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Fahrten mit #VRR und #DB: Selbst geschenkt ist vielfach noch zu teuer!

Diskussionen rund um das vermeintliche ‚Übel‘ Flugreisen kursieren ja aktuell gefühlt fast überall. In deren Schatten ist nun auch der Schienenverkehr einmal mehr vermehrt in den Blickpunkt geraten.

Die Einen wollen die Mehrwertsteuer für die Fahrten mit den diversen Bahnen zukünftig gerne reduzieren, die Anderen die Subventionen für den ungeliebten Flugverkehr streichen und somit dem schienengebundenen Verkehr indirekt zu einem Preisvorteil verhelfen.

Das kann man natürlich alles diskutieren, jedoch gehen solche Vorschläge am Kern des eigentlichen Problems zunächst einmal vorbei. Der große Nachteil der Schiene gegenüber dem Flieger und anderen Verkehrsmitteln wie dem Auto ist in der Praxis nämlich gar nicht so sehr der Preis, es ist der deutlich größere Zeitaufwand, den die Züge im Alltag für die Masse der Nutzer mit sich bringen (würden).

Egal ob ich mich hier im Ruhrgebiet von einer Stadt zur anderen bewegen möchte, oder aber auch darüber hinaus, den Zug bzw. die Bahn würde ich persönlich dafür aus Praktikabilität fast nie nehmen.

Mit der Deutschen Bahn fuhr ich zuletzt im Jahre 2009, als ich aus Wolfsburg einen PKW abholte. Das Angebot des VRR nutze ich persönlich eigentlich nur, wenn ich mich vom nördlichen Ruhrgebiet aus auf den Weg zum Flughafen nach Düsseldorf mache.

Für alle anderen Fahrten kommen Zug und Nahverkehr in der Praxis nicht ernsthaft in Betracht. Der Zeitaufwand ist im Vergleich zu PKW und Flugzeug schlicht zu groß.

Früher habe ich in Städten wie Münster und Essen gearbeitet, in Bochum einige Jahre studiert. Egal wo ich im Laufe meine bisherigen Lebens tagtäglich ‚zur Arbeit‘ musste, die Fahrt mit dem ÖPNV war von meiner Heimatstadt Waltrop aus mindestens doppelt so lang wie mit dem eigenen Auto. Das ist ein Hammer, ganz unabhängig von den dafür aufgerefufenen Preisen.

Selbst bei beruflichen Terminen in den weiter entfernten Städten wie Berlin, Nürnberg oder auch München bin ich vom Ruhrgebiet aus häufig schneller mit dem Flieger als mit dem Zug. Und teurer ist das in der Praxis eben häufig auch nicht.

Nun kann ich aus Umweltschutzgründen natürlich die Kosten für den Individualverkehr und die Fliegerei so beeinflussen, dass sich das Reisen mit der Bahn wirtschaftlich zukünftig eher lohnt. Aber löst das wirklich das eigentliche Problem?

Ganz ehrlich, die Fahrten mit dem ÖPNV im Ruhrgebiet selber müssten schon deutlich attraktiver werden, und damit meine ich in erster Linie zeitlich, bevor ich zum Beispiel auf die nächste Ruhrbarone-Weihnachtsfeier mit Bus und Bahn statt mit dem eigenen PKW vom Kreis Recklinghausen aus nach Bochum fahren würde. Rund 30 Minuten mit dem Auto stehen da nämlich fast zwei Stunden mit Bus und Bahn gegenüber. Und nach 23 Uhr komme ich an Wochenenden häufig gar nicht mehr zurück, müsste für das restliche Stück von ca. 8 km ein Taxi nehmen, da dann keine Busse mehr fahren.

Da könnte man mir die Fahrt mit dem VRR im Regelfall sogar schenken, ich würde bei den aktuellen Verbindungen freundlich ablehnen und lieber einmal mehr das eigene Auto nehmen. Trotz aller Verkehrs- und Parkprobleme.

Und ich bin mit dieser gerade geschilderten Problematik so garantiert kein Einzelfall. Doch das scheint den Politikern, die aktuell in erster Linie an den Preisen schrauben wollen, gar nicht klar zu sein, wenn sie jetzt in erster Linie an den Preisen statt an der Qualität des Angebots schrauben wollen.

