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Gelsenkirchen: Der Osten im Westen

Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen


Mit 17 Prozent der Zweitstimmen ist Gelsenkirchen die AfD-Hochburg Westdeutschlands. Wie konnte es zu dem Erfolg der Rechten in einer Stadt kommen, in der Zuwanderung seit über 100 Jahren zum Alltag gehört und in der die SPD 2013 noch ihr bestes bundesweites Ergebnis erzielte?

Das Haus ist frisch gestrichen, tadellos renoviert und an den Nachbarhäusern hängen schon die Transparente der Städtischen Entwicklungsgesellschaft. An der Bochumer Straße in Gelsenkirchen Ückendorf hat die Stadt begonnen, heruntergekommene Immobilien aufzukaufen und zu sanieren. „Ekelhäuser“ werden diese Immobilien genannt, über 100 von ihnen gibt es noch in Gelsenkirchen. Vermieter haben diese Häuser günstig erworben und dann die Wohnungen an Zuwanderer aus Südosteuropa vermietet. Vor allem Sinti und Roma zahlten in Wohnungen ohne Bad und Heizung und mit zum Teil offenliegenden Stromleitungen bis zu 300 Euro für einen Matratzenschlafplatz. Nicht selten gibt es neun dieser Matratzen in einer der heruntergekommenen Dreizimmerwohnungen. Für die Vermieter eine Lizenz zum Geld drucken. „Für uns als Nachbarn ist es die Hölle“, sagt Leonhard Solbach. Solbach lebt im Stadtteil Bulmke am Rand der Gelsenkirchener Innenstadt. „Wir in Gelsenkirchen haben immer gut mit Ausländern zusammengewohnt“, sagt der 52jährige, „wir sind schon mit Türken zur Schule gegangen. Das waren ordentliche, fleißige Leute. Die kamen nach Deutschland, um zu arbeiten oder haben einen Gemüseladen oder eine Dönerbude aufgemacht.“ Die oft konservativen Türken und ihre Arbeitsmoral passten ins Ruhrgebiet, passten nach Gelsenkirchen. Wer hart arbeitet, wer ein „Malocher“ ist und keine Angst hat, sich die Hände schmutzig zu machen, wird hier zumindest anerkannt. Das Ruhrgebiet war nie ein Schmelztiegel, war nie der Wirklichkeit gewordene Multi-Kulti-Traum. Man lebte hier immer eher neben- als miteinander, aber man respektierte sich. „Dieser Respekt fehlt heute“, sagt Solbach, und das ist für ihn einer der Gründe, warum Gelsenkirchen eine AfD-Hochburg geworden ist. „Hier an der Wanner Straße ist die ganze Nacht lang Lärm. Die Hinterhöfe der Ekelhäuser vergammeln, Frauen werden auf den Strich geschickt und es wird offen mit Drogen gehandelt. Das sind nicht nur Sinti- und Roma, viele junge Araber und Türken verhalten sich auch nicht mehr so vernünftig und normal, wie es noch ihre Eltern taten.“ Bulmke sei immer ein Arbeiterstadtteil gewesen, eher arm und einfach. „Aber es war kein Slum und in diese Richtung entwickelt sich das Viertel.“ Dass 17 Prozent AfD gewählt haben, wundert ihn nicht. Er hätte eher mit einem noch höheren Ergebnis gerechnet. „Die Menschen sind am Ende. Die Stadt ist arm, die Arbeitslosigkeit ist hoch, in der Fußgängerzone und auf den Ämtern hat man als Deutscher das Gefühl, in der Minderheit zu sein. Das macht vielen Angst.“

Ja, die Stadt gäbe sich Mühe und hätte in den vergangenen Jahren viel getan. „Aber alles war zu spät und man sieht die Erfolge nicht.“

Gelsenkirchen ist arm. In keiner deutschen Stadt ist das jährlich verfügbare Einkommen mit 16.135 Euro niedriger. Mit 12,1 Prozent lag die Arbeitslosigkeit im August weit über dem deutschen Durchschnitt von 5,7 Prozent. Aber wenn man bedenkt, dass vor 15 Jahren noch jeder Vierte hier keinen Job hatte, zeigt sich, dass hier in den vergangenen Jahren erfolgreich und hart gearbeitet wurde. Gelsenkirchen kämpft und das seit Jahrzehnten, seitdem die Jobs in den Stahlwerken und Zechen verschwanden. Nachdem sich die Stadt unter der Führung von Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) von Träumen wie einer Zukunft als „Solar Valley“ schon deshalb verabschieden musste, weil beide der um die Jahrhundertwende unter weltweiter Beachtung eröffneten Solarzellenfabriken längst wieder geschlossen wurden, wird hier seriös gearbeitet: Mittelständische Unternehmen siedeln sich in der Stadt an. Gelsenkirchen hat bereits vor Jahren ein Förderprogramm für junge Familien aufgelegt und konzentriert hier das wenige Geld, über das die notorisch klamme Stadt noch frei verfügen kann: Werdende Eltern werden von Sozialarbeitern besucht und über Hilfs- und Betreuungsangebote in ihrer Nachbarschaft informiert. Die Kinder erhalten ein Willkommenspaket, Schalke-Lätzchen inklusive. Die Schulen haben alle schnellen Internetleitungen und im vergangenen Jahr hat Gelsenkirchen begonnen, die Tafeln an den Schulen durch digitale Whiteboards zu ersetzen. Und die Ekelhäuser werden nun auch aufgekauft und saniert. Gelsenkirchen stemmt sich gegen seinen Niedergang und das mit Erfolg.

„Vieles ist zu spät passiert und das ist einer der Gründe für unseren Erfolg“, sagt Jörg Schneider, seit Sonntag für die AfD Mitglied des Bundestages. „Unsere Wähler haben Probleme mit den Zuwanderern aus Südosteuropa und setzten auf uns, um die anderen Parteien zum Handeln zu bewegen. Wenn in Gelsenkirchen jetzt Ekelhäuser aufgekauft und renoviert werden, ist das auch ein Erfolg der AfD. Wir haben die SPD gezwungen zu handeln.“ Die Menschen seien aber nicht nur den Niedergang ihrer Stadt leid, sie hätten auch Angst davor, selbst sozial abzusteigen: „Wer nach einem langen Arbeitsleben eine Rente bekommt, die kaum höher als die Grundsicherung ist, fühlt sich ungerecht behandelt und fragt sich, warum für ihn in diesem Land kein Geld da ist.“ Schneider, ehemaliger Offizier und Lehrer an einem Berufskolleg, redet ruhig und sachlich. Was er sagt, könnten auch Politiker anderer Parteien sagen.

Bei Magic Lauster klingt das schon anders. Magic Lauster heißt eigentlich Detlef Lauster. Der ehemalige Bergmann war lange Jahre der beliebteste Sänger der Stadt. Kaum ein Fest in Gelsenkirchen ohne Lauster, der bis heute im Guinness Buch der Rekorde steht, weil er 1997 die tiefste Plattenaufnahme der Welt machte: Das Stück „Wir im Revier“ nahm er in 759 Meter Tiefe unter der Erde in einem Stollen des Bergwerks „Hugo“ auf. Wie ein Rauschgoldengel sieht Lauster auf Fotos aus dieser Zeit aus: Lange, blonde Haare und dazu die schwarze Traditionsuniform der Knappen, wie die Bergleute vor der Zeit der Industrialisierung genannt wurden. Lauster hätte es schaffen können, hätte einer der erfolgreichen Schlagersänger werden können, die sich mit Auftritten am Ballermann und in Diskotheken dumm und dusselig verdienen. Aber daraus wurde nichts. Lauster blieb ein Star in Gelsenkirchen und schon in den Nachbarstädten kennt kaum jemand seinen Namen. Fragt man das frischgebackene AfD-Mitglied nach den Gründen für den Erfolg seiner Partei, bricht es aus dem 55jährigen heraus: Seit 70 Jahren würden die Sender keine Heimatmusik fördern und schuld daran seien die Verlage, die bestimmen, was gesendet wird und was nicht. „Ein kleiner Musiker wie ich hatte da nie eine Chance.“ Über der Verwertungsgesellschaft GEMA regt sich Lauster, wie viele andere Musiker, auf. Die würde die großen Stars bevorzugen und Sänger ausnehmen. Im nächsten Augenblick schimpft Lauster über das „Regime“ und die „Lügenpresse“. 100 Millionen Euro habe Justizminister Heiko Maas der Antifa gegeben, um gegen die AfD zu kämpfen. Die AfD hätten die Medien als Nazis beschimpft. „Ich bin kein Nazi. Ein Nazi ist jemand, der Juden ins Gas geschickt hat. Das war das schlimmste Verbrechen aller Zeiten.“ Rechts, ja, das sei er heute, aber kein Nazi: „Rechts, links und die Mitte – das gehört doch alles zu einer Demokratie.“ Dass sie ihn am 12. Mai bei der Abschlusskundgebung der AfD zum Landtagswahlkampf in NRW in der Fußgängerzone als Nazi beschimpften, dass Schalker und die Antifa gemeinsam gegen ihn demonstrierten und der Oberbürgermeister dabeigestanden und gegrinst habe, wie er sagt, hat Lauster tief verletzt. Und warum wurde in Gelsenkirchen die AfD gewählt? „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber die, die jetzt gekommen sind, sind Wirtschaftsflüchtlinge. Die sind anders als die Türken, mit denen ich aufgewachsen bin.“ Dazu käme der wirtschaftliche Niedergang. „Früher ist der Mann auf die Zeche gegangen und hat so viel verdient, dass die Frau zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern konnte.“ Das Lauster mit 55 Jahren zu jung ist, um die große Zeit des Bergbaus im Ruhrgebiet erlebt zu haben, ficht ihn nicht an: „Ich war auf Hugo und Hugo hat erst 1997 dichtgemacht. Bis dahin war das so.“ Nur, dass Hugo die letzte rein Gelsenkirchener Zeche von über 15 war, die schloss, sagt er nicht.

