CDU Mitgliederentscheid: Merz kann Kulturkampf

Friedrich Merz Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de

Die CDU sucht nach einem neuen Vorsitzenden. Mit Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Helge Braun stehen drei lange bekannte Politiker zur Auswahl.

Die Niederlage von Armin Laschet als Kanzlerkandidat bei der Bundestagwahl im September war für die Union der, GAU. der „Größte anzunehmende Unfall“. Und mit dem hatte sie nicht gerechnet: Anstatt sich und den Bürgern klarzumachen, warum die Unionsparteien wählen sollten, konzentrierte sie alle Kräfte auf einen internen Wahlkampf zwischen CSU-Chef Markus Söder und seinem CDU-Gegenstück Armin Laschet, der sich zuvor gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen durchsetzen müssen. Mitten in der größten Pandemie seit 100 Jahren war die klassische Regierungspartei der Bundesrepublik mit sich selbst beschäftig und das seitdem Annegret Kramp-Karrenbauer im Februar 2020 nach ihrem Verzicht auf die Kandidatur als Bundeskanzlerin und ihren Rücktritt als Bundesvorsitzende der CDU bekannt gab. Laschet scheiterte an einem inhaltslosen Wahlkampf, Taktlosigkeiten während des Hochwassers im Sommer und der Unterschätzung von Olaf Scholz.

Zum dritten Mal in zwei Jahren sucht die Union nun einen neuen Vorsitzenden. Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Helge Braun bewerben sich um den Posten. Erstmals entscheiden die Mitglieder in einer Befragung, wer die Partei führen soll.

Gebildet, wortgewandt und als kenntnisreicher Außenpolitiker ist Norbert Röttgen ist von den Dreien der Liebling vieler Haupstadtjournalisten. Wer ihn jedoch 2012 im NRW-Landtagswahlkampf gegen die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erlebt hat weiß: Wahlkampf kann Röttgen nicht. Damals wollte er als amtierender Bundesumweltminister die in NRW mitregierenden Grünen in ökologische Fragen überholen. Die CDU-Wähler interessierten sich jedoch mehr für Schulpolitik und innere Sicherheit.  Wer ihn damals auf Großveranstaltungen erlebte und kein Herz aus Stein hatte, bekam Mitleid mit dem Rheinländer.

Als 1998 die rot-grüne Bundesregierung ihre Arbeit aufnahm, war Friedrich Merz im Bundestag ihr scharfzüngigster Kritiker. Nach Jahrzehnten voller Niederlagen ist von der Verve, den Merz damals auszeichnete, nicht viel übriggeblieben. Ob im kleinen Kreis bei der sauerländischen Industrie- und Handelskammer oder auf CDU-Parteitagen: Merz hat stark an Ausstrahlung verloren. Allerdings ist er das personifizierte Gegenteil zu Angela Merkel und hat, was die Union vor allem unter Peter Altmaier nahezu komplett verloren hat: Wirtschaftskompetenz.

Der ehemalige Kanzleramtsminister Helge Braun steht für die Fortsetzung des Kurses von Angela Merkel und damit für eine CDU, die sich dem Bürgertum in den Großstädten aber auch Migranten zuwendet. Dass er die Bundestagsabgeordnete und ehemalige Staatssekretärin für Integration in NRW, Serap Güler, als Generalsekretärin für den Fall seines Sieges vorstellte, zeigt dies deutlich.

Merz haftet der Nimbus des Verlierers an: Zwei mal bewarb er sich um den Posten des Parteivorsitzenden, zwei Mal unterlag er. Allerdings zog er gegen Kramp-Karrenbauer und Laschet auf Parteitagen den Kürzeren. Dort ist nicht die Basis vertreten, sondern vor allem der Mittelbau der CDU. Am Wochenende stellen sich die drei Kandidaten der Jungen Union vor. Dort setzte sich vor einem Jahr Merz durch, auf den zweiten Platz kam Röttgen. Laschet, der später zum Vorsitzenden gewählt wurde, war beim Unions-Nachwuchs das Schlusslicht

Bei einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur DPA hielt eine relative Mehrheit der Befragten Bundesbürger, also nicht der CDU-Mitglieder, Merz für den besten Kandidaten. Mit 23 Prozent Zustimmung vor Röttgen (20 Prozent) und Braun (6 Prozent) lag Merz allerdings deutlich hinter „„keinem der drei“ mit 35 Prozent. Unter den befragten CDU-Wählern fand er allerdings mit 34 Prozent deutlich mehr Zustimmung als seine Konkurrenten.

Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern verfügt Merz als einziger über etwas, was man als Profil bezeichnen kann, auch wenn seine besten Zeiten hinter sich sind. Er hat Kämpferqualitäten, etwas, das Braun und Röttgen vollkommen fehlt. Und er ist ein Konservativer, der sich immer klar von der AfD abgegrenzt hat. Zudem kommt das Merz im Gegensatz zu Braun und Röttgen keine Mitverantwortung an der Energiepolitik der Merkel-Regierungen trägt.

Im kommenden Jahr könnte es neben Corona drei wichtige Themen geben: Energie, Wirtschaft und das Transsexuellengesetz.

Die von der Ampel geplante Reform des Transsexuellengesetz könnte eine Debatte auslösen, wie es sie lange nicht gab: Postmoderne Vorstellungen von Geschlecht und Gesellschaft stoßen auf naturwissenschaftliche geprägte traditionelle Überzeugungen. Die Frontverläufe werden sich nicht an politische Lager halten. Auch viele Feministinnen werden sich gegen das Gesetz stellen. Das wird Kulturkampf pur. Merz kann so etwas, Braun und Röttgen nicht.

Die hohen Energiepreise, die anhaltenden Lieferschwierigkeiten und eine abnehmende Attraktivität der Bundesrepublik für internationale Investoren werden das Wirtschaftsklima zunehmend drücken. Auch Sorgen um die Sicherheit der Energieversorgung werden zunehmen. Dazu kommt die eine wahrscheinlich auf hohem Niveau bleibende Inflation. Auf diesem Feld hat die Union außer Merz keinen bekannten Politiker, der sich gegen die Ampel stellen und vor allem FDP-Wähler beeindrucken kann.

Merz Nachteil ist sein Alter: Mit heute 66 Jahren wird er kaum in vier Jahren gegen Scholz antreten können. Er mag als Oppositionspolitiker funktionieren, die Zukunft der Union ist er nicht. Aber das trifft auch auf Braun und Röttgen zu.