 

 

 

RuhrBarone-Logo

24 Kommentare zu “Fahrten mit #VRR und #DB: Selbst geschenkt ist vielfach noch zu teuer!

  • #1
    Ke

    Fester Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst und dann zentrumsnah. In so einer Öko-Welt mag ÖPNV Ok sein.
    Das hat nur wenig mit der geforderten Flexibilität im Markt zu tun.

    Wenn die Bahn Hochgeschwindigkeit fahren könnte, tut sie es nicht. Die Energie würde auch steigen.
    Dass bspw die Strecken durchs Platte und menschenleere Niedersachsen nicht mind 350 km/h erreichen, bleibt mir ein Rätsel. Hier sollten auch Neubauten schnell durchzuführen sein.

    Warum schaffen so viele ÖPNV Anbieter Wlan/Datenanbindungen, nur die deutschen Bahnen nicht?

    Ein einmaliges Umsteigen ist meistens bei mir nicht das Problem für die Fahrzeit, nur leider sind nahezu alle stadtübergreifenden Verbindungen mit 2 Umstiegen verbunden.

    Die Fahrt zum Flughafen mit Gepäck und dann noch morgens oder abends führt bei mir zu Stress und einem fehlenden Sicherheitsgefühl.
    Der Koffertransport ist einfach nie berücksichtigt worden.

  • #2
    thomas weigle So

    Ich bin 10 Jahre lang von Halle nach MS zu Fraktions-und AK-Sitzungen gefahren . Die Fahrt mit der Bahn dauerte doppelt so lang wie mit dem Auto. Dennoch bin ich öfter mit der Bahn gefahren, v.a. dann wenn ich zu Nachmittagssitzungen musste und vorher sechs Stunden Unterricht hatte. Da bin ich sogar mit dem langsameren, aber direkten Zug über Warendorf gefahren. Da konnte ich nämlich die Augen zu machen. Das ist das Schöne an der Bahn: man kann pennen, lesen, schwätzen oder einfach nur aus dem Fenster schauen.
    Auch wenn`s mit dem Flugzeug angeblich schneller geht, was ich bei vielen Destinationen innert Deutschlands bezweifele:: Die reine Flugzeug logo, aber sonst? Von DO oder BI nach wo auch immer, kommst du jede Stunde, oftmals direkt oder 1x Umsteigen am selben Bahnsteig.
    Ich schaue manchmal auf die Anflugtafeln deutscher Flughäfen im VT.Pünktlichkeit ist da auch nicht oberstes Gebot. Da scheint mir der Unterschied zur Bahn nicht so groß zu sein.

  • #3
    Werntreu Golmeran

    Herr Patzwald,

    auch auf die Gefahr, dass Sie diesen Kommentar mal wieder nicht freischalten, ein Tip von mir, nehmen Sie doch mal das Rad. Da ist man von Waltrop in ca. 1,5 Stunden in Bochum.

    Beste Grüße

    Werntreu Golmeran

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Das wären für hin und zurück ja auch wieder drei Stunden. Sorry, Herr Golmerann, aber das dauert mit dem Auto eben auch nur 1/3 der Zeit. Und mit den gewonnenen 2 Stunden lässt sich schöneres anfangen als quer durch das Ruhrgebiet zu radeln.

  • #5
  • #6
    Thorsten Stumm

    @Arnold
    Nach dem Artikel damals habe ich bei Ebay ein Dahon gekauft….war genau richtig 🙂

  • #7
    thomas weigle So

    Da lese ich doch heute im VT, dass wir drei Erden bräuchten, wenn die gesamte Menschheit so leben würde wie wir Deutschen.
    Was mich eigentlich am meisten ärgert ist, dass wir schon heftig an der Klimakatastrophe gearbeitet haben, als in weiten Teilen der Welt nicht viele Autos liefen und auch die Schornsteine dort nicht rauchten, weil sie keine hatten. Auch dies eine Folge der langen Kolonialzeit. NRW über Jahre mehr Autos auf den Straßen als der gesamte Kontinent Afrika. Auch deswegen haben wir gegenüber diesen Bewohnern eine gottverdammte Bringschuld in Sachen Nachhaltigkeit.

