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Ein perfekter Sturm

Conne Island, Leipzig Foto: js Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es gibt zur Zeit einen Konflikt innerhalb von Kreisen, die Benjamin Weinthal von der Jerusalem Post einmal ganz zu Recht als „Freunde Israels“ bezeichnet hat. Im Kern geht es um den Vorwurf, dass die sogenannten „Rechtsantideutschen“ die AfD verharmlosen, was meiner Ansicht nach aus Gründen der Provokation geschehen ist. Das meist zitierte Beispiel dafür ist ein Auftritt von Bahamas-Autor Thomas Maul im Leipziger Zentrum Conne-Island. Aber dahinter liegt ein Problem jenseits der vermeintlichen Hippness der Tabubruchs.

Ich halte eine Hierarchisierung der Gegner für unnütz. Der Westen, die Freunde der Aufklärung und der offenen Gesellschaft, sucht es euch aus, werden von drei Seiten angegangen. Die drei Seiten, das ist eher eine Laune der Geschichte denn ein Plan, ergänzen sich und bilden gemeinsam einen perfekten Sturm – genau das macht die Hierarchisierung der Gegner so unsinnig, denn man hat sie alle drei zugleich am Hals und muss sich auch gegen alle drei gleichzeitig wehren. Die drei sind:

1. Der radikale, nicht wie das Christentum domestizierte Islam, der nicht nur die Integration der Migranten erschwert, sondern auch dem Westen gegenüber einen beeindruckenden Vernichtungswillen hat. Er stellt territoriale Ansprüche, die auf die Zerstörung  Israels hinauslaufen, geht aber noch weiter: Osmanen sehen sich vor Wien, der IS wollte  eigentlich die Weltherrschaft, aber hatte vorher noch ein Kalifat in Spanien auf dem Plan. Das steht sicher alles nicht an, zeigt aber doch eine Gefährlichkeit, weil schon die Versuche reichen, unsere Gesellschaften zu erschüttern.

2. Die Völkischen, die sich in Deutschland zielen auf eine vormoderne Gesellschaft ab, die es nicht mehr geben wird. Moderne Gesellschaften bilden sich um gemeinsame Ideen und Lebensstile, nicht um Gene. Da schwingen, wie übrigens auch bei den Grünen, auf die ich weiter unten kommen werde – romantische, technik- und kapitalismusfeindliche Ideen mit. Das Individuum muss hinter das Kollektiv, in diesem Fall die Rasse, zurücktreten – das zeigt, dass  der Ethnopluralismus jede Idee kollektiver Menschenrechte aufgibt,  also nichts anderes ist, als ein Rückfall in die Barbarei.

3. Ökos und Postmoderne: Über die Identitätspolitik werden wie bei den Völkischen moderne Ideen und die Vorstellungen von Fortschritt über Bord geworfen. Alles ist gleichwertig, gleich wichtig und gleich anerkennenswert, was natürlich Unsinn ist: Kant spielt schon in einer anderen Liga als irgendein Druide oder Schamane, eine komplexe Gesellschaft aufzubauen und am Leben zu erhalten, ist eine andere Nummer denn als Stamm zu leben und die moderne Wissenschaft ist natürlich allen „natürlichen Weisheiten“ haushoch überlegen. Jedes Mädchen,  das bei  einem Indianerstamm  im Amazonas aufwächst hat das Recht, Ärztin werden zu wollen, jede  Afghanin das Recht, in die Schule zu gehen. Was irgendein Zauselbart davon hält, ist unwichtig und das muss man auch so klar sagen. Zur Not müssen Armeen die Rechte dieser Kinder durchsetzen. Grüne und Ökos mit ihren romantischen Vorstellungen und ihrer Kultur der Angst, die sie verbreiten, gefährden die Basis unseren Wohlstandes – und eröffnen damit die Räume, in denen die Völkischen und die Islamisten wachsen können. Nicht Angst, sondern Zukunftsoptimismus und der Hunger nach neuen Erkenntnissen bringen uns nach vorne. Die Idee, dass wir alle Biobauern werden, ist schlicht reaktionär und dumm. Kurzum: Man muss mit allen drei Bedrohungen gleichzeitig fertig werden und darf sie nicht hierarchisieren. Wer das tut, und ich glaube nicht, dass dies aus Bosheit geschieht, öffnet dem Gegner Flanken. Und das ist nicht klug.

