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Fußball: Das Fan-Projekt Dortmund und das Schalker Fanprojekt mahnen zur Besinnung

Das Stadion der Gelsenkirchener. Quelle: Wikipedia Foto: Friedrich Petersdorff Lizenz: cc

Das Stadion der Gelsenkirchener. Quelle: Wikipedia Foto: Friedrich Petersdorff Lizenz: cc

Nachdem tagelang nur Vereinsfunktionäre und Spieler ihre Stellungnahmen zu den Derbykrawallen vom Wochenende veröffentlichten, haben nun offenbar auch führende Fanvertreter aus Gelsenkirchen und Dortmund ihre Stimmen wiedergefunden.

Nachdem bereits am heutigen Nachmittag die BVB-Fan- und Förderabteilung ihr Statement zu den Vorgängen publizierte, ziehen nun am Abend auch die Fanprojekte beider Vereine nach. Ähnlich wie bereits die Fan- und Förderabteilung des BVB bleibt die gemeinsame Stellungnahme auch hier in den Formulierungen recht ‚moderat‘. In der Hoffnung, dass sich vielleicht der ein- oder andere Chaot des letzten Wochenendes davon doch irgendwie ein Stück weit beeindrucken lässt, möchte ich auch diese Stellungnahme hier an dieser Stelle einmal so weiterreichen, wenn mir auch der rechte Glaube daran fehlt. Denn neu sind diese hier geäußerten Gedanken ja nicht, und außerdem sollten diese Selbstverständlichkeiten eigentlich keiner besonderen ‚Mahnung‘ der Fanprojekte mehr bedürfen…

Versuchen wir es trotzdem mal:

„Als Fanprojekte haben wir den Auftrag nach dem Nationalen Konzept für Sport und Sicherheit (NKSS) präventiv und kriseninterventiv mit Jugendlichen und jungen erwachsenen Fußballfans gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus zu arbeiten. Gemeinsam mit den Fußballfans wollen wir zu einer positiven Fankultur beitragen.

In ihrer Funktion als unabhängige Drehpunkteinrichtungen werden die Fanprojekte durch die DFL, das Land NRW und die Kommunen finanziert.

Nach den Vorkommnissen am vergangenen Samstag möchten nun auch wir als Fan-Projekt Dortmund und Schalker Fanprojekt gemeinsam Stellung beziehen – für einen respektvollen Umgang, gegen Gewalt und für eine Rivalität beider Vereine mit ihren Fanszenen, die sich auf den Sport beschränkt.

Natürlich ist auch uns die über Jahrzehnte gewachsene Rivalität der beiden Vereine und ihrer Anhänger bewusst. Auch deswegen ist das Ruhrgebietsderby immer ein ganz besonderes Spiel und soll es auch weiterhin bleiben.

Nichtsdestotrotz möchten wir klarstellen, dass aus unserer Sicht an diesem Spieltag, vor allem aber auch in den letzten Wochen und Monaten Grenzen von beiden Seiten überschritten wurden, die nicht akzeptabel sind. Es kann und darf nicht sein, dass gegenseitige Gewaltandrohungen und -anwendungen mit der Rivalität und dem Satz „das war beim Derby schon immer so“  gerechtfertigt und somit als legitim angesehen werden.

Der Anwendung von Pyrotechnik und den mutwillig ausgeübten gewalttätigen Auseinandersetzungen muss an dieser Stelle ganz deutlich Einhalt geboten werden: Das gezielte Einsetzen von „Leuchtspurmunition“ und Werfen anderer Feuerwerkskörper auf Personen ist mindestens eine in Kauf genommene, möglicherweise gar schwere Körperverletzung, die nicht tolerierbar und entschieden abzulehnen ist. Solcherlei Handlungen erfüllen derzeit, trotz aller Diskussionen um Pyrotechnik, Straftatbestände, die eine Reihe polizeilicher Ermittlungen nach sich ziehen und der Fankultur die Luft zu atmen nehmen werden. Diese Vorkommnisse spielen jenen Personen in die Karten, die von jeher auf Verbote setzen. Die Einforderung von Fanrechten und Freiräumen wird so kaum noch möglich sein, Faninteressen so kaum noch ernst genommen werden. Hier muss ein Umdenken in den Köpfen der Beteiligten einsetzen.

