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Es werden immer weniger Bücher gekauft – Lest ihr noch?

Bücher


Es werden immer weniger Bücher verkauft, die Branche hat ein Problem. Eine Folge ist der Zusammenschluss der beiden großen Buchhandelsketten Thalia und Mayersche. Zwar sollen erst einmal keine Filialen geschlossen werden, aber ob sich das durchhalten lässt, wird man sehen. Natürlich wissen wir, dass Ruhrbarone-Leser zu den klügsten Menschen überhaupt gehören. Aber lest ihr noch und wenn ja, was und wie oft? Wir haben mal vorgelegt und über unsere Lesegewohnheiten berichtet:

Robert Herr Schon in sehr jungen Jahren war Lesen eine meiner großen Leidenschaften. Alles begann damit, dass meine Eltern beim Vorlesen immer an den spannendsten Stellen aufhörten und ich beschloss, mir das nicht länger gefallen zu lassen. Als ich alt genug war, um eine Bibliothekskarte zu erhalten, suchte ich jeden Monat die Stadtbibliothek heim und schleppte in IKEA-Tüten Bücher nach Hause.

Obwohl ich die Haptik und den Geruch echter Bücher sehr mag und meine ganze Wohnung mit Bücherregalen zugestellt ist, lese ich dennoch auch sehr gern E-Books. Ein Kilobyte ist schlussendlich leichter als ein Kilogramm. Mit meinem „Kindle Unlimited“-Abo habe ich permanent Zugriff auf 1 Millionen E-books und ich möchte es ehrlich gesagt nicht missen. Genauso wenig wäre ich aber bereit, auf das Stöbern in Buchläden, Antiquariaten oder Flohmärkten zu verzichten.
Echte Bücher werden in Zukunft vermutlich durch die großen Fortschritte im E-Book-Bereich immer nischiger werden. Ganz aussterben werden sie mit Sicherheit auf absehbare Zeit nicht. Auf ein Buch kann man immer zugreifen, unabhängig von Strom- oder Internetzugang.

Peter Hesse Anfang der 1990er Jahre haben die großen Unterhaltungselektronik-Ketten die Vinyl-Abteilung aus ihrem Repertoire geschmissen – und seit zwei bis drei Jahren ist bei Media Markt oder Saturn Hansa zu beobachten, dass diese wieder größer werden. Sogar bei Kaufland kann man wieder Schallplatten von Nirvana oder Cypress Hill kaufen, das schwarze Gold für jeden Musikliebhaber. Ich habe mich jahrelang an der Nase herumführen lassen, mein CD-Regal wuchs ab 1994 zu einer gigantischen Sammlung. Habe gerade erst wieder einen großen Stapel aus dem Auto mit hoch gebracht, den ich zurück sortieren muss.

Was das mit dem Buchmarkt zu tun hat? Nun, wie bei der Musik brauche ich etwas, was ich anfassen kann. Ich bin Fan von Produkten und stehe einfach auf gebundene Bücher. Die Haptik, der Geruch, das Material spielen die formale Hauptrolle – und darüber stehen die Phantasie, sowie der Inhalt und das weltmeisterliche Wissen, was zwischen zwei Buchdeckeln steckt. Anders als bei meinen musikalischen Vorlieben habe ich mir noch keinen digital Reader oder einen Kindl etwa gekauft – und habe das auch nicht vor. Denn sicher wird es bei Aldi in ein paar Jahren gebundene Werksausgaben von Döblin und Dostojewski geben. Stimmt nicht? Warten wir es einfach mal ab. Denn im Kaufland eine Biohazard-Nachpressung in den Händen zu halten ist für meinen Geschmack ziemlich bizarr. Nur ist das inzwischen Realität.

Michael Kolb  Ja, ich gebe es zu, auch ich bin dafür verantwortlich, dass weniger Bücher verkauft worden sind. Allerdings liegt das nicht daran, dass ich weniger lesen würde, eher im Gegenteil. Da sind zum Teil die handgestoppten 10 Regalmeter Klassiker, davon ein Meter Reclam, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben und die noch gelesen werden wollen… Okay, 10 Meter sind vielleicht übertrieben, in Wahrheit sind es nur 9, aber das ist nicht der Punkt, „neue“ Bücher interessieren mich einfacht nicht so sehr, sind es doch meist eh nur Variationen der handvoll Geschichten und Rezepte, die eh schon im Regal oder in der Küche stehen.