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4 Kommentare zu “Ein perfekter Sturm

  • #1
    A.Mayer

    "Zur Not müssen Armeen die Rechte dieser Kinder durchsetzen." Mit diesem Satz läßt der Autor seine aufklärerische Maske fallen. Aufklärung ist etwas, was im Kopf stattfinden muß. Es braucht das Argument und einen gesellschaftlichen Diskurs. Aufklärung läßt sich nicht herbomben. Das hat bei uns in Europa Jahrhunderte gedauert und genau diese Zeit wird es auch in anderen Regionen dauern. Hier liegt auch das Problem der Antideutschen, den diese Bereitschaft zum Krieg, liegt gefährlich nahe an den Argumenten der Rechtsaussen dieser Welt, die glaubten und glauben sie können in Afghanistan oder Irak die Demokratie herbeibomben.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @A.Mayer: Die Rechtsaußen dieser Welt sind Ethnopluralisten und der Ansicht, wenn die Afghanen der Meinung sind, Mädchen müssten nicht in die Schule, soll man sie lassen, denn sowas wie universale Menschenrechte gäbe es gar nicht.

  • #3
    thomas weigle

    Wie war das in Saddams Irak? Gingen da nicht alle Mädchen zur Schule ,@Stefan Laurin? Wie ist es heute, nachdem der Westen ganz im Sinne der Aufklärung Saddam und sein blutiges Regime weggebombt hat, ebenfalls sehr blutig. Mich erinnert das immer wieder an Teufel und Beelzebub. Oder ist mir da irgendwas seit 2003 entgangen?
    In der sehenswerten US-Serie "Homeland" wird in den ersten vier Staffeln ein sehr kritischer Blick auf den (Drohnen)Krieg der USA gegen den Terror gerichtet. Da werden viele Fragen gestellt. Die Antworten, die man sich selber geben muss, sind bei mir wenig zukunftsfroh ausgefallen.
    Wie lange ist die Nato am Hindukusch und wie hat sich seitdem die Lage dort und in Pakistan auf dem Bildungssektor für Mädchen verbessert? Von den Anfangserfolgen direkt nach dem Einmarsch der Nato mal abgesehen.

  • #4
    Arnold Voss

    Die Geschichte der Aufklärung verlief nie nur in den Köpfen. Dazu hatte sie (und hat sie nach wie vor) viel zu viele mächtige Gegner die davon profitieren, dass sie nicht stattfindet. Niemand gibt sein Macht einfach so freiwillig ab und verzichtet von sich aus auf seine Privilegien. Aber Aufklärung ging auch nie ohne den inneren und selbstinduzierten Wandel von Wissen und Einstellungen. Im Erntfall waren sowohl die Gewalt als auch die geistige Überzeugungskraft ein Teil der Aufklärung. Auf Dauer lässt sie sich auch nur so verteidigen.

    Aber Gewalt ist bezüglich der Aufklärung immer ein zweischneidiges Schwert. Wer sie ohne Not und ohne klare Ziele, zu denen eben auch der Verzicht auf sie gehören muss, einsetzt, der begeht ein Vebrechen an der Aufklärung selbst. Gewalt führt bezüglich der Aufklärung da zu nichts, wo sie mehr Opfer fordert als sie an Gewinnern erzeugt. Wo sie das falsche Mittel ist um das Richtige zu erreichen. Letztlich ist aber jeder einzelne Mensch, der in Freiheit zur Bildung kommen kann, eine solche, im konkreten Fall immer sehr schwierige Abwägung, wert.

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