11

Fußball: Nach dem Allofs-Theater – Wechselfristen auch für Funktionäre?

Die Volkswagen Arena in Wolfsburg. Foto: funky1opty Lizenz: cc

In der Fußball-Bundesliga beschäftigte man sich in der letzten Woche mit dem Wechsel von Manager Klaus Allofs von Werder Bremen zum Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg.

Das Bemerkenswerte daran: Allofs hatte seinen Vertrag in Bremen erst kürzlich bis zum Jahre 2016 verlängert, wurde nun aber, während einer laufenden Spielzeit, vom Ligakonkurrenten aus Wolfsburg mit hohen finanziellen Verlockungen zu einem Wechsel ‚verführt‘.

Das Ganze ging zudem mit unangenehmen Randerscheinungen über die Bühne. Das Gerücht hielt sich bereits seit einigen Tagen in der Szene.

Dies veranlasste Allofs, der bereits über 13 Jahre lang als Manager in Bremen aktiv war, zunächst zu ‚halbherzig‘ anmutenden Dementis. Das Alles sei im Moment kein Thema…. Man könne aber ja auch nicht sagen was in ein paar Wochen, oder Monaten sei… oder ähnliche vage Formulierungen wählte Allofs noch beim Gastspiel seiner Bremer auf Schalke in der Vorwoche.

Ein klares Dementi hört sich anders an! Die Gerüchte hielten sich.

Nur wenige Tage später wurde der Wechsel nach Niedersachsen dann offiziell verkündet.

Ein unschönes Hickhack für alle Beteiligten!

Kann ein so kurzfristiger ‚Wechsel der Pferde‘ eines hohen Bundesligafunktionärs nicht auch unangenehm große Konsequenzen für den abgebenden Club mit sich bringen?

Denn ein dermaßen in der Verantwortung stehender Mitarbeiter nimmt ja auch ein paar ‚Betriebsgeheimnisse‘ mit zu seinem neuen Arbeitgeber, einem direkten Konkurrenten.

Pikanter Weise trifft Wolfsburg nun auch bereits am kommenden Spieltag direkt auf Werder Bremen. Das wird nicht nur menschlich ‚merkwürdig‘ für den neuen Wolfsburger Macher sein. Er dürfte natürlich auch noch Interna aus Bremen zu Hauf kennen.

Da fragt man sich: Wäre es nach diesen Erlebnissen der letzten Tage nicht vielleicht sinnvoll das Wechseln von Funktionären mit laufenden Verträgen innerhalb einer Profiliga zu reglementieren, ähnlich wie das auch bei Spielern bereits der Fall ist, wo es jeweils feste Wechselfristen zu beachten gibt?

Dort dürfen Vereine z.B. nicht im Kader eines Konkurrenten ‚wildern‘, nachdem die Saison im Sommer erst einmal angefangen hat.

Bis zur Winterpause geht dann dort erst einmal gar nichts mehr in Sachen Teamwechsel. Nur vereinslose Spieler dürfen dann noch neu in den Kader eines Teams aufgenommen werden.

Eine ähnliche Regelung erscheint mir im Bereich der Trainer und Funktionäre, nach den jüngsten Erfahrungen rund um den Allofs-‚Transfer‘, ebenfalls ganz ratsam zu sein.

Wir alle erinnern uns ja auch noch an den raschen Wechsel von Felix Magath von Schalke 04 nach Wolfsburg. Auch dieser sehr kurzfristige Wechsel hinterließ damals bei vielen Beobachtern ein ‚ungutes Gefühl‘. Und das, obwohl Magath von Schalke ja seinerzeit ‚gefeuert‘ worden war, also faktisch arbeitslos war. Ihn dann aber bereits am kommenden Wochenende auf der Bank eines anderen Teams sitzen zu sehen, das war für viele Fans und Beobachter auch damals schon recht ‚merkwürdig‘.

Eine andere Möglichkeit wäre es jedem Funktionär lediglich zu erlauben in einer Spielzeit nur für ein Team einer Liga zu arbeiten. Demnach wären Wechsel innerhalb der Bundesliga dann nur in der Sommerpause, nach der Saison, möglich.

Das Ganze müsste dann auch arbeitsrechtlich natürlich erst einmal (europaweit) geklärt werden. Über die Statthaftigkeit solcher Regeln wird nämlich bereits jetzt schon heiß diskutiert.

Werder Bremen hat nun, im aktuellen Fall, ohne eigenes Zutun, jedenfalls den großen Nachteil selber kurzfristig Ersatz verpflichten zu müssen.

