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Gauland, Dagdelen, Voigt: Auf der Seite der Macht

maidan

Im Tagesspiegel bekundete Harald Martenstein gestern, dass er Teile der Linken wegen ihrer Sympathie für die Politik Putins nicht versteht.  Schaut man sich auch die Rechten und ihre Solidarität mit Russland an, stellt sich der Erkenntnisgewinn flott ein.

Für die Bochumer Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Sevim Dagdelen ist Bundespräsident Joachim Gauck ein Kriegstreiber und die Proteste, die zum Sturz der Janukowitsch Regierung in der Ukraine führten, vor allem eine Aktion von Faschisten. Keine Frage, die spielten und spielen in der Ukraine eine unerträglich wichtige Rolle, waren allerdings nicht die bestimmende Gruppe. Das stört Dagdelen nicht. Für die Süddeutsche Zeitung ist sie “Putins U-Boot im Bundestag”:

In Gastkommentaren etwa für die Junge Welt geißelt Dağdelen die Rolle der zum Teil mit Faschisten besetzten Übergangsregierung in der Ukraine. Den grassierenden Nationalismus in Russland aber oder Putins Eskalationsstrategie erwähnt sie mit keinem Wort.

Zu Dağdelens Lieblingswörtern gehört “Krieg”. Bundespräsident Joachim Gauck nennt sie einen “Kriegstreiber”. Eine Bundestagskommission, in der über eine Neuordnung der Parlamentsrechte bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr beraten werden soll, ist in ihren Augen eine “Kriegskommission” .

Demokratien gibt es in der Ukraine für Dagdelen nicht, wie sie in einem Gastkommentar in der nationalkommunistischen Tageszeitung Junge Welt die Leser wissen lässt:

 Allein schon die völkerrechtswidrige Anerkennungspraxis auf dem Balkan und der NATO-Krieg 1999 lassen aber Zweifel aufkommen, daß es den EU-Verantwortlichen tatsächlich um den Schutz von Demokratie und Völkerrecht geht. Die EU-Kommission hatte der neuen ukrainischen De-Facto-Regierung aus Rechtskonservativen, Nationalisten und Faschisten bereits vor dem Gipfel Hilfe zugesagt. Mit insgesamt elf Milliarden Euro will man ihnen unter die Arme greifen. Bedingungen dafür, wie etwa die Heranziehung der Oligarchenvermögen – Fehlanzeige.

Der Westen und die Ukraine – für die Bochumerin ein klarer Fall von Kriegstreiberei. Schon Sanktionen gehen ihr zu weit. Mit der Meinung ist sie nicht alleine: 

Die Haltung der EU und der USA jetzt den Willen von 95,5 Prozent der Russen und Ukrainer auf der Krim mit Sanktionen bestrafen zu wollen, gefährdet den Weltfrieden. Sie hetzen die Ukrainer gegen die Russen auf und lassen sie am Ende doch im Stich.

Der Mann, der das sagt, ist kein Mitglied der Linkspartei und stört sich kaum an Rechtsradikalen in der Ukrainischen Regierung: Udo Voigt, der ehemalige Vorsitzende der NPD, ist der Spitzenkandidat der Nazipartei für die Europawahl. Und das mit Swoboda eine Partei in der Ukrainischen Regierung sitzt, zu der die NPD beste Kontakte hat, ist ihm egal. Er hat sein Herz für Putins Russland entdeckt:

Während sich nach 1990 die Sowjetunion und der Warschauer Pakt aufgelöst haben, hat sich die unter US-Führung stehende NATO immer weiter nach Osten ausgedehnt. Sie versucht immer weiter, an die russischen Grenzen heranzukommen und stellt eine bedrohliche Umklammerung Rußlands dar. Diese Aggressionspolitik betreibt die US-NATO, obwohl sie 1990 den Russen zugesichert hatten, genau dies nicht tun zu wollen. Es ist erstaunlich, welche unendliche Geduld die russischen Regierungen seitdem der US-NATO und ihren Provokationen entgegenbrachten.

Ähnlich sieht es auch der sich selbst als im Zweifel links stehend sehende Jakob Augstein in seiner Spon-Kolumne:

Der Ost-West-Konflikt lebt wieder auf. Aber die Kalten Krieger sitzen nicht im Kreml. Sondern in Washington, in Brüssel und in Berlin. Seit 1989 steuert der Westen einen Kurs der Konfrontation gegenüber Russland.

Und der stellvertretende Sprecher der AfD, Alexander Gauland, bringt alles auf den Punkt: Die Ukrainische Regierung sei demokratisch nicht legitimiert. Weiter fasst die FAZ Gaulands Thesen zusammen: “Russland habe bei der Wiedervereinigung das Versprechen der westlichen Mächte erhalten, dass die Nato sich nicht östlich der neuen Bundesländer erstrecken werde.” Die FAZ weiter über Gauland:

Wer sage, Russland falle in Verhaltensmuster des 19. Jahrhunderts zurück, müsse wissen: „So schlimm war es garnicht im 19. Jahrhundert.“ Auch die Vereinigten Staaten hätten Texas nicht durch eine Volksabstimmung von Mexiko gewonnen. Das „Sammeln russischer Erde“, welches in der russischen Geschichte üblich gewesen sei, habe nichts mit Stalinismus zu tun. „In unserer postheroischen Zeit mag es so sein, dass wir das nicht mehr verstehen können“, sagte Gauland.

Gauland, Augstein, Voigt und Dagdelen sind sich, aus unterschiedlichsten Gründen, darin einig, dass es mehr Verständnis für das Putin-Regime braucht und das gegen Russland keine Sanktionen verhängt werden dürfen. Martenstein im Tagesspiegel verwundert zumindest die Position von Teilen der Linken:

In der Krimkrise beobachte ich mit einer gewissen Verwirrung, dass viele Linke relativ großes Verständnis für die politischen Positionen von Wladimir Putin zeigen. Die Position der westlichen Länder dagegen wird sehr kritisch gesehen.

Was Martenstein übersieht: Es geht hier nicht um eine Frage von links und rechts, es geht um das Verhältnis zu offenen Gesellschaften,um das Verhältnis zur Autorität.

Dagdelen gehört als Anitiimperialistin  (Zitat:  “Eine LINKE ist antiimperialistisch oder nicht links”) zum autoritären Flügel ihrer Partei. Die offene, liberale, demokratische Gesellschaft ist nicht ihr Ziel, sie ist ihr Feind. Einen Feind, den sie mit Politikern wie Voigt und Gauland teilt. Bei Augstein bin ich mir da im übrigen nicht so sicher – wahrscheinlich ist der einfach nur ein aufgeblasener Wichtigtuer mit einem zu großen Erbe, der findet, dass ihm ein wenig Rebellen-Duft gut steht.