Unabhängig davon gibt es uns als Pädagogen zu denken, dass insbesondere Teile der jungen Generationen von BVB- und Schalke-Fans gewalttätige Auseinandersetzungen heroisieren und sich selbst (wie auch das Ultradasein) zunehmend über derartige Handlungen zu definieren scheinen. Es ist mittlerweile zu einem Kreislauf von Aktionen und Reaktionen gekommen, der immer wieder mit inakzeptablen Handlungen der jeweils anderen Seite gerechtfertigt und somit am Leben gehalten wird. An dieser Stelle sind zunächst die Ultras gefordert, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Aber auch alle anderen Stadionbesucher sowie alle professionell am Fußballgeschehen Beteiligten stehen in der Verantwortung für eine friedliche und positive Fankultur.

Die Aktion „12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung“ hat gezeigt, welchen Einfluss und welches Veränderungspotenzial Fankurven haben können, die sich an den positiven Werten der Fankultur orientieren!

Wir fordern alle Fans auf, sich einzumischen – gegen Hass, Gewalt und Diskriminierungen und für eine Fankultur, die ihre Rivalitäten kreativ, witzig und von gegenseitigem Respekt getragen, auslebt.

 

 Fan-Projekt Dortmund e.V.                                        Schalker Fanprojekt“

 

Passend zum Thema: http://www.ruhrbarone.de/derbykrawalle-die-bvb-fan-und-foerderabteilung-wendet-sich-an-die-fans/

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18 Kommentare zu “Fußball: Das Fan-Projekt Dortmund und das Schalker Fanprojekt mahnen zur Besinnung

  • #1
  • #2
    der, der auszog

    Wer will das hohle Gelaber von Vereinsfunktionären, Spielern und Fanprojekten nach Krawallen eigentlich noch hören, außer die Vereinsfunktionäre, Spieler und Fans in den Fanprojekten?

  • #3
    Stefan Laurin

    Eine gute Initiative – und allemal besser, als die Peinlichkeit des WDR, die Südtribüne aus dem Vorspann der Lokalzeit zu nehmen.

  • #4
    der, der auszog

    @Stefan

    besser als der WDR ist keine Kunst.

    Robin bringt es auf den Punkt wenn er schreibt, dass ihm der Glaube fehlt.
    Was wird sich ändern? Vermutlich nix, weil alles so oder ähnlich schon mal gesagt worden ist.

  • #5
    Andi

    Eine solche wachsweiche Rhetorik ist für mich eher ein Anzeichen dafür, dass der komplette Lösungsansatz gescheitert ist. Allmählich habe ich den Eindruck, dass nur besonders schmerzhaftes Durchgreifen in der Preisklasse „ein Bengalo im Stadion = nächstes Spiel ohne Zuschauer“ die Vereine zu nachhaltigem Handeln bringen könnte…

  • #6
    Klaus Lohmann

    @#3 | Stefan: Oh ja, es bedarf ja auch der dicksten Eier im östlichen Ruhrgebiet, um jetzt ausgerechnet auf den WDR einzupullern. Welch „Helden“ hier wieder versammelt sind…

    Gerald Baars, den ich nun mal aus persönlichen Kontakten als sehr rationalen und analytischen Menschen schätze, hat zum richtigen Moment den Stöpsel der unentgeltlichen Imagewerbung für einen nicht darbenden, börsennotierten Freizeitverbringungsverein gezogen und damit für die restlichen Medien ein erstes Zeichen für zukünftigen Umgang mit schwallernden, umsatzängstlichen Vereinsführern und um-den-heißen-Brei-drumherum-labernden Fanvereinigungen gesetzt.

    Und Robin hat wirklich Recht, wenn er auf die tausendvierhundertachtundneunzigste Wiederholung (ich kann mich im Einerbereich vertun;-) von Worthülsen, Phrasen und verbalen Anbiederungen an Geldgeber hinweist.

