Eine Fußballschule auf ‚Hoher See‘ – Verliert der BVB nun die Bodenhaftung?

Torwarttrikot des BVB, Saison 2011/2012
Torwarttrikot des BVB, Saison 2011/2012

Soeben landete eine Pressemeldung des BVB auf meinem Schreibtisch, welche ich zunächst gar nicht so recht glauben mochte. Aber da findet nun im kommenden Herbst wohl tatsächlich eine Fußballschule der Borussia auf dem Kreuzfahrtschiff AIDA statt. Lieber BVB, ist das echt Euer Ernst?

Die Borussia hat sich immer durch ihre Volksverbundenheit, ihre Wurzeln in der einfachen Ruhrgebietsbevölkerung und das dazugehörige ‚Malocherimage‘ ausgezeichnet. Dass das im Laufe der Zeit natürlich ebenfalls einem gewissen Wandel unterworfen ist, ist dabei auch mir klar.

Die Zeiten ändern sich eben. Auch die Fans der Borussia arbeiten heutzutage eben nicht mehr überwiegend im ‚Pütt‘, oder am Hochofen bei Hoesch. Schon klar. Zugegeben!

Aber eine BVB-Fußballschule auf der Aida? Geht es noch versnobter? Hört mir doch auf!

In der dazugehörigen Pressemeldung heißt es u.a:

„Borussia Dortmund betritt neues und zugegeben – feuchtes – Terrain: die Meere der Welt. Der Deutsche Meister von 2011, Double-Sieger 2012 und Champions League-Finalist 2013 sticht bald gemeinsam mit seiner Evonik-Fußballschule und AIDA Cruises in See. Künftig werden jeweils in den Schulferien 7- bis 10-tägige „AIDA BVB-Soccer-Camps“ angeboten. Am 26. Oktober läuten 60 Jungen und Mädchen in Begleitung ihrer Eltern und eines professionellen Trainerteams der Evonik-Fußballschule des BVB die Premiere ein. Dann heißt es: Leinen los für eine echte Vollgasveranstaltung!

Mit dem Kreuzfahrtschiff AIDAsol geht es ab Hamburg unter anderem in Richtung England, wo dem Wembley-Stadion (Schauplatz des diesjährigen UEFA Champions League-Finals) ein Besuch abgestattet wird. In London erwartet die Kinder eine exklusive Stadionführung mit einem Überraschungsgast sowie ein Fußball-Turnier direkt neben dem riesigen Oval. Weitere Highlights der Reise sind ein Training auf dem Klubgelände der weltberühmten Fußballschule von Ajax Amsterdam sowie ein Ausflug nach Paris, wo 2016 das Finale der Fußball-EM stattfinden wird. Im Prinzenparkstadion besichtigen die Nachwuchskicker der Evonik-Fußballschule des BVB die Wirkungsstätte von Superstars wie David Beckham und Zlatan Ibrahimovic. Ausflüge nach Zeebrügge/Belgien, Beachsoccer-Turniere am Nordseestrand sowie ein Vorprogramm bei Hamburgs Derby-Rivalen Hamburger SV und FC St. Pauli runden diese einmalige Kreuzfahrt ab.

Zusätzlich verwandeln sich das Sport- und Sonnendeck an Bord von AIDAsol in kleine Fußball-Arenen, wenn die Kids mitten auf dem Meer zu ihren Trainings und Turnierspielen antreten – abends sogar unter Flutlicht. Auch im Fitnessbereich und auf dem Jogging-Parcours sind Aktivitäten und Wettbewerbe der Evonik-Fußballschule des BVB geplant. Obendrein werden exklusive Gesprächsrunden mit Stargästen an Bord geboten.   Im vergangenen Jahr trainierten sogar japanische Nachwuchskicker in Tokio und Yokohama unter der Anleitung professioneller BVB-Trainer.“

Liebe Leute bei der Borussia, ist das so noch unser BVB? Wollt Ihr diese Richtung wirklich so radikal einschlagen? Hätten es dann in diesem Fall nicht zunächst auch ein paar Entwicklungsstufen weniger getan?

Aber anscheinend wollt ihr sie ja nun unbedingt, die ‚Kohle‘ der neureichen BVB-Erfolgsfans.

Ich persönlich finde diese rasante Entwicklung allerdings recht erschreckend!

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3 Kommentare

  1. #1 | Hans sagt am 8. Juni 2013 um 09:13 Uhr

    Ich denke, den Kindern und Jugendlichen dürfte diese Thematik ziemlich egal sein. Die haben Bock auf Fußball und ihre Eltern sind froh, dass sie ihrem Anhang schöne und für sich selbst stressfreie Ferien bieten können.

    Fußballschulen diverser Ex-Profis können sich schließlich auch nicht alle leisten…

  2. #2 | Hans sagt am 8. Juni 2013 um 09:21 Uhr

    Für einen Kinder-Förderkurs zahlt man beim BVB auch schon über 100 Euro, 5 Tage Feriencamp mind. 200 Euro…

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 8. Juni 2013 um 15:15 Uhr

    @Hans: Das stimmt. Aber hier geht es noch einmal um eine ganz andere Hausnummer, was die Finanzen betrifft. Hatte gestern dazu eine kleine Diskussion mit einem alten Schulfreund. Der meinte das sei alles Taktik um auch die Kinder der Reichen für den BVB zu begeistern und die zukünftigen Südtribünen-Besucher zu ‚infizieren‘. Klingt auch nachvollziehbar. Aber mir ist das für BVB-Verhältnisse trotzdem zu ‚großkotzig‘ mit der AIDA.
    Aber wer es braucht… und vorallem zahlen kann.

    Bei uns in Eving nebenan, wo ich Anfang der 70er-Jahre noch gelebt habe, hat früher, wie mir meine Eltern mal erzählt haben (ich war da noch zu klein), Michael Zorc mit anderen Jungs der Gegend auf der Straße gekickt. Ist auch ohne Training auf der Aida offenkundig was draus geworden. 😉 Egal, genug Fußballnostalgie für heute. 🙂

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