Autoritäre Politiker hassen die offene Gesellschaft. Sie verachten sie für ihre anscheinende Ziellosigkeit, für den Individualismus, der ihr Kern ist. Sicher, der Westen darf die Ukrainische Regierung nur unterstützen, wenn die Rechtsradikalen in ihr nicht mehr vertreten sind, aber ein Großteil der Demonstranten auf dem Majdan waren keine Nazis. Sie gingen auf die Straße, um küntig besser zu leben, gegen die Korruption, für die Hoffnung ihr eigenes Glück finden zu können – genau das, was in der US-Verfassung als das Recht, nach dem eigenen Glück zu streben, beschrieben ist.

Dabei geht es nicht um Klassen, Völker oder Rassen, nicht um kollektivistische Vorstellungen vom Leben, sondern um die Freiheiten und Möglichkeiten des Individuums. Allein diese Vorstellung einer Welt von Individualisten, die nicht bereit sind, sich Kollektiven unterzuordnen, macht ihnen Angst. Diese Angst vor der Freiheit des Individuums verbindet Dagdelen, Voigt und Gauland. Liberale haben sie nicht, antiautoritäre Linke haben sie auch nicht. Doch alle, die autoritären Ideologien anhängen, haben sie. Und sie sind bereit, sich an die Seite von fast jedem zu stellen, der als autoritärer Herrscher gegen dieses Denken vorgeht. Egal ob Putin oder Assad. Sie kämen nie auf die Idee, nach den, wenn auch kleinen, liberalen oder libertären Gruppen zu suchen, um sie zu unterstützen. Sie sind auf der Seite der autoritären Macht, sie sind auf der Seite der Feinde der offenen Gesellschaft.

 Mehr zu dem Thema:

Der Westen muss zu seinen Werten stehen – gegen Putin und gegen Nazis in der ukrainischen Regierung

 

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54 Kommentare zu “Gauland, Dagdelen, Voigt: Auf der Seite der Macht

  • #1
  • #2
    Heinrich Czerkus

    LECHTS = RINKS ?!?

    Selten einen solchen Schrott auf Ruhtbarone gelesen, wirklich… :-/

    Solch plattes Totalitarismus-Gewäsch steht den Positionen der FDP in nichts nach! Wenn ihr deren neoliberale, strunzbürgerliche Argumentation von “Freiheit” (für sich allein stehend übrigens ein Begriff ohne konkreten, weil zugeordneten Wert) unkritisch übernehmt, kann ich künftig auch die FAZ lesen.

    MfG,
    H. Czerkus

  • #3
  • #4
    Hannah Bruns

    Stefan, der ganze Artikel besteht doch aus dem rhetorischen Trick sich ein paar Menschen rauszusuchen, die beim Ukraine-Thema alle gegen eine Eskalation sind. Aus verschiedenen Gründen. Was haben Jakob Augstein, Udo Voigt und Sevim Dagdelen sonst bitte gemeinsam? Du warst doch z.B. auch kein Fan vom Steag-Ankauf, siehst du, das hast du mit Sevim Dagdelen gemeinsam. Aber was beweist das denn? Wenn du Leuten Dinge vorwerfen willst, z.B. dass sie autoritäre Linke sind, weil sie sich mit autoritären Herrschern solidarisieren, dann finde ich braucht es schon mehr als den Versuch die Gemeinsamkeiten von Linkspartei Politikern und Journalisten und Nazis darzustellen. Ich bin gegen Hartz IV und die NPD auch, macht mich das zu einer Nationalsozialistin? Ich denke nicht. Nazis gehören bekämpft. Ob in der Ukraine oder in Deutschland und solange die Bundesregierung das nicht macht, macht sie sich mit Faschisten gemein.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Hannah Bruns: Das ist ja nicht nur in diesem Fall so. Auch bei den Themen Iran oder Syrien läuft es nach dem gleichen Schema: Für die autoritären Herrscher, gegen den Westen. Und bei Israel ist es ebenso. Sorry, das ist kein Zufall und kein “rhetorischer Trick”, sondern eine offensichtlich ähnliche Grundstruktur bei der Interpretation von Politik. Und diese speist sich aus einem autoritären und kollektivistischen Denken, dass sich immer, wirklich immer, gegen den Westen wendet. Das Gesetz, das den Steag-Kauf erst möglich machte wurde damals übrigens mit den Stimmen der Linken im Landtag beschlossen.

  • #6
    OWL-Baron

    “So schlimm war es nicht im 19.Jahrhundert.” Tja, das haben die europäischen Liberalen und Demokraten bis hin zu Marx, Bebel und Engels aber ein klein wenig anders gesehen und beschrieben. Das zaristische Russland war für alle in Europa, die sich als Kämpfer für die allgemeine Erklärung der Menschenrechte sahen, so etwas wie der leibhaftige Gottseibeiuns. Was viel mir der russischen Unterdrückung ihres polnischen Beutestücks zu tun hatte. Und um Längen vor der Politik Preußens und Österreich-Ungarns mit ihren polnischen Beutestücken lag.
    Aber eben auch mit der späten Aufhebung der Leibeigenschaft im gesamten russischen Reich, der allgemeinen politischen Unterdrückung, die sich auch in um die 7500 Todesurteilen zwischen den 1820er Jahren und der Februarrevolution 1917 manifestierte. Von denen nicht alle politisch bedingt waren, auch nicht alle vollstreckt wurden, aber ebenfalls als Zeichen der schlimmen “Menschenrechtslage” im zaristischen Russland angesehen wurde.

  • #7
  • #8
    68er

    @ Stefan Laurin

    Ich frage mich, ob Sie meinen Kommentar wegen des Vergleichs oder wegen der Videos nicht freischalten. Aber vielleicht finden Sie als gefühlter “WDR-Hasser” das “Rundfunk-Video” ja gar nicht so schlimm wie ich. 😉

    P.S:: Der Schläger beim Staatsanwalt, der “Chef” des “Rechten Sektors” ist mittlerweile tot. Das ukrainische Innenministerium sagt, nachdem Musytschko das Feuer eröffnet habe sei er von der Polizei erschossen worden. Örtliche Medien berichteten, Musytschko sei nahe der Stadt Rowno überwältigt und dann mit Schüssen in die Brust “hingerichtet” worden.

    http://web.de/magazine/nachrichten/ausland/ukraine-krise/18748094-ukraine-ticker-julia-timoschenko-wladimir-putin-krim-krise.html#.hero.Polizeieinsatz%20oder%20Hinrichtung?.484.324

