Essen wenig originell

Keine Frage, für das Bottroper Stadtfest wäre es ein Top-Programm. Die Rede ist vom 3-Tages-Spektakel "Essen original" (22.-24. August) und was musikalisch in diesem Jahr da so geboten wird, ist einer Kulturhauptstadt nicht wirklich würdig.

 

"Essen (wenig) originell" wäre da sicher der bessere Titel des Stadtfests. Als Doc Rock gilt mein Augenmerk natürlich in erster Linie auf die Auswahl meines Lieblingsgenres und die entsetzt schon schwer. Konnten es im vergangenen Jahr noch die "Hardcore Superstars" (Foto)dem überfülltem Kennedyplatz besorgen, so tummeln sich dieses Mal am Freitag dort  die üblichen Bekannten wie "Pohlmann", der noch jedes Stadtfest mitgenommen hat. Auch "M Walking on water" können sich an ihre guten  Zeiten kaum noch erinnern. So etwas kann klappen (Extrabreit bei Bochum Total), muss aber nicht. Der Samstag kommt dann sogar gänzlich ohne Rockn’n‘ Roll aus, dafür gibt es Techno en masse. Fast so, als würde die Wunde darüber, dass die Loveparade in Dortmund viel erfolgreicher als die Essener war, noch arg schmerzen.  Einen musikalischen Leckerbissen gibt es am Samstag aber dennoch. Zumindest in der Jazzecke (Hirschlandplatz) kann man mit Jasper vant Hof & Hot Lips einem Hochkaräter zuhören. Will man natürlich das originale Bottroper Stadtfestfeeling erleben, ist das auch am Samstag hervorragend möglich: etwa mit Baccara auf dem Kennedyplatz, aua. Das abgehalfterte Spanien-Duo hat nämlich in der Tat schon in Bottrop ihren einzigen Hit "Yes Sir, I can Boogie" präsentiert  – an einem Abend sogar mehrmals. Vielleicht sollen Künstler dieser Art aber auch nur zum Besuch der wirklich kulturlastigen Angebote (wie dem Poetry Slam oder der öffentlichen Probe der Philharmonie) verführen. Guter Trick.

Am Sonntag wird dann sogar wieder gerockt und zwar vor dem Turock (und auf der Viehofer Straße). Bis auf den Headliner Ensiferum begegnet man aber auch da nur Mittelmaß. Liegt das vielleicht daran, dass Rockmusik nicht zum piekfeinen Kulturhauptstadtimage passt? Wäre ja schlimm, wenn ein Rockknaller alle Aufmerksamkeit auf sich lenken würde. Oder ist einfach nicht genug Geld da, um echte Stars zu verpflichten? „Hochkultur“ ist schließlich teuer. Zu eben besagten Ensiferum steht übrigens auf der Homepage: "Die 1995 gegründete finnische Metal-Band ist bekannt ihren Viking- und Folk Metal." Klingt komisch, ist aber so.
Der Höhepunkt von Essen Original wird aber sicher ein Sänger aus Dr. Schlagers Skurrilitätenkabinett sein. "Er ist sportlich, hat den richtigen Body und vor allem Ausdauer. Ein Fußball-Profi, der singt. Und dann noch deutschen Schlager. Das hat es noch nie gegeben" – so die Homepage. Und das hat es wirklich noch nie gegeben – nicht einmal in Bottrop auf dem Stadtfest. Die trauen sich was die Essener…

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8 Kommentare

  1. #1 | David Schraven sagt am 4. August 2008 um 19:40 Uhr

    Ole-Ole. Dafür ist Fettes Brot am 23. August in Gelsenkirchen. Die würde man in Bottrop nie sehen. 🙂

  2. #2 | Jens Kobler sagt am 4. August 2008 um 20:36 Uhr

    Immer dieses Abhandeln von „großen Themen“, selbst wenn da nur Mist passiert! Komme er einfach am 23. August zur Duisburger Schrottinsel, da spielen die Cherrypops und El Fisch, es gibt BBQ (auch vegetarisch), und ich und noch zwei beste gitarrenaffine Ruhrgebiets-Plattenaufleger sind auch da. Immer dieser – nennen wir es – massenkompatible Volldurchschnitt! Widerlich! Eigentlich immer nur Backstage zu ertragen, oder?

  3. #3 | David sagt am 4. August 2008 um 21:09 Uhr

    @ Jens Kobler. Es müssen halt nicht alle auf 3-Mann-Gigs in leeren Garagen stehen. Manche mögen auch große Nummern. 🙂
    Tatsächich ist es schwer, sich am Wochenende den 23. izu entscheiden. Liber das Essener Original im Mittelmaß, in Gelsenkirchen ein Auftritt meiner Lieblingsband oder in Duisburg zum Event der Hobbytroniker auf der Schrottinsel. Ich glaub ich geh angeln.

  4. #4 | Doc Rock sagt am 4. August 2008 um 21:12 Uhr

    BBQ vegetarisch? Das muss ein Paradoxon sein. Gitarrenaffiner Plattenaufleger war ich auch mal. Aber, da wird man immer angepöbelt, wenn mal Iron Maiden auf den Spieler kommt 🙂

  5. #5 | Thomas sagt am 5. August 2008 um 06:53 Uhr

    @David: „Tatsächich ist es schwer, sich am Wochenende den 23. izu entscheiden. […] Ich glaub ich geh angeln.“

    @Jens: „Komme er einfach am 23. August zur Duisburger Schrottinsel, da spielen die Cherrypops und El Fisch […]“

    Ziemlich strukturkonservativ, Leute.

    Am 23. spielt doch Mars Williams in Geldern.

    https://www.offsidefestival.com/335-0-samstag-23-08-08.html

    Den werden sich zumindest Ralf und ich nicht entgehen lassen.

    Da werden dann ziemlich sicher auch die bislang noch schweigenden Ruhrbarone Holger und Stefan P. dabei sein.

    Schließlich war Williams schon mindestens vier Mal in Moers. (-:

    Dann bloggen wir Euch wieder die Hucke voll. Mit einem neuen Diskurs über den Zwiespalt der strukturkonservativen Musik. (-;

    Und zwar nicht von der Duisburger Schrottinsel aus via W-LAN. Sondern von der Gelderner Kuhwiese via UMTS.

  6. #6 | Jens Kobler sagt am 8. August 2008 um 00:53 Uhr

    @ Doc Rock: Ich packe gerade „The Power Of Lard“ schonmal aus. By the way: Who is gonna babysit the babysitters?

  7. #7 | Jens Kobler sagt am 22. August 2008 um 11:59 Uhr

    Wichtiger Hinweis: Die Schrottinsel-Sache fällt aus. Alle dürfen (im Regen) Angeln gehen. 🙂

  8. #8 | CulturaNegra sagt am 21. August 2009 um 09:39 Uhr

    Jetzt wir Essen Originell !!! Schaut mal nach unter Essen Originell und schließt euch dem Protestbündnis an …

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