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits in der Jungle World

 

 

 

 

 

 

 

 

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40 Kommentare

  1. #1 | Hans sagt am 9. Dezember 2021 um 10:38 Uhr

    Behauptungen. Welche Wirtschaftskompetenz soll Merz haben? Lobbyismus hat nichts mit Wirtschaftskompetenz zu tun.

  2. #2 | Hans sagt am 9. Dezember 2021 um 10:41 Uhr

    " ein Konservativer, der sich immer klar von der AfD abgegrenzt hat" Wie viele Märchen wollen sie hier nich verbreiten?

    Zuletzt: CDU-Favorit Friedrich Merz: Ampel sorgt für "ungezügelte Einwanderung in Sozialsysteme"

  3. #3 | Hans sagt am 9. Dezember 2021 um 10:45 Uhr

    Die Kompetenz des Autors ist offensichtlich auf dem Level von Merz, anders kann man sich so eine Schwachsinnsaussage nicht erklären:

    "Postmoderne Vorstellungen von Geschlecht und Gesellschaft stoßen auf naturwissenschaftliche geprägte traditionelle Überzeugungen"

    Natürlich wie immer ohne Belege.
    Zeit dieses Medium wie BILD und Co zu ignorieren.

  4. #4 | Stefan Laurin sagt am 9. Dezember 2021 um 12:08 Uhr

    @Hans: Viel Spaß beim ignorieren. BTW: Ich belege auch nicht, dass sich die Erde um die Sonne dreht.

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 9. Dezember 2021 um 12:09 Uhr

    @: Sah Andrea Nahles ähnlich wie Merz. Die AfD ist gegen jede Zuwanderung: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_76972568/nahles-will-sozialhilfe-anspruch-beschraenken.html

  6. #6 | Angelika, die usw. sagt am 9. Dezember 2021 um 12:39 Uhr

    "…Das wird Kulturkampf pur…"

    Laurin, der Kulturkampfbeobachter, -berichterstatter.

  7. #7 | Herbert sagt am 9. Dezember 2021 um 15:48 Uhr

    Es ist fast lustig, wie hier die Abschaffung/Novellierung zum jahresübergreifenden, gesamtgesellschaftlichen Thema hochgejazzt werden soll. Ein Thema, von dem die Mehrheit der Gesellschaft keinerlei Ahnung hat und mit dem sie nie in Berührung kommt. Lediglich ein paar Betroffene und ein paar Standesbeamtinnen kommen tatsächlich damit in Berührung. Vermutlich schaffen es nichtmal die Ruhrbarone zusammen mit AfD und den erzkonservativen Kreisen in der katholischen Kirche, daraus einen Kulturkampf zu konstruieren.

  8. #8 | Uwe K. sagt am 9. Dezember 2021 um 20:31 Uhr

    Vorbereitung für den Kulturkampf. General Merz gibt die Richtung vor. Schütze Laurin hebt schon mal den Graben aus. Über ihm heulen die Sirenen „woke woke woke woke“. Wat fürn Gesabbel.

  9. #9 | Manni sagt am 10. Dezember 2021 um 01:31 Uhr

    "Die CDU sucht nach einem neuen Vorsitzenden. Mit Friedrich Merz"
    … Na, neu ist der grad nicht. Immerhin ist er als "dreimal gechoppter" ja schon eine seltene Spezies.
    Und sonst? Da rufen wir: "Wäänaa, mach ma drei Pilsken auf die Wirtschaftskompetenz".

  10. #10 | paule t. sagt am 11. Dezember 2021 um 19:27 Uhr

    Die Aussagen "Merz haftet der Nimbus des Verlierers an" und "Merz kann Kulturkampf" sind m.E. hervorragend vereinbar.

    Es ist m.E. absurd, wie das Transsexuellengesetz zu einem der vier wichtigsten Themen des kommenden Jahres stilisiert wird. Es ist ein Thema, bei dem einer kleinen Minderheit zu mehr Selbstbestimmung verholfen werden soll (und insofern m.E. ein begrüßenswertes liberales Vorhaben); aber der Rest der Gesellschaft ist davon in der gleichen Weise betroffen wie Heteros von der Homoehe: Wenn sie unbedingt wollen, können die Leute sich in einer moralischen Panik in einen Kulturkampf hineinsteigern – sie können das aber auch einfach lassen und sich mit wichtigeren Themen beschäftigen.

    Merkwürdig ist auch, wie sich die Kulturkämpfer einreden, sie verträten "naturwissenschaftlich geprägte traditionelle Überzeugungen". Denn erstens ist die Frage, wie man mit naturwissenschaftlichen Fakten gesellschaftlich umgeht, selbst keine naturwissenschaftliche Frage mehr, sondern eine gesellschaftliche; konkret hier: wie und unter welchen Umständen Transgender-Personen ihren Geschlechtseintrag ändern dürfen, wird nun mal nicht naturwissenschaftlich entschieden.
    Die meisten Naturwissenschaftler kennen diese Grenzen ihrer Wissenschaft auch – im Gegensatz zu Kulturkämpfern, die die Naturwissenschaft gerne für sich in Anspruch nehmen würden, um dann in merkwürdigste Allianzen mit Fundamentalisten zu rennen, die morgen schon wieder die Evolutionstheorie leugnen …

    Und von "naturwissenschaftlicher Prägung" zu sprechen wäre nur sinnvoll im Gegensatz zu Leuten, die naturwissenschaftliche Fakten leugnen würden. Solche Leute sind aber, zweitens, nun mal gerade die, die diese "traditionellen Überzeugungen" vertreten. Denn zu den naturwissenschaftlichen Fakten gehört nun mal, dass es zwar zwei große Gruppen von Leuten gibt, bei denen Chromosomensatz, Hormonstatus, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, Geschlechtsempfinden und sexuelles Begehren in einer bestimmten Kombination zusammenfallen – aber eben auch Leute, bei denen das in der einen oder anderen Weise nicht der Fall ist.
    (Konkret hier: Das Geschlechtsempfinden aus dieser Reihe von verschiedenen, für den gesellschaftlichen Umgang mit Geschlecht relevanten Merkmalen auszuschließen, hat mit Naturwissenschaft nichts zu tun.)

  11. #11 | Angelika, die usw. sagt am 11. Dezember 2021 um 20:51 Uhr

    @#10
    tja … gewisse Klerikerkreise (kath. -> aber eben nur die ganz konservativen …), die auf der Basis des Naturrechts argumentieren, haben möglicherweise auch schon Assoziationen, dass ein Kulturkampf 'dräut' …

    Um was geht es im Grundgesetz, mal schauen …
    "…Geschützt wird..nicht die Uniformität „des“ Menschen, geschützt wird die Pluralität der Menschen. Geschützt wird sie auch und gerade vor der Wahrheitsverliebtheit derer, die ganz genau wissen, wie die Welt für alle und jeden einzelnen auszusehen hat. Das Grundgesetz ist die Verfassung des Skeptizismus. Sie weiß aus historischer Erfahrung, wie gefährlich es für Menschen wird, wenn eine Wahrheit alle anderen Wahrheiten dominieren kann.