  • #8
    Thorsten Stumm

    D. ist in der Frage der Verkehrsinfrastruktur eher eine ehr rückständiges Land. Wir glauben ja immer wir wären da gut aber das ist nicht so. In Frankreich mit einen gut ausgebauten TGV Netz ist die Bahn schon wegen der Geschwindigkeit eine echte Alternative. Aber die TGV fahren auf eigen Trassen und können richtig gasgegeben. Bei un in D. nicht möglich. Schon die Planung einer Hochgeschwindigtrassse würde Jahre dauern und dann werden die Anwohnerklagen der Grünen Bürgerinitiativen einen Ausbau wirksam verhindern. Eine ICE Schnellverbindung die mit den Flugzeug konkurrien kann, was technisch möglich wäre, ist in D. nicht realisierbar. Reisen ist eben nicht nur eine Frage des Preise sondern auch der Zeit. Ich musste die letzten zwei Jahre einmal pro Woche von Dortmund nach Köln. Von der Zeit eigentlich akzeptabel. Bin immer ICE gefahren und ich kann aber die Fahrten wo nichts schiefging oder am Zug defekt war an den Fingern einer Hand abzählen. Der ICE ist fahrender Schrott. Wir leben da einfach technisch rückständig. Deshalb funktioniert ja Eurowings oder Flixbuss…..weil es nichts schlimmere gibt als mit der deutschen Bahn irgendwo hinzufahren…und das wissen die Menschen ganz genau…..

  • #9
    DEWFan

    #7: wir Deutschen sind etwas mehr als 1% der Weltbevölkerung. Währen wir allein auf dem Planeten, dann würden uns bereits gut 3% Erde genügen 😉

    Tja, sind nun unsere "Fußabdrücke" zu groß, oder gibt es einfach zu viele Füße auf der Welt?

    Zum VRR: die Kombination aus Rad und ÖPNV ist eine gute Idee, wenn das Wetter mitspielt. Falträder haben ja den Vorteil, dass man kein teures Fahrrad-Ticket benötigt, weil Handgepäck. Mit dem Rad kann man dann die "weißen Flecken" zwischen den Linien und Haltestellen überbrücken. Oft sind ja gerade die Fußwege zu den Haltestellen ein nicht zu unterschätzender Zeitfaktor. Im Verbund Rad und Bahn kann man auf einigen Strecken sogar das Auto schlagen, welches sich durch den Berufsverkehr quält.

  • #10
    Guido Coenen

    Hallo Herr Patzwaldt!
    Ich stimme Ihnen im Kern zu. Allerdings muss man beim Fliegen ja auch noch die Zeit zum Einchecken und die Fahrt zum Flughafen berücksichtigen. Ich glaube, da könnte die Bahn, was die Reisezeit angeht, teilweise mithalten. Die Preise sind allerdings völlig utopisch. Da braucht es bald andere Ideen. Ich befürchte allerdings, dass wir uns alle irgendwann an längere Reisezeiten gewöhnen müssen, wenn wir ökologisch bzw. nachhaltig unterwegs sein wollen (Stichwort weniger Individualverkehr). Schauen wir nach Stuttgart: Wieviel Geld wird der DB zukünftig fehlen, weil sie einen Bahnhof bauen muss, den sie nicht wollte, sondern die Politik, und der so gut wie nichts bringt? Auf die DB brauchen wir, glaube ich, in Zukunft nicht warten. Zumindest nicht ohne staatliche Unterstützung.

  • #11
    Christian

    Es tut mir gänzlich leid das sie so unzufrieden sind .

    AAABER das was sie schreiben ist genau das gleiche wie es alle anderen schreiben

    Es ist in keinster Weise schuld der DB dass die Verbindungen so teuer sind
    Bedenken sie bitte die enorm hohen Trassenpreise der von der Bundesnetzagentur geleiteten DB Netz
    Dazu noch die Mehrwertsteuer , Personal und Stromkosten
    Das sind Mal eben enorme Summen
    Die haben sie in Flugverkehr teils nicht von dem zu 0% versteuern Kerosin zu schweigen

    Dass wenig Nahverkehr Züge fahren liegt einzig und allein an der missratenen Verkehrspolitik die uns seid der Privatisierung ins verderben gestoßen hat.

