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Griechenland: Das schwarze Schaf der Familie – Überbrückungshilfe oder Fass ohne Boden?

In den vergangenen Monaten beherrschte ein Thema die wirtschaftspolitische Debatte, die drohende Zahlungsunfähigkeit von Griechenland. Nach vielem Hin und Her seitens der „großen“ Politik hat sich die Lage nun zugespitzt, denn im April wurde offenbar: Griechenland möchte Geld vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Partnerländern der EU, um seine laufende Refinanzierung sicherzustellen. Das Land muss sich durch die Aufnahme neuer Schulden refinanzieren, da alte Schuldverschreibungen nun fällig werden.

Von unserem Gastautoren Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI-Essen

Da Staaten gewissermaßen ewig leben und in der Regel für ihre Schulden gut sind, ist dies normalerweise kein Problem. Aber der Zinssatz, der bei der Aufnahme neuer Schulden am Markt bezahlt werden müsste, ist mittlerweile aufgrund der gestiegenen Risikoprämien erdrückend. Hierin schlägt sich das mangelnde Vertrauen in griechische Staatsschulden nieder. Wenn es so weiter ginge, würde die Insolvenz des Staates drohen. Um das zu verhindern, könnte ein günstigerer Kredit durchaus helfen.

Nun kann man – was außerhalb Deutschlands auch viele machen – fragen, warum ein so wirtschaftsstarkes Land wie Deutschland sich so schwer tut, die gewünschten Hilfen bereit zu stellen. Es geht doch „nur“ um einen zweistelligen Milliardenbetrag, und den könne man nach all den Kosten der großen Wirtschaftskrise doch noch schultern. Doch viele deutsche Wirtschaftswissenschaftler sind um die Anreizwirkungen besorgt, die von einer ungeschickt ausgestalteten Hilfe ausgehen. Sie verlangen als Voraussetzung für jegliche finanzielle Hilfe, dass Griechenland sich einem rigorosen Sparkurs unterwirft.

Ihre Kritiker wiederum zeigen dafür großes Unverständnis und werfen ihnen akademische Betriebsblindheit oder gar Inkompetenz vor: Wie könne man, so fragen sie, in einer Rezession auch noch einen Sparkurs verlangen, der die aktuelle griechische Krise noch verschärfen würde? Schnelle Hilfe sei stattdessen angesagt.

Dabei, so soll die folgende Parabel zeigen, ist die Frage nach den richtigen Anreizen keineswegs eine akademische Übung im monetaristischen Elfenbeinturm, sondern spiegelt harte Realitäten wider, die vielen Familien im „wirklichen Leben“ ebenfalls nicht fremd sind. Und wie es in der Familie keine einfachen Lösungen gibt, so gibt es sie auch nicht in der Makroökonomik von Währungsunionen.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten als eines von mehreren Geschwistern einen Bruder in Finanznöten. Solange die Eltern noch lebten, war dieser Bruder nicht ihr Problem gewesen. Während Sie eine eigene Familie gegründet und in harter Arbeit an ihrer beruflichen Karriere gebastelt haben, war Ihr Bruder immer noch am Studieren, jahraus, jahrein. Was seinen Lebensstil angeht, ist Ihr Bruder schon immer eine Art Hallodri gewesen. Zugegeben, er ist charmant und witzig, sehr belesen und kontaktfreudig, und nicht nur Sie genießen seine liebenswerte Art.

Finanziert wurde diese andauernde „Ausbildung“ aber durchweg von Ihren Eltern. Immer wieder mussten diese etwas zuschießen, weil der Meister sein Geld nicht bei sich halten konnte. Sie hatten darüber mit ihnen gehadert, zeichnete sich doch ab, dass der Bruder trotz aller elterlichen Mahnungen nie ein ordentliches Finanzgebaren lernen würde. Aber verständlicherweise waren Sie mit den Problemen Ihrer eigenen Familie zu sehr beschäftigt, um sich dem Ärger auszusetzen, Ihre Eltern zu belehren.
Jetzt sind diese Eltern gestorben und haben ein Erbe hinterlassen, das jedem ihrer Kinder eine bescheidene finanzielle Selbständigkeit erlaubt. Aber Ihrem Bruder rinnt das Geld immer noch nur so durch die Finger. Eigentlich ist er auch ein erwachsener Mann, für den die Geschwister nur ungern in die Elternrolle schlüpfen mögen. Aber ganz ehrlich ist er zudem auch nie gewesen. Mit seiner Rolle als Lebenskünstler vereinbar, hat er nie richtig über den Stand seiner beruflichen Bemühungen Auskunft gegeben und wenn, dann nur geschönt. Die Eltern waren in ihrer Liebe blind gewesen, aber wer Augen im Kopf hatte, der hat das Dilemma förmlich kommen sehen.