Interessiert mich doch mal ein neues Buch, so ist es meist nicht nur einfach ein teurer gewordenes Buch, sondern in der Regel ein verdammt sauteures Buch, das sich mit irgendeiner Orchideenwissenschaft beschäftigt. Da ich nicht nur konservativ bin, was die Inhalte angeht, sondern auch noch kniepig, hilft mir in diesem Fall der Ausweis der Stadtbibliothek. Fernleihe, Onleihe, das volle Programm. Das hat zudem den Vorteil, dass Leihfristen die Lesedisziplin ungemein erhöhen und Bücher nicht einfach nur auf dem Stapel landen… auf einem der Stapel landen.

Aber natürlich trägt auch das Internet bei mir dazu bei, dass ich weniger Bücher kaufe. So „modern“ das Medium Internet, mit allen seinen Nischen, Bereichen, Netzwerken, auch immer sein mag, am Ende wird gelesen. Messages, Nachrichten, verlinkte Beiträgte, eigene Recherchen, obskure Tutorials in irgendwelchen Foren, alles Texte, die gelesen werden müssen, die gelesen werden wollen. Und so kommt es zu dem Phänomen, dass am Ende des Tages wahlweise schon zu viele Buchstaben im Hirn sind oder dass einfach nicht genug Tag übrig ist, um auch noch ein Buch zu lesen.

Stefan Laurin Seit meiner Kindheit lese ich viel und bis 2013 waren das ganz normale Bücher. Ich verbrachte viele Stunden in Buchhandlungen und Antiquariaten. In meinem Arbeitszimmer und meinem Wohnzimmer stehen nun Schränke und Regale voller Bücher. Aber 2013 änderte sich etwas. Ich lese seitdem nicht weniger, im Gegenteil, es wird eher mehr, aber es sind nur noch im Ausnahmefall normale Bücher. Erst auf dem iPad und nun auf dem Kindle lese ich eBooks. Ich bekomme, was ich will, wann ich es will, kann die Schriftgröße einstellen, habe immer mehrere Bücher dabei und kann Anmerkungen und Markierungen am Rechner nachsehen. Was praktisch ist, wenn ich aus einem Buch zitieren möchte. Ein ganz großer Vorteil ist der Zugriff auf englischsprachige Bücher, die als eBook zudem deutlich günstiger als die Print-Ausgaben sind.

Anlass des Wechsels auf eBooks war, dass die Mayersche Buchhandlung in Bochum ihr Angebot massiv ausdünnte. Stofftiere, DVDs, Geschenkartikel und Backutensilien verdrängten damals zunehmend die Bücher. Beim Stöbern, das ich wirklich liebte, wurde ich immer seltener fündig. Bei Amazon finde ich hingegen immer ein Buch, das ich lesen will – und wenn ich nichts Neues finde ist da ja noch meine umfangreiche Liste. Und wie das so ist: Bücher waren mein Amazon-Einstieg. Heute kaufe ich dort sogar Staubsaugerbeutel.

Thomas Meiser Lesen? – Ich kenne diese sogenannten Bücher auch noch von früher. Ich lese, seit ich vier bin. Seltsamerweise konnte ich lesen vor der Einschulung, Ganzheitsmethode im Kindergarten, ich war gierig nach diesen sogenannten Büchern. Und Heften. Soviel großes Leben. Und viel Phanasie. Die Stadtbücherei bzw. deren Zweigstelle machte um zehn Uhr morgens auf, manchmal hab ich die Schule sausen lassen, um dort zu lesen. Das Heft ‚Hobby‘ war seinerzeit ein großes Ding am Lesetisch: optimistische Zukunftsentwürfe, alles mit großen Raketen zum Mars. Dann natürlich Enid Blyton – in der Zweigstelle der Bücherei durfte man nur zwei von deren Bücher pro Woche ausleihen. So groß und reglementiert war die Nachfrage in der Jugendbücherei in Rheinhausen. Später durfte ich im verwaschenen Trainingsanzug in die Erwachsenenbibliothek gehen, in Duisburg sind nämlich die öffentlichen Büchereien nach Alter getrennt. Das war dann aber auch der Übergang meiner Rezeption nach der Gruppe 47 – trotzdem bleibt für mich T.C. Boyle der beste Erzähler der Welt.

Robin Patzwaldt Zu den ganz großen Buchlesern in diesem Lande zähle ich mit Sicherheit nicht. Wenn ich zu Büchern greife, dann sind es vielfach Sachbücher. Vor allem im Sportbereich beobachte ich den Bereich der Neuerscheinungen regelmäßig, habe mir angewöhnt die spannendsten Entdeckungen auch hier im Blog in unregelmäßigen Abständen vorzustellen. In der fußballfreien Zeit, so wie aktuell, beschäftige ich mich an den Wochenenden gerne mit aktuellen Büchern. Inzwischen habe ich eine ganz ansehnliche Sportbuchsammlung zusammengetragen. Auch für Fotobände kann ich mich immer wieder begeistern.