    Wenn wir was ändern wollen müssten Personen als Verkehrsminister eingesetzt werden die sich auskennen
    Der scheuer ist inkompetent nur leider will die aktuelle Regierung eben solche Leute warum auch immer

    Die DB ist genau wie jeder andere Nahverkehr EVU Leistungserbringer ! Das bedeutet wir fahren nur das was bei uns bestellt und bezahlt wird von den Verkehrsverbünden dazu zählt der VRR

    Sie fahren ja auch nicht mit einem Porsche aus eigener tasche wenn sie nur einen Corsa bezahlt bekommen 😉
    Also informieren sie sich bitte besser bevor sie ihre Meinung kund tun
    Wir brauchen die Bahn , alleine schon vom Umweltschutz Gedanken her.

    also bemühen sie sich bitte das Image zu wahren
    Die teils begründet genervten Mitarbeiter werden es ihnen danken.

    Mfg

  • #12
    Björn Wilmsmann

    #7: Moralisch mag man das mit der Bringschuld in der Tat so sehen. Auch wenn sich da die Frage nach der Verantwortung für die Taten zukünftiger Generationen stellt. Aber gut, wir profitieren in Westeuropa nicht zuletzt wirtschaftlich auch von deren Entscheidungen, also ist das moralisch gesehen wohl schon berechtigt.

    Allein, pragmatisch gesehen werden wir die Welt mit einer verbissenen, deutschen Kopf-durch-die-Wand Einstellung allein nicht retten. "Wir" können uns dann vielleicht als moralische "Weltmeister" (und das sind Deutsche immer gerne …) fühlen, aber wirklich erreicht ist dadurch nichts.

    Nichtsdestotrotz ist nachhaltiges Wirtschaften natürlich so oder so richtig. Selbst wenn man es allein aus einer nüchternen langfristigen Kosten-Nutzen Perspektive betrachtet.

    #8: Volle Zustimmung.

    In Deutschland gibt ist diese oben erwähnte "Wir sind Weltherrsch … äh … meister!" Einstellung recht verbreitet, die davon ausgeht, dass alles, was in Deutschland gemacht oder produziert wird, erstmal "Weltspitze" ist. Das ist nicht nur arrogant und herablassend, sondern entspricht in vielen Fällen nicht der Realität. In Deutschland täte man gut daran, öfters mal über den eigenen kleinen Tellerrand zu schauen, um zu sehen, wie Probleme anderswo gelöst werden.

    Das betrifft nicht zuletzt den im Artikel erwähnten VRR, bei dem man zu glauben scheint, dass der Rest der Welt keine Ahnung von öffentlichem Nahverkehr hat und sich lieber mal ein Beispiel daran nehmen sollte, wie großartig der ÖPNV im Ruhrgebiet organisiert ist …

  • #13
    Susanne Scheidle

    Was mit an der ganzen Diskussion irritiert ist, dass sie am eigentlichen Problem haarscharf vorbeischrammt, weil es nur um den Fernverkehr geht und nicht um die Kurzfahrten, die täglich zu anfallen, zur Arbeit oder auch privat. Von Köln nach Berlin zu kommen ist mit vergleichsweise wenig Unannehmlichkeiten verbunden, weil man, wie Thomas Weigle #2 schon anmerkte, in der Zeit lesen, schwätzen oder die Augen zumachen kann. Das Problem ist eine Fahrt von GE nach Essen (je nach Chaos-Level 1 – 1 1/2 Stunden für 11 km, 2 Stunden sind aber auch keine Seltenheit) oder gar – Gott bewahre! – nach Solingen (das letzte Mal 3 Stunden Fahrtzeit, 3 Mal umsteigen!). Aber das allergrößte Problem ist die schlichte Tatsache, dass man NIEMALS mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren sollte, wenn man pünktlich ankommen muss, also z. B. die Fahrt zur Arbeit. Egal welchen Zeitpuffer man als so erfahrener wie leidgeprüfter ÖNVP-Kunde einrechnet, die Chance, pünktlich anzukommen ist immer gleich: 50:50 wie beim Roulette, Rouge et Noire – und manchmal fällt auch die Zero, dann kommt man nirgendwo an, noch nicht einmal verspätet, und strandet irgendwo.

  • #14
    Björn Wilmsmann

    #11:

    > Es ist in keinster Weise schuld der DB dass die Verbindungen so teuer sind

    Na klar. Im Nahverkehr in Deutschland, insbesondere im Ruhrgebiet, ist immer irgendjemand anders schuld. Alle schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu: DB, Land, Bund, die einzelnen Dorf-Verkehrsgesellschaften. Der VRR in seiner völligen Nutzlosigkeit sowieso.

    Lediglich ändern will keine der involvierten Parteien etwas an der Misere.

