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››Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es auf Schalke den nächsten Rückschlag für den BVB gibt.‹‹

Die Geschäftsstelle von Schalke 04 - kann das Team gegen den BVB am Samstag etwas ausrichten? | Foto: Peter Hesse

Kann Schalke 04 gegen den BVB am Samstag etwas ausrichten? | Foto: Peter Hesse

Hier kommt wieder unsere Bundeliga-Vorschau. Unsere Autoren Robin Patzwaldt und Peter Hesse unterhalten sich zum 22. Spieltag über die Hackordnung an der Tabellenspitze, die Personalie Marco Rose, das unstete Agieren von Borussia Dortmund und das Ende von Trikotausrüster Umbro bei Schalke 04.

Peter Hesse: Hallo Robin, vor einer Woche schrieb der Autor Johannes Ehrmann in der Zeit ein längeres Feature über Borussia Dortmund. An diesem Satz bin ich hängen geblieben: „Und doch wäre es nicht nur den Fans der Borussia zu wünschen, dass ihr Club sich seiner mythischen Altlast, seiner emotional-nostalgischen Fixierung auf Klopp entledigt und einen Weg in eine unbefangene, selbstbestimmte Zukunft findet. Die Bundesliga hätte mehr Konkurrenz verdient.“ Sicher hätte die Bundesliga mehr Konkurrenz verdient, aber wer behauptet denn, dass diese unbedingt aus Dortmund kommen muss? Vielleicht kommt sie ja demnächst auch aus Leipzig, eventuell sogar aus Frankfurt, Leverkusen oder Wolfsburg?

Robin Patzwaldt: Hallo Peter! Aufgrund der Finanzkraft wäre es enttäuschend, wenn der erste Rivale der Bayern nicht aus Dortmund käme. Der Kader des BVB ist der Zweitteuerste der Liga, sollte also unter den ersten Vier landen. Natürlich muss das nicht auf ewig so bleiben. Gute Arbeit wird belohnt und hat ja auch den BVB nach der Fast-Pleite vor rund 15 Jahren zurück in die europäische Spitze gebracht. Aktuell droht das Ganze aber wieder ein Stück weit verspielt zu werden, was ich als Dortmunder natürlich sehr bedauern würde.

Berti Vogts kritisiert den Wechsel von Marco Rose zum BVB | Quelle: Wikipedia / Eminn / CC BY-SA 3.0

Peter Hesse: Ex-Nationaltrainer Berti Vogts hat gestern in seiner Kolumne bei t-online den Wechsel von Marco Rose zum BVB stark kritisiert. Er schreibt dort, dass Kader der beiden Klubs aktuell ähnlich gut besetzt sind, und dass er „seine“ Borussia sogar etwas stärker findet. Außerdem schreibt Vogts: „Die Chance, in den kommenden Jahren einen Titel zu gewinnen, ist mit Gladbach sogar größer als mit Dortmund. Das Umfeld handelt besonnen, die jungen Spieler entwickeln sich noch. Die Fan-Euphorie um den Verein ist längst neu entfacht. Beim BVB hingegen liegt Vieles im Argen.“ Ich finde das auch. Schaut man sich die letzten drei Ablösesummen für Trainer an, die der BVB hinlegte (Bosz kam 2017 für 5 Millionen von Ajax Amsterdam, Lucien Favre 2018 für drei Millionen aus Nizza und der Wechsel von Rose kostet nochmal über 5 Millionen Euro) sind das alleine 13 Millionen für drei Trainer in vier Jahren. Das System Watzke probiert sich mit voller Wucht den Erfolg zu erkaufen – das wirkt nicht sympathisch und erfolgreich ist es ja auch nicht. Und die Besonnenheit, die Vogts bei den Gladbachern anspricht, ist in Dortmund abhanden gekommen.

Robin Patzwaldt: Vogts sollten wir hier nicht weiter thematisieren, finde ich. Grundsätzlich ist der BVB sicherlich noch eine größere Nummer als Mönchengladbach. Rose wird ja auch seine Gründe haben, dass er sich so entschieden hat. Natürlich schrumpft die Position der Dortmunder aktuell. Insgesamt ist die Strahlkraft aber schon noch größer, wie ich finde. Sowas verschiebt sich ja nicht in ein oder zwei Jahren. Natürlich muss es immer wieder erarbeitet und gepflegt werden, wenn man die Nummer zwei in Deutschland sein – und auch bleiben will. Dass der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Wechsels ungünstig war und ist – na klar. Darüber habe ich ja kürzlich auch schon im Blog geschrieben. Aber ich kann Rose verstehen, und das sage ich nicht als BVB-Fan, sondern mit einem distanzierteren Blick. Willst du als Trainer eine große Nummer werden, so wie Klopp, ist der Weg über den BVB sicherlich der Bestmögliche. Ich würde die Chancen in diesem Klub sogar besser als bei den Bayern einschätzen. Denn da kannst du fast nur enttäuschen, wie ja kürzlich auch der Kovac miterleben musste.

Peter Bosz war einer von zu vielen BVB-Trainern in der Ära nach Klopp | Foto: Robin Patzwaldt

Peter Hesse: Wer gibt dir denn die Gewissheit, dass es mit Rose klappt? Was passiert, wenn er so scheitert wie Bosz oder Stöger – das Risiko ist da. Oder etwa nicht?

Robin Patzwaldt: Welche Trainerverpflichtung wäre denn ohne Risiko? Keine! Der BVB hätte damals Tuchel behalten sollen. Aber das Thema hatten wir ja schon….