Der erste Reflex ging bei den Grün-Weißen offenbar ebenfalls in Richtung eines derzeit unter Vertrag stehenden Managers. Doch Wunschkandidat Dietmar Beiersdorfer, derzeit für Zenit St. Petersburg im Management aktiv, hat an der Weser bereits abgesagt…

Der Kreis der vefügbaren Kandidaten ist klein. Die Verantwortung in diesem Job natürlich groß. Ein ‚Schnellschuss‘ ist daher ganz und gar nicht ratsam. In Bremen gab man Allofs zu diesem Zeitpunkt also sicher nicht gerade gerne ab. Daran wird auch die kolportierte ‚Ablösesumme‘ nichts ändern.

Aber was will ein Verein ernsthaft dagegen tun, wenn einem seiner leitenden Angestellten von einem Mitbewerber mit großen finanziellen Möglichkeiten erst einmal der Kopf ‚verdreht‘ wurde?

Sich zu weigern einem Wechsel zuzustimmen hätte für Werder wohl auch keinen Sinn gemacht.

Ein zukünftig dann total unzufriedener Mitarbeiter bringt dem Verein in dieser Funktion auf Dauer auch nichts.

Aus meiner Sicht sind das alles gute Gründe dafür zukünftig auch den Wechsel von Funktionären im Profisport mit Wechselfristen zu beschränken, so wie das auch bereits bei den Spielern gehandhabt wird.

Und das es, wenn ein Funktionär sein Arbeitspapier erst nach langen Verhandlungen um mehrere Jahre verlängert, dann aber, nur kurze Zeit später, als wechselwillig angesehen wird, und dem Ruf des Geldes folgt, mag  menschlich natürlich verständlich sein, wirkt nach außen aber auch nicht unbedingt glücklich. Fußballromantiker dürfte ein solches Vorgehen jedenfalls nicht begeistern.

Die ganze Angelegenheit verdeutlich so nur wieder einmal wie sehr die Bundesliga (inzwischen) vom Geld bestimmt wird, und wie wenig man von der bei vielen Fans noch immer romantisierten ‚Vereinsliebe‘ im Alltagsgeschäft offenbar wirklich vorfindet. Selbst im Falle eines scheinbar so sehr mit ‚seinem‘ Verein verbundenen/verwurzelten Urgesteins wie Klaus Allofs….

Die Fußball-Bundesliga ist halt inzwischen auch ein ganz normales Geschäft geworden.

RuhrBarone-Logo

11 Kommentare zu “Fußball: Nach dem Allofs-Theater – Wechselfristen auch für Funktionäre?

  • #1
    theo

    Robin, ich verstehe deinen Ansatz nicht ganz. Weder Bremen noch Wolfsburg sehen darin ein Problem. Warum du? Dass einem etwas „merkwürdig“ vorkommt, ist ja kein Indiz, dass irgend ein Verein dadurch tatsächlich geschädigt wird. Und „Insider“-Wissen gibt´s bei den BuLi-Vereinen wenig, da ist ja erfahrungsgemäß dank der eigenen Akteure meist mehr Transparenz als erforderlich 😉

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Theo: Vielleicht bin ich innerlich dazu zu viel Romantiker in Sachen Fußball. Mich stört das. 🙂 Das Bremen ihn nun gehen liess, nachdem Allofs sich klar positioniert hatte, das wundert mich nicht. Ein Verbleib hätte da wenig Sinn gemacht. Wir werden sehen wie es bei Werder nun weitergeht. Ich sehe da für Bremen schon einige Probleme durch den ‚überstürzten‘ Abgang. Und klar nimmt er auch Insiderwissen mit. Sei es bei den Spielerplanungen, beim Scouting usw.. Allofs plante ja für Werder schon die nächsten Monate. Der Nachfolger, wer immer es werden wird, steht erst einmal relativ ‚dumm‘ da. Ich sehe einen Wechsel von Teammanagern in der laufenden Saison daher schon sehr kritisch. Das finde ich auch sogar kritischer als den Wechsel von Spielern innerhalb der Saison.

  • #3
    Walter Stach

    Robin, leider ist der Profi-Fußball ein Geschäft wie jedes andere, bestimmt von unternehmerischen Interessen: Oft gewinnen, Spitzenplätze belegen Geld verdienen -und umgekehrt-.
    Wer hier etwas zu regeln, zu reglementieren versucht,wird damit Schiffbruch erleiden -sh. der gescheiterte Versuch, der Festsetzung von Gehaltsobergrenzen für die Spieler oder von Obergrenzen für die Ablösesummen, sh.die m.E.unsinnige Praxis zeitlich begrenzter Wechselmöglichkeiten für die Spieler.