    Deshalb schützt das Grundgesetz ein offenes Menschenbild, ein Menschenbild, das Pluralität ermöglicht. Zu ihm haben sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes bekannt. Einer von ihnen, Carlo Schmid formuliert es in den Beratungen des Grundgesetzes so: Es sei nicht sinnvoll, „das Wesen des Menschen (…) zu definieren“. Ganz in diesem Sinne trat auch Theodor Heuss, später erster Bundespräsident, für ein strikt formales Verständnis des Begriffs „Menschenwürde“ ein. Er wandte sich – unwidersprochen – gegen jede einseitige Wesensdefinition „des“ Menschen. „Menschenwürde“ solle ganz bewusst – so Heuss – eine „nicht interpretierte These“ sein…"

    https://www.deutschlandfunk.de/das-katholische-naturrecht-und-das-grundgesetz-100.html

    Ich gehe keineswegs davon aus, dass sich S. Laurin bewusst auf das Naturrecht bezieht, aber durch sein Kulturkampf'getöse' und die Überempfindlichkeit bezüglich Vielfalt (schon dieses Hyperventilieren betreff Gender) wirkt es so …

  12. #12 | Helmut Junge sagt am 12. Dezember 2021 um 10:35 Uhr

    Kandidaten sind meist nicht gewählt worden, weil sie etwas können, sondern weil die Gegner versagt haben. Von den drei großen Themen, die der Autor für die nächste Zeit als wichtig ansieht, Energie, Wirtschaft und das Transsexuellengesetz, wird nach meiner Einschätzung das Transsexuellengesetz kaum Aufregung verursachen. Die Entwicklung der Lebenshaltungskosten aber schon. Dazu gehören ganz klar die Preise für Energie. Die Wirtschaftslage wird genauso über die Lebenshaltungskosten wahrgenommen. D.h. die einkommensschwachen Personen, bzw. Haushalte werden jede schlechte Entwicklung in dieser Frage teuer bezahlen. Da wäre dann der Einfluß, den Merz auf die FDP ausüben kann, völlig belanglos. Ob Merz davon profitieren könnte, wenn die Ampel für die Erhöhung der Lebenshaltungskosten für die ärmeren Bevölkerungsteile verantwortlich wäre? Wieso ausgerechnet der?

  13. #13 | Walter Stach sagt am 12. Dezember 2021 um 15:01 Uhr

    Angelika,, die usw.
    Ich gehe davon aus, daß für die Wahlentscheidung einer Mehrheit der CDU-Miglieder nicht entscheidend sein dürfte, wie die 3 Männern (!!) derzeit relevante konkrete gesellschaftspolitischen Fragen beantworten, sondern davon, daß entscheidend sein dürfte, wem sie am ehesten die Kompetenz zu billigen, ihre Partei (!!) führen zu können. D.h. für mich, daß es derzeit für die CDU-Mitglieder nicht darum gehen dürfte, , wer "irgend wann" der für sie geeignetste Kanzlerkandidat sein könnte und zudem auch nicht darum, wie die Kandidaten aktuelle konkrete politische Probleme zu lösen gedenken -in innenpolitischen Angelegenheiten, in der Außenpolitik, in der Gesellschaftspolitik -sh. "Kulturkampf", in der Wirtschaftspolitik usw.
    Sollte ich mit meiner Mutmaßung richtig liegen, dürfte Merz zu neuen CDU-Vorsitzenden gewählt werden. und nicht Röttgen oder Braun.

    "Auf ein anderes Blatt" gehören Fragen und Antworten, die sich damit befassen, welches CDU-Gesamtbild der Vorsitzende Merz mittel-/langfristig von "seiner CDU" gestalten will, gestalten kann. Da könnte der erzkonservative , wirtschaftsliberale, katholische Jurist aus dem westfälischen Sauerland grundsätzliche Anderes wollen als Frau Merkel.

    "Auf einem anderen Blatt" steht zudem die Frage, ob eine von Merz geführte CDU sich im Bundesstag als "Radikal- Opposition" positionieren wird oder ehe als eine " gemäßigte, sachorientierte". Das dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob der neue CDU-Parteivorstzende Merz, wo von ich ausgehe, kurzfristig auch Vorsitzender derCDU/CSU Bundestagsfraktion wird, also Brinkhaus ablöst -davon gehe ich derzeit nicht aus-.

    Als "Öko-Sozi" oder " linksliberales" SPD Mitglied halte ich die Wahl von Merz zum CDU-Vorsitzenden für wünschenswert, da sie a.) dazu beitragen könnte, dass die CDU sich als "mitte-rechte " Volkspartei im Interesse der Demokratie hierzulande wieder stärker profilieren und stabilisieren könnte und b.), dass sie so dazu beitragen könnte, es den Menschen hierzulande wieder zu ermöglichen, klarer und deutlicher als das in den letzten Jahren der Fall war, Unterschiede in der Politik, in den politischen Zielen von SPD und CD(CSU erkennen , was dem in einer Demokratie notwendigen politischen Diskurs "guttun" würde. Denkbar, daß eine von Merz geführte CDU zudem der AFD ehe gefährlich werden könnte als unter Röttgen oder Braun? Was ich mir wünschen würde.

  14. #14 | paule t. sagt am 12. Dezember 2021 um 15:10 Uhr

    @ Angelika, die usw., #11, Zitat:
    "Ich gehe keineswegs davon aus, dass sich S. Laurin bewusst auf das Naturrecht bezieht, aber durch sein Kulturkampf’getöse’ und die Überempfindlichkeit bezüglich Vielfalt (schon dieses Hyperventilieren betreff Gender) wirkt es so …"

    Bewusst sicher nicht; aber Sie haben schon recht, strukturell ist das einer religiös-konservativen Naturrechtsargumentation sehr ähnlich: Man nimmt ein bestimmtes Niveau naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und springt damit als Argument zu gesellschaftlichen Fragen. Probleme, wie oben schon dargestellt: Erstens ist der Sprung an sich schon logisch unzulässig, weil aus einem (natürlichen) Sein nun mal kein (gesellschaftliches) Sollen folgt; und zweitems sind, wenn man Pech hat, die wissenschaftlichen Erkenntnisse morgen schon überholt (oder bei ganz viel Pech schon heute oder gestern).