    Mir als Kunden ist es aber völlig egal, ob nun die DB, der VRR-Wasserkopf oder die örtliche Verkehrsgesellschaft von Ruhrhausen Schuld an Unpünktlichkeit und Verbindungsausfällen ist.

    Bis eine der beteiligten Parteien das Gegenteil oder zumindest einmal endlich den Willen zu Verbesserung beweist, sind alle genannten Parteien gleichermaßen für das Nahverkehrschaos an Rhein und Ruhr verantwortlich.

    > Dass wenig Nahverkehr Züge fahren liegt einzig und allein an der missratenen Verkehrspolitik die uns seid der Privatisierung ins verderben gestoßen hat.

    Privatisierung. Die Dolchstoßlegende der Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn ist nicht privatisiert. Sie ist lediglich keine Behörde mehr. Die Deutsche Bahn AG gehört zu 100% der Bundesrepublik Deutschland und ist damit ein Unternehmen in öffentlicher Hand. Die Bundesrepublik Deutschland hätte damit alle Hebel in der Hand, um Verbesserungen im Bahnverkehr zu bewirken. Sie will nur einfach nicht.

  • #15
    Susanne Scheidle

    @Christian #11

    Ja nü, wenn Robin das schreibt, was alle anderen schreiben, könnte das vielleicht daran liegen, dass es zu dem Thema nix anderes zu schreiben gibt.

    Dass vonseiten der Politik einiges falsch gemacht wurde in den letzten 20 Jahren, keine Frage.
    Allerdings: Ein wesentlicher Grund zur Verärgerung ist auch die Informationspolitik der Bahn, falls man das so nennen will. Dass ein Zug ausfällt, wird maximal 2 Minuten vor Abfahrt mit geteilt – zuweilen aber auch nachdem er schon 15 Minuten überfällig ist – auf jeden Fall aber zu spät, um zeitnahe Alternativen zu wählen. Oder kurz NACH Abfahrt des Zuges wird den verblüfften Fahrgästen mitgeteilt, dass der Zug heute leider nicht in Recklinghausen hält und man doch bitte schon in Gelsenkirchen aussteigen soll, falls RE das Reiseziel war – leider zu einer Zeit, zu der das Reisezentrum in GE bereits geschlossen hat… was aber auch nix macht, genau genommen, weil auch das Reisezentrum meistens nicht weiß, wo’s lang geht, nur Neulinge lassen sich davon täuschen, dass ein Schild "INFORMATION" darüber angebracht ist.
    Oder die Anzeige am Bahnsteig informiert einen, dass man doch bitte den Lautsprecheransagen lauschen möge. Nur es kommen keine Lautsprecheransagen. Vielleicht sind das auch gar keine Lautsprecher an den Säulen, vielleicht sind das Nistkästen oder Hamsterkäfige…
    Oder der Zug fährt ein, erst einmal sieht alles ganz normal aus, ein Triebwagen zwei Personenwagen, aber halt: Der erste Wagen ist knallvoll und der zweite total leer! Bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass am zweiten Wagen sämtlich Türen defekt sind!
    Und so weiter und so fort.
    Das hat nix mit irgendwelchen Vorgaben der Politik zu tun.
    Das hat damit zu tun, dass es sich entweder bei der Bahn noch nicht herumgesprochen hat, dass wir im Zeitalter der drahtlosen Kommunikation leben – oder der Fahrgast nicht als Kunde verstanden wird sondern als irgend so ein Querulant, der den Betrieb stört und auch noch Ansprüche stellt.

    Und jetzt kommen wir mal zu den Preisen:
    Ein Ticket 2000 (im Abo ab 9.00 Uhr) hat mich vor 4 Jahren 73,50 EUR gekostet, heute bezahle ich 82,09. Das ist um den Daumen gepeilt eine Preissteigerung von 12 % und die nächste Preiserhöhung ist bereits angekündigt.
    Das ist mit allgemeiner Preissteigerung, Steuern und Energiekosten nicht wirklich zu erklären.

    Ihrem Post entnehme ich, dass Sie bei der DB beschäftigt sind.
    Ich verstehe Ihre Frustration.
    Ich fürchte allerdings, die Kunden sind frustrierter.

