

    Im Kommentar vom 3.März zum Artikel über Shirin Ebadi wird die Bahá’í-Religion beschrieben als eine Sekte mit faschistoiden Tendenzen,die nicht so harmlos und friedlich sei, wie sie vorgäbe.

    Der Kommentar bleibt jeden Beweis dieser Unterstellung schuldig.

    Die Religionsgemeinschaft der Bahá’í wurde im Übrigen im Mai 1937 im Nazi-Deutschland durch die Order der Gestapo “wegen ihrer internationalen und pazifistichen Lehren” verboten.

    Auch ist die Bahá’í-Religion keine Sekte, wie das Bundesverassungsgericht fstgestellt hat:

    “(Der) Charakter des Bahá’í-Glaubens als Religion und der Bahá’í-Gemeinschaft als Religionsgemeinschaft (ist) nach aktueller Lebenswirklichkeit, Kulturtradition und allgemeinem wie auch religionswissenschaftlichem Verständnis offenkundig…”

    Aus einem Beschluss des deutschen Bundesverfassungsgerichts vom 5.2.1991 (2 BvR 263/86)

  • #3
    Arnold Voß

    Tut mir leid, ich kenne keine Religion die harmlos und friedlich ist. Wie steht es denn bei dieser Religion um die Gleichberechtigung der Frau? Wie ist das Verhältnis zu den Homosexuellen? Wie steht es mit der inneren Demokratie und wie steht diese Religion zur Demokratie überhaupt? Ich bin gespannt auf ihre Antworten.

  • #4
    messi

    @ Herr Peter Held,

    Dann stelle ich Ihnen gerne Fragen, die mir schon seit langem auf den Nägeln brennen,
    und möchte Sie mit einigen Beobachtungen konfrontieren.

    Das kann man sonst kaum, ich erlebe oft, dass die Bahais schnell
    eingeschnappt sind, wenn man ihnen fundamentale Fragen nach ihrem
    Glaubenssystem stellt. Sie argumentieren sehr formal. Da mögen Sie sich
    sogar im Recht befinden.
    Mich interessieren aber eher inhaltliche Fagen und meine Beobachtungen.

    Die Bahai-Religion befindet sich im Stadium einer Minderheisreligion.
    Minderheiten werden immer und fast überall unterdrückt.
    Auch die Urchristen wurden unerdrückt und verfolgt. Den Rest kennt man ja.
    Was würde passieren, wenn der Traum eines jeden gläubigen Bahais wahr wird
    und die ganze Welt Bahai wird?

    Das wird der Albtraum eines jeden “Nichtgläubigen”.

    Die Bahais sind ja bereits jetzt auf verschiedenen Ebenen (geistige Räte,
    Nationale Räte, das Universale Haus der Gerechtigkeit etc.) gut organisert.

    Die wichtigsten Bahaigesetze sind:
    kein Alkoholgenuss, keine Geschlechtsverkehr vor der Ehe – auch wenn sich
    viele nicht daran halten und darum schlechtes Gewissen haben und ein
    Doppelleben führen müssen, aber das ist ein anderes trauriges Kapitel – um
    nur einige zu nennen.

    Die Bahai-Administeration wird die Gesetze in einer Bahaigesellschaft
    durchsetzen wollen und müssen.
    Zum Beispiel gegen “Abtrünnige” und Menschen, die der Bahai-Religion
    feindlich oder gar kritisch gesinnt sind.
    Sie sind dann “verstoßene” aus der Gemeinschaft. Selbst nahe Verwandte
    haben dann Kontakverbot mit so einer abrünnigen Person.

    Was bedeutet es in einer Welt in der die Menschen mehrheitlich Bahai sind?
    Der soziale Tod, lieber Herr Held.
    In so einer Welt möchte ich nicht leben. Die Welt lebt von Vielfalt und
    nicht von der Einfalt.
    Erst recht nicht von der Gleichschaltung. Dass die Bahais in der Nazizeit
    verfolgt waren und im Iran verfolgt Werden, hebt die “Bahai-Sache” in dem
    “Märtyrerstand”, um den Bahaijagon zu zitieren, aber mehr nicht.

