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Eine Teilöffnung der Fußballstadien würde den Fans nicht wirklich helfen

Ultras in Aktion. Foto: Daniel Jentsch

Am Sonntagabend wurde im Rahmen der TV-Sendung ‚Sky90‘ angesprochen, was Fußballfans sich schon lange fragen: Wann dürfen, in Anbetracht der derzeit stattfindenden Corona-Lockerungen, denn auch zumindest einige Fans wieder in die Stadien?

Bei Gastgeber Patrick Wasserziehr diskutierten Ex-BVB-Torwart Roman Weidenfeller, Bayern-Vertreter Oliver Kahn und Journalist Tom Bartels über eine Möglichkeit die Arenen schon bald wieder für Publikum zu öffnen. Ein Ansinnen, für das Jens Lehmann im Sport1-Doppelpass noch vor wenigen Wochen übel gescholten und sogar ausgelacht wurde. Inzwischen ist der Gedanke jedoch wohl gar nicht mehr so abwegig. Wenn die Runde auch (natürlich) nicht allzu konkret wurde, in einem waren sich alle einig: Je eher, je besser!

Tatsächlich stellt sich ja anhand der vielen positiven Nachrichten rund um Corona in jüngster Zeit inzwischen auch die Frage, warum Fußballfreunde noch nicht wieder zu ihren Lieblingen in ein Stadion dürfen, wenn das restliche gesellschaftliche Leben in Deutschland in diesen Tagen schon fast wieder vollumfänglich Fahrt aufnimmt.

Flugzeuge starten wieder, erste Konzerte finden wieder statt, Gaststätten öffnen schrittweise. Warum also soll, bei entsprechenden Abständen und Hygieneregeln natürlich, in einem Fußballstadion nicht in absehbarer Zeit wieder funktionieren, was im Rest der Freizeitgesellschaft in diesem Lande statthaft ist.

OIiver Kahn bezifferte das Fassungsvermögen der Münchener Arena beim aktuellen Hygienekonzept am Sonntag grob geschätzt auf rund 10.000 Zuschauer. Das klang doch schon einmal recht vielversprechend. Diese gruseligen Geisterspiele möglichst bald zumindest durch Spiele mit weniger Fans als früher üblich zu ersetzen? Da wäre natürlich jeder erst einmal erfreut.

Doch ganz so einfach ist die Sache dann leider auch nicht. Der BVB zum Beispiel hatte zuletzt alleine rund 50.000 Dauerkarteninhaber. Sollte auch das Stadion in Dortmund unter den aktuellen Bedingungen auf ein ähnliches Fassungsvermögen kommen wie das in München, wer bitteschön soll dann festlegen wer diese gut 10.000 Glücklichen sind? Ein ‚Hauen und Stechen‘ um die wenigen Tickets für die Begegnungen wäre zu erwarten.

Aufgrund der Abstandsregeln dürften Stehplatzinhaber dafür eh nicht ernsthaft in Frage kommen. Zumindest nur sehr wenige von ihnen. Für Ultras und ähnlich engagierte Fankurvenbesucher eine Horrorvorstellung.

Zu befürchten wäre wohl, das in erster Linie gutbetuchte Sitzplatzbesucher den Zuschlag bekommen würden. Schon während der Geisterspieler der vergangenen Tage, sah man viele Promis in den Stadien. Von Clemens Tönnies bis hin zu Franz Beckenbauer. Vereinsvertreter ihres Kalibers konnten auch in diesen Zeiten schon Fußball im Stadion sehen, obwohl ihre Anwesenheit für die Durchführung eines Geisterspiels nicht notwendig gewesen wäre.

Wem also würde das Privileg zugesprochen einer der wenigen Zuschauer im Stadion zu sein, wenn die Kapazität zwar erhöht, aber doch auch weiterhin auf einen Bruchteil der ‚normalen‘ Zuschauerzahl beschränkt bliebe?

Sicherlich nicht denen, die sich selber zu den leidenschaftlichsten Anhängern der Vereine zählen. Die knappen Karten gingen mit Sicherheit an gut dafür zahlende Menschen, womöglich mit entsprechenden Beziehungen. Will man das? Wäre das zu vermitteln? Wäre das eine Lösung die dem Fußball am Ende hilft und nicht nur die bestehenden Konflikte weiter anheizt?

So vielversprechend die am Sonntag bei ‚Sky90‘ begonnene Debatte einen also auch stimmen könnte, in Reihen der Besucher der Fankurven wird weiterhin viel Geduld gefragt sein, bevor auch sie wieder ihr Team vor Ort aktiv unterstützen können. Eine Teilöffnung der Stadien würde die einfachen Fans mit hoher Wahrscheinlichkeit weitestgehend außen vor lassen, in erster Linie den aktuell darbenden Vereinskassen dienen.

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