    Daher entstehen ja diese skurrilen impliziten oder expliziten Allianzen. Bezüglich etwas anderer Themen ist das schön zu beobachten anhand des Kasseler Physiologen und Evolutionsbiologen Kutschera, der als eifriger Gegner des Kreationismus öffentlich bekannt wurde und sich inzwischen durch Genderthemen im heimeligen Gespräch mit katholischen Fundamentalisten befindet und Kuratoriumsmitglied bei der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung geworden ist …

  15. #15 | Stefan Laurin sagt am 12. Dezember 2021 um 15:44 Uhr

    @paule t.: "Man nimmt ein bestimmtes Niveau naturwissenschaftlicher Erkenntniss" Klären Sie mich auf: Neben Ei- und Samenzellen wurde bei Säugern eine dritte Art von Keimzellen gefunden? https://de.wikipedia.org/wiki/Gamet
    Sie argumentieren wie ein Querdenker, der die Impfstoffe ablehnt, weil es auf Langzeitstudien hofft, die bei Impfstoffen absolut unnötig sind. Eine dritte Art von Keimzellen wären kaum übersehen worden – auch wenn es sich postmodernec Schwurbelwissenschaftler so sehr wünschen.

  16. #16 | paule t. sagt am 12. Dezember 2021 um 17:48 Uhr

    @ Stefan Laurin, #15:
    Ich danke für die hervorragende Illustrierung meiner Darstellung.

    Sie greifen _einen einzigen_ der Aspekte dessen, was die Kategorie "Geschlecht" beim Menschen ausmacht, willkürlich heraus (d.h. Sie nennen keinen Grund für diese Auswahl), und erklären diesen einen Aspekt zum allein entscheidenden, mittels dessen die Menschen in zwei Geschlechter sortiert werden sollten.

    Das ist schon mit Hinsicht auf die Aspekte, die sich physisch, bildgebend, histologisch, labordiagnostisch etc. untersuchen lassen, eine Verkürzung, die naturwissenschaftlich völlig unhaltbar ist; schließlich gibt es neben der Gametenproduktion auch Chromosomensatz, Hormonstatus, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale (alles schon oben in #10 genannt), die zwar meistens, aber eben nicht immer so zusammenfallen, dass man die Individuen in zwei Geschlechter sortieren kann. Schon auf der von ihnen selbst gewählten Ebene hat ihre Argumentation also nichts mit dem Stand der Wissenschaft zu tun (und zwar seit spätestens mehr als hndert Jahren – da wurde der Begriff "Intersexualität" geprägt).

    Dazu schließen Sie dann noch den (für unsere Diskussion relevanteren) Aspekt der Geschlechtsidentität für die Betrachtung des Geschlechts aus. Das hat mit Wissenschaft ebenfalls nichts zu tun; denn dass es von den genannten Aspekten abweichende Geschlechtsidentitäten _gibt_, ist nun einmal auch ein wissenschaftlicher Fakt (und zwar unabhängig davon, welche gehirnorganischen oder physiologischen Zusammenhänge es geben mag). Für den Ausschluss dieses Aspekts geben Sie keinen rationalen Grund an, er ist also völlig willkürlich.

    Auf dieser Grundlage stellen Sie dann eine Belegforderung an mich, die völlig abwegig ist, weil sie mit meiner tatsächlichen, oben klar genannten (und von Ihnen inhaltlich ignorierten) Position einfach nichts zu tun hat. Schließlich habe ich für keinen der von mir benannten Aspekte von Geschlecht behauptet, dass es eine spezifische dritte Ausprägung gäbe, sondern dass die Ausprägungen der verschiedenen Aspekte in manchen Fällen nicht so zusammenfallen, dass es eine klare, die verschiedenen Aspekte umfassende Zuordnung zu "männlich" oder "weiblich" erlauben würde. (Zu ergänzen wäre freilich, dass auch die verschiedenen Einzelaspekte selbst nicht immer eindeutig ausgeprägt sind.) Ihre Scheinfrage nach einer "dritten Art von Keimzellen" ist also purer Unsinn, der von der tatsächlichen Diskussion ablenkt.

    Ihr Beitrag #15 hat also weder etwas mit Wissenschaft zu tun noch mit der Position, gegen die Sie angeblich argumentieren. Und auf _dieser_ Grundlage werfen _Sie_ dann _mir_ eine Ähnlichkeit zu Querdenkere und "Schwurbelwissenschaft" vor … diese Polemik lasse ich in ihrer ganzen selbstentlarvenden Schönheit einfach mal so stehen.

  17. #17 | Stefan Laurin sagt am 12. Dezember 2021 um 18:48 Uhr

    @paule t.: Geschlechter haben mit Reproduktion zu tun. Und bei Säugern (Und viele anderen) läuft die nun einmal über Zweigeschlechtlichkeit. Alles andere sind Variätäten oder Mutationen. Betroffene sind natürlich nicht zu stigmatisieren, wo sie Hilfe wollen muss man ihnen helfen. Aber es ändert schlicht nichts an den Tatsachen: "Jedes Ihrer Gene liegt als Paar vor; Sie haben jeweils eins von ihren beiden biologischen Eltern geerbt. Weitergegeben wurden sie von der Samen und der Eizelle, die im Augenblick der Empfängnis miteinander verschmolzen."
    Nurse, Paul. Was ist Leben?: Die fünf Antworten der Biologie
    Paul Nurse erhielt 2001 den Nobelpreis für die Entdeckung von Schlüsselregulatoren der Zellteilung und -reifung. Er kennt sich schon ein wenig mit dem Thema aus. Im kommenden Jahr wird dies alles meiner Einschätzung nach zu einem bestimmenden Thema werden. A. wegen der Politik (Transseuellengesetz) und b. wegen zahlreicher Bücher, die zu dem Thema erscheinen werden. Wir werden also noch oft darüber streiten.

  18. #18 | Angelika, die usw. sagt am 12. Dezember 2021 um 19:06 Uhr

    "…Ihre Scheinfrage…" so paule t. an S. Laurin.

    Nun … passt ja …

    Ist ja auch nur ein scheinbarer Kulturkampf …

    Mehr Schein als Sein und so …

  19. #19 | paule t. sagt am 12. Dezember 2021 um 21:24 Uhr

    @ #17, Zitat: "Geschlechter haben mit Reproduktion zu tun."
    Ja, richtig. Und außerdem haben sie mit nichtreproduktivem Sex zu tun, mit Mode, mit Ausprägungen anderer körperlicher Funktionen, mit gesellschaftlichen Institutionen, mit Sprache, … Sie zeigen hier also lediglich ihren festen Willen zu der Verkürzung, die ich oben schon festgestellt habe, aber kein neues Argument.
    Und sogar innerhalb dieser Verkürzung übersehen Sie, dass es Menschen ohne Reproduktionsfähigkeit gibt, die also bei diesem einen Aspekt nicht ins binäre Schema passen, und machen damit einen naturwissenschaftlichen Fehler.