    Die Visionen, die die Bahaireligion aufführt, hören sich herrlich an, in der
    Praxis bedeuten sie aber nichts Neues und bei genauem Hinsehen nichts Gutes.

    Das haben wir doch schon gehabt, in Diktaturen, in religösen sowie in
    nichtreligösen. Kontrolle, Zwang, Macht.
    Eine Welt der Bahai wird eine Orwellsche Welt sein.

    Levi Strauss, der große Antropologe, hat die Vielfalt der Völker in seinen
    Werken ” Der traurige Tropen” festgehalten.
    Kurz vor seinem Tod hat er in einem Interview gesagt, er wolle nicht in so
    einer gleichgeschalteten Welt leben.

    Die Bahais missionieren bei indianischen und afrikanischen Völker.
    Was für eine Vermessenehit, als weisse Menschen mit so einer
    kleinbürgerlichen und einfältigen Botschaft daher zu kommen, anstatt von den
    Menschen dort was zu lernen und von der weissen Geschichte.

    Karl A. Popper hat gesagt:
    Immer wenn man den Paradies versprochen hat würde es die Hölle.
    Die Bahai Relgion stammt aus einer feudalistischen, schiitischen und
    rückständigen Gesellschaft, in der Toleranz ein Fremdwort ist und war. Diesem
    Geist merkt man der Bahai-Religion an, abgesehen von dem universalistischen
    Beiwerk.

    Im Iran und anderen moslemsichen Gesellschaften mag die Bahai Botschaft
    fortschrittlich und reformerisch anmuten.
    Ich betrachte aber die Bahai Religion als völlig überflüssig.
    Die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist eine alte Forderung, das
    steht in jede UN-Erklärung und in jedem sozialpädagogischen Buch, das ist
    doch keine Bahai-Erfindnung.
    Auffallend ist, dass die Bahais gezielt in 5 Jahres- oder 10 Jahresplänen
    Ziele abarbeiten, in dem sie sich als Trittbrettfahrer von sozialen
    Bewegungen betätigen und dabei von Gottesplan sprechen. Dies Pläne kennt man
    von durchorganiserten Diktaturen, das hat mit Gott nichts zu tun.

    Da braucht man doch keine neue Weltreligion. Alter Wein in neuem Schlauch.
    – Bahaullah kann allenfalls als ein Gelehrter und Aufklärer angesehen
    werden, aber in ihm und seine Botschaft eine Weltreligion, die seine
    Gültigkeit für die nächsten 1000 jahre hat?

    Ist das nicht alles größenwahnsinnig ?

    – Warum soll die ganze Welt Bahai werden? Warum können Sie die Menschen
    nicht einfach so lassen, wie sie sind ?
    – Woher kommt dieser gigantomanische Sendungsbewusstsein? Einheit der
    Menschheit, Einheit in Vielfalt usw.
    Haben Menschen mit der selben Religion noch nie aufeinander geschossen?
    Deutsche und Fanzosen? Schiiten und Suniten?
    Brahmanen etc.

    – Wie kommt die Bahai Religion dazu zu glauben sie habe alle Antworten zur
    Glückseligkeit der Menschheit gepachtet?
    Und das für die “nächsten 1000 jahre” wohlgemerkt. Ich bin über so viel
    Naivität und Chusbeh immer wieder erstaunt.
    Sie kennen mit Sicherheit besser als ich den Werdegang aller
    “Weltreligionen”, insbesondere was die Toleranz betrifft, so bald die
    Religion aus dem Status einer Minderheitsreligion oder Glaube zur eine
    Mehrheitsreligion mutiert und zur Macht und Status gelangt.
    – Mit ihrem Missionseifer und anderen Merkmalen erfüllen die Bahais viele
    Kriterien für Sekten.
    Sie haben den Schlüssel zur Wahrheit, da ist es doch folgerichtig und
    logisch, dass man andere zwangsläufig missionieren muss.
    Ist das nicht vermessen?