Jetzt hat sich der Bruder in einem Brief an Sie um Hilfe gewandt, denn er hat sein Erbe völlig durchgebracht, aber sein „Studium“ stünde kurz vor dem Abschluss. Sie stehen von allen Geschwistern wirtschaftlich am besten da. Dass Sie diese wirtschaftliche Stärke hart und unter Verzicht auf die angenehmen Dinge des Lebens erarbeitet haben, bestreitet keiner. Einige der Geschwister würden gerne helfen, sind aber finanziell nicht in der Lage, andere lehnen von vornherein ab.

Sie sind jetzt in einem Dilemma. Selbst wenn Sie momentan nicht gerade aus dem Vollen schöpfen können – die Wirtschaftskrise ist nicht ganz spurlos vorüber gegangen –, so haben Sie doch die Möglichkeit, eine kurze Überbrückung zu finanzieren, bis der Bruder endlich eine Arbeitsstelle gefunden hat. Und Sie wissen, was man an Familienbanden so hat – man hat eben doch mehr Gemeinsamkeiten als man sich in Kindheit und Jugend so eingestehen wollte. Blut, so haben auch Sie erkannt, ist eben doch dicker als Wasser …

Die Parallelen zur Familie der EU, bei der die Aufsichtsbehörden nicht so genau hingeschaut haben, als eines der Familienmitglieder Jahr um Jahr über seine Verhältnisse gelebt hat, sind doch nicht zu übersehen: Wie in einer Familie hat sich auch Griechenland aufgrund der Zugehörigkeit zur EU Staatsausgaben und Lohnsteigerungen leisten können, die ansonsten niemals möglich gewesen wären. Zudem war Griechenland offenbar schon in der Vergangenheit eher ein Lebenskünstler gewesen, hatte aber wegen der Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion (EWU) das Instrument verloren, seine Währung abwerten zu können, um so eine Zuspitzung der Situation zu verhindern.

Und wie sich die Eltern nicht den Schmerz angetan haben, mit ihrem Sohn rechtzeitig Tacheles zu reden, und die Geschwister ihre eigenen Probleme lösen mussten, haben auch die Aufsichtsgremien der EU und die übrigen Mitgliedsländer weitgehend untätig zugeschaut. Und bei aller Liebe zur Wiege der Demokratie, die Unehrlichkeit der griechischen Statistikbehörden ist eigentlich unfassbar. Niemand weiß genau, welche Prognosen für das künftige griechische Wirtschaftswachstum realistisch sind. Schließlich trifft es zu, dass Deutschland die wirtschaftsstärkste europäische Volkswirtschaft ist. Aber hier stehen verstärkte Investitionen in Bildung an, um sich auf den demographischen Wandel vorzubereiten. Und in der Wirtschaftskrise sind nicht nur die Staatsschulden erheblich gewachsen, sondern auch die Wachstumsrate ist mittelfristig gedämpft.

Wie Deutschland in der EU, so stehen Sie in der angespannten Familiensituation unserer Parabel keineswegs vor einer einfachen Abwägung: Mit einer einmaligen Finanzspritze ist es doch in beiden Fällen wohl kaum getan. In einer Traumwelt wäre der Bruder durch die Schmach, um die Hilfe der Geschwister ersuchen zu müssen, geläutert und würde alles daran setzen, möglichst rasch auf eigenen Beinen zu stehen. In einer Traumwelt würde Griechenland von jetzt auf nachher zu einer solide wirtschaftenden Volkswirtschaft, ohne Steuerhinterziehung und Korruption, mit großer Einsicht in die Notwendigkeit beschränkter Lohnzuwächse. Beides ist aber wohl kaum realistisch. Stattdessen drohen immer wiederkehrende Bitten um finanzielle Unterstützung.