    Also, wenn Geschäftsführer wechseln wollen, dann sollten sie das jederzeit dürfen, selbstverständlich ohne dabei gegen arbeits- bzw.dienstvertragliche Pflihten gegenüber ihrem jeweiligen Arbeitgeber zu verstoßen. Diesbezüglich habe ich auch Bremen nichts gehört.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Walter: Aber warum dann nicht die gleichen Wechselfristen einführen wie für die Spieler auch? Aus meiner Sicht hätte das nur Vorteile. Und bei den Spielern begrenzt es die Wechselspekulationen auch weitestgehend auf den Sommer. Ich finde das sinnvoll und gut so.

  • #5
    theo

    Robin,

    Willi Lemke konnte es doch gar nicht mehr abwarten, Klaus Allofs endlich loszuwerden. Das zog sich doch schon über Monate hin. Klar hat die Wolfsburger Kohle gezogen, aber Lemke und Co haben auch kräftig geschubst.

  • #6
    Robin Patzwaldt

    @Theo: Aber dann fragt man sich warum der Vertrag erst vor wenigen Monaten bis 2016 verlängert worden ist? Das hätte man sich dann ja auch gleich sparen können. Und Allofs hätte sich in Ruhe eine neue Herausforderung suchen können. Dann hätte man einfach einen sauberen Schnitt gehabt.

  • #7
    Walter Stach

    Theo/Robin:
    Warum sollte es arbeits-/dienstrechtlich/praktisch bei Geschäftsführern von Bundesligavereinen anders zu gehen als ansonsten bei Arbeits- und Dienstverträgen mit „leitenden Angestellten“? Theo, ja mag das dann in der Tat eben auch bei der Werder Bremen gewesen sein. Allfos wollte weg und Lemke und Co.wollten ihn weghaben. Und dann kann man bekanntlich -ohne Kündgungsfristen einhalten zu müssen, ohne Klagen befürchten zu müssen-sich im beiderseitigem Einvernehmen -Vertrag über die Auflösung des Beschäftigungsverhältnisses-trennen und dabei ist es ja auf der Managerebene nicht unüblich, daß das Unternehmen, das den Manager übernimmt, dem abgebenen Unternehem dafür ‚was zahlt.

    Also, Robin, keine Aufregung, hier geht es um’s Geschäft und nach den dort geltenden Regeln.

    (Robin, ich teile Deine Schlußfolgerung nicht, nämlich die zeitlich Begrenzung von Wechselmöglichkeiten für die Spieler auch auf Manager im Unternehmen „Bundesligaverein“ auszudehnen.Ich bleibe bei meiner Meinung:
    -sh.3-: Abschaffung der Wechselfristen auch für Spieler -die gelten ja auch nicht für Trainer ,und sie sollten auf keine Fall weiter ausgedehnt werden, etwa auf die Manager im Bundesligaverein.)

    Die dazu oft zu hörende Begründung für die zeitlich begrenzten Wechselmöglichkeiten von Spielern mit der Gewährleistung der Chancengleichheit für alle Vereine, wenn es um die Verpflichtung/Entpflichtung von Spielern geht oder die Begründung, die Vereine brauchten Planungssicherheit im Personellen in ihrem Unternehmen Bundesligaverein, sind m.E. vordergründig und realitätsfremd. Es wird doch bekanntlich kaum anderswo so viel gemauschelt, so viel außerhalb geltender fußballverbandsinterner Regeln gemacht wie beim Wechsel von Spielern.

  • #8
    theo

    Robin (6),

    zumindest hat Allofs damals nicht in den Sack gehauen, obwohl ich mir sicher bin, dass er sehr schnell anderswo einen Job erhalten und vermutlich auch mehr Geld als in Bremen bekommen hätte.
    Das hängt auch damit zusammen, dass Allofs in Bremen schon eine Art Lebenswerk sieht. Und dass er nicht gehen wollte, als es sportlich schlechter lief.

    Lemke hätte ihn sicher gerne schon damals gehen lassen, aber gegen Allofs Willen – das wäre in Bremen nicht vermittelbar gewesen. Also hat er gestichelt und gepiekst, wo er konnte. Hat versucht, Spielerkäufe zu verhindern, hat Bode als neuen Oberaufseher installiert.

    Willi Lemke möchte mächtig sein. That´s it. Bleibt nur abzuwarten, ob Thomas Schaaf auch nach dem Ende dieser Saison noch bleibt. Ich bin mir da noch nicht so sicher.

  • #9
  • #10
  • #11
    Robin Patzwaldt

    Interessante, neue Entwicklung in Bremen. Alle ‚Macht‘ nun für Schaaf?

    http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/577984/artikel_nach-allofs_alle-macht-fuer-schaaf.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.