  • #16
    Thorsten Stumm

    @Christian
    Also….im Vergleich zu französischen SNCF und der spanischen Renfe, mit denen ich beiden schon gereist bin, ist die DB eine Provinzbahn bei der nur Neandertaler arbeiten…..tut mir leid…ich vergleiche die DB nicht mit einer Fluggesellschaft sondern mit anderen Bahngesellschaften.Und da ist die Bilanz für die DB katastrophal. Und immer wenn ich im Fernreiseverkehr einen Eurocity der schweizer Bahn nehmen kann, tue ich das und spüre ich schon in der ersten Sekunde das ich bei einem seriösen kundenorientirten Unternehmen einsteige und nicht bei den DB-Deppen…..

  • #17
    W.K.

    Mal eben zur 80-jährigen Mutter, die Hilfe braucht. Mal eben das Kind zur zugewiesenen Kita bringen, die nur mit
    Umwegen mit den Öffentlichen zu erreichen ist, um dann pünktlich am Arbeitsplatz zu sein,
    Das geht nur mit dem PKW.
    Die verlorene Lebenszeit, dies mit Öffentlichen zu bewältigen, geht dem Familienleben ab.

  • #18
    thomas weigle

    #12 Dass die Türen defekt sind, hat sehr wohl was mit der Politik zu tun. Sowohl die Länderbahnen vor 1920 als auch deren Nachfolger Reichsbahn und die frühe Bundesbahn verfügten nämlich über ein gut ausgebautes Netz von Bahnbetriebswerken und Maschinenämtern, die personell und materiell gut ausgestattet waren. Sie sind Geschichte . Dazu kam eine entsprechende Anzahl von Mitarbeitern, so hatte die DB in 9/49 beim Übergang von der Reichsbahn um die 500000 Mitarbeiter wenn ich das recht erinnere. Die Verschmelzung von DB und DR im Jänner stoppte nicht die Politik des Personalabbaus. Im Gegenteil, es ging munter weiter. Es zeigte sich, dass die DDR Reichsbahn ein gut bestellter Acker für Personalabbau war. Ein schönes Übungsgebiet der Neoliberalen, die gnadenlos durch den Personalstand der Reichsbahn fegten.
    Eine der schlimmsten Folgen dieser Politik zeigte sich 2009 in Berlin. Die S-Bahnen waren nicht wie vorgeschrieben gewartet worden, so dass das Bundesbahnamt ca. 70% des rollenden Materials in die Werkstätten befahl. Die Auswirkungen waren desaströs für die Benutzer des System S-Bahn.
    Dass die DB seit den 80ern tw. von Fachfremdengeleitet wurde, rundet das Bild nur noch ab. Aber auch diese waren von der Politik gewollt.

  • #19
    thomas weigle

    Gibt es im Pütt keine ASTs plus Nachtbuslinien am Wochenende, wie es in den zivilisierten Gegenden unserer Republik Brauch ist?

  • #20
    Björn Wilmsmann

    > Gibt es im Pütt keine ASTs plus Nachtbuslinien am Wochenende, wie es in den zivilisierten Gegenden unserer Republik Brauch ist?

    Klar gibt’s die. Mancherorts sogar bereits ab 20 Uhr … Im Ruhrgebiet muss man scheinbar schon froh sein, dass Busse und Züge nicht nur noch täglich kommen wie auf dem Land.