Die Ekelhäuser, die Prostitution, der Müll auf den Straßen, die Enttäuschung über das Leben, die sich in dem Bahn bricht, was Magic Lauster sagt, ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit. Genauso wie die SPD-Hochburg nur ein Teil der Wahrheit ist. Auch wahr ist, dass Gelsenkirchen seit fast 30 Jahren ein Problem mit Rechtsradikalen hat. Als es in anderen Ruhrgebietsstädten noch undenkbar war, dass Rechtsradikale in den Rat einziehen, holten die Republikaner 1989 hier über sieben Prozent. Bis 2009 hielten sie sich hier im Rat. In den meisten anderen Städten Deutschlands waren sie da schon längst Geschichte. 2009 ging es dann nahtlos weiter: Auf die Republikaner folgte Pro NRW, eine von ehemaligen Neonazis gegründete Partei, die versuchte, Rechtsradikalismus ein bürgerliches Antlitz zu geben. Bei der letzten Kommunalwahl zog dann auch noch die AfD in den Rat ein. Und die Rechten sind nicht die einzige Besonderheit: Auch stramme Erdogan-Anhänger und eine der Marxistisch Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) eng verbundene Liste hat es in den Gelsenkirchener Rat geschafft. Gelsenkirchen ist seit Jahrzehnten ein Eldorado für Extremisten, im Zaum gehalten von SPD, Grünen und CDU, die immer dafür sorgten, dass die „Irren im Rat“, wie viele die Radikalen nennen, keinen Einfluss bekommen. Aber ein Zeichen dafür, dass die Stimmung schon lange schlecht ist, sind die Radikalen allemal.

Der Unternehmer Franz Przechowski, dessen Agentur „Unicblue“ Werbung und Messebau verbindet, gehört nicht zu den gescheiterten und radikalen Gelsenkirchenern. Vier Flüchtlinge hat Przechowski mittlerweile als Auszubildende in seinem Betrieb angestellt. Für sein Engagement wurde er von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck empfangen, von den Christlichen Sozialverbänden mit dem Joseph-Preis ausgezeichnet und von Rechtsradikalen beschimpft. Nicht erst seit dem guten Abschneiden der AfD macht sich Przechowski Sorgen um seine Heimatstadt: „Der Rechtsruck ist schlecht für das Image der Stadt, aber dass er passierte, ist kein Wunder.“ Auch wenn Gelsenkirchen viel für Kinder tue und auch endlich gegen die Ekelhäuser vorgehe, seien das nur einzelne Maßnahmen. Die Stadt habe es verpasst, ein neues Leitbild zu erstellen, das alle, Bürger, Unternehmen und Verwaltung mitnehme. „Baranowski muss die Stadt anders führen, so wie Lindner die FDP, nachdem sie aus dem Bundestag rausgeflogen ist“, sagt Przechowski, der sich im Wahlkampf für die Liberalen engagierte. Aber eine Stadt ist keine Partei. Und eine Stadtverwaltung mit ihren Mitarbeitern lässt sich nicht so schnell umkrempeln wie eine Parteizentrale nach einer Niederlage. Przechowski sagt, auch in seinen Kreisen sei viel über die Sinti und Roma, über die Ekelhäuser und den Verfall gesprochen worden. „Gelsenkirchen hatte immer eine große Integrationskraft. Es scheint jetzt zu viel geworden zu sein. Die Menschen können nicht mehr.“ Eine junge, türkische Mitarbeiterin mischt sich in das Gespräch: „Ich sehe in der Fußgängerzone keine Deutschen mehr. Es gibt hier zu viele Ausländer. Ich fühle mich fremd.“ Als ihr Großvater aus der Türkei nach Deutschland gezogen wäre, hätte er seiner Frau gesagt, sie solle ihr Kopftuch ablegen, nun würde man nach Europa ziehen. „Aber die, die jetzt gekommen sind, passen sich nicht an. Sie arbeiten auch nicht.“ Nein, nicht nur die Deutschen hätten ein Problem mit den Zuwanderern aus Südosteuropa: „Wir Türken kommen mit ihnen auch nicht klar.“ Aggressiv sei die Stimmung in der Stadt geworden.

Bei der Stadt wissen sie um die Probleme. Aber oft bleiben Maßnahmen wirkungslos. Wenn die Hälfte der Zuwandererkinder aus Südosteuropa innerhalb eines Jahres wieder von den städtischen Schulen abgemeldet und durch Neuankömmlinge ersetzt wird, laufen Sprach- und Integrationsbemühungen ins Leere. Wenn Sozialhilfebetrug und die Erschleichung von Kindergeld organsiert im großen Stil ablaufen, übersteigt das alles, was einer Verwaltung in der Vergangenheit begegnet ist. Wenn die Abschiebung von Kriminellen mit zehn Staatsanwaltschaften abgestimmt werden muss, ist das ein Aufwand, den eine Stadt wie Gelsenkirchen kaum leisten kann. Und bei all dem entsteht trotz aller Mühe der Eindruck, der Staat, zu dem ja auch die Stadt gehört, habe die Sache nicht im Griff. Dabei hadert die Stadt auch mit dem Staat, fühlt sich vom Bund alleine gelassen, sagt Oberbürgermeister Frank Baranowski: „Wir haben gemeinsam mit anderen Kommunen, wie etwa Duisburg und Dortmund, immer wieder darauf hingewiesen, dass die europäische Freizügigkeit auch eine problematische Kehrseite hat, wenn Städte mit dem Problem alleine gelassen werden. Immerhin hat Hannelore Kraft die Herausforderungen aufgegriffen und Lösungsansätze angeboten. Auf eine Antwort meiner Briefe an die Bundeskanzlerin warte ich bis heute vergeblich.“

Einige Lösungsansätze seien offenbar bewusst blockiert worden. „Das gilt für die Integrationskosten für Flüchtlinge ebenso wie für den Sozialen Arbeitsmarkt. Ich kann auch nicht ausschließen, dass da ein klares, taktisches Kalkül hinter steckt.“ Das habe auch eine finanzielle Dimension: „Zusätzliche Plätze in Kindertagesstätten und Schulen finanziert der Bund nicht. Das sind aber alles Dinge, die kommunal nicht zu beeinflussen sind, sich jedoch in einer Stadt massiv auswirken. Wenn etwa Schulklassen geteilt werden müssen, weil die Anzahl der Schülerinnen und Schüler zu groß geworden ist, dann haben Eltern oft wenig Verständnis dafür.“ Für den Erfolg der AfD hat Baranowski nicht die eine, alles umfassende Erklärung: „Teile der Bevölkerung fühlten sich offenbar nicht mitgenommen. Aber es ist auch eine Stimmung herbeigetalkt worden, die diffuse Ängste bei den Menschen erzeugt hat. Diese teilweise berechtigten Sorgen sind dann missbraucht und geschürt worden von einer rechtspopulistischen Partei, der es vielmehr um Spaltung als um Inhalte geht.“ CDU und SPD, die beide enorme Verluste haben hinnehmen müssen, würden das sorgfältig aufarbeiten müssen. „Wir, die demokratischen Parteien und Politiker auf allen Ebenen, müssen besser werden. Wir müssen den Menschen zeigen, dass sich die demokratischen Parteien um sie kümmern.“ Vorschläge zum Umgang mit Langzeitarbeitslosigkeit, mit der Zuwanderung aus Südosteuropa, mit der Flüchtlingssituation, mit der gebauten Infrastruktur und den Kommunalfinanzen lägen ja auf dem Tisch, seien aber mit unterschiedlichen Begründungen abgelehnt oder sogar ignoriert worden. „Es ist jetzt für alle demokratischen Kräfte eine Aufforderung, diese Herausforderung, diesen Kampf anzunehmen und mit wahrnehmbarem Handeln ohne Rücksicht auf Kooperationsverbote und deutlicher Haltung für die demokratische und solidarische Stadtgesellschaft einzutreten – gerade jetzt, wo sie unter Druck gerät.“

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41 Kommentare zu “Gelsenkirchen: Der Osten im Westen

  • #1
    Klaus Lohmann

    "Wenn in Gelsenkirchen jetzt Ekelhäuser aufgekauft und renoviert werden, ist das auch ein Erfolg der AfD. Wir haben die SPD gezwungen zu handeln" – Das ist mal echte Realitätsverleugnung ohne Scham und Scheu vor Lügen, denn in den Städten mit solchen "Problemhäusern" waren die Verwaltungen schon vor der postnatalen Existenz einer Lucke-AfD gezwungen, diese Objekte in ihre Verantwortung zu ziehen. Das extra dafür ausgedachte "Wohnungsaufsichtsgesetz NRW" wurde dann im April 2014 eingeführt.