    Vielleicht hat der Innenminister der Ukraine ja Herrn Gysi im Bundestag gehört und seine Konsequenzen gezogen:

    http://youtu.be/S-zuK_gfQn8?t=6m00s

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @68er: ich war unterwegs und konnte die Videos nicht checken. Und ich bin kein WDR-Hasser, da haben Sie wieder einmal was nicht richtig verstanden. Und zu den Nazis in der ukrainischen Regierung habe ich hier alles gesagt:
    Der Westen muss zu seinen Werten stehen – gegen Putin und gegen Nazis in der ukrainischen Regierung
    @Robert: Zu dem Thema empfehle ich: http://www.heise.de/tp/artikel/36/36507/1.html

  • #10
    Robert Niedermeier

    Ein Tipp, insbesondere an meine deutschen Landsleute: Rüstet mal ab, seid nicht so überheblich und arrogant. Sorgt lieber dafür, das Ungerechtigkeit dort abgebaut wird, wo ihr selber lebt. Der Fingerzeig von deutscher Seite aufs böse Ausland ist chauvinistisch, kommt all zu oft rassistisch getränkt daher und schafft lediglich Unfrieden. Reist ins Ausland, lernt die Menschen statt Hotelburgen kennen. Macht euch die Welt zum Freund, nicht zum Feind. Wendet eure Erkenntnisse daheim an, anstatt anderen Völkern oberlehrerhaft die Leviten lesen zu wollen. Zur Erinnerung: Zwei Weltkriege gingen vom deutschen Boden aus. Denkt global, handelt lokal und seid friedlich. Das hilft. – See more at: http://reiserobby.de/make-peace-not-propaganda-lgbt-als-spielball-der-konfliktparteien/#sthash.rIHxqbAj.dpuf

  • #11
    68er

    Bis vor kurzen habe ich mich immer gewundert, wieso man im “Westen” so sicher war, dass “Swoboda” und der “Rechte Sektor” in der Ukraine keine wirkliche Gefahr darstellen sollen.

    Wenn die “westlichen Werte” in der Ukraine genau so “siegen” wie in Ägypten, müssen wir uns wirklich keine Sorgen machen, falls die rechtsradikalen und nationalistischen Kräfte in der Ukraine aus falsch verstandener Demokratie an die Macht kommen sollten. Ein kleiner Militärputsch und ein paar nicht so ins Gewicht fallende Gerichtsverfahren (529 Todesstrafen und ca. 700, die noch auf ihren Prozess warten) bringen dann alles wieder ins “westliche” Lot:

    http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/ueber-500-todesurteile-gegen-muslimbrueder-1.18269615

    Da ist es gut, wenn die Leute von der Polizei sich schon mal “warmschießen”.

    (#Sarkasmus-modus aus#)

  • #12
    Robert Niedermeier

    Weiland marschieren Neo-Nazis in Schweden gegen Russland und für die Ukraine auf. Etwas Ausgewogenheit wünschte ich mir, statt jeden, der vor den ukrainischen Neo-Nazis warnt, russophob unterfüttert in die Putin-Befürworter-Ecke zu stellen: https://twitter.com/ProfessorsBlogg/status/447688461747634176/photo/1

  • #13
    Klaus Lohmann

    @#10 | Robert Niedermeier: *Ich* habe mein Leben lang nie aufgerüstet oder anderweitig “in Waffen gemacht”, ich bin weder Aggressor noch Diktator, ich baue in meinem persönlichen Umfeld permanent Ungerechtigkeiten ab, wo es nur geht – und ich nehme deshalb das Recht in Anspruch, Idioten wie Gauland, Dagdelen oder Voigt komplett Scheiße zu finden. Punkt.

  • #14
    leoluca

    Die Methode des Ausgangstextes ist ziemlich platt. Man will einige für den Westen bittere und unangenehme Wahrheiten als reine Propaganda diffamieren, indem man zeigt, dass auch links- und rechtsradikale Putin-Verehrer schon mal sowas ähnliches gesagt haben. Dass man obendrauf Jakob Augstein, den Verleger einer der besten linksliberalen Blätter im Land, nur weil er für Verständnis gegenüber der Einkreisungsangst Russlands plädiert, in einem Atemzug mit deutschen Neonazis nennt, ist eine üble Entgleisung.

    Man muss kein Putinfreund sein, um festzustellen, dass die NATO klare Zusagen zur politischen Kooperation und Zusammenarbeit mit Russland gebrochen hat und somit mit verantwortlich ist für die derzeitige Eskalation zwischen “Ost und West”. Die westliche Position zur Völkerrechtsverletzung ist bigott. Und warum die EU es nicht auf ein Assoziierungsabkommen für die Ukraine zusammen mit Russland angelegt hat, sondern nur auf ein eigenes, zeigt doch nur, dass sie nicht auf friedliche Koexistenz aus ist, sondern auf ökonomische Einverleibung der Ukraine. Sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass Putin darauf rein macht- und militärpolitisch reagiert. Wie dumm. Wie würden denn die USA reagieren, wenn Kanada ein Bündnis mit Moskau einginge und feindselige Signale an Washington aussendete? Ja, genau. Das US-Embargo gegen Kuba besteht übrigens seit 1960. Und mehrere Versuche, den früheren Staatschef Fidel Castro zu ermorden, sind nachgewiesen. Und da sollen wir glauben, dass die Reaktion von Wladimir Putin überraschend gewesen sei und auf imperialen Expansionsdrang schließen lasse. Hm.

  • #15
    Klaus Lohmann

    @#14 | leoluca: “Sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass Putin darauf rein macht- und militärpolitisch reagiert. Wie dumm.”

    Glauben Sie das evt. selbst?? Wenn ja – Gesundheit!

  • #16
    Diagonalkolumunist

    Zu der Fürchterlichkeit dieses Artikels wurde schon genug gesagt. Da lese ich lieber die nationalkommunistische (WTF?) Junge Welt.

  • #17
    Diagonalkolumunist

    “Putins U-Boot im Bundestag” – Hier allerdings Zustimmung, wer es auf Dagdelen´s Facebook Seite wagt Russland zu kritisieren, der geht in den IT-Gulag. Dieser Fake-AntiImperialismus ist lächerlich. Eigentlich ist das plumper Antiamerikanismus.

