Geh mich wech mit Englisch!

Dieser Tage einen „Tatort“ nachgeholt, der im Milieu der Unternehmensberater spielte. Sobald da jemand sein Smartphone zückte und in geläufigem („verhandlungssicherem“) Englisch parlierte, war dies ein Zeichen des Bösen und hieß ungefähr: Seht her, so sind und so reden sie, die eiskalten Jobvernichter im Namen der Globalisierung.

Da dachte ich mir, es sei vielleicht an der Zeit für eine Tirade gegen die Allgegenwart der englischen Sprache. Am besten unter einem ruhrbaronisch regional kompatiblen Motto wie „Geh mich wech mit Englisch!“ oder gleich frei nach Frank Goosen: „Englisch is‘ auch Scheiße.“

Ich dachte beispielsweise an den Groll über diverse Handelswaren, die zuweilen nur noch mit englischsprachigen Bedienungsanleitungen daherkommen (welche man zudem nicht fertig gedruckt erhält, sondern erst mal downloaden muss).

Ich dachte missvergnügt an Journalisten-Kollegen, die bei Kinoterminen die Nase rümpfen, wenn die deutsche Fassung und nicht das dialektal vernuschelte US-Original vorgeführt wird. Dabei rezensieren sie fürs heimische Publikum, das die deutsche Version sieht. Doch was schert sie der gemeine Leser?

Ich dachte an dämliche, erbärmliche Anglizismen. Und überhaupt.

Schon wollte ich in irrer Schadensgier ausrufen: Es komme endlich der Tag, an dem auch die anglophone Welt unter der Knute der Wirtschaftszwänge Chinesisch lernen muss – mit allen Tonhöhen und Schriftzeichen! Und zwar bittschön kalligraphisch makellos hingetuscht!

Doch da hielt ich ein, dachte an Shakespeare, Poe & Co., an unsterbliche Zeilen der Rockmusik, andererseits an die ekelhaft nationalistisch getönten Phrasen gewisser deutscher Sprachwahrer…

Und schon war ich kuriert.

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16 Kommentare

  1. #1 | Arnold Voß sagt am 21. Januar 2011 um 14:53 Uhr

    Nicht zu vergessen das viele englische Worte bis heute ihren Ursprung in der urdeutschen Sprache/Dialekt der Angeln und Sachsen haben.

  2. #2 | im Zeichen des Guten, Wahren, Schönen sagt am 21. Januar 2011 um 15:17 Uhr

    wie heisst der kulinarische Anglizismus für „Pommes Schranke“ ?

    wenn uns auch noch dieses Gute, Wahre, Schöne verloren gehen sollte … vielleicht im nächsten Schimanski ? (So, 30.1., Schimanski, „Schuld und Sühne“)

  3. #3 | Andreas Lichte sagt am 21. Januar 2011 um 15:37 Uhr

    @ Bernd Berke

    du schreibst: „… Chinesisch lernen muss – mit allen Tonhöhen und Schriftzeichen!“

    die Ruhrbarone sind einmal mehr Avantgarde … Chinesisch? … haben die Ruhrbarone schon! siehe:

    https://www.ruhrbarone.de/„die-menschen-geben-um-jeden-preis-fur-die-liebe-auf“/comment-page-1/#comment-72924

  4. #4 | Thorsten sagt am 21. Januar 2011 um 15:58 Uhr

    Ich bitte um korrekte Grammatik: Geh mich wech…

  5. #5 | Sebastian sagt am 21. Januar 2011 um 16:10 Uhr

    @Arnold: Angeln find ich super, aber in Sachsen war ich leider noch nicht.

    Und otherwise: I break together and turn through.

  6. #6 | Bernd Berke sagt am 21. Januar 2011 um 17:01 Uhr

    @Thorsten: Hasse recht.