    -Kommen sich die Bahais beim missionieren nicht dabei komisch vor ?

    Wie können durchaus intelligente und sympatische Menschen auf diese Maschen
    noch reinfallen ?
    Die Absichten der Einzelnen mögen gutgemeint und dem tiefen Sehensucht nach
    Frieden entstammen.
    Der Bahai-Glaube und Administration ist jedoch genauso tolerant wie die
    katholische Kirche.
    Beim kleinsten Rühren kommt da eine Welt zum Vorschein, die man längst als
    überwunden glaubte.

    Der Schoß ist noch fruchtbar (Bert Brecht), hütet euch vor Heilsbringern
    allle Art, und geschlossenen Systemen.

    Über Ihre inhaltliche Erwiderung freue ich mich sehr.

    PS: Gerichtsurteile interessieren mich da wengier

  • #5
    messi

    PS:

    Bahai-Flüchtlingen, die beim Bundesamt um Anerkennung vor dem Hintergrund ihrer
    Verfolgung im Iran kämpfen, wird vom Bahai-Zentrum die Bescheinigung über ihre
    Zugehörigkeit zum Glauben verweigert.

    Warum? Gute Bahais haben sich aufzuopfern für die Bahai-Sache und sollen lieber zum
    Märtyrer werden.
    Öffentlich fordern die Bahais aber, dass niemand von niemandem
    nirgendwo wegen sein Glauben verfolgt werden darf.

    Eine Bewertung dieses Verhaltens überlasse ich dem denkenden Leser.

  • #6
    shara

    Danke, Frau Ebati für Ihren bewundernswerten Einsatz für die Menschenrechte!

    @messi:
    Baha’u’llah beschreibt eine künftige neue Weltordnung, die vom Bahai-Gedanken inspiriert ist, mit folgendem Bild so:
    Eine schöne, mit wertvollen Juwelen geschmückte junge Frau kann alle Länder dieser Welt durchmessen, ohne dass sie ihres Schmuckes beraubt noch in irgendeiner Weise berührt wird.
    Wir sind noch weit weg von dieser Welt, weder Sie noch ich werden das erleben.

    Aber seien Sie versichert, dass jemand, der andere wegen seines (Un)glaubens foltert, drangsaliert, tyrannisiert, sich niemals Bahai nennen darf, das ist heute nicht so und auch nicht dann, wenn die Bahai nicht mehr in der Minderheit sein sollten, sondern gesellschaftsgestaltend sind. Ich glaube eher, dass eine zukünftige Bahai-Gesellschaft (wann immer das ist…) im Bemühen auf die Umsetzung der geistigen Werten basiert, die die Bahai auch heute im Kleinen schon zur Orientierung nehmen – z.B. Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit, Rechtschaffenheit.

  • #7
    Arnold Voß

    @ sarah

    Das allergeringste Problem der allermeisten Frauen auf dieser Welt ist es, juwelenbehangen alle Länder der Welt durchmessen zu können, ohne bestohlen zu werden. Es wäre schon ein Riesenfortschritt, wenn sie alle ausreichend zu essen bekämen, nicht für einen Hungerlohn arbeiten müssten und dass sie ansonsten von Männern jeder Art nicht wie zweitklassige Menschen oder sogar wie Vieh behandelt werden würden.

  • #8
    Rebecca

    Eine Frage an Shara und Peter Held:

    Warum missioniert die Bahai-Religion? Aus welchen Gründen ist die Bahai-Religion davon überzeugt, dass Gott existiert und allwissend, allmächtig… ist und Baha?u?llah der Prophet Gottes?