Ob es jeweils sinnvoll ist, Hilfen zu geben, hängt daher vor allem daran, ob diese an Voraussetzungen geknüpft werden können, die eine Wiederkehr des Problems verhindern. Genau dafür ist international der IWF da, der einen Fahrplan zu mehr Solidität erarbeiten muss. Es ist in beiden Fällen fraglich, ob die unangenehme Aufgabe von einem Familienmitglied geleistet werden kann. Natürlich ist es irgendwie peinlich, auf Hilfe von außen angewiesen zu sein. Aber Scham darf eine konstruktive Lösung nicht verhindern. Und wäre es wirklich denkbar, dass der Zahlmeister Deutschland dem Hilfeempfänger Griechenland offen als Lehrmeister gegenübertritt? Im Familienkontext wäre jedenfalls Ärger vorprogrammiert.

Was in der akuten Notlage gar nicht helfen wird, ist die Einberufung eines Familienrats, der für künftige Notlagen einen Notfallplan entwirft, nach dem angesparte familiäre Gelder unter Auflagen zugeteilt werden. Nichts anderes ist im makroökonomischen Zusammenhang die Idee, jetzt einen Europäischen Währungsfonds (EWF) zu gründen. Dieser müsste ebenfalls zunächst aufgebaut werden und böte wohl kaum mehr, als den Europäern künftig die Peinlichkeit der Inanspruchnahme des IWF zu ersparen. Darüber hinaus stellten sich doch die gleichen atmosphärischen Probleme wie bei einem direkten deutschen Eingreifen. Denn wer sonst als Deutschland sollte als stärkster Finanzier hinter dem EWF stehen?

Ähnliches gilt für andere Vorschläge: Ob es sich darum dreht, gemeinsam einen Kredit aufzunehmen („Eurobonds“), für einen aufgenommenen Kredit zu bürgen („Garantien“) oder eine direkte Finanzspritze zu geben („bilaterale Hilfen“), das Geld werden die Geber voraussichtlich nicht oder zumindest nicht in Gänze wiedersehen. Das wäre für sich genommen aber gar nicht so schlimm, denn Solidarität in der Familie besteht häufig in Transfers. Darauf fußt beispielsweise der allseits anerkannte Konvergenzprozess der EU, bei dem Deutschland als größter Nettozahler fungiert.

Wichtig ist aber, wie Sie es schaffen können, eine Verhaltensänderung zu erzwingen, damit aus der Überbrückungshilfe kein Fass ohne Boden (eine „Transferunion“) wird. Wenn Ihnen dies nicht gelingt, müssen Sie die Hilfe verweigern, denn Ihre eigene Familie hat es nicht verdient, für den ungezügelten Lebenswandel eines engen Verwandten ihr eigenes Wohl zu verlieren. Deutschland trägt in Europa eine hohe Verantwortung für Frieden und Integration – diese Rolle macht es erforderlich, Hilfeleistungen für selbst verschuldete volkswirtschaftliche Miseren an klare Bedingungen zu knüpfen, und sie gegebenenfalls auch zu verweigern.

Christoph M. Schmidt ist Präsident des RWI-Essen, Professor an der Ruhr Universität Bochum und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, den sogenannten Wirtschaftsweisen.

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19 Kommentare zu “Griechenland: Das schwarze Schaf der Familie – Überbrückungshilfe oder Fass ohne Boden?

  • #1
    Ulrich Voß

    Jaja, die Griechen als Hallodri. Gut, dass die fleissigen Briten, Iren und Amerikaner so verantowrtungsvoll mit ihrem Geld umgegangen sind …

    Wenn wir schon bei Bildern sind: Die Griechen, ach ne, mein Bruder, schwimmen gerade im eiskalten Wasser. Was mache ich da? Ein Seil reinwerfen oder diskutieren? Wenn Griechenland Pleite geht, haben wir ein Erdbeben, gegen den Lehman wahrscheinlich ein schlechter Scherz war. Außerdem retten wir dann statt den Griechen die deutschen Banken, deren Bilanzen unter den Abschreibungen implodieren. Ist das besser? Ich dachte, wir hätten irgendwas aus der unkontrollierten Pleite von Lehman gelernt.

    Sollen wir die Griechen jetzt dafür bezahlen lassen, dass wir (alle!) eine Währungsunion gebaut haben, in die wir erstens alle reingelassen haben (selbst Italien und Spanien und am Ende sogar Deutschland, obwohl niemand die 60%/3% Regeln eingehalten hat) und uns zweitens keine Exitregeln überlegt haben? Weder für eine Pleite, noch für einen Ausstieg aus der Eurozone.