  • #21
    manfred rohde

    niemand stellt die Frage: "Cui Bono"? Dabei ist dies die wichtigste Frage und die darauf folgende Antwort erklärt, warum alles schief läuft!.
    Der Bund ist Eigentümer der Bahn und zieht schon seit Jahren allen nur möglichen Gewinn aus dieser Gesellschaft. Statt also Steuergelder hinein zu stecken, um die Bahn attraktiver und leistungsfähiger zu machen, möchten die Poltiiker in Berlin – trotz gegenteiliger mündicher Beteuerungen – lieber höhere Preise und sinkenden Service.
    Dieses Verhalten verdeutlicht, in welcher (Sinn-)Krise wir stecken: Soll der Kapitalismus in seiner reinen Form die Welt regieren und dabei der Staat vorangehen? Oder soll es einen sozial ausgewogenen Kapitalismus geben, in dem der Staat die Verteilungsaufgaben und Verwaltungsaufgaben zu sozial erträglichen Kosten wahrnimmt?
    Seit Einführung des Euro ist der Trend bemerkbar. Aber in Wahrheit schon seit Zusammenbruch der sozialistisch geführten Staaten hat der Kapitalismus merklich angezogen. Allen voran der Staat als größter Preistreiber mit den höchsten Schulden und auf ewig Nimmersatt.
    Politik und Verwaltungen finanzieren sich aus überpropotional gestiegenem Steueraufkommen, aus immens aufgenommenen Schulden, aus privatisierten Transport- und Versorgungsgesellschaften, aus Ordnungsgeldern (mehr als 5 Mrd. Euro pro Jahr!) und Gebühren für jede kleinste Dienstleistung.
    Der Bund besitzt eine eigene Immobiliengesellschaft, die ihre Mieter aussaugt bis hin zur Blutleere.
    Politik und Verwaltung stehen da als größte Preistreiber in der Bundesrepublik. Die Kosten für Bahnfahrkarten und ÖPNV werden jährlich angehoben. Beispielsweise kostete eine Kurzstreckenfahr in Duisburg 2001 DM 2,40. Heute kostet sie 2,70 Euro. Also weit mehr als 100% Steigerung. Die Kosten für Müllabfuhr, Wasser, Abwasser und Energie haben sich im selben Zeitraum weit über allgemeinem Preissteigerungsniveau (etwa 30%) entwickelt.
    Also alle sozialen Kosten, die den kleinen Mann mehr treffen als die Besserverdienenden sind gewaltig angehoben worden.
    Die Verfassung ist generiert worden unter der Voraussetzung, dass Steuern so ziemlich die einzige Einnahmeform darstellen sollen. Die Kontrolle über Ausgaben und Einnahmen schien also ziemlich einfach. Heute bilden viele Unternehmen im Eigentum und unter dem Schutz von Staat und Politik ein undurchdringliches Dickicht, in dem Mauscheleien, Tricksereien und persönliche Interessenverwirklichung möglich sind, ohne dass der Wähler dies durchblickt.
    Genauso ist der Wähler sicher, dass er – egal für welche Partei er sich entscheidet – keine Änderungen der Lage erwarten kann.
    Die Verteilungsaufgaben sind – von der Verfassung als Dienstleistungen des Staates konzipiert – längst dem Gewinnstreben unterworfen.
    Unternehmen in öffentlichem Eigentum werfen mit Hilfe von Politik und Öffentlichkeit unliebsame private Konkurrenz aus dem Wettbewerb.
    Unternehmen in öffentlichem Eigentum sparen Steuern (!), indem sie sich in Form von Holdings konzipieren und – unter dem Dach der Holding – Gewinne mit Verlusten saldieren.
    Mit anderen Worten:
    Unternehmen im öffentlichen Eigentum sorgen dafür, dass private Unternehmen aufgeben müssen, weil sie gegen geballte Staats- und Wirtschaftsmacht keine Chance haben.
    Unternehmen im öffentlichen Eigentum sorgen dafür, dass der Staat weniger Steuern einnimmt, obwohl der Staat von den Steuern lebt!
    In diesem Unfung, Unsinn, müssen wir Bürger unsere Regierung wählen.
    Kein Wunder, dass der Bürger sich unwohl fühlt in diesem Staat. Kein Wunder, dass er anders wählen will. Einige hoffen auf die AFD, viele auf die Grünen. Die etablierten Parteien will keiner mehr. Sie haben das Chaos in der Vergangenheit verschuldet.
    Aber Grüne oder AFD werden auch nichts ändern (wollen).
    Es muss eine andere Staatstheorie her.
    Wir müssen uns fragen, ob der Politiker wirklich, wie es heute der Fall ist, seine Aufgabe darin sehen soll, das Einkommen des Staates zu mehren?
    Oder soll der Politiker verantwortlich und sinnvoll mit dem vorhandenen Geld agieren, sich also als Dienstleister im Sinne unserer Gesellschaft begreifen?
    Wir müssen uns allmählich Gedanken machen, ob der Kapitalismus wirklich die bessere Antwort auf die Frage nach der besten aller Gesellschaftsformen ist.