    Metaphysische Ideen, wozu die Frage nach Gott gehört, gehen über bekannte Tatsachen hinaus und widersprechen diesen oft.
    Eine wissenschaftliche Idee kann widerlegt werden, das Urteil “Gott existiert” dagegen nicht (auch nicht mit Darwin, es sei denn, man interpretiert sein Werk falsch)

    Wir wissen seit Kant, dass ein Beweis für die Existenz Gottes nicht zu erbringen ist.

    Wie Pascal schon sagte: Gott fühlbar dem Herzen, nicht der Vernunft.

    Ich verstehe nicht, warum eine Religion meint, missionieren, andere menschen vom eigenen Glauben überzeugen zu müssen!

    Wenn ein Mensch an Gott glaubt, freut mich das für diesen menschen. Es ist sicherlich einfacher, mit dem Glauben an einen Gott sein Leben zu bewältigen, da die Frage nach dem Sinn des Ganzen u.a. Fragen wegfällt.

    Aber: Die Freiheit des Missionierenden hört dort auf, wo meine Nasenspitze beginnt!

    Und: Eine Gesellschaft und ihre Werte muss nicht auf Gott gegründet sein, damit eine Frau mit Diamanten die Welt durchschreiten kann. Moral ist nämlich keinesfalls an Religion gebunden!
    Das Judentum missioniert nicht, was sehr sympatisch ist und auch Glaubenskriege etc. vermeidet.

    Bitte um Aufklärung.

  • #9
    messi

    @ Rebecca,

    Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Worte. Leider habe ich keine Erwiderung
    von Herrn Held oder anderen Gleichgesinnten bekommen.

    Wenn man missioniert, muss man es abkönnen, in Frage gestellt zu werden. Auch
    wenn es ein Bild ist, was Sara gebraucht hat, auch eine arme Frau muss in
    der Lage sein, sich zu bewegen, ohne behelligt zu werden. Die Reicheren
    Frauen sind da doch wesentlich geschützter.

    Ist diese Aussage getroffen worden aus der Sicht eines Verkünders, der zu
    einer priviligierten Schicht gehörte, gerichtet an priviligierte Menschen?

    Macht nichts, auch Engels war bekanntlich ein Priviligierter, der Empathie
    mit den Unterprivilligierten hatte. Darauf kommt es schliesslich an. Das ist
    was anderes als zu missionieren. Sie haben recht Juden, missionieren nicht
    Nichtjuden.

    Die Juden sind ein Volk und das Judentum eine Religion. Die überragende Leistung
    des jüdischen Volkes ist die Erfindung des Monotheismus und der Gesetze.

    Genau dafür werden sie gehasst, und werden immer gehasst werden. Denn
    “morden macht spass”, so Henryk M. Broder.

    Das Judentum hat zwar zahlreiche antike Kriege mit anderen Stämmen geführt,
    Greichen etc. was durchaus üblich war und zum überleben eines Volkes
    gehörte. Aber dieser Siege stellten gleichzeitig einen Verstoß gegen das
    Tötungsgesetz dar.

    Juden haben im Gegensatz zum Christentum und Islam keine Kriege mit
    Millionen Toten angezettelt.
    Abgesehen von der Shoa mit 6 Millionen ermordeten jüdischen Menschen, sind
    ca. 19 Millionen Menschen allein in Südamerika zum Teil im Namen des
    Christentums von den Armeen des Königs Philippe und der Königin Isabel
    umgekommen. Erst in laizistischen Staaten und in Folge der Schwächung des
    Glaubens und der Aufklärung konnte das Christentum zum Humanismus finden. 20
    % der ev. Christen finanziren 80% der Steuereinmahen: Bischof Huber.
    So macht man aus Trauma eine Chance.

    Ich hoffe, dass meine Argumente den einen oder anderen Kritischen Geist
    erreicht und zum Nachdenken angeregt hat. Sie haben völlig recht, Glauben ist
    Herzenssache. Es gibt aber in Gruppen einen fatalen Mechanismus, der sich
    verselbstständigt, es bleibt dann nur der Glaubenskodex oder Doktrin übrig
    und der wird dann nicht mehr überprüft. Das ist sehr gefährlich.
    Davon nehme ich die westliche Gesellschaften mit ihrem Glauben an Geld und
    an dem unbegrenzten Wachstum
    nicht aus.