Ich kaufe meine Bücher sowohl online als auch in den Buchhandlungen in Dortmund und Umgebung. Wenn ich in der City meiner Heimatstadt bin, dann stöbere ich dort gerne etwas herum, kaufe dort regelmäßig reduzierte Mängelexemplare oder Auslaufmodelle. Neuerscheinungen beziehe ich im Regelfall durch den Onlinehandel. Das hat den Vorteil, dass ich sie am Erscheinungstag ohne Mehraufwand im Briefkasten habe. Ich habe bisher ausschließlich gedruckte Bücher. E-Books sind nicht das Meine. Ich muss etwas gedrucktes in den Händen halten, was auch etwas damit zu tun haben mag, dass ich ursprünglich mal eine Ausbildung zum Verlagskaufmann absolviert habe.

Sebastian Weiermann „Es gab nichts mit US-Präsidenten.“ Ein Satz, der mein Weihnachten ein wenig traurig gemacht hat. Seit ein paar Jahren haben meine Frau und ich die Tradition, kurz vor Weihnachten in den Buchladen der Obdachlosen – NGO „BoDo“ zu gehen. Jeder von uns sucht fünf Bücher für den anderen aus, am Weihnachtsabend wird gestaunt. Eine Tradition, die die Geschenkfindung übrigens sehr erleichtert. Diesmal war für mich leider nix aus dem Genre „US-Präsident rettet / zerstört die Welt und irgendein sehr cleverer Geheimagent hilft / verhindert es“ dabei. Ich mag stumpfe Politthriller mit viel Ballerei. Wenn nicht gerade Weihnachten ist, finde ich sowas meistens in den Ramschkisten von Bahnhofsbuchläden. Mittlerweile weiß ich sogar ganz gut, welche Bahnhöfe sich da besonders eignen. Dortmund und Düsseldorf sind Schrott. Die Buchläden haben nur dämliche Bildbände oder Kochbücher. Wer will sowas? Toll ist Herne, da liest offenbar niemand, der auch Bahn fährt, populäre Sachbücher bekommt man hier meistens ein bisschen später für wenige Euro. In Herne habe ich Hamed Abdel-Samad und Andrej Holm gefunden. Köln ist toll für Romane, zwei Buchläden mit großen Ramschkisten. Auch der Buchladen im umgebauten Wuppertaler Hauptbahnhof hat ein gewisses Potential. Bei den Büchern für 2-3 Euro bin ich nicht besonders wählerisch. Es kann dann auch mal ein seltsamer Sci-Fi-Thriller oder ein historischer Roman sein.

Sonst bin ich etwas wählerischer und kaufe meist in normalen Buchhandlungen. Wenn ich einen Autoren mag, dann kann ich auch am Erscheinungstag im Buchladen stehen. Zuletzt ist das am Montag für Houellebecqs „Serotonin“ passiert (absolute Empfehlung). Sach- und Fachbücher sind so eine Sache. Da ist der Weg der Online-Bestellung, direkt beim Verlag, meistens am einfachsten. In den großen Buchladenfilialen ist das Angebot doch eher gering und die Beratung meist schlecht. Als ich neulich einmal nach dem Thema Klimawandel fragte, wurden mir von der Verkäuferin irgendwelche Selbsterfahrungsberichte in Sachen Mülltrennung und vegane Küche angeboten. Nicht ganz, was ich gesucht hatte.

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6 Kommentare zu “Es werden immer weniger Bücher gekauft – Lest ihr noch?

  • #1
    ke

    Lesen?
    Ohne Ende! Es sind aber hauptsächlich Fachartikel beruflicher Art, dann häufig am Rechner, Tablet oder eBook Reader.
    Neue Bücher und Zeitschriften kaufe ich kaum noch. Mir ist der Platz zu viel. Ich bevorzuge elektronische Varianten. Zusätzlich gibt es dann Hörbücher.

    Insgesamt nutze ich (Hör-)-Buch, Podcast, Zeitschriften Flats.

    Ein Besuch in den großen Buchhandlungen Dortmunds ist immer wieder inspirierend. Ich mache dies aber auch seltener. Dennoch nutze ich gerne auch das eReader und e-Book Angebot der dt. Buchhändler. Hier wurde – auch in Verbindung – mit der Onleihe ein sehr attraktives Angebot geschaffen, mit dem sich auch viele eigene eBooks nutzen lassen.