  • #2
    Franz Przechowski

    Ein Text, wie das wirkliche Leben in Gelsenkirchen. BRAVO, Stefan Laurin

    Glückauf
    Franz Przechowski

  • #3
    thomas weigle

    "Ich sehe in der Fußgängerzone keine Deutschen mehr. Es gibt hier zu viele Ausländer. Ich fühle mich fremd," sagt die junge Türkin. Ist das jetzt ein Beispiel für gelungene Integration? Ganz gewiss!!! Aber für was noch?
    Aus dem Text wird zudem dem deutlich, der GE nicht mal vom Durchfahren kennt, welche Probleme die Knappenstadt hat. Guter Text!!

  • #4
    Heinz Niski

    Rede ich mit Flüchtlingen, sagen eigentlich alle, dass Gelsenkirchen zwar Heimat für sie ist (ein Lobgesang auf die Bürger), dass sie aber weg ziehen müssen, weil die Stadt keine beruflichen, sozialen, kulturellen Perspektiven böte. GE bleibt gefangen im arm & alt & Spirale nach unten, Sammelbecken für die Opfer der Globalisierung.

  • #5
    Sisyphus

    Ich kann die Etablierten-Parteien nur raten wieder vernünftige, linke Politik für den normalen Arbeitnehmer zu machen, sonst wird es die AFD tun.

    Bei den mittleren und kleinen Arbeitern ist die AFD jetzt schon eine beliebte Partei, obwohl sie noch!! wenig Arbeitnehmerfreundlich ist.

    Wir brauchen keine Belehrungen von oben herab von Sozial"arbeitern" und Sozial"wissenschaftlern".

  • #6
    John Matrix

    Nun ja, keine Migration lief bisher ohne Ressentiments ab. Polen, Italiener, Türken – alle wurden beschimpft und beäugt. Wer mit Roma aus Südosteuropa spricht (Sinti ist übrigens nur die Eigenbezeichnung der seit dem späten Mittelalter im deutschsprachigen Raum lebenden Roma, der Fehler wird auch hier im Text wieder gemacht), erkennt sehr schnell, dass es falsche Vorstellungen gibt, die die Menschen migrieren lässt. Viele halten das Ruhrgebiet tatsächlich noch für ein Arbeitsparadies für ungelernte Kräfte. Wenngleich es sicher auch einfach jene gibt, die nur vom dt. Sozialstaat profitieren wollen. Ähnlich der Debatte um die Bekämpfung von Fluchtursachen muss eigentlich zunächst Aufklärungsarbeit mit den EU-Partnern Rumänien und Bulgarien betrieben werden.

  • #7
    ke

    Ich habe mich erst im letzten Monat in GE verfahren und bin irgendwo im Norden ca. 1km von der Turnhalle entfernt Richtung Innenstadt gelandet.
    Das war einfach unterirdisch. Ich kann verstehen, dass Menschen mit Möglichkeiten dort nicht leben wollen.
    Aber genau dies sind die Viertel für Neueinsteiger, die mit relativ wenig Geld in Gebäuden leben können.
    Wenn man bedenkt, dass hier viele Menschen für wenig Geld arbeiten, ihr Geld in den Soli zahlen dürfen, damit den Osten subventionieren, und dann nur eine Rente erhalten, die Sozialhilfeiniveau hat, merkt man schnell, dass hier schon seit Jahren gegengesteuert werden müsste.

    In dieser Umgebung gibt es keine erkennbare soziale Gerechtigkeit. Solche Zustände erklären auch, warum die großen Parteien ihre Wähler immer mehr verlieren.

    Dass Strassen.nrw mit den effizienten Verkehrsplanungen (siehe A1 Sperrung in Leverkusen) seinen Sitz in GE hat, passt zu dem Gesamtbild der Stadt.

    GE und DU werden noch über Jahre um die rote Laterne kämpfen.

  • #8
    ruhrreisen

    #2
    ich schließe mich dem Lob größtenteils an. Aber soviel Zeit muss sein: Hier geht es nicht um Sinti. Sinti leben seit Jahrhunderten in Deutschland und haben nichts mit den in GE mäandernd zuwandernden Roma zu tun, die in unterschiedlichen Sippen aus verschiedenen, meist Balkanländern kommen – und auch das nicht nur aus Rumänien und Bulgarien. Untereinander nennen sie sich größtenteils Zigeuner – einige nennen sich Roma – auch hier unterscheidet die Ethnie in der Wortwahl und ist sich alles Andere als einig, auch nicht in den eigenen Traditionen. Unter Anderem hier nachzulesen, mit umfangreichen (Audio-) Vorträgen, der Abschlusseranstaltung eines Projekts, Ende März dieses Jahres, in Kooperation mit der Stadt:

    https://www.gelsenkirchen.de/de/_meta/aktuelles/artikel/30078-nicht-herkunft-sondern-armut-ist-unsere-herausforderung

    Schrotimmobilien, hier "Ekelhäuser" genannt: Offiziell werden an die 180 in GE gezählt – also Häuser, die z. B. wegen Brandschutzmängeln und Gefahr im Verzug von der Kommune dicht gemacht wurden. Daneben gibt so genannte "Problemhäuser", die gar nicht gelistet sind, also auch diese, in denen Zuwanderer ein- und ausziehen – und gesamte Straßenzüge "negativ gentrifizieren". Dort wird besonders viel mit Vermietung verdient.
    Zusätzlich gibt es noch insgesamt rund 10000 leerstehende Immobilien, mit denen sicherlich noch viel Geschäft in Zwangsversteigerungen zu machen ist.
    Und jetzt erkläre doch jemand unter den Mathematikern hier: Wie soll mit rund 5,x Milionen Euro vom Land? eine Stadt diese Masse an Häusern alle vom Markt nehmen? Vorschläge erbeten.

  • #9
    der, der auszog

    Wir wohnen in Scholven, einem Stadtteil im Norden von Gelsenkirchen und haben dort ein altes Zechenhaus mit 6 Wohneinheiten. Diesen Sommer haben wir eine frei gewordene Wohnung an eine Familie aus Bulgarien (Vater, Mutter, Tochter) vermietet, die uns erzählten, sie wollen raus aus dem oben beschriebenen Schrottimmobilien, damit das Mädchen für die Schule lernen und irgendwann Abitur machen kann. Eingezogen ist die Familie in die 3-Zimmerwohnung dann mit zwei Vätern, zwei Müttern und insgesamt 4 Kindern, die in den Sommerferien nichts besseres zu tun hatten, als mit ihren Freunden und Bekannten jeden Abend in den Grünanlagen zu grillen, häufig mit 20 Personen und mehr. Ich war damals mit meiner Frau drei Wochen im Urlaub und als ich zurückkam sahen die Gartenanlagen aus wie ein Schlachtfeld. Ein Ehepaar, welches mittlerweile dreizehn Jahre in unserem Haus wohnt, suchte bereits nach einer neuen Wohnung, weil die Bulgarische Familie deren Waschmaschine von den Anschlüssen getrennt und stattdessen ihre Waschmaschine dort angeschlossen hatte. Wir haben die bulgarische Familie wegen dieser Dinge abgemahnt und mittlerweile auch eine fristlose Kündigung ausgesprochen, weil die letzten beiden Mieten nicht bezahlt wurden. Darüber hinaus haben wir uns an die Stadt gewandt, weil wir wissen wollten wieviele Personen in der Wohnung wirklich gemeldet sind. Das Ordnungsamt kam dann drei Wochen lang alle paar Tage mit zwei Personen vorbei um eine Gefährderansprache zu halten, aber weil niemand öffnete, obwohl eigentlich ständig jemand in der Wohnung war, verliefen diese Initiativen im Sand.
    Von der sogenannten "Task-Force EU-Ost" haben wir jetzt seit vier Wochen niemanden mehr gesehen. Das letzte, was man uns sagte war, dass wir sehr wahrscheinlich einen guten Rechtsanwalt brauchen werden, um das Problem zu lösen.

    Bei uns in Scholven hat die AfD 20,3% geholt – trotz gelungenem Strukturwandel (siehe BP, siehe e.on). Vermutlich sind meine Frau und ich die einzigen Personen in unserem Haus, die bei der Bundestagswahl nicht die AfD gewählt haben – aber auch nicht Töns oder Witze.