    Zitat: "Paul Nurse erhielt 2001 den Nobelpreis für die Entdeckung von Schlüsselregulatoren der Zellteilung und -reifung. Er kennt sich schon ein wenig mit dem Thema aus."
    Ich weiß nicht, ob sich Nurse mit dem Thema Transegender auskennt und welche Meinung er dazu hat. Dem Zitat kann ich es nicht entnehmen, denn darin und in seinem Kontext und, soweit ich sehe, im ganzen Buch geht es nicht um dieses Thema.
    Sie zeigen nur noch ein weiteres Mal, wie Sie Details zu einem Aspekt von Geschlechtlichkeit, nämlich der Reproduktion, für Schlüsse zu völlig anderen Aspekten nutzen wollen, die davon überhaupt nicht mehr gedeckt werden.

    Und dieses Zitat selbst ist übrigens auch nur für den üblichen Ablauf in der Mehrzahl der Fälle richtig, über die Nurse in einer – für ein populärwissenschaftliches Sachbuch zu einem anderen Thema sachgemäßen – Verkürzung schreibt. Tatsächlich gibt es aber nun einmal auch Fälle, in denen Gene (das sind dann meistens die auf Geschlechtschromosomen) eben nicht paarweise, sondern auch mal dreifach oder nur einfach vorliegen. In dem Kontext, in dem das Zitat bei Nurse steht, ist dieses Detail nicht wichtig; in dem ganz anderen Kontext, in den Sie es herüberzerren, schon. Auch hier zeigt sich also, dass ihre angeblich "naturwissenschaftlich geprägte Überzeugung" naturwissenschaftlich fehlerhaft ist.

    Zitat: "Im kommenden Jahr wird dies alles meiner Einschätzung nach zu einem bestimmenden Thema werden. "
    Nun, ich zweifle jedenfalls nicht daran, dass Sie daran mitwirken wollen, es zu einem bestimmenden Thema zu _machen_. Warum auch immer.

    ——————————————————————————

    Um übrigens auf einen anderen Text auf diesem Blog anzuspielen: "Reproduktion" und "Keimzellen" scheinen mir ihre Motte zu sein, in der Sie sich in den letzten Beiträgen verbarrikadiert haben und die zu stürmen ich keinerlei Ambitionen habe. Aussagen, wie man mit dem Thema Transgender gesellschaftlich und juristisch umgehen sollte, sind anscheinend ihr sehr raumgreifender Bailey.

  20. #20 | Stefan Laurin sagt am 12. Dezember 2021 um 21:31 Uhr

    @paule t.: Wenn es um Geschlechter geht rede ich über Biologie – das hat mit Mode, Empfinden oder sonst etwas nun einmal nichts zu tun. Es geht um Naturwissenschaft. Und zur Reproduktionsfähig ein, wie ich finde, gutes Zitat, dass ihren Einwand entkräftet: "Weist der Organismus auf Entwicklungsschritte hin auf die Produktion der einen Art von anisogametischen Keimzellen, gehört er dem einen Geschlecht an; weist er auf Entwicklungsschritte hin auf die Produktion einer anderen Art von anisogametischen Keimzellen, gehört er einem anderen Geschlecht an. (Sogenannte „Paarungstypen“ bei isogametischen Organismen – Menschen sind anisogametisch – werden im Folgenden nicht als „Geschlecht“ bezeichnet.) Empirische These: Es gibt nur zwei Arten von Keimzellen: große (Eizellen) und kleine (Spermien). Schlussfolgerung: Es gibt genau zwei Geschlechter (weiblich und männlich). Diese Definition von Geschlecht und die Zuschreibung der damit verbunden Zweigeschlechtlichkeit, die mit dem Phänomen der Intersexualität logisch völlig vereinbar ist, ist hier nicht neu erfunden worden, sondern findet sich in einschlägigen Lehrbüchern und Fachaufsätzen zur Genetik und Entwicklungsbiologie." https://www.cicero.de/kultur/bundesverfassungsgericht-drittes-geschlecht-auf-den-leim-gegangen-ideologie-ethikrat-geschlechtsidentitaet-biologie-wissenschaft
    In dem Text finden sich die entsprechenden Links. Ich werde Sie Ihnen nicht raussuchen(Den hier dann doch: https://medium.com/arc-digital/is-sex-binary-16bec97d161e) Wie gesagt: Im kommenden Jahr wird das Thema auf diesem Blog sicher häufiger behandelt werden.
    Zu Transgender.
    „Die Antragsparteien halten dem Arbeitskreis vor, die Redner hätten das Gefühl, im falschen Körper geboren zu sein, als Krankheit bezeichnet und davor gewarnt, Transsexualität zu entpathologisieren. Tatsächlich haben sie das. Sie stehen damit auf dem Boden des gültigen Klassifikationsindex psychischer Krankheiten ICD-10.“
    https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/hoersaal/cancel-culture-im-studierendenrat-der-universitaet-halle-17671072.html?premium&fbclid=IwAR3fZJiWsKpLB_e943QBM–69MnziWLCXdO_bBl5Z2REKBrkxG-WaOVnLY0

  21. #21 | abraxasrgb sagt am 13. Dezember 2021 um 09:32 Uhr

    Monty Python war in dem Film "Leben des Brian" viel humorvoller:

  22. #22 | Angelika, die usw. sagt am 13. Dezember 2021 um 10:53 Uhr

    Sie können ja reden, was Sie wollen, Herr Laurin ("…rede ich über Biologie…"), aber es wird wissenschaftlich zu der Frage, um die es in diesem thread u.a. geht (Geschlecht, Geschlechtervielfalt usw.) interdisziplinär gearbeitet. Der Diskurs ist fachübergreifend (Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften).

  23. #23 | Stefan Laurin sagt am 13. Dezember 2021 um 11:20 Uhr

    @Angelika, die usw.: Das ist ja wie bei Corona: Viele ignorieren die Erkenntnisse von Virologen und Medizinern und hören auf Heilpraktiker und andere Gaukler. Soll ich das als Stärke sehen? Was sagt mir ein postmoderne Schwurbler denn zu Reproduktion von Mehrzellern von hunderten von Millionen Jahren? Dass ich sie Mehrzeller*innen nennen und bitte die Einzeller nicht abwerten soll?