    Wir kommen aber über die Diskussion über Religion und der Bahai Religion von
    Schirin Ebadis großartige Leistung an Mut, Toleranz und Beharrlichkeit weg.
    Das tut mir fast leid.

    Ich würde mir Shirin Ebadi als den nächsten Prädsidenten Irans wünschen.
    Ein Land mit grossen kulturellen Leisungen, frühe persische Könige haben zum Beispiel
    die Gerichtsbarkeit von der Religion abgekoppelt. Xerxes Reich war
    multikulturell, der Grundton war laizistisch.
    Was wir jetzt erleben ist ein erheblicher Rückschritt.

    Alle Minderheiten im Iran haben keine orginären Rechte, ihr Glück hängt von
    Lust und der Laune der Mullahs und ihre Einschätzung von der momentanen
    Großwetterlage in der Politik ab.
    Kein Wunder in einem Land in der man die Hälfte der Bevölkerung- die Frauen
    – zur Minderheit erklärt.

    Ich hoffe, dass die Menschen bald erkennen, dass sie sich nicht mehr länger
    in Männder und Frauen etc.
    aufspalten lassen möchten und ihre wirklichen Potenziale ausschöpfen.

    Meine Hoffnung ist, dass die Dikaturen wie Sudan, Zimbabwe, Iran, Nordkorea
    usw. mit Obamas Wahl nicht mehr so leicht ihre eigenen Verfehlungen und
    Verbrechen mit dem Buhmann Busch und der USA kaschieren können.
    Wer was wirklich zu sagen hat, was Hand und Fuss hat, hat nun die
    Gelegenheit sich zivilisiert zu melden.
    Das gehört zu einer dynamischen Gesellschaft und Globus.

    Ja , das ist völlig korrekt, was die Bahai Religion verkündet:
    Glaube, Wissenschaft und Vernunft dürfen sich nicht ausschliessen. Wenn man
    von der Vernunft Gebrauch machen möchte.

    Aber leider oder zum Glück sind wir Menschen unvollkommene und gänzlich
    irrationale Wesen und Geschöpfe.

  • #10
    Arnold Voß

    @ messi
    Was auch immer die Bahai-Religion verkündet, Glaube und Vernunft schließen sich nun mal aus.Das ist auch nicht weiter problematisch, wenn das eine vom anderen getrennt und der Glaube ein persönlicher bleibt.Kaum das dieser sich jedoch als kollektive Institution verfasst gibt es Hass und Streit zwischen den verschiedenen Religionen.

    Wer auch immer den Monotheismus erfunden hat, es war keine überragende Leistung sondern die schrecklichste Innovation der Menschheit. Sie hat mehr Elend und Leid über die Menschheit gebracht als alle aus rein materiellen und/oder politischen Gründen geführten Kriege zusammen.

  • #11
    Messi

    @ Arnold Voss
    ein Stück Holz anbeten oder, oder finde ich nicht so spannend.
    Kultur und Religion haben sich immer gegenseitig in Interaktion beeinflusst.
    Gesetze müssen stets einen Schritt weiter gehen, in dem Sinne, in dem Minderheiten
    die Teilhabe am sozialen Leben besser ermöglicht wird und ihre Gleichstellung
    in der Mehrheitsgesellschaft gefördert wird. Es geht gar naicht um Integration,
    sondrn um Gleichstellung.
    Macnchmal ist es eben nicht schlecht, wenn das Gesetz blind ist.
    Hanna Arend bewunderte in der USA die Herrschaft des Gesetzes über die Menschen.
    In Europa, insbesondere in Deutschland hatte sie ja die Herrschaft der Menschen- Nazis-
    über die Menschen zur genüge erlebt.