    Was ich bislang gelernt habe ist folgendes:
    Wer aus Südosteuropa nach Deutschland kommt und Arbeit sucht, der geht nicht nach Gelsenkirchen, wo je nach Saison 12 – 15% Arbeitslosigkeit herrscht. Wer nach Gelsenkirchen kommt, der findet hier günstigen Wohnraum, in dem es sich dank staatlicher Fürsorge wesentlich besser leben läss, als in Rumänien oder Bulgarien. Ich bin mir fast sicher, dass wenn wir demnächst eine Räumungsklage anstrengen werden, dass selbst dann der deutsche Staat diesen Menschen helfen wird, in dem er ihnen den Rechtsbeistand gegen uns bezahlt…

  • #10
    cyko

    Bei all dem was richtig ist, folgendes ist auch richtig: „Ich sehe in der Fußgängerzone keine Deutschen mehr. Es gibt hier zu viele Ausländer. Ich fühle mich fremd.“
    Was bedeutet dieser Satz? Man hört ihn hier von einer jungen Türkin, man hört ihn hier sinngemäß von einem Herrn Solbach, man liest ihn von Linken und sogar meine Mutter haut das mal so raus.
    Es braucht am Wahlabend tatsächlich Angela Merkel, die schweigende Merkel, die trocken darauf hinweist, sie könne Staatsbürgerschaften nicht am Äußerlichen erkennen. Bämm. Und plötzlich fühlen sich die einfachen Wahrheiten des Alltags, gar nicht mehr so einfach an. Die Deutschen fühlen sich in der Fußgängerzone alleine. Nicht, weil sie zu wenig Deutsche sehen. Sondern, weil zu wenige Menschen sehen, die wie Deutsche aussehen.

    Ich wohne an der Fußgängerzone. Ich durchquere sie jeden Tag. Ich sehe mehr Frisuren als Kopftücher. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Burka life gesehen. Selten mal einen breiteren Vollbart und ab und an ist das auch kein Hipster auf dem Weg ins "Rosis".

    Die Leute sitzen draußen am Backwerk. Viele dunkelhäutige Menschen, dazwischen die Ü50 Matronen, vermutlich deutscher Herkunft. Ab und an, die Omma aus der Wohnung unter mir.
    Die Leute kaufen, stehen gemeinsam im "Netto_from_hell" in unendlich langen Kassenschlangen. Die italienische Pizzeria des türkischen Inhabers brummt. Sein Dönerableger im Bahnhofscenter macht für mich noch um halb vier Morgens die Fritteuse an. Dienstags tönt der Zumbakurs aus dem Fitnesscenter über die Bahnhofstraße. H&M brummt, ebenso McChicken und Subways.
    Auf dem Spielplatz vor der Sparkasse sitzen Familien mit haufenweise Kindern. Ein Block weiter die Trinker beim Parkhaus.
    Gewalt? Gibt es sicher. Gesehen habe ich sie aber seit Jahren nur einmal. Ein Trinker schlug einen vom Ordnungsdienst im Bahnhofscenter. Der Trinker schimpfte polnisch.

    Also bitte, was ist denn hier so fremdartig, dass man sich als "Deutscher" oder als sich_als_deutsch_Verstehender in der "Minderheit" fühlt?
    Bleibt ja nicht mehr viel.
    Außer Hautfarbe. Und Haarfarbe. Und Sprache.

    Und damit kommen wir dann zum Pudels Kern und das muss auch mal gesagt werden dürfen, heute, wo man kaum ein soziales, städtisches oder sonstiges Problem ansprechen, besprechen, aussprechen kann, ohne das irgendwer mit irgendeinem biologistischen, rassistischen oder schlicht dummen Senf um die Ecke kommt und die Debatte sprengt.

    Man muss ja heute so vieles sagen dürfen. Das wird man ja noch mal sagen dürfen!
    Ja und was man auch mal sagen dürfen muss ist, dass viele Menschen, mit besten Absichten!, heute wieder rassistisch denken, nach Äußerlichkeiten beurteilen und sich vom Dunkelheitsgrad der Durchschnittshaarfarbe verängstigen lassen.
    Was schwierig ist, wird noch schwieriger gemacht. Da braucht es nicht einmal gefälschte Artikel in SPON über vermeintliche Kneipenkriege zwischen türkischen und deutschen Gastronomen, dass kriegen die Gelsenkirchener mittlerweile schon von ganz alleine hin.
    Vor allem Jene, die nicht in der Altstadt wohnen.

    Die Welt sieht anders aus als früher und das macht Vielen Angst.
    Aber während man Ekelhäuser angeht und was weiß ich noch alles und hoffentlich auch Lösungen findet, muss klar sein, dass sich hier auf lange Sicht, niemand mehr sicher fühlen wird, solange er Nationalitäten und Charakterzüge und Kulturen und Bedrohungslagen und Individuen, gemäß einer Hautfarbe beurteilt
    Und das, ist keine Aufgabe der Politik.
    Das ist eine Aufgabe des gesunden Menschenverstands, der Vernunft, des Anstands und der Zivilisiertheit und sie stellt sich Jedem, heute mehr denn je.

    P.S.: Guter Artikel

  • #11
    Walter Stach

    Stefan Laurin,

    seit Jahren (!!) weiß jeder, der im Revier wohnt, um die gravierenden Probleme in bestimmten Quartieren der Ruhrgebietsgroßstädte von Duisburg bis DO, "mitten drin GE.
    Quartiere, Straßenzüge, in denen nur noch, zumindest überwiegend Menschen leben, die dem "aller untersten Ende" der sozialschwachen und bildungsfernen Schichten der Bevölkerung zuzuordnen sind.

    Seit Jahren arbeiten die Ruhrgebietsgroßstädte daran, diesem Problem zu begegnen -substantiell und von Grund auf , aber auch mit Blick auf seine alltäglichen Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen bzw. auf die "Mit-" Menschen in den Großstädten, die sich mittelbar von dieser Problematik betroffen fühlen.

    Seit Jahren gibt es fundierte wissenschaftliche Untersuchungen, Gutachten, Prognosen dazu.

    Seit Jahren gibt es immer wieder auch hier bei den Ruhrbaronen Problembeschreibungen, Problemanalysen aus grundsätzlichen Erwägungen oder aufgrund konkreter Einzelfallproblematiken und/oder aus Anlässen wie Kommunalwahlen, OB-Wahlen, Landtagswahlen und/oder deshalb, weil "radikale Parteien" diese Problemlage(n) für sich zu nutzen wissen einhergehend mit diversen Beiträgen und Streitgesprächen.

    Und seit Jahren gibt es wie bereits oben angeführt in beinahe allen politischen Handlungsfeldern in jeder Großstadtkommune des Reviers konkrete Maßnahmen, dieser Problematik zu begegnen -von Grund auf und/oder zumindest bezogen auf ihre "schlimmsten" Folgen, zugegeben mit unterschiedlichen Ergebnissen im allgemeinen und im konkreten. Nach meiner sehr, sehr oberflächlichen Wahrnehmung scheint es mir in der Tat so zu sein, daß es unter den Revierkommune GE am wenigsten gelungen sein könnte, dieserhalb für "Besserung" zu sorgen.

    All das Skizzierte -den "Senf", den wir hier regelmäßig bei den Ruhrbaronen dazu gereicht haben eingeschlossen- hat bis heute nicht dazu geführt, substantiell das Problem zu lösen.

    Deshalb werde ich es auch bleiben lassen, erneut meinen "Senf" dazu zu geben, wenn wieder einmal wie es jetzt hier der Fall ist die Probleme beschrieben und über Problemlösungen nachgedacht und diskutiert wird.

    Könnte es in Segmente der Gesellschaft, hier konkret in Teilbereichen von Großstadtkommunen des Reviers Problemlagen geben, die sich substantiell durch eine Kommune gar nicht lösen lassen, jedenfalls nicht kurz- und mittelfristig und selbst dann nicht, wenn die EU, wenn der Bund, wenn das Land, wenn die Solidargemeinschaft der Kommunen dabei wesentlich mehr Hilfe leistet als bisher? Diese Frage ist eine rhetorische, aber eben auch eine, die meine Resignation ausdrücken soll.

  • #12
    Andreas Hortmann

    Gelsenkirchen war noch nie eine Schönheit – die inneren Werte der Leute dort waren aber immer liebenswert. Hart aber herzlich . Leider geht diese Eigenschaft auch immer mehr verloren. Gelsenkirchen ist nun zu einem Paradebeispiel für verfehlte Zuwanderung geworden – Migration oder Integration kann man das leider nicht mehr nennen .
    Gut ausgebildete Einheimische verlassen die Stadt immer mehr. Irgendwie auch verständlich. Die Hilflosigkeit der lokalen Politiker oder auch in Düsseldorf zeigt das dieser Trend kaum noch zu stoppen ist. Gelsenkirchen droht der Untergang.