  • #18
    SteLu

    Feiner Kommentar. Da muss ich dann doch nochmal ein “sehr schön” hinterlassen. Aber jetzt muss ich mich wieder um die schwarz-weißen Hunde kümmern, das ist wesentlich wichtiger, als irgendetwas zu kommentieren 😉

  • #19
    Thorsten Stumm

    Mal hier etwas um aus dem schwarz-weiss denken auszubrechen

    http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001543

  • #20
    Nazienkel

    …gerade in der Kommentierung der Krimkrise zeigen sich viele von ihrer besten antiamerikanischen Seite – á la “der Feind meines Feindes ist mein Freund”. Beste Beispiele sind die Nachdenkseiten oder der Spiegelfechter. Bei letzterem ist der in der Kommentarspalte tobende, offene und sich nicht von Verschwörungstheorien abgrenzende Antiamerikanismus bemerkenswert. Schon interessant, was sich bei den Antiimperialisten, welche sich als die linkesten der linkesten gerieren, so tut. Da wird Staatsautoritarismus gänzlich kleingeredet, Homophobie ist eine westliche Erfindung etc., bständig wird von Systemmedien geredet…Da ist fremdschämen angesagt…

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/129077/was-nicht-bei-drei-auf-den-baeumen-ist-wird-verteidigt#comment-283688

  • #21
    Nansy

    @Thorsten Stumm #19:

    Und hier mal etwas um den “Weichzeichner” aus der Diskussion wieder etwas herauszunehmen: 😉

    http://www.cicero.de/weltbuehne/krimkrise-ukraine-wie-die-russland-versteher-auf-putin-hereinfallen/57211

  • #22
    Arnold Voss

    @ Leoluca # 14

    “Man muss kein Putinfreund sein, um festzustellen, dass die NATO klare Zusagen zur politischen Kooperation und Zusammenarbeit mit Russland gebrochen hat und somit mit verantwortlich ist für die derzeitige Eskalation zwischen “Ost und West”.”

    Die Zusagen wurden an die Sowjetunion gemacht und nicht an Russland. Die Sowjetunion existiert allerdings nicht mehr. Ansonsten hat die Nato Russland immer die Kooperation angeboten und nie auch nur ansatzweise mit einem Krieg gedroht. Auch jetzt tut sie das nicht. Im Gegenteil, selbst für eine eventuelle Annektierung weiterer Teile der Ukraine wird ein Militärschlag seitens der Nato ausgeschlossen.

    Die europäischen Staaten die nach 89 in die Nato gegangen sind wurden von der Nato nicht dazu gezwungen sondern wollten unbedingt Mitglieder werden. Da sie eigene und unabhängige Staaten sind konnte ihnen das auch Niemand verbieten. Hätten sie in die Russische Konföderation gewollt, wäre die Nato mit Sicherheit nicht dagegen eingeschritten.

    “Und warum die EU es nicht auf ein Assoziierungsabkommen für die Ukraine zusammen mit Russland angelegt hat, sondern nur auf ein eigenes, zeigt doch nur, dass sie nicht auf friedliche Koexistenz aus ist, sondern auf ökonomische Einverleibung der Ukraine.”

    Über ihre Assoziierungsabkommen entscheidet einzig und alleine die Ukrainische Regierung und die von ihre gewählten Aussoziierungspartner. Die Ukraine hätte deswegen auch zusätzlich eins mit Russland eingehen können und die EU hätte sie nicht daran gehindert. Russland wollte allerdings das Assoziierungsabkommen mit der EU verhindern.

    Die ökonomische Einverleibung der Ukraine ist übrigens gar nicht möglich, weil die Wirtschaftsbeziehungen großer Teil des Landes zu Russland viel zu einseitig in Richtung Russland verlaufen und diese Tatsache sich auch nicht durch das Assoziierungsabkommen mit der EU ändert. Wenn überhaupt ist die Ukraine ökonomisch von Russland einverleibt.

    Bei einem weiteren ökonomischen Vernetzung und Kooperieren der EU mit Russland, und das war bisher das Ziel beider Seiten, führen Begriffe wie “Einverleibung” aber nicht nur nicht weiter sondern in die Irre. Die gegenseitige ökonomische Abhängigkeit ist vielmehr dem Prozess der Globalisierung geschuldet und wirkt auf Dauer friedensstiftender als der Pazifismus, wobei beides einander nicht ausschließt.

    Genauso unangemessen ist der Begriff der Einkreisung respektive der “Einkreisungsangst”. Eingekreist ist auf dieser Welt nämlich jeder Staat, und zwar von all seinen Anrainernationen. Es sei denn es handelt sich um eine Insel, und selbst da gilt die Einkreisung im weiteren geographischen Sinne. Entscheidend für die Angst vor den Nachbarn ist deswegen einzig und allein deren Verhalten.

    Warum hatten z.B. die Polen mehr Angst vor Russland als vor der Nato? Warum haben jetzt die baltischen Staaten mehr Angst vor Russland als vor den USA oder vor den anderen Staaten Westeuropas? Warum wollten diese Länder auf keinen Fall neutral bleiben? Warum wollten ein Teil der Ukrainer nicht nur ein Assoziierungsabkommen mit Russland sondern auch eins mit der EU?

    Könnte es also sein, das Russland durch sein eigenes Verhalten genau für das gesorgt hat, was seine Regierung jetzt als Minderung seiner Einflusssphäre ansieht und beklagt? Als sogenannte Einkreisung durch quasi feindliche Staaten? Könnte es sein, dass die russische Seite der Konfrontation von Leuten wie Augstein, Dagdelen, Gauland, Vogt, natürlich aus ganz verschiedenen Perspektiven und mit ganz verschiedenen Absichten, ausgeblendet wird?

  • #23
    Arnold Voss

    P.S.

    http://www.t-online.de/nachrichten/specials/id_68701782/russland-schickt-weitere-truppen-richtung-ukraine-wie-weit-geht-putin-.html

    http://www.rp-online.de/politik/ausland/krim-krise-russland-wladimir-putin-schwimmt-auf-der-patriotischen-welle-aid-1.4130062

  • #24
    OWL-Baron

    @ Nansy und @ Arnold Voss Laut Lenin, wenn ich es recht erinnere, sind Nationen doch “geschichtslose Sprachgemeinschaften” oder so. Wieso also ausgerechnet die Zeugen Lenins jetzt so auf die Einverleibung der Krim nach Russland abfahren, weil dort mehrheitlich Russen leben…..Rätsel über Rätsel.
    Dass ausgerechnet die, die auf Lenin so abfahren, sich über die unsägliche Sprache Timoschenkos aufregen, erschließt sich mir nicht wirklich. Ihr Gott Lenin und dessen Unterbosse hatten die Sprache des (rot) faschistischen Unmenschen schon lange vor Herrn Hitler drauf. Und haben ihren Worten Taten folgen lassen. Offenbar ist der verbal geäußerte und in die Tat umgesetzte Vernichtungswille unliebsamer Bevölkerungsgruppen nur dann schändlich, wenn er von Rechten und braunen Faschisten geäußert und in die Tat umgesetzt wird. Wenn er jedoch von Lenin und Genossen ( u.a. im “Dekret über den ROTEN TERROR”) gesetzlich verankert wird, ist er nur mehr eine lässliche Sünde., wenn überhaupt. “Ausrotten”, “Vernichten”, “Erschießen” usw. ist offenbar völlig in Ordnung, wenn sie auf rotem Papier und aus rotem Denken heraus erfolgen.
    Man muss kein Freund der USA sein, und auch nicht das Vorgehen der EU und der USA in allen Punkten gut und richtig finden,um diese Merkwürden zu kritisieren.