    Echte Zeitschriften aus dem Abo und auch die Tageszeitung kommen bei uns immer unzuverlässiger. Die Zustellung klappt nicht mehr. Dann lieber elektronisch oder gar nicht mehr.
    Ich habe keine Lust, ständig der aktuellen Zeitungs-/Zeitschriftenausgabe nachzutelefonieren.

  • #2
    Robert Müser

    Lesen und Bücher?

    Ja selbst verständlich, seit Jahren kaufe ich in einer inhabergeführten Buchhandlung jeden Monat ein wenig Nachschub für meine diversen Bücherregale, die schließlich gefüllt werden wollen …

    Um die großen Ketten mache ich eine großen Umweg, elektronische Bücher sind von der Haptik nicht mein Ding.

  • #3
    Wolfram Obermanns

    Bücher in Papierform kommen mir die letzten beiden Jahre nur noch als Sachbuch ins Haus. Wobei die "Sache" vom Thema her häufig so randständig ist, daß der Kauf allein schon aus archivarischen Gründen geboten scheint. Büchereien, Verlage und das angeblich nichts vergessende Internet halten die Publikationen häufig nur kurze Zeit vor.
    Belletristisch durchlebe ich gerade eine Durststrecke. Es wird eine wahnwitzige Quantität veröffentlicht, aber die Qualität läßt doch sehr zu wünschen übrig. Ein Lektorat erscheint als ein verzichtbarer Luxus.

    Die Wirkmacht der Spiegel-Bestenliste(n) führt nicht zum Guten. Es muß aktuell flach wirken, aber die gelisteten Titel könnten meiner Einschätzung nach tatsächlich so etwas wie einer Relotius-Werkstatt entsprungen sein.
    Klischee türmt sich auf Klischee, gewollte Tabubrüche die keine Tabus brechen, sondern einer etablierten Denkschule entspringen, sprachlich aufgedonnert, die Binnenlogik problematisch, im Gesamtsetting lebensfremd, das Personal mit einem Hang zur Soziopathie – Kitsch. Die Sachbücher verhandeln allzuhäufig Halbwahrheiten und werden schon mal gerne mit purer Fiktion werbewirksam aufgeblasen.
    Das müsste mich weniger interessieren, wenn die Spiegel-Schundliste nicht das allgemeine Leserinteresse steuern würde und die öffentlichen Bibliotheken meinen würden dem folgen zu müssen. Nie war mein Bibliotheksausweis hinterfragter als heute.

  • #4
    nussknacker56

    Lest Ihr noch?

    Aber ja, und ich habe definitiv nicht vor, daran etwas zu ändern. Mir ist auf die Schnelle kein Film in Erinnerung, der dem entsprechenden Buch das Wasser reichen kann. Ein Buch in der Hand zu halten, ist zudem etwas vertraut Handliches, das überall hin mitgenommen werden kann – und zwar ohne sich Sorgen machen zu müssen ob die Batterien noch halten.

    Gerade lese ich den Band „Freiheit ist keine Metapher“, der hier bei ,ruhrbarone‘ positiv besprochen wurde. Kann ich ebenfalls nur empfehlen. Parallel dazu sorgt ein weiteres Buch dafür, dass ich abends trotzdem einschlafen kann: „Sinuhe der Ägypter“ vom finnischen Schriftsteller Mika Waltari in der deutschen Übersetzung von 1959. Der Einband ist schon ziemlich hinüber, aber dafür ist der Inhalt auch heute noch sehr spannend, geistreich, manchmal sogar witzig und lässt die meisten heutigen Historienschinken im wahrsten Sinn des Wortes alt aussehen.

  • #5
    M. D.

    Ich lese viel, allerdings zu fast 100% digital. Eine Buchhandlung habe ich schon seit Jahren nicht mehr von innen gesehen. Ich sehe, solange es vornehmlich um Text geht, alle Vorteile im Digitalen.
    Das gleiche gilt für Musik.

  • #6
    Nina

    Ich lese viele Romane und Kurzgeschichten, zuletzt alles von John Fante was ich in die Finger kriegen konnte. Ich kaufe viel Antiquarisches. Ein Buch mag ich aus Papier, alles andere sind für mich Reader. Da ich auch viel Sachliteratur lese, komme ich da allerdings an meine Grenzen. Ich lese bevorzugt abends im Bett und wer schonmal "Gewalt" von Steven Pinker in Buchform in den Händen hatte, wird verstehen, dass ich in dem Fall tatsächlich über ein eBook nachdenke.

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