  • #7
    Christian

    Ich frage mich im Gegenzug (@Robin Patzwald, Klaus Lohmann, Andi), was sie sich denn erhoffen? Mehr Polizei? Mehr Repression (wovon durchaus auch der Großteil der unbeteiligten Fans betroffen wäre)? Mehr verbales Keulengeschwinge á la BILD durch die Vereine und Fanprojekte? Denken Sie, dass damit auf offenere Ohren gestoßen wird?

    Es kann nur eine Lösung im gemeinsamen Dialog gefunden werden, moderate und bewusst nicht provozierende Statements sind da meiner Meinung nach durchaus der richtige Schritt. Dieses „die Vereine müssen mehr Härte zeigen“-Gelaber geht auf jeden Fall in die falsche Richtung.

  • #8
    Klaus Lohmann

    @#7 | Christian: Vereine und Fanorganisationen haben seit vielen Jahren keine „offenen Ohren“ mehr, das manifestiert sich u.A. in den permanent festgefahrenen Diskussionen mit DFB, DFL und Innenministern, im Festhalten am verbotenen Pyro-Abbrennen sowie in der schizophrenen, ersten Ablehnung von Polizeieinsätzen und nun erzürnt herbeigerufenen Polizei.

    Dieser Hilf- und Willenlosigkeit in den eigenen Reihen begegnet man nun nur noch mit autoritärem Eingreifen von außerhalb, will man die Kontrolle nicht gänzlich den hirn- und damit gesprächslosen Chaoten opfern.

  • #9
    Andi

    @Christian: Ich erhoffe mir, dass so etwas wie die „Derbykrawalle“ schlicht nicht mehr vorkommt. Augenscheinlich ist dieses Ziel nicht dadurch zu erreichen, dass bei den „Veranstaltern“ solcher Krawalle irgendwelche offenen Ohren gesucht werden, deshalb ist die in meinen Augen vielversprechendste Alternative, dafür zu sorgen, dass Vereine und richtige Fans ein Interesse daran haben, Krawallmachern eindeutige Grenzen aufzuzeigen. Bei Vereinen geht das am schnellsten sicherlich über wirtschaftliche Interessen, deshalb mein Beispiel von Spielen ohne Zuschauer. Eine andere Idee wäre ein Verbot von Alkohol im Stadion. Besonders für Vereine aber auch für Fans sollte die Anwesenheit von Krawallmachern zu so großen Nachteilen führen, dass diese auf keinerlei Duldung oder gar Rückhalt mehr zählen können.

  • #10
    Martin Böttger

    @7 Christian hat völlig Recht, eine viel zu seltene Stimme der Vernunft in dem aktuell ausgebreiteten Geplärre. Der „Sieg“ der Randalierer war die Störung der offiziellen Fußballinszenierung mit der TV-wirksamen 5-Minuten-Verzögerung des Anstosses und TV-gerechten Farben ihrer Pyros. Zu ihrem „Sieg“ gehörte ebenso das Ausrasten von Marcel Reif und allen anderem Medienkommentatoren, das Widerkäuen des immergleichen überall, wo es keiner mehr hören und sehen wollte. Ja, sie wurden sogar mit dem Polizei-Taxi vom Bhf. Essen-West zum Stadion gefahren. Weil man sie unbedingt dort haben wollte? Für diese Inszenierung brauchte? Sie vielleicht zu spät gekommen wären und den Anstoss nicht hätten verzögern können? Wie hätte man ohne sie das ganze Theater veranlssen können? Wär doch irgendwie blöd gewesen, oder? Nur Fußball wär doch unspektakuläre Routine gewesen. Wer hätte in 10, in fünf, in zwei Jahren noch über dieses 1:3 gesprochen? (Nun ich, über das Tor von Sahin, aber wer hört schon auf mich?)
    Und Gerald Baars, den kenne ich auch, ist dabei nur ein einfacher Wellenreiter. Jeder greift sich in diesem Spiel so seine Schlagzeilen ab, die er kriegen kann.
    Da ist die Vertragsverlängerung des BVB mit Klopp vielleicht der richtige Trick, um eine neue Sau durchs Dorf zu schicken.

  • #11
    Klaus Lohmann

    @#10 | Martin Böttger: Sie müssen viel langfristiger, zukunftsorienter, offener und kreativer denken: Außerirdische? Hitler, auferstanden aus Berliner Abwassertunneln? Merkel als entfernte Verwandte Obamas? Die AfD? Gelbe Flaggen und gelbe Rauchbomben als Zeichen, dass die FDP doch nicht tot ist?