  • #25
    Arnold Voss

    @ OWL-Baron # 24

    Ich bin nicht mit Ländern befreundet sondern mit Menschen.Ich sehe im Gegensatz zu ihnen, owlbaron, auch deutliche Unterschiede zwischen dem russisch angeführten Sowjetkommunismus und dem deutschen Faschismus. Aber ich stimme ihnen zu: Für die Opfer dieser beiden totalitären Systeme sind diese egal.

    Wer das nicht begreift, der kann auch die Ängste vieler ehemaligen Sowjetrepubliken respektive ihrer Bevölkerung vor Russland nicht verstehen. Eine Angst die Russland in den Jahren nach 89, wenn auch unter anderen Bedingungen, erneut erzeugt respektive bestätigt hat und das sowohl nach innen als auch nach außen.

    Ein Mann der den Zusammenbruch dieser totalitären Sowjetunion für die größte Katastrophe des 20. Jahrunderts hält, hat nun eine “demokratische” Macht in Russland, die weit über alles hinausreicht was auch nur ein Regierungschef in den demokratischen Ländern des Westens innehat. Ein ehemalige “linker” Bundeskanzler Deutschlands steht obendrein bei ihm in Lohn und Brot und schmiert mit sichtlichem Kinderstolz jedem, der bei Drei nicht auf den Bäumen ist, seine Freundschaft mit diesem Mann aufs Brot.

    Dieser Mann argumentiert bei seiner Außenpolitik mit ethnischen Zugehörigkeiten und ein Teil der hier lauthals dem Internationalismus und dem innernationalen Multikultileben verbunden deutschen Linken zeigt Verständnis dafür. Das Putin mittlerweile selbst Milliardär und aufs Engste mit der russischen Oligarchie verknüpft ist, wird dabei natürlich mit keinem Wort erwähnt.

    Aber wer die ehemaligen politischen Aufstände in den Sowjetrepubliken für mehr Demokratie, für einen “Sozialismus mit menschlichem Antlitz”, durchgehend als Werk der CIA angesehen hat, der kann wohl nicht anders. Da ist Hopfen und Mals einfach verloren. Was die, die nicht so ticken, jenseits des Pragmatismus der Anerkennung der realen Machtverhältnisse zum Verständnis mit Putins Politik antreibt ist mir dagegen schleierhaft.

  • #26
    owlbaron

    @Arnold Voss Es gibt offenbar gute und böse Oligarchen, gutes und böses Geld, es gibt Demokraten und lupenreine Demokraten. Sie offenbar und ich auf jeden Fall sind nicht fähig, diesen Unterschied zu erkennen oder gar zu verstehen.
    Die Angst vor Russland ist, auch dies möchte ich noch mal betonen, ist nun mal nicht nur ein Erbe des Sowjetkommunismus, sondern geht tiefer und viel länger zurück.

  • #27
    leoluca

    Wer sich gegen das Hochkochen alter Russlandfeindbilder wendet und für politische Desekalation jetzt sofort gegenüber Russland plädiert, dem wird gerne unter die Nase gerieben, er blende nur die russische Aggression und Völkerrechtsverletzung auf der Krim aus und sei ein Putinversteher.

    Das ist reine Demagogie, die sich sogar auch nicht scheut, Liberale, Sozial- und Christdemokraten, die so denken, auf eine Stufe mit Neofaschisten zu stellen.

    Mal sehen, was den Kalten Kriegern nun zum ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt einfällt, der sogar Verständnis für die russische Position auf der Krim aufbringt und im Sinne der alten Brandtschen Entspannungspolitik redet::

    http://www.zeit.de/politik/2014-03/schmidt-krim-putin

  • #28
    OWL-Baron

    so ganz im sinne der brandtschen Entspannungspolitik hat herr schmidt als kanzler aber nicht gehandelt, wenn ich das recht erinnere. ich war damals durchaus öfters ganz friedensbewegt unterwegs. gegen die “entspannungspolitik” des herrn schmidt

  • #29
    Arnold Voss

    @ Leoluca

    Entspannungspolitiker Schmidt? Ich sage nur Nato Doppelbeschluss 1979, genannt auch Nachrüstungsbeschluss. Deswegen bin ich aus der SPD ausgetreten. Schmidt hielt sich schon damals für den klügsten Weltenlenker aller Zeiten und war froh, dass der Visionär Brandt zurückgetreten worden war.

    Mit dem Satz “Wer Visionen hat soll zum Arzt gehen” hat der so viele Jusos aus der Partei getrieben wie kein SPD-Führer vor ihm. Offen gesagt, ich kann die halbphilosophische Besserwisserei von unserem ewigen Kanzler einfach nicht mehr hören. Erst recht wenn er mit so abgezockten ehemaligen Oberstrategen des kalten Krieges antritt, wie z.B. Henry Kissinger.

    Schweigend und genüsslich rauchend gefällt mir Genosse Helmut dagegen umso besser. 🙂

  • #30
    owlbaron

    richtig @ arnold voss, dez.81 parteitagsbeschluss zur nachrüstung, bin ich auch raus. habe aber mein blaues parteibuch behalten, liegt heute noch iim devotionalienkarton.

  • #31
    Arnold Voss

    @ Leoluca # 27

    Ich habe kein Feindbild. Ich möchte nur nicht, dass die Großmächte dieser Welt, respektive ihrer Regierungen und/oder Führer mit ihr machen können was sie wollen. Dabei ist es mir völlig egal ob es sich dabei um westliche, eine östliche oder eine asiatische oder sonst eine Großmacht handelt.

    Im Falle der Ukraine ist Russland der Aggressor. In anderen Fällen waren oder sind es die USA oder China. Hinzu kommen sogenannte Regionalmächte, oder die, die sich dafür halten oder es werden wollen, wie z.B. neuerdings der Iran oder die Türkei die sich im Kleinen genauso verhalten wie die Großen.

    Ehrlich gesagt gehen sie mir alle auf den Sack, weil sie dafür sorgen das kleinere Staaten in ihrem Einflussbereich nicht mehr unabhängig, gschweige den demokratisch, entscheiden können, destabilisiert werden oder sogar in einen Bürgerkrieg geraten. Weil diese Großmächte in Gremien sitzen womit sie mit ihrem Veto über das Wohl und Wehe ganzer Völker entscheiden können und das auch noch ganz toll finden.