  • #22
    thomas weigle

    Was wir an der DB-AG beispielhaft studieren können ist, das Elend des Neoliberalismus, der bei seinem Siegeszug eine Institution zerstört, die bis in die 80er eine gut funktionierende staatliche Einrichtung war. eine Einrichtung, die immerhin trotz dreier Jahrzehnte der Vernachlässigung durch die Bonner Regierungen noch von der Substanz und dem Innovationsgeist seiner Mitarbeiter lebte.
    Wer früher eine Ausbildungsstelle bei der Bahn erhielt, wusste, dass er als Bundes- bzw. davor als Reichsbahner in Rente oder Pension geht. Die Eisenbahnen in Deutschland waren hoch angesehen bei der Bevölkerung, nicht umsonst hieß es viele Jahrzehnte PÜNKLICH WIE DIE BUNDESBAHN. Die Eisenbahner waren stolz auf ihren Arbeitgeber und ihre Arbeit und taten alles, um den Kunden zufrieden zu stellen. Von übelwollender Seite wurde gerne über die "Behördenbahn" gespottet. Die flotten Zyniker hätten sich ihre Häme besser für die heutige Spitzen der DB-AG aufgehoben und deren Weichensteller in Politik und Teilen der Industrie.
    Die so vielfach gelästerte alte Bundesbahn war in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens eine zumindest europaweit hoch angesehene Institution, der andere gerne nacheiferten. Die deutschen Lokschmieden lieferten ihre Erzeugnisse in alle Welt, da in dieser Branche MADE IN GERMANY einen ausgezeichneten Ruf genoss, der schon zu Zeiten der Länderbahnen für fette Aufträge sorgte.
    Wer kann sich heute noch vorstellen, dass Eisenbahner aus anderen Ländern zu uns kommen, um neueste Entwicklungen zu studieren, von der DB-AG gar lernen zu wollen. Naja, höchstens wie man`s nicht macht.

    Und was die deutschen Bahnschmieden angeht, auweia. Pleiten, Pech und Pannen seit der Einführung des ICE. Bei der Bahn und der Industrie stanken seitdem nicht nur die schönen neuen ICE-Toiletten zum Himmel.

  • #23
    Ke

    #22 Was hat der Neoliberalismus damit zu tun, dass insbesondere die Bahninfrastruktur auf einem erbärmlichen Niveau ist. Das Netz funktioniert nicht, und das ist die Basis.

    Hier sind Politiker gefordert, endlich etwas zu schaffen und Ausschreibungen in Richtung Sienstleistung zu treiben.

    Der Maschinenbau verliert an Boden, der Rest der Welt schläft nicht. WLAN ist im ÖPNV international Standard. Nur für uns ist alles Neuland.

    Hauptsache die Gedönsbeauftragten machen ihren Job, die weichen Faktoren sind Bestandteil von Ausschreibungen, die Leistung interessiert nicht.

    Aktuell folgen wir der DDR. Irgendwann reicht das Leben aus dem Bestand nicht mehr. Nur welcher reiche Onkel soll uns modernisieren.

  • #24
    thomas weigle

    @ke Das es nicht funktioniert, ist eine Folge des versuchten Börsenganges, des Fitmachens für Börsengewinne. Der Neoliberalismus funktioniert ja nur, weil es genügend Politiker gibt, die von und in ihm das Heil erwarten Wie eine Bahn funktioniert, die sowohl von allen Parteien und der Bevölkerung gestützt wird, kann man in der Schweiz beobachten. Obwohl auch dort, wie ich letzt in einer Fachzeitschrift las, die Verspätungswerte sich denen der DB annähern. Das allerdings hat mich doch überrascht. Aber sonst ist das ein feines Unternehmen.
    Wenn man sich daran erinnert, dass es die 1924 von der DR in DRG umgewandelte Reichsbahn war, die die Reparationsmilliarden erwirtschaftete, anschließend den RAB-Bau stemmte, bleibt eigentlich nur noch fassungsloses Staunen ob einer Leistung, die von "Bürokraten" organisiert und von einer hoch motivierten Mitarbeiterschaft umgesetzt wurde.
    Leider war die 1937 in DR zurück verwandelte und nun Eigentum des NS-Staates gewordene Staatsbahn genauso effektiv bei der Organisation und Durchführung der Deportationszüge in die im Osten gelegenen Todeslager. Ein düsteres Kapitel, zu mal nur ein einziger RB-Funktionär deshalb vor Gericht gestellt wurde: Wilhelm Ganzenmüller, der ab 1960 bei Hoesch der Transportverantwortliche war. Das Verfahren gegen ihn wurde 1971 wg. Verhandlungsunfähigkeit des Ganzenmüller eingestellt. Er überlebte diese Verfahrenseinstellung allerdings um viele Jahre.

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