  • #12
    Messi

    @ Arnold Voss
    Nachtrag

    ich bin was die Trennung zwischen Staat und Religion angeht ihrer Meinung.
    Selbst die europäischen Staaten haben es nicht ganz hinbekommen.
    Am allerwenigsten Deutschland- Reichskonkordatgesetze- mit der Zwangseinziehung von Kirchensteuer etc.
    Was kann man da von Ländern wie Iran erwarten?
    Nein das “Licht” kommt auf keinen Fall aus dem Iran, weder von den Mullahs noch von einer anderen Religion…

    Allenfalls der Buddismus mit seiner Toleranz, Gelassenheit und seinem verblüffend einfachen und zugleich
    komplexen Weltbild macht eine gute Figur.
    Dalai Lama: wenn das Leid von Menschen geschaffen wurde, kann sie auch von Menschen
    abgeschafft werden.

    Mein Eindruck ist, es geht von Europa und seiner Vielfalt eine Kraft aus,
    auch wenn die EU gegenüber fundamentalistischen Gruppen und Aktivitäten
    nicht entschieden genug vorgeht. Das ist mir persönlich lieber als Hysterie.

  • #13
    Stefan Laurin

    Das Licht kam immer aus Europa. Schon vor 2500 Jahren. Wie ließ man Leonidas das doch in dem Film 300 so schön sagen: “Ein neues Zeitalter hat begonnen… Ein Zeitalter der Freiheit wird Kommen! und alle werden wissen das 300 Spartaner es bis zum letzten Atemzug verteidigt haben!”

  • #14
    Jens Kobler

    @ Arnold:
    “Glaube und Vernunft schließen sich aus”? So pauschal kann man das doch nicht stehenlassen, oder? Aber ich nehme an, Du meinst ein sehr enges Verständnis von “Glauben” – oder bist Du Rationalist? So kamst Du mir bislang eigentlich gar nicht vor…

  • #15
    Arnold Voss

    Im Reinformat auf keinen Fall. Ist keiner, denn das menschliche Gehirn ist dafür nicht gemacht. Zuviele Botenstoffe der Lust und/oder der Angst sowie zuviele unvorhersebare Synapsenkombinationen.

    Aber der Glaube ist und kann und darf nicht logisch sein. Er könnte sonst nicht seine so lebenswichtige tröstliche Funktion ausüben. Negativ ausgedrückt: Er krümmt sozusagen automatisch den geraden Gedanken. Dadurch kann allerdings auch soetwas wie die zur Zeit allseits beliebte Kreativität entstehen. Und die ist ja bekanntlich , wie uns die Kreationisten deutlich zeigen , auch keine Garantie für vernüftiges Denken und Handeln. Aber doch für Unkonventionelles. Und das ist -jenseits von Glaubensfragen – auch nicht zu verachten.

  • #16
    shara

    Entschuldigung, dass ich mich nach meinem Beitrag nicht gerührt habe, ich bin nicht zeitlich nicht dazu gekommen.
    @ Beitrag 7: Arnold Voss – Zustimmung, die bedrückende Lage von Frauen in vielen Teilen der Welt macht wütend und traurig. Es gibt den Satz: Die Menschenwelt besteht aus zwei Flügeln, den Männern und den Frauen. Erst wenn beide Flügel gleich stark entwickelt sind, kann der Vogel fliegen. Ich finde das sehr passend.