    Wenn überhaupt ist das mein Feindbild: Nationen die meinen anderen Nationen sagen zu können, wo es lang geht, obwohl diese Niemanden in ihrem Lande maltretieren oder sich sonst gegen die Menschenrechte vergehen. Die diesen Ländern keinen eigenständigen und demokratischen Weg zur Freiheit erlauben, einfach nur weil sie stärker sind und ihre Überlegenheit auch einsetzen.

  • #32
    leoluca

    Vor lauter romantischen Jugenderinnerungen, abgestandenen Geschmacksurteilen über einen ehemaligen Kanzler und allgemeinmenschlichen Bekenntnissen haben die Herren glattweg übersehen, dass Helmut Schmidt was zum aktuellen politischen Geschehen gesagt hat. Ich empfehle das komplette Interview in der heutigen Ausgabe der “Zeit”.

  • #33
    Nansy

    #27:

    Zitat: “Wer sich gegen das Hochkochen alter Russlandfeindbilder wendet und für politische Desekalation jetzt sofort gegenüber Russland plädiert, dem wird gerne unter die Nase gerieben, er blende nur die russische Aggression und Völkerrechtsverletzung auf der Krim aus und sei ein Putinversteher.

    Das ist reine Demagogie, die sich sogar auch nicht scheut, Liberale, Sozial- und Christdemokraten, die so denken, auf eine Stufe mit Neofaschisten zu stellen.”

    Meine Gott Leoluca – geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Es ist nicht gerade zielführend in einer Diskussion, Menschen mit anderen Meinungen gleich Demagogie vorzuwerfen und die neofaschsitische Karte zu ziehen – es sei denn, man sucht nach einem “Totschlagargument”….

  • #34
    leoluca

    Bitte sachlich bleiben. Ich ziehe nicht die “Neonazikarte”, sondern finde es übel, dass im Ausgangstext der linksliberale Verleger Jakob Augstein – sozusagen als “Putinversteher” – in einem Atemzug mit einem deutschen Rechtsradikalen genannt wird. Demagogisch finde ich, wenn jemand, der bei aller Kritik an Putins Völkerrechtsbruch auch Verständnis für die russische Position aufbringt und für Deeskalation wirbt, gleich als Putinversteher oder gar Verharmloser der Putinpolitik eingeordnet wird.

  • #35
    owlbaron

    @ leluca. Sie haben doch die beiden Altkanzler ins Spie und auf eine Ebene, auf der sie nie waren,l gebracht. Als ich friedensbewegt unterwegs war, war ich keinesfalls mehr jugendlich, sondern schon einige Jahre an der härtesten Schulfront, die es gibt, tätig. Zudem in einer Gegend, die einst Nazi-und NPD-Hochburg in NS war, was das Eintreten gg. die Nachrüstung nicht wirklich vereinfachte.
    Zu den beiden Kanzlern. Auf dem Kölner Parteitag im November 83 stimmten 13 von 400 Delegierten für Schmidts Nachrüstung. Aus meiner damaligen Sicht zwei Jahre zu spät. Wenn man die Geschichte oder dort einst handelnde Personen bemüht, ist ein wenig Sachkenntnis nicht von Nachteil, statt dümmlich von Jugenderinnerungen von Leuten zu faseln, deren Alter man nicht kennt.

  • #36
    Arnold Voss

    @ Leoluca # 32

    Wenn sie hier Leute zu Kronzeugen ihrer Position berufen, die schon so eine lange politische Karriere hinter sich haben wie Helmut Schmidt, dann dürfen sie sich nicht wundern, dass hier dessen aktuelle Aussagen mit seiner frühere praktischen Politik verglichen, bzw. auf dieser Basis bewertet werden.

    Im übrigen verweisen sie hier andauernd auf die Vorgeschichte des aktuellen Geschehens, wenn sie auf die lange Demütigung Russlands durch den Westen hinweisen. Wer das tut muss in Kauf nehmen, dass es Menschen gibt, die die Geschichte auf die sie sich vom Lesen her berufen, selbst erlebt haben.

    Das macht diese nicht schlauer noch ihre Positionen unangreifbar. Ihre aber auch nicht. Egal wieviel sie jetzt noch an altweisen Politikern hier auffahren, es beeindruckt mich genausowenig wie ihre kleinen Polemiken. Stattdessen möchte ich ihnen eine konkrete, wenn auch hypothetische Frage stellen und sie bitten sie zwar ebenso hypothetisch, aber nicht mit der Meinung anderer zu beantworten:

    Hätten sie, wenn ihnen die Geschichte nach 89 eine entsprechende Machtposition gegeben hätte, den Wunsch der Polen abgewiesen, Mitglied der EU und der Nato zu werden?

  • #37
    OWL-Baron

    @ Arnold Voss Vor einigen Wochen war in einer Printausgabe des Spiegel ein ziemlich sarkastischer Artikel, in dem Schmidts heutige Aussagen mit seiner damaligen Politik verglichen wurden. Herr Schmidt ist im Alter offenbar jeden Tag ein wenig schlauer geworden. Seit dem 1.10.82 sind eine Menge Tage ins Land gegangen……..

  • #38
    Arnold Voss

    @ Owl-Baron # 37

    Ich habe vor ein paar Tagen nochmal historisch tiefer gebohrt und im allseitig gelobten und anerkannten Buch von Orlando Figes ” Die Tragödie eines Volkes – die Epoche der russischen Revolution 1891-9124″ nachgelesen. Interessant ist, dass die Unabhängigkeitsbewegungen schon 1917 der provisorische revolutionären Regierung in Petrograd schwer zu schaffen machten. In der Ukraine z.B. hatten die dortigen Nationalisten über 70% der Stimmen bekommen und wollten mehr Autonomie was die Führung in Petrograd kompromisslos ablehnte. Das galt übrigens auch für ähnliche Forderungen der Finnen.

    Originalzitat: ” Vor allem wegen der Konpromisslosigkeit wuchs die Anziehungskraft der Bewegungen auf die Massen und als die Regierung sichtlich schwächer wurde, schlugen die Forderungen nach Autonomie um in die Forderung nach vollständiger Unabhängigkeit.” (s. 399 )

    Die fogenden Seiten wären auch Leoluca und seinem Idol Helmut Schmidt dringend zu empfehlen. Zu dieser Zeit war die Ukraine nämlich noch nicht systematisch russifiziert worden. Was den Stalinismus betrifft hat der gleiche Autor übrigens auch ein großartiges Werk verfasst: “Die Flüsterer – Leben in Stalins Russland”

  • #39
    OWL-Baron

    @ Arnold Voss Das ist ein ganz hervorragendes Buch, stand jahrelang völlig unbenutzt in unserer öffentlichen Bücherei, bis es mir vor einiger Zeit eher zufällig in die Hände fiel. Und zur Zeit mir immer wieder als große Wissensquelle dient. Das Stalinbuch kenne ich noch nicht, das wird sich ändern. Danke für den Tip.