  7. #7 | crusius sagt am 21. Januar 2011 um 18:57 Uhr

    @2 In den USA: freedom fries crossing gate. In GB: chips level crossing barrier. Zumindest in der Pommes-Bude dürfte die kulturelle Hegemonie der Angelsachsen noch abzuwehren sein.

  8. #8 | Arnold Voß sagt am 21. Januar 2011 um 20:06 Uhr

    @ Sebastian #5

    „Die Angelsachsen waren ein germanisches Sammelvolk, hauptsächlich bestehend aus Sachsen und Angeln.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Angelsachsen

    Aber selbst wikipedia macht Fehler. Wer kann mit Sicherheit sagen, dass es in den Originalschriften nicht doch „… Sachsen beim Angeln“ geheißen hat.:-)

  9. #9 | Michael Kolb sagt am 21. Januar 2011 um 20:42 Uhr

    Haben die Amerikaner das den Franzosen immer noch nicht verziehen? Nachtragende Bande. Ob man in den Staaten so ohne weiteres eine Schranke auf seine fries bekommt, wage ich zu bezweifeln, immerhin findet Jules das ja ziemlich eklig, als Vince ihm von dieser europäische Sitte auf dem Weg zur Arbeit erzählt… na ja, zumindest den Teil mit der Mayonaise.

    Bei Shakespeare dachte ich gleich an eine Szene aus „Two and a half men“, in der Jake anmerkt, man müsse eine andere Ausgabe von „Taming of the shrew“ finden, seine sei in einer „funny language“ geschrieben. Alans Hinweis, dies sei „Elizabethan“ kommentiert Jake lapidar damit, wenn man wolle, das er es lese, dann solle man es doch einfach in Englisch schreiben und drucken… überhaupt, the Kings English spricht und schreibt ja eh keiner mehr…

    https://www.youtube.com/watch?v=8KQMONOglDQ&feature=related

    Danke Hank!

    Und nur so am Rande… müsste es grammatikalisch korrekt nicht sogar „geh mich doch wech!“ lauten?

  10. #10 | Bernd Berke sagt am 21. Januar 2011 um 21:22 Uhr

    @Michael Kolb: Zur Schlussfrage abermals ein kräftiges „Jawoll“! Siehe auch die Kommentare #4 und 6.

  11. #11 | Bernd Berke sagt am 21. Januar 2011 um 22:01 Uhr

    P.S.: Habe die Titelzeile auf mehrfachen Wunsch korrigiert, verschlimmbessert oder was auch immer. Jedenfalls klingt sie jetzt authentischer.

  12. #12 | Olaf Mertens sagt am 21. Januar 2011 um 22:58 Uhr

    Komisch dass die Angelsachsen da kein Wort für haben, wo die die Fritten dem Vernehmen nach doch gleich schränkeweise verputzen!

  13. #13 | “Sachsen beim Angeln” sagt am 21. Januar 2011 um 23:40 Uhr

    @ Olaf Mertens

    „Komisch dass die Angelsachsen da kein Wort für haben, wo die die Fritten dem Vernehmen nach doch gleich schränkeweise verputzen!“

    die Antwort hat Arnold Voß, #8, gegeben:

    “Sachsen beim Angeln” = „fish and chips“

  14. #14 | Links anne Ruhr (22.01.2011) » Pottblog sagt am 22. Januar 2011 um 10:18 Uhr

    […] Geh mich wech mit Englisch! (Ruhrbarone) – […]

  15. #15 | Anglizismen sind ein echtes no-no ! sagt am 22. Januar 2011 um 11:16 Uhr

    Anglizismen sind ein echtes no-no !

    äh … kann mir mal jemand sagen, wie der Deutsche Ausdruck für „no-no“ heisst?

    https://www.urbandictionary.com/define.php?term=no-no

    2. no-no

    Off limits, not permissible

    „Sorry, but that’s a definite no-no.“

  16. #16 | crusius sagt am 22. Januar 2011 um 23:11 Uhr

    @15: „geht gaaa nich“

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