    Los, weiterdenken, so’n bissken Verschwörung geht doch für echte Fans mit links…

  • #12
    Christian

    @Klaus: Es geht mir eher um die Ohren der sogenannten „Krawallmacher“. Die Gewaltspirale wird durch repressive Maßnahmen nur weiter erhöht, da können sie sich sicher sein. Dass das genau im Sinne der Hardliner bei DFB/DFL/DPG/DPolG usw. ist, sollte einem zu denken geben. Nicht umsonst waren die Leute vermummt, da kann noch so viel „autoritär von außerhalb“ eingegriffen werden, an der Ursache wird sich absolut nichts ändern. Man wird nur schlimmere Bilder zu sehen bekommen…

    @Andi: So leicht wie Sie sich das vorstellen, ist es aber nicht. Geisterspiele, wenn ich das schon höre… Denken Sie, dass sich Leute, die mit Leuchtspurmunition in Menschenmengen schießen davon beeindrucken lassen? Getroffen wird durch sowas das Groß an Fans, die nicht mit solchen Aktionen einverstanden sind. Prävention vor Repression, der Dialog ist gerade in diesen Zeiten umso wichtiger. Die Einzigen, die wirklich auf der Verursacher einwirken können, sind Leute aus den „eigenen Reihen“.

    Ich empfehle auch die Lektüre dieses Interviews mit Sascha Roolf: http://www.reviersport.de/250807—bvb-fans-verurteilen-derby-krawalle.html

  • #13
    Klaus Lohmann

    @#12 | Christian: „Die Gewaltspirale wird durch repressive Maßnahmen nur weiter erhöht, da können sie sich sicher sein“ – Da solche repressiven Maßnahmen noch nicht mit der gebotenen Konsequenz ausprobiert wurden und höchstens in den Hohlschädeln der Gewaltverherrlicher in Form von „pöse Polizei“ stattfanden, disqualifiziert sich Ihre Vermutung (oder deutlicher: unverhohlene, pubertäre Drohung) von selbst.

    Es passt auch zur eher jugendlich-hormonell überladenen Szene, dass man dort an das peinliche „Wenn ihr uns blöd kommt, wird’s noch viel schlimmer!“-Szenario glaubt. Zum Fremdschämen, diese Selbstüberschätzung…

  • #14
    Hannes

    Ich finde es halt nur schade, dass wieder nur über die negativen Dinge berichtet wird auf so News-Seiten wie bei hier http://www.bild.de/bundesliga/1-liga/home-1-bundesliga-fussball-news-31035072.bild.html – so ein Projekt, selbst wenn es nicht perfekt sein mag, verdient doch auch seine mediale Aufmerksamkeit. Naja, vielleicht kommen die Großen ja auch nochmal auf diese Idee…

  • #15
    Martin Böttger

    Lohmann,
    hier verschwört sich nichts, sondern hier reagieren berechenbare Reflexe aufeinander, die sich gegenseitig bedingen und verstärken. Darum haben sie ja son einen „Spass“ aneinander. „Christian“ scheint wenigsten einer zu sein, der sich davon nicht narkotisieren lassen will, Kompliment dafür.

  • #16
    Andi

    @Christian (12): Natürlich lassen die sich von sowas nicht beeindrucken, aber die Maßnahmen sollen ja auch gar nicht auf die Krawallmacher abzielen, sondern auf die Vereine und Fans. Wenn die Vereine aus Angst vor erheblichen finanziellen Einbußen endlich mehr unternehmen als schulterzuckend ihre Verantwortung in ein paar müden Gesprächskreisen erschöpft zu sehen und wenn ganze Tribünen den Krawallmachern in Sprechchören einstimmig „verpisst euch endlich“ zurufen, dann ändert sich vielleicht was.

  • #17
    Klaus Lohmann

    @#15 | Martin Böttger: Kann man Ihr simples Gemüt, mit dem sich immer wieder *andere* Verantwortliche als die wirklichen Täter und ihre Dulder finden lassen, irgendwo nachkaufen? Das Leben könnte ja soo einfach sein…

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