  • #40
    Andreas Lichte

    @ Arnold Voss #38

    “… war die Ukraine nämlich noch nicht systematisch russifiziert worden …”

    “russifiziert”? Wessen Wortschöpfung ist das?

    Und wie heisst es laut Arnold Voss, wenn Deutschland Territorien dazu gewinnt?

    Zum Beispiel: “Das Saarland ist »…« worden.”

  • #41
    Arnold Voss

    @ Andreas Lichte # 38

    Manchmal hilft es, bevor man zu meinen Beiträgen Stellung nimmt, bezüglich der von mir verwendeten Begrifflichkeit mal bei wikipedia vorbeizuschauen oder das unverständlich erscheinende Wort einfach bei Google einzugeben.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Russifizierung

    I c h habe es auf jeden Fall nicht erfunden, Andreas . 🙂

    P.S. Was das Saarland betrifft, meinst die Abstimmung von 1935 oder von 1955?

  • #42
  • #43
    Andreas Lichte

    @ Arnold Voss #41

    “Manchmal hilft es, bevor man zu meinen Beiträgen Stellung nimmt …”

    we all know you are the only surviving super-blogger

  • #44
    leoluca

    Eine gute Nachricht am Morgen:
    Putin sendet Entspannungssignale.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-03/ukraine-putin-ban

  • #45
    Arnold Voss

    @ Leoluca # 44

    Wurde auch höchste Zeit. Ach ja, wie wäre es mit der Beantwortung meiner Frage am Ende von # 36? Ein einfaches Ja oder Nein würde mir reichen. 🙂

  • #46
    Arnold Voss

    @ Andreas Lichte # 42

    Geht leider nicht. Das Saargebiet von 1935 ist räumlich nicht deckungsgleich mit dem Saarland von 1955. Auch da empfehle ich nochmal Wikipedia. 🙂

  • #47
  • #48
  • #49
  • #50
    mr darkkness

    Es ist schon ein wenig einfach, das Weltbild des Herrn Laurin. Worin er sowohl Frau Dagdelen, als auch Herrn Voigt durchaus ähnlich ist. Hier gut (bei Herrn Laurin “Der Westen”), dort böse (Assad, Putin usw.). Doch so einfach ist die Welt eben nicht.

    Dass Putin ein Autokrat ist, dem bei uns ach so gehandelte Freiheitsrechte im Zweifelsfall am Arsch vorbeigehen, ist nicht der Punkt. Diese ach so hoch gehandelten Freiheitsrechte interessieren die “westliche Wertegemeinschaft” im Zweifelsfall nämlich auch einen feuchten Dreck. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass eines der brutalsten Regime in nahen Osten (nein, bestimmt nicht Israel!) sowohl für die EU, als auch die USA der wichtigste Partner in der Region ist. Die Rede ist von Saudi-Arabien. Um mal Wikipedia zu zitieren: “Homosexualität ist in Saudi-Arabien gesellschaftlich tabuisiert und wird mit Gefängnis, Körperstrafen und bis hin zur Todesstrafe bestraft.” Wobei ich, wenn ich schwul wäre, angesichts dieses Sachverhalts, die Todesstrafe im Zweifelsfall beinahe vorziehen würde: “Ende 2007 wurden zwei Männer wegen homosexuellen Geschlechtsverkehrs zu jeweils 7.000 Peitschenhieben verurteilt.” (Zitat Wikipedia, Quelle hier: http://www.queer.de/detail.php?article_id=7716). Und in Saudi-Arabien wären die Aktivistinnen von Pussy Riot wahrscheinlich gesteinigt worden, wenn sie ihr “Punk-Gebet” in einer der dortigen Moscheen aufgeführt hätten.

    Nicht zu vergessen sei auch die jahrzehntelange Unterstützung des “Westens” für das südafikanische Apartheids-Regime, die Unterstützung islamistischer “Gotteskrieger” in Afghanistan (als dies noch für die eigenen Interessen opportun erschien), der von der CIA gesteuerte Putsch gegen einen legitim gewählten südamerikanischen Präsidenten (ein Sozialdemokrat btw.), der Einatz Napalmbomben gegen die vietnamesische Zivilbevölkerung und all die anderen Verbrechen, die der “Westen” seit Ende des 2. Weltkrieges auf diesem Planeten begangen hat. Es würde schlichtweg den Rahmen sprengen hier noch weiter ins Detail zu gehen. Der einzige Wert, der die westliche Wertegemeinschaft zusammenhält sind nämlich eben nicht Freiheit und Menschenrechte (das ist nur das hübsche “Bling-Bling” für das geneigte Publikum), sondern der Mehrwert. Sprich: der Profit. Unter welchen Rahmenbedingungen dies passiert ist dabei völlig zweitrangig.

    Und was die Krim betrifft: kein russischer Präsident, keine russische Regierung, egal welcher politischen Coleur, würde mit Sewastopol den einzigen ganzjährig eisfreien Hafen der russischen Marine aufgeben. Genauso wenig wie die USA und der Westen es zulassen würden, die Kontrolle über den Panamakanal zu verlieren. Angesichts der Lage in der Ukraine hatte Putin überhaupt keine andere Handlungsoption. Wenn Herr Laurin auch nur einen Schimmer von Ahnung in Sachen Geopolitik hätte, würde er auch wissen warum. Hat er aber nicht. Aber das ist ja auch egal, wenn man den eigenen Job lediglich als Ideologielieferant versteht. Faktenwissen ist dabei eher hinderlich.

    Ach, bevor hier jemand meint, ich wäre auf dem linken Auge blind: die Verbrechen der Herren Stalin, Trotzki, Lenin, Mao, Pol-Pot usw. sind mir wohlbekannt. Wenn mir jemand mit den Errungenschaften des gewesenen “real existierenden Sozialismus” kommt, kriegt er diese genauso auf’s Butterbrot geschmiert.

  • #51
    OWL-Baron

    @ Mr. Darkness Die Handlungsweisen des Westens sind höchst kritikwürdig, das haben sie ja richtig ausgeführt. Nur geht es hier um die Erfahrungen, die man in Europa mit “Amis” und Russen als “Befreier” gemacht hat. Orlando Figes schreibt in “Die Flüsterer”, S.749 über den Esten Lew Netto, der sich immer als Sowjetrussen betrachtet hatte und der hinter den deutschen Linien abgesetzt wurde: “Seine Mission war für ihn ein patriotisches Anliegen, doch was er in der Heimat seiner Eltern erlebte (die Rote Armee beging Plündereien und Vergewaltigungen und brannte Dörfer nieder) zwang ihn, seine Meinung zu revidieren, dass die sowjetischen Streitkräfte die “Befreier” Estlands seien. Die einheimische Bevölkerung bezeichnete die sowjetischen Soldaten als “stalinistische Banditen”, und er musste dieser Einschätzung zustimmen.” Hunderttausende Ukrainer, Balten, Weißrussen, u.v.a. wurden als “Nationalisten” in Lager gesteckt.
    Die westlichen Allierten wurden dagegen überall als Befreier empfunden, außer von hartnäckigen Faschisten und Nazis. Selbst die meisten Deutschen empfanden Amerikaner und Engländer als Befreier, nicht als neue Unterdrücker.
    Das macht bis heute hier den Unterschied aus.