  • #17
    shara

    @ Beitrag 8, Rebecca: “Warum missioniert die Bahai-Religion? Aus welchen Gründen ist die Bahai-Religion davon überzeugt, dass Gott existiert und allwissend, allmächtig? ist und Baha?u?llah der Prophet Gottes?”
    Bahai erleben in ihrer Gemeinde, dass ein freudiges, friedliches Zusammenleben möglich ist, indem die Lehren Baha’u’llahs (Gleichwertigkeit beider Geschlechter, Abbau von Vorurteilen, Orientierung an ethischen Verhaltensmaßstäben) befolgt werden. Für sie ist dieses geistige Leben, was damit verbunden ist ein Geschenk, dass sie teilen möchten. Zugleich sind sie überzeugt, dass viele Probleme der heutigen Zeit durch die Lehren Baha’u’llahs bearbeitet werden können. Das erklärt, warum Bahai ihren Glauben verbreiten möchten. Sie sollen dabei aber niemandem etwas aufzwingen, sondern bieten nur an. Ein Prinzip ist, dass jeder Mensch selbst nach der Wahrheit suchen soll.
    Warum ein Bahai von Baha’u’llah als Sprachrohr Gottes überzeugt ist, hat bei jedem Bahai sicher unterschiedliche Hintergründe. Einige waren primär angetan von Seinen sozialen und ethischen Lehren, andere von den Gebeten, die Er offenbart hat, andere von der Wirkung Seiner Worte usw.
    Sie haben natürlich Recht, man kann “Gott” nicht wissenschaftlich beweisen. Man kann logische Schlüsse für und gegen einen Schöpfer der Welt und ein geistiges Dasein, eine Seele auftun, aber wissenschaftlich stößt man an Grenzen. Ehrlich gesagt bin ich lieber mit einem aufgeklärten Agnostiker (=sachlichen Menschen) im Gespräch als einem fanatisch Gläubigen. Da ich das so empfinde, dränge ich auch niemandem meinen Glauben auf – aber wie offensiv man mit seinem “Glauben” umgeht (und damit meine ich auch den festen Glauben/die Überzeugung daran, dass es Gott nicht gibt), ist Typsache. Ich habe auch schon missionierende Buddhisten erlebt. Ich glaube nicht, dass es einfacher ist, mit einem Glauben an Gott zu leben als ohne – beides ist herausfordernd.

    Noch eine Anmerkung zu Ihrem Satz: “Das Judentum missioniert nicht, was sehr sympatisch ist und auch Glaubenskriege etc. vermeidet.”

    Baha’u’llah lehrte uns:
    “Die Religion sollte alle Herzen vereinen und Krieg und Streitigkeiten auf der Erde vergehen lassen, Geistigkeit hervorrufen und jedem Herzen Licht und Leben bringen. Wenn die Religion zur Ursache von Abneigung, Haß und Spaltung wird, so wäre es besser, ohne sie zu sein, und sich von einer solchen Religion zurückzuziehen, wäre ein wahrhaft religiöser Schritt.”

    Glaubenskriege sind ein hässlicher Zerrspiegel von dem, was Religion ihre Anhänger lehrt.

  • #18
    shara

    PS: @messi: da stimme ich zu, Shiriin Ebady for president im Iran – das wäre wahrlich ein Lichtblick…Wenn man sich die Berichte über die Entwicklung der Frauenrechte im Iran anguckt, bekommt man doch das Grausen… Siehe z.B. Internationale Gesellscahft für Menschenrechte: http://www.igfm.de/?id=105

  • #19
  • #20
    Peter Held

    Es verdient höchsten Respekt, wie Frau Ebadi sich für den Schutz der Menschenrechte in einem überaus schwierigen Umfeld bewegt. Die in den Kommentaren angesprochenen Fragen
    berühren eine große Bandbreite von Fragen und Sorgen, die nachvollziehbar sind, ob an nun zurückblickt oder die Probleme der Gegenwart sieht. Eine detaillierte Bahá’ì-Perspektive dazu kann auf der offiziellen Seite der Bahá’í in Deutschland: www.bahai.de in der Rubrik: “Häufig gestellte Fragen” nachvolllzogen werden.

  • #21
    Peter Held

    Hier ein aktueller Filmbeitrag aus dem heute-journal des ZDF vom 13.3.09 zum angekündigten Prozeß gegen die führenden Bahá’´í im Iran.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Iran_Prozess_gegen_Andersglaeubige/714234?inPopup=true

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