  24. #24 | Ernönü sagt am 13. Dezember 2021 um 11:43 Uhr

    Röttgen hat die NRW-Landtagswahl 2012 nicht verloren, weil er die Grünen in ökologischen Fragen überholen wollte, sondern weil er im Falle einer Niederlage in NRW seinen Posten als Umweltminister in Berlin nicht aufgeben wollte.
    Deshalb hat Merkel ihn nach der verlorenen Landtagswahl als Bundesumweltminister entlassen.

  25. #25 | Angelika, die usw. sagt am 13. Dezember 2021 um 13:12 Uhr

    Herr Laurin, ignorieren Sie wirklich die Tatsache, dass wissenschaftlich interdisziplinär gearbeitet wird? (?!) Wenn ja, wie schafft man so etwas? Was können Sie dann alles nicht lesen, zur Kenntnis nehmen, überdenken usw.? Schauen Sie sich doch mal um! Interdisziplinäre Lehre, Forschung an Universitäten usw..

  26. #26 | Der Sofa Hunne sagt am 13. Dezember 2021 um 14:05 Uhr

    Die Loretta von Monty Python hat das Problem voll erfaßt. Eigentlich gehört die gecancelt. Denn die machen sich einen Spaß daraus. Weg damit!

  27. #27 | Stefan Laurin sagt am 13. Dezember 2021 um 14:09 Uhr

    @Angelika, die usw.: es macht schon Sinn wenn bei solchen Fragen Genetiker, Evolutionsbiliogen und Mediziner kooperieren. Aber es ist ein bleibt eine naturwissenschaftliche Frage. Postmoderne Ideologen sind da genau so überflüssig wie die Meinung von Waldorflehrern bei der Pandemiebekämpfung.

  28. #28 | Arnold Voss sagt am 13. Dezember 2021 um 14:22 Uhr

    @ Angelika.. # 22

    Die Biologie lösst sich weder auf, noch ändert sie ihre Erkenntniss dadurch, dass sie mit anderen Wissenschaften zusammenarbeitet. Sie bleibt die Wissenschaft der Biologie. Interdisziplinarität heißt Kooperation, nicht Selbstaufgabe. Sie führt entsprechend zu kooperativen Erlenntnissen, sprich zu Ergänzungen und zusätzlichen Sichtweisen. Z.B. dazu, dass das Gechlecht auch soziale, kulurelle und psychische Dimensionen und Aspekte besitzt. Aber das ändert nichts an der biologischen Definition des Geschlechtes. Wie auch, sind die hinzugefügten Erkenntnisse doch nicht biologischer Art.

    Wenn sie sich also aus gutem Grund mehrer Wissenschaften bedienen, um Geschlechtlichkeit zu erklären, ist das zwar auch wissenschaftlich, nicht aber biologisch. Für die Reproduktion, und damit auch für ihre eigene und meine Existenz, ja für die der ganzen Menschheit, war und ist die Reproduktionsfähigkeit jedoch die conditio sine qua non. Egal was die anderen Wissenschaften zur Geschlechtlichkeit beitragen.

    Das mag jetzt für sie oder z.B. Paule t. selbst im Moment nicht so wichtig sein. Aber für viele Menschen ist die Gebärfähigkeit des weiblichen und die Zeugungsfähigkeit des männlichen Geschlechtes auch hier und jetzt von zentraler Bedeutung für ihr eigenes Leben. Sie verbinden sie sogar mit Liebe, Treue, Fürsorglichkeit und anderen nicht biologischen Aspekten.

    Und natürlich können diese Menschen auch ohne Kinder glücklich oder unglücklich werden, was im übrigen natürlich auch für gleichgeschlechtliche Paare gilt. Aber auch letztere, sofern sie sich ihren Kinderwunsch nicht durch Adoption erfüllen, sind dabei auf den rein biologischen Akt der Zeugung / Samenproduktion und/oder des Gebährens angewiesen, und sie haben auch meistens kein Problem, das genau so biologisch zu sehen.

  29. #29 | Helmut Junge sagt am 13. Dezember 2021 um 14:37 Uhr

    Naturwissenschaftler diskutieren das als Fehler bei der genetischen Kopie, als Kopierfehler, der alle Organe erwischen kann, auch die Sexualorgane.
    Dagegen gehen die Vertreter der sogenannten Geisteswissenschaft heutzutage immer mehr von dem subjektiven Befinden der Betroffenen aus. Die biologische Ursache wird bei ihnen als Mysterium behandelt.
    Den Betroffenen wiederum erscheint ihr Geschlecht überhaupt nicht als soziales Konstrukt, wie es viele gesiteswissenschafler gerne gesehen haben wollen, sondern die gehen zum Arzt und lassen ihren Körper ian hr Gefühl anpassen. Das ist ihnen so wichtig, daß das in Übereinstimmung gebracht wird, daß sie manch eine Prozedur durchzumachen bereit sind. Damit widerlegen sie fast alle bekannten Theorien der Postmodernen Ideologen gleichzeitig. Und die widerum versuchen diese Personengruppe trotzdem für ihre Phantasieideologie zu vereinnahmen.

  30. #30 | Stefan Laurin sagt am 13. Dezember 2021 um 15:00 Uhr

    @Helmut Junge: Butler ist der Ansicht, Geschlecht habe nichts mit BNiologie zu tun: "«Daher kann das Geschlecht keine vordiskursive, anatomische Gegebenheit sein. Vielmehr wird sich zeigen, daß das Geschlecht (sex) definitionsgemäß immer schon Geschlechtsidentität (gender) gewesen ist." Aber ok, sowas ist keine Wissenschaft, sie hat ja keine Belege sondern nur irgendeine Meinung, sondern eher Propaganda. Da geht es nur darum, "Narrative" durchzusetzen.

  31. #31 | Leonardo sagt am 13. Dezember 2021 um 15:45 Uhr

    @paule t.
    mit deinem Hang zur semiprofessionellen Googlejuristerei und deinem Drang naturwissenschaftliche Erkenntnisse gesellschaftlichen Ansichten unterzuordnen, hättest du im Mittelalter eine Bombenkarriere als päpstlicher Inquisator machen können, nur dass der noch kein Google hatte sondern in der Bibel oder bei Thomas von Aquin nachschauen musste.

    Wieso sollte sich die Erde um die Sonnen drehen, wenn jedermann glaubt, die Sonne drehe sich um die Erde….?

  32. #32 | Walter Stach sagt am 13. Dezember 2021 um 16:04 Uhr

    "Transgender" und "ähnliche " Probleme.