  • #52
    der, der auszog

    @Arnold Voss/ @OWL

    Da hier und beim Thema 0,0-Promillegrenze derzeit für ein recht umstrittenes Buch geworben wird, nämlich “Die Flüsterer” von Orlando Figes, möchte ich mir erlauben, ein paar Takte zu diesem Buch und seinem Autor zu verlieren.

    So brillant und mitreißend Orlando Figes Darstellungen zu Russland und der jungen Sowjetunion in den 1990er Jahren einmal waren, so fragwürdig und unseriös sind gerade seine jüngeren Werke, allen voran das hier bereits mehrfach gelobte und empfohlene „The Whisperers“ aus 2007.

    Die beiden amerikanischen Politologen Peter Reddaway, emeritierter Professor für Politologie an der George Washington University und Stephen F. Cohen emeritierter Politologe mit Schwerpunkt Russian Studies der Universität Princetonist, haben bereits 2010 gravierende Fehler in Figes Darstellung über das Leben in Stalins Russland aufgezeigt, die seine Glaubwürdigkeit schwer beschädigt haben

    „The Whisperers, Private Life in Stalin’s Russia“ basiert überwiegend auf Zeitzeugeninterviews, welche die Organisation „Memorial“ im Auftrag von Figes vor Ort in Russland mit den dargestellten Personen führte. Reddaway und Cohen haben einen Teil der Originalmanuskripte mit der Darstellung Figes abgleichen können. Sie kamen zu dem niederschmetternden Ergebnis, dass viele Tatsachen verdreht dargestellt, teilweise sogar frei erfunden sind. In der FAZ, in der Figes 2008 noch seine Flüsterer in einem eigenen Beitrag dem deutschen Publikum vorstellen durfte, werden exemplarisch zwei Beispiele für das unseriöse Arbeiten bei den Flüsterern genannt. Dort heißt es:

    „Cohen und Reddaway haben mehrere Passagen prüfen können. Von einem gewissen Michail Stroikow behauptete Figes, er habe im Gulag die Unterstützung der Geheimpolizei GPU genossen, der zwei seiner Onkel angehörten. Ein Freund der Familie Stroikow sei erschossen worden. Alles reine Erfindung von Figes, lesen wir nun; der Freund starb mit 90 Jahren eines friedlichen Todes, die GPU-Onkel gab es nicht. Dina Ielson-Grodzianskaja saß acht Jahre im Lager. Laut Figes soll sie zu den Vertrauensleuten der Verwaltung gehört und daraus kleine Vorteile gezogen haben. Keines der Zeitzeugen-Interviews bestätige eine solche Vermutung, sagen die Kritiker; es handle sich auch hier um eine Erfindung, durch die das Andenken der Frau schwer beschädigt werde.“ (Quelle: FAZ, 04.06.2012)

    An Brisanz gewann die Diskussion um die Fragwürdigkeit der Flüsterer durch einen von Orlando Figes produzierten Skandals, der sich 2 Jahre zuvor ereignete. Um seinen Flüsterern bessere Verkaufszahlen zu bescheren, legte sich Orlando Giges das Pseudonym „Historian“ zu und rezensierte auf Amazon die dort zum Verkauf angebotenen Bücher anderer britischer Historiker zum Thema Sowjetunion. DIE ZEIT beschreibt diesen Zusammenhang wie folgt:

    „Einschlägige Werke anderer Forscher befand der »Historian« dagegen als »Müll« oder von jener »Art, bei der man sich fragt, warum es je veröffentlicht wurde«. Nur Die Flüsterer bedachte er mit Lob und einer Bitte an sich selbst: »Ich hoffe, er hört nie auf zu schreiben.«
    Ein misstrauisches Opfer des Rezensenten hat nun herausgefunden, dass dessen IP-Adresse zum Profil »orlando-birkbeck« gehörte. Der ebenfalls betroffene Russland-Historiker Robert Service stellte daraufhin per Rundmail die Frage nach der naheliegenden Identität von »Historian«. Figes reagierte empört auf »verleumderische Anschuldigungen« und ließ seinen Anwalt Klagedrohungen zustellen; die Onlinerezensionen verschwanden plötzlich. Schließlich erklärte Figes’ Frau, sie habe die Rezensionen ohne Wissen ihres Mannes verfasst. Eine romantische Tat der Ehefrau, aus Rache an böswilligen Konkurrenten ihres Mannes? Letzte Woche gestand Orlando Figes, dass doch er selbst die Verrisse verfasst habe.“ (Quelle: Alexander Cammann, „Der Flüsterer“, DIE ZEIT Nr. 18/2010)

    Figes galt über Jahre als einer der hervorragendsten Historiker zur Russischen Geschichte, nicht zuletzt wegen seines 1996 veröffentlichten Klassikers „A People’s Tragedy: The Russian Revolution, 1891–1924“, ein Buch, das man jedem nur wärmstens empfehlen kann. Sein Erfolg hat ihm allerdings nicht gut getan. Heute will kaum noch jemand mit Figes zu tun haben, weder seine Kollegen aus der Historikerzunft, noch die namhaften Zeitungsverlage in den USA und Europa, die sich einst um seine Gastbeiträge gerissen hatten. In Deutschland waren das Welt und FAZ.

    Hier geht es zu einem Artikel des US-Magazins “Nation” vom 23. Mai 2012, in dem die Politologen Peter Reddaway und Stephen F. Cohen die Falschdarstellung historischer Begebenheiten und die teilweise von Orlando Figes frei erfundene Geschichten erstmals benennen:
    http://www.thenation.com/article/168028/orlando-figes-and-stalins-victims#

    passend dazu ein Bericht aus der britischen Tageszeitung The Guardian:
    http://www.theguardian.com/books/2012/may/23/orlando-figes-translation-russia

    und der deutschen FAZ:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/geschichtsdebatte-streit-um-orlando-figes-11773045.html

    Weitere Informationen zum Rezensionsskandal in der schweizer Wochenzeitung
    http://www.woz.ch/1019/historikerstreit/zu-viel-des-eigenlobs
    und der Zeit:
    http://www.zeit.de/2010/18/Spitze-Orlando-Figes

  • #53
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