  • #13
    Aquii

    Das mit den 17% AfD Stimmanteil ist mir nicht differenziert genug. Der tatsächliche Anteil in den beschriebenen Stadtteilen dürfte noch um einiges höher liegen, als Ausgleich in den "besseren" Stadtteilen dafür deutlich geringer.

    Seit kurzem bin ich ja Neubürger in GE Altstadt. Gespannt bin ich schon, was mich so erwartet, besonders in den kommenden Monaten mit der früh beginnenden Dunkelheit.

    Erfahrungen habe ich auch einige gemacht, schon vorher. So sagte mir einmal ein Fotograf aus Ückendorf: "ja es lebt sich hier ganz ruhig, nur alle drei Wochen kommt mal morgens um 5 h das MEK und macht etwas Krach". Das lasse ich jetzt einmal ohne Bewertung, bis ich meine eigenen Erfahrungen gemacht habe.

    Aber für mich ist klar, das es einen entscheidenden Grund gibt, die Bevölkerung verarmt und das in einem rasenden Tempo, da spielt es für mich auch keine Rolle ob die Stadt GE mit dem Aufkauf von Schrottimmobilien versucht kleine Brände zu löschen. Ich halte es für eine verkehrte Maßnahme.

  • #14
    thomas weigle

    Als ich 86 nach NRW an eine "Schule für Erziehungshilfe" wechselte, gab es den Mehrfachbehindertenerlass, der da besagte, dass bei Kids mit zwei "Beeinträchtigungen", an meinem Arbeitsplatz waren dass dann Erziehungsschwierigkeit und Lernbehinderung, der Schlüssel war: 4 Kids, ein Lehrer. Es gab und gibt Schüler, die nicht mal unter diesem Schlüssel zu unterrichten sind, aber den 1:4er gibt’s nicht mehr. Stattdessen gibt`s Inklusion. Das wird die Lage an der unteren "Schulfront", also Grund/Hauptschulen in sozialen Brennpunkten und Städten wie GE massiv verschärfen.
    Hier hat die Schulpolitik völlig versagt. Selbst das vollständige Stoppen oder zeitweiliges Innehalten der Inklusion wird die fatale Situation nicht heilen. Die Kids an meinem Arbeitsplatz wurden über die Jahre immer jünger und schwerer zu händeln, von erfolgreicher Elternarbeit konnte kaum die Rede sein. V.a. weil es oft an der Deutschkompetenz der Eltern fehlte, die Kids "übersetzten."
    Gute Schulpolitik, die die Schulen v.a.personell ausreichend ausstattet, ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nix, werden Städte wie GE auch in Zukunft nicht gut dastehen, werden die Schulen immer weniger ihrem Bildungsauftrag nachkommen können.
    Ich bin jedenfalls heilfroh, dass ich das Schulelend nur noch vom Hörensagen kenne.

  • #15
    Helmut Junge

    @der deraus zog, eines fehlt noch in deinem Kommentar, nämlich zu dem Thema Glaubwürdigkeit während der Verhandlungen um den Mietvertrag:
    "die uns erzählten, sie wollen raus aus dem oben beschriebenen Schrottimmobilien, damit das Mädchen für die Schule lernen und irgendwann Abitur machen kann"
    Da stellt sich zusätzlich noch die Frage, ob die Kinder, die angeblich doch Abitur machen sollten, überhaupt regelmäßig zur Schule geschickt werden. Denn das kann ich mir bei diesem familiären Umfeld nur mit Mühe vorstellen.

  • #16
    Klaus Lohmann

    @#9: Ein ähnliches Szenario findet zur Zeit zwei Häuser entfernt von unserem statt. Nachdem der Hausbesitzer, durch längere Krankheit gezwungen, in eine Betreuung eingewiesen wurde und dort schon seit 5 Monaten gepflegt wird, haben die verbliebenen Bewohner, die größtenteils noch nicht mal richtige Mietverträge haben, das Haus in einen "Hort" für Alkoholiker, Nichtsesshafte und nachts mit Schreckschusswaffen rumballernde Idioten verwandelt, die die ganze Nachbarschaft terrorisieren und mittlerweile auch "gern" von mehreren Polizeistreifen gleichzeitig "besucht" werden.
    Übrigens alles "ächte Teutsche", die stramm NPD bzw. AfD wählen, wenn man deren Gelalle nächtens auf der Terasse glauben darf.

  • #17
    ruhrreisen

    Seit drei Jahren sorgt in Bulmke, unweit der kirchlichen Friedhöfe ein vergammeltes Eckhaus dafür, dass wöchentlich der Sperr- und Hausmüill auf die Straße gekippt wird. Die Bewohner wechseln teilweise monatlich – ebenso blockieren regelmäßig Abschleppwagen aus den obligatrischen Ländern die Straße. Ändern tut sich: nichts. Jedenfalls nichts, was die Anwohner erkennen können. Die, die es sich leisten können ziehen weg. So verkommt ein ehemals funtionierendes Viertel.

  • #18
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann, ihr Vergleich paßt nicht, weil in Ihrem Beispiel der Vermieter nicht eingreift, bzw. nicht eingreifen kann. Leider aber gibt es Fälle, in denen es der Vermieter sehr schwer hat.

  • #19
    Beate Rafalski

    In diesem Zusammenhang vielleicht interessant: WDR 5 Stadtgespräch |Donnerstag, 12. Oktober 2017, 20.05 – 21.00 Uhr, Consol Theater Gelsenkirchen, Bismarckstraße 240.

    Thema: Das miese Geschäft mit der Wohnungsnot

    http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/stadtgespraech/schrottimmobilien-108.html

    Und übrigens haben Herr Schneider oder Herr Lohmann von derAfD keinen gezwungen zu handeln, wie sie sich brüsten. Die Gründung der Stadtentwicklungsgesellschaft, die die Modernisierungsmaßnahmen an der Bochumer Straße möglich gemacht haben, hat eine gänzlich andere Entwicklungsgeschichte.

  • #20
    Beate Rafalski

    In diesem Zusammenhang vielleicht interessant: WDR 5 Stadtgespräch |Donnerstag, 12. Oktober 2017, 20.05 – 21.00 Uhr, Consol Theater Gelsenkirchen, Bismarckstraße 240.

    Thema: Das miese Geschäft mit der Wohnungsnot

    http://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/stadtgespraech/schrottimmobilien-108.html

    Und übrigens haben Herr Schneider oder Herr Lohmann keinen gezwungen zu handeln, wie sie behaupten. Die Gründung der Stadtentwicklungsgesellschaft, die die Modernisierungsmaßnahmen an der Bochumer Straße möglich gemacht haben, hat eine gänzlich andere Entwicklungsgeschichte.

  • #21
    RobinS

    @Thomas weigle – ich glaube nicht, dass "Inklusion" dazu geeignet ist, die in Jahrzehnten ohne Inklusion entstandene Situation noch weiter zu verschärfen.

    Eine andere Frage, die sich aus Ihrem Beitrag aber geradezu aufdrängt ist jedoch die, ob Inklusion im Schulbereich eher eine Erfindung der Finanzminister oder Kämmerer denn der Pädagogen war, um umfangreiche finanzielle Mittel für sonderpädagogische Fachkräfte einzusparen.

    Unter diesem Gesichtspunkt könnte man geneigt sein, Ihnen zuzustimmen.

    Im übrigen stimme ich einigen Beitrögen fshingehend zu, dass die Situation in Gelsenkirchen und anderen Ruhrgebietsstädten natürlich bedeutend besser ist als beispielsweise in Plovidov/Bulgarien.
    In Dortmund fand in den letzten Tagen das mehrtäfige Roma-Kulturfest "Djelem,djelem" bereits zum vierten Mal statt, das nicht nur die vielfältige Kultur der Roma, sondern auch viel Informatives zu dieser heterogenen, schätzungsweise 6 Mio Menschen umfassenden europäischen Volksgruppe beinhaltete.
    Die Lebensbedingungen vieler Roma in Südosteuropa sind auch politisch-strukturell derartig katastrophal, armuts- und diskriminierungsbelastet, dass ernst zu nehmende Fachleute von einer Form der politischen Verfolgung durch mannigfache schwere Diskriminierungen sorechen.

    Wer nun glaubt, dass diese Menschen nach Deutschland kommen, um "tolle"Sozialleistungen zu bekommen, irrt- bekommen sie als so genannte Armutsflüchtlinge eben gar nicht. was die Situation in Bezug auf Wohnen, gesundheitliche Versorgung zum Teil weiter dramatisch verschärft.
    Die Ruhrgebietsstädte – aber auch andere deutsche Metropolen- beginnen, sich auf die Situation einzustellen und mit Maßnahmen auf dem Wohnungsmarkt (Aufkauf von Schrottimmobilien, Ordnungsvwrfügungen. Absicherung von Stromzufuhr etc) , dem Arbeitsmarkt und im ftphkindlichrn und schulischen Bildungsbereich zu reagieren.
    Die Zuwanderung aus osteuropäischen Staaten, begründet in erschütternder Armut mit all ihren Folgen und schwerster Diskriminierung, die sich zum Teil selber vor Zuwanderung bspw. durch Flüchtlinge rigoros abschotten, ist ein kaum unkehrbarer Fakt und auch in Zukunft nicht zu verhindern, es sei denn, man möchte sich auch vor innereupäischen Wanderungsbewegungen abschotten.
    Es kann aber nicht angehen, dass zunächst der Bund und dann die Länder sich weitestgehend aus der Verantwortung für die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der mit dieser Form der Zuwanderung verbundenen Aufgaben zurückziehen und die Kommunen buchstäblich im Regen (und die Zuwanderer ohne Strom.menschenwürdige Unterkunft, Teilhabemöglichkeiten und medizinische Versorgung) stehen lassen.