    Den Diskurs dazu verfolge ich mit Interesse; mehr "außerhalb" als innerhalb dieses Blogs.
    Für mich dieserhalb absolut uninteressant ist, ob und wie sich dazu z.B. ein Friedrich Merz positioniert hat oder positionieren wird, sollte er CDU-Vorsitzender werden.

    Ob und wie Meinungsverschiedenheiten/Meinungsstreitigkeiten zu "Transgender und ähnliche Probleme" in die Kategorie "Kulturkampf" gehören, wage ich zu bezweifeln.

    Wer in der sog. Kulturelite diesen Meinungsstreit will, wer sich derzeit in besonderer Weise , aus welchen Motiven und mit welchen Zielen auch immer bemüht, diesen Streit zunehmend öffentlich und zunehmend radikal zu führen , ist für mich interessant -mehr aber nicht. Und wem es gelingen könnte, diesen Streit dauerhaft und wirkungsvoll zu dominieren und letztendlich mit welchen Ergebnissen vermag ich nicht einzuschätzen.

    Abzuwarten bleibt m.E. vor allem, ob, wann und wie im alltäglichen Leben einer großen Mehrheit der Menschen hierzulande Themen wie "die gendergerechte Sprache" oder "Transsexualität" belangreich sein werden oder weiterhin so belanglos bleiben wie das derzeit der Fall ist. Ganz zu schweigen von Spekulationen darüber, ob und wann es für die Mehrheitsgesellschaft selbstverständlcih sein könnte, "gendergereccht" zu sprechen oder die herkömmlichen Definition "menschlichen Geschlechtes " hinter sich zu lassen oder ob dieses Themen in absehbarer Zeit für die Mehrheitsgesellschaft wie bisher bestenfalls als Randerscheinungen ihres Alltagslebens registriert werden, als geselschaftliche Diskurse einer "kulturellen Elite" weit weg von den alltäglichen Problemen und von den Zukunftsängsten der allermeisten Menschen -hierzulande und weltweit-.
    .

    Insofern Ende offen? Ja, meine ich.
    Insofern derzeit ein "intellektuelles Spektakel" jenseits der alltäglichen Sorgen und der akuten Zukunftsängste der Mehrheitsgesellschaften weltweit? Ja, meine ich.

    Deshalb hier 'mal wieder das Goethe-Zitat: " Seltsam ist des Propheten Lied, doppelt seltsam, was geschieht."

    Rückblickend auf meine Jugendzeit vor ca. 65 Jahren , in der Homosexualität -Wider die Natur,!! Wider die Biologie !!- u.a. hierzulande nicht nur ein Straftatbestand war, , sondern seitens einer großen Mehrheit der Menschen hierzulande als moralisch verwerflich "verurtelt" wurde und z.B. auch rückblickend darauf, daß die nicht verheiratete Frau mit Fräulein angesprochen werden mußte (!!), daß verheiratete Frauen nur mit Genehmigung ihrer Ehemänner berufstätig sein durften, daß die Eltern sich strafbar machten, wenn sie es ihrer nicht volljährigen Tochter erlaubten -vorsätzlich oder grob fahlässig-, mit ihrem nicht volljährigen Freund unbeaufsichtigt z.B. allein in ihrem Zimmer zu verbringen oder gar dort gemeinsam zu übernachten oder rückblickend darauf, daß seinerzeit Vergewaltigung in der Ehe kein Straftatbestand war, wenn…..; dann gibt mir das Anlass, in die derzeitige Debatte die Frage einzubringen: Was wird in ca. 65 Jahren sein, wenn dann rückblickend auf 2o21 die aktuelle Transgender-Debatte zur Sprache kommen sollte ? Dann in einer "gendergerechten" Sprache? Dann jenseits derzeitiger Definitionen menschlicher Geschlechter/menschlichen Geschlechtes"? Dann möglicherweise mit der Anmerkung : " Heute unvorstellbar, welche Sorgen, welche Probleme die Menschen in den 2o2O er Jahren hatten"?

    Diese Gedanken tragen meinerseits dazu dabei, mich, wenn überhaupt, relativ gelassen mit Themen wie gendergerechte Sprache, mit Transgender-Sexualität usw. zu befassen und mich folglich dieserhalb auch nicht einen vorgeblich laufenden Kulturkampf als Schreckensszenario einzulassen.

    Auf einem für mich "ganz anderen Blatt " steht die Frage, ob sich die Mehrheit der CDU – Mitglieder für Friedrich Merz als neuem CDU-Vorsitzenden entscheiden wird, und zwar entscheidend bestimmt von ihrer aktuellen Meinung darüber, ob Merz am ehesten, am besten in der Lage zu sein scheint, ihre Partei kurzfristig zu stabilisieren und so wiede mittelfristig zu einer "Kanzlerpartei" zu machen bzw. kurzfristig am ehesten Gewähr bietet, die anstehenden Landtagswahlen in 2020 für die CDU zu gewinnen. Ob für die Mehrheit der CDU-Mitglieder bei ihrem Votum für Merz (oder für…) ihre Meinung zu Themen wie "gendergerechte Sprache" oder "Transgender-Sexualität" belangreich sein könnte, wage zu bezweifeln.

  33. #33 | Helmut Junge sagt am 13. Dezember 2021 um 16:09 Uhr

    @Stefan Laurin, nett von dir, auch mal auf meinen Kommentar zu antworten. Stimmt, aber Butler vertritt vermutlich nicht alle sogenannten Geisteswissenschaftler.
    Ich habe bereits 2016 hier bei den Ruhrbaronen über das Thema diskutiert
    https://www.ruhrbarone.de/der-c4-tiger-traegt-jetzt-aluhut/129312
    Damals direkt im Kommentar 1 gegen das Autorenduo. Dafür habe ich von deren Anhängern heftige Kritik bekommen, aber Hilfe von @abraxasrgb, mit dem ich mich anschließend tatsächlich im UPH getroffen habe, um auf der Basis von Kutscheras Buch einen Gegenartikel zu schreiben. Das Buch habe ich gekauft, mit Kutschera einen Emailverkehr gehabt, aber aus dem Artikel ist bislang nichts geworden. Vielleicht kommt da noch was. Aber ich mach mir nicht gern die Arbeit, damit du den Artikel doch nicht online stellst. Was kürzlich ja der Fall war. Du erinnerst dich. Wenn du aber wissen willst, was ich zum Thema zu sagen hatte und habe, kannst du das aus den Kommentaren zum oben angegebenen Artikel sauber herauslesen.