    Nein, mein präferiertes Szenario ist ein anderes: Jetzt Griechenland die Refinanzierung ermöglichen, aber nicht zu billig, damit Griechenland ein Eigeninteresse hat, so viel zu sparen, dass die selber billiger wieder Geld am Kapitalmarkt bekommen. Den IWF die Nummer monitoren lassen (die können das, die sind da, die haben Erfahrung). Die gewonnene Zeit muss man nutzen, um an einem Ausstiegsszenario aus der Eurozone zu arbeiten. Damit öffnet man zwar Politikern und den Finanzmärkten die Türe für den Austritt (bzw. die Spekulation darauf), aber wenn die letzten Wochen etwas gezeigt haben, ist es, dass ein einfaches Ignorieren dieser Fälle auch nicht hilft. Die Finanzmärkte spekulieren trotzdem und die Politiker denken trotzdem über einen Austritt nach.

    Ich gebe zu, dieser „Plan“ hat Schwächen. Nämlich die, dass ich hoffe, die Politiker könnten – quasi freiwillig – die nächsten Jahre nutzen, um an einem Ausstiegsszenario zu arbeiten. Wenn man sich die Bankenregulierung anschaut, ist diese Hoffnung allerdings die eines Optimisten. Denn wir hatten vor der Krise Banken, die schon Too-Big-to-Fail waren, und die wurden zusammengelegt und sind jetzt noch größer, wir haben Buchhaltungsrichtlinien, die aufgeweicht wurden und die Buchhaltung intransparenter gemacht haben, und haben strengere Eigenkapitalanforderungen noch weiter in die Zukunft geschoben. Ziemlich ernüchternd.

  • #2
    Werner Jurga

    Wenn man sich so die Familienparabel durch den Kopf gehen lässt, fragt man sich schon, wie es ein von der Bundesregierung bestellter Sachverständiger, der selbige bezüglich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung beraten soll, fertig bringen kann, die Griechenlandkrise zu erörtern, ohne auch nur ein Wort über realwirtschaftliche Aspekte zu verlieren – abgesehen von dem Nebensatz, dass niemand wisse, wie realistisch „Prognosen für das künftige griechische Wirtschaftswachstum“ sind. Auch die Kleinigkeit, dass Griechenland zur Währungsunion gehört, bleibt unerwähnt. Gut, ließe sich einwenden, so etwas setzt der Professor als bekannt voraus. Nur: wofür? Der Euro kommt in dem Beitrag überhaupt nicht vor. Es geht, wenn überhaupt, um eine „Überbrückungshilfe“ – gepackt zwischen die Begriffe „schwarzes Schaf der Familie“ und „Fass ohne Boden“.
    Schmidts Standpunkt ist, auch wenn hier eine Abwägung von Argumenten vorgetäuscht wird, recht gut erkennbar. Abwägung von Argumenten, mmhh: Freunden helfen (pro) versus kein Geld verplempern (kontra). Welche Argumente wären da noch?