    Die häufig als Gejammere und Gezetere der Ruhrgebiets- OB’s und -Kämmerer in Richtung Bund und Land wahrgenommenen Forderungen nach finanzieller Unterstützung müssen als vollkommen berechtigt bezeichnet werden.

    Das Ruhrgebiet, das seit über zwei Jahrhunderten Menschen aus den verschiedensten Ländern anzieht – zu Zeiten der Stahl-und Kohleindustrie durchaus willkommen und nun nach dem zwar notwendigen, aber für die Arbeiterklasse brutalen Strukturwandel ohne ausreichende Arbeitsmöglichkeiten in diesem Erwerbssegment- und hieraus heutzutage einen Großteil seiner Identität und multikulturellen Vielfalt bezieht und auch entsprechend positiv als Benchmark zu nutzen weiß,kann diese aktuelle Situation nicht mehr alleine ohne massive finanzielle Unterstützung von Bund und Land bewältigen.

    Während im Osten Deutschlands der Exodus der erwerbsfähigen Menschen gerade aus ländlichen Regionen durch staatliche Förderungen, die ja weit über den Einnahmen aus dem "Solidaritätszuschlag" liegen., verhindert werden soll, drohen die vom Strukturwandel gebeutelten Ruhrgebietsmetropolen unter den zusätzlichen aus neuen Zuwanderungen resultierenden Aufgaben in manchen Bereichen nicht nur finanziell, sondern.wie man an den Stimmengewinnen der AFD bei gleichzeitigem Absturz der einstmals so mächtigen SPD auch politisch zu kollabieren.
    Einfache Lösungen gibt es nicht, auch keine Patentrezepte.

    Aber, so kann es auch nicht weitergehen, Zuwanderung ist politisch wie wirtschaftlich und sozial gesamtgesellschaftlich mit Geld, Geduld, Wissen, Fantasie und Empathie getragen von der Hoffnung auf das Gelingen zu bewältigen – womit wir dann auch wieder beim Thema Inklusion wären,Herr Weigle…

  • #22
    RobinS

    http://nordstadtblogger.de/diskriminierung-und-depriviligierung-von-roma-in-europa-ein-interkulturelles-symposium-ueber-kommunale-gegenstrategien/

  • #23
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @RobinS: Ganz so stimmt das nicht mit den Sozialleistungen: "Wer Kindergeld möchte, muss seine Kinder anmelden. Dann wird das Geld auch rückwirkend gezahlt, bis zu vier Jahre – wenn der Mietvertrag besagt, dass man schon seit vier Jahren in Deutschland lebt. Bei vier Kindern kommen so bis zu 38.000 Euro Nachzahlung zusammen. Die Kinder müssen dafür nicht in Deutschland leben, aber es muss sie geben. "Nichts ist einfacher", sagt ein Beamter aus Gelsenkirchen, "als die Familienkasse an der Nase herumzuführen." Nur einmal im Jahr werden dort die Daten in den Computern abgeglichen. Bis dahin erfährt die Kasse nicht, ob ein Rumäne, der Kindergeld bekommt, schon lange wieder in Rumänien wohnt." http://www.zeit.de/2016/31/gelsenkirchen-zuwanderer-rumaenien-bulgarien-sozialbetrug

    Und wurden bei der Konferenz auch die Clans erwähnt? Ich habe in dem Artikel im Nordstadtblogger nichts von eigenen Defiziten und Problemen gelesen, für die man zumindest teilweise selbst verantwortlich ist – und die man auch selber lösen muss: „Die Roma, die in den Westen kommen, sind oft Teil eines lukrativen Geschäftsmodells. Die Hintermänner dieses Geschäfts sind selbst Roma. Sie stehen in der Hierarchie der Clans ganz oben. Sie sind die Clanchefs. Nicht alle nutzen die Not ihrer Leute aus, aber viele. Die, die es tun, leben nicht in extremer Armut, sondern in extremem Reichtum. In ihren Dörfern bauen sie sich Villen, in ihren Garagen stehen Mercedes.“ http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/roma-clans-elend-als-geschaeftsmodell-12092059.html

  • #24
    ruhrreisen

    Danke für diese Ergänzung. Es wird Zeit, Integration als Zweibahnstraße zu benennen. Denn Armut ist nicht gleichbedeutend damit, sich komplett den Gepflogenheiten des Einwanderungslandes zu verweigern. Das trifft übrigens auch – obwohl nur partiell vergleichbar – auf teutonische Touristen auf Mallorca zu – die sich wie eine offene Hose benehmen.

  • #25
    der, der auszog

    @Helmut (#15)
    Bis auf die Tochter der regulären Mieter (übrigens die einzige in der Familie, die der deutschen Sprache so mächtig ist, dass man sie auf Anhieb versteht), sind die anderen drei Kinder noch nicht im schulpflichtigen Alter. Das Schulpflichtige Mädchen besucht angeblich das Schalker Gymnasium, ist aber wie die anderen Kinder über Nacht verschwunden, nachdem wir die Mieter abgemahnt hatten. Dafür übernachten derzeit andere Personen in der Wohnung, weshalb wir uns gezwungen sehen, das Schloss der Haustür auszuwechseln, was rechtlich nicht ganz unbedenklich ist, wie uns unser Anwalt mitteilte.

    @Klaus Lohmann
    Schön, dass sie zu allem eine Meinung haben, aber ihr Vergleich hinkt vorne und hinten. Unsere Mieter haben alle einen Mietvertrag, weder Alkoholprobleme, noch ballern sie mit irgendwelchen Schreckschusswaffen in der Gegend rum und die Polizei war auch noch nie wegen ihnen da. Das sind Menschen, die Wechselschicht arbeiten und sich freuen, dass sie bei einem Quadratmeterpreis von knapp 5 Euro eine intakte Wohnung in ruhiger Lage mit Garten geboten bekommen, in dem sie sich nach ihrer Schicht ausruhen können und die kein Bock haben, regelmäßig ihre Gartenmöbel suchen zu gehen, weil diese von den neuen Mietern mal eben für ein spontanes Grillfest ausgeliehen wurden. Es gibt sie nämlich noch, die klassischen Malocherfamilien, die aus Tradition immer SPD gewählt haben, derzeit aber orientierungslos durch die politische Landschaft eiern und bei der Bundestagswahl ihren Dampf ablassen konnten. Nicht nur, weil diese Menschen mit der Politik völlig unzufrieden sind, sondern auch weil sie kein Bock auf Leute haben, die jedem, der nicht dem intellektuell angereichten politischen Mainstream entspricht, als Alkoholiker, rumballernden Idioten oder "ächten Teutschen" diffamiert zu werden.

    @Beate (#19)
    Danke für den Tipp. Ich werde mir die Veranstaltung auf Consol anschauen, auch wenn ich bei Veranstaltungen des WDR ein wenig skeptisch bin. Im konkreten Fall finde ich beispielsweise das Thema völlig daneben. "Das Geschäft mit der Wohnungsnot"

    Es gibt in Gelsenkirchen keine Wohnungsnot.

    Gelsenkirchen hatte zu Beginn der 1960er Jahre (Beginn der Kohlepreise) knapp 390.000 Einwohner. Seitdem sinkt die Einwohnerzahl stetig, Anfang der 1980er Jahre erstmals unter 300.000. Vor drei Jahren hatte sie ihren absoluten Tiefstand mit 260.000 Einwohner. Seitdem geht es wieder leicht bergauf, der Wohnungsmarkt ist aber immer noch total entspannt mit unzähligen Leerständen.
    In keiner Großstadt im Westen Deutschlands ist Wohnraum so billig wie in Gelsenkirchen. Meines Erachtens begünstigt dieser Umstand den Zuzug von Menschen gerade aus dem Südosteuropäischen Ausland, die mit relativ wenig Geld ( in der Regel Hartz4) möglichst weit kommen wollen… unter Umständen ohne etwas dafür tun zu müssen, außer sich einen fiktiven 400 Euro Job zu besorgen und regelmässig aufs Amt zu rennen. Sicherlich sind nicht alle Rumänen und Bulgaren so, aber ein nicht unerheblicher Teil schon.