  34. #34 | Angelika, die usw. sagt am 13. Dezember 2021 um 19:19 Uhr

    An Helmut Junge:
    Ist man verpflichtet stets sogenannte Geisteswissenschaften zu schreiben (siehe oben 2x), wenn man sich mal ein Buch von Kutschera gekauft und mit ihm per Mail geplaudert hat? Reichte nicht auch einfach Geisteswissenschaften (Sozialwissenschaft, Kulturwissenschaften, Naturwissenschaften)?

    Die Unterscheidung im englischsprachigen Bereich (sciences, humanities) ist mir bekannt.

    Mir geht es um den deutschsprachigen Bereich. Der Zusatz (sogenannt) wirkt auf mich abwertend.

    Ergänzung:

    Im französischen Sprachraum:
    Sciences et sciences humaines et sociales.

  35. #35 | Angelika, die usw. sagt am 13. Dezember 2021 um 20:26 Uhr

    Ein Artikel bei queer.de vom 9. Dez. 2021:

    "Reaktion auf Koalitionsvertrag
    Ulrich Kutschera warnt vor "Homosexualisierung vieler Lebensbereiche"…"

    https://www.queer.de/detail.php?article_id=40671

    aus dem Artikel:
    Im Koalitionsvertrag der Ampel "…klinge die "destruktive 'Mehrgeschlechter- bzw. Transgender-Ideologie' überall im Hintergrund mit…" (so im Portal "Freie Welt")

    Das Wort Homophobie sei "…ein biologisch unsinniger politischer Kampfbegriff zur Diskreditierung aller jener Personen, die die evolutionär herausgebildete Mutter-Vater-Kinder-Familie verteidigen."
    K. bezeichnete "…Pläne für ein Selbstbestimmungsgesetz als "Frontalangriff gegen Darwin und die natürliche, evolutionär herausgebildete Familie"…"

    "…Kutschera war bis dieses Jahr Professor am Institut für Biologie der Universität Kassel. Die Uni-Leitung hatte sich in Stellungnahmen mehrfach von dem Wissenschaftler distanziert."

  36. #36 | Helmut Junge sagt am 13. Dezember 2021 um 22:20 Uhr

    @Angelika, die usw., ich möchte diejenigen, die Texte auf Wörter abtasten, die sie als Reizwörter betrachten, und die dann dem Gegner um die Ohren hauen, statt inhaltlich zu diskutieren, einfach nicht mitmeinen, wenn ich Geisteswissenschaften schreibe. Wenn ich dafür dann alle miteinander durch das "sogenannte" abwerte, ist das sicher falsch und ungerecht von mir. Aber immer häufiger stammen diese Menschen dem Bereich Geisteswissenschaften. Das war früher nicht so. Jetzt ist es aber so. Eine solche Vorgehensweise hat aber nach meiner Überzeugung, die Sie @Angelika, die usw. ja nicht teilen müssen, nichts mit dem Geist zu tun. Wie aber kann ich die meinen und gleichzeitig ausgrenzen? Es ist einfach schwierig. Sobald ich den Eindruck habe, daß sich das bei denen ändert, werde ich auch wieder auf die älteren Bezeichnungen zurückgreifen. Mir gefällt das ja selber nicht. Es ist eine provisorische Bezeichnung.

  37. #37 | Helmut Junge sagt am 14. Dezember 2021 um 10:40 Uhr

    @Angelika, die usw. (35), ich habe mir den Artikel, den Sie verlinkt haben komplett mit derzeit 28 Kommentaren durchgelesen. Interessant, aber wer hat diesen Artikel geschrieben?
    Da steht kein Name eines Autors.
    Kutschera geht seine eigenen Wege und liebt offenbar die Auseinandersetzung. Meine Wege werden das nie sein. Aber seine anonymen Gegner? Sollte ich mich mit denen solidarisieren?
    Falls Friedrich Merz als künftiger CDU-Anführer in seinem Kulturkampf die Position von Kutschera übernehmen sollte, werden es seine bislang anonymen Gegner schwer haben, sich aus der Deckung dieser vorsichtigen, ja ängstlichen Position erfolgreich zu äußern. Dann müssen sie offen verteidigen, wofür sie stehen, oder sie lassen es sein. Nur anonym gegen Spitzenpolitiker Politik zu machen, klappt nicht.

  38. #38 | abraxasrgb sagt am 14. Dezember 2021 um 11:53 Uhr

    #36 Helmut … ich werde ja nicht müde darin immer wieder auf den Unterschied zwischen Sozialwissenschaften einerseits und Geisteswissenschaften andererseits hinzuweisen 😉
    Dieser Unterschied, den es in der anglosaxonischen Tradition so nicht gibt, ist meines Erachtens nach fundamental.

  39. #39 | abraxasrgb sagt am 14. Dezember 2021 um 12:07 Uhr

    Wie wäre es, wenn man sich an die Unterscheidung der Queeren Denker hält und den Terminus "Sex" für die Fortpflanzung und Biologie benutzt und "Gender" für die erotische Präferenz? Letztere kann man haben, aber man sollte sie nicht zur Identitätskonstruktion vor sich hertragen 😉
    Erotik und Sex haben dann auch nur bedingt etwas miteinander zu tun … Erotik ist auch bei heterosexuellen Menschen (es müssen ja nicht nur Zweierpaare sein) meistens nicht mit Fortpflanzung gekoppelt Ganz im Gegenteil, die Möglichkeit der Kontrazeption hat ja zur Blüte der Erotik geführt.

    Eine erotische Präferenz zu haben ist ja sicherlich lustvoll, aber …

    Es ist in Ordnung, eine zu haben.

    Es ist in Ordnung, stolz darauf zu sein.

    Aber bitte hole sie nicht in der Öffentlichkeit raus und wedele damit herum.

    Das gilt auch für cis-heteronormative und das ist auch gut so 😉
    Ob die eigene erotische Präferenz von der Mehrheit geteilt wird, sollte einem schlicht egal sein. Hauptsache es macht Spaß (bzw. nicht, wenn man Maso ist) 😉
    Was & wie und mit wem andere Menschen es treiben(sic!), kann gerne ihre Privatsache bleiben. Wieso sollte es mich auch interessieren, es sei denn, ich hätte ein erotisches Interesse an ihnen. Das ist aber bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen eben nicht der Fall, da bin ich sehr selektiv.

  40. #40 | Angelika, die usw. sagt am 14. Dezember 2021 um 12:10 Uhr

    #37
    Ah! War mir gar nicht aufgefallen (Autor, Autorin nicht genannt).

    "…Kutschera geht seine eigenen Wege…"

    Ja, kann man so sagen …
    U.a. Interviews für kath.net.

    Da sind merkwürdige Allianzen.
    Der Atheist Kutschera, die kath. Hardliner von kath.net.

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