Peter Hesse: Es ist wie es ist: Rose kommt, Terzic rückt als Co-Trainer ins zweite Glied zurück. Ich nehme das an als Tatsache, aber richtig gut finde ich das nicht. In meiner Wahrnehmung hätte Rose in Gladbach bleiben sollen – aber es ist ja auch nur meine Meinung. Was hingegen ziemlich einzigartig war, das war die BVB-Leistung in Sevilla. Das Team bot sehr laufstarken Powerfußball, ein dichtes und geschlossenes Mittelfeld, dazu wenig Abwehrfehler. Dazu hin und wieder ein sehr hohes Tempo und über weite Strecken Siegeswillen und Zielstrebigkeit, die man in den letzten Wochen bei den Schwarzgelben zu oft vermisst hat. Kann der BVB diesen Schwung ins Derby rüber retten – oder haben wir Dortmunder am Samstag wieder alle lange Gesichter?

Robin Patzwaldt: Das vermag ich nicht zu prognostizieren. Mich hat der Sieg in Spanien auch gefreut. Aber solche Highlights hatten wir zuletzt ja schon häufiger beim BVB. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass es auf Schalke am Samstag den nächsten Rückschlag gibt. Terzic hat es nach Favre leider auch nicht verstanden, das Team weiter zu festigen und zu stabilisieren. Insofern finde ich es auch gut, dass der BVB noch einmal zur neuen Saison den Trainer wechseln wird. Ich hoffe nur, dass Rose dann in der kommenden Spielzeit nicht ohne internationale Spiele starten muss. Das hätte nämlich mit Sicherheit zur Folge, dass der Kader ausgedünnt werden müsste. Und das würde die Zukunft des Vereins gefährden, oder zumindest die Ambitionen zurückwerfen.

Fan-Artikel, wie dieser Schalke-Gartenzwerg, sind kostspielige Accessoires | Foto: Peter Hesse

Peter Hesse: Vom Gefühl her glaube ich auch, dass es morgen auf Schalke ein schweres bis zerfahrenes Spiel werden könnte, wo es lange Zeit unklar ist, wer die Punkte mit nach Hause holt. Aber ein Hellseher bin ich natürlich auch nicht. Schalke hat gestern Abend angekündigt, nur noch bis zum 30. Juni 2022 mit ihrem Trikothersteller Umbro zusammenzuarbeiten – und nicht wie geplant bis 2023. Dieser Deal liegt vor allem an zu schlechten Trikotverkäufen, da waren die Erwartungen höher. Ich glaube der reguläre Fan hat nach einem Jahr Corona-Pandemie gerade ganz andere finanzielle Sorgen. Da wird ein Leibchen mit dem Schriftzug von Stambouli oder Kolasinac erst viel weiter hinten nach der Strom-Rechnung, erhöhten Heizkosten durch den Wintereinbruch und anderen Ausgaben auf der Agenda stehen. Denn man sollte nicht vergessen, wie viele Leute gerade auf Kurzarbeit sind oder deren wirtschaftliche Existenz im Moment komplett im Argen liegt.

Robin Patzwaldt: Das sehe ich an mir selber. In ‘normalen’ Spielzeiten hatte ich mich zuletzt mit den BVB-Trikots der Saison bis um Weihnachten herum eingedeckt. In dieser Saison habe ich noch keines gekauft. Ich warte gerade darauf, dass die reduziert werden. Das ist gegen Ende der Spielzeit ja immer so. Ich möchte meine Sammlung an der Stelle schon noch komplettieren. Trotz Corona und der Tatsache, dass man es dieses Jahr ja gar nicht wirklich hätte anziehen können…. also, als Fan. Zumindest wird die Runde ausgetragen. Ansonsten wäre die halbe Liga jetzt wohl Pleite. Was Schalke betrifft: da haben ja von Anfang an viele Fans gemeckert, als der Klub zu diesem Ausrüster gegangen ist. Der BVB hat da mit dem Puma-Deal sicherlich einen besseren Fisch an Land gezogen als der königsblaue Nachbar.

Peter Hesse: Der FC St. Pauli hat ja mit der Marke “DIIY” seine eigene Trikot-Kollektion auf den Weg gebracht – und diese wird ab Mai 2021 erhältlich sein. Ich finde das eine gute Sache. Oke Göttlich, der Präsident vom hanseatischen Kiezclub, sagte dazu: “Unsere Eigenständigkeit und die Suche nach neuen Wegen haben den FC St. Pauli schon immer ausgezeichnet. Mit der eigenen Teamsport-Kollektion verfolgen wir also weiter konsequent unseren Weg der Unabhängigkeit.” Vielleicht sollte der FC Schalke 04 auch mal in dieser Richtung überlegen – aber sowas ist natürlich ein Haufen Mehrarbeit – und dafür braucht man auch echte Experten. Ansonsten wünschen wir wie immer einen spannenden Spieltag! Ich freue mich trotz aller Widrigkeiten auf das Derby – und hoffe auf einen spannenden Spieltag. Hauptsache kein 4:4 nach 4:0 Führung – wie noch im November 2017…

 

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Ein Kommentar zu “››Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es auf Schalke den nächsten Rückschlag für den BVB gibt.‹‹

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    Walter Stach

    Als "alter" BVBer…..
    Der Sieg des BVB in Sevilla war für mich eine große Überraschung. Um so mehr habe ich mich über ihn gefreut.
    Werde ich nach dem Spiel am Samstag gegen So4 Gleiches sagen können?

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