  • #26
    RobinS

    @ Laurin- Sie haben Recht-aber eben erst nach vier Jahren gewöhnlichen Aufenthaltes. Allerdings muss man die vier Jahre erst einmal – nicht selten in fürchterlichen Behausungen ohne Strom und wrnig zu Essen auch hierzulande- rumkriegen.
    Natürlich – auch da stimme ich zu- gibt es auch Clans, kriminelle Vermieter und organisierte wie individuelle Kriminalität das ganze Strafgesetzbuch rauf und runter – aber solche Strukturen gedeihen eben auch dort – nicht ausschließlich.aber eben doch-besonders gut, wo es an Möglichkeiten und Perspektiven, den Lebensunterhalt auf "normalem" Wege auskömmlich zu bestreiten. mangelt.

    Somit dienen Investitioonen in die Verbesserung der Lebensbedingungen auch dazu, den Sumpf organisierter Kriminalität ein Stück weit trocken zu legen.

    Ich kenne jedenfalls niemanden, der trotz geregeltem Einkommen oder zumindest einigermaßen gesicherter materieller Lebensgrundlagen seine eigenen Kinder zum Klauen schickt oder diese organisierten Kriminellen überlässt.
    Aber natürlich muss man auch diese Seite ernsthaft in den Blick nehmen und nicht in die "wir müssen uns nur lieb haben, dann wird schon alles gut-Mentalität" verfallen.

    Auf der anderen Seite gilt aber auch, dass wir nicht vorschnell oder despektierlich über diejenigen urteilen sollen, " in deren Mokassins wir nicht gelaufen sind".

  • #27
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @RobinS: Nein, nicht nach vier Jahren Aufenthalt. Ein – zurückdatierter – Mietvertrag reicht aus, um an das Geld zu kommen. So steht es im Artikel der Zeit.

  • #28
    Klaus Lohmann

    @#18 Helmut Junge: "Eingreifen" im Sinne von Gefahrenabwehr kann sowieso nur die Polizei und die ist häufig im Einsatz. Der seit kurzem eingesetzte Betreuer des Vermieters hat Räumungsklagen initiiert (da zwischenzeitlich auch die Substanz bedrohende Wasserschäden verursacht wurden), die die Bewohner aber nicht die Bohne interessieren.

    @#25 der, der auszog: Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass die betroffenen Nachbarschafts-Mieter des besagten Hauses allesamt "alle einen Mietvertrag, weder Alkoholprobleme, noch ballern sie mit irgendwelchen Schreckschusswaffen in der Gegend rum und die Polizei war auch noch nie wegen ihnen da". Und "das sind Menschen, die (teilweise) Wechselschicht arbeiten und sich freuen, dass sie bei einem Quadratmeterpreis von knapp 5 Euro eine intakte Wohnung in ruhiger Lage mit Garten geboten bekommen, in dem sie sich nach ihrer Schicht ausruhen können und die kein Bock haben, regelmäßig ihre Gartenmöbel suchen zu gehen, weil diese von den neuen Mietern mal eben für ein spontanes Grillfest ausgeliehen wurden". Also sehr wohl vergleichbar in dieser Situation, nur nicht in der Herkunft der Verursacher.

  • #29
    thomas weigle

    @RobinS Doch, die Inklusion verschärft die Lage zumindest dort, wo es v.a. um "Erziehungsschwierige" geht. Zu meiner Tätigkeit als Sonderschullehrer gehörte auch die Begutachtung solcher Schüler, die von ihren Schulen als Kandidaten für einen "Wechsel des Förderortes" gemeldet waren. Ich habe dann jeweils u.a. mehrere Stunden mit der Beobachtung des jeweiligen Schülers im Unterricht verbracht. Sie dürfen mir glauben, dass das manchmal sehr verstörend war, wie schwer dort Unterricht dem Kollegen, v.a. deswegen, weil der gemeldete Schüler oft nicht der einzige Schüler mit "schweren "" war. Dies in Klassen mit oftmals mehr als 25 Schülern. Da hilft auch eine Doppelbesetzung oftmals nur begrenzt weiter.
    Auf jeden Fall müssen die Klassenstärken massiv gesenkt werden.
    Hinzu kommt, dass ich mir auch bei einem größeren Teil der körper-und geistig behinderten Kindern eine Inklusion nur sehr schwer vorstellen kann. Ein Kind, dass nicht alleine auf die Toilette gehen kann, wird an vielen Schulen, v.a. mit hohem Anteil migrantischer Schüler, kaum auf Wohlwollen stoßen. Meiner langjährigen Erfahrung nach an "meiner" Bethel-Schule werden Menschen mit Beeinträchtigungen gerade von der migrantischen Klientel wenig akzeptiert, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken.
    Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Zuwanderer aus Osteuropa oder muslimischen Ländern handelt.
    Ich war 10 Jahre lang grünes Mitglied des Schulausschusses des LWL, der ja viele Förderschulen unterhält und war anfangs auch für die "Inklusion", die damals "gemeinsame Erziehung hieß. Meine Einstellung zur "gemeinsamen Erziehung" oder zu 1 SCHULEFÜRALLE hat sich in diesen 10 Jahre nicht nur durch meine eigenen beruflichen Erfahrungen gewandelt, sondern auch, dass ich viele Male Förderschulen des LWL besuchen konnte, wobei ich mir im Lauf der Jahre immer schwerer vorstellen konnte, wie ein gemeinsamer Unterricht funktionieren könnte. V.a. dann, wenn Schüler mit unterschiedlichen Behinderungen in einer Klasse unterrichtet werden, was ja bei 1 SCHULEFÜRALLE letztlich vorkommen wird. Es sei denn, man richtet Klassen mit Sollstärken von nicht mehr als 10-12 Schülern ein, wenn`s funktionieren soll. Das aber ist m.E. zwar wünschenswert, aber eher unrealistisch.
    P.S.Die Anzahl erziehungsschwieriger Kinder hat in den letzten Jahrzehnten aus vielerlei Gründen dramatisch zugenommen und die (Schul)Politik hat, wie auf viele andere soziale Herausforderungen, bisher nur äußerst unbefriedigende Lösungen gefunden, wie man ja auch an dieser "Gelsenkirchener Diskussion" besichtigen kann.

  • #30
    Wolfram Obermanns

    Nur ein kleiner Sidekick:
    In Bochum hat die Revision darauf aufmerksam machen müssen, daß 12 Kinder jeweils im Halbjahresabstand geboren, nicht automatisch 12mal Kindergeld bedeuten kann.
    Wenn man über Integration redet, muß man auch über die innere Kündigung vieler städtischer Mitarbeiter reden, die damit zu tun haben. Wer das anfängt, kommt einerseits nicht um die rechte Herrenmenschenattitüde gegenüber dem Immi und andereseits einer linken sozialchauvinistischen Herrenmenschenattitüde gegenüber dem "teutschen" "Pack" geschuldeten inkonsistenten Gesetzgebung in Deutschland herum. Da sehe ich z.Z. viel größeren Handlungsbedarf als bei der Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel.

  • #31
    Davbub

    @ 21: "Wer nun glaubt, dass diese Menschen nach Deutschland kommen, um "tolle"Sozialleistungen zu bekommen, irrt-…"
    In welchem Paralelluniversum leben Sie denn?
    Ich kenne bulgarische & rumänische Familien, die ausschließlich vom Kindergeld und der Aufstockung auf ihre Scheinselbstständigkeit leben. Nebenbei wird noch Bares auf dem Flohmarkt gemacht.
    Es ist kein deutsches Problem, daß diese Menschen in ihren Heimatländern tatsächlich oder angeblich diskriminiert werden; und es kann nicht Sinn & Zweck der EU-Freiheiten sein, daß wir seit Jahren eine massive Einwanderung in die Sozialsysteme erleben müssen.

  • #32
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann, mit viel Phantasie sehe ich, daß Sie im oben (9) geschilderten Fall ebenso wie ich ein Problem anerkennen. Ja, tatsächlich gibt es solche Fälle unabhängig vom Herkunftsland der Mieter.
    Und ich denke, daß es schnelle Lösungen für solche Fälle geben sollte. Und daran hapert es.

  • #33
    thomas weigle

    @ Wolfram Obermanns #30 Ich würde ihren Begriff mit dem Adjektiv linksgrün versehen wollen. Ich war 10 Jahre lang, wie schon erwähnt, Mitglied der grünen LWL-Fraktion und galt einigen als Fraktionsfaschist, weil ich die Meinung vertrat, dass nicht jeder Deutsche ein potenzieller Ausländerfeind ist. Besonders ungut aber kam an, dass ich aus meiner beruflichen Erfahrung mitzuteilen wusste, dass nicht jeder Ausländer per se gut ist. Erregten Widerspruch erntete ich auch mit der Forderung, dass ohne ausreichende Deutschkenntnisse alles nix ist. "Die brauchen keine Deutschkenntnisse, weil sie eh keine Arbeit finden," war die Antwort eines späteren Fraktionsvorsitzenden auf einen entsprechenden Beitrag von mir, in der es um die Integration von Russlanddeutschen ging. Diese Einstellung hat mich völlig fassungslos gemacht und mit dazu beigetragen, dass ich bis heute den Grünen in der Schul-und Sozialpolitik nicht über den Weg traue.
    Allerdings braucht es für die Bewältigung der Integrationsaufgaben auf jedenfalls ausreichend Geld und Personal.
    Die seltsamen Irrwege deutscher Politik waren gestern in FAKT zu bestaunen. In Sachsen-Anhalt organisiert man die Einwanderung junger Indonesier, die in Pflege-und Gastronomiebetrieben ausgebildet und dort dringend benötigt werden. Dagegen ist eigentlich nichts zu sagen. Verrückt daran aber ist, dass diese Menschen ohne Probleme ein Arbeitsvisum erhalten und später eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Flüchtlinge aber erhalten diese Möglichkeit nicht, können lediglich Praktika absolvieren, aber keine Ausbildung, von dauerhafter Arbeit nicht zu reden.