  • #3
    so, so

    nett, daß ein Volkswirtschaftsprofessor einem Ökonomie anhand einer Parabel erklärt. Nur müßte dann die Parabel doch vielleicht etwas anders lauten. Zum Beispiel hat der Bruder auch bei Ihnen einen Kredit am Laufen. Und dieser Kredit ist dann auch perdu, wenn sie dem Bruder kein Geld zukommen lassen. Zudem gibt es noch andere Brüder in der Familie, deren Zahlungsfähigkeit auch deutlich leiden könnte und die auch noch bei Ihnen Kredit haben. Außerdem haben sie mit allen Brüdern eine GmbH gegründet. Dies GmbH hat einige Merkwürdigkeiten. Jeder Bruder hat ein eigenes Konto, auf dem die Beträge verbucht werden, die er erwirtschaftet. Und die Brüder verrechnen sich untereinander ihre Leistungen, wobei der Anteil der Leistungen abhängig ist von der Produktivität mit der sie die Leistung erbringen. Es könnte sich nun zeigen, daß ihr stolzes Plus nur darauf beruht, daß ihre Brüder im Leistungsaustausch ständig draufzahlen. Inwiefern ihre GmBH ein Erfolgsmodell ist wäre sehr die Frage, wenn klar ist, daß die Brüder ruiniert werden. Insofern haben sie auch ganz schön von der Ausgabefreudigkeit der „Hallodris“ profitiert und das fällt weg, wenn ihre Brüder pleite gehen. Ob die Brüder ihnen deshalb nicht vielleicht die GmbH kündigen, weil klar ist, daß diese sie ruiniert könnte auch noch passieren. So oder so, ihr Traum, mit dieser GmbH gegen einen Großen der Branche anzugehen wäre auch vernichtet. Eben so, wie es im normalen Familienleben so zugeht ;-).
    Der Satz
    „Dabei, so soll die folgende Parabel zeigen, ist die Frage nach den richtigen Anreizen keineswegs eine akademische Übung im monetaristischen Elfenbeinturm, sondern spiegelt harte Realitäten wider, die vielen Familien im „wirklichen Leben“ ebenfalls nicht fremd sind.“
    ist dazu eine nette Kommentierung. Aber es scheinen mir doch ziemlich viele „Realitäten“ die Komplexitätsreduktion zwecks Modellbildung nicht überlebt zu haben, die relevant sind, um die Konsequenzen zu betrachten. Ein besonders schönes Beispiel, wie Teile der Volkswirtschaftslehre funktionieren. Wir suchen die Realitäten solange aus, bis sie zu umserer Beurteilung passen. Und ein schönes Beispiel für die Expertise.

  • #4
    GoeZz

    Erschreckend, dass ein solch unfassbar unwissenschaftlicher und v.a. vor Weglassung und Falschdarstellung strotzender Artikel von einem Professor der auch noch den Wirtschaftsweisen zuarbeitet stammt.
    Hätte das jetzt ein Laie geschrieben, hätte man sagen können netter Versuch das anschaulich zu erklären, aber so muss man es fast als Bankrotterklärung eines Wissenschaftlers werten!

  • #5
    so, so

    @werner jurga

    na ja, wenn die Bundesregierung einen Sachverständigen beruft, heißt das ja noch lange nicht, daß sie ihre Entscheidung von dessen Sachverstand abhängig macht. Das zeigen ja viele Entscheidungen gerade der letzten Jahre. Und so kommt es ja auch zustande, daß der von einer Regierung bestellte Sachverstand je nach Regierung diametral entgegengesetzt sein kann. Fitossi gilt hierzulande unter Experten als Kuriosum wie umgekehrt so mancher Experte hierzulande als Kurisum in Frankreich gilt. Und die Äußerungen des IWF-Chefökonomen Blanchard gelten hierzulande für viele Experten als völlig – nun ja – fragwürdig. Bei der Vielfalt der Meinungen kann eine Regierung so ziemlich jede Entscheidung mit einer wissenschaftlichen „Begründung“ schmücken. Und das ist ja auch ein Nutzen.

  • #6
    Ulrich Voß

    @So,so

    Och, der Blanchard ist nicht so blöd. Die Inflationsidee ist kontrovers, aber was der zu Griechenland sagt, ist nicht so doof:

    http://www.ftd.de/politik/europa/:lehren-aus-der-griechenland-krise-iwf-gegen-ausschluss-von-euro-laendern/50105849.html