  • #34
    Wolfram Obermanns

    @ thomas weigle #33
    Bei den Russlanddeutschen auch noch? – Das ist schon krass spät, auch für einen (die?) Grünen.

    Aber mit linksgrün ist es, m.E. nicht wirklich getan. Dieser doppelte Rassismus, einmal gegenüber den "Teutschen" zum anderen gegenüber den zu paternalisierenden Nscho-tschi-Onkel-Tom-Immigranten, denen man u. a. die Kinder weg nehmen muß, damit was aus ihnen wird, ist auch jenseits der Grünen weit verbreitet. (Ursprünglich hatte ich Winnetou-Onkel-Tom schreiben wollen, habe es dann aber Gendergerecht erweitert – außerdem eröffnet das zusätzliche Übergriffsmöglichkeiten gegenüber der rot beschäftigten Putzhilfe. "Rot beschäftigt" weil sie schwarz arbeitet, dies aber die Arbeitgeber vor sich selbst als Widerstand gegen den gierigen Staat rechtfertigen, der der armen Frau noch Abgaben abknöpfen bzw. die Zuwendungen kürzen will. Und nein, das ist keine (rechte) Phantasie, das ist Erfahrung aus Gesprächen mit Mitgliedern sich selbst für links haltender Lehrer- und Pfarrerhaushalten (jeweils Plural). Andere Besserverdienende beschäftigen auch gerne schwarz, erzählen aber seltener so einen Scheiß dazu.)

  • #35
    thomas weigle

    @ Wolfram Obermanns Zur Klarstellung: meine grünen Erlebnisse waren in den 90ern, nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus.
    Allerdings möchte ich doch erwähnt haben, dass ich mir in dem einen oder anderen Fall mit ausländischen Kindern schon gewünscht hätte, dass die Behörden eingeschritten wären. manche Eltern, v.a. Väter, waren nur gruselig, bspw drohte ein Vater damit, dass er seinen hochkriminellen, aber noch nicht strafmündigen Sohn lieber in den Irak zurück schicken würde, ehe er ihn aus der Familie heraus nehmen ließe. Das Jugendamt ist vor dieser Drohung eingeknickt.

  • #36
    ke

    Was haben wir für Probleme?
    – Problemmieter wird man kaum los => Ich investiere nicht in Immobilien => Wohnraum bleibt knappt
    BTW ich habe hier auch Erfahrungen in der Familie, im Bekanntenkreis etc.
    – Die o.g. Möglichkeiten beim Kindergeldbezug bzw. bei Aufstocken etc. sind für Dauer-Bewohner in Deutschland nicht nachvollziehbar. Hier tun die Behörden zu wenig und haben das Problem zu lange ignoriert.
    – Die Behörden haben Umweltschutzgesetze, Gewerberecht etc. zu lange ignoriert und damit viele erträgliche Geschäfte ermöglicht (z.B. Schrottsammeln), die erfolgreich waren, weil sie einfach nicht die Spielregeln in Deutschland kannten/kennen wollten. Damit gab es natürlich genügend Pull Faktoren für das Ruhrgebiet.

    Insgesamt ist unser Staat, der auf das Outsourcen vieler Tätigkeiten an ihn gegen Zahlung von Gebühren mit dem Fokus auf Einzelpersonen/Kleinfamilien optimiert ist, einfach nicht in der Lage, auf Mobilität, Familienbesitz in Großfamilien etc. zu reagieren. Dies führte zu vielen Ungerechtigkeiten, die auch rechte Parteien fördern.

    Ebenso sollten genau diese Fälle eigentlich durch Gesetze im Rahmen der EU verhindert werden. Dies interessiert aber nicht (siehe Schengen, freie Arbeitsplatzwahl, Haftung für Schulden, Inflationsschutz …)

  • #37
    RobinS

    @Weigle
    Es ist doch auch so – auch ich habe eine Zeitlang mit Menschen mit Einschränkungen gearbeitet-, dass sehr viele Menschen Probleme mit dem Umgang mit Menschen mit Handicaps haben- Berührungsängste.

    Das ist letztlich auch bei solchen Menschen so, die nie Migranten kennen gelernt haben.Auch diese haben Botbehslte gegenüber Migranten.

    Es ist aber auch so, dass gerade die Segregation dazu führt, dass diese Vorbehalte bestehen bleiben oder sogar verstärkt werden.
    Da Sie als Sonderpädagoge Fachmann sind und ausweislich Erfahrung im Umgang mit Menschen mit den unterschiedlichsten Handicaps haben, wissen Sie um das Unverständnis der "Normalos".

    Ihren Hinweis, dass gerade auch junge Migranten Probleme mit Menschen mit Handicaps haben, würde ich auf bestimmte Machogruppen reduzieren.
    Grundsätzlich werden Vorbehalte dann abgebaut, wenn es zu direkten Begegnungen kommt.

    Das kann durch Inklusion geschehen und so auch die soziale Kompetenz der anderen gefördert werden. Von kluger und differenzierter Inklusion können alle profitieren- Menschen mit und ohne Handicaps und die gesamte Gesellschaft.

    Aber- nicht alles geht, nicht alles wäre versntwortungsvoll- da haben Sie vollkommen recht.

  • #38
    thomas weigle

    @ RobinS Es gibt eine Klientel, da reichen die Jahre der Schulpflicht nicht aus, um sie an einen halbwegs vernünftigen Umgang mit Menschen mit Handicaps zu gewöhnen. Auch hat man eine Fürsorgepflicht gegenüber denen, die eines besonderen Schutzes bedürfen.
    P.S. Es gefällt mir nicht, nur mit dem Nachnamen ohne Vornamen oder Herr angesprochen zu werden. Wenn Ihnen der Name zu lang ist, dann benutzen sie halt die entsprechende #. Danke

  • #39
    DEWFan

    Herrlich diese Gelsenkirchen Artikel. ich liebe die, aber ich bin ja auch Dortmunder^^
    So jetzt aber genug mit der Häme.

    Erstaunlich finde ich, dass die Afd in der "Nazihochburg" Dortmund nur unterdurchschnittlich abgeschnitten hat. Vielleicht ist diese Hochburg auch nur ein Wunschdenken der Rechten. Die breite Unterstützung aus der Bevölkerung fehlt aber und das ist auch gut so. Dortmund ist halt für die Rechten nur ein Stützpunkt ,nicht mehr und nicht weniger (schlimmer genug).

    Aber wenn mir ein Schalke-Fan wieder was faselt von "brauner Wand" und so, dann sage ich nur Gelsenkirchen, AFD, 17% – und schon wird er ganz ruhig 🙂

  • #40
    RuhrXPerte

    Begriffsdefinition: " Flüchtling "
    Ein Flüchtling flüchtet aus einem brennendem Haus, auf der Strasse ist Er sicher und muss nicht in die nächste Stadt reisen.
    Was heißt das übertragen ?
    ALLE sogenannten Flüchtlinge sind KEINE, es sind Ausländer oder Immigranten.
    Denn um sicher zu sein MUSS man(n) und auch Frau NICHT bis nach Deutschland reisen.

    Das sehen die EUROPÄISCHEN Gesetzte auch so vor.

    Die Frage bleibt: "WARUM Deutschland ?" 😉
    Der RuhrXPerte

  • #41
    Walter Stach

    RuhrXPerte
    Ja, kritisches Nachdenken über die Verwendung des Begriffes "Flüchtlinge" erscheint auch mir naheliegend, allerdings aus einer gänzlich anderen Motivation und mit einem gänzlich anderen Ergebnis.

    Mittlerweile dient " der " Flüchtling in allen möglichen Gesprächen und Diskussionen häufig nur noch dem Versuch, (partei-) politische Ziele zu erklären bzw.diese zu rechtfertigen.
    Bei mir ist deshalb seit einiger Zeit in solchen Gesprächen/Diskussionen stets die Rede von :
    "Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind".
    So viel Zeit nehme ich mir, um immer wieder jedermann daran zu erinnern, daß über Menschen geredet wird, über existierende menschliche Lebewesen und nicht über Flüchtlinge als anonyme Wesen, die….???????

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