  • #7
    so, so

    @arnold voss

    nun, daß Blanchard blöd ist, wollte ich nicht sagen. ich fand es nur interessant, daß die deutschen „Experten“ – soweit ich das überblicke – fast unisono so taten, als wäre er von allen guten Geistern verlassen. Daß hierzulande die Monetaristen fast durchgängig in der VWL das Sagen haben und in Frankreich – na ja – sagen wir mal die Nachfragetheoreitker, hat m.E. nur damit zu tun, daß eben die Poltik hier auf einen harten Euro setzt als das Mittel, um die eigene (Wirtschafts-)macht zu stärken und Frankreich eben auf eine Verschuldung zwecks „Stimulation“ des Wirtschaftswachstums setzt. Durch die Zuordnung zu Wisenschaftsschulen wird so getan als würden die Politiker ernsthaft irgendwelche wissenschaftliche Theorien umsetzen. Das gibt der ganzen Sache den Schein der Wissenschaftlichkeit. Wie aber zum Beispiel die deutsche Politik zeigt, lässt man durchaus mal fünfe gerade sein, wenns der Bankenrettung dient oder Griechenland etc.. Das Witzige ist, daß sie deshalb tatsächlich jede Menge Kiritik von seiten der „Experten“ und des „Volks“ kassiert. Bei Anne will saß gestern ein völlig verbiesterter Baring der immer griesgrämiger blickte, als auch noch ein Professor für politische Ökonomie die Griechelandhilfe durchaus rechtfertigte. Die verstehen die Welt nicht mehr. Die Experten, weil sie sich einfach eingebildet haben, die Politik wäre Resultat ihrer „Theorie“ und das Volk nicht mehr, weil es einfach eingesehen hat, daß „gespart“ werden muß. Daß dies nur der Rechtfertigungstitel für die Kürzung der Sozialausgaben und allgemein von Staatsausgaben, die der Staat heutzutage als unnütz ansieht, war und ist, das haben sie halt nicht kapiert. Und nun müssen sie mitansehen, wie ein Staat, der ein ums andere Mal gesagt hat, es wäre kein Geld da, plötzlich zig Milliarden ausgibt. Daß die Aussage von früher, es wäre kein Geld da, eine Lüge war und ist, das wollen sie daraus nicht schließen. Brav erzogen von Politik und Öffentlichkeit stehen dann Männlein und Weiblein da und erzählen vor laufender Kamera. so ginge es aber nicht, wo ihnen die Poltik gerade vorführt, daß es so geht. Und vielleicht gibts halt auch bald ein paar andere Experten, die zumindest nicht mehr monetaristisch sind.

  • #8
    Beate

    Ich habe Sympathie für die Auffassung Leontiefs, dass Lohnsenkungen höhere Arbeitslosigkeit zur Folge haben.

    Können Sie abschätzen, wieviele Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden müssen, wenn nach Griechenland, Spanien Irland, Grossbritannien, Frankreich, USA, China anfangen werden zu sparen.

    Was sollten wir dann tun. Unsere Löhne senken?

  • #9
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  • #11
  • #12
    Patrizia

    Ich meine, dass die Familienparabel, um einmal das hübsche Wort von Herrn Jung
    zu verwenden, auch nicht im übertragenen Sinne die Situation richtig umschreibt.
    Der „griechische Bruder“ steht nicht kurz vor dem Abschluss (s)eines Studiums,
    sondern ist doch eher ein „Sozialfall“ mit wenig Hoffnung auf Besserung.
    Die Frage die sich für die Geberländer, wobei diese selber so ihre Problemchen
    haben, innerhalb der EU stellt ist doch, „kann sich eine Gemeinschaft von Ländern
    so einen „Sozialfall“ leisten ? … und wenn ja, wieviele solcher „Sozialfälle“ könnte
    sie sich leisten ? … und unter welchen ökonomischen Bedingungen überwiegen
    noch Vorteile der €-Zone deren Nachteile, welche innerhalb derselben durch diese
    „Sozialfälle“ verursacht werden ?“. Dabei sollte nicht unberücksichtigt bleiben,
    dass ein „Rauswurf“ von Griechenland aus der €-Zone den ökonomischen Kollaps
    dieses Landes zur Folge hätte, sprich Griechenland bei so einem Szenario auf den
    Stand eines Entwicklungslandes absinken würde.

    Wenn man den Fall Griechenland unter diesem Blickwinkel betrachtet, ist praktisch
    eine Verweigerung von Hilfe durch die übrigen Länder, – auf Dauer oder über einen
    längeren Zeitraum hinweg -, praktisch ausgeschlossen, genau wie ein Rauswurf
    Griechenlands aus der €-Zone praktisch ausgeschlossen ist.

    Wenn diese Fakten unveränderlich sind, ist doch die viel spannendere Frage,

    wie müssen sich die ökonomischen Bedingungen in der €-Zone verändern, – auch
    unter einer kaum beeinflussbaren demografischen Komponente und einer nicht
    aufzuhaltenden Globalisierung -, dass sowohl ein „Sozialfall“ à la Griechenland, als
    auch ein stetig steigender Sozialkostenaufwand, welche die Altergesellschaften in
    den EU-Ländern verursachen, finanziert werden kann ?

    Ich meine, dass der Devisenmarkt einen Lösungsansatz mit einem schwächelnden
    € anbietet. Eine €-Schwäche verändert langfristig die Waren- und Kapitalströme.
    Sie könnte, wenn der EZB der Spagat zwischen Niedrigzinspolitik und eventuell
    importierter Inflation gelingt, für neue Investitionen und zusätzliche Arbeitsplätze
    sorgen. Ein zusätzlicher Lösungsansatz bietet eine Studie von McKinsey. Sie geht
    bei stetigem, keineswegs starkem wirtschaftlichen Wachstum in den europäischen
    Ländern, von einem Arbeitskräftemangel und zukünftigen, sehr niedrigen,
    Arbeitslosenzahlen aus. Neben dem signifikanten Absinken der Sozialausgaben in
    diesem Bereich, sprich Einsparungen, könnten mit den so „erzielten Überschüssen“
    auch bestehende und zukünftige „griechische Syndrome“ finanziert werden.

  • #13
  • #14
    Frank

    Ja genau, die Krise ist für die unverantwortliche Bewirtschaftung des Geldes verantwortlich. Die Staatsschulden von Griechenland waren dafür die ersten Anzeichen, da was schief läuft.

  • #15
    Tom

    Also entweder hat der Herr Schmidt keine Ahnung von Wirtschaft oder keine Ahnung von Parabeln.

    Das schwarze Schaf der Familie hat doch ökonomisch aus seiner Sicht alles richtig gemacht: geringer Einsatz — viel für sich rausgeholt.

    Das ist doch Ökonomie, oder? Und seit wann geht es bei der Ökonomie um Moral?

  • #16
    Ulrich Voß

    @Weissgarnix:

    Schmidt hat auch Ende 2008 vor dem „Verschieben der Steuersenkungen auf die lange Bank gewarnt“, also die Position vertreten, an die inzwischen nicht einmal die Betonköpfe in der FDP noch glauben …

  • #17
  • #18
    so, so

    @Christian S.

    ja, es ist halt so, daß die Deutschen nichts von „Wirtschaft“ verstehen. Wird ja in der Schule schon überhaupt nicht unterrichtet. Und „Wirtschaft“ ist mindestens so schwierig wie Physik, wenn nicht sogar schwieriger ;-). Da kann man richtig dankbar sein, daß man es so plastisch erklärt bekommt. So mit „geht zu wie in der eigenen Familie“ und so. Ich hab früher auch immer das Schäufelchen vom Bruder gewollt. So geht schon mal Konkurrenz. Und wir verkaufen uns auch immer gegenseitig was. Meine Mutter kassiert fürs Kochen, mein Bruder fürs Einkaufen, mein Vater schiesst das Geld vor für die Einkäufe und kassiert Zinsen usw..

  • #19
    emden09

    Als Rettungsanker für Staaten, die die (EU) Weltöffentlichkeit mit frisierten Bilanzen jahrelang über ihre wahren Verhältnisse getäuscht und betrogen haben, gibt es den IWF. Dieser hat die rechtlichen Mittel Hilfen an sinnvolle Auflagen zu knüpfen.

    Die EU hat hier keine Handhabe, Kredite an sinnvolle Auflagen zu knüpfen, weil ja in den EU-Verträgen solche bilateralen Hilfen nicht nur nicht vorgesehen sind, sondern mit gutem Gurn kategorisch ausgeschlossen wurden.

    Also entweder stellt sich Griechenland dem internationalen Konkursverwalter (IWF) oder es gibt halt keine Kohle – Bilanzfälscher wandern normalerweise in den Knast, wenn das in Griechenland nicht möglich ist, weil die größten Bilanzfälscher/Steuerhinterzieher mitten in der Regierung selbst sitzen, ist das KEIN deutsches Problem und auch keines der EU.

    BTW: Was ist das denn für ein Argument „die Kontrolleure hätten jahrelang nicht so genau hingeschaut“? Darf man neuerdings mit 100 durch die 30ger Zone brezeln und sobald man Kinder und alte Leute platt fährt behaupten, da hab ncoh nie ein einziger Radarwagen gestanden und wenn der Staat die Einhaltung der Gesetze nicht kontrolliere, dann könne er diese ja nicht so ernst gemeint haben? Blödsinn. Betrüger werden zu recht mit Verlust der Kreditwürdigkeit (und normalerweise mindestens temporär mit Verlust der Freiheitsrechte) bestraft, sobald man sie erwischt, nicht die Kontrolleure sind Schuld, dass der Betrüger pleite ist, sondern der Betrüger alleine – ganz alleine.

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